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Full text of "Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte"

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Vierteljahrshefte für ... 

Württemberg (Germany). Statistisches Landesamt, 
Württembergische Kommission für .,.„ 






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WÜRTTEMBERGISCHE 

4 

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FÜR 



LAPESGESCHICHTE. 



IN VERBINDUNO HIT 



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STDTWABT, »Hl IHTBUSCIEI VEEEII PtK BIS WfiMTEII. HUIIBI DIB BEI 80LCM1UEK 1LTEU0K8VE1E11 



HEKAU8GEGEBEN 



E. STATISTISCHEN LANDESAMT. 



[AHf^GANG X. 
1887. 



STUTTGART. 

W. KOHLHAMMER. 

1888. 



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Druck von W. Kohlhammer in Stuttgart. 



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Inhalt. 



Seite 
NacKlefe zu den Uhland- Biographien. Zufamuiengeftellt auf den hundertjährigen Gedenktag 

der Geburt des Dichters 1 

Die fchwäbifchen Gefchicktsforfcher und GefchichtJ ehr eiber. Eine Überficht von Dr. Karl 

Klüpfel in Tübingen 89. 171 

Mitteilungen der Anfialten für vaterländifche Gefchichte und Altertumskunde. 
Vom E. ftatiftifchen Landesamt. 

Württembergifche Gcfchichts-Litteratur vom Jahr 1886 81 

Wflrttembergifcker Altertumsverein in Stattgart. 

Alte kirchliche und weltliche Gebräuche in Ellwangen. Von Pfarrer K. A. B usl in Bavendorf 37 

Aus dem Wortfehatz der Ellwanger Mundart. V on Dr. Albert Vogelmann in Ellwangen 40 

Hechinger Latein. Nachtrag. Von Prof. Dr. H. Fi f eher in Stuttgart 45 

Die Zerflörung von Enzberg 1384. Von Pfarrer G. Boffert in Bächlingen 48 

Die Burgkapellen auf Achalm und Sperberseck. Von Archivfekretär Dr. Schneider in 

Stuttgart 51 

Zufammenkünfte der Mitglieder und Freunde des Württ. Altertumsvereins 50 

Die Heerflraße der Peutinger- Tafel von Vindonifja bis Abufina. Von Finanzrat Dr. Paulus 

in Stuttgart 102 

Ein Stammbuch Herzog Friedrichs I. von Württemberg. Von Max Bach in Stuttgart . . 109 

Albrecht Dürer in Württemberg. Von Max Bach. Mit Bild 111 

Die Skulpturen des Stuttgarter Lufthaufes auf dem Schloß Lichtenflein. Von Karl Wal eher 161 

Unbekannter Befitz des Klofters St. Gallen in Württemberg. Von G. Boffert 180 

Zu Simchen S. 140. Von G. Boffert 180 

Verein für Kauft and Altertani in Ulm and Oberfehwaben. 

Über das Wappen der Grafen von Marftetten. Von C. A. Kornbeck in Ulm 17 

Die Familie der Befferer in Ulm. Vortrag, gehalten im Ulmer Altertumsverein von 

A. Schultes, Pfarrer a. D. in Ulm 26. 113 

Schlüffel zu einer Steinin fchrift. Mitgeteilt von Generalmajor a. D. v. Arlt in Ulm ... 35 

Noch einmal der Mengener Danuvius- Altar. Von Rektor Dr. Weizfäcker in Calw . . 36 

Sitzungsberichte ., 36. 136. 199 

Die Chrißianifierung des füdlichen Oberfehwaben s. Von Pfr. Boffert in Bächlingen . . 119 

Zur Gefchichte des Ulmer Weinhandels. Von Major Leeb in Würzburg 121 

Über den Namen des Weilers Schwedi OA. Tettnang. Von A. Schilling in Stuttgart . . 123 

Die Privilegien der Stadt Isny. Von Dr. med. Ehrle in Isny 124. 186 

Zu den Ortsnamen der Peutingerfclien Tafel. Von A.Arzt Dr. Bück in Ehingen . . . 181 

Die Gaflungen im Pfarrhofe zu Ehingen alD. Von Dr. Bück in Ehingen 194 

Hirtorifcher Verein für das Wftrtteiiibergifehe Franken. 

Ausgrabung des Bömerkaflells in Murrhardt. Mitgeteilt von Profeflbr Drück in Reut- 
lingen 52 

Zur älteren Topographie Württembergs, befonders im Codex LauresJiamcnfis. (Fortf.). Von 

Guftav Boffert iu Bächlingen 58.137.219 



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IV # Inhalt. 

Seite 

Reife auf der Teufelsmauer. Von Prof. Dr. Ludwig in Hall 62 

Kloßer BruderhartmannszeU. Überiicbtliche Gefchichte des Kl öfters. Von G. Boffert 144. 214 
Die Jagßhäufer Ausgrabungen im Herbß 1866. Von Pfarrer K. Guß mann in Gutenberg 

(früher in Sindringen). Mit Abbildungen 200 

Milüärifches in Künzelsau 1674—1785. Nach ftädtifchen Urkunden. Von H. Schmid in 

Ktinzelsau 205 

Einige Bemerkungen zu : Boger, Die Stiftskirche zu Öhringen. Von Dek. Klemm in Sulz . 220 
Bezeichnungen der chrißlichen Zeitrechnung. Von Pfarrer 6. Hartmann in Naflau OA. 

Mergentheim 220 

Sulcbgauer Altortanwereln. 

Die Bedeutung der römifchen Niederlajfungen auf dem kleinen Heuberg. Ergebnis einer dort 
vorgenommenen Rekognoszierung. Mit einer Kartenlkizze. Von E. v. Kallee, 

Generalmajor a. D. in Stuttgart 71 

Bömifche Heerflraße von Rottenburg über den Bromberg nach Cannßatt. Von Dem f. ... 75 

Römifche Niederlajpung bei Wachendorf. Mit einer Kartenfkizze. Von Dem f. 77 

Kleine Beiträge zur Gefchichte der Herrfchaß Hohenberg im 16. Jahrhundert. Von Guftav 

Boffert 155 

Der Herren-Stuben Ordnung und Freiheiten zu Rottenburg a. N. 1535, April 15. Mitgeteilt 

von Dr. Giefel in Stuttgart 222 

Die Kirche zu Bubenhof en. Von Dr. E. Schneider in Stuttgart 224 

Regifier 225 



Württembergifche Gefchichtsquellen. 

I. Codex HirfaugienHs« Herausgegeben von Dr. E. Schneider 1—78 



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Nachlefe zu den Uhland-Biographien. 

Züfammengeftellt auf den hundertjährigen Gedenktag 
der Geburt des Dichters. 




ker TUbinger Profeffor Ludwig Jofeph Uhland, der Großvater des Dichters, hatte 
dj^; nach der guten alten Sitte, die jetzt wieder in den kleineren Univerfitätsftädten 
aufzukommen fcheint, ein eigenes Haus in Tübingen. Da ihm felber eine Amts- 
wohnung, die fog. Hölle neben dem Stift, angewiefen war, überließ er die eigene, 
das jetzt Kaufmann Gunßerfche Haus, Hafengaffe Nr. 3, feinen Söhnen, von denen 
der ältere, Johann Friedrich, des Dichters Vater, den erften Stock bezog, der jüngere, 
der Arzt Gotthold, bald das ganze Haus übernahm und den zweiten Stock bewohnte. 
„Letzterem", lefen wir in Uhlands Leben, züfammengeftellt von der Witwe 1874, 
„wuchfen im Laufe der Jahre drei Töchter heran, mit welchen Ludwig viel zufammen 
war. Mit der älteften, ihm im Alter am nächften, Wilhelmine, Hand er in fo gutem 
Vernehmen, daß, wenn fie wegen einer Kinderunart eingefperrt wurde, er ßch in 
feiner Mutter Küche auf den Herd fetzte und durch den Rauchfang hinauf der lieben 
Bafe Märchen erzählte, um ihr die Zeit zu verkürzen." Diefe Wilhelmine Uhland, 
geboren zu Tübingen 2. Mai 1789, heiratete 1816 einen Univerfitätsfreund des Dichters, 
Friedrich Auguft Weißer, Sekretär im Staatsminifterium, f 1835 als Obertribunalrat, 
während fie felbft noch bis 1866 gelebt hat. Einer Tochter diefes Weiffer-Uhlandfchen 
Ehepaars, Fräulein Luife Weiffer in Stuttgart, verdankt die Redaktion der Vierteljahrs- 
tiefte die nachgehende Auswahl aus einer größeren Sammlung, welche die Befitzerin 
der K. öffentlichen Bibliothek zu überlaffen und damit einem künftigen Biographen 
Uhlands zur Verfügung zu ftellen beabfichtigt. 

1. Zum Stammbaum. 

Eintrag in einer Familienbibel. 

Ich Ludwig Jofeph Uhland bin durch Gottes Gnade zu Tübingen in 
diße Welt von chriftlichen und ehrlichen Eltern ehlich erzeugt und gebohren d. 15. 
Maji mittags um 12 Uhr Ao. 1722 und Tags darauf d. 16. Maji im Nahmen des 
dreyeinigen Gottes getauft worden. Meine durch Gottes Gnade noch lebende 
Eltern (fchriebs d. 14. Jul. 1756) find Jofeph Uhland 1 ), Burger und Handelsmann, 



\) Neben links fteht: Mein geliebter Vatter ftarb an Nachlaß der Natur d. 18. Aug. 1772, 
alt 88 Jahr, 7 Monat und 23 Tag. 

Wttrttemb. Vlerteljabrsheft« 1887. 1 



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2 Nachlefe 

und Maria Rofina, eine geb, Schnierlinin. Meine aus dem Taufbuche der Stiftskirche 
zu Tübingen felbft extrahirte Taufzeugen waren : Hr. Wolfgang Ludwig Baron von 
Grünthal zu Sündlingen, Hr. Johann Georg Enßlin Handelsmann allhier, Jgfr. Maria 
Dorothea Cottain, Buchhändlers Tochter. 

Großeltern vätterlicher Seite find: avus Hr. Johann Michael Uhland, 

Quartiermeifter bei dem Löbl. Wirtb l ) (Urgroßvattcr Jakob Uhland, 

Burger und Zimmermann zu Hattenhofen, Göppinger Amts) und avia: Fr. Maria 
Jacobina, Hr. Jacob Walter Fabers, Gerichtsverwandten zu Kleinen Gartach, und 
Margaretha, einer gebornen Daubin, Tochter. Gedachter Hr. Jacob Walther Faber 
war (krafft Extracts aus dem Kl.GartacherJChbuch Fol. 1. de ao. 1650 Dom. XXV 
p. Trin.) ein Sohn Hr. Johann Walther Fabers, beeder Rechten Doctoris und Fürftl. 
Wirtb. Canzley- und Ehe-Gerichts-Advocaten zu Stuttgardt. 

Großeltern mütterlicher Linie find: avus Johann Cafpar Schmerlen, 
Burger und Knopfmacher in Tübingen, der d. 13. Apr. 1742 in feinem 86jährigen 
Alter feiig verftorben, und avia . . . . 2 ) 

Diefes Bruchftück einer Genealogie fowie die nicht ganz klaren Mitteilungen 
in Notters Uhland S. 6 f. kann der Herausgeber der vorliegenden Blätter, dank 
freundlicher Unterftützung durch die Herren Bezirksfchulinfpektor Pfarrer Kullen in 
Hattenhofen, Pfarrer Th. Blumhardt in Boll, Stadtpfarrer Nieß in Kleingartach, Ober- 
helfer Elfäßer in Tübingen, folgendermaßen ergänzen (fiehe auch den Stammbaum S. 5). 

Dem Jakob Uhlandt (auch Ulandt gefch rieben ) , Zimmermann, und fei- 
ner Ehefrau Agnes Angelika find in Hattenhofen, wo in den Kirchenbüchern kein 
früherer Uhland erfcheint, 4 Kinder geboren: 1. Johann Michael im Dezember 1658 
— Paten: Hans Wolf, Badwirt in Boll, Urfula Schwanbauff, Schultheißen Gattin 
von Boll; 2. Johann Jakob 1. Mai 1660 — diefelben Paten; 3. Johann Georg 1. Mai 
1662 — eben diefelben Paten; 4. Friedrich 5. März 1664 — Paten: Hans Lang- 
bein, Anwalt in Barten bach, Agathe Spind ler v. Hattenhofen. Von den Eltern und 
Joh. Michael willen die Kirchenbücher des Orts nichts weiter 8 ), während Friedrichs 
Nachkommen in weiblichen Gliedern fortleben, auch in Boll noch weibliche Nach- 
kommen eines Jakob Uhland von Hattenhofen fleh finden. 

Das Stammhaus der Familie in Kl ein gart ach ift das Haus, in welchem 
heute Gottlob und Chriftian Bender wohnen, genauer das Wohnhaus und der Holz- 
fchuppen diefer Leute. In dem Holzfchuppen über dem Eingang der Kellerthüre 
ift ein Stein eingemauert mit der Jahreszahl 1602, zwifchen welcher 2 kreuzweifc 
über einander liegende Schlüffel fich befinden, darunter eine Hausmarke. Über dem 
Bogen der Kellerthüre fteht in fchöner Steinfchrift : •; I M V L -; 1733 ;• d. h. 
Johann Michael Uhland 1733. Der Stein daneben mit der Jahreszahl 1602 ift wohl 
von einem andern Gebäude hiehergekomnien. 

Im Wappen der Familie Uhland ift ein Vorderarm, der einen Türkenfäbel 
in der Fauft hat, und lautet die Tradition in der Familie, daß ihr Stammvater im 
Türkenkrieg gewefen (ei (das ift wohl eben der unten noch näher zu bezeichnende 
Johann Michal Uhland, Korporal und Quartiermeifter), fich dort fehr ausgezeichnet 

») ™ d *) Lücke in dem gefchriebenen Eintrag. 

8 ) Abgefehen von der bereits bei Notter erwähnten gelegentlichen Bemerkung; „Impii 
contemptores Verbi et Sacramentorum." Vielleicht Separatsten, in ihrem Heimatort verdrängt, in 
Hattenhofen genötigt, bei 3 Taufen ausfchlicßlich fremde Paten zu nehmen» 



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zu den Uhland-Biographien. 3 

und deshalb den Türkenfäbel ins Wappen bekommen habe. Von diefem Stammvater 
ift noch im Befitz der Familie in Kleingartach (Seiler und Kaufmann Uhland) ein 
Offiziersdegen; ein weiterer und die zwei Scheiden find verloren. Diefe Degen haben 
fich nach Ausfage von Seiler Uhland, welcher 1814 geboren ift, fchon im väterlichen 
und großväterlichen Befitz befunden. 

Die erfte Ublandnotiz im Eheregifter, das mit dem Jahr 1649 anfängt, fin- 
det (ich unter dem 13. Januar 1685, an welchem Tag kopuliert worden find „Herr 
Johann Michael Uhland, Jakob Uhland, Bürgers und Zimmermanns in Hattenhofen 
Göppinger Amts, ehelicher Sohn und Maria Jakobina Jakob Walter Fabers des Ge- 
richts allhier eheliche Tochter, deren Eheliebfter p. t. (zur Zeit) die Korporalsftelle 
unter Ihro hochfürftl. Dchl. Herzog Ludwigs zu Württemberg als jetzmalig. Hrn. 
Obrift-Lieut. Leibcorapagnie vertritt." 

Die erfte Nachricht von der Familie Uhland im Kleingartacher Taufbuch, das 
mit 1624, zunächft lückenhaft, beginnt, ift vom 4. Oktober 1685, an welchem dem 
Johann Michael Uhland, Korporal unter der Anweilifchen Compagnie, und der Maria 
Jakobina feiner Eheliebften nata Faberin ein Töchterlein Johanna, Regina geboren 
wurde. — Diefes Töchterlein Johanna Regina ift nach der erften Notiz, die fich 
von der Familie Uhland im Leichen regifter, welches mit 1650 beginnt, findet, am 
20. März 1687 wieder geftorben. Hier heißt Herr Michael Uhland Quartiermeifter. 

Die Neckargartacher Generationen aufwärts find: 

1. Georg Chriftoph Uhland, Seiler und Kaufmann zu Kleingartach, dort geboren 
23. April 1814. 

2. deffen Vater: 

Johann Chriftoph Uhland, geboren in Kleingartach 19. März 1768, geftorben 
dafelbft 11. April 1839. 

3. deffen Vater: 

Chriftoph Uhland, geboren in Kleingartach 15. Sept. 1735, f 21. Dez. 1818. 

4. deffen Vater: 

Herr Johann Michael Uhland, des Gerichts, Meifter des Sattlerhandwerks, weil. 

Hr. Johann Michael Uhland, gewefenen Bürgers allhier, hinterlaffener ehelicher 

Sohn, kop. 12. Juni 1725 mit Maria Barbara Hr. Johann Martin Seitzen, des 

Gerichts allhier, ehelicher Tochter. 
4a) u. b) Brüder von No. 4 find: Jofeph Uhland, des Dichters Urgroßvater (f. o.) 
und Herr Jakob Uhland Chirurgus, kop. 17. Mai 1718, geboren in Kleingartach 
den 12. Sept. 1692, f 19. Jan. 1749. Es heißt von letzterem im Eheregifter: 
„Hr. Jakob Uhland Chyrurgus und bisheriger Feldfcheer unter der Grenadiers- 
compagnie des löbl. Kraiß-Württemb. Regiments zu Fuß, weil. Herr Johann 
Michael Uhland, gewefenen Bürgers und Quartiermeifters unter löbl, erbprin- 
zifchen Kraiß-Regiment zu Pferd hinterlaffener ehelicher Sohn." 

5. Johann Michael Uhland, nx. Maria Jakobina g. Faberin (f. o.). 

Hieraus erhellt, daß Johann Michael Uhland, geboren zu Hattenhofen im 
Dezbr. 1658, nach Kleingartach eingewandert, der Urfitz der Familie Unland jeden- 
falls nicht Kleingartach ift. 

2. Urgroßvater Uhland. 

Wie dem tüchtigen jungen Kaufmann 1719 die Niederlaffung in Tübingen 
erfchwert wurde, ift in der Tübinger Chronik 1862 No. 234 aus den Ratsprotokollen 
erzählt. 



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4 Naoblefe zu den Uhland-Biograpbien. 

3. Großvater und Großmatter Uhland. 

Ein fchönes Beifpiel der Herzensgute des greifen Großvaters, von deffen 
Charakterzügen die beften auf den Enkel Dichter vererbt worden find, flehe in der 
Biographie des Basler Miflionsinfpektors Blumhardt (1779 — 1838) Calwer Miflions- 
magazin 1860 S. 97 ff. 

Das Gedächtnis von Jof. Uhlands Gattin, der Großmutter des Dichters, 
hat die Sammlerin diefer Gedenkblätter in einem anfprechenden Lebensbild (Über 
Land und Meer 1868 No. 18 u. 19) erneuert, zu deffen Hauptinhalt, vortrefflichen 
Briefen der geift- und gemütvollen Frau, hier nur eine kleine Nachlefe bleibt. 
Nach einer fchweren Krankheit des Sohnes Gotthold, des Arztes, der in Rottenburg 
bei einer Epidemie Hilfe geleiftet hatte, bis er felber zufammenbrach , fchreibt die 
Mutter im Juni 1787 an den Schwiegerfohn, Pfarrer Schmid in Fenerbach: 

Hochzuverebrender herzgeliebtefter Herr Sohn! 

Den innigften herzlichften Dank fage ich Ihnen nochmals vor Ihre außer- 
ordentliche Liebe und Achtung vor unfern 1. Kranken und uns alle. Sie fchenkten 
uns mit fo großen Unkoften Ihre dreimalige Gegenwart, die mit fo großen Befchwerden 
vor Ihre uns fo teure Perfon verbunden war, ließen uns Ihre Frau fo lange, und 
noch mehr: wie viel Gutes haben Sie ins Herz unferes 1. Kranken gelegt, welches 
auch uns allen zum bleibenden Segen gereicht . . 

Ein andermal (wohl 1790) fchreibt die Mutter an die Tochter Pfarrerin: 

Herzliebfte Louife! 

Der 1. Vater dankt biemit herzlich vor die treue und liebreiche Wfinfche 
zu feinem letzten Namenstag. Er kann nicht antworten, er ift feit Va9 Uhr auf 
dem Fakultätshaus. Die 3 oder 4 neuen ordentlichen Profefforen machen viel Rat- 
fchlagens 1 ), uufre Univerfität wird recht brillieren. Wenn fie nur auch hundert 
Purfch mitbrächten 2 )! 

Was die 1. Männer nicht alles verdienen ! Deine Haushaltung wird endlich 
glänzend von Präfenten, Es freut mich und der liebe Fried ift doch das herrlicbfte 
Kleinod, o Gott Lob! daß er bei dir regiert Heut wirft Klotz (deffen Haus neben 
der Behaufung von des Dichters Großeltern, der Hölle, ftand) feine zwei Dächer 
ab und macht eins draus. Ich fchließe mit herzliehfter Begrüßung, Sie Gott befehlend 

Deine treuefte Mutter 

G. Uhlandin. 

Zum Pfarrhaus in Feuerbach vgl. auch des mit den Ublandfchen verwandten, 
1820 dort als Vikar eingetretenen Albert Knapp Lebensbild, berausg. v. J. Knapp 
1867 S. 108 f. 



') 1790 wurden 2 Juriften, Tatinger und Schmid, und der Philofoph Abel berufen* 
s ) Die Carlsakademie that der Univerfität großen Abbruch. Im flerbft 1790 waren in 
Tübingen 212 Studierende, worunter 121 Stiftler; im Frühjahr 1770 waren es 315—146 gewefen. 



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6 Nachlefe 

4. Der Oheim Mag. Ludwig Gottlieb. 
Über ihn, den Hofmeifter und Lehrer an der deutfchen Schule in Venedig, 
dort geftorben 1777, fiehe Über Land und Meer a. a. 0. und Württ. Staatsanzeiger 
1881 S. 328. Sollte das dort mitgeteilte Stammbuchblatt von der Hand Gotthold 
Ephraim Leflings 31. Mai 1775, die Verfe aus Perfius 

Mächtiger Vater der Götter, o möchteft du harte Tyrannen 

Niemals anders beftrafen - 

Laß fie fchauen das Gute und, wenn fie es kränkten, fich barmen! 

fich auf Gefpräche über Herzog Karl von Württemberg beziehen? 

5. Der Vater* 

Es ift mir, fchreibt die Sammlerin unferer Nachrichten, eine angenehme Er- 
innerung, den Eindruck wiederzugeben, den in meiner Kindheit der Großonkel und 
die Großtante, „der Herr Onkel Sekertarius" und „die Frau Tante Sekertariufin", 
auf mich machte. Wir Kinder nannten fie fo und fanden eine Genugthuung darin, 
das Wort richtiger herauszubringen, als der Großvater (Dr. med. IL), der nur vom 
Sekertare und der Sekertarefe fprach. 

Die Frau Tante ift mir weniger deutlich in Erinnerung, nur unbeftimmt fehe 
ich ihr bleiches Geficht und ihre dunklen Augen. Herrn Onkels aber erinnere ich 
mich noch deutlich, befonders einmal, als ich nach der Ankunft in Tübingen vom 
obern großelterlichen Stock einen Befuch unten machte und in Onkels Arbeitszimmer 
eintrat. Der Arbeitstifch ftand vom Fenfter gegen das Zimmer her; in Zipfelkappe 
und Schlafrock faß der feine alte Mann davor, ich hatte ihn von der Seite. Lang- 
fam drehte er fich, mit den Händen auf die Armlehnen tfös Stuhls fich ftützend, 
zu mir her. Die dunkeln glänzenden Augen blickten freundlich, langfam verzog 
fich der Mund zum gewinnenden Lächeln, dem jedoch der Schalk in den Mund- 
winkeln nicht fehlte. Und obgleich ich mir von der Unterhaltung nichts denken 
kann, als „Grüß dich Gott, Luisle, aber du bift gewachfen," hat fich doch nicht nur 
fein leibliches Bild mir erhalten, fondern es hat fich daraus in älteren Jahren ein be- 
ftimmtes Geiftesbild entwickelt: daß nämlich Uhlands Vater jene Verbindung von 
fchlicht Bürgerlichem, Philifterhaftem und von Feinheit und Freiheit des Geiftes 
mit Wieland gemein hatte. 

6. Bruder und Kameraden. 

Als den älteren Bruder Fritz in feinem zehnten Jahr das Scharlachfieber 
hinwegraffte , lag der jüngere, Ludwig, im heftigften Fieber (Leben 1874 S. 4). 
Louis erkannte den Vorzug des fchönen, bei den Verwandten viel beliebteren Bruders 
fo willig an, daß er nach der Genefung äußerte : wenn lieber ich geftorben wäre ! 

Einmal hatte Louis eine „Bubenvifite" im Haus. Da gab es Streit mit dem 
Guftel Fleifchmann (geb. Tübingen 12. Okt. 1787, f als Generalmajor und Gefandter 
a. D. 1875), fo daß er „nicht mehr mitthun durfte". Über dem wurden die Buben 
in das Zimmer gerufen, ein Stück Apfelkuchen zu empfangen. Auch für den Aus- 
gefchloffenen war eines hergerichtet. Nicht ohne Schadenfreude wollten die andern 
darüber herfallen und es als gute Beute verteilen, aber Louis rief: Mitthun darf er 
nicht, aber das Stück Kuchen gehört ihm ! und in Prozellion wurde es dem Fleifch- 
mann gebracht. 

7. Freundinnen. 

Allen voran ftehe die bereits im Eingang genannte treue Bafe, welcher wir 
das Meifte in diefcr Sammlung verdanken: Wilhelm ine Ulli and, von der im 



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zu den Uhland-Biographien. 7 

folgenden noch viel die Rede fein wird, hier vorläufig eiue Stelle aus den Briefen 
an Auguft Weiffer mitgeteilt werden mag. Am 8. März 1809 fchreibt fie: „Recht 
ftill und einfam wird es auf den Sommer in anferem Haufe fein, denn Louis und 
befonders Kerner find diefen Winter beinahe täglich unfere Gefellfchafter gewefen 
und erheiterten manchmal mein Gemüt, wenn es durch das Andenken der früheren 
fchönen Winterabende trüb geftimmt war." Ihre und des Vetters Freundinnen waren: 
Wilhelmine Gmelin, Tochter des Profeffors der Rechte Chriftian Gott- 
lieb Gmelin, geb. 4. Sept. 1788, Seh weder von Schwabs nachmaliger Gattin Sophie 
Gmelin. Auf ihren Tod verfaßte Uhland im Auftrag der trauernden Freundinnen 
jenes Gedicht, vou welchem Notter aus dem Gedächtnis einer Beteiligten einige 
Strophen mitteilt, das übrigens auch gedruckt vorhanden ift: Dem Andenken unfrer 
unvergeßlichen Freundin Wilhelmine Gmelin, geftorben den 7. Auguft 1806, von 
ihren Freundinnen. Gedruckt bei Reiß und Schmidt. Die bei Notter lückenhafte 
und die fehlende vorletzte Strophe lauten: 

Welche feltfamen Gefühle Heute werde oder nimmer 

Giebt uns jene goldne Zeit! An den dunklen Tod gedacht, 

Schon im kindlich frohen Spiele Heut erhellt ein fanfter Schimmer 

Sehn wir fie dem Tod geweiht. Seine öde, bange Nacht. 

Als lie noch fo fchön geglänzet, Unfre Freundin fchön und heiter 

Blumenreich im weißen Kleid, Wandelt auf der lichten Bahn, 

Damals war fie fchon bekränzet Wandelt unter Blumen weiter, 

Für das Feft der Ewigkeit. | Langt im fchönften Garten an. 

Auf Wilhelmine Gmelin beziehen fich fehr wahrfcheinlich auch die Gedichte : 
Ein Abend (1808) und Rückleben (1809). 

Wilhelmine Fleifchmann, Tochter eines Kaufmanns, geb. 1790, geft. 
1857 als Gattin. des Oberjuftizprokurators Eduard Gmelin; auf fie und Wilhelmine 
Uhland geht ohne Zweifel das Gedicht: Die zwo Jungfrauen (1811). 

Friederike Pfleiderer, Tochter des Profeffors der Mathematik; ihr 
Hinfeheiden im Auguft 1812 hatte der junge Dichter gleichfalls zu befingen (Dem 
Andenken unferer unvergeßlichen Friederike Pfleiderer, geftorben den 22. Auguft 
1812, von ihren Freundinnen. Tübingen gedruckt bei W. II. Schramm). Es find 
gewöhnliche Verfe, wie: 

So bleibt dein Bild von heitrem Schein um flößen, 
Und wie fich flutend um dein offen Grab 
Der blaue Sommerhimmel bat ergoffen, 
Wie feine Sonne tröftlich fah hinab, 
Und wie auf ihm bald frifche Gräfer fproflen 
Und milder Tau befruchtend kommt herab: 
So muß Heb uns mit Ahnungen und Freuden 
Auch deines Tods Erinnrung noch bekleiden. 

Der Dichter erhielt von den Eltern der Befungenen fchwarzfeidene Strümpfe, 
was denfelben zu der Erklärung veranlaßte, er werde nun und nimmermehr einem 
folchen Auftrag nachkommen, 

Chriftiane Karoline Schott, Tochter des Amts-Oberamtmanns in Stutt- 
gart, Schwefter von Uhlands Freund Albert Schott, welcher die Gedichte vom Jahr 
1805 „Wunder" und „Entfchluß" gelten follen. 

Wie diefe wohl nur vorübergehend in Tübingen verweilte, ehe ihr Vater 
1809 als Oberamtmann nach Tübingen kam, fo gingen auch andere Freundinnen 
und Verwandte ab und zu. Einmal follte eine Karlsruher Verwandte der 
Mutter zu Befuch kommen. Regelmäßige Poften gab es nicht, fie mußte mit Gelegen- 



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8 Naohlefe 

heit reifen und kam daher unerwartet eines Abends an, als außer dem Dienftmädchen 
niemand zu Haufe war. Müde von der weiten Reife legte He fleh auf den Sofa und 
fchlief fanft ein. Louis kam heim; vom Dienftmädchen benachrichtigt, ging er ins 
Zimmer, bald wieder heraus, machte fleh in der Küche zu thun, ging wieder hinein 
und fchließlich auf fein Stäbchen. Nach einiger Zeit kamen die Eltern, bei ihrem 
Kommen erwachte die Coufine, ging auf fie zu, mit offenen Armen wollte man fleh 
bewillkommnen, aber überrafcht traten die Eltern zurück und brachen in helles 
Lachen aus. Sie führten das beftfirzte Mädchen vor den Spiegel, wo fie rafch zur 
Einfleht kam : aufs zierlichfte war ihr hübfehes Geficht mit Schnurr- und Knebelbart 
verfehen, und „das hat Louis gethan" rief fie halb beluftigt, halb geärgert. 

8. Zur Parifer Reife. 

Am 23. Mai 1810 febreibt Wilhelmine Uhland an Auguft Weiffer: „Den 
6. Mai hat Louis feine Reife nach Paris angetreten, feine Eltern begleiteten ihn 
nach Karlsruh und auch jetzt ift erft fein Vater zurückgekommen. Es ift wie aus- 
geftorben in unferem Haus, man weiß gar nicht, wo es als fehlt, fein Abfchied tbat 
allen fchmerzlich weh." Wilhelmine hatte dem Vetter am Tag vor der Abreife in 
das Stammbuch gefchrieben: 

Unfterbliche Jagend 
Blüht dir, im Sturme der Zeiten nicht welkend, mit goldenen Stunden 
Grüßen die kommenden Tage dich fchon! Auf, wandle mit Freuden 
Deine fo fchön betretene Bahn durchs flüchtige Leben! 
Zum Andenken an dein aufrichtiges 
Tübingen, d. 5. Mai 1810. Wilmele Uhland. 

Zum Dank erhielt de aus Paris ein reizendes Briefchen, das, wenn es einige 
Tage früher in Tübingen eingetroffen wäre, die Klage des vierzehnjährigen Schwe- 
fterchens Luife hinter dem Brief der Mutter vom 30. Juni unmöglich gemacht hätte : 
„Du bift und bleibft auch in Paris immer noch der alte trockene Vetter, fchreibft 
nur immer von Bibliotheken, Mufeen tf etc. (Leben 1874 S. 66). 

Paris, den 29. Juni 1810« 
Liebes Wilmele! 

Die wenigen Zeilen, die ich dir diesmal fchreiben kann, find nicht beftimmt, 
dir etwas über Paris zu fchreiben, fondern bloß, dich an mich zu erinnern, wenn 
du mich etwa vergelten haft. Auch wünfehte ich von dir Nachrichten nicht nur 
über dich, fondern über die ganze Tübinger fchöne Welt zu erhalten, k propos 
H. Prof. Gmelin hat wohl bei allen Tübinger Frauenzimmern Körbe geholt, daß er 
genötigt war, fich nach Sindelfingen zu wenden l ) ? 

Wie geht es mit dem Kafino? Bift du fchon oft in Niedernau gewefen? 
Es freute mich fehr, bei dem großen Fefte *) einen Walzer fpielen zu hören, den ich 
oft mit dir im Kafino und in Niedernau getanzt habe. 

Eure Stammbuchblätter habe ich nicht vergeben, Ihr nehmt vielleicht auch 
noch an, was ich Euch hier darauf fchreibe? Es ift hier alle Tage Kafino, mehr 
als Eines. Lebe wohl, liebes Wilmele, empfehle mich deinen 1. Eltern, grüße Rickele 3 ) 



') Ferdinand Gm., geb. 1782, Profeflbr der Medizin zu Tübingen, f 1848, heiratete 1810 
Friederike Luife Wagner, Tochter des Stadtfchreibers in Sindelfingen. 

*) Das die Garde dem neuvermählten kaiferlichen Paare gab (Leben 1874 S. 63). 

£ ) Wilmeles Schwefter, geb. 1798, welche 1818 den Helfer Planck in Mflnfingen, fpäteren 
Pfarrer in Feuerbach, heiratete. 



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zu den Uhland-Biographien. '9 

herzlich und küffe Luischen 1 ) und Margot! 2 ) Ich fchicke dir in Gedanken das 
Brillantenbouquet, das die Kaiferin am Fefte getragen. 

Ewig 

Dein L. 
Grüße wer fich meiner erinnert! 

9. Jagendgedichte. 

Dem Bäschen Luife Uhland verfaßte Ludwig jahrelang Neujahrswünfche 
für ihren Vater, darunter diefe zwei: 

Wie glänzt mit ihren Blütentagen 
Der Kindheit Frühlingszeit um mich! 
Ich hör ein Jahr dem andern Tagen: 
Du warft fo fchön, fo froh wie ich! 
Und ftets aus fühlendem Gemüt e 
Ertönt mir dann der laute Ruf: 
Dank dem Vater, deffen Güte 
Mir jedes Jahr fo glücklich fchuf ! 



Wie wandr* ich gut an deiner Seite, 
Vater, durch des Lebens Flur! 
Du forgft, du blickeft in die Weite, 
Ich pflück 1 am Wege Blumen nur. 
Drum falT ich heut am Jahresmorgen 
Die Vaterhand fo frohgemut. 
Dank dir für deine treuen Sorgen! 
führe ferner mich fo gut! 



10. Aus derZeit der Sorgen und Kämpfe. 1812—1826. 

(Aus Briefen von Auguft Weiffer, feiner Braut Wilhelmine Uhland u. a.) 

Aug. W. an feine Braut 23. Dez. 1812: Ich will Louis von Herzen wünfchen, 
daß er glücklicher fei als ich furchte. Seine Stelle (das unbefoldete Sekretariat im 
Juftizminifterium) wurde mir wiederholt angetragen, aber ihre Annahme war wider 
meine Grundfätze, und ich hoffe, diefe follen ihren Wert erproben. Louis hat mich 
bereits befucht, ich werde mich immer wohl in feiner Nähe fühlen, denn ich glaube 
von ihm, daß er es wohl mit mir meint. 11. Febr. 1814: Die Sorge wegen Ein- 
berufung zum Militär fei durch Kgl. Ordre befeitigt. „Wenn Ihr Vetter Louis auf- 
gerufen wird, fo dürfen Sie auch für ihn nichts beforgen." 20. Mai 1814: Mit 
Louis ift es nun gegangen, wie ich befürchtet habe. Seine fehr verzeihliche Un- 
zufriedenheit hat ihn zu einem Schritte (Niederlegung der Sekretärsftelle) gebracht, 
der ihm die bisher aufgeopferte Zeit vergeblich macht. 14. Auguft: Der Präfident 
fagte mir, daß die erledigten Prokuraturen nun bald erfetzt würden, ich bat ihn da- 
her aufs neue um Unterftützung, die er mir zufagte. Nur eins betrübt mich hiebei, 
daß Louis und ich einander hiebei im Wege ftehen werden •, wir könnten aber auch 



*) Der beiden jüngfte, 1801 geborene, Schwefter, welcher der Vetter aus Paris ein Perl- 
kreuzchen mitbrachte; He heiratete den Dr. med. Wilh. Leube, und ftarb fchon 1837. 

*) Margot Batz, Töchterlein des Obertribnnalrats v. Batz, welcher in Tübingen als 
Staatsrat 1821 ftarb. 



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10 Nachlefe 

beide reuffiren. Wilhelmine an Auguft 14. Okt. 1814: Wenn nur nicht Louis da- 
zwifchen tritt, indem er Ihre Plane vereitelt oder das von uns erreichte Ziel ihn 
beeinträchtigt und unfere Freude trübt! Auguft an W. 5. Nov. 1814: Louis fprach 
neulich wegen der Prokuraturen mit mir und fchien zu wünfchen, daß auch ich die 
Sache betreibe, wie er es geftern gethan hat. Sein Herr Vater hat nämlich, bald 
nachdem die Bitte bei dem Minifterium eingereicht war und dort liegen blieb, 
fich für feinen Sohn an den König felbft gewendet, welcher die Sache dem Minifter 
zum Bericht gab. Es war kurz vor der Abreife des Königs (nach Wien) und es 
ift nun nicht zu zweifeln, daß bald nach deffen Rückkehr der Bericht erftattet werde, 
und zur Befetzung der vakanten Stellen Anlaß genommen ; im andern Fall bin ich 
entfchloffen, mich ebenfalls an den König zu wenden, wenn es fchon etwas Unan- 
genehmes ift, (ich über feinen Chef befchweren zu muffen. 6. März 1815: Von 
der O.fchen Maskerade werden Sie gehört haben ; auch Louis war dort, als Spanier. 
Mir gefällt ein folcher Privatmaskenball weit beffer, als eine öffentliche Redoute. 
Wilh. an Aug. 24. März 1815: Der gleiche Gedanke, der auch Sie zu beunruhigen 
fcheint, drückt mich, nämlich daß gerade Sie und Louis einander im Wege ftehen. 
Daß diefer fich herzlich freut, wenn Sie die Stelle (als ftändifcher Archivar) erhalten, 
bin ich feft überzeugt; nur vor den Blicken der Eltern ift mir bange, da diefe nicht 
zweifeln, daß er der Erwählte fein wird. Welchen von beiden die Wahl trifft, fo 
wünfche ich dem andern recht baldige Entfchädigung der getäufchten Erwartung. 
8. Juni 1815: Seit einigen Tagen ift Louis hier, wie gerne möchte ich mit ihm 
über die Sache reden, aber ftumm und verfchloffen wie er ift, läßt fich keine Frage 
anbringen, ohne zudringlich zu erfcheihen. Aug. an W. 13. Febr. 1816: Der Him- 
mel gebe, daß von uns beiden — Uhland und Weiffer — keiner dem andern, oder 
vielmehr, daß ich nicht ihm im Wege ftehe, was mir übrigens neuerdings zu meiner 
Beruhigung nicht der Fall zu fein fcheint. 

In der That erhielt keiner die von beiden gefuchte Stelle. Dagegen wurde 
Weiffer zum Sekretär im Staatsminifterium ernannt, was ihm möglich machte, im 
Spätherbft 1816 Hochzeit zu halten. Die Wohnung, welche der Verlobte gemietet, 
der erfte Stock des Eckhaufes von Marktplatz und Münzftraße, war zu groß, fo daß 
er einen „Hausherrn" zu fuchen hatte. Als folcher fand fich Vetter Uhland. Am 
26. Sept. fchreibt Wilhelmine an Weiffer: Es fcheint fich alles zu vereinigen, mich 
mit frohem Blick in die Zukunft fchauen zu laffen; ich bin fehr vergnügt über 
unfern künftigen Hausgenoffen, mir wird oft fein, als wäre ich daheim, wenn ftatt 
eines Fremden Louis neben uns wohnt, mit dem ich von frühefter Kindheit auf- 
gewachten bin. Der Vetter zog noch vor dem jungen Paar ein, verfilmte aber, 
zur Hochzeit desfelben mit einem Carmen fich einzuteilen. Vielmehr fanden die 
Neuvermählten 8 Tage nach der Hochzeit abends beim Nachhaufekommen das „Ver- 
fpätete Hochzeitlied" in der Thürklinke ftecken. In der Handfchrift beftand diefes 
Gedicht aus drei Verfen, deren Zufammenziehen in zwei bei der Redaktion zum Druck 
für Uhland bezeichnend ift, weshalb wir den urfprünglichen Text hier mitteilen. 

Die Mufe fehlt nicht feiten, So auch zu Eurem Fefte 

Wenn man fie eben will, Erfcheinet fie zu fpät 

Sie fchweift in fernen Welten Und bittet nun aufs befte, 

Und nirgends hält He ftill ; Daß Ihr iie nicht verfchmäht. 

Die Schwärmerin verträumet Nicht ift fie umgefprungen 

Gar oft den Glockenfchlag, Mit eitlem Spiel und Tand, 

Was Tag' ich? Re verfäumet Sie hat diesmal gerungen 

Selbft einen Hochzeittag. Fürs teure Vaterland. 



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zu den Uhland-Biographien. 11 

Sie fragt: was es bedeute, 
Daß fie verzüglich war? 
Trifft fie denn nicht auch heute 
Ein herzlich liebend Paar? 
Des fchtfnften Glückes Schimmer 
Erglänzt Euch eben dann, 
Wenn man Euch jetzt und immer 
Ein Brautlied fingen kann. 

Der Dichter blieb mit dem jungen Ehepaar in den freundlichften Beziehungen, 
auch nachdem dasfelbe wegen Hausverkaufs hatte umziehen und den werten Uaus- 
genoffen aufgeben muffen. Im Okt. 1818 fchreibt Frau Dr. Unland aus Tübingen 
an die Tochter Weiffer: Diefen Abend kam auch Louis hier an; er erzählte fehr 
viel von deinem luftigen Töchterchen, mit dem muß man fich gut unterhalten können! 
Später kann fie und der Vater, welcher, zur Zeit der erbitterten Verfaffungskämpfe 
im Mai 1817 „ängftlich beforgt um feinen lieben feurigen Neffen, der gewiß fcharf 
beobachtet werde" , im November 1818 faft bedauernd gefchrieben: Louis komme 
wahrfcheinlich ins Land der Freiheit, als Profeffor der fchönen Wiffenfchaften nach 
Bafel, mit fichtlicher Befriedigung von deffen politifchen Erfolgen berichten. Dr. U. 
25. Juni 1819: Daß Louis vom Oberamtmann hier den Antrag der Repräfentanten- 
ftelle fürs Amt bekommen hat, werdet Ihr vielleicht wiffen. Der größere Teil der 
hiefigen Bürgerfchaft wünfchte ihn für die Stadt, welcher Feuerlein (Justitiar), Ferd. 
Gmelin (f. o.) und Fritz Baur den Doktor Hehl zu geben wünfcht. Der vorige 
Repräsentant des Amts, Schultheiß Walker in Schlaitdorf, ift fehr bemüht, wieder 
an die vorige Stelle zu kommen. Die Eßlinger haben dem Louis diefelbe Stelle 
fchon zweimal angeboten. Hier (in Tüb.) mifcht fich alles in die Wahlen, vorzüg- 
lich die Herren Academici. 28. Okt. 1819: Die VerfaffuDgsfeier begann heute fchon 
um 9 Uhr. Die Herren Repräfentanten Autenrieth, Louis, Hehl und Feuerlein 
würden von Abgeordneten des Magiftrats auf das Ratbaus abgeholt. Von dem 
Kanzele herab las Hr. Oberbürgermeifter Laupp eine Rede ab, durch Mufik einge- 
leitet. Von da gings in die Kirche, wo Hr. Steudel eine kraftlofe Predigt hielt. 
Gegen 1 Uhr fpeiften die Vornehmen mit den 4 Repräfentanten in der Traube, 
andere Partien in andern Gafthöfen, und auf die Nacht führe ich Louife und Lotte 
auf den Ball in der Traube („wo Louis auch tanzte — Tradition". Späterer Zufatz.) 
Frau Dr. Uhland 29. Okt.: Geftern hatten wir Tübinger einen frohen Tag. Ich 
will's nicht weitläufig erzählen, da Ihr dies von Louis hören könnt; nach meinem 
Gefühle hatten deffen Eltern den höchften Anfpruch, an diefem Tage froh zu fein. 
Ich nahm nur an der Feier, die auf dem Markt angeordnet war, Anteil, welche fich 
fehr fchön ausnahm. In die Kirche war mir's zu kalt. Für die jungen Leute aber 
währte die Feier bis nachts 2 Uhr. Dr. Uhland G. Dez. 1819: Seit vorgeftern ift 
Louis hier, die Stadt wünfcht ihn zu ihrem Repräfentanten. 20. Dez.: Heute ging's 
bei der Wahl der Wahlherren l ) zum erftenmal etwas ernfthaft zu. Ein großer Teil 
der hiefigen Bürger wünfcht unfern Louis für die Stadt und da der Oberamtmann 
im Sinn hat, die Wahl fürs Amt zuerft vorzunehmen, fo wünfchen fie, daß die Wahl 
wie fonft zuerft für die Stadt vorgenommen würde, was wohl jetzt gefehehen wird. 
Da der Oberamtmann fich etwas in Anfehung der zu wählenden Repräfentanten 
äußern wollte, fo legte ihm der Obmann des Mrgerausfehuffes die Stelle im Wahl- 

*) Nach der VerfaiTnng von 1819 beftanden die Wahler der Abgeordneten der Städte 
und Oberamtsbezirke zur zweiten Kammer zu 8 /s aus den höchft befteuerten Bürgern, zu V fl aus 
Wahlmännern, welche von den übrigen Steuerkontribuenten gewählt wurden. 



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12 Nachlefo 

gefetz vor, daß fich Oberamtmann , Bürgermeifter etc. in die Wahl nicht mifchen 
follen bei fchwerer Ahndung. 22. Dez. : Die hieflgen Bürger, d. h. ein großer Teil, 
wollen keinen andern Repräfentanten als den Louis. Zu lautes Sprechen für Feuer- 
lein fcheint diefem das Spiel verdorben zu haben, auch kennt man fein Befteuerungs- 
fyfteni. 20. Jan. 1820: Vorgeftern erhielt mein Bruder Secretarius die frohe Nach- 
richt von Louis, daß Emilie Vifcber fich nun öffentlich für feine Braut erklärt habe. 
Wir alle freuen uns herzlich über diefe Wahl. 6. März: Die Tübinger haben dem 
Louis eine fehr fcharfe Schilderung der hiefigen Rechtspflege, Kameraliften und 
Kommundiener zugefchickt. Sie foll lauter zu beweifende Facta enthalten. Luife 
Uhland 16. Dez. 1822: Die Mutter läßt dich bitten, ob du nicht durch Louis die 
Gabriele verfchaffen könneft ; ich weiß, daß fie in der Bibliothek ift, die Louis 
dirigiert (eine noch beftehende Privatlefegefellfchaft). Dr. Uhland 24. November 
1826: So viel ich höre, wird Louis unfehlbar wieder gewählt. Einem hier aus- 
geftreuten Gerüchte, er werde die Stelle nicht mehr annehmen, habe ich felbft 
und feine vielen Verehrer und Freunde laut widerfprochen. 6. Dezember: Louis" 
Weigerung, die Repräfentantenftelle anzunehmen, hat Tübingen fehr bedauert, das 
nun wegen Kürze der Zeit in Verlegenheit kommt. Allgemein heißt es: das 
hätten wir nicht geglaubt! er ift nicht zu erfetzen! Man ließ mir keine Buhe, 
ihn noch einmal im Namen der Stadt aufs dringend fte um Änderung feines harten 
Sinnes zu bitten; auch fein Vater that's. Ich fagte aber vorher: das ift ein 
Mann, der durch Bitten nur noch fefter in feinem Vorfatz beharrt. Nun fragt mich 
alles: warum fagte er es nicht gleich? Darauf habe ich keine Antwort. 11. Dez.: 
Die Anhänglichkeit der Tübinger an ihren Uhland ift wirklich größer, als er felbft 
geglaubt hat. Sie wollen von keinem andern willen und erklären, daß fie ihn doch 
wählen und wenn er wieder gewählt werde, könne er es doch nicht abfchlagen. 
Kern (Oberjuftizrat in Tüb.) war heute bei mir, fagte mir diefes und bat mich, es 
Louis zu fchreiben und ihn zu bitten, falls er auch in diefem Falle auf feiner Wei- 
gerung beharre, es in Bälde dem Stadtrat zu erklären. 20. Dez.: Heute ift Hr. 
Regierungsrat Schlayer zum Repräfentanten von Tübingen gewählt worden. Man 
hatte freilich keine große Wahl an geborenen Tübingern und während viele noch 
an Louis mit Leib und Seele hingen und nicht anders glaubten, als er könne es 
ihnen nicht abfchlagen, dachte und faßte man fich auf keinen Dritten zu gehöriger 
Zeit. Noch geftern Abend ftiegen fie an mich, und zwar vorzüglich um demjenigen 
auszuweichen, zu dem fie das große Vertrauen nicht haben wie zu Louis . . Die 
Wahl wäre fchon diefen Vormittag beendigt worden, wenn nicht alles Belehrens 
ungeachtet noch viele ihren Uhland auf die Zettel gefchrieben hätten. 6. Nov. 1826 : 
Louis ift von unfrem Stadtrat eigentlich beleidigt worden, welcher der Meinung war, 
daß er fie durch die Motion 1 ) in Anfehung der neuen polizeilichen Einrichtungen 
beim König kompromittiert hätte. Er hat ihnen kurz und bündig geantwortet. 

11. Aus fpäterer Zeit. 

Am 8. Febr. 1829 fchreibt Weiffer an feinen Schwiegervater, den Oberamts- 
arzt in Tübingen: Ich habe Haug (den Epigrammatiker), wie früher feine Frau und 

*) Gemeint ift wohl die hiernach auf Unlands Betreiben erfolgte Bitte an den Geheimen 
Rat vom 14. Febr. 1826: ftatt der Übertragung der Ausübung der Univerfitätspolizei und der 
Leitung der ftädtifchen Polizei in Tübingen an einen außerordentlichen, dem K. Ministerium un- 
mittelbar untergeordneten RegierungskommiiTär die Polizeiverwaltung der akademifchen Behörden, 
des K. Oberamts und des Stadtfchultheißenamts , wie folche durch die Gefetze angeordnet ift, 
wieder eintreten zu laffen. Verband], in d. Kammer d. Abg. 1826. Außerord, Beil.Heft S. 76 f. 



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zu den Uhland-Biographien. 13 

Tochter, zu Grabe geleitet, was von vielen unaufgefordert und mit vieler Teilnahme 
gefchehen ift. Ich fuhr mit Weiffer (dem Dichter Fr. Chriftoph Weiffer, f 1834), 
dem älteften Freunde Haugs, und mit Louis in einem Wagen. Hier wurde Louis 
von Weiffer dringend aufgefordert, das Gebiet der Dichtkunft nicht ganz zu verlaffen ; 
er meinte aber, es fehle ihm die Stimmung zum Dichteu und ohne diefe fei nichts 
zu erzwingen. Übrigens ift ja bekannt, daß Louis fchon lange an einem Werke 
über einen Teil der Gefchichte der Dichtkunft arbeitet, das klaffifcben Wert verfpricht 
und feinem Namen neuen Ruhm verfchaffen wird. 

Dr. U. an Weiffers 30. Nov. 1829 : Herr v. Cotta hat dem lieben Louis aus 
Auftrag des bayrifchen Minifters v. Schenck eine Lehrftelle bei der Münchner Univerfität 
angetragen. Vielleicht gerät es nun beffer auf Tübingen. Luife U. an diefelben 
10. Febr. 1830. Vetter Louis wird jetzt weniger bedauern, daß er nicht das Logis im 
neuen Hehlifchen Haufe bekommt, da es feft ausgemacht ift, daß Ferd. Gmelin ein 
Haus gegenüber baut, was jenem, da die Straße ziemlich eng ift, die fchonfte Aus- 
ficht raubt. Doch will Hehl noch einen Prozeß deswegen anfangen. Dr. U. an 
diefelben 24. Apr. 1830: Ludwig Uhland wird hier überall freundlich und zuvor- 
kommend aufgenommen. Der Kanzler verlangt, er foll eine Rede halten, die meiden 
Profefforen halten es für überflüflig, da fein eigener Sohn keine gehalten hat. Kanzler 
behauptet, ihn ohne gehaltene Rede nicht in die Fakultät einfuhren zu können ; Louis 
aber fagt, er verlange gar nicht in die Fakultät. 4. Mai 1830: Muß dir doch fagen, 
daß Louis' erfte Lektion jedermann in hohem Grade befriedigt hat. Mit allem An- 
ftand und Unbefangenheit, angenehmer Tenorftimme, ohne auch nur ein einzigmal in 
der Rede anzuftoßen, ohne ein Wort ändern oder wiederholen zu muffen, perorierte 
er auf die intereffantefte Art die gemeffene Stunde. Er hatte bei 400 Zuhörer, welche 
ganz begeiftert waren und beim Abgehen Spalier bildeten, durch welches er frei 
paffieren konnte. Abends 8 Uhr bekam er im Schloßhofe 1 ) ein hier noch nie ge- 
haltenes Ständchen, ohne Instrumente, von 3 abgeteilten Chören junger Männerftimmen. 
Einige Kantaten von hiefigen Dichtern und einige feiner eigenen Gedichte (ollen 
vortrefflich ausgefallen fein. 3. Juni 1832: Als Louis heute Abend im Merkur las, 
daß er weit mehr Stimmen (bei der Abgeordnetenwahl) habe für jetzt, fagte er : fo 
wenig fiegestrunken fei wohl noch niemand gewefen wie er. 

Luife Leube-U. an ihre Schwefter Weiffer 7. Aug. 1836: Uhlands find am 
Donnerstag fchon in ihrem Haus eingezogen und fehr zufrieden damit. 

Uhland an Wilhelmine Weiffer, nach dem Tode ihres älteften Sohnes, 
Frankfurt, 21. Juni 1848: Im Drange der hiefigen Gefchäfte und infolge der neuen 
Todeskunde, die fo unerwartet über uns gekommen 2 ), hat (ich freilich der Aus- 
druck meiner herzlichen Teilnahme an der tiefen Trauer, welche Dich und die 
Deinigen betroffen, allzufehr verfpätet. Es war mein Wunfeh, wenn auch nur auf 
kürzefte Zeit mich nach Pfullingen begeben zu können und ich würde dann wohl 
auch bei Dir angefprochen haben, allein es war und ift gerade bei dem jetzigen 
Stande der Verhandlungen nicht ausfuhrbar, den hiefigen Poften zu verlaffen. Je 
weiter man in den Jahren vorrückt, um fo mehr gehört ein großer Teil unferes 
innern Lebens teuren Vorangegangenen an, und fo läßt Erinnerung und Hoffnung 
fie uns nicht ganz verloren gehen. Dir und den Deinigen meine herzlichen Grüße ! 

Dein treugefinnter L. Uhland. 

l ) Die erfte Tübinger Wohnung war im Schloß (liehe unten). 

*) Uhlands Schwager, Stadtpfarrer Meyer in Pfullingeo, t 12. Juni 1848. 



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14 Nachlefe 

12. Die Uhlandhäufer. 
A. In Tubingen. 

(Abbildungen des Geburts- und des letzten Wohnbaufes flehe in dem fchönen 
Buch von Eduard Paulus : Ludwig Uhland und feine Heimat Tübingen. Jubiläums- 
ausgabe. Stuttgart 1887.) 

Das Geburtshaus in der Neckarhalde ift jetzt im Befitz des Poftfekretärs 
Mayer und trägt die Nummer 24. Bald nach der Geburt Ludwigs zogen die Eltern 
in das oben S. 1 erwähnte, vom Großvater Uhland angekaufte Haus. 

Im Jahr 1797 wurde das veraltete Gebäude einer fo gründlichen Renovation 
unterworfen; daß beide Familien den Sommer über ausziehen mußten. Des Dichters 
Eltern zogen in das nur zwei Häufer entfernte Eckhaus derfelben Straße und der 
Langen Gaffe. Im alten wurde namentlich die Treppe, eine fteinerne, fehr aus- 
getretene Wendeltreppe in einem Turm, dem Schauplatz der Spiele der Kinder, in 
eine bequeme hölzerne Treppe verwandelt, die Küche im untern Stock (flehe S, 1) 
aus der Front nach hinten verlegt und darauf gefehen, für den nun 10 jährigen 
Louis ein eigenes Plätzchen herauszubekommen. Zu diefem Zweck verlegte man 
die Speifekammer in das Erdgefchoß, und der hinter der Küche gelegene Raum 
wurde zu einem Stübchen umgewandelt, dem nachmaligen „Dicbterftübchen". Etwa 
dreimal fo lang als breit, mit nach vorn etwas abfchüffigem Boden, der Eingang 
im finftern Ein — war es trotzdem ein freundliches Stübchen mit zwei Fenftern 
in dem vordem Teil, von denen das eine in das Gewinkel der hier beginnenden 
untern Stadt, fog. Gägerei, das andere aber nach der einzigen Seite des Haufes 
ging, die nicht bloß Straßen und Häufer zur Ausficht bot, fondern über den Hof des 
Dekanatgebäudes freieren Horizont gewährte und einen Ausblick gegen die nächften 
grünen, bei Sonnenuntergang goldfchipimernden Hügel — jetzt des Dichters Ruheftätte, 

Auf die erwähnte Ausficht in das Gewinkel bezieht fich das Gedicht: Schlimme 
Nachbarfchaft. Hinter dem Haus wohnte nämlich der Stadtmufikus und erteilte Un- 
terricht im Flötenfpiel, auch waren dort die hübfchen blonden Töchter einer Wafcherin 
durch ihr Gefchäft öfter am Fenfter zu fehen. Wie auch die Freunde und Dichter- 
genoffen, Kerner u. a., in dem Haus verkehrten, ift bereits oben gezeigt worden. 

Anhangsweife fei bemerkt, daß am 9. September 1789, als in Tübingen ein 
großer Brand ausbrach, welcher 45 Wohnhäufer und 5 Scheunen in Afche legte, 
diefelben Rottenburger, welche im Geburtsjahr des Dichters für feinen Oheim, den 
gefchickten eifrigen Arzt, hatten Meffe lefen und in der Kirche beten laffeu (Staats- 
anzeiger 1886 Bef. Beil. S. 309), zuerft ihrem nicht vergeffenen Wohlthäter zu Hilfe 
eilten, das bedrohte Haus desfelben, auch die Wohnung des Sekretarius, ausräumten 
und alles zum Vater Profeffor in die „Hölle" führten, fogar Thüren und Fenfter 
und die Öfen. Man wollte nämlich das Haus, um dem Feuer Einhalt zu thun, 
niederreißen, bis Herzog Karl kam und im Gegenteil entfchied, alle Mühe auf die 
Rettung der nebenanliegenden Stallmeifterei, als des Schlüffels zu der ganzen untern 
Stadt, zu verwenden. Dies gelang und fo war das Uhlandhaus gerettet. 

Die Wohnung in diefem hatten des Dichters Eltern bis 1825 inne, wo fie 
diefelbe der mit Dr. Leube fich verehlichenden jüngften Tochter des Arztes räumten 
und in das ganz nahe gelegene Poftgebäude zogen. 

Das Haus des mütterlichen Großvaters Hofer, von deffen Infaffen und Gerät 
die von Uhlands Witwe verfaßte Biographie eine fo anziehende Schilderung entwirft, 
ift die als Schottei allbekannte Bierbrauerei und Wirtfchaft. 

Als Uhland die Profeffur in Tübingen antrat, bezog er zuerft eine Wohnung 
im Schloß (f. o. S, 13) und zwar in der füdlichen Ecke desfelben. Nach der Ent- 



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zu den Unland- Biographien. 15 

laffung von der Profeffur mietete er fich bei dem Profeffor Ferdinand Gmelin (S. 8) 
in der Mönzgaffe ein« 

Im Frühjahr 1836 aber kaufte der Dichter das fchöne, von dem Architekten 
Prof. Heigelin erbaute, mit prächtigem Garten verfehene Haus an der Neckarbrücke, 
welches Profeffor Wächter 1833 bei feiner Überfiedlung nach Leipzig an Hopfer de 
rOrme verkauft hatte und jetzt bei feiner Rückkehr als Kanzler nicht wieder er- 
warb. Am 7. Auguft 1836 fchrieb Luife Leube-Uhland an ihre Schwefter Weiffer: 
„Unlands find am Donnerstag fchon in ihrem Haus eingezogen und fehr zufrieden da- 
mit" (f. o.). Es ift des Dichters Behaufung bis zu feinem Tode geblieben. Wie viele 
Gäfte haben in den 26 Jahren dort den berühmten Dichter als liebenswürdigen 
fchlichten Hauswirt fchätzen gelernt, wie manche ihn auch fchwer geprüft und — 
nicht aus der Faffung gebracht 1 Von einem Befuch der letzteren Art weiß die 
Sammlerin diefer Blätter aus dem Jahr 1810 zu erzählen. Da kommt eines Tags 
über Tilch aus dem Gafthof zur Traube ein Brief, welchen zwei Damen von Kerner 
in Weinsberg mitgebracht hatten, zugleich mit der Anfrage, wann fie Herrn Doktors 
befuchen könnten. Nicht ganz guten Humors las Uhland den Brief, fagte kurz: 
Meine Empfehlung und ich werde diefen Nachmittag den Damen einen Befuch 
machen, warf den Brief auf den Tifch und ging auf fein Zimmer. Frau Uhland 
nahm den Brief und las ihn vor. Kerner empfahl darin die Damen., die „ihn in 
feiner Blindheit durch ihren Gefang fo erbeitert haben". „Nicht wahr, Ihr möchtet 
die Damen doch auch fehen?" fagte Frau Uhland zu mir und der älteften Tochter 
Karl Mayers, die mit zum Befuche da war, „ich muß doch meinem Mann fagen, 
daß er fie herbittet." Nachmittags führte dann Uhland feinen Befuch aus, wir waren 
mit Frau Uhland in einer mufikalifchen Probe. „Ach, a fagte fie auf dem Heimwege, 
„mein Mann hat gewiß zu dem Befuche keine Handfchuhe angezogen, ich habe ver- 
fiuimt, ihn daran zu erinnern." Er hatte in der That nicht daran gedacht, meinte 
aber, er hätte auch keine zu finden gewußt, höchftens in feinem Winterrock; wenn 
er den Damen einmal in München den Befuch erwidere, wolle er Handlchuhe an- 
ziehen, hier halte er es nach feiner Tübinger Gewohnheit. Übrigens werden die 
Damen diefen Abend her kommen, jetzt feien fie nach Gomaringen zu Schwabs ge- 
fahren. Am Abend faßen wir im Gartenhaufe und tranken Thee, als die Angemel- 
deten kamen. Sie wurden freundlich empfangen und zum Thee gebeten. Diefer 
ward kaum berührt, dagegen zog eine die Brieftafche heraus, um das Tübinger 
Schloß „von Uhlands Gartenhaus" zu zeichnen, die andere erzählte lebhaft, wie fie 
Kerner und Schwab hätten verfprechen muffen, die von der erfteren komponierten 
Lieder Uhlands diefem vorzufingen. Zu diefem Zweck ging man ins Haus hinunter, 
nachdem Frau Uhland noch die Liebenswürdigkeit gehabt, zum Andenken an den 
Garten den Damen einiges Grün anzubieten, das fofort forgfältig in die Brieftafche 
gelegt wurde. Es waren die felbftkomponierten Lieder auf den Tod von Uhlands 
Eltern, welche die Dämon fangen. Die Kompofition war einfach, der Gefang fchön, 
befonders die jüngere hatte eine angenehme Altftimme und der Vortrag gefchah mit 
viel Gemüt. Es war wirklich ein Genuß, fie zu hören, und ich glaube, daß auch 
Uhland fo dachte, das Ausfprechen des Danks wurde ihm durch die rafche Bitte 
abgefchnitten, die eben gefungenen Lieder in das Album der Damen einzufchreiben. 
Frau Unland fchloß ihr Bücherkäftchen auf und brachte ein Exemplar der Gedichte. 
Uhland fchrieb und nun war die Million der Damen vollendet, die reiche Ernte 
eingeheimft, fie rüfteten fich Abfchied zu nehmen, nicht ohne daß fie auch noch 
Jettchen Mayer gebeten, ihren Vater um einen Beitrag ins Album anzugehen. Die 
Nacht war längft hereingebrochen, Uhland bot fich den Gäften zum Begleiter an und 



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16 Nachlefe zu den Uhland-Biographien. 

führte fie an der Ammermühle hinauf den nachften Weg nach dem Gafthof. Lofe 
Studenten, die fchon nachmittags Zeugen der Qual gewefen, mit der die Damen 
Uhlands Befuch erwarteten, während längft der Wagen zur Fahrt nach Gomaringen 
bereit ftand, erzählten, nach der Verabfchiedung von Ubland haben jene als Ausdruck 
des höchften Glücks mit einander herumgewalzt; nach Stuttgart aber fchrieben die 
Damen: die Bekanntfchaft mit Uhland fei vergleichbar einem dunklen Turm, in 
dem man auf (teuer Leiter zur Höhe hinauffteigt; wer lieh die Mühe verdrießen 
laffe und in der Hälfte umkehre, der habe nichts erreicht,' aber wer bis zur Höhe 
empordringe, den lohne die entzückendfte Ausficht Uhland, beim Abeodeffen von 
feiner Frau gefragt, wie ihm die Befuche gefallen, meinte, fie feien nicht von den 
fchlimmften gewefen, gab aber doch, indem er erzählte, daß diefelben am andern 
Tage noch einen fchwäbifchen Dichter beglücken wollten, feinem Unbehagen folchen 
herausfordernden Befuchen gegenüber Ausdruck. 

B. In Stuttgart. 

Die erfte Wohnung des jungen Minifterial-Sekretärs ift nicht mehr nachzu- 
weifen. Seit dem Beginn des Jahres 1813 wohnte er (Leben 1874 S. 92) im Haufe 
von Guftav Schwabs Vater, dem Geheimen Hofrat, in der Hohen Straße. An Georgii 
1814 kündigte er diefe Wohnung auf (ebd. 97), aber es ift nicht bekannt, mit welcher 
andern er fie vertaufcht hat Am 28. Juli 1816 fchreibt U. : „Auf Martini ziehe ich 
vielleicht zu Prokurator Schott, der bis dorthin in die Walzfche Apotheke, in der Nähe 
meines gegenwärtigen Quartiers, zu wohnen kommt. Die Eifenbachfchen machen noch 
keine Anftalt zum Auszug, und fo lange diefe bleiben, bleibe ich auch, wenn ich nicht 
gedrängt werde" (ebend. 116). Der einzige, damals in Stuttgart wohnhafte Eifenbacb 
hatte (1811) ein Haus Ecke der Kanzlei- und Galwerftraße, und die Walzfche Apo- 
theke war die fpäter Kreuferfche Ecke der Galwer- und Büchfenftraße. Statt bei 
Schotts nahm jedoch U. im Spätherbft bei WeifTers Wohnung (flehe S. 10). Als diefe 
wegen Verwandlung des Haufes in das Gafthaus zum Schwanen im Herbft 1817 
ausziehen mußten, mietete U. zwei Zimmer bei feinem Freund, dem Regierungsrat 
Rofer, der am 31. Okt. 1814 fich mit der älteren Schwefter von Uhlands nachmaliger 
Gattin vermählt und das in der Schloßftraße gelegene, fpäter durch den Bahnhofbau 
entfernte Nebenhaus des Stammhaufes der Schwiegermutter Piftorius, des Feuerlein- 
feben Haufes, bezogen hatte. 

Der „Schatten*, den der Dichter mit den Freunden Rofer, Köftlin, Jäger, 
Schott u. a. zweimal in der Woche (auch noch in der Zeit des Eheftandes einmal 
wöchentlich, Leben S. 182) befuchte und durch das bekannte Gedicht verewigt hat, 
war die Wirtfchaft des Traiteurs Rudolph in der Bandgaffe am Marktplatz, jetzt 
Förfterfche Wirtfchaft Bandftraße 4. 

Nach der Verheiratung (29. Mai 1820) nahm Uhland eine Wohnung in der 
erft zwei Jahre zuvor angelegten Kronenftraße , damals noch mit freiem Blick auf 
große Wiefen (S. 177). Es war das jetzt dem Staat gehörige Haus beim obern 
Eifenbahnübergang. Schon im Frühjahr 1821 aber fiedelte das Ehepaar in das eben 
erwähnte Feuerleinfche Nebenhaus über, auf denfelben Boden mit Rofers (S. 181), 
welche den zweiten Stock des Hauptgebäudes inne hatten. Als letztere 1827 ein 
eigenes Haus erwarben, zogen Uhlands wieder in die Kronenftraße, in das Haus 
des Oberpolizeikommiffärs Göz und blieben da bis zum Umzug nach Tübingen 1830. 
(Während des Aufenthalts zum fog. vergeblichen Landtag, nach dem Neujahr 1833, 
mietete U. mit feiner Frau eine Interimswohnung S. 239.) 



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17 



Vere i n 

für 

Kunft und Altertum in Ulm und Oberfchwaben. 



Über das Wappen der Grafen von Marftetten. 

Von C. A. Kornbeck. 

Bei der geteilten Anficht über die Abkunft der Grafen von Marftetten ift der 
thatfächliche Mangel an Siegeln, welche über das Wappen der um das Jahr 1239 
erlofchenen älteren Grafen Auffchluß geben könnten, doppelt fühlbar. Meine Anficht, 
daß das fragliche Gefchlecht der Familie von Neuffen angehörte, habe ich in meinem 
Auffatz über die Herren von Neuffen und ihre Beziehungen zu der Graffchaft Mar- 
ftetten (Vierteljh. 1880 S. 45) näher zu begründen verflicht, und dabei namentlich 
auf die Wahrfcheinlichkeit der Wappengleichheit beider Familien hingewiefen. Heute 
bin ich in der Lage, auf den Gegenstand zurückzukommen, und infolge genauerer 
Unterfuchung eines Siegels des Hauptmanns in Oberbayern Grafen Berthold von Grais- 
bach und Marftetten genannt von Neuffen (f 1342) glaube ich meine Anficht, daß die 
drei Hifthörner von Neuffen auch das Wappen der Grafen von Marftetten darfteilten, 
näher begründen zu können. 

Das betreffende Siegel (von 1329) ift enthalten in den Abhandlungen der 
bayr. Akademie der Wiffenfchaften 1813 Bd. II (Fig. 11), und folgt hier mit dem der 
gleichen Quelle entnommenen Helmfiegel des Genannten (Fig. 12) in genauer Abbil- 
dung I und II, beide mit der (teilweife abgekürzten) Umfchrift: S. Bertboldi comitis 
de Graispach et de Marfteten dicti de Nyffen. 

Die Figur des Reiters in dem Fig. I. 

Porträtfiegel I ift mit dem fechsfach 
quer geftreiften Wappenfchild der im 
Jahr 1327 erlofchenen Grafen von 
Graisbach und deren Helmzier, dem 
Pfauenfchweif, ausgeftattet, wonach ich 
meine frühere Erklärung der Helm- 
figur berichtige. Links und rechts vom 
Reiter befinden fleh auf den Pferde- 
decken zwei Wappenfchilde, beide mit 
drei übereinander liegenden Hifthörnern, 
dem Wappenzeichen von Neuffen, wel- 
ches somit doppelt vertreten ift und 
mit dem kaum erft anererbten Wappen 
von Graisbach den alleinigen Inhalt des 
Stegeis bildet, während das Wappen 
von Marftetten, an welchem der den 
Herren von Neuffen feit langer Zeit 

zuftehende Grafentitel haftete, ohne Andeutung gelaffen ift. Diefe Unterlaflüng 
legt im Verein mit den vorliegenden, auf einen gemeinfamen Urfprung der Fa- 

Warttemb. Vierteljahrshofte 1887. 2 



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18 Kornbeck 

milien von Marftetten und von Neüffen deutenden Anzeichen die Vermutung nahe, 
daß die beiden Wappenfchilde einem doppelten Zwecke dienten und daß die drei 
Hifthörner, der Siegelumfchrift entfprechend , ebenfowohl auf Marftetten als auf 
Neuffen zu beziehen find, eine Vermutung, für welche auch der Umftand fpricht, daß 
der eine der beiden Wappenfchilde punktiert oder nach der fpäteren Bezeichnung 
schraffiert dargeftellt ift, während der andere eine glatte Fläche zeigt. Mit diefer 
Unterfcheidung, welche ohne Zweifel die Andeutung der Farbenverfchiedenheit der 
beiden Wappenfchilde bezweckt, ift auch ihre verfchiedenartige Bedeutung konftatiert; 

andererfeits wird das beiden gemeinfame Wappenbild als 
lg * ein Beweis für den Zufammenhang der genannten Fa- 

milien angeführt werden dürfen. Daß das Helmfiegel 
des Grafen Berthold, der Hut mit dem Hifthorn (Fig. II), 
auf Marftetten zu bezichen und lediglich als eine Variation 
des Helmfchmucks von Neuffen, der beiden aufrecht ge- 
stellten Hifthörner, zu betrachten fei, habe ich bereits 
in meinem früheren Auffatz angedeutet. Ein Neuffen- 
helmfiegel von 1251, welches der Vollftändigkeit wegen 
hier folgt (Fig. IH), befindet fich an einer Urkunde des 
Generallandesarchivs in Karlsruhe. Umfchrift: S. Hain- 
rici de (Nifen). 
Nicht ohne Intereffe für die Beurteilung der angeregten Wappenfrage ift die 
bekannte Auslegung, welche in den Hifthörnern von Neuffen das Abzeichen des Reichs- 
p. jjj jägermeifteramt8, das die Familie bekleidet haben 

foll, erkennt, und welche bis auf die Neuzeit fich 
in Geltung erhalten hat (vergl. von Stillfried, Alter- 
tümer und Kunftdenkmale des Haufes Hohen- 
zollern I, Heft 4, 1; Otte, Handbuch der kirch- 
lichen Kunftarchäologie S. 427; Brunner, Schw. 
u. Neub., 29. und 30. Bericht S. 27). 

Beglaubigt find die Herren von Neuffen 
meines Wiffens als Jägermeifter nicht, dagegen 
könnte, bemerkenswerterweife, der Helmfchmuck 
von Marftetten eine weitere Beftätigung jener Au- 
nahme enthalten. Außer dem Hifthorn find näm- 
lich nach von Stillfried und Otte der Jägerhut 
(Zobelhut), der Leithund (Bracke) und das Hirfch- 
geweih als die Attribute des fraglichen Amtes zu 
bezeichnen, welche gleich den Abzeichen fonftiger 
Ämter und Gerechtfame vorzugsweife im Helm- 
fchmuck Ausdruck fanden. Auch Fürft Hohenlohe 
ftimmt diefer Erklärung bei, befonders in denjenigen Fällen, wo der Helmfchmuck 
durch eine felbftändige Figur gebildet wird, die fich im Schild nicht wiederholt (Das 
Fürftenbergifche Wappen S. 54). lu dem Marftetter Helmfchmuck, dem Hut (Jäger- 
hut) mit dem Hifthorn, findet fich alfo das fragliche Amt in doppelter Weife reprä- 
fentiert, und es könnte in der Vereinigung diefer Attribute eine Beftätigung des der 
Gefamtfamilie zuftehenden Reichsamtes und damit zugleich der wiederholte Nachweis 
des Zufammenhangs der Grafen von Marftetten und der Herren von Neuffen erblickt 
werden, ein Erfund, welcher einen nicht unerheblichen Beitrag zu der inhaltsreichen 
Symbolik mittelalterlicher Heraldik abzugeben geeignet wäre. 



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Über das Wappen der Grafen von Marftetten. 19 

In Übereinftimmung mit den fonft vorliegenden und noch eingehender zu be- 
fprechenden Anzeichen, welche auf einen Zufainmenhang der beiden Familien fchließen 
laffen, möchte ich meine Anficht dahin ausfprechen, daß beide das gleiche Wappen, 
die drei Hifthörner, führten, daß fie fich aber, abgefehen von der Zufammenfetzung 
des Helmfchmucks, durch eigenartige Tinkturen von einander unterfchieden und daß 
auch die fich widerfprechenden Angaben bezüglich der Wappenfarben von Neuffen aus 
diefem Punkt zu erklären fein mögen. 

Das Refultat meiner Ausführung gebe ich in nachftehender Zufammenftellung 
der Wappen von Marftetten (Fig. IV u, V) und von Neuffen auf Grund von Siegel I 
und II und der erforderlichen Ergänzungen. 

c. Durch den verfuchten Nach- IV « V. 

weis der Stammverwandtfchaft beider 
Familien würde zunächft die von mir 
vertretene Anficht, daß jener Berthold 
von Neuffen, welcher im Jahr 1239 zu 
Lebzeiten des Grafen Gottfried von 
Marftetten älterer Linie den Titel eines 
Grafen von Marftetten geführt, und 
welcher 20 Jahre fpäter als der Tochter- 
mann desselben erfcheint, diefen Titel 
feinen agnatifchen Beziehungen ver- 
dankt habe, weitere Unterftützung Marftetten . Neuffen . 
erhalten. 

Ferner fpricht für die Stammverwandtfchaft der Marftetten und Neuffen der 
durch Brunner nachgewiefene Zufammenhang der letzteren mit den Herren von 
Weißenhorn, welch letztere allem Anfcheine nach als eine Nebenlinie der Marftetten 
zu betrachten find, die fich mit der gräflichen Hauptlinie in den gemein fchaftlichen 
Hausbefitz, die Hochftift-Augsburgifchen Lehensherrfchaften Buch und Weißenhorn, 
teilte. Daß die Herrfchaft Weißenhorn ein Beftandteil (Enklave) der Herrfchaft Buch 
bezw. der Graffchaft Marftetten war, fetzt auch von Raifer (Die Wappen der Städte 
S. 56, 95) voraus, und diefe Annahme fcheint um fo näher zu liegen, als das ge- 
meinfame Lehensverhältnis diefer Befitzungen auf eine urfprüngliche Zufammen- 
gehörigkeit derfelben unter ein und derfelben Familie fchließen läßt. 

Entgegengefetzter Anficht ift Herr Dr. Baumann, Gefcbichte des Allgäus, 
S. 282, wo über die Zugehörigkeit der Herrfchaft Weißenhorn folgendes erwähnt ift: 
„Man nahm 1479 zu Landshut ohne Bedenken an, daß die mit der Graf- 
fchaft Marftetten an Bayern gekommenen Befitzungen in und um Weißenhorn 
eben diefe Graffchaft darftellten. Diefe Auffaffung war aber, obgleich fie bald 
allgemein geteilt wurde, ein grober Irrtum; denn die Weißenhorner Gegend 
hatte noch zu Anfang des 14. Jahrhunderts zur Graffchaft Holzheim gehört, 
konnte alfo daneben nicht auch noch zu dem Marftetter Amtsbezirk zählen." 
In Ermanglung des Nachweifes, um welchen es fich hier zunächft handelt, 
daß die Herrfchaft Weißenhorn zu irgend einer Zeit der Graffchaft Holzheim ange- 
hört habe, glaube ich meine abweichende Ausführung aufrecht erhalten zu dürfen. 
Die Graffchaft Holzheim war meines Wiffens zufammengefetzt aus den Herrfchaften 
Neuhaus, Pfaffenhofen und Wullenftetten, von der Herrfchaft oder Graffchaft Weißen- 
horn (ein Berthold von Weißenhorn von 1172 erfcheint Mon. boic. 10. 25, wahrschein- 
lich in feiner Eigenfchaft als Marftetter Agnat, als Graf) ift nirgends die Rede, wenn 
auch der durch das linke Ufer der Roth von der Herrfchaft Weißenhorn abgegrenzte 



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20 Kornbeck 

Wildbannbezirk der Grafschaft Holzheim thatfächlich bis in die Nähe der Thore der 
Stadt Weißenhorn reichte. In diefem Sinn gehörte ein Teil der Weißenhörner Gegend 
der Grafschaft Holzheim an. 

Nachdem ich mich über die Grenzen des fraglichen Wildbannes bereits ein- 
gehender in meinem Auffatz „Zur Gefchichte des Duriagaues" (Vierteljb. 1881 S. 197) 
ausgefprochen , geftatte ich mir darauf Bezug zu nehmen mit dem Anfügen, daß 
fämtliche die Herrfchaft Weißenhorn bildenden Orte, welche in meinem Auffatz über 
die Herren von Neuffen (1880 S. 46) auf Grund gräflich Fuggerfcher Urbare einzeln 
aufgeführt find, außerhalb jenes Wildbannbezirks liegen. 

Die Herrfchaft Weißenhorn lag im Duriagau; dies erhellt aus der Stelle: in 
pago Duria in comitatu Arnolfi in loco ad Rotu, welch letztern Ort Stalin (1, 2^2) 
ohne Zweifel mit Grund in den oberhalb Weißenhorn. gelegenen Ortfchaften Ober- 
oder Unterroth vermutet, weil es kein zweites bayerifches Roth giebt, das hieher be- 
zogen werden könnte. Als alter Sitz des Landkapitels" dürfte Öberröth eine befon- 
dere Erwähnung verdienen, während der unterhalb Weißenhorn bei Pfaffenhofen ge- 
legene Ort Roth an der Roth, als zur Graffchaft Holzheim gehörend, hier nictt in 
Betracht kommt. 

Nach vorftehendem kann alfo die Herrfchaft Weißenhorn nicht der einen 
felbftändigen Gau repräfentierenden Graffchaft Holzheim angehört haben, und es be- 
ruht keineswegs auf einem Irrtum und entfpricht nach meiner Anficht nur der Sach- 
lage, wenn zu der angegebenen Zeit die Verlegung des Landgerichts Marftetten nach 
Weißenhorn erfolgte, und wenn die Grafen Fugger, als Inhaber der Herrfchaften Buch 
und Weißenhorn, noch heute den Marftetter Grafentitel führen und des darauf bezüg- 
lichen Wappens, der drei Hifthörner, fich bedienen. 

Die Herren von Weißenhorn, als deren Befitznachfolger die von Neuffen be- 
urkundet find, fcheinen diefen Namen jedoch nur vorübergehend und abwechfelnd mit 
dem angeftammten Namen von Neuffen geführt zu haben. Auch der letzte bekannte 
Angehörige, der im Jahr 1201 genannte Berthold von Weißenhorn, erfcheint gleich- 
zeitig unter dem Namen von Neuffen, wie aus folgender, den Zusammenhang beider 
Linien erörternden Stelle bei Brunner (Schw. u. Neub. 1863/64 S. 27) erhellt: 

„König Philipp verpfändet die Propftei Ursberg an Berthold von Neifen 
(Ursb. Jahrb. 237), und derfelbe geftattet im Jahr 1201 den Freikauf derfelben 
von feinem getreuen Berthold von Weißenhorn." (Abfchrift einer Urkunde aus 
Kornmanns handfchriftl. Chronik.) 

Mit diefem Berthold, welcher als Pfandherr von Ursberg in unliebfamer Weife 
fich bemerklich machte und welcher durch die Erbtochter des Grafen Adalbert von 
Gamertingen die Graffchaft Achalm erheiratete, beginnt Stalin 2, 572 die Genealogie 
der fpäteren Herren von Neuffen. Er war nach der Ausführung Brunners der Sohn 
Luitfrieds von Weißenhorn, letzterer ohne Zweifel der bei Stalin 2, 57 1 angeführte 
Luitfried von Neuffen, f März 31. 

Im Jahr 1258 März 21 (Mon. Boic. 33, 84) beftätigt der oben erwähnte 
Graf Berthold von Marftetten genannt von Neuffen in „Nifenhorn" einen Güterverkauf, 
unter welchem Namen, dem Inhalt der Urkunde und den angeführten Zeugen zufolge, 
nicht wohl ein anderer Ort als die Stadt Weißenhorn verftanden fein kann. Der 
Name Nifenhorn für Weißenhorn (wohl die erftmalige Erwähnung der Stadt) deutet 
wie es fcheint auf die Gewohnheit der damaligen Zeit, Ortsnamen mit dem Namen 
des Inhabers in Verbindung zu bringen, wie z. B. der unfern von Weißenhorn ge- 
legene Ort Rieden über feine Befitzdauer unter der Familie Roth Rothrieden hieß. 

Was die Herren von Neuffen betrifft, welche als die älteften bekannten In- 



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Über das Wappen der Grafen von Marftetten. 21 

haber der Herrfchaft Weißenhorn nachgewiefen find und welche bis zu ihrem Erlöfchen 
im Befitz diefer Herrfchaft fich behaupteten, fo kann es keinem Zweifel unterliegen, 
daß He diefelbe auch zur Zeit Bertholds von Neuffen (1239—1258) befaßen, und wenn 
letzterer bereits zu Lebzeiten des Grafen Gottfried den Marftetter Grafentitel fährte, 
fo könnte fich diele Thatfache einesteils aus feinem Verwandtfchaftsverhältnis, andern- 
teils aber aus feiner Eigenschaft als Inhaber der Herrfchaft Weißenhorn erklären, 
welch letztere einen Bestandteil der Graffchaft Marftetten bildete und welche feine 
Linie als einen Teil des gemeinfchaftlichen Hausbefitzes fchon längft inne hatte. 

Über die Ankunft der Herren von Neuffen in der Gegend von Weißenhorn 
entnehme ich Brunner (Schwab, u. Neub. 1863/4 S. 28) folgendes: 

„Die von Neuffen find endlich auf die Grafen von Sulmetingen (wirt. 
OA. Biberach), deren Ahnherr ohne Zweifel der aus der Vita S. Udalrici be- 
kannte Neffe diefes Heiligen, Mangold, ift, zurückzuführen. Da diefe Familie 
wahrfcheinlich das gräfliche Amt im Duriagau befaß (Manegold 1003, Ulrich 
1046, Riwin 1007, welche ich ihr leichter als der Hauptlinie der Grafen von 
Dillingen einreihen zu können glaube) und da Weißenhorn unftreitig in diefem 
Gau lag, fo ift der Befitz der Neifen in letzterem Ort, nach dem fie manchmal 
fich fchrieben, nicht fchwer zu erklären." 

Die nach meinem Dafürhalten aus diefer Ausführung fich ergebende Schluß- 
folgerung zu ziehen, hat Brunner unterlaufen : die Eonftatierung der Identität der 
Duriagaugrafen von Sulmetingen-Neuffen mit den Grafen von Marftetten- Weißenhorn, 
deren Graffchaft Marftetten als die Duriag augraffchaft zu be- 
trachten und als deren Sitz Schloß Buch zu benennen ift. Überein- 
ftimmend hiemit lauten die bekannten Berichtigungen Wegelins und der OA.-Be- 
fchreibung von Leutkirch , welche gleichfalls in dem zu dem Ort Buch gehörigen 
Schloß den Sitz der Graffchaft bezeichnen. Nur beruht der Name Marftetten, welchen 
die Genannten diefem Schlöffe beilegen, auf einem Mißverftändnis ; es erfcheint ftets 
unter dem Namen Buch (Castrum Buoch, Urk. von 1316). 

Dem neuerdings erhobenen Einwand, daß die Namen der Duriagaugrafen 
Manegold, Riwin und Ulrich, als der Dillinger Familie eigentümlich, die von Sulme- 
tingen vom Grafenamt auszufließen fcheinen, fteht die Bemerkung gegenüber, daß 
ein Mangold und ein Ulrich auch in letzterer Familie vorkommen, und daß die Beur- 
kundung des erftern der Zeit der Erwähnung des Duriagaugrafen Manegold (1003) ent- 
fpricht, während der Dillinger Stammbaum keine Perfönlichkeit kennt, welche auf 
denfelben bezogen werden könnte. Ob der Riwin von Dillingen, der fchon 955 als 
Graf erfcheint, identifch ift mit dem 52 Jahre fpäter (1007) auftretenden Duriagau- 
grafen diefes Namens, mag dahin geftellt bleiben ; für die vorliegenden Zwecke genügt 
der Hinweis auf die Verwandtschaft der Grafen von Sulmetingen mit den Herren von 
Neuffen, und letzterer, wie ich dargethan zu haben glaube, mit den Grafen von Mar- 
ftetten, den thatfächlichen Inhabern der Graffchaft des Duriagaues. 
Der ältefte bekannte Herr von Neuffen ift Mangold von Sulmetingen, nach 
Stalin 2, 572 ohne allen Zweifel ein Abkömmling jenes Grafen Mangold, der bereits 
als mutmaßlicher Duriagaugraf erwähnt ift und der auf Schloß Sulmetingen feinen 
Sitz hatte. Aus der Ehe des erfteren mit Machthild, Tochter des Grafen Egino von 
Urach, find bekannt zwei Söhne Egino mit dem Titel Graf, und Ulrich, fowie eine 
Tochter Machthild, welch letztere beide in das Klofter Zwiefalten eintraten. „Wie 
und wann die Sulmetinger Grafenfamilie in den Befitz der Herrfchaft Neifen kam, 
ift nicht zu ermitteln. Da in der Uracher Grafenfamilie der Mannsftamm blühte, fo 
hat fich wohl fchwerlich von dem dortigen Grafen Egino auf feine Tochter die fo an- 



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22 Eornbeck 

fehnliche Herrfchaft Neifen vererbt ; wahrfcheinlicher ift, daß Mangold von Sulmetingen 
fie feinem Schwiegervater abkaufte." 

So Stalin, nach deffen Ausführung alfo die Herrfchaft Neuffen als eine ur- 
fprünglich Urachfche Befitzung auf irgend einem Wege an die Grafen von Sulmetingen 
kam. Die zweite Möglichkeit, daß die Graffchaft Sulmetingen durch Erbfolge oder 
auf andere Weife an die Herren von Neuffen gelangte, wird nicht ins Auge gefaßt, 
weil Stalin, wie es fcheint, in Rückficht auf den in beiden Familien begegnenden 
Namen Mangold, ihre Stammeseinheit als erwiefen betrachtet und deshalb von der 
Möglichkeit, daß die Grafen von Sulmetingen-Neuffen eine eigene, von den älteren 
Grafen von Sulmetingen zu unterscheidende Familie gebildet haben könnten, abfieht. 
Es scheinen aber Anzeichen vorzuliegen, welche für die Wahrfcheinlichkeit fprechen, 
daß Neuffen der Familienname und Sulmetingen die Graffchaft war, welche die Herren 
von Neuffen inne hatten. Stalin 2 S. 573 Anm. 2 ift zu lefen: 

„Manegolt de Nif in; iste et filii ejus Egino comes et Udalricus noster 

Monachus et filia ejus Mahtilt de Nifen dederunt" u. f. w. Necr. Zwif. bei 

Hess Mon. Guelf. 245; 

ferner: 

„Mahtilt soror Conversa de Nifen" ib. 236, 

Hier heißt Mangold IL, der an anderer Stelle von Sulmetingen genannt ift: 
de Nifen, ebenfo feine Tochter Machthild, was doch wohl auf den Familiennamen 
deuten dürfte. Auch wenn von Mangold die Herrfchaft Neuffen erkauft oder wenn fie 
durch feine Gemahlin an fein Haus gekommen wäre, liegt nach meiner Anficht kein 
Grund zu der Annahme vor, daß er aus diefer Veranlaffung den Sulmetinger Grafen- 
titel mit dem Titel eines Herrn von Neuffen vertaufcht haben könnte. Für näher 
liegend halte ich, daß zwifchen älteren (angeftammten) Grafen von Sulmetingen und 
fpäteren aus der Familie von Neuffen zu unterfcheiden ift t und daß letztere den erst- 
genannten durch ihre Abftammung von mütterlicher Seite angehörten. Daß die 
älteren Grafen mit dem Duriagrafen Manegold von 1003 im Mannsftamme erlofchen 
find, könnte aus dem Dazwifchentreten des wahrfcheinlich der Dillinger Familie an- 
gehörenden Riwin von 1007 im Duriagaugrafenamt gefolgert werden. Einige Zeit 
darauf erfcheinen die Grafen von Sulmetingen-Neuffen, deren erfter, Mangold H., nach 
meiner Kombination als der Enkel Mangolds I. von diefem, dem mütterlichen Groß- 
vater, den Namen trug, und wonach die Graffchaft Sulmetingen durch eine Erbtochter 
aus diefem Haufe an die Herren von Neuffen gelangte. Mit diefer Erklärung würde 
die Nachricht der Zwiefalter Annaliften (OA.-Befchreibung von Biberach S. 188), daß 
die Burg Neuffen der Ausgangsort der Grafen von Sulmetingen fei, übereinftimmen, 
wenn diefelbe, meiner Ausführung entfp rechend, auf die fpäteren Grafen aus dem 
Haufe Neuffen bezogen wird. 

Dem Vorgetragenen entnehme ich noch folgende Gefichtspunkte : 

1. Die Schenkung der Burg Marftetten an der Bier (OA. Leutkirch) durch 
König Rudolf im Jahr 1281, alfo nach meiner Auffaffung zu Lebzeiten der 
Grafen von Marftetten, an das Stift Kempten und die fofortige Belehnung einer 
fremden Familie damit, beweifen, daß diefelbe, wie fchon Brunner und andere Forfcher 
angedeutet, ihre eigene Gefchichte hat und zu der Graffchaft diefes Namens in keiner 
Beziehung ftand. Es kann daher auch letztere nicht, wie die Neuzeit (Gefchichte 
des Allgäus S. 283) annimmt, vom Stift Kempten zu Lehen gegangen fein, fie ging, 
was den Hausbefitz der Grafen anbelangt, wie bereits erwähnt, vom Hochftift Augs- 
burg zu Lehen, laut Urk. vom 2. März 1339, welche endftehend folgt. 



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Über das Wappen der Grafen von Marftetten. 23 

Zu den Eigentümlichkeiten diefer feit anderthalb Jahrhunderten fich hin- 
ziehenden Streitfrage gehört die Berufung auf die imponierenden Überrefte der Burg 
Marftetten an der Hier, welchen zufolge fie nur der Sitz einer mächtigen Grafen- 
familie, nicht aber der Sitz eines gewöhnlichen Edeln oder Minifterialen gewefen fein 
könne. Als Marftetter Minifteriale erfcheint nach der OA.-Befchreibung von Leut- 
kirch 1288 ein Ludwig von Marftetten unter dem Kriegsvolk des Abts Konrad von 
Kempten. Spätere Lehensinhaber find die von Eifenburg, die von Lachen, die von 
Königsegg und die von Waidburg. Von der Burg felbft aber, deren Gefchichte in 
die einer altern und einer fpätern Burg zerfällt, ift erftere, um welche es sich allein 
handeln kann, fchon längft fpurlos verfchwunden. Sie lag ftidlich von den heutigen 
Ruinen auf einem wefentlich höhern Bergvorfprung, deffen Umfang zu befchränkt ift, 
um Raum für ein größeres Gebäude zu bieten. Eine Abbildung der untern Burg aus 
dem Beginn des 16. Jahrhunderts zeigt ein Bergfchloß von gewöhnlicher Bauart und 
Größe, das im Bauernkrieg zerftört wurde und an deffen Stelle im Jahr 1688 der 
damalige Inhaber, Graf Sebaftian Wunibald von Waldburg-Wurzach ein größeres 
Schloß zu bauen unternahm, um feine Refidenz dahin zu verlegen, das aber, nachdem 
der Bau bereits bis zum zweiten Stock aufgeführt war, unvollendet blieb, und ftatt 
deffen das heutige Wurzacher Schloß erbaut wurde. 

Somit fcheinen die immerhin bedeutenden, aber in rafchem Zerfall begriffenen 
Überrefte zum großen Teil der neueren Zeit anzugehören. 

2. Die felbftändige Gefchichte der Burg widerfpricht ferner der Annahme 
einer obern Illergaugraffchaft Marftetten, welche Annahme lediglich auf die unter- 
ftellte Eigenfchaft der Burg als Sitz der Graffchaft geftützt ift und welche mit dem 
Nachweis ihrer nebenfächlichen Bedeutung in fich felbft zerfallt. Schon die Lage 
der Marftetter Stammfitze Buch und Weißenhorn gegenüber dem Schloß Ober- 
Kirchberg, OA. Laupheim, dem Sitz der Illergaugraffchaft Kirchberg, fteht in 
eigentümlichem Widerfpruch mit einer obern Illergaugraffchaft Marftetten. Durch 
eine Ausdehnung der letztern im Sinne des Herrn Dr. Baumann über die Quellgebiete 
der Roth, der Biber, der Günz, der Kamlach und der Mindel würde der Duriagau 
Stalins auf ein Minimum reduziert und die ganze bisherige Anfchauung in Frage ge- 
ftcllt, ohne daß irgend ein ins Gewicht fallender Beweis für folch eine Vermutung 
namhaft gemacht werden könnte. Diefelbe wird S. 283 wie folgt begründet: 

„Uniäugbar hingegen ift es, daß das Landgericht Marftetten im 14. Jahr- 
hundert in Memmingen tagte, und daß diefes Landgericht in Beningen, Heimer- 
tingen, Kellmünz, Kirchberg an der Hier kompetent war. Somit lagen diefe Orte 
in der Graffchaft Marftetten, denn kein Landgericht hatte außerhalb feiner Graf- 
fchaft Amtsgewalt." 

Ohne diefer Auslegung in ihrer Allgemeinheit entgegentreten zu wollen, kann 
diefelbe auf die Graffchaft Marftetten, deren Gerichtsbarkeit als diejenige eines 
kaiferlichen Landgerichts weit über die Graffchaftsgrenzen hinausreichte, keine 
Anwendung finden. Die Orte Heimertingen, Kellmünz u. f. w. gehörten vielmehr der 
Oftgrenze des Illergaus an, nicht aber der Graffchaft Marftetten und am wenigften 
einer obern Illergaugraffchaft Marftetten, welche es nach meiner Anficht überhaupt 
nicht gab. Außer in den genannten Orten übte das Landgericht Marftetten laut der 
Inftruktion „Landgerichtshalb zu Marftetten" (im allgemeinen Reichsarchiv in München) 
auch in Legau (Graffchaft Kempten), in Sulmetingen (Rammagau), in Attenhofen 
(Graffchaft Holzheim) und mehrfach in der Graffchaft Leutkirch die Gerichtsbarkeit 
aus, ohne daß man es unternehmen wird, diefe Orte der Graffchaft Marftetten ein- 
zureihen. Es dürfte daher an der Zeit fein, die Befugniffe diefes kaiferlichen Land- 



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24 Kornbeck 

gerichts, deffen Wirfcfamkeit durch Bayern auf Koften der betreffenden Reichsstände 
auf das Gebiet zwifchen Donan und Lech auszudehnen verflicht wurde , aus einem 
erweiterten Gefichtspunkt zu beurteilen (von Lang, Denkfchriften der bair. Akademie 
der Wiffenfchaften 1813 Bd. I 8. 162. Brunner, Schwaben v. Neub. 1863/64 Fortf. 
S. 88). Bekannt ift, daß namentlich die Reichsftädte Ulm, Memmingen und Biberach 
durch das Umfichgreifen desfelben fich bedroht fahen (vergl. Stalin III 628). 

3. In Rückficht auf die indifferente Stellung der Burg Marftetten zu der 
Graffchaft und in Ermanglung eines gleichnamigen Orts in letzterer wird man fich 
wiederholt und um fo mehr der Erklärung von Raifers und Brunners zuwenden, welche 
in dem Ort Maurftetten bei Kaufbeuren im Duriagau den namengebenden Teil der 
Graffchaft bezeichnen, in deffen nächfter Nähe (Frankenhofen , Haufen, Thalhofen) 
die Grafen von Marftetten lehensherrliche Rechte ausübten und nach welchem fie 
fehr häufig fich fchrieben. Abweichend hievon berichtet die Gefchichte des Allgäus 
S. 283: 

„Endlich ift auch der Name diefes Orts (Maurftetten) mit der fraglichen 
Graffchaft (Marftetten) nicht gleich. Letztere heißt nämlich in allen Urkunden 
und Berichten, die ihrer Erwähnung thun: Marftetten, Marftetin, Mauerftetten 
dagegen ausnahmslos Murftetten." 

Zur Widerlegung diefer Angaben genügt, um nur zwei Beifpiele anzuführen, 
der Hinweis auf die Urkunden Nr. 299 und 309 des Urkundenbuchs der Stadt Augs- 
burg von 1330 und 1331, in welchen der Hauptmann in Oberbayern, Graf Berthold 
von Graisbach genannt von Neuffen als Graf von Maurftetten auftritt. Zur Verein- 
fachung der Streitfrage dürfte fich daher die Anwendung der letzteren Schreibart 
empfehlen. 

Von Raifer (Die Wappen der Städte) unterfcheidet zwifchen älteren Grafen 
mit dem Sitz in Maurftetten, und fpäteren auf Schloß Buch. Daß die Verlegung des 
Wohnfitzes nach letzterem Ort auf ihre, der Grafen, Belehnung damit zurückzuführen 
fei, erfcheint naheliegend, und daß fchon der erwähnte Neffe des Bifchofs Ulrich, 
Mangold von Sulmetingen , der mutmaßliche Duriagaugraf von 1003 , Inhaber Hoch- 
ftift-Augsburgifcher Lehen war, die der Nachfolger Ulrichs, Bifchof Heinrich, ihm er- 
folglos zu entziehen fuchte, dürfte wenigftens einer Erwägung wert fein in einer Frage, 
welche fo dürftige thatfächliche Anhaltspunkte bietet 

4. Die Stammverwandtfchaft der Herren von Neuffen, Grafen von Sulmetingen, 
mit den Grafen von Maurftetten widerfpricht der neuerdings vertretenen Annahme 
eines Zusammenhangs der letzteren mit den Edeln von Urfin (Ronsberg), woraus 
erhellt, daß die Berufung des Grafen Gottfried von Maurftetten auf feine Urfinfche 
Abkunft fich auf feine Abftammung von mütterlicher Seite bezieht. Diefer Berufung 
lag bekanntlich ein fpezielles Intereffe, die Bewerbung um die Schirmvogtei Ottobeuren, 
welche feine Vorfahren mütterlicherfeits in erblicher Weife inne hatten, zu Grund; 
als wahrer Urfin hätte der Genannte, anftatt als Bittfteller aufzutreten und die 
Vogtei durch die Hingabe von Gütern fich zu erkaufen, nach meiner Anficht doch 
wohl zunächft feine Erbrechte geltend gemacht. Ich halte daher an meiner bereits 
ausgefprochenen Anficht feft, daß Graf Gottfried von Maurftetten feinen Vornamen 
feinem mütterlichen Großvater, dem 1160 genannten Grafen Gottfried von Ronsberg 
verdankte. 

Durch die mütterliche Abftammung des Grafen Gottfried von Maurftetten 
erklärt fich wohl auch die Beurkundung feiner Tochter Juta im Befitz der Herrfchaft 
Petersberg im Innthal, ohne daß man zu der notgedrungenen Vorausfetzung einer 
erften Ehe derfelben mit einem Grafen von Ulten feine Zuflucht zu nehmen hätte. 



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Über das Wappen der Grafen von Marftetten. 25 

Nach vorftehendem wäre die Annahme, daß drei verfchiedene Familien fich 
im Befitz der Grafschaft Maurftetten gefolgt feien, nicht aufrecht zu erhalten. So- 
weit Grafen und Herren von Maurftetten bekannt find, gehörten fie nach meiner 
Auffaflüng der Familie von Neuffen-Sulmetingen an, und durch die Erbtochter des 
Grafen Berthold von Graisbach und Maurftetten genannt von Neuffen, des letzten 
fucceffionsfähigen Abkömmlings der Familie, kam die Graffchaft Maurftetten (bezw. 
die Herrfchaften Buch und Weißenhorn) 1342 an Bayern* 

5. Ebenfo widerftreitet die Abkunft der Grafen von Maurftetten von der 
Familie von Neuffen-Sulmetingen ihrer erörterten Verwandtschaft mit den Grafen von 
Kirchberg , welche auch durch die Wappenverfchiedenheit beider Familien wider- 
legt ift. 

Dies wären die Schlußfolgerungen, welche ich dem Vorgetragenen entnehmen 
zu dürfen glaube und welche ich mit dem Wunfche begleite, daß fie zur Feftftellung 
der angeregten Fragen beitragen mögen. 

Obenerwähnte, das Lehenverhältnis der Herrfchaften Buch und Weißenhorn zum 
Hochftift Augsburg konstatierende Urkunde vom 2. März 1339, in welcher Graf 
Berthold von Graisbach genannt von Neuffen feine Gemahlin Agnes mit ihrer Heim- 
fteuer auf diefe Herrfchaften verweift, gebe ich in der mir vorliegenden Gabelkover- 
fchen Regeftform: 

A. 1339 am nechften montag vor mittfaften verweifen wir Berthold Graf zu 
Graispach vnd zu Marftetten genannt von Neifen vnfere liebe eheliche Frawe Agnefe 
Grävin zu Graispach vnd zu Maüerftetten genannt von Neifen vff vnfer ftatt 
Weißenhorn vnd Reichenbach bei Zell vnd fwas darzu gehört, nieder Reichenbach vnd 
die Winenden vnd fwas darzu gehört, Buch die Burg vnd dorf, Rittgarsried bey Buch, 
Reichenbach an dem Wald vnd Hartprechtshofen mit den weyhern, die darbey liegen, 
Bubenbufen vnd Hanharts hoven, fwas wir beidenthalben haben mit aller der Herr- 
fchaft, die darzu gehört, leut vnd gut, mit feld, waid, holzmarken, waffer, vifchenzen, 
weyer, zollen, gericht, vngelt, bann, Kirchenfatz et omni omnino iure ac pertinentiis 
omnibus für fry ledig lehen vm ir haimfteur vnd nach haimfteuerrecht vm 4000 £fc 
guter vnd gäber Haller. Idque factum eft cum confenfu electi epifcopi Auguftani, 
von dem die guter zu lehen gehen. Gibt ir zu fchirmern folcher guter vnd 
leut vnfern lieben fchwager, iren bruder, graven Johann, Burggraven zu Nürnberg, 
vnfern fchwefterfohn Schwygger von Gundelfingen, herrn Ulrichen von Stotzingen, 
herrn Rudolfen von Lichtenow vnd herrn Fridrichen von Freyberg, die follen ir folche 
leut vnd gut helfen fchirmen mit vus vnd auch ohne vns. Sieglen alle. Berchtoldus 
hat fein groß Infiegel: equitem Gataphractum; Burggraf den quadrierten fchild vnd 
vff dem heim den Pfauenfchwanz. (Staatsarchiv Stuttgart, aus Gabelkovers Collec- 
tanea I Blatt 252.) 



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26 Schultea 

Die Familie der Befferer in Ulm. 

Vortrag, gehalten im Ulmer Altertums verein von A. Schult es, Pfarrer a. D. 

Quellen: 1. Ulmifches Urkundenbuch. 2. Jäger, Ulm im Mittelalten 3. Grabfteine und 
Totenfchilde im Münfter und in der Beffererfchen Kapelle. 4. Ratsprotokolle von 1501 an, 337 
Folianten. 5. Bilder und Aufzeichnungen bei der Familie. 6. Weyermanns Nachrichten. 7. Keim, 
Die Reformation der Reichsftadt Ulm. 

Unter den edlen, oder, wie man He fpäter nannte, Gefchlechter- oder 
Patrizierfamilien Ulms nahmen die Befferer eine der erften Stellen ein. Viele Glieder 
diefer weit verzweigten Familie haben fich im Krieg und Frieden große Verdienfte 
um unfere Stadt erworben. Auch erhalten anfehnliche Stiftungen für die Armut 
und für die Kirche ihr Andenken unter uns. Die Befferer gehören nicht zu den- 
jenigen Familien, welche durch Gewerbe und Handel (namentlich Leinwandfabrikation 
und Leinwandhandel) Reichtum und Anfehen und die Teilnahme am Regiment er- 
langten, wie die Ehinger (Vierteljahrshefte 1885. 4), die Günzburger, Neubronner, 
Heilbronner u. a., fondern fie erfcheinen von Anfang au im Befitz von Gütern und 
Ämtern und im Genuß von Lehen. Nach dem bei der Familie befindlichen Stamm- 
baum lebte fchon 1212 ein Jörg Befferer, den wir aber in keiner Urkunde erwähnt 
finden. 

Den erften urkundlichen B. findet Jäger (S. 775) in einem Ulricus Bezzerarius, 
der in einer Urkunde des Bifchofs Hartmann von Augsburg (Grafen von Dillingen) 
vom 1. Auguft 1264 als Zeuge unterzeichnet. Die Urkunde ift abgedruckt in „von 
Raifer, Lauingen a S. 91. Die Grafen von Dillingen hatten die Reichs- und Schirm- 
vogtei (advocatia) von Ulm, die urfprünglich den fchwäbifchen Herzogen zukam, von 
etwa 1150 an bis auf die Zeiten Konradins, welcher kurz vor feinem Tod (1268) 
diefelbe den Grafen von Württemberg übertrug, wie es in der unten citierten Urkunde 
heißt: jus advocaliae comites Dilingenses ab antiquis in noftra civitate habent. Sie 
hatten deshalb ein eigenes hofpitium five herbergam, aber nicht in der Stadt felbft, 
fondern jenfeits der Donau in der Ökonomievorftadt Schwaighofen. Sie kamen von 
Zeit zu Zeit hieher, um Gerichtstage in Ulm und um Ulm herum zu halten (es werden 
in der Urkunde vom 21. Auguft 1255, Urk.Buch S. 93 vier Gerichtsftätten genannt) 
oder fie fchickten miniftrum fuum hieher. Nach Anderfen, Konkurrenzen S. 94 hieß 
bezzeraere mhd. der Beamte, welcher die Bußen einzuziehen hatte, die der Richter 
anfetzte. Die Strafen waren faft nur Geldftrafen. Ein folcher Beamter mag jener 
Ulricus, den Jäger a. a. 0. einen Minifterialen der Grafen von Dillingen nennt, ge- 
wefen und wie fo oft, aus dem Amtsnamen ein Familiennamen geworden fein. 

1281 erfcheint ein frater Marquardus, eremita dictus Befferer, octoginta an- 
norum, als Zeuge unter einem Nachtrag zu einer Urkunde vom 12. Sept. 1281 Urk.- 
Buch S. 162. Sie betrifft den Verkauf der Burg Ehrenftein im Blauthal von feiten 
des Grafen Eberhard von Württemberg, des Erlauchten, an den conventus dominarum 
ordinis S. Clarae in Sevelingen. Ob diefer B. aber zur Familie der Ulmer B. gehört 
habe, ift zweifelhaft, da er als converfus monafterii (Laienbruder, Klofterknecht) 
bezeichnet wird. 

Eine Urkunde im Ulmer Archiv vom J. 1274 Urk.Buch S. 146, die Abtretung 
des Haufes des Schreibers von feiten des Klofters Salmannsweil an Reichenau be- 
treffend, hat neben andern Nachträgen einen vom J. 1294, aus dem hervorgeht, daß 
die dicti Befferer de Ueberlingen Befitzungen in Nufron (Neufra bei Riedlingen) als 
Lehen von Reichenau (in feodum) inne hatten. Im J. 1296 findet fich ein Heinricus 



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Die Familie der Befferer in Ulm. 27 

dictus Befferer als Zeuge unter einer Urkunde (Urk.Buch S. 226), durch die das Pa- 
tronat der Kirche in Bollingen dem Wengenklofter gefcbenkt wird. Der gleiche 
Heinrich B. ift es, der 1309 als Heinrich der Bezzerer, Pfleger und Rechner der Stadt 
in einer deutfchen Urkunde erfcheint (Urk.Buch 302), in welcher von Amman, 
Rat und Gemeine feftgefetzt wird, daß Kraft der Schreiber und feine Erben von 
allen Flößen, die oberhalb und unterhalb der Donaubrücke anlegen und hier 
verkauft werden, die hintern Ruder anzusprechen haben. (Alfo fchon damals 
Holzhandel.) 

Diefer Heinrich Befferer, Bechner der Stadt, hatte vier Söhne: 1. Heinrich, 
2. Konrad, 3. Otto, 4. Georg. Von diefen bat fich die Linie des Otto bis auf unfere 
Zeit erhalten. Die von Heinrich ausgehende Linie ftarb 1790 ab mit Albrecht Hein- 
rich, Bürgermeifter zu Ulm, die von Konrad erlofch 1658 mit Joachim Befferer, 
Bürgermeister in Ravensburg; die von Georg erlofch in Ulm 1503 mit Wilhelm 
Befferer, dauerte aber in Memmingen bis ins folgende Jahrhundert fort, f. u. Ich 
werde nun nur diejenigen Glieder der Familie aufführen, die fich befonders bemerk- 
bar gemacht haben, 22. 

1. Ein Sohn von Nr. 4, Georg, war jener Heinrich Befferer, welcher als 
Städtehauptmann (nicht: Stadthauptmann) in dem Treffen umkam, das am 7. April 1372 
zwifchen dem Grafen Eberhard dem Greiner und den Städten zwifchen Altheim und 
Weidenftetten vorfiel. Für ihn und die mit ihm umgekommenen 70 Ulmer wurde 
eine eigene Kapelle auf dem Allerheiligen-Kirchhof, der noch heute der allgemeine 
Friedhof ift, erbaut. In der Beffererfchen Familienkapelle im Münfter, die aber erft 
fpäter erbaut wurde, findet fich eine diefen Heinrich betreffende Infchrift: Anno 1372, 
da ward erfchlagen zu altheim an der Mittwuchen nach St. Ambrofitag (7. April) 
der fromm und vöft Heinrich Befferer, der zu der Zeit gemeiner Stett Hauptmann 
gewefen. d. G. gn. u. b. f. 

Die Tochter diefes Heinrich ging in das Klofter der Cifterzienferinnen in 
Heiligkreuzthal und ftarb dort als Äbtiffin. 

2. Konrad B. der zweiten Hauptlinie, der des Konrad, angehörig und ein 
Enkel diefes Konrad, war jener Bürgermeifter, der mit Lutz (Ludwig) Kraft den 
Grundftein des Münfters legte (Fabri). Diefer Lutz Kraft war des Kraft am Korn- 
markt Sohn , wie es auf dem bekannten Denkmal der Grundfteinlegung heißt. Er 
wohnte aber, wenigftens fpäter, nicht am Kornmarkt (ein Kornhaus gab es damals 
noch nicht), fondern im Reichenauerhof an der Herd- oder Donaubrücke, den er 
gekauft hatte, daher es auf feinem Totenfchild im Münfter heißt: 1397 II. Idus 
Junii, do ftarb Lutz Kraft an der Herdpruck, der den erften Stein leit an die Pfarrkirchen. 
Auch Konrad Befferer ftarb den Tod fürs Vaterland bei Döffingen. Seine Grabfchrift 
in der Beffererfchen Kapelle lautet: Anno 1388 do ward erfchlagen zu Weyl (Weil- 
derftadt) vor St. Bartolomäustag der frumm und vöft Kunrad Befferer, (der) zu der 
Zeit gemeiner Stette Hauptmann gewefen ift, dem Gott gn. f. 

Der Stifter der dem Chor des Münfters auf der Südfeite angebauten 
Kapelle ift 

3. Heinrich B., auch, wie der vorige, der konradifchen Linie angehörend, 
vielleicht ein Bruder desfelben. Seitwärts, öftlich vom Eingange der Kapelle über 
dem Chorgeftühl ift ein vergoldeter Gedenkftein, kürzlich reftauriert, welcher befagt: 
Anno 1414 ftarb Heinrich der Befferer, an dem erften Aftermontag vor Margareten 
(13. Juli). Desgleichen in der Kapelle felbft an der Wand eingemauert ift ein fchönes 
Marmordenkmal mit der Infchrift: Anno 1414 ftarb Heinrich der Befferer, am After- 
montag vor Margareten, der Stifter diefer Cappel. 



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28 Schultos 

4. HansB., der erften Hauptlinie, der des Heinrich, angehörend, war 1414 
auf der Kirchenverfammlung in Konftanz mit Ehinger und Pfefferkorn, um für den 
Ankauf der Helfenfteinifchen Güter die Beftätigung des Kaifers Sigismund einzuholen. 

5. Wilhelm B. gehört der vierten Hauptlinie, der von Georg ausgehenden, 
an. Sein Großvater war jener obengenannte Heinrich, der im Kampf bei Altheim 1372 
umkam. Wilhelm B. genoß nicht bloß in Ulm großes Anfehen, fondern im Schwäbifchen 
Bund und im Reich überhaupt. Es handelte (ich damals um die neue Konftituierung 
des Schwäbifchen Bandes. Viele Jahre hindurch war er Bürgermeifter, teils regie- 
render, teils alter. Als folcher nahm er teil an der bekannten Vifitation des Nonnen- 
klofters in Söflingen im J. 1484, auf Veranlaffung des Grafen Eberhard von Württem- 
berg, des fpätern erften Herzogs, dem der Papft Innocenz VIII. diefe Vifitation 
des Klofters aufgetragen hatte. Bei derfelben wurden bekanntlich die unter dem Titel* 
Amores Süflingenfes auf unferer Stadtbibliothek befindlichen Briefe gefunden. Es 
find neun ziemlich unbedeutende Briefe und vier Liebesgedichte. Unter den 
neun Briefen find aber zwei an die Frau Äbtiffin gerichtet und find keine Liebes- 
briefe, fünf an eine Nonne Magdalena von Sontheim, zwei an eine Clara de Riet- 
hain. Sie finden fich abgedruckt in Birlinger Alemannia B. 3 (vergl. anch Ulm. 
Korr .Bl. I, 49). Wilhelm B. war Hauptmann des im J. 1487 in Eßlingen neu ge- 
bildeten Schwäbifchen Bundes, den die Stände in Schwaben, um den fortwährenden 
Befehdungen ein Ende zu machen, fchloffen, zugleich mit einem Grafen Werdenberg. 
Diefer hatte die militärifche, Befferer die diplomatifche Leitung. Er war Gefandter 
und Vertreter der Stadt auf mehreren Reichstagen, fo auf dem zu Worms 1495, zu 
Lindau 1597. Man hat von ihm und dem Augsburger Langenmantel eine ausführ- 
liche lateinifche Befchreibung diefes Reichstags, zu finden in Datt de pace publica, 
S. 824 ff. Er ftarb 1503. Datt fagt von ihm: cum caflide et armis literarum 
gloriam conjunxit. In der Beffererfohen Kapelle ift eine Holztafel, auf welcher es 
heißt: Anno 1475 ift Kaifer Friedrich (IH) famt dem H, Reich vor Niß 1 ) gelegen, 
da ich Wilhelm B. derer von Ulm Hauptmann gewefen bin. Anno 1503 ftarb der 
Ehren Veft Wilhelm Befferer, Ritter und alter Bürgermeifter zu Ulm, der des löb- 
lichen Bundes in Schwaben 12 Jahr Hauptmann gewefen d. G. g. u 

Über diefe Bezeichnung als „Ritter" findet fich in den „ Beffererfchen Aufzeich- 
nungen" S. 19 folgendes: Wilhelm B. ift auf dem Reichstag zu Worms 1495, wo 
er als Ulmifcher Gefandter gewefen, von dem Kaifer Maximilian zu einem Ritter ge- 
fchlagen worden, daher hat er an den Bürgermeifter und Rat zu Ulm folgendes 
Schreiben abgehen laffen, das im Ulmer Archiv fich findet: Ich tuh Eurer Weis- 
heit zu willen, daß mein gnädiger Herr, Graf Eberhard zu Württemberg heint Abend 
zu einem Fürften gemacht ift. Da ift der Langenmantel und ich dabei gewefen. 
Da hat mein Herr von Zollern mich und Herr Veit von Wolkenftein genommen und 
zu der kaiferlichen Majeftät geführt und heißen niederknieen und hat man uns beide 
zu Ritter gefchlagen. Wie das zugegangen ift, wenn mir Gott heim hilft, will ich 
euch das berichten, der Hoffnung Euer Weisheit werd nit Mißfallen darob nehmen 
an diefem Orden, fo ich angenommen han. Geb der allmächtige Gott mir armen 
Sünder, daß ich ihn mit Ehren in feinem Willen und zu feinem Lob vollbringen und 
mir verdienlich zum ewigen Leben. 

Worms Aftermontag vor Mar. Magdalena 1495. 

Weyermann fchreibt: mit Wilhelm B. ift die von Georg ausgehende Linie 

*) Niß ift Neuß am Rhein, welches in jenem Jahr von Karl dem Kühnen belagert und 
durch das Reichsheer entfetzt wurde. 



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Die Familie der Befferer in Ulm. 29 

erlofchen, aber nach den Beffererfchen Aufzeichnungen S. 19 ift fie nur in Ulm er- 
lofchen. Sein Sohn Georg ließ fleh in Memmingen nieder, wo feine Nachkommen- 
schaft im 17. Jahrhundert abgeftorben ift. 

Die folgenden B. gehören teils der erften, von Heinrich, teils der dritten, 
von Otto ausgehenden Linie an. Die erfte Linie erlofch 1790. Alle fpäteren B., 
alfo alle jetztlebenden gehören der dritten Hauptlinie, der von Otto an. Sie (1 u. 3) 
nannten fich anfangs B. von Schnürpflingen OA. Laupheim, fpäter aber von Rohr 
oder von Wattenweilcr. Rohr Dorf an der Kamlach, Watfenweiler Dorf im Land- 
ger. Roggenburg, beide zur ehemaligen Markgraffchaft Burgau gehörig. 

6. Eitel oder Ital Befferer von Rohr ift dadurch zu einer gewiffen Be- 
rühmtheit gelangt, daß Martin Schaffner ums J. 1516 ihn gemalt hat, welches vor- 
treffliche Bild (dem des Hieron. Holzfchuher von Dürer an die Seite zu ftellen) in 
der Beffererfchen Kapelle unter Verfchluß aufbewahrt wird und das Juwel der Kapelle 
bildet. Die Münfterbefchreibung von Frick fenior, auch die Ausgabe von 1766, in 
welcher fich eine genaue Befchreibung der Beffererfchen Kapelle, fowie aller Toten- 
fchilde im Münfter findet, erwähnt diefes Bild nicht, wohl, weil es damals noch im 
Privatbesitz eines der Befferer war. 

7. Ein Hans B. wird, wie Julius Hartmann in feiner Chronik von 
Stuttgart 1886 S. 41 fchreibt, 1513 aus Ulm verbannt, geht nach Stuttgart und 
gründet dort mit Schwägern und Vettern eine Fuggerei in einem am Marktplatz ge- 
legenen Haus,' d. h. eine HandelsgefelUchaft für den Handel en gros mit Gewürzen, 
Seide, Pelzwaren, Leinwand und Wein. Die reichften Familien Stuttgarts nahmen 
daran teil. Im Jahre 1518 prozeffierte diefer Hans B. gegen die von ihm gegründete 
Gefellfchaft beimkaiferl. Hofgericht zu Rottweil. Im Ulmer ßatsprot. findet fich im 
J. 1513 ein Eintrag, den Austritt diefes B. aus dem Ulmer Bürgerrecht betreffend, 
den ich aber nicht lefen kann. Wey ermann II. 37 fagt, er habe zu einem Aufruhr 
in Ulm Veranlaffung gegeben, habe dann felbft fein Bürgerrecht aufgekündigt und 
fei nach Stuttgart gezogen. Später kam er wieder nach Ulm, lebte aber meiftens 
in Günzburg. Durch feine Fuggerei fei er um einen großen Teil feines Vermögens 
gekommen. 

8. Das bedeutendfte unter den Gliedern der Familie ift Bernhard B. von 
Rohr, der erften Hauptlinie, von Heinrich B. ausgehend, angehörig, geboren etwa 
1471, geftorben 1542. Er widmete fich dem Studium der Staatswiffenfchaft und der 
Erlernung fremder Sprachen. Weyermann fagt, er habe elf fprechen können. Schon 
1492 wurde er mit Walther Ehinger nach Regensburg berufen zu einer Verhandlung 
in dem Streit, den Regensburg mit dem Herzog AI brecht von Bayern hatte. 1505 
kam er in den Rat. 1513 war er zum erftenmal Bürgermeifter und dann fpäter 
wiederholt. In der Zeit der Reformation fpielte er eine wichtige Rolle. Er ftand 
von Anfang an auf der Seite der Reform zu einer Zeit, da die meiften feiner Standes- 
genoffen noch fchwankten oder entfehieden gegen die Neuerungen auf kirchlichem 
Gebiet fich erklärten, wie der bekannte Ulrich Ehinger. Bernhard war aber dabei 
ein reichstreuer, kaiferlich gefinnter Mann und lebte der Hoffnung, die Neuerungen 
im .Kirchenwefen laffen fich durchführen, ohne die Pflichten gegen den Kaifer hint- 
anzufetzen und ohne das Reich in Verwirrung zu bringen. Wir muffen wohl bedenken, 
fchreibt er (Keim 101), daß wir in Ulm nicht das Reich find, fondern eine arme 
Stadt des Reichs und des Kaifers Ungnade nicht erleiden mögen. Obgleich er in 
dem wahrhaft fatalen d. h. verhängnisvoll gewordenen Streitpunkt wegen des Abend- 
mahls ganz auf der Seite Zwingiis ftand, fo konnte er fich doch mit den politifchen 
Anflehten Zwingiis, der eine Losfagung der oberdeutfehen Reichsftädte von dem der 



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30 Schultes 

Reform widerftrebenden Kaifer Carl V. und einen Anfcbluß an die Schweizer wünfcbte, 
den Eintritt in ei n Burgreeht mit den Eidsgenoffen, wie man es nannte, nicht befreunden. 
Wir finden Bernhard B. auf allen Reichstagen, auf allen Konventen, welche in jener 
an Konventen überreichen Zeit gehalten wurden. Gleich im J. 1521 war er auf 
dem berühmten Reichstag zu Worms, auf dem Luther fich zu verantworten hatte 
(am 17. April), 1524 auf dem in Nürnberg, 1525 in Augsburg, 1526 auf dem in 
Speier, der ein fo erwünfchtes Ergebnis für die Sache der Reformation hatte, dann 
abermals in Speier 1529, wo der Befchluß von 1526 aufgehoben wurde und Ulm 
fich dem Proteft gegen den Reichstagsabfchied anfchloß, denn diefer lautete da- 
hin, daß vorerft keine weiteren Änderungen in kirchlichen Dingen vorgenommen 
werden dürfen, vor Abhaltung eines allgemeinen Konzils. Auf diefen Reichstagen 
kam Bernhard B. öfters mit dem Landgrafen von Hellen, Philipp dem Groß- 
mütigen in Berührung, den er fehr hochfchätzte. Diefe Männer ftimmten in ihren 
politifchen und religiöfen Anfichten überein. ' Der Landgraf von Hellen fuchte allezeit 
zwifchen den Reformierten und den Lutherifchen zu vermitteln, um dem gemeinfamen 
Gegner mit vereinten Kräften entgegentreten zu können, wofür Luther keine Sym- 
pathie hatte. Bernhard B. genoß in hohem Grad das Vertrauen des Landgrafen, 
der ihm fehr vertrauliche Mitteilungen machte (Keim 159). Er konnte aber auch 
den Landgrafen in Speier 1529 verfichern, daß diefer bei dem gemeinen Mann in 
Ulm in höchfter Gunft ftehe (Keim 151). Sie trafen fich auch auf den vielen Kon- 
venten, welche nach dem bedenklichen Reichstagsahfchied von Speier im April 1529 
in den Jahren 1529—1536 abgehalten wurden, um eine Union zwifchen den Witten- 
bergern und den oberdeutfchen Städten, namentlich Ulm, Straßburg, Konftanz, 
Memmingen, Lindau, zu ftande zu bringen. Aber diefe Unionsbeftrebungen fcheiterten 
zum großen Leid Befferers an der Hartnäckigkeit, mit welcher der Kurfürft von Sachfen, 
von Luther geleitet, verlangte, daß nur die an der Union follten teilnehmen können, die 
von der Zwinglifchen Abendmahlslehre fich losfagen würden. Noch in demfelben 
Jahr 1529 fand ein Konvent in Rotach bei Koburg ftatt, dem Bernhard B. anwohnte, 
dann im Oktober in Schwabach, gleich darauf im Dezember in Schmalkalden , in 
welchem thüringifchen Städtchen fpäter noch weitere Konvente gehalten wurden. 
Die Erklärung, die Bernhard B. hier gab, lautete dahin, diefe Artikel (das Abend- 
mahl betreffend) feien ihnen befchwerlich und unleidentlich , fie können diefelben 
nicht annehmen, noch können ihre Prediger von dem, was fie bisher gelehrt, abgehen. 
Hierauf wurde eröffnet: am 6. Januar des folg. Jahrs (1530) werde man wieder 
zufammenkommen in Nürnberg, wer aber die Artikel nicht annehme, der brauche 
gar nicht nach Nürnberg zu kommen. Bei der Verabfchiedung in Schmalkalden 
(Keim 166) fragte der Landgraf von Heffen die Gefandten von Ulm und Straßburg, 
Bernhard B. und Jakob Sturm: wie gefällt euch die Handlung? Nicht wohl, ant- 
worteten fie. Ja, fagte der Landgraf, ich fehe es dem Befferer an, aber ihr müßt 
nicht alfo thun. Wir muffen thun, wie David. Dieweil das Kind krank war, war 
er traurig; da es aber geftorben war, war er fröhlich. Nun — das Kind ift tot. 
Wir muffen fehen, wie wir ihm thun. Ich habe ihnen alle Mittel vorgefchlagen, 
aber fie wollen nicht, es ift ihrer Weisheit zu viel (d. h. ihre theolog. Gelahrtheit 
ift zu groß). Ich gebe aber dem Fürften (Kurfürften) keine Schuld, aber feine Räte 
find zu witzig, befonders der alte Kanzler (Dr. Brück), der glaubt zu viel den — 
Predigern. 

Nun kam im gleichen Jahr — 1530 — der Reichstag in Augsburg und die 
Übergabe der augsburgifchen Konfeflion. Ende Mai reifte Bernhard B. mit Daniel 
Schleicher nach Augsburg. Am 1. Juni fchreibt er (Keim 184) an den Rat: ihm ge- 



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Die Familie der Befforer in Ulm. 31 

fallen die Sachen in Augsburg gar nicht, auf andern Reichstagen habe man doch 
nur zwei Parteien gehabt der Religion halber, jetzt gebe es drei und die Luthe- 
rifchen gefallen ihm noch fchlechter als die Römifchen. Die Konfeffion felbft wurde 
damals von Ulm nicht unterfchrieben. Diefes thaten außer den Fürften nur zwei 
Städte : Nürnberg und Reutlingen. Von den übrigen übergaben nachträglich 4 Städte 
eine eigene Konfeffion, die fog. confeffio tetrapolitana (Straßburg, Konftanz, Mem- 
mingen, Lindau). Ulms Gefandte Tollten nur eine Bitte übergeben: „daß der Kaifer ein 
allgemeines Konzil befchreiben und alle Gelehrten dazu berufen möchte (!) Was 
alsdann hier befchloffen wird, dem will auch E. E. Rat als Ew. Majeftät und des heil. 
Reichs gehorfames Mitglied fich gemäß halten." Ob aber diefe Bitte wirklich über- 
geben worden, ift ungewiß (Keim 187). Auf den Reichstag in Augsburg folgten 
nun wieder Konvente der Proteftanten in Memmingen, Schmalkalden , Schweinfurt, 
an denen aber Bernhard B. nicht teilnahm, fondern fein Sohn Georg B., weil der 
Vater an der Gicht litt, auch des theologifchen Haders müde war. Ihn fchraerzte 
es, daß die Wittenberger wegen des Einen Punktes, der Abendmahlslehre, die Ge- 
meinfamkeit der Beftrebungen und des Intereffes aller Proteftierenden überfahen und 
daß hieran die Unionsverfuche immer wieder fcheiterten. Inzwifchen war man in 
Ulm entfchloffen , da die Zufage des Kaifers in Augsburg, innerhalb fecbs Monaten 
ein allgemeines Konzil zu berufen, nicht in Erfüllung ging (Keim 228), mit den 
Änderungen im Kirchenwefen ernftlich vorzugehen. Bernhard B. befürwortete die 
Berufung oberdentfcher und fchweizerifcher, auch im Abendmahl zwinglifch gefinn- 
ter Prediger zu diefem Zweck. Ende Mai kamen Oekolampadius von Bafel, Buzer 
von Straßburg, Blarer oder Blaurer von Konftanz hier an. Sie logierten bei ihrem 
Gefinnungsgenoffen, dem Münfterprediger Sam in dem befcheidenen Haus am Butzen- 
brunnen, Pfauengaffe C. 51, jetzt dem Buchbinder Reinöl gehörig. Damals und bis 
vor etwa 50 Jahren gehörte es der Kirchenftiftung. Oefcolampad fchrieb von Ulm 
aus an Zwingli im Juni 1531: der Rat wolle die Rückkunft des Bernhard B., der 
im Überkinger Bad war, abwarten, des Mannes, der ehrwürdig durch feine Jahre, 
fein Anfehen, feine Einficht etc. fei, fuperioris anni confulem, virum annis, auctoritate, 
confilio et rerum experientia venerabilem, ohne den der Rat nichts unternimmt, fine 
quo fenatus nihil attentat (Faulhaber Ulm. Kirchengefchichte 382). Bernhard B. 
felbft fchrieb von Überkingen aus: ihm fcheinen die Prädikanten zu fehr zu eilen. 
Man muffe vorher dem Volk 10 — 12 Tage predigen, dann muffe man die Sache 
den Zünften vorlegen etc. So gefchah es auch. 

Als der merkwürdige pantheiftifch gerichtete Sebaftian Frank, ein Seifen- 
fieder aus Donauwörth, der 1531 feine Chronika oder Zeitbuch, eine Weltgefchichte, 
in Straßburg herausgegeben hatte, nach Ulm kam 1533 und fich hier niederließ, auch 
fpäter eine Druckerei errichtete, drang der Prediger Frech t, der Nachfolger des früh 
geftorbenen Sam, aber diefem unähnlich bezüglich der theolog. Richtung, auf feine 
Ausweifung. Der Rat aber unter Führung der beiden Befferer, Bernhard und Georg, 
die miteinander Bürgermeifter waren, erklärte: fo lange Frank nichts wider die 
bürgerliche Ordnung thue, könne man ihn nicht ausweifen. Man muffe fich hüten, 
ein neues Papfttum aufzurichten (Keim 227. 272). Später 1539 mußte Frank aber doch 
die Stadt verlaffen. 

Gerade deshalb, weil Bernhard B. in feiner politifchen Anficht konfervativ 
war und den Gehorfam gegen den Kaifer um der religiöfen Differenzen willen nicht 
aufgeben wollte, indem er glaubte, man könne dem Kaifer geben, was des Kaifers 
ift und Gott, was Gottes ift, wie er fagt: in geiftlichen Dingen fei man nur feinem 
Gewiffen und Gottes Wort unterthan, gerade deshalb begegnete es ihm, daß er be- 



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32 Schultes 

fonders von den Schweizern, namentlich von Zwingli, dem Republikaner, für fchwan- 
kend, unzuverläffig gehalten wurde. Wer aber fchwankt nicht in folchen Zeiten der 
Gärung, der Krifis, der Konflikte, befonders wenn er durch feine Stellung berufen 
und genötigt ift, handelnd aufzutreten und einzugreifen! 

Den Ausbruch des lange befürchteten Kriegs zwifchen dem Kaifer und den 
Proteftanten, des fog. Schmalkaldifchen Kriegs, erlebte Bernhard nicht mehr. Er 
ftarb 1542. Zur linken Hand beim Hineingehen in die Beffererfche Kapelle find 
zwei fchöne Grabfteine eingemauert. Auf dem einen fteht: Anno dorn. 1542 
die 21. Nov. ift der Edel, ehrnveft, fürchfichtig und Weiß Bernhard Befferer, 
Bürgermeifter zu Ulm, von diefer Welt in Gott dem Herrn feiig verfchieden 
Pfalm 34, v. ult. 

Er ift aber nicht in der Kapelle begraben, fondern, wie es in einem Beifatz 
zu der Gedenkfchrift feines Sohnes Georg heißt: „in der Befferer'fchen alten Be- 
gräbniß an dem Ort der geweßten Pfarr auf dem Allerheiligen Kirchhof". Auch 
Bernhards Frau (Catharina Vetter, er hatte nachher noch 3 weitere Frauen) war 
hier fchon 1529 begraben worden. So heißt es in den „Beffererfchen Aufzeichnungen u 
S. 7: „1529 am 21. Jan. ift des Bero Beflerers Hausfrau geftorben, ohne Beicht und 
Sakrament, ift aber doch bei Allerheiligen begraben worden." Viele, die der Re- 
formation anhingen, ließen fich damals nicht auf dem Allerheiligen-Gottesacker, 
fondern unfern davon im Garten neben dem Siechenhaus begraben. So auch Sam, 
f. Chronik von Ulm von Schultes S. 106. 

9. Ein Sohn des Bernhard B. von Rohr iß Georg B., der fich nennt von 
Wattenweiler (an der Gönz, beim Klofter Wettenhaufen). Zugleich mit feinem Vater 
war er längere Zeit von 1531 an Bürgermeifter und nahm mit ihm an einigen 
Reichatagen und Konventen der proteftierenden Stände teil. Namentlich übernahm 
Georg B., ein gewandter und fchmiegfamer Mann, die Million an Karl V*, als fich 
diefer, nach dem Auseinandergehen des Schmalkaldifchen Bundesheeres bei Giengen 
a. d. Brenz, im Dezember 1546 in Schwäbifch-Hall aufhielt (vor der Schlacht von 
Mühlberg). Am 23. Dez. that B. den Fußfall vor dem Kaifer und erklärte, die 
Stadt Ulm habe unrecht gehandelt, „teils verführt, teils aus beiwohnendem Unverftand; 
fie bitte um Gnade." Die Stadt mußte 100000 fl. Strafe zahlen, zwölf Kanonen 
ausliefern, etliche Fähnlein fpanifche Reiter aufnehmen und den Kaifer felbft mit 
größtem Gefolge mehrere Wochen beherbergen, vom 25. Januar bis 4. März 1547* 
Diefer Georg B. war auch der Gefand te Ulms auf dem Reichstag zu Augsburg 
(Mai bis Juli 1548), wo er den harten Reichstagsabfchied, der das Interim einführte, 
unterzeichnen mußte. Als dann, gleich nach dem Schluß des Reichstags, Karl wieder 
bieher kam, aber — zu großer Beruhigung — nur auf etliche Tage, wohnte der Kanzler 
Granvella, der Sohn, Bifchof von Arras, fpäter Kardinal, bei Jörg B. in feinem 
geräumigen, aber nur einßöckigen Hans hinter der Sammlung. Die Häufer von 
Biber, Ludwig, Bock bildeten damals ein Haus mit großem Garten, daher hatten 
fie auch bis vor wenigen Jahren eine Hausnummer A. 284. 1. 2. 3. In diefem 
Haus war auch das letzte Verhör der fünf gegen das Interim proteftierenden Pre- 
diger. Hier wurden fie in Ketten gefchlagen und abgeführt. Diefer Jörg B. hatte 
aber auch das Glück, den Augsburgifchen Religionsfrieden, zu welchem der Kaifer 
durch den Knrfürften Moriz (Markgrafenkrieg) gezwungen wurde, auf dem Reichstag 
in Augsburg 1555 unterzeichnen zu dürfen. Er ftarb 1569, alt 67 Jahr. Sein 
Gedenkftein ift neben dem feines Vaters Bernhard beim Eingang in die Kapelle. 
Sein Bild im Schloß Thalfingen zeigt den Kopf eines feinen Diplomaten, der er war. 
Ein jüngerer Bruder desfelben, alfo auch ein Sohn von Bernhard B., ift 



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Die Familie der BelTerer in Ulm. 33 

10. Matthäus B. Er wurde 1548 bei der neuen Konftituierung. des Rats 
durch den hier anwefenden Kaifer Mitglied des Rats, mußte aber bald wieder aus- 
treten. Er hatte nämlich nach Einführung des Interims fein Kind heimlich in dem 
nahen Dorf Lehr nach evangelifchem Gebrauch, nicht nach dem des Interims, taufen 
laffen. Diefes wurde dem Kaifer berichtet, wahrscheinlich durch den vom Kaifer 
der Stadt gefetzten Stadthauptmann, Roth von Schreckenftein Der Rat wurde durch 
ein fcharfes Schreiben Karls V. Brüffel den 14. Nov. 1548 zum Bericht aufgefordert. 
Er gab an, „daß BelTerer auf ffrenges Anhalten feiner Hausfrauen alfo gehandelt 
habe." Der Rat habe ihn aber vor dem Rathaus verhaften und in den Turm fuhren 
laffen. Bald kam ein zweites Schreiben des Kaifers, die Handlung Befferers fei ein 
Verbrechen gegen eine vom Kaifer eingefetzte Ordnung, er habe fofort aus dem Rat 
auszutreten. Man ref kribierte und erlangte, daß B. noch bis Ende des Jahrs im Rat 
bleiben durfte. 

11. Sebaftian B. von Wattenweiler wurde bei der Umgestaltung derVer- 
faffung und des Rats durch den Kaifer, 1548, zum Bfirgermeifter ernannt. Er war 
auch Kriegsherr und zeigte bei der vergeblichen Belagerung Ulms durch die Fürften 
(Oftern 1552) und bei der Belagerung und Eroberung der mächtigen Burg Helfen- 
ftein, in welche die Ffirften eine Beiatzung eingelegt hatten, militärifcbe Einfleht 
und Tapferkeit. Er ift Verfaffer jener Bittfchrift, welche 17 ulmifche Patrizier- 
familien dem Kaifer wegen Beftätigung ihres Adels übergaben. Die kaiferliche 
Genehmigung gefchah von Diedenhofen aus, 29, Oktober 1552, während der ver- 
geblichen Belagerung von Metz. Sebaftian B. ftarb 1554. Sein von keinem Meifter 
gemaltes Bild ift im Schloß zu Thalfingen zu fehen. Sein Bruder ift 

12. Wolf gang B., Kleriker im Auguftinerklofter zu den Wengen, con- 
ventns Sti. Michaelis ad Infulas, erft auf dem Michelsberg, dann auf einer Blauinfel 
vor der Stadt, dann in der Stadt. Beide gehören der von Heinrich (f. o.) aus- 
gehenden Hauptlinie an, die 1790 erlofch. Als 1531 der Rat mit der kirchlichen 
Reform Ernft machte, floh Wolfgang B. mit dem Wengcnpropft Ambrofius Kaut, 
unter Wegnahme vielen Geldes, Silbergefchirrs, Kleinodien, nach Blaubeuren und 
von da fpäter nach Stuttgart. Der Rat verordnete: „weil Wolfgang B. dem Wengen- 
propft hinausgeholfen hat, foll er, wo er auf des Rats Grand und Boden betroffen 
wird, niedergeworfen werden," Der Wengenpropft proteftierte von Stuttgart aus 
fort und fort beim Kaifer und beim Bifchof von Konftanz gegen das Verfahren des 
Ulmer Rats und nach 17 Jahren, nach der Schlacht bei Mühlberg und nach dem 
Reichstag zu Augsburg von 1548, zog er wieder mit feinem Wolfgang B. in fein 
Klofter ein. Nach dem Tode Kauts wurde B. fein Nachfolger als Propft. Er 
ftarb 1559. Auf dem großen Familienbild, das in diefer Zeit gemalt zu fein fcheint 
und im Schloß Ober thal fingen fleh befindet (Chriftus am Kreuz, rechts und links die 
Familienglieder) kniet diefer Wolfgang im priefterlichen Gewand, mit ftarker Tonfur. 

13. Eitel Eberhard B., Bürgermeifter, geb. 1499, geft. 1576, öfters ge- 
nannt bei Keim, Reformationsgefchichte von Ulm, S. 318. 319. 411, kaufte 1540 
das Gefundbad zu Oberthalfingen famt den dazu gehörigen Gütern und machte es 
zu einem Familienfideikommiß. Von da an fchreiben fleh die B. diefer Linie 
B. von Tbalfingen, f. zu Nr. 15. In den Beffererfchen Aufzeichnungen S. 9 findet 
fleh hierüber folgender Eintrag: 1540 ift der Gefundbrunnen zu Thalfingen famt 
dem Bad, den dazu gehörigen Gütern, dem Tobl und dem Burgberg von Eitel 
Eberhard B., fürftlich württemb. Rat, Bürgermeifter der Stadt Ulm, eigentümlich 
erworben und der Burgftall von Grund auferbaut worden, (Es war alfo damals 
keine Burg mehr vorhanden , wohl aber in früheren Zeiten , daher oben : famt dem 

WQrttemb. Jahrbücher 1887. 3 



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34 Schultes, Die Familie der Befferer in Ulm. 

Bargberg. Das ganze Anwefen wurde mit einer fraulichen Mauer umfchloffen, wie 
die noch vorhandenen Abbildungen zeigen«) Weiter heißt es: Daß der Gefund- 
brunnen in Thalfingen ein trefflieh berühmt Bad fei, erfcheint auch daraus: als im 
Jahr 1547 der Markgraf Johann von Brandenburg hier gebadet und in dem Schloß 
logiert hat, ift Ihnen folches febr wohl bekommen. Der Herr Markgraf bat zur 
Dankbarkeit ihm dem Befferer ein Gehölz verehrt, das Sturmkäu (Gehäu), welches 
der Markgraf zuvor von dem Abt und Konvent Elchingen angekauft hatte. Der 
Totenfchild diefes E. Eberhard im Münfter lautet: Ao. dorn. 1575 30. Decemb. ftarb 
der ödel, vöft und weife Herr Eitel Eberhard Befferer von und zu Dalfingen, des 
durchlauchtigen Fürften und Herrn Chriftof, Herzog zu Würtemberg gewefener Rat 
und der Stadt Ulm Bürgermeifter, 76 J. alt. Er hatte drei Söhne, Daniel, Philipp und 
Eitel Eberhard (IL). Der letztere kam fchon 1553 auf eine unglückliche Weife ums 
Leben. Am 13. März, am grünen Donnerstag, waren einige Junker im Wirtshaus 
zum Kreuz in der Herdbruckergaffe, gegenüber dem Lamm. Sie gerieten in Streit. 
Diebold von Berg auf Bach forderte den Eitel Eberhard B. auf den Degen. Diefer 
nahm die Forderung an und ging alsbald in das Haus feines Vaters am obern 
Münfterplatz (jetzt Bierbrauerei von Nuffer), um feinen Harnifch anzulegen. Als er 
nun fein Pferd befteigen wollte, das der Reitknecht hielt, fprang plötzlich Diebold 
von Berg, der fich hinter dem damals dort ftehenden Ölberg verborgen hatte, hervor 
und hieb ihn ins Knie. Der Vater fah es vom Fenfter, eilte herab und der Sohn 
verfchied in feinen Armen. Der Thäter floh in das deutfche Haus, das, wie alle 
diefe Häufer, das Afylrecht hatte, welches aber vom Rat nur in gewiffem Sinn 
refpektiert wurde. Der Kommenthur Sebaftian von Au verbarg ihn hier. Der 
Bruder des Thäters, Sigmund von Berg, Stadtvogt im furftbifchöflichen Dillingen, 
erwirkte für ihn einen kaiferlichen Geleitsbrief und die Verhandlungen mit dem Rat 
in Ulm und dem Bürgermeifter, dem Vater des Getöteten, zogen fich bis ins Jahr 1560. 
Es findet fich hierüber eine große Anzahl Einträge in den Ratsprotokollen, auch 
wurden von Rechtsgelehrten in Ingolftadt und Ulm Gutachten ausgeftellt. Weyer- 
mann (Nachrichten B, II. S. 28) fagt, Berg fei zuletzt vom Rat ergriffen und ertränkt 
worden. Die Ertränkung von der Donaubrücke aus kam im 16. Jahrhundert 32 mal 
vor. Es durfte dabei niemand auf die Brücke, als der Meifter mit feinen „Freimann". 
Der Sohn des zweiten Sohns von Eitel Eberhard (I.), des Philipp, war 
14. Eitel Eberhard (III.). Er beherbergte als Kriegsherr (fo hießen die 
beiden Vorftände des Kriegsamts, immer die zwei Altbürgermeifter) auf dem großen 
Unionstag, der vier Wochen dauerte (Union: die Vereinigung der proteftantifchen 
Stände gegenüber der katholifchen Liga), im Juni 1620 in feinem Haus am Münfter- 
platz (Nufferfche Brauerei) den Herzog Friedrich von Württemberg, der 155 Perfonen 
und 139 Pferde mitbrachte. Diefer B., geft. 1626, hatte fechs Söhne. Von diefen 
haben fich nur von zweien die Nachkommen erbalten, von Marx Philipp und Marx 
Konrad. Die Linie Marx Philipp erhielt den Genuß des Guts Thalfingen und hat 
ihn noch heute, dabei hatten fie auch Haufen (Filial von Holzfchwang), in dem 
fpäter, 1775, ein Schloß erbaut wurde, daher fich diefe B. auch von Thalfingen und 
Haufen fchreiben. Die Linie Marx Konrad erhielt den Genuß des Guts Häuffer, 
Baurenhof mit Schlößchen im Amt Pfuhl, zwifchen Reuti und Senden, daher fchreiben 
fich diefe B. von Thalfingen und Häuffer. (Schluß folgt) 



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y. Arlt, Schlüffel zu einer Stein infchrift. 35 

SchlüfTel zu einer Steininfchrift. 

Mitgeteilt von Generalmajor a« D. von Arlt. 

Bei der Ausmündung des Kobelgrabens, der das Überwaffer der Blau durch 
den Graben der alten Feftungswerke an der Weftfeite der Stadt zur Donau führt, 
befinden fich zwei Brücklein übereinander, welche die Kommunikation über diefen 
Graben herftellen. In dem öftlichen Widerlager des unteren Brückleins ift ein Stein 
mit lateinifcher Infchrift eingemauert. Der Stein ift 84 cm lang und 38 cm hoch 
und lautet die Infchrift: 

I *VlClNIS*n 

j <L£LITVS*A 

MICVS*1NTR 



Über Herkunft und Bedeutung diefes Steines ift fchon viel gefprochen 
worden, aber meines Wiffens ftets refultatlos. Es war verführerifcb, das A am Ende 
der zweiten Zeile als zu MICVS am Anfang der dritten Zeile gehörig zu betrachten, 
daher ein Freund von mir las: Vicinis his caelitus amicus intret. Er meinte, der 
Stein fei an einem kirchlichen Gebäude angebracht gewefen und lade die Infchrift, 
zur Zeit der Reformation, zum Eintritt in die Gemeinde ein. 

Ein anderer Freund behauptete, der Stein paffe in gar keine Infchrift, fei 
wahrfcheinlich fehlerhaft befchrieben und daher weggeworfen worden. Nach meinen 
neueren Erhebungen ift es aber wirklich ein Teil einer Infchrift, aber leider keiner 
römifchen, wie man gerne anzunehmen geneigt war. 

In den Jahren 1617 — 1621 wurde bekanntlich durch Kapitän von Valken- 
burgb, Oberft der Ingenieure Ulms, eine neue Befeftigung in niederländifcher Manier 
vor den alten Stadtmauern aufgeführt Diefe neue Befeftigung beftand aus Erd- 
wällen in Form von Baftionen (propugnaculis) und geraden Verbindungslinien, 
CoiKinen. Letztere kamen unmittelbar vor die alten Feftungsthortürme zu liegen 
und durch fie mußten Thorgewölbe geführt werden, welche an die alten Thore 
anfchloffen und fo die Kommunikation vermittelten. An der Stirnmauer des neuen 
Thorgewölbes vor dem Gögglinger Thorturm war damals, nach Marchtallers Chronik, 
folgende Infchrift angebracht worden: 

FERDINANDOJMMP. 



HANC*PORTAM»CVM» 
CiE , SECVRITATI . 
PES,AD.AMICOS»A 



VICINIS »PR 
(LELITVS.A 
MICVS.INTR 



OPVGNACVLIS,SJ\Q<,VLM,PVBLI- 
8SEREND^ERIGI,CVRAV1T,H0S- 
ATO.ANNO*SALVT,MDCXXU 



Aus diefer Infchrift, die, fo wie ich fie hier verzeichnet, ohne Zweifel über 
dem Thorbogen die ganze Breite des Portales eingenommen hatte, ift deutlich zu 
erfehen, daß fraglicher Stein vollftändig in diefelbe hineinpaßt und fomit das lange 
Rätfei gelöft ift. — Noch ift anzuführen, daß der Schlußfatz der Infchrift: „Hofpes 
ad amicos amicus intrato, tt wie Hercules Haid angibt, mit der Jahreszahl 1521 am 
alten Gögglinger Thorturm geftanden hat und, als diefer vermauert wurde, gleich- 
lautend am neuen Portal angebracht wurde. 



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36 Weizfäckor, Mengenor Danuvius- Altar. Sitzungsberichte. 

Noch einmal der Neugener Danuvius-Altar. 

S. Vierteljahrshefte 1879 S. 124—126 (Bnck) und 213 (Bilfinger). 1880 S. 224 (Weizföcker). 
Das Königr. Württemberg I, S. 145 (Haug). 

Eine Widmung an einen Flußgott laut von vornherein als Grund eine 
Lebensrettung vorausfetzen; fo hatte ich mir auch, als ich den erften Lefuugsver- 
fuch von Dr. Bück vor mir hatte, notiert: „vi tarn ob servatam". In meinen Be- 
merkungen im Jahrg. 1880 habe ich nur deshalb vorgefchlagen zu lefen: vovit ob 
salutem, weil erltens das o gefiebert ift, zweitens ähnliche Wendungen in Infchriften 
nicht feiten find. Für vitam ob fervatam fehlte mir eine Analogie. Nun finde ich 
Arch. Zeitung 1874 (XXXII) S. 66 folgende Nachricht: In der Sammlung Windfor 
Caftle werden neun Lederbände aufbewahrt, welche Handzeichnungen meift 
nach Basreliefs enthalten. Band I, Bl. 63. 67: „zwei runde elupei in Hautrelief, 
mit je zwei gefangenen Barbaren, darüber mancherlei Geräten, z. B. einem 
Apex; beide mit der gleichlautenden Infchrift: DM. ' M-AVRELIO | VIT. O.S. | (BL 
67: VITOS- ) COHXI1I ' IVRB." Daß in dielen beiden Infchriften zu lefen ift 
vitam ob (ervatam, kann keinerlei Zweifel unterliegen, wir haben alfo die gewünfehte 
Analogie für diefen Ausdruck. 

Ferner: Bück wollte den Namen des Weihenden lefen: Q. Veranus, Haug 
erklärt, ein Name wie Q. Veranus fei in fpäterer Zeit ungewöhnlich. In Brambachs 
Corpus Infcriptionum Rhenanarum findet fich jedoch Nro. 624 eine Infchrift eines 
leider jetzt verlorenen Votivaltars, deren erfter Abfchreiber Crombach den darauf 
erkennbaren Namen des Weihenden las: Q. Veranius; ebendort, Nro. 1722 lefen wir 
einen Julius Veranius Superinus, der für fich und die Seinigen den Matronen einen 
Altar weiht, und Nro. 239 auf einem Grabftein eine Verania Superina und ihren 
Vater Veranius Victorinus. Da alfo ein Name Quintus Veranius möglich ift, und in 
unferer Dannviusinfchrift nach Sicherftellung der Lefung der fünften Zeile das V S 
der vierten nur heißen kann Votum Solvit, fo haben wir in der dritten Zeile freie 
Hand für die Ergänzung des Namens, d. h., wir willen jetzt, daß er nicht Veranus 
fondern Veranius heißt, und lefen alfo: Aram Danuvio I Q. Veran(ius) ' V(otum) 
S(olvit) L(ibens) L(aetus) M(erito) \ V(itam) 0(b) S(ervatam). d, h.: Einen Altar j 
(weiht) dem Danuvius | Q. Veranius. Er hat das Gelübde gelöft froh freudig nach 
Gebühr ! für Lebensrettung. 

Calw. Weizfäcker. 



Sitzungsberichte. 

Sitzung vom 7. Januar 1887. Als ordentliche Mitglieder werden aufgenommen: 
Regierungspräfident von Wolff, Premierlieutenant Heimerdinger. Garnifonsauditeur Abel hält 
einen Vortrag über Roms älteftes Geld. 

Sitzung vom 4. Februar 1887. Als ordentliches Mitglied wird aufgenommen 
Kaufmann Chriftian Kühner hier. Der Kafller Dr. Leube legt die Jahresrechnung ab und wird 
entlaftet. ProfelTor Dr. Veefenmeyer hält einen Vortrag über die Ulmer Dockenkomödie. 

Sitzung vom 4. März 1887. Premierlieutenant Miller hält einen Vortrag über 
Kaifer Friedrich I. von Deutfchland. ProfelTor Dr. Neftle teilt aus den literarifchen Einlaufen 
eine Reihe von Lefe fruchten mit. 



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37 



Württembergifcher Altertumsverein in Stuttgart 

Alte kirchliche und weltliche Gebräuche in Ellwangen. 

Zur Oberamtsbefchreibung S. 163, vergl. S. XV. 
1. Kirchliche Gebräuche. 

Zur Erinnerung an das Glockengeläute, welches nach des Mönchs Ermenrich 
Erzählung Hariolf in der Nacht nach der denkwürdigen Jagd auf einen Riefenelch im 
Traume an der Stelle hörte, wo er in der Folge (i. J. 764) das Klofter Ellwangen gründete, 
wurde an den vier kirchlichen Hauptlokalfeften des Jahres St. Veit (15. Juni), St. 
Sulpiz und Servilian (23. Mai), Speufippus, Eleufippus und Meleufippus (17. Januar) 
und Kirchweihfeft (3. Oktober) morgens Vh Uhr und an den Vortagen um 12 Uhr 
die große Sufannaglocke Vi Stunde ununterbrochen geläutet und daneben die zweit- 
größte Glocke in Paufen derart angeschlagen, wie es als Feuerzeichen üblich ift. 

In der Oft e macht um 12 Uhr nahm das Volk an der Auferftehungs- 
feierlichkeit im Stift teil und fang dabei im Wechfel mit den Strophen der Ofterfequenz 
von Wipo „Victimae paschali" das uralte deutfche Ofterlied: „Chrift ift erftanden 
von feiner marter alle. tt 

Am Markustage ging die Bittprozeffion in das neue Spital, in die Magdalena- 
kapelle auf dem Stiftskirchhof, in die Marienkapelle des Kreuzgangs, von da ins alte Spital 
in der Prieftergaffe und fchließlich in die St. Peter- und Paulskapelle. Überall 
wurden Antiphon, Verfikel und Oration von den betreffenden Patronen gebetet. In der 
Bittwoche ging man am Montag nach St. Nikolaus, am Dienstag nach St. Wolfgang. 
Am Mittwoch hatte St. Vitus einen Hauptehrentag. Nicht weniger als 22 Pfarreien 
kamen, in Prozeffion zu feiner Kirche und zwar: die Stadtpfarrei zu U. L. F., Roh- 
lingen, Pfahlheim, Ellenberg, Neuler, Stimpfach, Jagftzell, Abtsgmünd, Wefthaufen, Haufen, 
Dalkingen, Wörth, Beerfpach, Stödtlen, Hohenberg, Dewangen, Hüttlingen, Oberkochen, 
Unterkochen, Adelmannsfelden, Aalen und Höfen. Die Stiftungspflege St. Veit hatte 
jedem Geiftlichen das Frühftück und einen gläfernen Trinkbecher, jedem Mesner 
Frühftück und ein Paar Handfchuhe zu reichen. 

Auf das Himmelfahrtsfeft freuten fich namentlich die Kinder. Um 
12 Uhr wurden fie zu der Zeremonie der Auffahrt Chrifti in die Stiftskirche geführt. 
Eine Chriftusfigur ward langfam in die Höhe gezogen, zwei Engelsfiguren herabgelaffen 
(„Engelstanz"). Nach der kindlich naiven, mit einem kurzen Gottesdienft („Non") 
verbundenen Zeremonie, die damals auch anderwärts faft überall üblich war, erhielten 
fie von den Eltern ein Gefchenk von Backwerk und Konfekt. 

Am Fronleichnams feft zog der Stadtpfarrer, die Monftranz tragend, mit 
feiner Gemeinde in die Stiftskirche, von wo aus er mit dem Stiftskapitel und deffen 
Pfarrangehörigen gemeinfchaftlich die Prozefllon mitmachte, in welcher nun zwei 
Monftranzen getragen wurden. Die erfte Station war am Jagft- oder alten Thor; die 
zweite beim oberen Thor, die dritte am Steinthor, die vierte beim Thor neben der 
Propftei. Das Evangelium wurde bei der erften Station gegen Often, bei der zweiten 
gegen Süden, bei der dritten gegen Weften, bei der vierten gegen Norden gefungen. 

Morgens 7 Uhr war Reveille für das Bürgermilitär. Vier Stadtgerichts- 
beifitzer in fchwarzen Mänteln trugen den Baldachin, unter welchem der Propft, oder 
in deffen Abwefenheit der Dekan das Venerabile trug. Vier Bürger, ebenfalls in 



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38 Buftl 

fchwarzen Mänteln, mit Hellebarden, grüne Kränze auf dem Haupt, flankierten als 
Ehrenwache den Baldachin, dem die Jungmeifter fämtlicher Zünfte mit großen Wind- 
lichtern aus Wachs voranfchritten. Sechs junge Bürgersföhne aus der großen ma- 
rianifchen Bürgerkongregation in blauen, goldbortierten Mänteln, Blumenfträuße in den 
Händen und Blumenkränze auf dem Haupt, trugen das Standbild der Muttergottes. 

Am St. Veitstag, dem Patrociniumsfeft, wurde die Reliquie des Heiligen 
in dem noch jetzt vorhandenen fpätgotifchen filbernen Reliquiar, das die Form eines 
Armes hat, im Chore zur Verehrung ausgeftellt und hiebei noch bis in die letzten 
Zeiten junge Hahnen oder ftatt deren auch Geld geopfert. Hievon erhielten der Dekan 
und Oberkuftos je 3 Stück, der Stiftsprediger, die Proviforen, der Unterkuftos, der 
Rektor der Scholaren, die zwei Choraliften, der Mesner, fein Gehilfe, der Reitknecht 
und Kaftenknecht je 2 Stücke. Es ift nicht ganz ficher, wie St. Vitus zum Attribut des 
Hahns gekommen ift, der auf einem Buche fitzt Thatfache ift, daß z. B. auch in 
Prag, wo Veit gleichfalls Hauptpatron ift, noch im vorigen Jahrhundert, folche Hähne 
geopfert wurden. Das gleiche Opfer wurde einer heidnifchen Gottheit Böhmens, Swan- 
tovit, dargebracht. Es nahmen daher manche an, daß diefe heidnifche Gottheit in 
feiner Perfon verehrt werde: Swantovit = St Veit (Vit). Dem ift mit Gründen 
entgegengetreten worden. Einen anderen Auffchluß giebt eine Sage aus dem Leben 
des hl. Bifchofs Otto von Bamberg. Als er zu den Pommern kam, welchen der Hahn 
heilig war, ließ er in ein filbernes Behältnis die Gebeine des hl. Vitus fallen und auf 
demfelben einen Hahn anbringen. Die Pommern fielen vor diefem nieder, Vitus aber, 
deffen Gebeine die Heiden unabfichtlich verehrten, erwirkte ihre Bekehrung zum Chriften- 
tum. Die alten Glaubeusboten fubftituierten öfters heidnifchen Götzen, Feften und 
Opfern, die fchwer auszurotten waren, chriftliche Heilige, Feierlichkeiten und Opfer 
und fo mag das heidnifche Feftopfer eines Hahnes auf den chriftlichen Blutzeugen Vitus 
übertragen worden fein. (Vgl. Hack, Der chriftl. Bilderkreis 1856, S. 270; Kreufer 
Bilderbuch 1863 S. 277; Münch, St Vitus und der flavifche Santovit, Münfter 1881 S. 1.) 

Der Tag der Martyrin Afra (7. Auguft) fah zu deren Ehren die Jungfer n- 
prozeffion. Die Jungfrauen der Stadt zogen am Nachmittag in feftlichem Anzug von 
der Jefuitenkirche aus durch die ganze Stadt ; ihnen gefeilten fich ungefähr 200 weitere 
aus jenen naheliegenden Orten bei, in welchen die Jefuiten die chriftliche Lehre über- 
nommen hatten. Sie kamen an diefem Tage mit Kreuz und Fahnen in die Stadt. 

Verfehgänge. Frau Urfula v. Wefterftetten, geb. v. Humberg, ftiftete hiezu 
am 18. Oktober 1469 unter Albrecht Unkhairen und Hans Hafelmann, Heiligenpflegern 
U. L. F. in Ellwangen, mit Genehmigung von Fürftpropft Albrecht I. (v. Rechberg), und 
Kapitel 36 rh. Gulden. Zu Verfehgängen foll der Mesner 2 Scholaren (Singfchüler), 
die vom Schulmeifter beftimmt werden, holen; diefe follen in der hiefür beftimmten 
Kleidung mit Fähnlein und Laternen vor dem Allerheiiigften gehen und allda andächtig 
ein Refponforium, Antiphon oder Sequenz vom hl. Fronleichnam fingen. Dafür follen 
der Schulmeifter jährlich bekommen x k fl, der Mesner V* fl, die Schüler 1 fl; Vi fl 
bleibt der Pfarrkirche zur Anfchaffung der Schülerornate, Lichter u. f. w. Für jeden 
einzelnen verfchuldeten Verfäumnisfall follen der Schulmeifter mit 4, der Mesner und die 
Schüler mit 2 Pfennig büßeD. In fpäterer Zeit begleiteten das hl. Sakrament bei Verfeh- 
gängen 2 Mann vom hiefigen Kontingent mit Gewehr und erhielten dafür je 2 Kreuzer. 

Die Anftalten zu den Leichenbegängniffen traf in der Regel die Seelfchwefter 
(Leichenfrau), ein Inftitut, das, früher auch zur Krankenpflege beftimmt, fchon 1471 
erwähnt wird. Bei vornehmen Leichen bediente den Condukt bei Herren der propftei- 
liche Regiftrator, bei Frauen der des Kapitels. „Die Klage" führte der nächfte An- 
verwandte, der einen langen, fchwarzen Mantel übergeworfen hatte und überdies mit 



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Alte kirchliche und weltliche Gebräuche in EllwaDgen. «39 

einem vorne und rückwärts weit herabgehenden Trauerflor bedeckt war. Das Opfer bei 
den Totenämtern trug an Stelle aller Übrigen derjenige an den Altar, welcher den Kondukt 
geführt hatte, bei Leichenbegängniffen von Offizianten dagegen der fürftliche Kanzlei- 
diener oder Überreiter. Sowohl auf dem Altar, als an der Bahre waren die Wappen- 
schilder des Verftorbenen angebracht. War diefer ein Mitglied der marianifchen Kon- 
gregation gewefen, fo begleiteten feine Leiche die Sodalen fowohl aus der Bürger- 
ais Studentenfchaft unter Vortritt eines „genius doloris. a 

2. Weltliche Gebräuche. 

Alle Jahre einmal hatten fich die Meifter und Gefellen einer Zunft von Stadt 
und Land bei Strafe eines Vierlings weißen Wachfes in Ellwangen zu verfammeln, 
um den Zunfttag („Reihentag") zu halten. Vom Haufe des Oberkerzenmeifters, 
d. h. oberften Zunftvorftands, welches Amt der jeweilige Landammann bekleidete, zogen 
fie, mit Sträußen gefchmückt, in die Stadtpfarrkirche, um dem Zunftjahrtag beizuwohnen. 
Hernach wurden die Zunftangelegenheiten erledigt. 

Wenn eine Zunft ihre Herberge wechfelte, fo zog fie mit Mufikanten 
unter Vortragung der Gefchenke, welche fie dem neuen Gaftwirt zum Einftand verehren 
wollte, durch die nächften Hauptgaffen in größtem Staat dorthin, um fich nach deren 
feierlicher Übergabe und Aufhängung der Zunftabzeichen auf Koften des neuerwählten 
„Herrn Vaters u und „der Frau Mutter" einen luftigen Tag zu machen. 

Um Bartholomä (24. Auguft) hatten die Lyzeiften ihre Prüfungen und darauf 
die Philofophen des zweiten Jahrgangs ihr feierliches Abfolutorium. Nach einer 
zierlich gefetzten lateinifchen Anrede im großen Studentenfaal wurden die Abfolvierten 
unter Trompeten- und Paukenfchall in die Kollegiumskirche zu einem feierlichen Hoch- 
amt geführt. An demfelben Tage oder gleich darauf gaben die Abfolvierten in einem 
Gafthofe ein gemeinfchaftliches Ehrenmahl, wozu fie ihre Profefforen und guten Freunde 
einluden. Abends zogen fie mit Mufik durch die Stadt, um dem Vizedom und ihren 
Profefforen ein Ständchen zu bringen. Die Vakanz begann an Maria Geburt und 
dauerte bis Ende Oktober: „Simon und Jude treiben die Studenten in die Stude." 

Eine St. Sebaftiansbruderfchaft für Armbruft- und Büchfenfchützen 
beftand fchon im fünfzehnten Jahrhundert. Fürftpropft Albrecht I. v. Eechberg gab 
ihr am Sonntag Laetare 1493 Statuten. Noch am Schluß des Jahrhunderts war eine 
bürgerliche Schützenkompagnie zunftmäßig eingerichtet Sie hatte einen vom Vizedom 
zu ernennenden Schützenmeifter, fünf Schützenrichter, welche in ftrittigen Sachen zu 
erkennen hatten, einen Schreiber, einen Schützenknecht und Tambour und zählte meift 
über 50 Mitglieder. Jedjährlich im Frühjahr vor Beginn des Schießens wurde die 
Schützenordnung verlefen; die Schießübungen fanden zumeift vor dem Jagftthor an 
der Jagft ftatt, das Hauptfchießen um Kirchweihe, wozu die Herrfchaft 4 fl fpendete. 
Die Gewinner mußten den Schützenkönig unter Rührung der Trommel ins Wirtshaus 
geleiten, wo ein Fefttrunk fämtliche Schützen verfammelte. 

Tänze wurden mehrmals im Jahre, namentlich an der Kirchweihe und am 
St. Katharinentag (25. November) gehalten. Hiegegen eiferte gar fehr, weil fie eine 
fchlechte Einleitung der Adventszeit feien, der feiige Philipp Jeningen S. J. 

Alle Freitage verfammelten fich die Stadt armen und zogen unter lautem, 
gemeinfchaftlichem Gebet von Haus zu Haus, um ein Almofen zu empfangen. Außer 
dem Freitag war ihnen der Bettel unterfagt, damit fie der Bürgerfchaft nicht allzu 
läftig fielen. Doch gingen die beiden Bettelvögte auch alle Dienstage in der Stadt 
umher und fammelten für die Armen, die inzwifchen unter Vortragung des Kruzifixes 
und lautem Gebet die Hauptgaflen durchzogen, das Almofen in eine Büchfe, und teilten 



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40 Vogelmann 

es nach beendigter Prozeflion unter die Dürftigen aus. Diefe Bettelvögte hatten Händig 
in den Straßen zu ftreifen und fcharfes Augenmerk namentlich auf fremdes Bettelvolk 
zu richten. 

Wenn im Spätherbft die für Mund und Herz eines jeden echten und gerechten 
fchwäbifchen Burgers traurig bedeutfame Zeit des letzten alten Braunbiers heran* 
rückte, fo war es alter, löblicher Brauch, daß derjenige, welcher wehmutsvoll das letzte 
Krügle aus dem letzten Faffe erhielt, zur Linderung feines berechtigten Schmerzes 
für diefes nicht nur nichts bezahlen durfte, fondern auch überdies noch vom Wirt einen 
fchönen Blumenftrauß verehrt bekam. 

Da ich am Schluffe bin, noch etwas vom Thorfchluß. Das ganze Jahr hin- 
durch mußte unter jedem Stadtthor bei deffen Öffnung und Schluß ein Bürger zugegen 
fein, die dort unter Gewehr ftehende Thorwache des fürstlichen Kontingents aber jedes- 
mal die Schlüffel dem Yizedom, als dem Stadtkommandanten, abliefern, und des andern 
Tags, oder auch des Nachts im Bedarffall, dafelbft wieder abholen. Diefe Thorfperre 
ging wechfelweife alle 3 Monate unter der Bürgerfchaft um ; wer nicht Dienft leifbete, 
mußte feinem Stellvertreter 1 fl. 30 kr. bezahlen. Von diefer Sperre waren aber die 
Mitglieder des Stadtgerichts, und noch andere befreit. 

AU 1 diefe gefchilderten Gebräuche erhielten fleh bis zum Schluß des vorigen, 
teilweife bis in die Anfänge des gegenwärtigen Jahrhunderts hinein, wo die alles 
nivellierende Neuzeit mit ihnen, wie mit der Ellwanger Tracht, die recht ftattlich war ; 
aufräumte, um nur teilweife Befferem Platz zu machen. 

Bavendorf. Pfr. K. A. Busl. 



Aus dem Wortrehatz der Ellwanger Mundart. 

Von Dr. Albert Vogelmann in Elhvangen. 
(Schluß.) 

Morach, mäor&ch, m., f. (?) (man hört das Wort gewöhnt, im Plur.), Morchel, phallus 
esculentus (nicht bei Schmd); fchweiz. teils Morach e, Mo röche f., teils Morachen iu., teils 
Morauchli, Stald. 2, 214; bayer. maora, Schm. 1, 1641; öfterr. Maurachen, Mauruckel, 
Höf. 2, 241. Mhd. morchel, morhel, ahd. morhela. Dagegen ift mhd. morhe, raorche, more, ahd. 
morahä, moreha, morhä nnfere Möhre, gelbe Hübe, BM. II 1 , 217. Gif. 2, 845. WB. 6, 2473 und 
2 529. Sonach ift in der Mundart eine Verwechslung vorgegangen. Ell w. heifit man *maaräch 
zuweilen auch eine Perfon mit dunklem Teint, unter Anfpielung auf Mohr, mäer, u. R a u c h , r&ch. 

nichzit, durchaus nichts, ganz und gar nichts. Ellw. Spital-Urk. v. 1486 : „one die felben 
drey Spittalpfleger foll ein jeder Spittalmaifter in dem bemelten Hofpital nichzit fürnemen noch 
tun. tt Nichts = it ift gefetzt ft des mhd. nihtes niht, einer nachdrücklichen Verneinung wie 
nichts nicht = gar nichts. Gr. 3, 67 fg. Der zweite Teil von nichts = it fcheint nicht 
das mhd. iht, irgend ein Ding, irgend etwas zu fein, fondern nit mit abgeworfenem n, wie ober- 
fchwäb. it = nicht. Die volle Form nichts nicht auch bei Weinh. 64b. Für die Form nichzit 
WB. 7, 729 fügen wir aus Sand. 2, 434a noch an: Götz von Berlichingen , Lebensbefchreibung 
261. 273. Früher auch fchweiz. nützit, Tobl. 338. Vgl. Schmd 296 ich t was. 

* Ölkoppe, elkopp, wahrfch. m. (den Sing, hört man nicht leicht), Gartenmohn, Papaver 
fomniferum (während der Feldmohn, P. rhoeas, rote Kornblume heißt), von den Köpfen oder 
Samenkapfeln fo benannt. S. Weig. Kopf, Koppe, Kuppe, fämtlich nrfpr. aus dem liomanifchen ; 
Schm. 1, 1273 „der Koppen" am Nadelbaum, an Weiden; » Finger-Koppen tf , Fingerfpitze. Vgl. 
WB. 5, 1784 Koppe u. 7, 1282 Öl köpf m. Mohnkopf. (In Künzelsau heißt der Mohn klepperli, 
während ellw. das klepperle ein Kinderfpielzeug, crepitaculum, ift. Vgl. WB. 5, 969 Klapper- 
lein und 1234 Klöpperlein. Vgl. oben Kleffelteich). 

Bätfeh , r&tfchf. im Riefi, räz f. in Lippach, dasfelbe was Bit f che (f.d.); vgl. Schm. 
1, 190 Die Rätfeh en (Radfchn) und 194 die Ratzen, wofür er aber nur Oberpfalz und 



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Aus dem Wortfehatz der Ellwanger Mundart. 41 

Nordfranken anflthrt; Vilm. 318 „Räzekanne (Amt Schönftein, Rofental; anderwärts Gilpe, 
Schleifkanne) 44 ; vgl. ebdaf. 354. S. auch Schind 428 retfeh. 

* Belle, räll f., Strieme, blutunterlaufener Wulftftreif in der Haut, befonders von einem 
Schlag oder anhaltendem, heftigem Druck. Das Wort gehört wahrfcheiulich zu rinnen. Das 
Dim. von Rinne f. ift zwar fchwäb., auch ellw., rennele; Relle aber ift entweder Dim. des 
fonft fehwäbifchen (auch zwifchen Hier und Lech, z. B. in Waal) Reane f., wofür Schind 434 
als erfte Bedeutung anfährt: „Mal an den Gliedern von feftem Binden 44 ; — oder Nebenform von 
Rille. Sand. 2, 758 a r R i 1 1 e , Furche - ; 709 c „Reif = Rille, hohlrunde (halbcylindrifche) Furche 4 *, 
und 754a (unter Riefe) „Rille, hohlrunde Furche, Längsvertiefung und die d aneben herlaufende 
entfprechende Erhabenheit = Kanelüren, Krinnen 44 . Ferner ift zu vergleichen Runs, 
Lauf und Bett eines rinnenden oder ftürzenden Waffers; Rinne; fowie bluntrünftig v. mhd. 
bluotruns, fowohl Adj. als Subft. (Blutrinnen, blutige Wunde) BM. II 1 721b. Ungewöhnlich er- 
fcheinen übrigens die Umlaute i e (ea) in Riene (reane) und ä in Relle. Für letzteres macht mich 
Dr. Bück darauf aufmerkfam, daß er mhd. relle f. in der Bedeutung „Schrotmühle 44 kenne, woraus 
er auf ein mhd. rellen = quetfehen fchließt. Vgl. fchweiz. „Rella, Rölla = Rolle [?], d. i. Mtihl- 
ftein* Tool. 361. 

röhren, räara, brüllen vom Vieh, nhd. gew. nur vom Schreien des Hirfches; unter 
Thränen laut fchreien, bef. von Kindern (nicht bei Schmd.). So auch fchwäbifch-augsb., bayer., 
öfterr., Birl. 373. Schm. 2, 132. Höf. 3, 43. Im Sinn von weinen auch fränkifch (Crailsheim). 
Mhd. reren, ahd. rßren, reran, blöken, brüllen. Ellw. *Rohr, raar n., fehr ftarke Stimme eines 
Menfchen, vielleicht zu röhren gehörig, aber jedenfalls zugleich mit Anlehnung an Rohr == Röhre, 
durch die der Schall verftärkt werden kann (Sprachrohr). Ein anderes altes reren fallen 1 äffen, 
verftreuen, was im benachbarten Franken noch gebraucht wird, ift hier nicht bekannt. 

*Roßhälm pl., auf dem Futterftuhl (bayer. Hälmbank) mit dem Hälmmelfer 
zu Häckfel, Häckerling gefchnittenes Stroh als „kurz 9 Futter 44 für die Pferde (übrigens fonft ellw« 
nicht Roß, fondern Gaul). Bayer. Halm, Schm. 1, 1094, aber diefes auch Stoppeln auf einem 
abgeernteten Getreideacker, wie nach Schmd 258 im Schwarzwald. Vgl. Sütte. 

Ruf 9 ruf f. (nicht bei Schmd, obwohl auch oberfchwäb., z. B. in Ertingen) harfche 
Rinde einer Wunde; Grind. Mhd. und ahd. ruf f., Blatter, Grind, Ausfatz (wie bayer, und 
fchweiz.). BM. II 1 788. Schm. 2, 67 Rufe; Stald. Rufe f. 

* ruißen, ruiße, weinend jammern, wehklagen. Diefes alte Wort hat fich vielleicht 
nirgends fo gut erhalten wie in der hiefigen Gegend. Schm. 2, 196: rotzen, Thränen vergießen, 
weinen bald mit verächtlichem Nebenbegriff, bald auch ohne diefen. Mhd. riezen BM. II 1 755: 
„eig. wohl rinnen, fließen, aber fchon ahd. faft nur noch in der abgeleiteten Bedeutung: Thränen 
fließen laffen, beweinen 44 ; ahd. (Gff. 2, 560) riuzan, riozan (flere, deflere, plangere, plorare). Gr. 1, 
860; 2, 20 nr. 225. Übrigens gehört es zu den Ausnahmen, daß das ellw. ruißen den Laut ui hat. 
Denn diefer tritt in unferer Gegend für ahd. iu od. io in der Regel nur da ein, wo nhd. eu oder 
inkonfequent au (in brauen) fteht (ausgenommen knieen knuie), d. h. 1. wenn ahd.' od. mhd. ein 
w folgt oder eintreten kann, z. B. bluio, bleuen = fchlagen ; 2. wo ein r folgt, in welchem Falle 
fich meiftens auch alte Formen mit w finden, z. B. teuer; 3. ausnahmsweifü in Zuig in. und n., 
wo auch nhd. Zeug; dui und fui (im Sing.) = die und fie; und ruißen. Dagegen fonft ellw. 
immer id = nhd. ie, z. B. er fchießt, fliegt, fchiebt, zieht (ziegt); auch liegt lügt; betriagt 
betrügt u. f. w., natürlich auch friert, verliert, weil mhd. und ahd. kein r, fondern s : mhd. vriefen 
und verliefen, ahd. freofan [friufan] und farliofan; vgl. Froft, Verluft. 

* Sädd pl.. Soinmerfäden, vielleicht mhd. feite, ahd. feito m. (feiten mhd. feite, ahd. 
feita f.) Strick, laqueus, tendicula; Saite, fldis, chorda. BM. II 2 243, Gff. 6, 159. Saite wird 
zwar fonft ellw. zu fäet, gieng aber wohl in Erinnerung an Saat in fit über, weil die Sommer- 
faden fo häufig über Saat-, eigentl. Stoppelfelder hingefponnen oder hingefpannt find. 

Salve n. (wohl auch f. ft. Salve-Andacht). Früher (bis 1837) eine tägliche Marien- 
andacht abends 5 Uhr in der hiefigen Marienkirche, während des fog. Dreißigften (f. d.), benannt 
nach dem Anfang der Marianifchen Antiphone Salve regina. — Außerdem Salve f. = Begrüßungs- 
fchießen; und = Salbei von falvia. 

Schafe, gew. Zueker fehlte, Zuckererbfc. Schmd 450 auch überhaupt „Erbfen mit der 
Schote, auch Schäferbes genannt 44 , und nach ihm Schm. 2, 284, welcher beifügt: „Ich finde 
in der ahd. Sprache bloß das ähnliche cheva, iiliqua gl. a. 20, i. 978; cheva vel hülfe, 
o. 249". Schm. fagt vorfichtig „das ähnliche 41 ; paffender hat er wohl cheva bei Kif-Erbeß 
(1, 1229, fchweiz. Eefcn, [Tobl. 97b Käfen], aber nicht ellw.) angeführt. Weig. und Sand, haben 
das Wort nicht, wohl aber Mozin Großes franzöfifch - deutfehes WB.: «Schafe (in Schwaben) 
Zuckererbfe 14 . Sollte es nicht aus dem Niederdeutfchen kommen: fcheef, fcheve = fohief, mhd. 



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42 Vogelmann 

fchief? Vgl griech. (rxocto^ lat. scaevus. Auch in Schießen wird fchief durchgehende nach 
niederd. Art fchef gefprochen. Weinh. 82 a. Die Schote der gewöhnlichen Erbfe (Pifum sativum), 
welche eben nach Schmd auch Schafe rbes heißt, ift ftark gekrümmt und verdient eigentlich 
den Namen Säbel-, Sichelerbfe weit mehr als die Zuckererb fe (Sand. 1, 372a); aber folche 
Übertragungen von Namen find ja nichts Seltenes; vgl. Morach. 

"fchampern, fchamparo und furtfch., mit Schand' und Spott fortjagen, überh. fort- 
jagen; vgl. mhd. „fchambaere Adj., deffen man fich zu fchämen hat; fchamperen = exprobrare, 
fchamperer mit Worten contumeliosus (Melber)" BM. II* 134; alfo ift fchampern zunächft nur 
befchämen, dann unter Vorwürfen fortjagen. Höf. 3, 172 „ftampern = vertreiben, verjagen, 
z. B. die Hafen im Gehöfte ausftampern; mutwillige Buben auseinander jagen. Eigentlich durch 
ftampen, ftampfen ein Geräufch machen" u. f. w. Diefes ftampern fcheint aber aus dem nicht 
mehr verstandenen fchampern hervorgegangen zu fein. (Schlefifch fchampern, fchappern, fchappeln, 
hüpfend, trippelnd gehen, Weinh. 80). 

Schlauen und Schocken f. Mahden. 

Schneller, m., Garngebinde von verfchiedener Größe. Hier hat er beim größeren 
Hafpel 700 wie einft der Augsb. Weberfchneller (Birl. 400), beim kleineren 1000 Fäden, nach 
Schmd (S. 474) 400, nach Schm. 2, 575 fg. gewöhnlich 240. Von fchnellen, mhd. fnellen, einen 
fnal, rafche Bewegung, einen Schneller, mit Geräufch hervorbringen, BM. II 9 447. 

Schotten, f. Doppe. 

Schulhalter war in den Rechnungen der Almofenpflege zu Ellw. noch in der Mitte des 
vorigen Jahrhunderts die Bezeichnung für alle Volk sfobul lehr er in der Propftei, fowohl für die 
ftändigen Schulmeifter, als auch und befonders flir die unftändigen, welche in Weilern, z.B. 
Connenweiler (jetzt OA. Crailsheim), Dank oltswei ler, Rarafenftruth, Rotenbach, Eigenzeil, Schleif- 
häuslein, Stocken, Oberdeufftetten (wahrfcheinlich nur) Winterfchule hielten und Handwerker 
waren, aber wie die ftändigen Lehrer für die armen Kinder eine Gratifikation aus der Almofen- 
pflege erhielten. Vgl. Birl. 403: Schulhalter Augsb. Ordnung v. 1584 „Päbftliche Schuelhalter", 
was wohl gleich katholifche ift, und fomit auch alle kath. Volksfchullehrer begreift 

Schwanung f., Schwand, Schwund, Abgang am Getreide durch fchwinden, in Rech- 
nungen der hiefigen Hofpitalverwaltung aus dem 17. Jahrh. , z. B. 16 8I /«*, von ahd. fwinan, 
mhd. fwfnen (= fwinden) fchwinden, tabescere, marcescere. So verfchiedene zu diefem Ver- 
bum gehörige Wörter es giebt, f. Schm. 2, 636, Schmd 486 (Ellw. hat auch Schweine f., Schwinden 
als Krankheit einzelner Glieder, eines Fußes oder Armes) ; das Wort Schwanung fand ich doch nur 
bei Stald. 2, 360: Abnahme im verallgemeinerten Sinn (Schaffhaufen), im engern: Fruchtfehrumpf 
(Schaffhaufen, Luzern). 

Schwelnaner m., ein jetzt in hiefiger Gegend feiten oder gar nicht mehr vorkommender 
Bauerntanz. Ich gebe eine Melodie, welche bis vor wenigen Jahrzehnten zu hören war, u. zwar 
in Buchftaben ftatt in Mufiknoten. Die Buchftaben bezeichnen nicht nur die Tonhöhe, fondern 
auch die Tondauer d. h. Viertelnoten, und wenn das Zeichen *— darüber fteht, Achtelnoten. Die 
Taktftriche, Bindungsbogen und Punkte (Stakkatozeichen) haben die Bedeutung wie fonft in der 
Mufik. Die Töne gehören alle derfelben Oktave an, das c ift eine Terz höher als das folgende a. 
Das Tempo rafch. •/« c | af a | af ä | 2 A g g b | 8 /* ge g | ge g | •/« ä ä c | 8 A 
af a j af a | */* g g b | 8 /< ge g | ge g I f Viertelpaufe : | In dem originellen Rhyth- 
mus famt dem fchnellen Tempo „fpiegelt fich eine wahrhaft kreifelnde Ausgelaflenheit" (L. 
Köhler, die Melodie der Sprache 1853 S. 67 fg.). Bei dem Landvolk gab es noch allerlei 
charakteriftifche Tänze, z. B. den Dreher, den Schleifer, und einzelne haben fich auch noch 
erhalten; aber die modifchen, wie Walzer, Galopp, Polka u. f. w., dringen immer mehr ein. 

Seihende, fälbend (kurzes und betontes ft) n., das Zettelende an Geweben, Neutr. wie 
am untern Main Schm. 2, 265; Schmd. 446 „fäl binde [fch wer lieh beim Volke in Schwaben mit 
i, da diefes vor n zu nafalem e wird), fälende f. u , alfo das Gefchlecht wie wetterauifch : die 
Selwen, Sealwen, d. i. Selbend ; f. Weig. 2, 683, der unter Hinweifung auf das Neuniederländifche 
zeigt, daß das Wort Zufammenfetzung aus felb und Ende fei, und alfo urfprünglich fo viel als 
das eigene Ende, das nicht angefetzte, fondern aus den Fäden gemachte Ende am Gewebe, und 
daß das nhd. S ah 1 band lieh durch Mißverftändnis an Band anlehne. Vilm. 382 ftimmt zu; (aus 
diefer Stelle i/t auch erfichtlich , daß in Helfen felbende und wohl auch in Oberheflen filbende, 
als neutr. gebraucht wird, obwohl Vilm. bei filbende das Genus nicht ausdrücklich nennt, während 
Weig. das femin. angiebt). Man fagt ja auch Tuchende, Endfeh uhe, Endfocken (Schuhe, 
Socken aus Tnchenden) , welche Wörter Sand, nicht aufführt. Anders erklärt Selbend e 
Sand. 1, 76 a. 



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Aus dem Wortfehatz der Ellwanger Mundart. 43 

un feiig, „ich bin" oder „mir ift ganz a n o n faleg u = ich hin verwirrt; ähnlich das 
Particip vora n o n f9lt = anßer lieh, wie von Sinnen, alfo ganz in den Bedeutungen wie bei 
Schmd 32, doch kennt Ellw. das Subft Au n fei nicht Auffallend ift 1. die Betonung, die nach 
Schm. 2, 263 auch im Fränkifchen befteht: unslich, u»slich, unftlich, erbärmlich, fchlecht (vgl. 
übrigens Befchreib. des OA. Crailsheim 123 un feil ig = ungefchickt, unbrauchbar); 2. der Laut 
a n o n ft ö n . Das Wort muß aus dem Oberfchwäbifchen herübergekommen fein. Dort fpricht 
man au n falig (Birl. wb. 10 und 13), weil dort das verneinende un in den Laut au n übergeht, z B. 
in unbeftändig, ungern. Wenn dafür zuweilen ä n gehört wird, z. B. ä'tädele (Unthätlein, f. d. 
und Birl. 27), fo ift eben der nafale Doppellaut zu einem einfachen abgefchwächt. In Böhmen- 
kirch au n ferig; über den Weobfel zwifchen r und 1 f. Birl. wb. 54 und 74, 8. Vgl. im allg. 
Schm. 1, 97. Stald. 2, 369. Mhd. uniaelec, ahd. unfälig, unfelig, unglücklich. 

Side f. Sütte. 

Spinnen f. Heierles a. £. 

Spital, Hofpital, fchpitäl n. (nicht fchpittl), mhd. fpitäl n. fchpitäler m. (diefe 
Form ift wahrfcheinlich vom Plur. auf den Sing, übergetragen), fchpitälore f. Hofpi talbewohn er (nicht 
Spittler oder Spittl-leute). Urkk. v. 1422 fgg.: Spitaler = Spitalverwalter (aber 1486 Spital- 
maifter). Auch mhd. fpitalaere 1. Bewohner eines Hofpitals, 2. hofpitalarius, officiorum 
magifter BM. II 2 512 fg. Vgl. Du Cange (1681) 2, 778. Stald. 2, 384 Spittler Spitalpfleger 
(Glarus). Schm. 2, 690. 

*Steigfitzer (in der oben bei „garten" angef. Inftruktion v. 1763), wohl Leute die an 
der Steige, d. i. (teilen Straße fitzen, wo die Reifenden, namentlich zu Wagen, nur langfam auf- 
wärts kommen und um fo leichter angebettelt, möglicherweife auch unter Drohungen zum Her- 
geben aufgefordert werden. Vielleicht fteckt aber ein Druckfehler darin ft. Steif fitzer, Fremde, die 
unbefugterweife fich beharrlich irgendwo aufhalten und nicht weiter zu bringen find, vgl. Steif- 
bettler, der fteif und feft bettelt, im höchften Grade zudringlich ift. 

Storren, fchtarrem., Baumftumpf, verdorrter Baum, mhd. ftorre, ahd. ftorro. Schm. 
2, 779: der Storren, ftorn. Schmd nur: Storr m., ein fchlechter, bereits abgebrochener Zahn. 
Mhd. ftorren ftarr fein, fteif- her vorftehen, ahd. ftorrßn = eminere. Dagegen fchweiz. Storren m. 
= der Star, fturnus. Stald. 2, 401. Tobl. 412. 

ftracken , ellw. wie in Ulm (Schmd 572) und wohl allgemein fchwäbifch : ausgeftreckt, 
faul liegen; ahd. ftracchän, mhd. ftracken, ausgeftreckt daliegen, fich ausdehnen. — geftracks, 
Adv., feft und entfehieden, ohne Umfchweif und Abweichung. Ellw. Spital-Urk. v. J. 1486 „ewig- 
lich geftragß unrecht und redlich on alle widerruffung alfo gehalten werden foll. - S. Sand. 3, 
1229a. Mhd. ftrackes, Adv., direkte, geradeaus; fogleich. geftracke, Adj., gerade, wie ftrac, 
ausgeftreckt, fitraff, ahd. ftraoh; von mhd. ftr ecken, ahd. [ftrachjan] ftrechan ftrecken. Vgl. Birl. 
wb. 86 fg. Vilm. 402. Tobl. 413. 

Stütze, fchtitz f. fganz wie bayer. Schm. 2, 802) Gefäß von Böttcherarbeit, auch 
wohl von Blech, in Form eines abgeftutzten Kegels mit Seitenhandhabe und gew. auch mit Deckel 
und MeJTingreifen. So auch in wttrtt Franken (Crailsheim, Künzelsau). Schmid 518 „von Kupfer 
oder Zinn mit einem Deckel und einer Schnauze. 44 Vgl. Höf. 1, 102 und oben Bitfche. Von 
Stutz = abgenutztes Ding'; fchwerlich von ahd. ftudjan, mhd. ftüden, feftftellen (wie Fromm. 
1, 73 gefagt ift), oder von mhd. ftud f. Stütze, Pfoften, Säule (BM. II* 706). Vgl. Weig. 2, 
837 fg. Sand. 3, 1 262 c. 

• Suonhar n. pr. (in der älteften Gefchichte von Ellw.) Württ. Urk.B. 1 8, Urk. angebl. 
von 764 und Vita Hariolphi Pertz Mon. g. h. XII, von ahd. föna, fuöna, mhd. fuone, fuon f. Ur- 
teil, Gericht; Sühne u. f. w., und ahd. haro m. Rufer (in foraharo — praeco) von harän fchreien, 
Gff. 6, 242 und 4, 981; fomit Suonhar = Ausrufer bei Gericht Diefes hären = rufen, noch in 
„Ravensburg, wttrttemb. hären" (Schmid 262), aber nicht ellw. 

Stttte, fide f. mhd. fütte, füte fiedende Lache, im öftlicben Teil des hiefigen Bezirks 
gföd n. (vgl. Schmd 496), mit heißem Waffer angebrtihtes „kurz' Futter" für das Rindvieh (f. 
dagg. Roßhälm), darunter etwas Mehl, Kleie, früher auch etwas von Leinkuchen. Side lautet es 
auch nordböhmifch , Fromm. 2, 238, auf dem Aalbuch gfiad n., zwifchen Hier und Lech gföd 
und gfott n., wovon fdden Häckerling fchneiden (vgl. Schmd 496 und Birl. 193), bayer. gfod, gfo : 
gfed, gfid; fränk. füd, ßd (Schm. 2, 339 fg.), doch Künzelsau fied; heffifch füdde, futte f., meift 
fidde gefprochen, Vilm. 408. Dagegen Stald. 2, 376 G'föd n. 1. Speife, die (Ich leicht fieden 
läßt; daher 2. Erbfen, Bohnen; ebenfo Tobl. 244; bei diefem 424 auch ein Adj. föd, füd, 
leicht zu fieden; Weinh. 90 Söd m. das Ausgefottene : die Brühe, Suppe, übrigens nur in älteren 
Schriften. Vgl. Weig. Sütt; Sand. Siede. 

Untern, f. Brot. 



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44 Vogeimann, Aus dem Wortfehatz der Ell wanger Mundart. 

wftger, w&gr, Adv. 1. beffer, z. B. man macht es wäger fo = es ift beffer, es fo zu 
machen; 2. wahrlich, fürwahr, z. B. jetzt ift die Sache Wäger recht; befanden in der Betenrangs- 
formel ja wäger, ja wägerle. Auch bayer. in beiden Bedentangen Scbm. 2, 869, in der 2. in 
Franken, im übrigen Schwaben, im Allgäu und in der Schweiz, Schmd 513 b (wäh, wo aber 
zwei verfchiedene Stämme vermengt find, denn wäh fchön, in fehmneken Kleidern, das im ört- 
lichen Oberfchwaben und im Allgäu, nicht aber ellw. vorkommt, ift mhd. waehe, ahd. w&hi, Birl. 
482, Schm. 2, 880). Birl. 424. Stald. 2, 428. Tobl. 438. In Öfterr. ift das Wort ganz ausge- 
ftorben, Höf. 3, 273. Wäger ift Komparativ vom mhd« Adj. waege (ahd. wägi in unwägi ge- 
wichtlos) überwiegend ; gewogen; vorteilhaft, gut, von wägen, mhd. wegen, ahd. wekan, wggan. 
BM. III, 647 (626), Gff. 1, 665. Im. Schwab. Merkur Beil. 1885 No. 267 fohreibt ein Einfender: 
„Wäger ift das ahd. weigaro, welches in der eine ftarke Verneinung ausdrückenden Formel ne- 
guere auch in das Franzöfifche hinübergenommen worden ift." Ein weigaro kenne ich nicht; 
über ne-guere f. Gr. 3, 749. 788. 

wallen« wallo, in frommer Ab licht irgend wohin gehen (fo auch fränkifch Schm. 2, 
885), aber befonders in größerer Zahl und in kirchlicher Prozeffion ; ebenfo beim Wallgang, der 
hauptfächlich in der Wall-, Bitt- oder Kreuz- Woche, welche mit dem Sonntag Rogate be- 
ginnt, häufig ausgeführt wird. Während der Wallgang nur in geringere Entfernung, höchftens 
ein paar Stunden weit, fich bewegt, geht die Wallfahrt in weitere Ferne, z. B. nach Walldürn, 
Einfiedeln u. dgl. Schon mhd. wallen gewöhnlich nach einem heiligen Orte wandern, pilgern, 
BM. III, 471, mit demfelben Nebenbegriff wallevart, walfart, ebd. 254. 

Gewand, gwand f. Bei Schmd 516b = Anwand, d. i. Ackergrenze, Rain; mhd. ge- 
warnte f. Grenze, weil wenden auch bedeutet: bis zu einem gewiffen Punkte gehen, aufhören 
(BM. III, 689 a), oder, wenn in traniifiver Bedeutung (daf. 689 b) , weil man hier den Pflug um- 
wendet, rückwärts wendet. In diefem Sinne braucht man ellw. nur Anwand oder Rain, und 
in Anbetracht des von Bück 292 Gefagten vielleicht in ganz Schwaben, fo daß (ich Schmid geirrt 
haben dürfte. In unferer Gegend ift Gewand 1. ein Komplex entweder zufammengeackerter Acker- 
beete oder verfebiedener kleinerer oder größerer Gutsparzellen, welche zufammen ein natürliches 
Ganzes bilden (Ökon.R. Dr. Walcher. Vgl. Bück a. a, 0.). 2. Ein nicht befonders umfangreiches 
Grundftück, das zur Anpflanzung von Gartengewäcbfen, bef. Kraut (Sauerkohl), auch Bohnen, roten 
uud gelben Rüben u. dgl. beftimmt, aber von den benachbarten Grundftücken, auch wenn diefe 
anderen Befitzern gehören, nicht durch einen Zaun, fondern nur durch einen fchmalen Durchgang 
getrennt ift. In einer Rechnung der Spitalverwaltung vom Jahr 1718 fteht viermal: „aus einer 
Krauthsgewand". Jetzt zuweilen das Krautsgewand, aber kaum eigentlich volksüblich. Bei 
Schm. 2, 943 und Höf. 1, 296 Gewanten = Ackerbeet, Dimin. Gwandl, bei jenem „kleinere 
Gartenabteilungen ", bei diefem „kleiner Acker". Höf. erklärt das öfterr. [und bayer.] Gewanten 
durch umgewendeter, d. i. umgepflügter Acker. Im weftlichen Heften (Vilm. 448) ift wenden 
= grenzen, während Gewann f., feiten n., die Gemarkung felbft bezeichnet, und als Eigennamen 
dort zu einer äußer ft häufig vorkommenden Flurbezeichnung dient. Dies findet Vilmar unver- 
einbar. Es fcheint, bei Gewand, welches fchon mhd. auch Umkreis bedeutet (Schade 214b), 
fei der Ausdruck für das Umfchließende auf das Umfchloüene übertragen worden, wie bei Mark, 
Kreis, Bezirk. An eine zufammenfaflende (kollektive) Bedeutung ift bei Gewand wegen des 
Fem. nicht wohl zu denken; es wäre Neutr. 

wetten, wötta, wie fonft: einen Vertrag auf gut Gluck mit gegenfeitiger Pfandfetzung 
machen. Dagegen weten, w&de, binden, ä n wäd9 anjochen, auswäden abjochen, mhd. we'ten, 
wötten, ahd. wetan, wöten, intwetanter ent-i losbindend. BM. III, 773 fg. Gff. 1, 738. Gr. 1, 
938, vgl. daf. 3, 291 Anm. Im Gebirge am Traunfee wird diefes wetten auch für trauen, kopu- 
lieren gebraucht, Höf. 3, 288. Wetter, wädor m. (masc. wie oberfchwäb., wo teils wäator, teils 
z. B. in Ertingen äafor, aber in Aulendorf d' häa. Dr. Bück) und bayr. der Wettern (wede'n) 
und ahd. wc'tero (?) (padiliga) Gff. 1, 779. Schmid 520 b femin., Weig. nach Adelung und Campe 
neutr., gabelförmiges Yerbindungsholz am Hinterwagen und am Pflug. Wetternagel m., Nagel, 
wodurch der Wetter befeftigt wird. Vgl. Schm. 2, 1048 und 1052. Stald. 2, 437. 

worben f. Mahd. 

Zelsle, Zeifig, nur Dimin. zaisle n., mhd. zislin n., Dim. von zife und zii'el f.; ziiec in. 
Stald. 2, 468 Zeisli; Tobl. 458 zisli. „Er kann fingen wie ein Zeisle" = fo fchön, fo fein u. 
dgl. Hierher wird auch Zeifelberg (zoislbärg, Anhöhe , an deren nordweftlichem Fuße die Stadt 
Gmünd liegt) gehören. Denn wenn mhd. zeifel, ahd. zeifala f., die Diftel zu Grunde läge, würde 
fchwäbifch zäeslbärg gefprochen. Da der Name des Vögeleins fonft im Schwabifchen nafal ge- 
fprochen wird : za n e n sle, fo leitet Schmd 543 davon das Verbum za n e D sla ? locken, ab, und Schm. 
2, 1138 ift nicht abgeneigt ihm beizuftimmen. Allein weit einfacher und natürlicher ift es, 



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Fifchor, Hechingcr Latein, Nachtrag. 45 

diefes Verbum als eins anzufehen mit dem nordfränk. zinzeln, zinfeln (Schm. 2, 1141) 
zart, zärtlich, empfindfam thun; bei Pictorius zenzeln, bland iri (vg\. Schm. 2, 1140 zänzeln, 
liebkofen); mhd. zinzeln, zenzeln,- zieren, fchmiicken; kofen, fchmeicheln, BM. III 90a. Die 
Nafalität in za n e n sla ift ganz diefelbe wie im gewöbnl. Schwäbifchen bei za n e n s Zins, 
fa B e»fohtr finfter. Auch ellw. lautet das Verbum za n e n sta, ift alfo aus dem Weftfchwäb. 
herübergenommen (vgl. oben ano n faleg ft. d n f9leg); denn da fonft in ellw. zu 6° wird, auch 
in Zins und in finfter, follte es eigentlich ze D sb gefprochen werden, wird übrigens nur in der 
Zufammenfetzung 'reinzeinslen oder einzeinflen, herein-, anlocken, gebraucht. Birlinger 
und Bück (Volkstümliches aus Schwaben 1, 130 Anm. 1) fchreiben zae n lo (zeineln = locken, wie 
in Ertingen gefprochen wird) und fetzen hinzu: „Das oberfchwäb. zoe n la kennt Niederfchwaben 
nicht; niederfchwäb. begegnet uns zammferle, h&arz., roe n z., nausz., näz. (hinab) u , und im Wörter- 
büchlein dazu heißt es 95: „zeineln (zinilön? ahd.), herlocken; zeifalön Graff Diut II 239b* 
Zuanfern (Baifingen), zamferlen fonft. Schund 542 u , wo man zamfen, zahm machen findet. 
In hiefiger Gegend ift nur za n e n sl9 bräuchlich. 

Zieter, zieter n., eine vorne an der Hauptdeichfel für ein weiteres Paar Ocbfen an- 
gehängte Deichfei, Vordeichfel; aber auch die Deichfei, die unmittelbar an den Pflug angehängt 
wird. Schm. 2, 1165: der, auch das Zieter, von ziehen und tere, in Zufammenfetzungen ter, 
als Spur eines alten, Holz oder Baum bedeutenden Wortes (goth. triu, Gif. 5, 440, BM. III 30« 
Gr. 2, 529 fgg. 3, 368. 370. vgl. apfalter Apfelbaum, holunter, wecholter Wachholder). Im Fuldai- 
fchen zetter, Vilm. 468; Wetteranifch Zitterftange. Schmd 548 irrig: „Ziter fcheint niedriges 
Gehölz zu bedeuten." Dann führt er aus Frifchlin, nomencl. 544 noch an: „&r£xpiov, xepala, 
wrroxspata, antenna, Zitterholz. u Wenn dies dasfelbe Wort ift, fo ift darin der Begriff des 
Ziehens verdunkelt, wac BM. III 877 veranlaßt haben mag, die Verwandtfchaft mit ziehen zu 
bezweifeln. Mhd. zieter m. n., ahd. zeotar, zieter = prodeilus, Gff. 5, 460. 



Berichtigung zu Yierteljahrshefte 1886 S. 58. 

Das Wort Eblenz ift in der Ellwanger Gegend auf fo arge und ungewöhnliche Weife 
entftellt, daß mir die richtige Entzifferung desfelben trotz vieler Bemtlhung nicht gelang. Herr 
Profeffor Dr. M. Lexer in Wflrzburg fchreibt mir darüber: 

„Das Ihnen rätfelhafte ,eblenz, awelenz u. f. w. ( kommt auch anderwärts in durchfich- 
tigerer Form vor : fchweiz. ambl&tz m. Stalder I 100 ; kärntifch amplatze, ompletz f. mein Kärnt. 
WB. 6; tirol. ampletz, amplaz, ampPz m. Schöpf Tirol. Idiot 13; es entfpricht dem mittellat. 
amblacium inftrumentum rufticum Du Cange 1, 1, 198 (lacium = latz, Schlinge, dasjaausdem 
Romanifchen entlehnt ift). Auch Aventinus hat das Wort gekannt und daraus wohl felbft einen 
,amplatzer ( (einen der mit der amplatze bindet, feffelt oder henkt) gebildet: der tenfel ift doch 
mit feinen puntsverwanten [Bundesverwandten] des obreften himlifchen kaifers fcherg, am- 
platzer, henker und züchtiger, dadurch die gottlofen geplagt, die böfen geftraft werden. 
Bayer. Chron. I 48, 19 meiner Ausgabe. 11 Vogelmann. 



Hechinger Latein. 

Nachtrag. 
Von Hermann Fifcher. 

Zu meinem unter diefem Titel erschienenen Auffatz (Vierteljahrshefte VIII 229 
bis 236) kann ich einiges nachtragen, was die Ausführungen der zweiten Hälfte jenes 
Auffatzes ergänzen, bezw. berichtigen foll. Herrn Archivrath Dr. Stalin verdanke ich, 
darauf hingewiesen worden zu fein. 

Die von mir a. a. O. 234 angezogene Stelle aus Wimpfelings Carmen heroicum 
an Eberhard im Bart fteht in den Werken diefes Humaniften nicht allein. Er hat einen 
mitunter ziemlich heftigen Federkrieg mit den Schwaben geführt, welcher von feiner 
Seite mit der 1506 veröffentlichten Epiftola excufatoria ad Suevos geendigt hat; in 



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46 Fifcher 

Hehles Programmen über Philomufus Locher und jetzt auch in Schmidts Hiftoire 
litt^raire de l'Alface, T. 1, p. 65—67, kann man das Nötige über diefe Zwiftigkeiten 
finden. Schmidt führt ein paar Stellen an, wo Wimpfeling fich über die fchlechte 
Latinität uff. der Schwaben beklagt; ich habe in Wimpfelings Werken noch weiter 
geflieht, aber nichts gefunden. Ich kann alfo nur die von Schmidt fchon angeführten 
Stellen verwerten. 

In feiner Epiftola de inepta et fuperflua verborum refolutione in cancellis vom 
Jahr 1503 (ich muß fie, da mir das Original nicht zugänglich ift, nach dem Abdruck 
in Rieggers Amoenitates literariae Friburgenfes , p. 225 f. eitleren) fagt Wimpfeling: 

Deteftaberis (ficut et ego femper deteftatus fum), quod magna pars praedica- 
torura, praeeipue vero, qui ex Suevia ad utrumque Rheni littus advolant, atque ipfi 
ftationarii et divinorum quidam adjutores, immo qui theologi dici volunt, inepte, fuper- 
vacue, gelide interpretantur verba ipfa, quae adjeetiva grammatici vocant 1 ), in noftram 
Germanicam linguam. Omne enim paene adjeetivum verbum refolvere folent in fuum 
partieipium et verbum fubftantivum „fum u : quae quidem refolutio apud dialecticos 
locum habet, qui tum verba ipfa refolvunt, dum propofitionum praedicata et copulas 
inveftigant. Grammaticus vero, et praefertim in Germanico idiomate, fruftra id et 
fupervacue facere videtur. Sic etenim dieunt illi illepidi concionatores : dixit Jefus, 
ibat, ambulabat, fanabat, docebat, refpondebat : Der Herre was fprechen, er was gon, 
er was wandelen, er was gefund machen, er was lehren, was antwurten, fieque de 
innumerabilibus; ubi fimplex verbum Germanicum fufficeret: Der Herr fprach, er ging, 
er wandelt, er macht gefund, er lehret, er antwurtet Ille enim modus eft Germanicus 
praefertim in Helvetia, id eft Alfatia, et in Germania ultrarhenana , quarum partes 
funt Ortonavia et Brisgavia: forfitan apud Suevos et Salaffas atque Memmygenfes 
ifta barbaries et inconcinna traduetio obfervari folet. Nam ex Suevis et Memmygenfibus 
iita audivimus. Mihi autem apud Rhenum Rhenenfium more loquendum effe videtur 2 ). 

Es ift wohl kaum nötig, daß ich mich bei diefer Expectoration lange auf- 
halte. Intereffant ift es immerhin, daß Wimpfeling erkannt zu haben fcheint, daß 
jene fcheinbaren Infinitive er was fprechen uff. in Wirklichkeit verftümmelte Participia 
find. Getäufcht hat er fich, wenn er meinte, die Erfcheinung fei den fchwäbifch-ober- 
rheinifchen Gebieten (oder, wie wir jetzt fagen würden, den alemannifchen Mundarten) 
eigen 3 ). Sie war vielmehr in ganz Deutfchland verbreitet; das diefe Erfcheinung im 
Zufammenhang behandelnde Programm von Fedor Bech, Zeitz 1882, weift Beifpiele 
aus allen deutfehen Mundarten nach. 

Wichtiger ift eine andere Stelle, welche außerdem zu der in meinem früheren 
Auffatz angeführten in nächfter Beziehung fteht. 

In Wimpfelings „Ifidoneus Germanicus", 1497 erfchienen, lautet das zweite 
Kapitel folgendermaßen: 

*) Verba adjeetiva heißen alle Verba außer dem Verbum fubftantivum (fum), weil fie 
alle prädicativifch gebraucht werden („actionem aut paflionem fignant", Brafllcanus). 

*) Auf diefelbe Spracherfcheinnng, aber ohne fpezielle Nennung der Schwaben, fpielt 
Wimpfeling in Kap. 36 feiner Apologia pro repnblica chriftiana (1506) an: Quam inepte omne 
verbum adjeetivum in fuum partieipium et hoc verbum „furo" refolvant, id fingularem expo- 
ftularet traetatum. (Beiläufig erwähnt, fcheint Wimpfeling unter den Schwaben die Ulmer ganz be- 
fonders mit feiner Feindfchaft beehrt zu haben, denn es heißt im nämlichen Kapitel: inveteratus 
bacchans, ne dicam Ulmenfis!) Und in der Epiftola exeufatoria fagt er, wenn er jene Unfitte 
quorundam facrificulorum inter concionandum für eine ineptam fuperfluitatem taxiert habe: non 
d Sueviae, non id Suevis elegantibus atque doctis detrahit. 

8 ) Mit feinen „Salaflae" weiß ich nichts anzufangen. Die alten Salaffi wohnten im 
Thal von Aofta. 



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Hechinger Latein. 47 

De yocalium et diphthongorum differentia. 

Exprimatur vocalis quaelibet fuo fimplici ac discrelo fono, non tanquam duae 
fint inftar diphthongi, ueque more balantum acute nimis, ut Suevi et Catti Cheruscique 
aut ut Maguntiaco Francofurtiaeque et Hafliae finitimi folent. Inde enim perpetuus 
error, inde fit, ut nonnulli Germanorum alioquin docti, a barbaris praecipue Suevis 
praeceptoribus feducti, nomen hoc „caufa" fine diphthongo et „cafus" cum diphthongo 
tum pronuntiare tum fcribere videantur, oeteraque multa invertunt 1 ) uti „lego legis" 
et fimilia, quae non per e vocalem, Ted per alienam quandam diphthongon ai vel ei 
rufticiffime ridiculofiflimeque exprimunt; adeo, ut jam aetate grandiores ad exteras 
nationes profecti, cum ineptos in romana lingua litterarum fonos effundunt, alienigenae 
cum cachinno rogent: Creduntne homines ifti latine fefe fiüffe locutos? Id quoque 
in Hecatoftichi noftri ad Eberhardum Wirtenbergenfium ducem explanatione tetigimus. 

Die Vergleichung mit dem Blöken der Schafe hat Wimpfeiing, wie man fieht, 
geliebt; was er aber darunter verfteht, wird man fchwerlich erraten können, denn 
„acute nimis" blöken wenigftens nach unferer modernen mufikalifchen und fprachlichen 
Terminologie die Schafe nicht. Auch laut fich diefes Bild kaum gleichfetzen mit dem 
zuvor gertigten Gebrauch eines Diphthongs ftatt einer einfachen Länge, denn das 
Blöken ift auch nicht diphthongifch zu nennen. Somit ift mit dem erften Satz kaum 
etwas anzufangen ; derfeibe wirft ohnehin fehr verfchiedenartige Völkerfchaften in einen 
Topf, die wohl um 1500 nicht einmal in Bezug auf ihr Verhalten zu den neuen 
Diphthongen ei, au, eu harmonieren mochten. Dagegen fcheint der zweite Satz vor- 
wiegend („praecipue") auf die Schwaben zu gehen, und da ift nun zunächft das „ai vel ei tt 
ftatt e (e) eine fehr paffende Parallele zu dem bei Brafficanus gerügten naos ftatt nös ; es 
wird alfo fchon um 1500 (falls die Schlußausführungen meines erften Auffatzes richtig find) 
im Schwäbifchen, d. h. fpeziell im Württembergifchen, ai (ae) für altes e gefprochen 
worden fein, alfo fae für fö (lacus), klae für klfe u. f. f., und diefe Ausfprache wurde auf 
das Latein übertragen. Wie fteht's aber mit caufa und cafus? Man kann hinfichtlich 
des erften Wortes an die Vorgänge in romanifchen Sprachen erinnern, die aus caufa ihr 
cofa, chofe gemacht haben; und auch im Deutfchen ift ja altes ou (jetzt fchwäb. ao) 
und ö urfprünglich identifch, und jenes naos ftatt nös zeigt, daß die jetzt im Schwä- 
bifchen übliche Diphthongierung von ö zu ao fchon damals üblich war. Aber das 
beigefügte Beifpiel cafus macht etwas anderes wahrfcheinlicher, nämlich die Verwechs- 
lung des alten ä, das damals oft au gefchrieben wurde (graufe, fchauf, jaur u. ä.) 
und im Often Schwabens, befonders im Ulmifchen, fowie auch in der Baar noch jetzt 
au (ao) gefprochen wird, mit echtem au. Jenes ä lautet fchwäbifch jetzt zumeift ä; 
war das damals fchon neben au gebräuchlich, fo erklärt fich die Verwechslung von 
a und au fehr einfach. Das Ineinanderübergehen der beiden Laute ä und au zeigt 
auch im modernen Schwäbifch noch der Dialekt des Nordoftens, wo altes ou zu ä ge- 
worden ift (fra Frau, gläba glauben). Zweifellos aber fcheint mir aus diefen und 
anderen Beweifen zu erhellen, daß gar manche Erfcheinungen unferer modernen Mund- 
art fchon ein fehr ehrwürdiges Alter aufzuweifen haben. 

*) Ich wage nicht zu entfcheiden , ob die Stelle im 30. Kapitel von einem „Draidum 
inftitutor, qui in elegia noftra de triplici candore Mariae ,acum' pro ,auca' intellexerat" auch 
hieher zu ziehen fei. Es ift auch nicht gefagt, ob diefer Inftitutor ein Schwabe war oder nicht. 



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48 Boffert 

Die Zerftörnng von Enzberg 1384. 

Von G. Boffert. 

Über diefes Ereignis giebt Chr. Fr. v. Stalin 3, 338 auf Grand einer Ur- 
knnde des Pfalzgrafen Ruprecht eine kurze Notiz. Die OA.Befchr. Maulbronn nennt 
die Veranlaffung zu dem Zufammenftoß der Ritterfchaft mit der Fürftenmacht vor 
den Thoren von Enzberg S. 179. 220 (wo ftatt 1388 1384 zu lefen ift). Sonft ift 
der Fall der ftarken Burg wenig erwähnt (weder bei Sattler oder Steinhofer noch 
bei Vierordt), noch weniger näher beleuchtet. Die Zeitfchrift für den Oberrhein B. 23, 
464 teilt aus dem Mainz -Afchaffenburger Ingroffaturbuch No. 10 fol. 260 2 kurze 
Regeften von Urkunden mit, welche hieher gehören, nämlich: 

1. Den von Pfalzgraf Ruprecht dem Älteren und den Herrn von Enzberg 
gefchloffenen Stillftand, welchen Markgraf Bernhard von Baden zu Enzberg ver- 
mittelt hatte, d. d. 12. Sept. 1384. 

2. Einen Fehdebrief Erzbifchof Adolfs von Mainz gegen Georg von Enzberg, 
welcher den eben genannten Stillftand wieder gekündigt hatte. Eltvil fer. 4. ante 
feft. Martini 8. Nov. 1384. 

Durch die Güte des Herrn Oberftudienrat Dr. v. Heyd war es mir möglich, 
für anderweitige Studien ein Pfalzer Kopialbuch der königl. öffentlichen Bibliothek 
aus dem Ende des 14. Jahrhunderts Fol. 395 zu benützen. Dasfelbe enthielt auch die 
Urkunde vom 12. September 1384 und weitere Sühne- und Entfehädigungsverträge 
der Enzberger mit dem Pfalzgrafen. 

Es ift nun möglich, die bisherige Darfteilung in einigen Punkten zu ergänzen. 
Die Veranlaffung zum Heereszug des Pfalzgrafen und die ganze Tragweite des Handels 
wird klarer. War doch eine große Anzahl ritterlicher Herren, darunter auch folche 
vom Kocher und der Jagft, zur Verteidigung von Enzberg herbeigeeilt. Daß diefe 
Gegner des Pfalzgrafen damals fchon dem Schleglerbund angehört und diefer Bund 
alfo fchon 1384 exiftiert hätte, wie die OA.Befchr. Maulbronn S. 179 im Gegenfatz 
zu Stalin 3, 300. 362 annimmt, beftätigt die Urkunde nicht. Weder der Name 
Schlegler wird erwähnt, noch eine weiter als ad hoc gehende Vereinigung vor- 
ausgefetzt. 

Den Anlaß zur Fehde ergiebt ein Sühnevertrag Abrechts (fic) Schuhlin von 
Enzberg vom Montag nach Pfingften 1387. Diefer hatte das Klofter Maulbronn 
gefchädigt, welches feit 1381 unter dem Schirm des Pfalzgrafen ftand. 

Die Pfalzgrafen Ruprecht der Ältere und Jüngere nahmen fich nun des 
Klofters an, worauf Abrecht Schuhlin auch ihnen ziemlichen Schaden that. Jetzt 
zog Pfalzgraf Ruprecht der Alte (f 1390) im Auftrag des K. Wenzel und namens 
des feit 1381 begehenden Landfriedensbundes am Rhein und in Schwaben vor Enz- 
berg. Ohne Zweifel unterftützte ihn hiebei Erzbifchof Adolf von Mainz. Aber die 
Enzberger hatten Zeit gehabt, eine ftattliche Anzahl von ritterlichen Herren zur 
Hilfe herbeizurufen. Der Zorn des Pfalzgrafen, der die Burg brechen wollte, wie 
die große Anzahl der Verteidiger läßt auf hartnäckige Verteidigung fchließen. Die 
Enzberger hatten auch einen Büchfenfchießer in der Burg. Doch läßt fich nicht 
feftftellen, wie lange die Belagerung dauerte. Jedenfalls faben ßch die Belagerten 
genötigt, die Burg vor dem 12. September (nicht 14. OA.Befchr. Maulbr. S. 179) 
zu tibergeben. Die Enzberger fuchten diefelbe noch vor dem drohenden Ruin zu 
retten, indem fie diefelbe dem Pfalzgrafen zum Lehen übergaben, aber diefer nahm 
die Übergabe nur mit dem feften Voriatz an, fie zu brechen, und die Enzberger 
mußten auf diefe Bedingung eingehen. 



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Die Zerftörung von Enzberg 1384. 49 

Weitere ftrenge Maßnahmen des Pfalzgrafen fachte Markgraf Bernhard von 
Baden abzufchneiden , indem er herbeieilte und eine Sühne zwifchen beideü Teilen 
am 12. September vermittelte. Er hatte ein Intereffe daran, denn ein guter Teil 
der Gefangenen waren feine Lehensleute. Diefelben wurden auf Urfehde entladen. 
Ihre Namen find: Machtolf von Dürrmenz (OA. Maulbronn), Hermann Botte von 
Königsbach (bad. bei Pforzheim), Gerhard von Straubenhard (bei Dennach OA. 
Neuenbürg, zu Gerh. v. St. vgl OA.Befchr. Neuenb. S. 139), Hans von Ditzingen 
der Junge (cf. OA.Befchr. Leonberg S. 109, 111), Albrecht von Dürrmenz, Wolf von 
Niefern (cf. OA.Befchr. Maulbronn S. 218), Wilhelm von Münchingen (OA.Befchr. 
Leonberg S. 215), Albrecht Enzberger, Ottemann von Seibach (bei Gernsbach, Z. f. 
d. Oberrh. 5, 454. 31, 259), Wolf von Frauenberg der Junge (Fr. OA. Stuttgart 
abg. OA.Befchr. Stuttg. S. 156, Leonb. S. 110), Friedrich von Dürrmenz, Conz und 
Reinhard von Schmalenftein (von Schm. bei Weingarten bad. Amt Durlach, faßen 
auch zu Straubenhard, Sattler Grafen 2, Beil. S. 182), Dieter von Ifingen (bei Pforz- 
heim, gehörte zum Gefchlecht der H. v. Illingen OA.Befchr. Maulbronn S. 237), 
Wolf Meifer (von Malmsheim OA.Befchr. Leonb. S. 193, Z. f. Oberrh. 6, 342. 9, 97 f. 
12, 226), Hans Schwarzenberger (von Schwarzenberg bei Waldkirch bad. Z. f. d. 
Oberrh. 10, 105), Retzelin von Wiefenbach (OA. Gerabronn), Conz von Erlingshaufen 
(Ellrich8h. OA. Crailsh.), Götz v. Nagelsberg (OA. Künzelsau), Conz Machtolf der 
Junge, Machtolf und Friedrich von Frifingen (wo ?), Edelknechte, Conz Rumeier 
(von Enzberg cf. OA.Befchr, Maulbronn S. 219 Z. f. d. Oberrh. 5, 221), Heintz von 
Schwarzach (wo ?), Bertholt Büchfenfchießer, Wernher Sporer, Heinz Keffeler, Rudolf 
von Weiblingen, der Loucher, der Geyfler, Conzlin Weichimliebe , Gerhard von 
Ruxingen (ILRiexingen OA. Vaihingen), der Heberlin, Fritz Woler, der Memminger, 
Walter Zimmermann, Hohenecker der Maurer, der Seidener, Conzlin Keller, Hans 
Eckenwiler , Heintz von Weiblingen der Schwarze , Hans Enzberger der Lange, 
Hans Ackerknecht, Bottenloch der-Muclinger, der Flügel, Heinz Ockers, Wirmynn 
der Thurnmann, Beirmann der Thormann und Bertholt der Bäcker. 

Das lange Verzeichnis lehrt uns nicht nur die Freunde der Enzberger kennen, 
fondern auch die Zufammenfetzung der Befatzung, die zu den Ihren notwendig neben 
dem Büchfenfchießer den Sporer und Keßler, den Maurer und Zimmermann, den 
Turmwächter und Thorwart zählte. 

Zwifchen dem Pfalzgrafen, den Herreu und Städten des Landfriedensbundes 
und König Wenzel einer- und Friedrich dem Altern , Hans und Goler Gebrüder, 
Georg, Abrecht Scbuhlin, Friedrich dem Jungen, alle von Enzberg und Machtolf 
von Mönsheim (OA. Leonberg. OA.Befchr. Leonb. S. 207) andererfeits wurde ein 
„Satz a (Vertrag, Waffenftillftand) beredet mit einjähriger Kündigungsfrift Wollen 
die Herren den Satz gegen die von Enzberg und Machtolf von Mönsheim auflagen, 
fo muffen de es in einem beflegelten, offenen Brief nach Pforzheim ankündigen, 
während der andern Partei Heidelberg als Ort der Kündigung beftimmt wird. Ein 
gleicher Satz wurde zwifchen Erzbifchof Adolf von Mainz und Friedrich dem Älteren, 
Goler und Hans von Enzberg mit Auflage nach Pforzheim, beziehungsweife Bruchfal 
feftgeftellt. Alle gegenfeitigen Anfprüche auf Schadenerfatz wegen Brandfehatzung, 
„ungegeben" Geld u. f. w., follen von beiden Seiten, Kl. Maulbronn eingefchloffen, 
niedergefchlagen werden. 

Der Vertrag wurde befiegelt von Markgraf Bernhard, Friedrich dem Älteren, 
Hans und Goler Gebrüder, Georg, Abrecht Schuhlin, Friedrich dem Jungen, alle 
von Enzberg, Machtolf von Mönsheim, Machtolf von Dürrmenz, Hermann Botte von 
Königsbach und Gerhard von Straubenhard. 

Wflrttemb. Vierteljahrshefte 1887. 4 



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50 Schneider 

Doch waren mit dem Vertrag vom 12. September noch nicht alle Gemüter 
beruhigt Georg von Enzberg kündigte den Stillftand, worauf ihm Erzbifchof Adolf 
von Mainz am 8. Nov. von Eltville aus alsbald wieder Fehde anfagen ließ. Ein 
Gleiches wird wohl von feiten des Pfalzgrafen gefchehen fein. 

Auch Abrecht Schuhlin vertrug fich erft Montag nach Pfingften den 27. Mai 
1387 gänzlich mit dem Pfalzgrafen. Er wurde Dienftmann der Pfalz und gab Güter 
im Wert von 200 fl. zu Kiefelbronn der Pfalz zu Lehen. Den Vertrag flegelten 
Hans von Ditzingen, genannt Edelmann (diefer Beiname ift der OA.Befchr. Leonberg 
unbekannt) und Hans von Gärtringen. 1396 hatte Abrecht Schuhlin die Güter in 
Kiefelbronn an das Klofter Maulbronn verkauft. Deshalb gab er Sonntag vor St. Galli 
den 15. October mit feiner Hausfrau Urfula Spetin von Bach den Hof Waldmatt bei 
Windeck, im Eirchfpiel Otter weiler und im Gericht zu Acher (fic) gelegen, den 
er von Hans Spet, einem Vetter Urfula's, erkaufte, mit Mund und Halm vor dem 
Gericht zu Achern dem Pfalzgrafen zu Lehen. 

Aber noch waren Mitglieder der Familie von Enzberg vorhanden, welche 
durch die Zerftörung der Hausburg gefchädigt worden waren, ohne daß fie bei der 
Fehde beteiligt gewefen wären. Sie erhoben Anfpruch auf Schadenerfatz. Der 
Pfalzgraf fand fich 1397 mit ihnen ab, fo Dienstag nach Michaelis 2. October mit 
Frau Ofel von Lamersheim, Witwe Conrads von Enzberg, und auf Grund diefes 
Vertrags am Montag nach Simonis und Judä 29. Oktober mit den Gebrüdern Conrad 
und Friedrich von Enzberg, welche letztere 700 fl. erhielten. Bei diefen Verhandlungen 
waren Reinhard von Remchingen, Vogt zu Pforzheim, Albrecht von Berwangen, 
Vogt zu Befigheim, und Wiprecht von Helmftadt, Vogt zu Bretten, die Vermittler. 
Die Burg Enzberg aber mußte ein Trümmerhaufe bleiben. 



Die Burgkapellen auf Achalm und Sperberseck. 

Von Archivfekretär Dr. Schneider. 

Von den alten Kapellen der Burgen Achalm und Sperberseck bei Guten- 
berg OA. Kirchheim ift bis jetzt kaum das Vorhandenfein bekannt. Erft in neuerer 
Zeit in das K. Staatsarchiv gelangte Urkunden geben einigen Auffchluß. 

Die Kapelle auf Achalm kommt im 15. Jahrhundert häufig vor. Wem 
fie geweiht war, erfahren wir aus Gültbriefen: 1417 wird S. Georg zu Achalm genannt, 
1423 S. Georg und die Heiligen gemeinlich in der Kapelle zu Achalm in der Felle 
gelegen, 1453 und 1456 der liebe Heilige und Ritter S. Jörg, der gnädig 1 ) ift auf 
Achalm der Burg. 

Ein Gtiltbrief von 1511 lautet für Meifter Hans Gerber, Pfarrer zu Eningen 
und Dechant des Reutlinger Kapitels als Pfleger des heiligen Ritters S. Georg auf 
Achalm dem Schloß. Nach der Reformation wurden die Gefalle des Heiligen vom 
geiftlichen Verwalter zu Urach eingezogen; 1555 betrugen fie 10 Pfd. 14 Seh. 8 H. 
Noch 1624 wurden fie abgeändert verwaltet. 

Reicher dotiert als die Kapelle auf Achalm war die zu Sperberseck. Über 
das Schickfal diefer Burg felbft ift fo gut wie nichts überliefert; wir werden fehen, 
daß fie famt der Kapelle jedenfalls noch am Anfang des 15. Jahrhunderts geftanden 
ift. 1385 März 19 verkauft Kraft von Sperberseck an S. Nikolaus und die Heiligen 
zu Sperberseck eine halbe Hube zu Böhringen; 1386 Mai 6 an die Heiligenpfleger 

l ) Alfo wurde zu ihm wegen damit verbundener Abiäffe ge wallfahrtet. 



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TAg Burgkapellen auf Achalm and Sperberseck. Zufammenkttnfte. 51 

der Kapelle des S. Nikolaus zu Sperberseck zwei Wiefen, gelegen vor Sperberseck. 

1404 März 9 verkaufen zwei Böhringer Bürger dem heiligen lieben Herrn S. Nikolaus, 
der rafbend 1 ) ift zu Sperberseck in der Burg in der Kirche (diefer Ausdruck kehrt 

1405 wieder) ein Gütlein zu Böhringen um 33 fl. 1424 Auguft 1 verkaufen Hans 
Schilling und Bete Schilling, Klofterfrau zu Kirchheim, dem großen Himmelsfürften 
und Heiligen S. Nikolaus der Kirche zu Sperberseck ihre Höfe zu Niederweiler (jetzt 
Strohweiler) und Böhringen um 112 fl.; 1453 September 1 Konrad von Höfen und 
Margarethe von Ow, feine Hausfrau, den Heiligenpflegern von S. Nikolaus zu Sperberseck 
und dem ganzen Gericht zu Böhringen Güter zu Gutenberg und Schlattftall um 169 7* fl. 
Nach 1453 erfcheint die Kapelle zu Sperberseck nicht mehr; dagegen begannen die 
Armenleute von Böhringen 1455 den Bau einer Kapelle im Orte, wozu Kraft von 
Lichteneck eine Sammlung veranftaltete. Derfelbe fcheint langfam vor fich gegangen 
zu fein, denn erft 1469 ftiftet derfelbe Kraft von Lichteneck mit bischöflicher Genehmig- 
ung eine fchon beim Beginn des Baus geplante Frühmeffe auf dem Altar des S. 
Nikolaus zu Böhringen; 

Da fchon 1386 der Schultheiß und ein Bürger von Böhringen Pfleger des 
Heiligen zu Sperberseck find, fo ift anzunehmen, daß die Nikolauskapelle diefer Burg 
der Pfarrkirche in Böhringen inkorporiert war und daß der Verfall der Burg vom Anfang 
des 15. Jahrhunderts an die Kapelle mit der Pfründe verlegen ließ. Die einzige Urkunde, 
welche fchon 1408 eine Nikolauskapelle zu Böhringen nennt, ift von einem Herrn 
von Sperberseck ausgestellt. Diefer hatte offenbar die Burg fchon aufgegeben und 
nannte jetzt die Kapelle nach der Markung des Mutterorts, während fonft der Name 
S. Nikolaus zu Sperberseck erft allmählich verfchwand; oder war damals fchon der 
Bau der neuen Kapelle beabfichtigt und er hatte diefe im Auge. Der Nikolauspfründe 
zu Böhringen fchreibt denn auch ein Lagerbuch von 1555 das 1404 dem Nikolaus 
zu Sperberseck verkaufte Gut ganz, die 1424 derofelben verkauften Höfe zur Hälfte 
zu (die andere Hälfte war auf die Schillingskaplanei in Neuffen übergegangen). 

Gleich dem Heiligen auf Achalm fiel der zu Sperberseck-Böhringen der geift- 
lichen Verwaltung Urach zu. 



') d. h. feine Statue ftand auf dem dortigen Altare. 



Znfammenkfinfte der Mitglieder und Freunde des Wflrtt. Altertumsvereins. 

1886. Dezember 4. Vortrag von Profeffor Dr. Schanzenbach über Mömpelgardifches. 

1887. Januar 8. Vortrag von Archivrat Dr. Stalin über die älteften Quellen der 
württembergifchen Gefchichte. 

Jan. 22. Vortrag von Oberftlieutenant a. D. v. Kaifer über Argentovaria = Hor- 
bnrg im Elfaß. 

Febr. 19. Vortrag von Oberftudienrat Dr. v. Heyd über die Goten in der Krim. 

März 5. Vortrag von Dr. med. Salz mann d. Ä. in Eßlingen über die Hexenprozefle 
der Reichsftadt Eßlingen. 

März 19. Vortrag von Prof. Dr. Sievers in Tübingen über Ziele und Wege der 
neueren Sprachwiffenfchaft. 



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52 



Hiftorifeher Verein far das Württembergifche Franken. 



Ausgrabung des Römerkaftells in Murrhardt 

Mitgeteilt von Oberpräzeptor Drück in Backnang, jetzt Profeflbr am Gymnafium in Reutlingen. 

Im Lauf des Sommers 1884 wurde zu Backnang ein hiftorifch-antiquarifcher 
Lokalverein gegründet unter dem Namen „Altertumsverein für das Murr- 
thal und Umgebung," welcher jetzt über 200 Mitglieder zählt und eine eigene 
Sammlung zu Backnang befitzt (Vereinsvorftand OA.Baumeifter Hämmerte). Bald 
uach feiner Konfinierung hatte (Ich der Verein zur Aufgabe gemacht, das romifche 
Kaftell auf der „Bürg" bei Murrhardt, deffen urfprünglicbes Vorhandenfein durch 
Tradition (Name „Bürg"!) und die einfchlägige Litteratur erwiefen war, aufzugraben, 
bezw. durch Nachgrabungen näheres über deffen Umfang und Anlage, die Thore 
und etwaigen Türme, die Konftruktion der Umfaffungsmauern, die Lage des Präto- 
rium8 u. f. w. zu erforfchen. 

Das Murrhardter Kaftell liegt im Gegenfatz zu den andern Limes- 
kaftellen, die nicht leicht über V2km vom Limes entfernt find, auffallend weit, 
nämlich IVakm, hinter demfelben, eine Lage, die wohl aus ftrategifchen Gründen 
fo gewählt wurde, weil das Kaftell außer dem Murrthal zum Teil auch noch das 
Tbälchen des bei Murrhardt einmündenden Siegelsbach zu fperren hatte und über- 
dies erft hier das Murrtbal fich fo erweitert, daß die Anlage eines Kaftells auf einem 
etwas freier gelegenen Platze ermöglicht war. Beiläufig bemerkt erfcheint mir 
gerade die Lage der Limeskaftelle an ftrategifch geeigneten, wenn auch etwas ent- 
fernteren Punkten dafür zu fprechen, daß, entgegen der neuerdings fo beliebten An- 
ficht, welche als Hauptzweck des Limes die Demarkation und Erleichterung der 
Grenzkontrolle und auch der Zollerhebung anfieht und den Grenzkaftellen faft nur 
die Bedeutung von Einlaßthoren zuweift, bei der Anlage des Limes und feiner 
Kartelle doch in erßer Linie an deren Verwendung zu militärifchen Zwecken ge- 
dacht wurde. 

Obgleich das Kaftell von Murrhardt fich nicht genau von Weßen nach Often 
hinftreckt (fondern mehr fo, daß die öftliche Schmalfeite ungefähr die Richtung des 
fchnurgerade nordnordweftlich ziehenden Limes hat), fo möge doch im folgenden der 
belferen Orientierung wegen die der Stadt zugekehrte Langfeite die Nordfeite und 
die dem Wald Riesberg zugekehrte die Südfeite genannt werden. 

Schon durch den in den Jahren 1876 — 78 ausgeführten Straßenbau von 
Murrhardt nach Vorderweftermurr, der gerade auf der „Bürg" feinen Anfang nahm, 
war die fteinerne Umwallung des Kaftells durchfchnitten , jedoch weiter nichts 
Nennenswertes gefunden worden, als ein Stück von einem glafierten Wafferleitungs- 
rohr (cf. Herzog in den Württ. Vierteljahrsbeften 1880 S. 118), welches römifchen 
Urfprangs ift and fich jetzt in der Vereinsfammlung befindet. 

Unfere Ausgrabungen wurden, mit Unterbrechungen, in der Zeit vom 23. Febr. 
bis 14. März und vom 9.-23. Nov. 1885 unter Aufficht von Apotheker Hörn und 
Stadtbaumeifter Daniel von Murrhardt vorgenommen. Zunächft wurden auf ver- 
fchiedenen Grundftücken auf der „Bürg" Probefchlitze gezogen. Dabei ftieß man 
überall 40— 90 cm unter der jetzigen Oberfläche auf eine 20 — 50 cm ftarkeBrand- 
fchicht, welche beweift, daß das Murrhardter Kaftell, wie andere Römerkaftelle, 



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Drück, Ausgrabung des Römerkaftells in Murrhardt. 53 

feinerzeit von den eindringenden Germanen durch Feuer zerftört wurde« Beiläufig 
fei hier bemerkt; daß den vorgefundenen Brandfchnttlagen , deren obere Schichten 
fich im Lauf der Jahrhunderte notwendig in fehr ertragsfähigen Humus verwandeln 
maßten, zum nicht geringen Teil die beinahe ausfchließliche Benützung des Kaftell- 
areals zu GemüTegärten zuzufchreiben ift. Für die Ausgrabungen indes war die 
ftarke Parzellierung wegen der vielen mit den betreffenden Grundbefitzern abzu- 
fchließenden Verträge erfchwerend. Sodann wurde auf der Weftfeite ein längerer 
Schlitz rechtwinklig auf die mutmaßliche Wallmauer getrieben , wobei man nicht 
bloß auf die Fundamente derfelben, fondern auch auf die vor dem Wall herlaufen* 
den zwei Parallelgräben ftieß. Letztere ließen fich daran erkennen, daß ge- 
wachfener und aufgefüllter Boden abwechfelte. Die Fundamente der Wallmauer, 
aus lauter Keuperfandfteinbrocken beftehend, wurden nun auf der Weftfeite auf eine 
Länge von ca. 100 m bloßgelegt, wobei fich die nordweftliche Ecke als abgerundet 
mit einem Radius von 15 m darftellte. Die Tiefe des ohne Mörtel hergeftellten, 
aber gut zufammengefügten Fundamentmauerwerks beträgt 90 cm, die Mauer ftärke 
auf genannter Seite im allgemeinen 1,10 m, im Bogen 1,40 — 1,80 m, an einer Stelle 
der Weftfeite jedoch, die eine auffallende, weil nicht durch die Befchaffenheit des 
Terrains erklärliche Abweichung von der Geraden aufweift, 2,60 m. Die ftidweft- 
liche Ecke, gleichfalls abgerundet, hat eine bedeutend größere Mauerftärke als die 
nordweftliche, nämlich eine folche bis zu 3,20 m. In gleicher Weife ift auch die 
auf der Südfeite an verfchiedenen Punkten erhobene Mauerftärke größer als die- 
jenige der Weftfeite, nämlich 1,50-1,80 m; jedoch immer dasfelbe Trockenmauer- 
werk. Die Mauerftärke der Oftfeite ift wieder etwas geringer als diejenige der 
Südfeite und entfpricht mehr den Hauptmaßen der Weftfeite. Ebenfo nähert fich 
die Konftruktion der nordöftlichen Ecke wieder mehr derjenigen der nordweftlichen. 

Als ganze Länge ergab fich auf der Nordfeite, an der Innenfeite der Um- 
faJTung8mauer gemeffen, 150 m, auf der Südfeite 160 m; die Breite auf der Oft- 
feite beträgt 110 m, auf der Weftfeite 130 m. Das Kaftell bildete alfo ein ziemlich 
verfchobenes Viereck, und die ganze Anlage mit Wall und Gräben hatte eine durch- 
fchnittliche Länge von 185 m und eine Breite von 150 m, umfaßte daher ein Areal 
von 280 Ar oder rund 9 württ. Morgen. Sicher gefunden wurden indes, wie be- 
merkt, außer den Gräben nur die Fundamente der Wallmauer, während letztere 
felbft, welche den fpäteren Anfiedlern von Murrhardt geeignetes und gefchickt zu 
gewinnendes Baumaterial bot, hiedurch faft fpurlos verfchwunden ift. Nur auf der 
Oftfeite fanden fich auf dem Fundamentmauerwerk Hefte einer aus rechtkantig zu- 
gehauenen Bruchfteinen beftehenden Mauer. 

Unklar ift uns bis jetzt noch geblieben, ob die Ecken mit Türmen verfehen 
waren, jedenfalls mehr als wahrfcheinlich , zumal andere Kaf teile gleichfalls Eck- 
türme hatten. Ich erinnere nur an das nächftgelegene Kaftell zu Mainhardt. 
Immerhin weifen die größere Mauerftärke der Ecken, vor allem die der födweftlichen, 
und das vorgefchobene Fundament der füdöftlichen darauf hin. Auch von Thor- 
türmen, bezw. deren Fundamenten fand fich bis jetzt keine andere Spur als ein 
um ca. 6 m vorgefchobenes Fundament in der Mitte der füdlichen Langfeite, rechts 
und links von der neuen Biesbergftraße, während auf der gegen die Stadt zu liegen- 
den Nordfeite die Fundamente an der genannten Straße in der Richtung der übrigen 
Mauer bleiben. 

Natürlich mußte alles Aufgegrabene wieder zugedeckt und der Boden wie- 
der eingeebnet werden, was auch gefchah, nachdem zuvor vom Vereinsvorftand und 
vom Verein8kaffier Geometer Haidien eine genaue Aufnahme der Ausgrabungen 



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54 Drück 

gemacht, diefelben auch in die Flarkarte eingezeichnet und außerdem auf dem aus- 
gedehnten Areal durch eingefchlagene Pflöcke markiert worden waren. Im übrigen 
verweife ich auf untenftehenden Situationsplan des Ausgrabungsfeldes. 

Römifche Funde wurden bei den Ausgrabungen im Frühjahr 1885 nur 
wenige gemacht. In der durch die erwähnten Probefchlitze erfchloffenen Brand- 
fchicht im Innern des Kartells fand fioh eine Menge Bruchftücke von römifchen 
Firft- und Falzziegeln, von Bodenplatten und Scherben von Gefäßen, letztere teils 
aus gewöhnlichem Thon, teils aus terra figillata. Aus einigen Scherben konnte ein 
Gefäß faft vollftändig wiederhergestellt werden. Dagegen wurde kein Töpferftempel 
und kein Eohortenftempel gefunden. Ferner wurde ein 3 cm langes Bruchftück 
einer urfprünglich glafierten thönernen Figur ausgegraben. Von Münzen wurden 



außer einer ftark verwitterten Kupfermünze nur zwei Silbermünzen mit fehr 
fchönem und fcharfem Gepräge gefunden. Die eine, 16 mm im Durchmeffer, ift eine 
Münze des Severus Alexander (222—235 n. Chr.). Der Avers zeigt einen Kopf 
mit der Legende IMPCMAVRSEVALEXANDAVG d. i. Imperator Caefar Marcus 
Aurelius Severus Alexander Auguftus; die Reversfeite trägt eine auf einem Stuhl 
mit Rückenlehne fitzende Frauengeftalt, welche einen Kranz in einen vor ihr ftehen- 
den Rauchaltar wirft; ringsum die Infchrift PMTRPCOSPP d. i. Pontifex Maximus, 
Tribunicia poteftate, Gonsul, Pater patriae. Die andere Silbermünze, 22 mm im 
Durchmeffer, zeigt einen Frauenkopf mit der Legende OTACILSEVERAAVG, auf dem 
Revers ein Nilpferd, darunter die Zahl IUI, und die Umfchrift SAECVLARESAVGG. 
Bekanntlich ift die Marcia Otacilia Severa die Gemahlin des Philippus Arabs (244 



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Ausgrabung des Römerkaftells in Murrhardt. 55 

bis 249 n. Chr.), unter welchem 248 die Feier des 1000jährigen Beftehens Roms 
begangen wurde (ludi faeculares), daher Saeculares Augufti. Bei der Aufgrabung 
der Umfaffungsmauern des Kartells wurden keinerlei Funde gemacht. 

Wichtiger waren unfere Funde gelegentlich der Ausgrabungen im Herbft 1885. 
Wir wurden da von einem Garten befitzer auf eine Stelle aufmerkfam gemacht , wo 
er beim Bebauen des Landes mit feinem Spaten auf Steine ftoße. Bei den an den 
betr. Punkten angeftellten Nachgrabungen fanden fich zwei große viereckige Sand- 
fteine, die fofort als Poftamente erkannt wurden. Bings um diefelben lagen im 
ganzen 21 Bruchftäcke von Infchriftplatten , meift mit der Schrift nach unten. Die 
Fragmente wurden nun forgfam ausgehoben und nach Backnang in die Vereins- 
fammlung transportiert, wo von dem Verfaffer zu- 
nächst 9 folche Bruchftücke als zusammengehörig er- 
kannt und zu einer urfprünglich 0,90 m breiten 
und 1,50 m hohen Infchriftplajte zufammen- 
gefetzt wurden. Die Infchrift, wie fie nun von mir 
ergänzt wurde, lautet folgendermaßen (vgl. neben- 
ftehende Zeichnung: zu deutfch: Dem Imperator Gäfar 

Marcus Aürelius Severus Pius Felix Au- 

guftus (hat diefen Denkftein gefetzt) die 24. Kohorte 
freiwilliger römifcher Bürger, die Severianifche , fehr 
ergeben feiner (des Kaifers) Gottheit. 

Die 3 kleineren Stücke in Z. 2, 7, 10: AR, 
E, S wurden erft als zugehörig erkannt, nachdem die 
Infchrift fchon ergänzt war. Auffallend ift im Ver- 
gleich mit andern Infchriften das ausgefchriebene 
MARCO ftatt bloß M. *) Das anfänglich der Zeilen- 
füllung wegen angenommene höchft anftößige IMPER 
ftatt IMP (cf. auch Korrefp.Bl. d. WD. Zeitfchr. V. 1) 

kann nun als befeitigt gelten, nachdem durch wiederholte Unterfuchüng des Steins 
erkannt worden ift, daß die erfte Zeile, wie es am Ende derfelben der Fall ift, 
fo auch am Anfang etwas weiter vom Rand abgeftanden fein muß. Zwifchen Severo 
und Pio ift mit einem Zweifpitz eine Zeile ausgemeißelt. Es kann dort nur 
das Cognomen ALEXANDRO geftanden fein, weil fonft kein Kaifer den Namen 
M. Aur. Severus führte. Bekanntlich wurden manche Kaifer nach ihrem Tod auf 
Senatsbefchluß förmlich verflucht uod ihre Namen aus den Infchriften öffentlicher 
Denkmäler getilgt (cf. u. a. Sueton Dom. 23). Begreiflicherweife konnten aber auch 
aus befonderem Haß einzelner Kaifer oder Statthalter die Namen anderer Kaifer 
oder anderer hervorragender Männer aus den öffentlichen und zum Teil auch 
privaten Denkmälern getilgt werden. So finden fich befonders häufig die Namen 
folgender Kaifer ausgemeißelt: Oaligula, Nero, Domitianus, Gommodus, Caracalla, 
Geta, Elagabal, Galerius, Maximianus und Julianus. Aber auch die Namen anderer 
Kaifer find bisweilen getilgt, z B. des Severus Alexander, des Maximus, des Philippus 
Arabs (cf. die Infchriften aus Jagfthaufen im „Königreich Württemberg" I S. 171). 
Für die Rheinlande ift es fogar faft Regel, daß auf den dortigen Infchriften der 



') Ähnlich äußert fich Mommfen im Korrefpondenzblatt der WD. Zeitschrift V. 1 („aber 
das ausgefchriebene MARCO ift auch fchlecht genug"). Daß indeflen das Ausfehreiben des Vor- 
namens auch fonft, wenn auch feiten genug, vorkam, lehrt beifpielsweife ein Blick in Nummer 6 
des Korrefpondenzblattes (Jahrgang V), in der fich zwei Infchriften mit ausgefchriebenem Prae- 
nomen finden: D.M. MARCI ALPINI VIR1L1S (90) und MARCVS. SACRIVS etc. (96). 



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56 Drück 

Name des Severas Alexander ausgemeißelt ift, während der des Caracalla häufig 
unverletzt vorkommt Ebenfo ift aueh auf der gleich zu befprechenden Infchrift der 
Name M. Aur. Antoninus Pius Auguftus d. h. Caracalla nicht radiert. Warum bloß 
Alexandra und nicht der ganze Name getilgt ift, kann darin feinen Grund haben, 
daß M. Aur. ebenfo wie Severus für fich allein auch auf andere Kaifer bezogen 
werden konnten, freilich nicht in ihrer Verbindung M. Aur. Severus. Wir haben 
alfo hier eine Ehreninfchrift für M. Aur. Severus Alexander (222 bis 235 
n. Chr.) vor uns. 

Sodann wurde vom Verfaffer der Anfang einer zweiten Infchriftplatte 
aus 5 Fragmenten zufammengeftellt und die linke Hälfte eines gewaltigen, 22 cm 
dicken, ftarkverwitterten Bruchftücks, das den Schluß einer Infchrift enthält, ergänzt, 
worauf es nach einer im Januar 1886 hieher gelangten Zufchrift Hrn. Gymn.Direktor 
Haug in Mannheim, von dem die Zufammenftellung der röm. Infchr. und Bildwerke 

im „Königreich Württemberg" I S. 143 ff. herrührt, 
und gleichzeitig Hrn. Prof. Dr. Mommfen (cf. Kor- 
refpondenzblatt der W.D. Zeitfchr. V. 1) gelang, diefen 
Anfang und Schluß, fowie fämtliche bei der erften 
Infchriftplatte nicht verwerteten Fragmente zu neben- 
stehender Infchrift zufammenzufügen und zu ergänzen ; 
zu deutfch: Der Julia Augufta, der Mutter des aller- 
gnädigften Kaifers Marcus Aurelius Antoninus Pius 
Auguftus, der Mutter des Senats, der Mutter des 
Lagers, der Mutter des Vaterlandes (hat diefen Denk- 
ftein gefetzt) die 24. Kohorte freiwilliger römifcher 
Bürger, die Antoninianifche, ergeben feiner Gottheit. 
In Z. 6 bemerkte ich nachträglich einen Apex 
und daneben den Reft eines die Höhe der übrigen 
Buchftaben überfchreitenden I, die es mir unmöglich 
machten, an die Richtigkeit von Mommfens Ergänzung 
P. F. AVG zu glauben. Gymn.-Dir. Haug, von mir 
hierauf aufmerkfam gemacht, ergänzt nun PHAVG, was 
unzweifelhaft richtig und für die genaue Beftimmung der Infchrift nicht ganz unwichtig 
ift. Ein ähnliches über die Linie hinausragendes I findet fich auch in der letzten Zeile 
in EIVS, während in der Infchrift für Alexander Severus an diefer Stelle zwei I 
ftehen. Der Buchftabe L ift in Z. 2 und 10, wie es auch fonft vorkommt (cf. 
Korrefp. d. W.D. Zeitfchr. V. S. 103), dem I faft gleich gebildet. Die Buchftaben 
der letzten Zeile find, was fich häufig findet, infolge von Mangel an Raum etwas 
kleiner als die der übrigen. Die Punkte find, foweit fie noch deutlich zu erkennen 
find, dreifpitzig. Die fehlerhafte Schreibung von mattri in Z. 7 (das kleine T über 
dem R ift ganz deutlich zu erkennen) ift wohl durch die Ligierung von TR her- 
vorgerufen. Auch bei diefer Infchriftplatte ift die Höhe 1,50 m und die Breite 
0,90 m. Die Breite des Randes variiert zwifchen 8—9 cm. 

Die Infchrift ift der bekannten Julia Domna, der Mutter des Kaifers 
Caracalla (211—217 n. Chr.), gewidmet. Zwar führt auch Elagabal (218—222) 
die Namen M. Aur. Antoninus, fo daß darnach auch deflen Mutter Julia Soaemis 
gemeint fein könnte. Dagegen fpricht jedoch der Umftand, daß Elagabal immer Pius 
Felix Auguftus heißt, während Caracalla meiftens die Beinamen Pius Auguftus (oft 
freilich auch bloß Auguftus oder Pius Felix Auguftus oder Pius Felix Invictus Auguftus) 
führt, wie auf unferer Infchrift. Eine dem Caracalla und feiner Mutter Julia an- 



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Ausgrabung des Römerkaftells in Murrhardt. 57 

läßlich feines Sieges über die Alemannen im Sept. 213 gewidmete Ehrcninfchrift 
war auch in Meimsheim 1838 entdeckt worden. Infolge diefes Sieges hatte Garacalla 
den Beinamen Germanicus angenommen. 

Die Fundftätte der beiden Poftamente, in deren unmittelbarer Umgebung 
auch die Infchriftfragmente gefunden wurden, liegt auf der Längenacbfe des Kartells, 
90 m von der Oftfeite und 65 m von der Weftfeite entfernt, alfo näher bei der 
porta decumana, zweifelsohne an der Stelle des Prätoriums. Die Poftamente felber, 
von rechteckiger Grundform, find 1,12 m lang, 0,85 m breit und 0,38 m hoch, mit 
einem 17 cm hohen, fehr fteilen Faßen verfehen, fo daß die obere glatte Fläche 
1 m lang und 0,65 m breit ift. 

Das Nächftliegende wäre nun anzunehmen, daß auf den Poftamenten die 
Infchriftplatten ftanden. Gymn.-Dir. Haug ift der Anficht, daß auf den Poftamenten 
die Statuen der Perfonen ftanden, auf welche fich die lnfchriften beziehen, alfo auf 
dem einen der Kaifer Severus Alexander, auf dem andern Caracallas Mutter Julia 
Domna, beide Statuen errichtet von der 24. Kohorte freiwilliger römifcher Bürger. 
Die Veranlagung zur Widmung der Infchrift, bezw. zur Errichtung der Statue der 
Julia Domna mag vielleicht eben jener Sieg über die Germanen gegeben haben ; to- 
nnt würde fie noch in das Jahr 213 oder kurz nachher fallen. 

Daß die Coh. XXI III Vol. C R in Murrhardt lag, wiffen wir fchon aus 
den früher gefundenen lnfchriften (cf. „Königr. Württ." 1 S. 165 f.), wird alfo durch 
die beiden unferigen nur beftätigt. Aus den erfteren willen wir übrigens auch, daß 
fie von einem Tribunen befehligt wurde; ferner, daß Teile derfelben iu Benningen 
lagen (cf. „Königr. Württ/' I S. 159; vielleicht auch in Steinheim, ebendaf. S. 160), 
was beiläufig bemerkt ein Beleg dafür ift, daß die Kartelle der Neckarlinie und des 
Limes einander entfprochen haben, fo Cannftatt — Welzheim, Benningen— Murrhardt, 
Walheim — Mainhardt u. f. w. Die Namen Antoniniana und Severiana, 
welche die 24. Koh. auf beiden Iufchriften führt, find nur vorübergehende Beinamen, 
hergeleitet vom Namen des jeweiligen Kaifers, welche fich auch als Beinamen für 
andere Truppenteile finden, fo inuerhalb Württembergs Severiana für die 22. Legion 
auf einer Infchrift aus Waiblingen (cf. „Königr. Württ." I S. 155), Antoniniana für 
die 8. und 22. Legion auf zwei Infclir« aus Cannftatt (cf. „Königr. Württ." I S. 155 
und 156). Der Beiname Antoniniana kann natürlich auf mehrere Kaifer fich be- 
ziehen; jedoch wird in den meiften Fällen an Caracalla zu denken fein, von dem 
ja bekannt ift, daß er fich viel in den nördlichen Provinzen des Reiches aufhielt 
und bei feinen Soldaten, den römifchen Bürgern wie den germanifchen Hilfstruppen, 
äußerft beliebt war (cf. u. a. Herodian IV 7 und 13; Dio 77, 13). 

Was endlich die technifche Ausführung der beiden Infchriftplatten 
betrifft, fo ift fie bei derjenigen für Severus Alexander eine pünktlichere und zeigt 
auch eine gleichmäßigere Form und Verteilung der Buchftaben, während die andere 
Infchrift Ligaturen auf weift, fo NT, TR, NI, ND, ATR, ferner kleinere oder in 
andere eingefchriebene Buchftaben (o, v) zwifchen den gewöhnlichen. 

Das Steinmaterial zu den Infchriftplatten und den Poftamenten ift der 
Struktur nach den jetzt noch beftebenden Schilffandfteinbrüchen am Riesberg, nur 
500 m vom Kaftell entfernt, entnommen. Die fcheinbare Verfchiedenheit des Stein- 
materials und der Schrift der zweiten Infchriftplatte , infolge deren die Zusammen- 
gehörigkeit der Fragmente anfänglich verkannt wurde, läßt fich nun fo erklären, 
daß die Platte zuerft zerfchlagen wurde und daß dann das obengenannte große 
Bruchftück fo zu liegen kam, daß es durch den nachherigen Brand des Kaftells 
nicht gefchädigt wurde, während die andern Stücke tüchtig durchgeglüht wurden; 



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58 Boffert 

daher haben fie ihre rötliche Färbung, und daher find fie auch nicht fchräg, wie 
das große Bruchftück, fondern fenkrecht und horizontal gefprungen. 

Nur zu erwähnen ift noch, daß auf demfelben Platze wie die Infchriftfteine 
auch noch ein Stück eines Säulenfchaftes von 0/70 m Höhe und 0,32 m Durch- 
meffer mit primitiver Plinthe ausgegraben wurde. Der Stein ift nur roh mit dem 
Zweifpitz zugehauen, fei es nun, daß die Säule unvollendet geblieben oder abficbt- 
lich fo roh belaffen wurde. Die Bodenfläche zeigt ein Zapfenloch, dagegen keine 
Refte mehr von einer Verbleiung. 



Zur älteren Topographie Württembergs, besonders im Codex Laureshamenfls. 

Von Guftav Boffert. 
4. Bunningen-Banigen. 

Im Jahr 779 gab ein Kunibert all feinen Befitz in Hochdorf, Groningen, 
wohl Markgröningen , Ingelheim (Groß), Vaihingen, Stangenbach OA. Weinsberg, 
Wulfingen, abg. bei Forchtenberg, Adelsheim, Wächlingen, abg. bei Ohrnberg OA. 
Öhringen (nicht Hornberg W. U. 2, 438.), Bunningen und Lautern (Altlautern OA, 
Weinsberg) und zu Saulenheim im Wormsfeld an das Klofter Fulda. W. U. 2, 436. 
Mit diefer großen Schenkung hatte Kunibert nicht begonnen, fondern hatte erft nur 
feinen Befitz in Bunningen, Lautern und Saulenheim an das Klofter abgetreten. Trad. 
Fuld. ed. Dronke C. 4, 16. 

Im Jahr 779 erweiterte er die Schenkung in der oben angegebenen Weife, 
aber in einer dritten Aufzeichnung erfcheint diefe Schenkung noch erweitert, indem 
Kirchheim am Neckar, Bottwar und Heffigheim hinzugefügt find. Trad. Fuld. 4, 124. 
Die in der Urkunde von 779 genannten Orte erfcheinen wörtlich und in derfelben 
Ordnung in Trad. Fuld. 3 , 29 noch einmal , werden aber dort 4 Männern , die auch 
in Zargenheim das Klofter Fulda begabten, zugefchrieben, nämlich Hageno, Hartnant, 
Gebehart und Rathere. Der Herausgeber der Traditiones Fuldenfes Dronke nimmt 
hier einen Irrtum an, der Schreiber des Traditionencodex Eberhard habe hier zwei 
Urkunden zufammengezogen und fo den 4 Männern, welche nur die Schenkung in 
Zargenheim machten, irrtümlich auch die Kuniberts zugefchrieben. Es ift das immerhin 
möglich, aber zu beachten ift doch, daß wenigftens Rathere auch im Kochergau Besitz- 
ungen hatte, die er an das Klofter Fulda vergabte. Nach c. 4, 53 giebt ein Rathere 
feine Befitzungen im Dorf Kocheren am Kocherfluß famt vielen Leibeigenen an das 
Klofter. Es wäre immerhin möglich, daß Eberhard recht hätte und jene 4 Männer 
infolge von Erbteilung an denfelben Orten wie Kunibert Befitz gehabt hätten. Be- 
trachten wir nun die Schenkung Kuniberts näher, fo erheben fich 2 Fragen: 1. Wo 
ift Bunningen? 2. Wer ift Kunibert? 

1. Offenbar zählt die Urkunde die Schenkungen Kuniberts in einer gewiffen 
Ordnung auf. Die erfte Reihe befchreibt annähernd einen Kreis, der von Hochdorf 
OA. Vaihingen aus über Groningen und Ingersheim wieder in den Enzgau nach 
Vaihingen zurückkehrt. Ganz ähnlich ift die Sache bei der zweiten Reihe von Orten. 

Da geht die Aufzählung aus von der Gegend füdlich von Löwenftein, wendet 
fich zum Kocher nach Wulfingen, geht hinüber nach Adelsheim, kehrt dann zum 
Kocher bei Wächlingen und dann nach Lautern bei Löwenftein zurück. Nur Bunningen 
würde mit einemmal £ die Ordnung unterbrechen, wenn es, wie das Urkundenbuch 
annimmt, das fonft als Bunningen bekannte Benningen am Neckar OA. Marbach wäre. 



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Zur filteren Topographie Württembergs. 59 

Wir tollten dann erwarten, es würde nicht im zweiten, fondern im erften Kreis der 
Schenkungen zwifchen Groningen und Ingersheim genannt. Diefe Unzuträglichkeit 
hat fchon H. Bauer mit feinem feinen Ortsfinn herausgefühlt. In der Befprechung 
der erften beiden Bände des Urkundenbuchs in der Zeitschrift für W. Franken 5, 80 
fchreibt er: „Daß Bunningen zwifchen Wächlingen und Lautern fteht, deutet mehr 
auf einen Ort in diefer Gegend als auf Benningen am Neckar. Sollte vielleicht Butinga 
gemeint fein, Langenbeutingen?" Diefe Vermutung ift deswegen nicht wahrscheinlich, 
weil der Ort dreimal wiederkehrt und kaum dreimal verfchrieben fein kann. Und 
doch war Bauer nahe daran das Richtige zu treffen. Das Stift Öhringen hatte einen 
Zehntdiftrikt Banigen, der neben Eichach und Hohenfall genannt wird. W. F. 6, 116. 
Fränkifch gefprochen lautet der Name Bonigen, was den Übergang aus Bunningen 
erleichtert. Allerdings befragt man vergeblich die reiche Fundgrube von Wibels hohen- 
lohifcher Kirchen- und Beformationsgefchichte und ebenfo die Oberamtsbefchreibung 
Öhringen nach der genauen Lage des Ortes. Aber die Exiftenz der Lokalität fteht 
unbedingt feft. Auf Grund von anderweitigen Anhaltspunkten habe ich den Ort in 
der Befchreibung des Königreichs Württemberg als abgegangen bei Eichach Gem. 
Zweiflingen angegeben. 

2. Wer war Kunibert ? Schon die bis jetzt aufgeführten Schenkungen laffen 
ihn als einen fehr reichen und bedeutenden Mann erfcheinen. Bei der letzten Auf- 
zählung feiner Schenkung, in der auch Kirchheim, Bottwar und Heffigheim genannt 
find, giebt ihm Eberhard den Titel Graf. Man könnte vermuten, daß das nur die 
Dankbarkeit des Mönches that. Aber fehen wir die Ausdehnung feiner Befitzungen 
an, dann wird der Titel Graf ernfthaft zu nehmen fein, zumal derfelbe Kunibert als 
Graf zuletzt noch eine ähnliche reiche Stiftung an das Klofter Fulda machte. Un- 
mittelbar an den letzten Bericht über Kuniberts Schenkung im Enz-, Murr- und 
Kochergau fchließt fich die Notiz : idem Kunibertus comes tradit f. Bonifacio in Wert- 
heim, Biscofesheim, Kuffefe et in Rowilenheim, Heringesheim et in Kamerdinge, quic- 
quid proprietatis habuit tarn in agris quam filvis, pratis campis et familiis. Trad. 
Fuld. 4, 125. Es ift fchwer, diefe Orte ficher zu deuten, der Herausgeber der 
Fuldaer Traditionen hat an diefer Aufgabe verzweifelt. Ziemlich klar ift jedoch, daß 
die drei erften Namen nach dem öftlichen Franken weifen. 

Hier ift Wertheim, Bifchofsheim, entweder Tauberbifchofsheim oder Bifchofs- 
heim bei Haßfurt, und Kuffefe, das wohl Küps bei Kronach in Oberfranken ift. Heringes- 
heim ift Herchsheim bei Ochfenfurt, aber Rowilenheim und Kamerdingen weiß ich 
nicht zu deuten. An eine Verfchreibung für Rowilenheim = Saulenheim wage ich 
nicht zu denken, oder auch ohne weiteres Kamerdingen für das fchwäbifche Gamer- 
tingen zu nehmen. Was ift das nun für ein Gefchlecht, an deffen Spitze Kunibert 
fteht? Ein Gefchlecht, das um Vaihingen, am Kocher und im öftlichen Franken 
Befitz hatte, ift wohl kein anderes als das der fpäteren Grafen von Calw-Löwenftein- 
Vaihingen. Von ihrem Befitz an der Enz brauche ich nicht zu reden, den am Kocher 
hat H. Bauer W. F. 8, 236 nachgewiefen. Der Befitz am obern Main bei Schweinfurt 
ift von Stalin feftgeftellt. Wirt Gefch. 2, 383. Reg. 1161. 

Nun halte man neben einander jene rätfelhaften Eginone de Ura, die nach 
Aura an der Saale nordöftlich von Würzburg gehören, Stalin 2, 451 und die ziemlich 
gleichzeitig auftretenden Eginone von Vaihingen, Stalin 2, 382 und von Urach, welche 
letztere klar mit den Achalmern zusammenhängen, Stalin 2, 452. Weiter ziehe man 
in Betracht, daß Liutolt von Achalm fich durch Heinrich IV. plus quam mille manfiis 
in Oftfranken, darunter Bächlingen, — ich wage das trotz der fchwer wiegenden Autorität 
Riezlers im Fürftenberger Urkundenbuch nach immer erneuten Erwägungen feftzu- 



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60 Boffert 

halten — und Itzingen bei Neckarweftheim, alt Utzingen oder Uotzingen, mit anorga- 
nifchem N Nuotzingen oder, wie der Zwiefaiter Berthold fchreibt, Notzingen entreißen 
laffen mußte, cf, W. F. 9, 362 ff. 1 ). Weiter faffe man jenen Grafen Cuno de Buhil 
oder Botingen = Böttingen ins Auge, M. Germ. SS. X., 10, 85, den Baumann gewiß 
mit Recht zur Familie der Grafen von Achalm rechnet. Gaugraffchaften S. 82. Nur 
möchte ich als feinen Sitz Buhil nicht den Burgftall Hochenloch bei Böttingen OA. 
Münfingen, nachdem er de Botingen heißt, anfehen, fondern Bühl bei Rottenburg, 
was zum Sülchgauer Befitz der Achalmer paßt 2 ). Jener Graf Cuno de Buhil trat 
ins Klofter Zwiefalten. Nun berichtet uns Berthold von einem Cuono, vir illuftriffimus, 
nofter monachus, der dem Klofter 4 Hüben bei Pfullingen und eine in Adiloltesheim 
in Francia, d. h. Adelsheim fchenkte. Mon. Germ. 10, 109. Weiter beachte man, 
wie noch im Anfang des 12. Jahrhunderts ein fränkifcher Dynaft aus der Maingegend, 
Erkenbert von Dunkdorf, d. h. Thundorf bei Kiffingen, die Kirche in Heffigheim, 
alfo mitten im Gebiet der Grafen von Vaihingen und Calw, befaß. Cod. Hirfaug. f, 52 a.' 
Endlich möchte ich daran erinnern, daß ich gewagt habe, die Herren von Weinsberg- 
Bebenburg mit dem Haufe der Calwer in Verbindung zu bringen. W. V. J. 5, 304. 
Nun treten gleichzeitig mit Wolfram und Dietrich von Weinsberg-Bebenburg auch in 
Wertheim, wo wir den Grafen Kunibert begütert fanden, 1145 ein Graf Wolfram mit 
feinem Bruder Dietrich auf. Falle ich alle diefe einzelnen Momente zufammen, dann 
wird es nicht zu gewagt fein, wenn ich annehme, die Beziehungen des Grafenhaufes 
von Calw famt dem der Achalmer zum öftlichen Franken erheifchen dringend eine 
erneute Unterfuchung, und wenn ich unter die Ahnen des Calwer Haufes den Grafen 
Kunibert zähle. Zu den Verwandten Kuniberts aber wird man noch weiterhin 1. die 
Sippe des Suabulcdus, Maorlach, den Grafen, und feinen Bruder Anto, ihre Schwefter 
Hiltisnot (787 W. ü. 4, 318 und Cod. Laur. 1, No. 13. 3, 3400) zu rechnen haben. 
Ihr Befitz in Wächlingen, Möglingen, Baumerlenbach , Büttelhaufen abg. bei Eichach 
(Buttinesheim und Buttineshufen), in Pfahlbach, Öhlen (abg. bei Kocherfteinsfeld- 
Lampoldshaufen = Olleimo) berührt fich mit dem Befitz Kuniberts auffallend ; 2. aber 
auch den Diaconus Adelold, den ich für den Hofdiakon Adelold halte, 834 und 836. 
C. Laur. S. 55 und 57. Adelold fchenkt an Lorfch 818 Befitz in Beihingen, Geifingen, 
Ingersheim, Egolsheim, Benningen, Pleidelsheim, Höfen. C. Laur. No. 3504. Diefe 
Güter berühren fich auffallend mit dem erften Kreis von Gütern, die Kunibert an 
Fulda gab, f. o. Leider flehen mir die Jahrbücher des deutfchen Reiches nicht zur 
Verfügung, fo daß ich nicht konftatieren kann, ob Kunibert auch fonft genannt wird. 

5. Reginhershufen. 

Im Jahr 781 fchenkt eine Adelgart ihren Befitz in Reginhershufen (cf. Titel) 
in pago Enzigowe an das Klofter Lorfch, Nr. 2 390. Im Jahr 845 begabt ein Irlolf 
das Klofter im Murrgau zu Reginhereshufen und zu Steinheim, Nr. 3511. Stalin ift 
offenbar darüber zweifelhaft, ob beide Angaben auf einen Ort zu beziehen find. Band 
1, 314 zweifelt er an der Identität, da ihn die Verfchiedenheit des Gaus, in welchem 
R. liegt, irre macht, aber S. 387 bezieht er das Nr. 2 390 genannte R. doch auf Rie- 
lingshaufen. Mir fcheint die Identität beider Orte nicht zweifelhaft; denn die Gau- 
bezeichnung im Codex Laur. ift, wie fich klar bei Orten des Kraich- und Enzgaus 

l ) Zur Frage Bachilingen — Bächlingen bedenke man, daß jetzt auf einmal nach der 
Oceupation durcb Heinrich IV. im Pfarrbezirk von Bächlingen die Herren von Katzenftein 1099 
auftauchen. 

9 ) Vgl. auch Cod. Hirs. fol. 31a: Cuno et Kadolfus frater ejus de Buhele dedenint quid- 
qnid habuerunt fuper montem Egge, was ich für Eck, d. h. den Eckhof OA. Tübingen halte. 



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Zur älteren Topographie Württembergs. 61 

zeigt, eine fehr Süffige, was wohl mit der Identität der Grafen in den verfchiedenen 
Gauen zufammenhängt. Ohne Zweifel war 781 der Graf des Enzgaus auch Graf im 
Murrgau. Ich möchte den Grafen Kunibert dafür halten, f. oben S. 60. Seine Schenkung 
vom Jahr 779 deutet darauf hin. Daß aber Reginhereshufen Rielingshaufen ift, fcheint 
mir ziemlich ficher feft zu ftehen. Der Name, aus dem Rielingshaufen fleh entwickelt 
hat, Rudingshufen, kam erft auf, als in der Familie feiner Befitzer der Name Ruding 
gebräuchlich wurde, während es früher nach einem älteren Reginber genannt und fo von 
den andern Haufen wie Dietrichshaufen, Widegawenhaufen etc. unterfchieden wurde. In 
Nr. 3 511 fteht Reginhereshufen unmittelbar neben Steinheim, an deffen Markung es 
angrenzt, und mit dem es wohl auch früher kirchlich zufammen gehörte. 

6. Attunfteten. 
Im Jahr 863 vertaufchte Abt Eigelbert von Lorfch mit einem Edlen Folkuin 
Güter. Der Abt trat demfelben eine Wiefe in Asbach ab, wofür Folkuin dem Abt 12 
Morgen in Attunfteten gab. Beide Orte lagen im Murrgau. Der Abt mochte auf Ab- 
rundung feines Befitzes in Attunfteten, dem Steten, das einen Atto zum Herrn hatte, 
Wert legen. Nun hatte das Klofter 795 Befitz von Stetin im Murrgau erhalten, was gewiß 
das einzige Stetten im Murrgau ift, nämlich Erbftetten. Im Jahr 978 giebt ein Kleriker 
Wolvaid neben andern zahlreichen Orten des Murrgaus auch ein Woluoldeftete an Speier 
W. U. 1, 225. Sicher ift es unmöglich, dabei an Wolffelden zu denken und die Deu- 
tung auf Wolpersftetten bayr. LG. Höchftädt, das fpeyerifch war, welche das W. Ur- 
kundenhuch IV. 479 auf Grund meiner Begründung aus fränkifchen Beifpielen an- 
genommen, ift der auf Wolffelden weit vorzuziehen. Aber der Herausgeber des Ur- 
kundenbuchs hat gefühlt, daß der Zufammenhang einen Ort des Murrgaus fordert. 
Nun ich denke, der Name fagt es, welches Stetten gemeint ift, es ift eben das einzige 
Stetten des Murrgaus, das jetzt nach feinem Herrn Woluald = Woluold Woluoldftete 
heißt. Wenn in der Backhanger Urkunde von 1245, W.U. 1, 91 bald Eguerftetten 
bald Egenenftetten gelefen wird, womit jedenfalls Erbftetten gemeint ift, fo könnte es 
fcheinen, als wäre die Form Eguerft. als lectio difficilior vorzuziehen, und es ließe 
(Ich der Name als Umbildung ähnlich wie das fränkifche Equarhofen aus Eckeburg- 
hoven begreifen. Aber bis das* alte Eckeburghofen zu Equarhofen wurde, hat es Jahr- 
hunderte gebraucht. Die Form Eguerftetten für Eckeburg- oder Eckeberftetten fcheint 
mir für 1245 zu früh. Darum halte ich die Lesart Egenenftetten für die einzig zu- 
läffige. Der jetzige Name Erbftetten, von dem nicht einmal aus der Oberamtsbefchrei- 
bung zu konftatieren ift, feit wann er urkundlich vorkommt, und wie weit er volks- 
tümlich ift, läßt fich lautlich aus Eguerftetten doch nicht ableiten. Vielleicht ift es 
nur eine bureaukatifche Nachbildung von Erbftetten OA. Münfingen, das feinen Namen 
von einem Erbo oder Erpf hat. Ift die Form Egenenftetten 1245 die wahrfcheinliche, 
fo weift das auf einen neuen Grundherren. Ziehen wir nun in Betracht, daß der 
Kirchfatz in Erbftetten dem Haufe der Calwer- Vaihinger-Löwenfteiner gehörte, bis er 
an Kl.Lichtenftern kam, und daß (ich im Haufe der Vaibinger in der Mitte des 12. Jahr- 
hunderts der Name Egino findet, fo fcheint es nicht unwahrscheinlich, daß ein Egino 
von Vaihingen jenen Kirchfatz an fich gebracht. Wem aber unmöglich erfcheint, daß 
derfelbe Ort 863 Attunftetten, 978 Woluoldftetten, 1245 Egenenftetten geheißen haben 
füllte, der bedenke, daß in Franke n — auch Erbftetten gehört zu Franken — d ie ver - 
fchieden en Stette n (Kocher-, Ober-, Nieder-, Lenker-) imVolksmund fchlechtweg Stetten" 
"lielMi undThren^unterfchei denden Beinamen n ur in der offiziellen Sprache oder, wo 2 
"Stetten neben einander genann t werden . bekommen. Hieß Erbftetten im Volksmund 
""auch jfchlechtweg Stetten , machte fich dort die Unterfcheidung von andern Stetten 



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62 Ludwig 

weniger für das Volk geltend, da kein anderes Stetten in der Nähe lag als Stetten 
im Remsthal, dann läßt fich wohl verliehen, wie amtliche Urkunden genötigt waren, 
den Ort nach alten Grundherren, wie ße noch im Gedächtnis lebten, zu nennen. 

Anhangsweife fei noch bemerkt, daß jenes Asbach, woFolkuin 863 Befitz er- 
hielt ftatt in Erbfbetten, wohl Klein- Asbach ift, in denen Nähe Völklinshofen ift, deflfen 
Name nur eine volksmäßige Umbildung von Foikuinshofen , dem Hof eines Folkuin, 
zu fein fcheint. (Fortf. folgt.) 



Reife auf der Teufelsmauer. 

Von Profeffor Dr. Ludwig in Hall. 

Die Stadt Hall, obwohl 15 Kilometer vom limes 1 ) entfernt, bietet dennoch 
einen trefflichen Ausgangspunkt für Fußturen auf dem fchwäbifchen „Pfahl graben u '), 
wenigftens für folche auf dem nordweftlichen Flügel desfelben. Liegt doch Mainhardt 
geographifch und ftrategifch genau in der Mitte zwifchen den beiden Endpunkten 
des fchwäbifch-fränkifchen Flugeis, Jagfthaufen und Welzheim, und ift ebenfoweit 
entfernt von Öhringen wie von Murrhardt s ). Wer, früh aufbrechend, nach Mainhardt 
pilgert (15 km), kann von hier aus in 3 — 4 Stunden entweder nördlich Öhringen 
oder füdlich Murrhardt auf der geradlinigen „ Teufelsmauer a 4 ) erreichen und bequem 
mit den Abendzugen nach Hall zurückkehren; wer Jagfthaufen zuftrebt, fährt mit 



') limes, verwandt mit limen, von Xey: die Qnerlinie. 

') Pfahl graben, von palus. Für das Vorhandenfein einer Palifladenreihe (Oonrady 
oontra Cohaufen) fprechen alte wie neue Namen : Amm. Marc. 18, 2, 15 cum ventum fuiffet ad 
regionem, cui Capellatii vel Palas nomen eft und Spartian Hadr.: ftipitibus magnis in modum 
muralis faepis funditns jactis atqne conexis. Heute find die Namen: Pfahldorf (bei Eichftädt), 
Pfahl heim bei Ellwangen (deffen Römerfunde im Germanifchen Mnfeum figurieren), Pfahl- 
bronn bei Welzheim, P fahl b ach bei Sindringen, Pohl und Pohlgüns geradezu die Leit- 
mufcheln fozufagen für die Auffindung des Laufs des limes. Flurnamen : Pfahläcker, Pfahlwiefen, 
Pfahl, Pfahlhecke u. a\ Dafür fprechen auch ausgedehnte Funde von Kohlenreften im Graben 
bei Walldürn (Korrefpondenzbl. der weftdeutfehen Ztfchr* f. Gefch. u. Kunft). Aber auch 
auf der Höhe von Steinberg graben die Bauern fortgefetzt Kohlen cf. weiter unten. Dafür 
fprechen auch Zweckmäßigkeitsgründe. Mommfens Einwand, die Benennung palus könne nicht 
von den Römern ftammen, ift ganz richtig, aber warum nicht von den Germanen in falfchlicher 
Anwendung des Worts palus? Wie weit die Palifladenreihe fich erftreckte, ob nur auf dem 
rheinifchen Erdaufwurf oder auch an dem der Donau parallelgehenden Steindamm und ob viel- 
leicht nur an besonders wichtigen Übergangsftellen, ift unentfehieden, ebenfo wie die Frage, wo 
am Erdaufwurf fie angebracht war (Kellers falfche Vermutung f. unten). 

') Durchfchnittliche Entfernung der Kaltelle 12 km. 

4 ) Teufelsmauer depra viert ans Döbel smauer (cf. Dobel, Döbel- Anhöhe) ? cf. auch 
den Flurnamen Pfahldöbel! oder von den fchwarzen Liasfteinen des Donaulimes? Daß der Name 
„Teufelsmauer" nur am öftlicben Strang fich finde, wird durch die Bauern von Graab widerlegt 

Daß der „Bös" feine Hand mit im Spiel gehabt, erzählt uns der Alte vom Weidenhof 
bei Prefcher (die Gefohichte mit dem Schwein und dem Gockeler möchte ich allegorifch deuten : 
beide find Wühler, der Hahn mehr der aufgrabende, das Wildfehwein mehr der in langen Furchen 
hinziehende cf. die gerade Erftreckung des Grabens). Ob hievon der Name Schweins- oder 
Sau graben? Man könnte auch daran denken, daß diefer Graben zu einer Zeit, wo er noch 
tief war und Deutfchland noch viele Wildfehweine hatte , ein beliebtes Lager diefer Tiere war, 
oder auch bei Jagden als Saufalle benützt wurde. Übrigens befchäftigt fich heute noch die 
mythenbildende Phantafle mit dem rätfelhaften Werk. Bekannt ift, daß es um die ganze Erde 
gehen foll. Bei Steinberg fragten mich Bauern, ob es wahr fei, daß auf dem Wall eine feurige 
Kugel rolle? Sollte dies noch eine fchwache Spur fein von dem ehemals auf dem limes eingerichteten 
Fenerßgnaldienft, der nach einigen der einzige Zweck desfelben war (Releanz und Schmick)? 



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Reife auf der Teufelsmauer. 63 

dem Frühzug nach Öhringen und geht von da zu Faß über Sindringen nach dem 
Jagftkaftell und wieder nach Öhringen zurück, wobei er auf dem Rückweg manches 
entdecken wird, was auf dem Hinweg feinem Aug entging; wer Welzheim 1 ) fich 
zum Ziel fetzt, fahrt früh nach Murrhardt und verläßt Pich von da auf die Kraft 
feiner Füße. Will man eine größere Strecke auf einmal beßchtigen, fo fährt man 
morgens nach Murrhardt und geht über Graab und Mainhardt nach Öhringen, was 
einen tüchtigen Tagmarfch abgiebt. So lohnend für den T u r i f t e n diefer Weg im 
Sommer ift, durch die fchattigen Gründe des Murr- und Mainhardter Walds, fo 
wird der Archäologe als Reifezeit doch den November oder März- April vorziehen — 
falls die Witterung günftig — weil da kein Laubdach des Waldes Graben oder 
Wall verdeckt. Wir wählen als erfte Strecke Mainhardt — Murrhardt, weil fie ver- 
hältnismäßig gut erhalten und leicht zu finden ift. 

In die Staatsftraße, die von Hall nach Sulzbach führt, 10 Minuten vor Main- 
hardt, unmittelbar neben dem Oberamtsgrenzftock , mündet ein Feldweg, der, nach 
Norden keine fichtbare Fortfetzung zeigend, nach Sü3en etwa 10 Minuten über Felder 
und Wiefen führt und beim Beginn des Waldes auf eine mit dichtftehenden aber 
kurzen Fichten bepflanzte Erhöhung leitet, die mit dem daneben laufenden Graben 
als erfte Spur des „Schweinsgrabens" aufzufallen ift. Das heißt, die erfte Spar eigent- 
lich ift der Feldweg, der durchweg auf dem Platz fteht, den früher der Römerwall 
einnahm. 

Die Erhöhung, zunächft unbedeutend, dann ein flacher Damm, der bald in 
die Normalhöhe von 2—3 m und die Normalbreite (am Fuß von ca. 10 m) über- 
geht 2 ), unterfcheidet fich in nichts von einem gewöhnlichen Erdaufwurf, wie fie 
zu taufenden unfre Wälder durchziehen. Auch der Graben könnte einen gewöhn- 
lichen Wafferabfuhrkanal vorftellen, wenn nicht fein ftetes Zufammenfein mit dem 
fchnurgerad fleh fortziehenden Erdwall ihn als die bekannte, an der äußeren, ört- 
lichen (Germanen-)Seite die römifche Reichsgrenze begleitende Vertiefung ausweifen 
würde* Je tiefer wir in den Wald, der allmählich in einen hohen Tannenwald über- 
geht, eindringen, defto höher, breiter und ausgeprägter wird der Erdaufwurf, defto 
tiefer der ihm parallel laufende Graben. Überhaupt ift die Wahrnehmung zu 
machen: wo der Wall, ift auch der Graben gut erhalten 8 ), wenn es freilich auch 
Stellen giebt, wo der Wall ohne Graben (z. B. im Eatzenbachthal), und wo der 
Graben ohne Wall dem Auge fich darbietet. 

Nach etwa halbftündiger Wanderung werden wir in ein nicht fehr tief aus- 
gefchnittenes Waldthal hinabgeführt (Kümmelsbach), auf deffen anderer Seite man 
die Spur verliert (cf. auch Herzog, Vermeffung S. 19), fo daß fowohl die General- 



') Welzheim, ohne Zweifel Wallheim (cf. Walldürn). Hiezu vergl. die Namen Graab 
und Pfahlbach. 

*) Die erhaltenen und urfprünglichen Maße f. bei Herzog, Die Vermeffung des römifchen 
Grenzwalls Tafel II. 

*) Der befte Schutz für das Römerwerk ift heute der Wald, dann die der Bearbeitung 
weiter nicht unterworfene Wiefe. Auf Äckern erfcheint der Wall meift eingeebnet, oder nur 
noch als fanfte Wellenlinie. Doch bietet heute noch fein Erdreich dem eindringenden Pflug 
größeren Widerftand als das umgebende. Die Jahrtaufende braohgelegene Erde des Walls 
ift den Bauern ein willkommenes Dungmittel, das He über die benachbarten Äcker verftreuen, 
wie fie auch z. B. die Steine der Türme und Eaftelle zu Häufer- oder Wegbauten wegführen. 
Gegen folchen Vandalismus hilft nur allmählich eintretende belfere Schulbildung, weshalb die Er- 
haltung der koftbaren Refte weniger der Regierimg, den Forftämtern, Oberämtern und Gemeinde- 
behörden (fo thätig fich auch diefe erweifen können), als den Schulmeistern in die Hand gegeben 
ift. Thatfache ift, daß die 2 Römerwälle in Schottland weit betfer erhalten find, als der unfrige. 



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64 Ludwig 

ftabskarte als die von der Vermeffungskommiffion in die Mittnachtfche Karte ein- 
getragene Linie an diefer Stelle zu berichtigen wäre. Auf ungefähr in der bis- 
herigen Richtung weitergehend erklettern wir eine fteile, mit prächtigem Tannen- 
wald beftandene Anhöhe, deren jenfeitiger Steilabfturz uns neben der Mundung 
eines Waldthals unmittelbar oberhalb der Hankertsmühle ina Roththal hinabführt. 
Ob der hie und da auftauchende Erdflfcriemen, die hie und da fichtbare Vertiefung 
Teile der „ Pfahlheck * x ) find, oder Produkte der Erofion namentlich durch den 
links in der Nähe fließenden Waldbach, wer kann es entfcheiden? Sicher ift ; daß 
genau oberhalb der Hankertsmühle der „Pfahl* über die Roth gegangen fein muß. 
Von dem Flußübergang ift wie überhaupt (abgefehen von der Stelle bei Sindringen, 
wovon fpäter), fo auch hier keine Spur erhalten. Auch jenfeits der Roth ift die 
Spur wieder verloren; man muß fich hüten zu weit nach links abzuirren, da man 
fonft durch ein Nebenthal dem abfeits liegenden Schönbronn zugeführt wird. Hat 
man oberhalb der Vereinigung diefes Nebenthals mit dem Schönthaler Bach letzteren 
überfchritten (3. Übergangsftelle) und eine Fichtenkultur paffiert, fo ficht man den 
Wall wieder in feiner ganzen Größe und Schönheit nebft dem Graben vor fich. 
Wie eine ungeheure Raupe liegt er auf dem Waldhang, kerzengerade, in mäßiger 
Steigung, den Steinriegeln im Hohenlohifchen vergleichbar, faft von der Thalfohle 
bis auf die Höhe von Graab 2 ) und bis an den Waldrand fich erftreckend. Vor 
dem Aufhören des Walds ftößt man auf das von der Vermeffungskommiffion ge- 
nommene Profil (Herzog S. 19). Die Flur heißt auch Schweinsgraben. 

Von den von Herzog angeführten Reften in den Wiefen und Feldern vor 
Graab konnte ich keine Spuren mehr entdecken, ebenfowenig von dem durch v. Abel 
ausgegrabenen Turm. Daß die Kirche von Graab auf dem limes fteht, ift bekannt. 
Sichtbar werden die Spuren wieder jenfeits diefes Dorfes als Ackerraine und Böfch- 
ungen neben der Straße nach Morbach, die, wie der im Eingang erwähnte Feld- 
weg, auf der Stelle der „Teufelsmauer" läuft. So heißt nämlich der limes auch 
bei den dortigen Bauern, während Herzog diefen Namen nur dem rhätifchen Strang 
zuerkennen will. Wo die Straße nach Morbach links abzweigt, beginnt fogleich wieder 
in Fortfetzung der bisherigen Richtung an dem mit Haidekraut und Heidelbeeren 
bewachfenen, mit kurzen Fichten beftandnen Berghang deutlich fichtbar die nun 
wohlbekannte Erhöhung, mehrfach gefchnitten von Holzwegen und zweimal von 
Waldbächen, über die hinüber man die Spur leicht beibehält. Hier fchon erblickt 
man einen folchen Steilabfturz des Walls, wie ihn Herzog aus der Gegend nördlich 
von Gailsbach als Hauptbeweis für die geradlinige Erftreckung des limes anführt. 
Etwa Vi Stunden füdlich von Graab erfteigt man die Höhe vor dem tief einge- 
fchnittenen Katzenbachthal. 

Während auf dem nördlichen Thalhang die Spur unlieber wird oder durch 
Wald verdeckt ift, fieht man den geradlinigen Strang um fo fchöner auf der 
füdlichen Seite über Äcker fich hinziehen von der Thalfohle wieder bis zur Höhe 
(6. Übergang), nur links von fchwachem Tannengehölz begleitet und in der Mitte 
der Bergwand etwa durch 3 große einzelftehende Buchen flankiert. Von befonderem 

1 ) So heißt Döderlein den limes, indem er ihn (fi parva licet — ) in richtige Parallele 
ftellt mit den mittelalterlichen Landwehren und Pfahlhecken. Wenn deshalb Crafius bei der 
Erwähnung des Römerwalls fagt: qualis eft circa Hallenfium territorium, fo heißt das wohl 
nicht: der limes, wie er heute noch bei Hall erhalten ift, fondern: wie z. B. eine ähnliche Grenz- 
wehr das Haller Gebiet umgiebt. Auch andere Städte hatten derartige Demarkations- , Zoll- 
und ßefeftignngslinien. 

*) Über diefen Namen cf. Anmerkung 1 S 63. 



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Reife auf der Teufelsmauer. 65 

Intereffe ift diefe Stelle dadurch, daß fie uns ein Längenprofil bietet, fofern der 
Wall auf Ackerlänge etwa aufgefchlitzt ift 1 ). Die zahlreich umherliegenden Steine 
könnten den Glauben an das gänzliche Fehlen jeglichen Steinkerns (der gharakte- 
riftifche Unterfchied des rheinifchen vom Donaulimes!) erfchfittern, wenn nicht die 
Querprofile und die zweite Stelle eines Längenprofils (nördlich bei Gailsbach, wo- 
von fpäter) alle denfelben Mangel eines Steinkerns zeigen und wir nicht außerdem 
von Bauern der Umgegend erfahren würden, daß auf dem glitfchrigen, abfchiiffigen 
Boden noch heute zahlreiche Steine von der Höhe herabrutfchen. 

Diefe Höhe, halbwegs zwifchen Graab und Murrhardt, bei dem durch feinen 
Namen charakteriftifchen Weiler Steinberg, ift der höchfte bis jetzt erreichte Punkt 
und einer der höchften Punkte des limes überhaupt (520 m) 8 ), mit umfallender 
Fernficht über das Murrthal hinüber nach den Höhen des Welzheimer Waldes. 
Dort grüßt der Turm von Kaifersbach herüber, und der Hohenftaufen winkt aus blauer 
Ferne. Nach den Steinmaffen und Funden zu urteilen (auch Kohlen wnrden aufge- 
graben!) muß hier eine größere römifche Befeftigung (ich befunden haben, größer 
vielleicht als die von Graab, das jedenfalls keine fo dominierende Lage aufzuweifen 
hat. Nun zieht fich der limes in jähem Abfturz nach Siegelsberg hinab (300 m) in nur 
fcbwach erhaltenen Spuren, die im Wald Hirfchreute oberhalb der Siegelsberger Säg- 
mühle zwar auf einen dünnen Streifen zufammengefchrumpft, aber doch deutlich er- 
kennbar find. Eben dort befindet fich auch das Wachhäuschen 8 ), das von Herzog S. 18 
näher befchrieben ift. Damals (1877) eines der am beften erhaltenen maß es vor den 
neuerdings von Gußmann in Sindringen aufgegrabenen zurücktreten. Auch das vor 
noch nicht allzulanger Zeit ca. 10 Minuten füdlich von Graab aufgedeckte ift beffer 
erhalten. Von Siegelsberg ab verlieren fich die Spuren bis gegen den Weidenhof 
(3 maliger Flußübergang: nämlich über den Siegelsbach und zweimal über die hier ein 
fcharfes Eck bildende Murr). Wenn es je einen Beweis giebt für die geradlinige Er- 
ftreckung des limes, fo ift es der Umftand, daß diefer, ftatt dem Thal des Siegelsbachs 
bis Murrhardt zu folgen, über den 460 m hohen Linderft geführt ift, um von da ins 
Murrthal ficb hinabzuftürzen, jenfeits fofort wieder die Höhe zu gewinnen (8. Über- 
gang bei der Lutzenfägmühle), nach kurzem Lauf über die Hochebene fich wieder 
ins tiefeingefchnittene obere Murrthal einzufenken (9. Übergang) und nach Erreichung 

*) Wohl aus dem Grund, der in Anm. 3 S. 63 genannt ift. 

2 ) Niederfter Punkt bei Sindringen (Einfluß der Sali in den Kocher) 160 m (Jagft 200 m), 
Landesgrenze 300, Pfahlbach 320, Ohm 220, am Weiher beim Neuwirtshans 400, Brettach bei 
Mainhardt 380, Mainhardt 460, Graab 500, Steinberg 520, Siegelsberg 300, Linderft 460, 1. Murr- 
übergang 280, Gausmannsweiler 550, Wclzheim 510, Lorch 280, Staufen 680. 

8 ) Die Wachhäuschen, fozufagen die einzelnen Knorpel an diefera „Rückenmarks- 
ftrang", ftehen bald auf, bald unmittelbar neben, bald in einiger Entfernung (weftlich) von dem 
Wall. Die befterhaltenen find die von Gußmann in Sindringen ausgegrabenen. Ihre Zählung 
ift eine fehr verfchiedene , da fie oft kaum aus der Erdoberfläche hervorragend, zudem noch 
den mannigfachften Infulten ausgefetzt find. So exiftieren manche früher ausgegrabene nur 
noch in der Tradition und umgekehrt werden immer wieder neue aufgedeckt. Das Auffinden 
der Ausgrabungsftellen ift nicht fchwer, da die Türme oft durch eine Erhöhung angedeutet 
Und und in regelmäßigen Abftänden von je ca. 500 Schritt aufeinanderfolgen. Bei manchen 
ift noch der Treppenzugang erhalten und einzelne 1 äffen aus zugefpitzten Steinen auf Ge- 
wölbkonftruktionen fchließen. Die dabei gemachten Funde find die gewöhnlichen Afchenrefte, 
Scherben von terra ßgillata u. ä. Bei der Haaghofmühle wurde vor Jahren das Schwert eines 
Legion8foldaten gefunden, aber verfchleudert. Ich zählte von Lorch bis Sindringen 11 Wach- 
häuschen. Was der feitliche Steinfporn bei einzelnen der Sindringer und was das Steinkreuz 

in der Mitte des Graaber zu bedeuten hat, '— — - ift unklar. Über die Maßangaben vergl. 
Herzog Vermeffung, und Gußmann Württ. Vierteljahrsh. für Landesgefchichte 1886 I. 
Wflrttemb. Vierteljthrshefte 1887. 5 



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66 Ludwig 

der jenfeitigen Höhe bei Mettelberg erft einen Lauf zu verfolgen, der im wefent- 
lichen Plateaulauf und damit gewiffermaßen eine Fortfetzung der öftlich von Welz- 
heim nach Aalen hin fich erftreckenden Hocbftraße 1 ) ift. Südlich vom Weidenhof Werden 
die Spuren wieder recht deutlich; 5 Minuten vom Spatzenhof entfernt wird der 
limes von der Welzheim — Fornsbacher Straße gefchnitten (ein kleiner Wegftock mit 
der Auffchrift „Römergraben" ! o. ä. wäre hier fehr angezeigt; im übrigen ift für den 
nicht Ortskundigen der Weg auf dem unmittelbar neben der Straße liegenden Spatzen- 
hof genau zu erfragen). Jenfeits der Straße fenkt fich der famt Graben prächtig 
erhaltene ; mit Forchen bewachfene Damm in viertelftündiger Erftreckung bis zur 
Kaifersbach — Ebnier Straße hinab, um jenfeits derfelben fofort wieder erkennbar, 
ja gut erhalten durch Wald der Höhe von Gausmannsweiler zuzustreben. Diefer 
10. Thalübergang oberhalb des Ebnifees 2 ) ift cbarakteriftifch. Standen die bis- 
herigen Übergangsrichtungen faft fenkrecht auf der Richtung des Baches, fo bildet 
hier der limes mit dem Bach einen fpitzen Winkel. 

Auch ift die Stelle geeignet, ein Licht auf die ehemalige Erftreckung des 
früher ohne Zweifel größeren Ebnifees zu werfen. Weiter als bis zur Übergangs- 
ftelle des limes über die Straße, die von Kaifersbach nach Ebni führt, kann er 
nicht gereicht haben. Denn durch den See ging der limes wohl nicht (über einen 
zweiten Seedurchgang nördlich von Neuwirtshaus fpäter). 

Wo der Wald aufhört, fchneidet der limes, deffen Spur zunächlt verfchwindet, 
die Staatsftraße Kaifersbach — Welzheim. Die Stelle entfpricht ganz der von Stein- 
berg, nur daß fie noch höher ift (550 m, die höchfte bisherige und die höchfte 
überhaupt, abgefehen vom Staufen) und die Ausficht auf die Welzheimer Hoch- 
ebene (zwifchen Lein und Wieslauf) bietet, ftatt, wie jene, die Ausficht auf ein 
Thal. In einiger Entfernung jenfeits der Straße wird der geradlinige Strang in 
den Wiefen wieder fichtbar, und wenn das Auge ihm folgt, fo rnht es zuletzt in 
weiter Ferne auf der majeftätifchen Kuppel des Hohenftaufen. Nnn ift der mag- 
netifche Fol fozufagen diefes geheimnisvollen Stranges gefunden; für den auf diefem 
Punkt Stehenden ift kein Zweifel: die Römer haben direkt auf den Gipfel des 
Staufen zugebaut, oder vom Staufen aus ihre Richtungslinie genommen. Wie fie 
es angegriffen haben, willen wir nicht; Thatfache ift es, daß die ganze Linie 
von Jagfthaufen an (eine kleine Abweichung bei Sindringen ausgenommen, wo- 
von fpäter) fchnurgerade auf den Staufen 3 ) zuftrebt. 

Gausmannsweiler ift überhaupt für den Limesturiften ein klaflifcher Ort 
Im neuerftandenen Hotel „Ebnifee" findet er nicht nur leibliche Nahrung, fondern 
auch die beiden Bände des Bahnbrechers Hanfelmann („Beweis wie weit der Römer 

*) Abgefehen natürlich von der Verfchiedenheit des Baumaterials und der Konftruktion 
fowie der Richtung der beiden Stränge. 

*) Der Ebnifee, 470 m hoch, ift ein Sammelweiher von 4—5 kleineren Bächen, 
früher künftlich geftaut zu zeitweiliger Holzflößerei und deshalb in feinem Niveau fehr wechfehid, 
heute abgedämmt durch die Straße nach dem romantifch gelegenen Ort Ebni und mit Fifchen be- 
nedeit. Lange Zeit verfchollen wurde er in neuerer Zeit durch Ellinger von Gausmannsweiler 
wieder zugänglich gemacht. Der Abfluß des Sees heißt die Wies lauf, die zuerft parallel laufend 
mit der Lein, dann weftwärts — wie diefe oftwärts — abbiegend, bis Klaffenbach in tiefeingeriflener 
Schlucht den Welzheimer Wald fchneidend, ein prächtiges Landfchaftsbild darbietet. Bei Ruders- 
berg iüdlich fich wendend fließt fie nach 2—3 ftündigem Lauf in fanftem Wiefenthal , häufig 
Verfumpfungen bildend und bei Regenwetter leicht Überfchwemmungen verurfachend, oberhalb 
Schorndorf in die Rems. 

3 ) Darum ift es mir unerfindlich, warum die auf der Generalftabs- und Mittnachtfchen 
Karte eingezeichnete Linie nicht direkt auf den Staufen, fondern auf deffen weftliche Ausläufer 
ausmündet. 



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Reife auf der Teufelsmauer. 67 

Macbt etc."); und ein Vorfahre des Hotelbefitzers, dem der llmeer es angethan, hat 
den über feine Wiefen gehenden Damm mit (heut noch ftehenden) • Obftbänmen 
bepflanzt und dadurch vor Nivellierung bewahrt. Ein einfaches, praktifches Mittel 
nnd eine hochherzige That, die doch recht viele Nachahmer auch heute noch finden 
möge! Leider waren die Bauern von Eckartsweiler und Seiboldsweiler weniger rtick- 
fichtsvoll, in deren Kleeäckern er ziemlich eingeebnet erfcheint; nur wo der ver- 
einzelt auftretende Wald ihn fchützt, zeugen die Spuren von verfchwundner Pracht. 
Je mehr er fleh Welzheim nähert, defto mehr verflacht er fich, um fchließlich in 
einen Feldweg überzugehen und zuletzt ganz zu verfchwinden (cf. den Feldweg 
bei Mainhardt und Graab) 1 ). 

Erft etwa Va Stunde füdlich von Welzheim treten im Wald wieder Spüren 
auf» Es zieht fich nämlich der Wall noch eine Strecke über diefes füdlichfte Eaftell 
hinaus, um erft beim Haaghof in die Hochftraße nach Aalen überzugehen (2 km 
füdöftlich von Breitenfürft). 

Auf diefer füdlichen Fortfetzung behält der Damm feine bisherige gerade 
Richtung und fenkt fich demzufolge, ftatt auf der Hochebene über Breitenfürft zu 
laufen, gegen die Lein herab, deren rechte Nebenbäche er in nicht allzutiefen Ein- 
renkungen überfchreitet, um zwifchen der Haaghöfer Mühle und dem Haaghof in 
langfamem Steigen die Hochebene wieder zu gewinnen und hier der fcharfen Wen- 
dung der Lein folgend plötzlich jene bekannte Biegung nach Oft zu machen d. h. 
in den fog. rhätifchen, beffer Donaulimes überzugehen 2 ). Im einzelnen ift zu diefer 
Strecke zu bemerken, daß in den Wäldern Burg, Tann und Birkig noch namhafte 
Spuren fich finden. Die Trümmer des von Herzog (S. 16) erwähnten Turms find 
noch zu fehen; ob die in der Nähe fich findende Vertiefung der von den Römern 
gegrabene Steinbruch für diefen Turm war, wie man in Welzheim meint, oder eine 
vor Zeiten benützte Saufaile, ift fchwer zu entfeheiden; fie kann auch beides 
oder keines von beiden gewefen fein. Intereffant wäre es, durch genaue Vermeffung 3 ) 

l ) Nach der Anficht des Hauptmanns a. D. Adelung von Welzheim verläßt oberhalb 
Welzheim der limes feine gerade Linie und zieht fich öftlich gegen die Lein hinunter. Ein Licht 
auf diefe Frage -wirft vielleicht die kürzlich entdeckte Lage des Welzheimer Kartells , das nach 
der Befchreibung des Prof. Miller das einzige öftlich vom Wall gelegne wäre» Gelänge es, 
Adelungs Hypothefe zu erweifen, fo könnte vielleicht auch das Welzheimer Kaftell als innerhalb 
des limes, wenn auch in unmittelbarer Nähe desfelben liegend angenommen werden. 

") Sehen wir uns den Lauf der einzelnen Teile des limes genauer an, fo ift nicht zu 
verkennen, daß der weftliche Flügel feine Richtung oft bis in einzelne Krümmungen hinaus vom 
Rheine bedingt erhält, während der öftliche im allgemeinen parallel der Donau läuft. 

Da nun ohne Zweifel nicht der politifche Begriff „Rhätien u , fondern der Lauf der 
Donau und der vorgelagerten Alb für den öftlichen Flügel maßgebend war, fo wird es 
richtiger fein, wie von einem limes transrhenanus , fo von einem limes transdanubianus zu 
fprechen. Die beiden Wallflügel erfcheinen überhaupt als eine ins Innere über Oden- und 
Schwarzwald einer- und Alb andrerfeits vorgerückte Rhein- und Donaulinie. Auf der Strecke 
Welzheim— Main ift es der Neckar, mit dem der Strang parallel läuft, weshalb man diefen 
Teil füglich Neckarlimes heißen kann, ohne ihn deshalb als felbftändiges Glied hinftellen zu 
wollen. Dadurch wird nun auch das Eck am Haaghof erklärt: die Parallelen fchneiden fich 
hier, fo wie die Donau in gehöriger Verlängerung und Rhein fich fehneiden, ein Punkt, der 
etwa mit dem wichtigen Rheineck bei Bafel zufammenfallen würde. Es ift alfo auch das 
Eck beim Haaghof eigentlich nichts andres, als das ins Innere Germaniens 
vorgefchobene Rheineck bei Bafel. 

8 ) Eine genaue geometrifche Vermeffung und Abfteckung wäre überhaupt fehr dankens- 
wert Mancher Ackerrain, mancher Graben, mancher Steinhaufen würde fich dann wohl als zum 
limes gehörig ausweifen, den man bis jetzt nicht mit Sicherheit hat in Beziehung zu ihm 
fetzen können. 



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68 Ludwig 

zu entscheiden, ob der in der Nähe befindliche, prachtvoll auffteigende, mit wahren 
„Holländern" befetzte, ca. 8/9 m hohe Damm ein Stück des limes ift. Könnte dies 
nachgewiefen werden, fo hätten wir hier das einzige — übrigens nicht fehr lange 
— Stück vor uns, wo der Wall in feiner urfprünglichen Höhe erhalten wäre. Vor 
folchem Anblick müßten die Bedenken derer verftummen, die den limes als zur Ver- 
teidigung nicht geeignet bezeichnen 1 ). 

Mit Erreichung des Haaghofs ift eigentlich unfre Wanderung nach Süden zu 
Ende, denn den Donaulimes lallen wir zunächft außer Betracht Allein bekanntlich findet 
der „rheinifche" (beffer in diefem Teil „Neckar")limes noch eine füdliche Fortfetzung 
bis zum Staufen, oder wenigstens bis in die Nähe von Lorcb, eine Fortfetzung, die 
man — Paulusfcher Ausdrucksweife (ich nähernd — das Schwanzbein diefes Rücken- 

*) Hier einige Worte über den Zweck des limes. Demarkationslinie? Maatlinie, Tele* 
graphen-, Verteidigungslinie ? für die erfte Bezeichnung (Cohaufens Anficht) fprechen die Nach- 
richten der alten Schriftfteller : Spartian Hadr.: in plurimis locis, ubi barbari non fluminibus, 
Ted liraitibus dividuntur, ftipitibus magnis in modum muralis faepis funditus j actis atque 
conexis barbaros feparavit. Wozu noch zu erwähnen Amm. Marc. 18, 2, 15: cum ventum 
fuiÜ'et ad locum, cui Capellatii five Palas nomen el't, ubi terminales lapides Alamannorum et 
Burgundiorum confinia diftinguebant. Nun ift aber doch klar, daß die Römer einer bloßen 
geometrifchen Linie zu lieb keinen Wall und Graben von folchen Dimenfionen aufgeworfen 
hätten. Auch die bloß ideelle und polizeiliche Bedeutung der Grenzlinie genügt nicht. Sie 
mußte ftark genug fein, die Germanen zur Refpektierung diefer Linie zu zwingen, ihnen ein 
gebieterifches „Bis hieher und nicht weiter! 4 * zuzurufen. Und wahrlich bei der Betrachtung 
einzelner guterhaltener Strecken kann einem wohl der Gedanke kommen, daß an diefem Graben, 
Wall und Pfahl mancher Markomanne fich den Schädel eingeftoßen haben wird. Waren ja die 
Kaftelle nur je 12 km auseinander, folgten ja alle 500 Schritte die Wachhäuschen, war ja wohl 
auf der Linie felbft ein regelmäßiger Nachrichtendienft organifiert. Daß eine fo lange Linie 
militärifch habe gehalten werden können, beftreitet wohl Cohaufen, betätigen aber andere 
militärifche Autoritäten, z. B. Major Dahm. Daß diefe Linie zugleich Zolllinie war, ift mehr 
als wahrfcheinlich (bei Tac. hift. 4, 64 fagen die Tenkterer: ad nunc diem flumina ac terras et 
caelum quodammodo clauferant Romani, ut conloquia congreflusque noftros arcerent, vel inermes 
ac prope nudi fub cuftode et pretio coiremus, während es an einer andern Stelle von den be- 
freundeten Hermunduren heißt, daß fie paüim fine cuftode tranfeunt). Aifo für den erften An- 
fturm genügte der limes, bis vom benachbarten Kaftell Hilfe kam. Und bei gefährlicheren An- 
griffen konnten ja beide Linien (die rheinifche, wie die Donaulinie) zumal in Aktion treten und 
den Feind in die Mitte nehmen. Denn das ift zugleich der Vorzug des Winkels beim Haaghof: 
die Römer erhielten dadurch Gelegenheit, ihre Streitkräfte zugleich von 2 Flanken aus gegen 
einen gemeinfehaftlichen Punkt operieren zu laiTen; ihre Grenzaufftellung bildete im großen die 
im kleinen fo oft beliebte Schlachtftellung des forceps. Der urfprtinglich leitende Gedanke aber 
bei Anlegung des limes war Abfperrung der Rhein- und Donaulinie. Hiebet wäre allerdings 
das Zunächftliegende gewefen, an der Stelle einzufetzen, wo Rhein und Donau zum letztenmal 
fich nähern, d. h. von der Altmühl an die Rednitz zu bauen, wo fpäter Karl der Große feine 
foHa Carolina, noch fpäter der Bayernkönig den Ludwigskanal baute. Und wirklich gewinnt 
es eine Zeit lang den Anfchein, als ob der limes diefer Richtung folgen wolle. Zweimal 
fchneidet er die Altmühl, zieht an Grönhardt (der alten foüa Carolina) vorüber # bis nach Weißen- 
burg am Sand, und ift damit fchon im Stromgebiet des Mains (Überfchreitung der Rednitz). 
Aber hätten die Römer fo die kürzefte Linie zwifchen Donau und Rhein gezogen, fo hätten üe 
den forceps beim Haaghof nicht erhalten. Außerdem war der fränkifche Jura eine treffliche 
Walllinie, weshalb diefer von Gunzenhaufen ab als die Richtung des limes beftimmend erfcheint 
Auch fpäter noch hätten die Römer von Ellwangen eine gerade Linie nach Öhringen ziehen 
können. Aber, wie Paulus richtig bemerkt, üe wollten das gänzlich verfumpfte Bergland und 
Wäldergewirr des mittleren Kochers und der mittleren Jagft vor ihrer Grenze haben, weil diefes 
den Feinden den Zugang erichwerte oder unmöglich machte. Und eine Betätigung diefer An- 
ficht ift die auffallende Erfcheinung, daß Kocher und Jagft zweimal, und zwar an den Stellen 
vom limes überfchritten find, wo fie lieh am meiften nähern und die den Beginn und das Ende 
ihres Mittellaufs bezeichnen, die zugleich mit dem weitausgefchnittenen Doppelbogen der beiden 
Flüfle deren größte geographische Verbreitung einfchließen« 



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Reife auf der Teufelsmauer. 69 

markftrangs nennen könnte. Diefer füdlicbe Sporn zweigt übrigens erft in Pfahl- 
bronn ab. Die Straße vom Haaghof bis Pfahlbronn läuft ziemlieh auf dem alten 
limes, der noch in Ackerrainen u. ä. vereinzelt angedeutet ift. Aber fudlich von Pfahl- 
bronn erbebt (Ich in den Feldern eine deutlich fichtbare, bis zum Wald etwa 10 
Minuten fich erftreckcnde Wellenlinie in der Richtung auf den Staufen zu, die in 
dem abwärts fuhrenden Wald bald wieder in den bekannten Damm übergebt. Daß 
in dem wohlkultivierten Boden die Erhöhung fich fo lange hielt, ift ein Beweis, daß 
hier der limes von befonderer Höbe und Stärke war. Im weiteren Verlauf ift wegen 
der vielen Waldgräben und Aufwürfe die Spur fchwer feftzuhalten ; nicht weit vom 
Eingang in den Wald befindet fich etwa 3 Minuten feit warte vom Wall (rechts 
oder auf der inneren, dem Graben entgegengefetzten Seite) eine fehr bedeutende 
konifche Erderhöhung, deren Aufgrabung ohne allen Zweifel einen großen römifchen 
Wachturm zu Tag bringen würde. Sie fei, wie eine ähnliche, nördlich von Gails- 
bach in unmittelbarer Nähe des Walls (wovon fpäter), der Aufmerkfamkeit der 
Altertumsvereine beftens empfohlen. 

Beim fogenannten Bemberlesftein befinden fich die Refte eines quadratifchen 
Turms mit Tannen darauf; füdlich davon verfchwindet jede Spur. Ob der Strang 
fich über die Rems bis zum Hohenftaufen fortgefetzt bat, wird wegen des Mangels 
an Spuren („höchftens einige kleinere Befeftigungswerke zwifchen Lorch und dem 
Berg" Herzog S. 24) bekanntlich bezweifelt; doch fällt es fchwer zu glauben, daß 
der die ganze Umgebung beherrfcbende Berg, der Richtpunkt der geradlinigen 
römifchen Reichsmauer, nicht mit in diefes Befeftigungsfyftem hineinbezogen gewefen 
fein foll A priore möchte man vielmehr glauben, er habe den Eckpunkt für den 
rheinifchen und Donaulimes abgegeben. 

Damit haben wir den fiidlichen Flügel abgelaufen und wenden uns nun von 
Mainhardt nördlich, den im Eingang erwähnten Oberamtsgrenzftock wieder zum 
Ausgangspunkt nehmend. Mit Recht bemerkt Herzog, daß der von Mainhardt zur 
Thalmühle hinabführende Weg wohl römifchen Urfprungs fei, aber vom Thalüber- 
gang des limes bis Gailsbach ift auch für das geübtefte Auge keine Spur mehr vor- 
handen (die Zeichnung auf der Mittnachtfchen Karte ift deshalb zu berichtigen). 
Gailsbach felbft ftebt auf dem Wall, ähnlich wie Graab. Nördlich von Gailsbach 
beim Beginn eines Föhrenwalds ift der Damm wieder fichtbar, zunächft der Länge 
nach aufgefchlitzt (wie beim Katzen bachthal), dann im fchönen Buchenwald prächtig 
erhalten. Der intereffante Abfturz in eine bald folgende Klinge ift von Herzog 
befchrieben S. 20. Ob der von Herzog eben dafelbft erwähnte Turm, „deffen Mauer 
noch 1 m hoch über den Boden ragt", identifch ift mit einer von mir gefundenen 
nach Umkreis wie Erhebung bedeutenden Erhöhung, die ohne allen Zweifel auch 
einen römifchen Turm birgt, ift mir deshalb zweifelhaft, weil die letztere keine 
Mauern oder Spuren von Aufgrabung zeigt. Bald darauf werden die Spuren un- 
ficher; insbefondere muß man fich hüten zu weit rechts abzuirren. Gharakteriftifch 
ift, daß in Neu Wirtshaus jedermann thut, als wäre er über den Lauf der Teufels- 
mauer aufs genauefte unterrichtet; läßt man fich von einem diefer Kundigen be- 
gleiten, fo führt er einen durch eine Waldfenkung an eine große Wiefe, die man 
auf der Stelle als den heute abgeladenen See erkennt, den die Karten angeben, 
und über den der limes allerdings quer gegangen fein muß. Ob es fchon damals 
ein See war, wer weiß es? Ob eine in demfelben angebrachte dammartige Erhöhung, 
die aber früher Fifchereizwecken diente, ein Reft des Römerwalls ift, oder auch nur 
ganz in der gleichen Richtung ftreicht wie diefer, könnte nur durch geometrifche Ver- 
meflung gefunden werden. Weiterhin habe ich leider keine Spuren mehr gefunden, doch 



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70 Ludwig, Reife auf der Teufelsmauer. 

gebe ich die Hoffnung noch nicht auf, durch wiederholtes Suchen in diefem Wälder- 
gewirr Refte insbesondere des jedenfalls ungemein intereffanten Abfturzes des Walls 
aus dem hohen bergigen Hinterland in die Öhringer Ebene aufzufpüren. Die Strecke 
vom Neuwirtshaus bis Wefternbach über Öhringen ift die längfte nichterhaltene auf 
der Linie Welzheim — Jagfthaufen. Bei Wefternbach erhebt der limes fich jedoch 
wieder fo fchön als je und zwar auf eine lange Strecke. Dort ift auch auf der 
Krone des Walls die bekannte Kerbe, welche Keller als den Ort anfah, wo die Palif- 
faden eingefetzt waren, bis er vom Revierforlter belehrt wurde, daß diefer Fußweg 
als Markungsgrenze angelegt worden war. Vor Pfahlbach hören die Spuren auf, 
um jenfeits des Orts im Wald wieder zu beginnen, teils rechts, teils links von 
der Straße. 

Nun kommen die 5, von Pfarrer Gußmann in Sindringen aufgegrabenen 
Wachhäuseben : das erfte, unmittelbar auf dem Wall fliehende, durch eine Buche zer- 
fprengt, die andern 10 — 20 Schritte vom Wall entfernt, teils noch auf der Ebene, 
teils fchon am Thalhang, 2 am Eck nicht erhalten, das 3. und 4. mit einem auf- 
fallenden dem Wall zugekehrten meterlangen Sporn I- -. Das oben erwähnte, 

auf dem Wall befindliche, hat ftatt diefes Steinfporns einen nicht fehr hohen, fenk- 
recht auf dem Wall ftehenden, nach der äußeren (öftlichen) Seite ca. 9 m weit 
vorfpringenden Seitendamm. Am oberen Thalrand (der Sali) zeigen fich nunmehr 
auch Parallelftränge zum Hauptwall (folche haben Herzog und Paulus auch auf dem 
Linderft und füdlicb von Mainhardt gefunden), oft unter fpitzem Winkel in einander 
fibergehend. Das Kocherthal gewinnt der limes nicht wie fonft in jähem Abfturz, 
fondern — eine einzig daftehende Erfcheinung! — den Thalhang der Sali benützend 
in einer Serpentine. Es ift alfo hier die Darfteilung der KommiJTion des Jahrs 1877 
ebenfo wie die Zeichnung der Mittnachtfchen Karte richtig zu ftellen. Sind ja 
doch die Spuren fo deutlich erhalten, daß der auf der Straße jenfeits des Kochers 
wandernde Turift, der je einmal den limes gefehen hat, fchon von weitem die 
Stelle erkennt, wo er fich ins Thal berunterneigt. Auch die Zeichnung auf der 
Oberamtskarte von Künzelsau giebt eine falfche Vorftellung. 

Oberhalb Sindringen, unmittelbar bei der Ziegelhütte, geht der limes in 
einer Furt über den Kocher (niederfter Punkt des Walls: c. 180 m), deren Vor- 
handenfein als unter dem Wafferfpiegel fich hinziehender Steindamm gleichfalls von 
Pfarrer Gußmann konftatiert ift. Weniger klar ift die Bedeutung, der Zweck diefer 
Furt. Intereffant ift, daß Kocher und Jagft wie in ihrem Oberlauf zwifchen Schwabs- 
berg und Hüttlingeu, fo in ihrem Unterlauf zwifchen Sindringen und Jagfthaufen 
an derjenigen Stelle gefchnitten werden, wo fie fich am meiften einander nähern. 
Von jetzt an werden die Spuren immer feltener. Das kürzlich aufgegrabene groß- 
artige Kaftell bei Jagfthaufen möge ebenfo wie das gleichfalls noch nicht lange 
gefundene von Welzheim feine befondere Darfteilung finden! 

Nördlich von Jagfthaufen find nur noch vereinzelte Spuren erhalten; daß 
ein zwifchen den Oberämtern Künzelsau und Neckarfulm laufender Ackerrain ein 
Reft des limes ift, bemerkt Herzog S. 22. Aus dem Umftand, daß eine Zeit lang 
die Landesgrenze zwifchen Württemberg und Baden zusammenfällt mit der Linie 
des nicht mehr fichtbaren Walls, könnte man verfucht fein zu folgern, daß zur Zeit, 
da diefe Grenze gezogen wurde, die Teufel6mauer hier noch ftand. Mit der Er- 
reichung der badifchen Grenze hat unfre Wanderung ihr Ende erreicht. 



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71 



Sülchgauer Altertumsverein. 



i. 

Die Bedeutung der römifchen Niederlaffungen auf dem kleinen Heuberg. 

Ergebnis einer dort vorgenommenen Rekognoszierung. 
Mit einer Kartenfkizze. 

Die Römer find, geftützt auf die Donau- und Rheinbafis, methodifch gegen 
das innere Germanien vorgerückt, mit dem augenfcheinlichen Zweck, eine auf den 
Terrainverhältniffen beruhende, fogenannte naturliche Grenze zu gewinnen. Diefes 
methodifche Vorrücken war aber kein f tetig es, es zeigt vielmehr mehrfache, zeit- 
lich mehr oder weniger aus einander liegende Unterbrechungen und Stillftände. Um 
den Nachweis hiefür erbringen zu können, ift es notwendig, auf die allgemeine 
Lage der Dinge in Rom zurückzugreifen. 

Tiberius war von entfchiedener militärifcher Befähigung und ftand in diefer 
Hinficht hoch über feinem Stiefvater Auguftus. In ihm waren noch die Traditionen 
des großen Gäfar lebendig und darum ift anzunehmen, daß während feiner Regie- 
rung rüftig an der Einrichtung des rätifchen und rheinifchen Kriegstheaters 
fortgearbeitet wurde, die ja von ihm und feinem Bruder Drufus begonnen war* 
Unter diefer Einrichtung wird hier verftanden: die Feftftellung der ftrategifchen 
Punkte, die Anlegung des auf fie gegründeten Straßennetzes, die Fortifizierung der 
wichtigften Pofitionen, wie namentlich der Flußübergänge und Grenzdeboucb6s, die 
Anlage der Proviantmagazine und der Stationen für den Port- und Kourierdienft 
und das Nachrichtenwefen. 

Die Donau war von Regensburg abwärts eine vortreffliche Wafferbarriere, 
aufwärts eine nicht zu brauchende Verteidigungslinie; es mußte alfo über fie 
hinübergreifend eine beffere gefucht werden. Als folche ftellte fich dar: der Steil- 
rand der fchwäbifchen Alb, aus der Gegend von Nördlingen (Bopfingen) bintiber- 
reichend bis an den obern Neckar in die Gegend von Rottweil. Die Anlehnung 
diefer natürlichen Grenze fand fich auf dem rechten, rätifchen Flügel über die Wör- 
nitz hinüber im Defile der Altmüh], auf dem linken über den Neckar weg am un- 
zugänglichen Teil des obern Schwarzwalds. Diefe Grenzlinie hat höchft wahrfchein- 
lich zu Ende der Regierung des Tiberius, alfo um das erfte Drittel des 1. Jahrhun- 
derts, beftanden. Die rätifchen Truppen ftanden auf der fchwäbifchen Alb und ent- 
lang der Donau; an den obern Neckar und gegen den Schwarzwald hin waren 
Truppen aus dem helvetifchen Gallien und der Grenze des Oberrheins (von Aug. 
Raur. u. Vindoniffa) vorgefchoben. Auf diefer ganzen Linie finden fich ältere forti- 
fikatorifcbe Anlagen der Römer, immer aber nur von proviforifcher Art. 

Die auf Tiberius folgenden drei Kaifer des julifchen Gefcblechts, Caligula, 
Claudius und Nero waren nicht dazu angethan, ernfthafte Kriege zu führen; vom 
Geifte Gäfars war keine Spur mehr in ihnen zu entdecken, fie hatten kein Geld 



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72 Kallee 

übrig zu Feftungsbauten , He brauchten es zu Gefchenken an die Prätorianer, um 
diefe bei guter Laune zu erhalten, und zu ihren maß- und ziellofen Verschwendungen. 
Eine militärifche Oberleitung fehlte gänzlich, die Legaten in den einzelnen Provinzen 
waren auf fleh felbft angewiesen und handelten lediglich nach ihrem eigenen Er- 
meffen und Gutdänken. Während der Zeit aber, in welcher Galba regierte und 
Otho und Vitellius fowie diefer und Vefpafian um die Herrfchaft ftritten, war die 
Aufmerkfamkeit Roms um fo mehr von Germanien abgelenkt, als der größte Teil 
der rheinifchen Legionen oder des Sogenannten germanischen Heeres nach Italien 
gezogen worden war. Nur die damals unter dem Prokurator Porcius Septiminus in 
Rätien flehenden Truppen waren nicht in MitleidenSchaSt gezogen worden. 

So dürfte fich der Ausdruck rechtfertigen, daß die rätifchen und rheinifchen 
Truppen vom Ende des Tiberius bis zu VeSpafian, alSo während des zweiten Drittels 
des 1. Jahrhunderts, hinter ihren damaligen Grenzen mit Gewehr bei Fuß Standen. 
Es wurde nur das angeordnet, was zur eigenen Sicherheit nötig war. 

ErSt nachdem es YeSpaSian gelungen war, das nahezu an den Rand des 
Abgrunds gekommene römiSche Staatswesen wieder in Ordnung zu bringen, wurde 
auch den Grenzverhältniffen gegen Germanien die lang entbehrte FürSorge zugewendet. 
Das Hochplateau der Schwäbischen Alb, welches vermöge Seiner Unfruchtbarkeit und 
Wafferarmut die Truppenverpflegung erschwerte, wurde verfallen und die Grenze 
weiter vor, d. h. an den Neckar und über dieSen hinüber gerückt. Die Ausführung 
der Maßregel iSt wohl durch Frontin, den Generalquartiermeifter und Kriegstechniker 
VeSpafians, bewirkt worden. 

Die ältere römiSche Grenze war durch den dem Feinde zugekehrten Steil- 
rand der Schwäbischen Alb deutlich ausgesprochen , von dem Punkte an aber, wo 
fich dieSer Steil rand gegen WeSten wendet, lag Sie in Beziehung auf die Front gegen 
Germanien ungünftig, und als diefer Punkt ift zu bezeichnen der Gipfel des Hoheu- 
zollern. 

Als Fortsetzung der natürlichen Albrandgrenze ift unter diefem Gesichts- 
punkt zu betrachten der Sogenannte „kleine Heuberg", jene mit ihren, wenn 
auch nicht hohen, fo doch zum Teil Sehr fceilen Abhängen gerade gegen Norden 
abfallende Vorterraffe des fchwäbifchen Jura. Über diefe Terraffe hinüber mag fich 
die Grenze auf Hochmöffingen und von da zum „Schänzle" an die fteilen Abftürze des 
Kinzigthals gezogen haben, womit die Anlehnung an den Schwarzwald erreicht war. 
Hinter diefer Grenzlinie lief die Grenzftraße, wenig Südlich vom 
Zollern das Albplateau verlallend, über OStdorf, Geislingen, Leidringen, Epfendorf 
nach Waldmöffingen auf die zwifchen den Zuflüffen des Neckars und der Einzig 
ausgebreitete Hochfläche. 

Die hier aufgestellte Anficht findet ihre Begründung in folgenden Verhältniffen : 
1. Die zahlreichen Spuren von Römerwegen, welche Sich in dieSem Landstrich 
vorfinden, Stellen, richtig unter Sich verbunden, ein Wegnetz dar, welches ent- 
schieden bei dem Vormarfch der römiSchen Truppen entstanden Sein muß. 
Wenn nämlich ein Truppenkorps in Feindesland Sich bewegt, So muß es Seine 
Flanken durch Seitenkolonnen decken , die Sich beiläufig parallel mit dem 
Hauptkorps bewegen, und die Römer thaten dies Sicher Seit der Schweren Nie- 
derlage am TraSimenerSee, wo Sie dies zu ihrem großen Nachteil verläumt 
hatten. DieSe Seitenkolonnenwege finden Sich, von Rottweil ausgebend, entlang 
dem Fuße der Alb und entlang dem Neckar auf deffen rechtem Ufergelände; 
fie find unter lieh durch Transverfalen verbunden. Die Hauptftraße aber führte, 
ungefähr die Mitte zwifchen den Seitenftraßen haltend, in faft gerader Linie 



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Römische Niederlafsung ^ 
bei Wachendorf . 



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LNeuhaus 



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Hörn. Villa 




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Die Bedeutung der römifchen Niederlaffungen auf dem kleinen Heuberg. 73 

auf das Debouche zwifchen der Weilerburg und dem Kartell von Sumlocenne. 
Auf diefem Wege nun liegt das Plateau von Binsdorf, der Mittelpunkt der 
hier in Frage (teilenden Unterfuchung. Diefe Operationslinie muß als die 
Hauptheerftraße betrachtet werden , nicht aber die auf der archäologifchen 
Karte von Württemberg auf dem linken Neckarufer verzeichnete. Ich werde 
dies an anderem Orte noch näher darlegen. 
2. Die große Zahl von nachgewiefenen römifchen Niederlaffungen innerhalb diefes 
Netzes, die aber ficher noch lange nicht erfcböpft ift, fchon deshalb nicht, 
weil die Aufdeckung mehr dem Zufall, als dem fyftematifchen Suchen zu ver- 
danken ift. 

Man kann annehmen, daß feit der Römerzeit ca. 1 Meter Boden aufgewachfen 
ift, da die Annahme von 1 Zoll auf 20 Jahre, wie dies die geologifchen Lehrbücher 
angeben, wenigftens für unfer Klima etwas zu hoch gegriffen fcheint. Aber da wo 
Ackerboden ift, werden die Kuppen durch das Abpflügen immer flacher, während 
fich in den tiefer liegenden Halden der abgepflügte Boden aufträgt. Man findet 
daher bei Gebäudereften diefelbe Mauerfchichte, wenn fie nahe der Kuppe liegt, oft 
nur eine Hand breit unter der Ackerfläche, während fie 100 Schritt weiter abwärts 
fchon Vs Meter Boden auf fich liegen hat. Bei den Ausgrabungen auf dem Kreu- 
zerfeld 'bei Rottenburg, das nebenbei bemerkt voll Ruinen fteckt, konnte diefe Wahr- 
nehmung recht' deutlich gemacht werden. Daher auch das gar nicht feiten vor- 
kommende Einbrechen von Zugtieren durch Hypocauftumdecken oder das Hängen- 
bleiben der Pflugfeharen an Mauern auf Stellen, über welche feit Jahrhunderten der 
Pflug gebt, ohne daß er auf Mauern geftoßen wäre. Befindet fich nicht zufälliger- 
weife jemand im Orte, der fich für diefe Dinge interefllert, fo geht die Sache un- 
bemerkt vorüber ; der Bauer deckt das entftandene Loch zu oder nimmt die Mauer- 
fteine, fo weit fie ihn hinderten, heraus und wartet, bis feine Pflugfchar wieder ein- 
mal eine Scharte bekömmt. Auch die Anzeichen des mageren Wachstums oder 
frühen Gelb Werdens der Halmfrüchte ift wohl jedem Ackerbefitzer bekannt, wird 
aber nicht weiter beachtet. Auch diefe Erfcheinung ift wechfelnd. Sie tritt nur zu 
Tage an Stellen, wo fich der Boden im Laufe von Jahrzehnten gemindert, und ver- 
fchwindet an andern Stellen, wo der Boden fich höber aufgetragen bat; natürlich 
ganz unabhängig von dem trockeneren oder nafferen Jahrgang. 

Die nähere Terrainbefichtigung erftreckte fich auf die Umgebungen von 
Erlaheim, Binsdorf und Rofenfeld. 

Bei Erlaheim ftieß man zu verfchiedenen Zeiten zu Anfang des Jahrhunderts 
bis in die neuefte Zeit auf römifche Refte. Ein Mann grub auf feinem Acker viele 
Eifenteile aus und kam hiebei, da er fie verwerten wollte, in Verdacht, fie bei dem 
großen Brand in Balingen 1809 fich angeeignet und auf feinem Gut vergraben zu haben. 
In neuerer Zeit, vor 5 oder 6 Jahren, brach ein Wirt aus Binsdorf beim 
Ackern mit den Pferden in ein Hypocauftum ein. Nach den Ortstraditionen foll 
an diefer Stelle ein Schloß geftanden haben. Der Acker liegt auf Erlaheimer 
Markung. 

Weftlich von Binsdorf am rechtsfeitigen Hang des Bubenhofer Thals zwifchen 
den Wegen, welche von der Pelzmüble und der weiter thalabwärts liegenden Bins- 
dorfer Mühle nach Binsdorf führen, findet fich der Flurname „Burgfeld". Die Flur- 
linien umgrenzen dort ein ca 3 Hektar haltendes Feld, welches den Eindruck künftlich 
geebneten (korrigierten) Terrains macht und die Vermutung erweckt, daß hier eine 
Töinifche Grenzfortifikation belegen gewefen, von der aber nicht anzunehmen wäre, 
daß fie in permanentem Stil erbaut worden, fondern nur aus Wall und Graben mit 



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74 Kailee 

Palüfadierung befanden habe, eben weil die Grenze auch nur eine gewiffe Zeit lang 
hier gezogen war. Auf der weltlichen Seite der vermuteten Lagerfläche am glatten 
Hang hin fcheint noch die Grabenlinie erkennbar. 

Sodann fcheint die Lorettokapelle auf der Stelle eines römifchen Wartturms 
erbaut zu fein. Vom Gipfel des Lorettoberges überbltckt man befonders das Land 
bis zur Weilerburg vollftändig und hat namentlich den römifchen Brückenpunkt über 
die Eyach, bei Stetten, gerade vor Augen liegen. Auch rückwärts in der Richtung 
auf Rottweil erftreckt fich die Ausficht über einen wefentlichen Teil der Hochebene. 
Am örtlichen Hang des Lorettoberges zwifchen der Kapelle und der Keinbachmuhle 
mag die Hauptftraße von Rottweil nach Rottenburg hinab geführt haben. Die Römer 
erreichten hiebei den Vorteil, mit einem einzigen Abftieg von der Hochterraffe herab 
auf das offene Gelände zu gelangen, welches fich gerade hier von den Abfußungen 
des kleinen Heubergs über die Eyach hinüber gegen den Neckar hin ausbreitet. Öftlich 
oder weftlich diefer Richtung finden fich keine gleich günftigen Terrainverhältnifle. 

Nördlich von Rofenfeld auf dem abgeflachten Rücken zwifchen den bei- 
den zur Heiligenmühle und zur Pelzmühle hinabfließenden Bächen werden in trockenen 
Sommern beim Bleichen des Getreides die deutlichen Spuren von unter dem Boden 
liegenden Steinwegen oder Mauern wahrgenommen ; die Flur trägt den Namen „Stein- 
mauern" und es dürfte außer Zweifel fein, daß hier bei fyftematifchem Graben römifche 
Gebäuderefte zu Tage kommen. 

Auch das bei der Heiligenmühle gelegen gewefene Wafferfchloß der Herren 
von Bubenhofen ift möglicherweife auf der Stelle einer römifchen Tbalfperre erbaut 
worden. 

Die hier gefchilderten Verhältniffe und Umftände, im Zufammenbang betrachtet, 
fcheinen die Schlöffe zuzulaufen, einmal daß die römifche Albgrenze ihre Fortfetzung 
über den kleinen Heuberg an deffen gegen Norden abfallenden Hängen hin gefunden 
und ferner, daß die Hauptmilitärftraße vom Winterlager bei Rottweil nach Rotten- 
burg über Binsdorf geführt habe. 

Bei diefer Straße verweilend mag ein Gegenftand zur Sprache kommen, der 
meines Wiffens nirgends einer gründlichen Erörterung unterzogen worden ift. 

Während einer langen Reihe von Jahren als Lehrer des topographifohen 
Zeichnens und Aufnehmens an der früher beftandenen württembergifchen Kriegsfchule 
und im Generalftab verwendet, hatte ich im fogenannten Aufnehmen k la vue Unter- 
richt zu erteilen, zu dem Zwecke, die künftigen Offiziere zu Fertigung flüchtiger 
Croquis zu befähigen. Hiebei durften weder Kartengrundlagen noch lnftrumente 
verwendet werden; alle Dimenfionen mußten durch Abfchreiten, oder bei kleineren 
Entfernungen durch Abfchätzen gewonnen werden. Dabei lernt man den Unterfchied 
zwifchen abgefchrittenen und auf den Horizont reduzierten Linien gründlich kennen, 
fobald es fich um Abfchreitungen über Berg und Thal handelt. Ich fand damals, 
daß ich je nach der Natur des Terrains bis zu 12% Abzüge zu machen hatte. Seit 
unfere Straßen, wie man im Hohenlohifchen fagt, „verkilomettert" find, kann man 
diefe Unterfuchungen auch am Arbeitstifch machen. Man findet dabei die Differenzen 
noch erheblich größer, hauptfächlich aber der Seitenabweichungen (Serpentinen bei 
Thaltibergängen) wegen, welche unfere Straßenzüge machen. 

Die Entfernung von Vindonifla nach Sumlocenne beträgt nach der Peutinger- 
tafel 60 Leugen, auf der Karte gemeffen 55; die Differenz zwifchen der abgefchrit- 
tenen und der auf den Horizont reduzierten Linie beträgt fonach rund 8% und diefe 
Prozentzahl entfpricht den auf diefer Strecke berrfchenden Terrainverhältniffen. Aus 
der Richtigkeit der Summe darf man aber wohl auch auf die Richtigkeit der Summan- 



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Römifche Heerftraße von Rottenburg über den Bromberg nach Cannftatt. 75 

den fchließen und dann wären von Sumlocenne nach Arae flaviae 14 Lengen zu rechnen, 
welche wieder mit Rücklicht anf die Terrainverbältniffe anf 13 zu reduzieren wären, 
wenn man den Punkt auf der Karte von Sumlocenne rückwärts beftimmen will. Arae 
flaviae fiele damit auf das Plateau des kleinen Heuberg und zwar ganz in die Nähe 
der Kreuzung der Operationsftraße Rottweil-Rottenburg mit der Grenzftraße. Diefer 
wichtige Grenzpunkt zwifchen der fchwäbifchen Alb und dem Neckar könnte unter 
Vefpafian oder auch Domitian den Namen Arae flaviae erhalten haben. Römerfpuren 
find hier leicht ebenfo viele zu finden als bei Unter-Ifflingen, dem Arae flaviae der 
archäol. Karte. 

Diefe letztere Erörterung foll jedoch vorerft keine weitere Bedeutung haben, 
als den verfchiedenen Aufhellungen über die Lage von Arae flaviae eine weitere zu- 
gefellt zu haben. Denn pofifive Auffchlüffe können nur Hacke und Schaufel geben. 

Tübingen, im Januar 1886. £. Kallee. 



IL 
Römifche Heerftraße von Rottenburg über den Bromberg nach Cannftatt. 

Wenn man auf dem unzweifelhaft römifchen Heer weg ßch befindet, welcher 
von Rottenburg zwifchen den Dörfern Wurmlingen und Wendelsheim hindurch auf 
den Schönbuch zu führt, fo erblickt man genau im Alignement diefes Weges oben 
auf der Bergterraffe das Schloß Rofeck; wendet man fleh rückwärts, fo hat man 
ebenfo genau in der Viflerlinie das Maffiv der Weilerburgkuppe vor lieh. Der 
römifche Weg ift bis gegen Rottenburg hin fchnurgerade und es erfcheint unzweifel- 
haft, daß er auf die beiden genannten Punkte bei feiner Anlage einviflert worden ift. 

Nimmt man die Karte zu Hilfe, fo findet man, daß der Weg die gerade 
Fortsetzung jener Römerftraße ift, welche, aus der Gegend von Haigerloch (Stetten) 
kommend, zwifchen Hirrlingen und Hemmendorf durch, das Kaftell von Sumlocenne 
links lallend, nach Rottenburg leitet. Diefer letztere Weg ift ebenfo ficher auf die 
Weilerburg einviflert, wie der erftgenannte und gleichfalls gerade geführt mit einer 
einzigen den Fuß der Weilerburg knapp umfpannenden Ausbiegung. 

Eine Gerade von der Weilerburg über Rofeck verlängert führt durch den 
Scbönbuch auf Cannftatt. 

Auf diefer Linie liegt der Bromberg, der höchfte Teil des Scbönbuchs. 
Derfelbe bildet keinen Gipfel, fondern ein Hochplateau, nahezu eine Wegftunde lang 
und eine halbe breit, die lange Achfe von Often nach Weften gerichtet. Die Hoch- 
ebene fallt gegen Süden und Often fteil, an manchen Stellen kantig gegen den 
großen und kleinen Goldersbach ab, deren beide tief eingefchnittene Thäler fleh am 
füdöftlichen Ende der Bergmafle vereinigen. Nach rückwärts dacht fleh der Brom- 
berg allmählich gegen die Zuflüffe der obern Aicb ab. 

Die Hochebene des Bromberg ift zur Zeit durchaus bewaldet. Denkt man 
fleh diefelbe abgeholzt, fo geftattet fie eine nach allen Richtungen hin auf weite 
Strecken völlig unbehinderte Umfleht. Gegen Süden bat man den ganzen Albrand 
vor fleh liegen, gegen Often überfleht man einen großen Teil der Filderebene, gegen 
Norden begrenzt der Solituderücken den Horizont und gegen Weften die Höben 
des Schwarzwalds. Es ift undenkbar, daß die Römer diefen für fie hochwichtigen 
Punkt außer acht geladen haben follten, und wenn auch die Spuren römifcher Nieder- 
laffang auf der Brombergebene nicht zahlreich find, fo find fie doch an einzelnen 



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76 Kallee 

Stellen nachgewiefen und es ift höchft wahrfcheinlicb, daß der Waldboden dort oben 
noch manches birgt, wenn man auch der Volkstradition, daß auf dem Bromberg 
einft eine Stadt geftanden, kein großes Gewicht beilegen will. 

Die vorstehenden Betrachtungen haben in mir die Vermutung erweckt, daß 
die direkte urfprüngliche Heerftraße der Bömer von Bottenburg nach Cannftatt über 
den Bromberg gezogen gewefen und die mehrfach vorgenommenen Terrainunter- 
fuchungen haben meine Vermutung beftärkt und zur Überzeugung werden lauen. 
Das Ergebnis der Unterfuchungen , die ich zum Teil in Gemeinfchaft mit Herrn 
Profeffor Dr. v. Herzog vorgenommen und bei welchen wir uns der ünterftützung 
durch Herrn Forftrat Dr. Tfcherning, welcher die Verhältniffe im Schönbucb nicht 
bloß in forftlicher Beziehung, fondern gerade in dei^ auf Römerfpuren gerichteten 
Forfchungen wie kein zweiter kennt, erfreuen durften, ift nun folgendes: 

Die römifche Straße gelangt aus dem Ammerthal zwifchen Unteriefingen 
und Pfaffingen am Gehänge des Enzbachthälchens auffteigend auf die Kuppe von 
Bofeck und führt von da nach Hohenentringen, im wefentlichen die Bichtung des 
zur Zeit beftehenden Weges einhaltend; von Hohenentringen über den flachen Backen 
und den Abhang des „Weinfteigle" hinab auf den breiten Sattel, über welchen die 
Vizinalftraße vom Dorfe Entringen nach Bebenhaufen führt. Vom Sattel nimmt fie, 
immer die gerade Linie einhaltend, die Bichtung auf den nördlichen Flachrucken 
und fodann die nicht fteilen Hänge hinab über den oberften Teil des Bebenhaufer- 
thals auf den von Breitenholz nach Bebenhaufen führenden Waldweg. Vom Schnitt- 
punkt diefes Wegs auf einer durch zwei Seitenein fchnitte des rechtsfeitigen Golders- 
bacbtbals gebildeten Bergzunge hinab zur fchmalen Tbalfoble, welche an der Stelle 
erreicht wird, von wo der „Diebsfteig", ein nach der Anficht des Herrn Forftrats 
Dr. Tfcherning uralter Weg, allerdings ziemlich fteil auf den Kamm des Bromberg 
hinaufleitet. Auf diefem Teil der Brombergebene findet fich auf dem von Paulus 
d. alt. veröffentlichen Kärtchen über die Bömerwege etc. im Schönbuch ein „ver- 
mutlicher Bömerort a eingetragen, von welchem mir jedoch nicht bekannt ift, auf 
welche Funde fich die Angabe ftützt. Die weitere Verlängerung des Wegs fuhrt 
über diefen Punkt hinweg nach dem Schaichhof, denfelben einige hundert Schritte 
rechts laffend und über das verhältnismäßig flache Gelände nahe weftlich an Schön- 
aicb vorüber nach dem „Pfaffenfteig" ; fodann die Böblingen-Stuttgarterftraße bei 
der „Hutteneiche" fchneidend über den Büsnaner Hof und das Schattenwirtshaus 
durch den Bot- und Schwarzwildpark über die Feuerbacher Warte nach Cannftatt. 
Deutliche Spuren diefes Heerwegs finden fich an vielen Stellen besonders auf der 
Strecke zwifchen Hohenentringen und dem Bromberg ; man trifft dort teils ausgefah- 
rene, teils erhaltene, den fteinigen Untergrund noch zeigende Wegftücke von beträcht- 
licher Länge. 

Schwierigkeiten für die Bewegung gab es auf diefer Linie nicht, denn für 
Truppen, welche, um nach Germanien zu marfchieren, die Alpen paffiert hatten, 
find die beiden Aufftiege aus dem Ammerthal nach Bofeck und aus dem obern 
Goldersbachthal auf den Bromberg höchftens als Unbequemlichkeiten zu bezeichnen. 

Auf diefem Wege von Bottenburg nach Cannftatt wandernd, legt man genau 
die XXII Leugen der Peutingertafel zwifchen Sumlocenne und Grinario (auf der 
Karte gemeffen XX) zurück und man hätte damit in Cannftatt Grinario ftatt Cla- 
renna anzufetzen. Sollte fich jedoch gleichwohl Cannftatt einft zuverläffig als Cla- 
renna ausweifen, was bis jetzt nicht der Fall ift, fo fcheint es immer noch zweck- 
mäßiger, eine Ausbiegnng der Hauptftraße nach rechts, dem wichtigen Objekt von 
Köngen zu liebe anzunehmen, womit, was anfänglich ift, Grinario nach Köngen zu 



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Römifche Niederlaffung bei Wachendorf. 77 

verlegen wäre, als der Zickzacklinie der arcbäologifchen Karte zu folgen. Denn es 
ift vom militärifchen Geficbtspunkt fcblechthin undenkbar, daß eine römifche Truppe, 
von Rottenburg nach Gannftatt marfchierend , ohne zwingenden Grund viermal die 
Direktion verändert hätte. Die zwifchen Grinario und Clarenna (Köngen, Cannftatt) 
fehlende Leugenzahl wäre dann durch VIII zu erfetzen. Von Sumlocenne an, das 
doch nicht etwa an der Grenze Rätiens lag, ftatt des Leugenmaßes das Milienmaß 
anzunehmen, wie Paulus d. alt. (fiehe deffen Erklärung der Peutingertafel) gethan, 
halte ich für unzuläffig. 

Tübingen, im Januar 1886. E. Kailee. 



III. 
Römifche Niederlaffung bei Wachendorf. 

(Siehe Kartenfkizze.) 

Die Eyacb und die Starzel, beides rechtsfeitige Zuflfiffe des Neckars, ergießen 
ficb in den letztern auf der Strecke zwifchen Horb und Rottenburg ; ihre Mündungen 
find nur 6 Kilometer von einander entfernt. Ebenfo groß ift auch die Entfernung 
von Haigerloch nach Rangendingen, von welchen Orten die Flüßchen ziemlich parallelen 
Lauf einhalten. Auf dem breiten Rücken, welcher zwifchen den tief eingefchnittenen 
engen Thälern gelagert ift, liegen 6 Dörfer: Trillfingen, Hart und Höfendorf auf dem 
fiidlichen, Felldorf, ßierlingen und Wachendorf auf dem nördlichen Teile. 

Die Römer rückten, als fie von der Baar aus neckarabwärts zogen, gleich- 
mäßig auf beiden Seiten des Fluffes vor, das Land nach ihrem Bedarf mit Straßen 
und Kolonnenwegen überziehend und mit Niederlaffungen befaend. 

Über den Rücken zwifchen Eyach und Starzel führten nachweisbar zwei 
Wege. Der eine trennte ficb bei Stetten ob naigerloch von der Rottweil-Rottenburger 
Hauptftraße und zog in nördlicher Richtung über Bierlingen an den Neckar, der 
andere, von Sulz kommend, führte von Weften gen Often über Imnau und die Hirr- 
linger Mühle nach Rottenburg. Dieler letztere Weg diente offenbar dazu, den weiten 
Umweg, welchen der Neckarbogen von Sulz bis Rottenburg macht, thunlichft abzu- 
fchneiden. Die beiden möglichft geradlinig geführten Römerwege kreuzten fich 
bei Neuhaus, einem zu den Befitzungen des Freiherrn v. Ow auf Wachendort ge- 
hörigen Hofgute. 

Hier am Schnittpunkt der Wege lag die römifche Niederlaffung, welche von 
dem verftorbeneu Freiherrn Hans v. Ow entdeckt und in den Jahren 1865 bis 1869 
ausgegraben wurde. 

Die Stelle war früher von Wald bedeckt; beim Ausroden desfelben fließ 
man auf die alten mit Moos und Geftrüpp überzogenen Mauern. Von alten Zeiten 
her hieß der Platz im Volksmund „beim Kl öfter le u , eine Benennung, die wohl daher 
rühren mochte, daß die langen Mauern, welche die Niederlaffung nach außen ab- 
fehloffen, vor ein paar hundert Jahren noch ficbtbar waren und den Eindruck einer 
Klofterumfaffung machten. Möglich auch, daß ehedem eine Kapelle auf den römifchen 
Ruinen erbaut war, wie fich dies fo häufig findet und wofür der Umftand fpricht, 
daß fich unter dem Mauerfchutt Gefimsteile vorfanden, welche mehr eine frühmittel- 
alterliche als römifche Profilierung zeigten. 

Die Unifaffungsmauern fchloffen einen Flächenraum von ca. 2 Hektaren = 
6 württemb. Morgen ein und innerhalb desfelben wurden die Refte zweier von einander 



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78 



Kailee 




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getrennten Gebäude aufgedeckt, deren Grenzlinien genau parallel mit den Bering- 
mauern laufen. Das eine der Gebäude, 22 Meter lang und 7 Meter breit, lag im 
füdöftlichen Teil des Berings mit der Schmalfeite hart an der vorbeifahrenden Straße 
und zeigte keine Zwifchenmauern ; der Einbau muß alfo von Holz gewefen fein, was 
darauf fchließen läßt, daß es als Stall oder auch als Magazinsraum gedient habe. 

^ Das andere, 30 Meter vom erfteren 

^ entfernt, lag mehr der nordwest- 

lichen Ecke der Umfaflung zu und 
war ein wohleingerichtetes Wohn- 
gebäude; die ganze Niederlaffung 
lag auf flacher gegen Süden mäßig 
geneigter Terrainwelle. 

Die Anordnung und Einteilung 
des Bauwefens zeigt nebenftehen- 
der Grundriß. 

Die Wohngelaffe lagen gegen 
Süden und Ollen und hatten in 
diefen Richtungen über das flache 
Land weg den Horizont gegen die 
fchwäbifche Alb hin vollkommen 
frei; gegen Weften und Norden 
war derfelbe durch höher liegendes 
Terrain gedeckt. Zwifchen den 
pavillonartigen Vorfprüngen der 
Hauptfront befand fleh ein Korri- 
dor oder eine Veranda, deren Stützenunterlagen aus Sandfteinen fleh vorfanden. 
Nach Abräumung des Schuttes zeigten fleh die Mauern an vielen Stellen, namentlich 
bei den Kellerräumen noch fchön bis zu einem Meter über den Fundamenten erhalten : 
Schichtengemäuer aus Mufcbelkalk oder auch Lettenkohlefandftein mit Harken Stuben- 
fandfteinquadern an den Ecken und Kanten, wie dies bei allen römifchen Nieder- 
laffungen in diefer Gegend gefunden wird. 

Was leicht weggenommen werden konnte, wurde früher bei dem Bau des 
nur Va Kilometer entfernten Herrenhaufes im Hof Neuhaus verwendet, denn in dem- 
selben finden fleh einzelne Mauerteile ganz entfehieden aus Steinen aufgeführt welche 
der römifchen Ruine entnommen worden find. 

Außer den gewöhnlichen Funden an Frag- 
menten von Thongefäffen, von Schalen aus Siegel- 
erde, von eifernen und bronzenen Befchlägen, 
kamen drei gut erhaltene Bronzfigürchen zum Vor- 
fchein, deren Abbildungen hier und S. 79 beigefügt 
find. Von Münzen ein Antoninus Pius aus Bronze 
und eine vorzüglich erhaltene Silbermünze mit dem 
fchön modellierten Kopf der Fauftina. 

Sämtliche Funde find in der im Schlöffe des 
V-> der wirklichen Größe. Freiherrn H. v. Ow zu Wachendorf befindlichen 

fehr fehenswerten Antiquitätenfammlung aufbewahrt. 

Die Ruinen des Hauptgebäudes find nicht eingeebnet, fondern liegen gelaffen 
worden in dem Zuftand, in welchem fie fleh nach der Ausgrabung befanden; fie 
find aber jetzt wieder mit wildem Geftrüpp überwachfen. 



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s 



Römifche Niederlaflung bei Wachendorf. 79 

Bei der Frage, ob die Anfiedlung als einfache Villa mit dazu gehörigem 
Ökonomiegebäude aufzufallen fei, oder ob fie einem anderen Zweck gedient habe, 
fcheint es von einiger Bedeutung, nachftehenden Umftand in Betracht zu ziehen. 

Bei dem Dorfe Stahl an der Nims, unweit Bittburg (Beda) feitwärts der 
Straße von Trier nach Köln gelegen, wurde eine römifche Villa (fiebe Veröffent- 
lichung durch E. aus'm Weerth in den Jahrbüchern des Vereins von Altertumsfreunden 
im Rheinlande Jahrgang 1878 Heft LXII) ausgegraben, welche eine fehr auffallende 
Ähnlichkeit mit der unfrigen aufweift. 

Die Lage auf wenig gegen Süden geneigtem Terrain, die Richtung der 
Hauptfront ebendahin, die Anordnung des GrundrifTes, die Dimenfionen im ganzen 
wie in den einzelnen Teilen find faft ganz diefelben, ebenfo die Zahl der Gelaffe. 
Die Hauptfront unferer Villa ift nur 5 Meter länger und dem entfprechend der von 
den Gemächern umfchloffene Innenraum etwas größer; auch der Vorfprung für den 
Korridor ift in gleicher Breitendimenfion vorhanden, nur konnten in der Villa bei 
Stahl die Untermaurungen für die Stützpfoften nicht mehr gefunden werden. Da- 




Wirkliche Größe. 

gegen wurde bei letzterer Villa kein Nebengebäude aufgedeckt, auch keine das 
Ganze umfchließende Beringmauer aufgefunden. Beides kann indeffen doch vor- 
handen gewefen fein. 

Nun wird in der Befcbreibung der Situtation der Stahler Villa die Ver- 
mutung ausgefprochen, daß diefelbe an der Trans verfalftraße gelegen gewefen fei, 
welche die beiden von Rheims und Trier nach Köln führenden römifchen Heer- 
wege verbunden habe. 

Dies könnte der Anfleht einige Berechtigung verleihen, daß die Gebäude 
dort und hier den gleichen Zwecken gedient haben, d. h. daß fie Stationsgebäude 
für den Pferdewecbfel gewefen feien (mutationes). Die große Übereinftimmung 
in der Anlage wäre dann daraus erklärlich, daß für diefe Gebäude eine gewiffe 
allgemeine Norm beftanden hätte, nach welcher fleh die Staatsbaumeifter zu richten 
hatten. Andernfalls müßte man geradezu annehmen, daß beim Bau der einen Villa 
die andere als Modell gedient habe. Denn wenn auch bekannt und zweifellos ift, 
daß bei der Errichtung römilcher Gebäude die uns durch Vitruv überlieferten Grund- 
fätze vielfach maßgebend waren, fo finden fleh doch auch nicht eben feiten Grund- 
riffe, welche nur wenig davon erkennen lallen. Man denke dabei an die Heizein- 



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80 K a 1 1 e e , Römifche Niederlaflung bei Wachendorf. 

richtungen, die wohl alle auf demfelben Prinzip beruhen, Mnficbtlich der Ausführung 
aber eine große Mannigfaltigkeit zeigen. Wie alles in der Welt, fo änderte fich 
auch die Bauweife im Laufe der Zeiten, Altes wurde verlaffen, und Neues dafür 
angenommen, und da die Römer Jahrhunderte lang diefe Länder befaßen, fo muffen 
fich, wenn die Forfchungen weiter gediehen fein werden, ficherlich namhafte Ver- 
fchiedenheiten nachweifen laffen. Man wird dahin gelangen können, nicht allein 
aus den Infchriften, Münzfundeu und dergl., fondern auch aus der Bauweife Schlüffe 
über die Zeit der Entftehung herleiten zu können. Bei den fortifikatorifchen Anlagen 
ift dies unzweifelhaft. 



Die Annahme, daß man es hier mit einer Pferdewechfelftation zu thun habe, 
möchte aber in folgendem noch eine Stütze finden. 

Nahe im Wald, von der Umfaffungsmauer kaum 1 ls Kilometer entfernt (bei 
S im Plan), finden fich die Refte eines nur etwa 8 Fuß im Geviert haltenden aber 
aus ftarken Mauern beftehenden Raumes, welcher von Profeffor Fraas als Schmelz- 
ofen bezeichnet worden fein foll. Da biebei an Bronzeguß zu denken war, worüber 
die Schlacken Auskunft geben konnten, fo bemühte ich mich um deren Unterfuchung, 
welche durch die Gefälligkeit des Herrn Profeffor Dr. Hüfner im Univerfitätslabora- 
torium vorgenommen, gewöhnliche Eifenfchlacken ohne eine Spur von Kupfer oder 
Zinn ergab. Der Schmelzofen könnte daher eine einfache Befchlagfchmiede für die 
Pferde der Relaisftation gewefen fein. 

Tübingen, im Januar 1886. E. Kallee. 



(Schluß des I. Hefto*.) 



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81- 



Mitteilungen 

der Anftaltcn für vatcrländifehe Gefeliielite und Altertumskunde. 

Vom K. ftatiftifchen Landesamt. 

WUrtlembergifche Gefchichts-Litteratur vom Jahr 1886 0- 



1. Allgemeine Landesgefchichte. 

Alemannen. Fr. Vogel, Chlodwigs Sieg über die AI. und feine Taufe Sybels Hill. Zeitfchr. 
LVI, 385 ff. (Vgl. Schwab. Krön. 245.) 

Altertümer. Ober württ. Höhlen: Fraas, Korr.Bl. d. Gef. f. Anthr. 5. Ringwall Glemseck 
StAnz. 66. 79. Rom. Grenzwall: v. Cohaufen Nachtr. z. feiner Schrift von 1884. Wies- 
baden, Kreidel; F. Hang Berl. Piniol. Wochen fchr. 39; Paulus Weftd. Ztfchr. 2; Samwer 
ebd. 4; Asbach Bonner Jb. LXXXI S. 28 f. Rom. Niederlaffungen, Kartelle etc.: Kailee, 
Die röm. Neckarlinie vom militär. Standpunkt Allg. Zeitung 234 B.; Rottweil StAnz. 
733; Rottenburg Mommfen Weftd. Ztfchr. Korr.Bl. 197; Köngen Kallee StAnz. 85 B. . 
Korr.Bl. 2; Cannftatt Infchrift Bonner Jahrb. LXXXI1 S. 191 f.; Benningen Kallee St- 
Anz. 53 B., Hämmerle Korr.Bl. 198; an der obern Rems Kallee StAnz. 234 B.; Welz- 
heim StAnz. 217 B.; Murrhardt Korr.Bl. 2, Bl. d. A.V. f. d. Murrthal 8; Jagfthaufen 
Korr.Bl. 167; Obergriesheim Betz ebd. 181; Meimsheim Drück Bl. d. AV. f. d. Murrthal 11; 
Urfpring Klemm StAnz. 244 B. Schw. Krön» 303; Römerftraße von Rielingshaufen nach 
Sulzbach Haidien BL d. AV. f. d. Murrthal 9. Reihengräber: Horkheim Betz Schw. Krön. 
190 Kon\Bl. 137; Pfahlheim Kurtz Anz. d. germ. Nat. Mnf. I. Beil. XXIII. Über die 
Staatsfammlung vaterl. Kunft- und Alterthums-Denkmale in Stuttgart: StAnz. 238 f. 
Altertömerfammlung in Mengen: III. Vereinsgabe der Gef. d. Altertums-Freunde 1886. 

Auswanderung. R. Bergner, Deutfche Kolonien in Ungarn 6: Die Schwaben in Süd- und 
Mittelungarn Deutfche Wochenfchrift IV, 6. (Vgl. auch 3. Rapp.) 

Bauernkrieg. Vorfpiel desfelben in Oberfchwaben (Ochfenhaufen) G. Egelhaaf, Analekten 
zur Gefch. Stuttgart, Kohlhammer. 

Bodenfee. f. Ortsnamen. M. Lochner Frhr. v. Hüttenbach, Kriegerifche Ereigniffe auf dem 
Bodenfee Sehr. d. Ver. f. Gefch. d. Bod. XV, S. 27 ff. 

Buchdruck f. 2 Stuttgart; 3. Öglin. 

Dichter. Ambr. Mayr, Der fchwäb. Dichterbund: Uhland, Kerner, Schwab, Mayer, Mörike, 
Pfizer. Innsbruck, Wagner. (Siehe auch 3. die einzelnen Namen.) 

Familiengefc nicht e. K. Riecke, Altwürttembergifches aus Familienpapieren. Stuttgart, 
Kohlhammer. (Vgl. Boffert Bl. f. w. K.Gefcb. I, 9.) 

Franken. G. Boffert, Humoriftifches, Volkstümliches von der fränkifchen Grenze (Crailsheim etc.) 
Birlingers Alemannia XIV, 61 ff. 

Fürftenhaus. Eberhard der Erlauchte f. 2. Stuttgart. Herzog Ulrich: J. Dfiring, Ulr. v. W. 
und die Eidgenoffen bis 1521 Gefchichtsfreund, Mitteil, der hift Vereine der 5 Orte XLI, 
129 ff.; E. Schneider, Die Wiedereroberung Württs. für H. Ulrich StAnz. B. B. 6. H. 
Chriftoph: A. Heidenhain, Die Unionspolitik Landgr. Philipps d. Gr. v. Helfen und die 
Unterstützung der Hugenotten im 1. Religionskrieg. Breslau, Köbner. H. Friedrich L: 
Schloßberger, Württ. Gefandtfchaften 1598, 1604 und 5 St.Anz. B. B. 2. 3. 5. 8. 16. Württ 
Prinzen als berühmte Kriegshelden im 17. und 18 Jh. Schw. Krön. 126. Herzog Karl: 
Friedrich d. Gr. u. Württemberg Schw. Krön. 191; H. Karls Hochzeit 1748 Schw. Krön. 85; 
E. Salzmann, Gefch. einer fchwäb. ErziehungBanftalt aus der Rokokozeit — ecole des 
demoifelles — Stuttg. Belfer (vgl. auch Schw. Krön. 167.) König Friedrich: Schloßberger, 
Briefwechfel der Königin Katharina und des Königs Jerome v. Weftphalen fowie des 
Kaifers Napoleon I. mit K. Friedrich v. W. I. Stuttg., Koblhammer. Prinzeßin Charlotte 
(Wilhelm): A. Schröter Über Land und Meer 20. (Siehe auch Krieg etc.) Landet, Württ. 
Regententafel. Stuttg., Lindemann. 



') Die Artikel der Vierteljahrshefte find nicht aufgenommen. 
Wflittemb. Vierteljahrshefte 1887. 



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82 Hartmann 

Gaue. G. Bollert, Die oftfränk. Gaue des heutigen Württ. Arch. d. hift V. v. Unterfranken 
XXIX, 839 ff. 

Glocken. G. Boffert, Die Glocken Nürnberger Meifter im nördl. Württ Mitteil, des Ver. 
f. Gefch. d, Stadt Nürnberg VI, 259 ff. 

Heidel berg und Württemberg. J. Hartmann St.Anz. B.B. 11 (vgl. auch S. 1233), Schw. Krön. 179, 
Heilbr. Neckarz. 177, Gmünder Remszeitung 177. 

Hohen f taufen. Otto von Büren, Bifchof von Straßburg 1084—1100. Allg. d. Biographie 
XXIV, 727. Ein Hohenftaufenfchloß in Apulien: W. Lang, Von und aus Schwaben III. 
Stuttg., Kohlhammer. 

Irren wefen f. 2. Alteburg. 

Kirch enge fchichte. G. Boffert, Die Urpfarreien Württembergs (Landkapitel Bönnigheim, 
Marbach, Vaihingen) Blätter f. württ. Kirchengefch I, 1 ff. Regcfta epifcoporum Conftan- 
tienfium bearb. v. P. Ladewig I. Innsbr. Wagner. (Vgl. auch Ladewig in Mitteil. a. d. 
hift. Litt, herausg. v. d. hift. Gef. in Berlin XV, 30 ff.) Monumenta Germ. hift. Necrologia 
Germ. I. Dioecefes Auguftenfis Conftantienfis Curienfis ed. Baumann. 1. Berol. Weidmann. 
Orden und Klofter: Benediktiner: P. A. Lindner, Die Schriftfteller des Benediktinerordens 
im heutigen Königreich Württ. Beilagen, Nachträge u. Regifter. Stud. u. Mitteil, ans d. 
Ben. u. d. Cift. Orden Vn, 3. Kapuzinerklöfter: Baur, Beiträge zur Chronik der vorder- 
öfterreich, und der fchwäbifchen Kapuzinerprovinz Freib. Diöz.Arch. XVII, 245 ff. XVIII, 
153 ff. Mannsklöfter, u. zwar Anguftiner, Prämonftratenfer, Benediktiner: Vanotti, Bei- 
träge zur Gefch. der Orden in der Diözefe Rottenburg (Wengen, Marchthal, Roth, Schuffen- 
ried, Weißenau, Isny, Neresheim, Ochfenhaufen, Weingarten) Freib. Diöz.Arch. XVIII. 
Klofter Marchthal um 1290 Bl. f. württ. K.Gefch. 12. Deutfehorden f. 2. Bigenburg. 
Schuffenried : P. Beck, Aus einem fchwäbifchen Reichsftift im vorigen Jahrhundert Viertel- 
jahrsfehr. f. Volkswirtfch. Politik u. Kulturgefch. XXIII, 4, 1; Kirchenftuhl-Ordnung und 
-Streit Hofeies Paftoralblatt 1; Die Warten bergfehen Wirren im Prämonftr. Kl. Schuff. 
Hofeies Diöz.Arch. 1 f. ; Einzug in die Klofterki. Neresheim 20. Mai 1782 ebd. 5 ff. P. 
Beck, Weißenauifches - Ulmifches (Wengen) ebd. 9. Brinzinger, Aurelius- Verehrung in 
Hirfau und Zwiefalten ebd. 11. Beck, Perfonalkatalog des Prämonftr. Kl. Schuffenried 
vom J. 1683 ab bis zur Auflöfung 1803 ebd. 12. Sainbeth, Zur Gefchichte des Klofters 
Löwenthal bei Friedrichshafen Hofeies Diöz.Arch. 1 ff.; Calendarinm et necrol. monialium 
8. Dom. in L. Bodenfeefchr. XV, 103 ff. Schneider, Gefchichtliches über das ehem. Klofter 
Langnau G. Das Paulinerpriorat ebd. 124 ff.; Paulinerklofter Argenhart ebd. 198 ff.; £. 
Schneider, Die Aufhebung der Kappenherren in Württ. Bl. f. w. k. Gefch. 2. Schuffenrieds 
letzte Konventualen Hofeies Diöz.Arcb. 6. Stengele, Inventuraufnahme in den 1803 dem 
deutfehen Orden zugewiefenen Franziskanerklöftern Leutkirch und Wangen Hofeies Diöz.- 
Arch. 1. 2. (J. F. Abel) Aus den letzten Zeiten des Klofters Schönthal Bl. f. ev. K.Gefch. 
4. J. v. Günthert, Die letzten Tage der Bened. in Isny Ztfchr. f. allg. Gefch. 4. Boffert, 
Der St. Annakultus in Württ. Bl. f. k. G. 3. 8, Der Zwölfapoftelkreis in den bildl. Dar- 
ftellungen unferer Kirchen ebd. 7. Boffert, Die Thätigkeit des bifchöfl. Stuhles von Kon- 
ftanz innerhalb Württs. 1518—23 ebd. 11 f. G. Boffert, Briefe und Akten zur Gefch. der 
fränk. Reformation (Crailsheim) Theol. Stud. aus Württ. VII, 1. Derfelbe, Zur Gefch. 
des Evangeliums in Oberfchwaben (Biberach) ebd. K. Rothenhäusler , Die Abteien und 
Stifte des Herz. Württ im Zeitalter der Reformation Stuttg. Verl. d. D. Volksbl. Derfelbe, 
Der Untergang der kath. Religion in Altwürtt Leutkirch, Roth. Boffert, Rottenburg 
a. N. und die Herrfchaft Hohenberg im Reformationszeitalter Bl. f. wü» K.Gefch. 4 ff. 
(vgl. auch Neftle ebd. 9). Derfelbe, Meifter Hans. Ein kleiner Beitrag zur Reformations- 
gefch. v* Böblingen, Reutlingen und Rottenburg ebd. 2. A. Baur, Über einen Unions- 
verfuch zwifchen Kurpfalz und Württ. Piot. Kirchenz. 50 f< Zeller, Gefch. des Kirchen- 
gefangs in der Diöz. Rottenburg. Regcnsb., Puftet. Siehe auch 2. Ailingen, Biberach, 
Geislingen, Gerftetten, Gingen, Höfen a. N., Leutkirch, Marktluftenau, Ochfenhaufen, 
Ravensburg, Reute, Scheer, Sindringen, Tübingen, Ulm, Waldfee, Weiler ob Helfenftein, 
Wippingen; 3. Speratus, Sufo. 

Krieg und Militärwefen. G. Ehrismann, Spruch auf den fchwäb. Städtekrieg Bartfehs Ger- 
mania XIX, 3. M. Lenz, Der Rcchenfchaftsbericht Philipps des Großm. über den Donau - 
foldzug 1546 und feine Quellen. Marburg, Elwert. (Eine der Quellen wahrfch. für H. Ulrich 
beftimmt, eine andere ein Vortrag des Landgrafen im Feldlager bei Giengen am 10. Nov.) 
Göz, Anteil württembergifcher Truppen an der Belagerung von Neuhäufel 1685 St.Anz. 
B. B, 8 f. Göz, Die württ Truppen vor Ofen 1686 StAnz. B. B. 13 f. Allg. MilitZtg. 74. 



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Württembergifche Gefchichts-Litteratur 1886. 83 

Th. Schott, Die württ Geifeln in Straßburg u. Metz 1693—96 Ztfchr. f. allgem. Gefch. 8. 
Gebele, Kriegführung der franz. Armee in Schwaben 1796. Progr. d. Bened.Gymn. in 
Augsburg. Bailer, Gefch. d. württ. Pionier-Batallons Nr. 13. Ulm, Sellmer. G. v. Niet- 
hammer, Die Schlacht bei Villiers am 30. November 1870« 2. Aufl. Stuttg., Kohlhammer, 
Derfelbo, Gefchichte des Grenadierregiments Königin Olga 2. Aufl. Stuttg., Kohlhammer. 
(Siehe auch H. Ulrich; 2. Stuttgart; 3. v. Normann.) 

Kunft. H. Detzel, Eine Kunftreife durch das Frankenland. Würzb. Wörl 1885. (Siehe auch 
2. Ailingen, Bebenbaufen, Creglingen, Eßlingen, Hciligkreuzthal, Hirfau, Öhringen, Ulm, 
Weißenau; 3. Chriftoph v. Urach, Emrainger, Dannecker, Neher, Tretfeh, Zeitbluem.) 

Linksrheinifche Befitzungen Württs. Herrenfehneider, Argentovaria-Horburg Jahrb. f. 
Gefch., Sprache u. Litt. Elf.-Lothr. I, 25 ff. II, 156 ff.; Schricker in Weftd. Ztfchr. V, 2. 
Ensfelder, Schützenordunng von Reicheuweier 1568 Jahrb. f. Gefch., Spr. u. Litt* Elf.-Lothr. 
II, 159 ff* Th. v. Liebenau, Mümpelgart und die Schweiz 1474 — 76 Anz. f. fchweiz. Gefch. 
XVII, 1. 2. 

Litterarifches um 1837. A. Rüge, Briefwechfel u. Tagbuchblätter. Berlin, Weidmann. 

MÜnzwefen. v. Höfken, Die MOnzkonvention der Bodenfeeftädte v. J. 1240 Arch. f. Bracte- 
atenkunde I, 183 ff. (Darin Bifch. Heinrich v. Konftanz und Stadt Ravensburg.) 

Oberfchwabcn. Schickhardt, Über die Vereinödung in 0. St. Anz. B. B. 19. 

Ortsnamen. K. Chrift, Gefamm. Auffätze über das rheinifche Germanien I. Heidelb., Groos. 
(Darin: Argen S. 9, Bodenfee 26, Cannftatt 2, Linzgau 19, Rotenburg — weil] 12 f.) Bir- 
linger, Die hohenzollerifchen Flurnamen : Namen von Tieren, Wege, Stege. Pfatten, Brücken, 
Furten, Thore, Nachbarorte Alemannia XIV, 215 ff. Siehe auch 2. Lauchheim. 

Pfarrers föhne, namhafte aus Württ. St Anz. 1885 B. 250. 

Poftwefen. Gefchichte des P. in W. Schwab. Chronik 275. 

Revolution von 1789 ff. und Württemberg. W. Lang, Von und aus Schwaben III. Stuttg., 
Kohlhammer. 

Schulwefen um 1500. Boffert, BL f. wü. K.Gcfch. S. 60 ff. Vgl. S. 70 f. 

Schwaben, Herzoge v. Otto I. IL III. Stalin Allg. d. Biogr. XXIV, 725 ff. 

Schwabenneckereien. Birlinger Alemannia XV, 186 ff. 273. 

Schwabenftreiche. W. Paulus, Die älteften Schwabenftreiche St. Anz. B. B. 11. 

Statutarrechte, Weistümer etc. f. 2. Kallenberg, Konzenberg, Martinsmoos. 

Urkundenwefen. E. Schneider, Zur Lehre von der fehwäbifchen Privaturkunde des 13. Jahrh. 
Löhers Archival. Ztfchr. XI, S, 1 ff. 

Württemberg, Land und Staat. E. Paulus u. R. Stieler, Aus Schwaben. Schilderungen in 
Wort u. Bild. Stuttg., Bonz. Hänfelmann, llluftrierte Gefchichte Württembergs. Stuttg. 
Hänfelm. Widenmeyer, Ein altes württ. Diätenregulativ St. Anz. B. B. 9. M. Bach, Das 
ältefte württ Staatshandbuch St Anz. B. B. 20, 21. J. Hartmann, Vor hundert Jahren StAnz. 
B. B. 20, 21. Württemberg in den 1850er Jahren: v. Pflugk-Harttung, Die Anfänge des württ. 
Minifteriums Linden. Nach den Erinnerungen des Minifters. Hiftor. Ztfchr. N. F. XXI, 1. 

Zollern u. Württemberg. L. Schmid, Die ältefte Gefchichte der Hohenzollern IL Tüb., Laupp* 

2. Ortsgefcbicbte (einfcbließlicb Gefcblechtergefcbichte). 

Ailingen. Das Landkapitel Ail.-Theuringen, jetzt Tettnang, Sambeth Sehr. d. Ver. f. d. Gefch. 

d. Bodenf. XV, 43 ff.; Faftenindult, fog. Butter brief für die Pfarreien Ailingen, Ietten- 

haufen, Berg und Kehlen Hof. Diöz.Arch. 9. 
Alteburg bei Reutlingen. Flamm, Monographie der landwirtfchaftl. Kolonie Altenburg für 

Pfychifchkranke der Heil- und Pfleganftalt Pfuliingen. Tüb., Ofiander. 
Argen, Langenargen f» 1. Ortsnamen. 
Ar gen hart f. 1. Kirchenge fchichte. 

Backnang. Notizen von den J. 1678. 79. 97. BI. d. Alt.Ver. f. d. Murrthal 9. 
Bebenhaufen. E. Paulus, Die Cifterzienferabtei Bebenh. Hcrausg. vom Württ AltertVerein 

Stuttg., P. Neff* 
Benningen f. 1. Altertümer. 
Berg, OA. Tettnang f. Ailingen. 
Biberach f. 1. Kirch engefchichte. 

Bigenburg. E. Schneider, Die Deutfchordenskommeude Big. StAnz. B. B. 4. 
Bönnigheim f. 1. Kirchengefchichte. 
Brackenheim. Befegnung Birlingers Alem. XV, 67 ff. 
Cannftatt f> 1. Altertümer, Ortsnamen« 



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84 Hartmann 

Crailsheim f. 1. Franken, Kirchenge fchichte. 

Creglingen. Herrgottskirche Schw. Krön. 220. 231. 

Degenfei d, v. Schwedifche Dotation für Chr. M. v. Deg. 1633: Schilling Freib. Diöz.Arch. 

XV11I, 324 f. 
Deißlingen. D. wie es war nnd ift. Rottweil, Eller. 
Ehingen. Ablaßbrief für den Spital 1343: Sambeth Hof. Diöz.Arch. 12. 
Ell wangen. Befchreibung des Oberamts vom K. ftat Landesamt, Paulus, Stalin u.a. Stuttg., 

Kohlhammer. (Vgl. P. Beck, Deutfehes Volksblatt 129 ff.) Die Ellw. Preffe Jagftzeitung 

134 ff. Vogelmann, Volksmundartliches ans der Ellw. Gegend Heimgarten 5 ff. Angeb- 
liche Ellw. Bracteaten v. Höfken Archiv f. Bract I S. 88 f. Urkunde des Ellw. Spitals 

v. 1486 Ipf 95. 
Eßlingen. Salzmann, Mitteil, aus d. Reform.Gefch. Es. 1529—40 Eßl. Anzeiger 242 ff. Beil. 

Brinzinger, Das Domin. Klofter, die Paulski. u. d. kath. Stadtpfarrei in E. Hof. D.Arch. 1. 

Egle, Vortrag über die Baugefch. der E. Frauenkirche Sehr. d. Württ Ver. f. Baukunde 

in Stuttg. Zur Baugefch. der Eßl. Frauenkirche Prüfers Archiv f. kirchl. Kunft 4 u. 5. 
Geislingen. Klemm, Mitteil. a. d. Orts- u. Bezirksgerichte o. 0. DienftinTtr. für den Meßner 

1468 BI. f. württ Kirchengefch. 1. 
Gerftetten. Dieterich, Leben u. Leiden einer Albgemeinde im 80 j. Krieg. Bl. f. w. K.G. 10 ff. 
Gingen a. d. Fils. Aus den Kirchenbüchern 1600 ff. Bl. f. wü. K.Gefch. 4 t 
Glcmseck f. 1. Altertümer. 

Gmünd f. 1. Heidelberg. Um 1780 ftrickt in G. Mann u. Weib, Jung u. Alt Birl.. Alem. XIV, 106. 
Großafp ach. Kriegslaften 1796 ff. Bärlin Bl. d. A.V. f. d. Murrthal 10. 
Heiligkreuzthal. Schwab. Kronik 182. 
Hiltensweiler. Moll, Neue Beifetzung der Oberreite der Gr. v. Montfort Bodenfeefehr. 

XV, 209 ff. 
Hirfan. K. Klaiber, Das Klofter H. Tübingen, Fues. Klemm, Einige Altertümer von KI. H. 

St.Anz. B. B. 16. 
Höfen am Neckar. Brinzinger, Die Pfarrei H. a. N. Hof. Diöz.Arch. 5 f. 
Hohenbcrg f. Rottenburg. A. Schulte, Beiträge zum Leben der Konftanzer Domherren und 

Gefchichtfchreiber Heinr. Truchf. v. Dießenhofen u. Albrecht Graf v. Hohenberg Ztfchr. 

f. d. Gefch. d. Oberrh. N. F. I, 1. 
Hohenneuffen. K. Kapff, H.N. in Wort und Bild. Stuttg., Kohlhammer. 
Hohentwiel. Reform des Klofters von Einfiedeln aus: Stud. u. Mitteil. a. d. Ben. u. Cift- 

Orden VH, 50 ff. Eine Reife nach H. 1786 Zürcher Tafchenbuch auf das J. 1887. (N. F. X.) 
Jagfthaufen f. 1. Altertümer, 
lettenhau fen f. Ailingen. 
Iptingen f. 3. Rapp. 
Isny f. 1. Kirchengefchichte. 

(Kallenberg, Herrfchaft Birlinger Alem. XIV, 262.) 
Kehlen I Ailingen. 
Konzenberg. Weistümer der alten Herrfchaft K.: Wurmlingen, Seitingen, Oberflacht Birl. 

Alem. XIV, 1 ff. 
Langnau f. 1. Kirchengefchichte. 

Lauchheim. Vogelmann, Vom Namen der Stadt L. Ellw. Heimgarten 47 f. (L. = Grenzort) 
Lautern f. Wippingen. 
Leutkirch. Roth in Hof. Diöz.Arch. 1 ff. 
Liebenzeil. Salzmann u. Kommereli, Das Bad Liebenzell und feine Umgebung. Stuttg., Hän- 

felmann. Schwab. Krön. 99. 
Löwenthal f. 1. Kirchengefchichte. 
Marbach f. 1. Kirchengefchichte. 
Marchthal f. 1. Kirchengefchichte. 
Marktluft na u. Bollert, Aktenmäßige Leidensgefchichte einer ev. Gemeinde Württs. Bl. f. wü. 

K.Gefch. 1 ff. 
Martinsmoos. Dorfsbuch 1558 Doli in Birl. Alem. XIV, 28 ff. 
Meimsheim f. 1. Altertümer. 
Mengen f. 1. Altertümer. 

Möttlingen. Fleckenbuch aus dem 16. Jh. Doli in Birl. Alem. XIV, 34 ff. 
Murrhardt f. 1. Altertümer. 
N ei fen, v. Berthold, Gottfried (Minnefänger), Heinrich Allg. d. Biogr. XXIII, 400 ff. 



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Württembergifche Gefchichts-Litteratur 1886. 85 

Neipperg, Adam Albert Gr. v. ebend, 408. 

(Neuenbürg, Eberhard III., Gr. v. ebend. 418.) 

Nerc8heim f. 1. Kirchengefchichte. 

Nürtingen. E. Hochftetter, Gefchichte von Stadt u. Amt N. 1. Vor 200 Jahren. Nürt, Senner. 

Nufplingen. Geßttze, Ordnung und Statuten der Stadt N. im Berental Birl. Alem. XIV, 263 ff. 

Oberflacht f. Konzenberg. 

Obergriesheim f. 1. Altertümer. 

Oberfontheim. Immendörfer, Gefchichte der Gemeinde 0. Predigt. Gaildorf, Schwend. 

Ochfenhaufen f. I. Kirchengefchichte. Kirchenfchatz 1659 Giefel Hof. Diöz.Ärch. 8. 

Öhringen. Stiftskirche Schwab. Eron. 278. 

Plieningen. Heimat des Dichters Freidank? Boflert Schwab» Krön. 278. 

Ravensburg. Bracteate: v. Höfkens Archiv I, 194. Giefel, Bücherkatalog u. Kirchenfchatz 
der Pfarrkirche a. d. Anfang des 15. Jh. Hof. Diöz.Ärch. 8. 

Reute f. 8. Elifabetha Bona. 

Roth, Klofter f. 1. Kirchengefchichte. 

Rottenburg f. 1. Altertümer, Kirchengefchichte, Ortsnamen. 

Rottweil f. 1. Altertümer, Ortsnamen. 

Sehe er. Schulwefen 1664 Hof. Diöz.Ärch. 4. 

Schuf fenried f. 1. Kirchengefchichte. 

Schwaigern f. 1. Kirchengefchichte. 

Seitingen f. Konzenberg. 

Sindringen. Gußmann, Joh. Heinr. Yelin. Ein Bild aus den Hohenlohifchen Religionswirren 
des vor. Jahrh. Preuß. Jahrb. 1. 

Stuttgart. J. Hartmann, Chronik der Stadt Stuttgart. Stuttg., Greiner u. Pfeiffer. Amtsgrund- 
buch der Kirchen- u. Schulpflege Stuttgart. Gedr. bei W. Kohlhammer. E. Schneider, 
der Kampf Gr. Eberhards des Erlauchten gegen K. Rudolf v. Habsburg. Mit einer Ab- 
bildung des Stuttg. Vertrags v. 10. Nov. 1286. Suttg., Greiner u. Pfeiffer. Steiff, Unter- 
fuch. über die erften Anfänge des Buchdrucks in St. Zentralblatt f. Bibliothek wefen III, 11. 
Zoller, Die Kgl. Handbibliothek in St. als Handfchr. gedr. Schanzenbach, Zur Gefchichte 
des Eberhard-Ludwigs-Gymnafium8. Feftfchr. d. Gymn. Wehl, Fünfzehn Jahre Stutt- 
garter Hoftheaterleitung. Hamburg, Richter. Liebfrau envorftadt und St. Leonhardsvorftadt 
Schwab. Krön. 120. 137. Börne in Stuttg. um 1820 ebend. 106. Feftfchrift zur Feier des 
25 jähr. Beftehens des Verfchönerungsvereins. Stuttg., Kohlhammer, f. auch 3. Tretfeh. 

Tettnang f. Ailingen. 

Tübingen. M. Spieß, Urfprung von Veit Winsheims Nachricht über die Thätigkeit Melanch- 
thons als Korrektor in T. Forfchungen zur deutfeh. Gefch. XXVI, 1. Buchdruck f. 3. 
Morhart. Archäologifche Sammlung: Schwabe, Wagenlenker, Brouce in Tüb. Mit Tafeln. 
Jahrb. d. Kaif. arch. Inft I, 3. Stiftsinfchriften : Bl. f. württ. Kirchengefch. S. 56. 64. 
Tübinger Erinnerungen aus den 1820er Jahren: Griefinger Schwab. Krön. 32. 38. 50. 60. 
70. 85. 141. 157. 180. 183. 247. 

(Jim. Schuttes, Altes und Neues ans Ulm. Nachtrag zur Chronik v. Lim. Ulm, Nübling. An- 
gebliche Ulmer Bracteate v. Höfkens Archiv I, 92. Wengenklofter : Freib. D.Archiv 
XVIII, 221 ff.; Hof. D.Arch. 9. Kirchenvifitation 1557 Giefel ebend. 11. Maler: P. Beck 
Hof. D.Arch. 9. Schwerttanz 1551 Birl. Alem. XIV, 183. Kapuzinerpredigt a. d. 18. 
Jahrh. ebend. 57 ff. 

Urach f, 3. Chriftoph. 

Wald bürg. Otto, Truchfeß v., Kardinalbifchof v. Augsburg A. d. B. XXIV., 634 ff. Duhr, 
Die Quellen zu einer Biographie des Kardinals Otto Tr. v. W. Hiflt. Jahrb. d. Görrcs- 
gefellfch. VII, 2. Derfelbe, Reformbeftrcbungen des Kardinals 0. Tr. v. W. ebendaf. 3. 

Waldfee. Auguftinerklofter, Hof. Diöz.Ärch 8, Wiedertäufer 1530: Fridolin Sichers Chronik 
hsg. v. Götzinger, St. Gallen, S. 134 f. 

Weil der Stadt J. Hartmann, Denkwürdigkeiten der ehem. fchwäb. Reichsftadt Weil. Stuttg., 
Greiner u. Pfeiffer. 

Weiler ob Helfonftein. Klemm, Aus der kirchl. Gefch. v. W. o. H. Bl. f. württ. K.Gefch. 1 f. 

Weingarten f. 1. Kirchengefchichte. Angebliche Weing. Bracteate: v. Höfkens Archiv I, 89. 

Weinsberg. W. u. die Weibertreu. 111. Feftfchr. und zugl. Führer etc. Weinsb., Kohler. Das 
Kernerfeft in W. Weinsb., Kohler. Ein fteinernes Album. Namen u. Infchr. a. d. Weiber- 
treu. W. Kohler. 

Weißen au f. 1. Kirchengefchichte. Gemälde etc. P. Beck Hof. Diöz.Ärch. 9. 



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86 Hartmann 

Welzheim f. 1. Alter Lümer. 

Wildbad. J. Hartmann, Wildbad. Mit 36 IU. Stuttg., Bonz. Wildbad, Ringe. 

Wildberg vor 300 Jahren. Boffert, Schw. Krön. 28. 

Wippingen-Lautern. Kolb, Beiträge zur Gefch. der Pfarrei W.-L. Blatt, f. wü. K.Gefch. 2 ff. 

Wirtemberg, Schloß. Schwab» Krön. 70. 

Wurmlingen f. Konzenberg. 

Würz ach. Zeile, Das Frauenklofter Maria Rofengarten zu W. Waldfee, Liebe)* 

Z wiefalten f. 1. Kirchengefchichte. 

3. Biographifches. 

Andrea, Joh. Val. J. P. Glökler, J. V. Andrea. Ein Lebensbild. Stuttg., Hänfelmann. P. 

Wurm, Joh. Val. Andrea. Stuttg., Gundert W. Gußmann, Reipubl. chriftianopolit defcriptio 

Zfcfchr. f. kirchl. WUT. u. ki. Leben 10. 
Bacmeifter, Adolf. Biogr. v. R. Schmid in Abhandlungen und Gedichten von A. B. heran 8g. 

v. Hartmann, Klaiber u. Schmid. Stuttg., Kohlhammer« 
Baur, F. C. W. Lang, Von und aus Schwaben III. Stuttg., Kohlhamwcr. 
Beck, K., Prälat Schwarzkopf im Ev. Ki. u. Schulbl. 5. 
Beckh, Rudolf, Fabrikant Schwab. Krön. 228. 
Beyerle, Anton, Senatspräfident. Schwab. Krön. 63. 

Chriftoph von Urach, Bildhauer. Lübke u. Klemm Schwab. Krön. 124. 131. 
Dannecker. Donndorf Schwab. Krön. 95. 
Elifabetha Bona v. Reute. Schurcr, El. v. R. Ein Heiligenleben Oberfchwabcns. Stuttg., 

Schott Giefel Hof. Diöz.Arch. 4. 
El wert, Imm. Gottl. und Eduard. Schwab. Krön. 81. 

Emminger, Eberh., Lithograph. Braun StAnz. B. B. 6. Schwab. Kron t 54. 
Fifcher, Karl, Stpfr. Schwab. Krön. 227. 
Frank, Friedr., Dekan a. D. StAnz. 225 B. 
Freidank f. 2. Plieningen. 

Frick, Jobs., Theol. Neftle, Ulmer Gyran. Progr. S. 8. 18. 
Geßler, Theod., Staatsminifter. Schwab. Krön. 293. 
Gmelin, W. Senatspräfident, Naturforfcher. Schwab. Krön. 146. 
Gutbrod, Lor., Arzt Schw. Krön. 50. 
Haagen, Barth., Theol. Bilfinger, StAnz. B. B. 7. 
Hartlaub, W., Pfr., und Ed. Mörike. Allg. Zeitung 8. 9. 
naug, K. Fr., Prof. d. Gefch. f. 1. Familiengefchichte. 
Ho ff mann, Chriftoph, Theol, Schwab. Krön. 41. 
Hölderlin. R. Wirth, Beiträge zur Kritik und Erklärung Hölderlins. Arch. f. Litt. Gefclu 

XIV, 3. 4. 
Juftinger, Konrad, Chronift G. Tobler, Notizen zum Leben K. Js. Anzeiger f. fehweiz* Gefch. 

XVH, 1. 2. 
Kepler. Anfchütz, Ungedruckte w4ffenfch. Korrespondenz zwifchen K. u. Heerwart v. Hohen- 

burg 1599. Prag— Altenburg, Dietz. Kepler u. die Jefuiten Berl. Germania 216 ff. 
Kern er, Georg. A. Wohlwill, Ge. K. Ein deutfehes Lebensbild aus dem Zeitalter der franz. 

Revolution. Hamburg, Voß. 
Kerner, Juftinus. Das Bilderbuch aus meiner Knabenzeit. 2. unveränd. Abdr. Stuttg., Krabbe. 

A. Reinhard, J. K. und das Kernerhaus zu Weinsberg. 2. [verb. n. verm. Aufl. Tiib., 

Ofiander. Vgl. auch 1. Dichter und 2. Wcinsberg. Schwab. Krön. 220. 221. 223. 225. 

C. Hönes, Zu Juft. Ks. Gedächtnis Prot. Kirchenz. 40. L. H. Fifcher, Ludw. Tieck und Juft. K. 

Allg. Z. 260 B. K. du Prel, J. Kerner und die Seherin von Prevorft. Leipz., Tb* Grieben. 
Knapp, Albert Brief Schwab. Krön. 55. 

Knoder, Joh., v. Rottenburg, Humanift Boflert, Bl. f. wfl* K.Gefch. S. 58. 
Kurtz, W., Generalmajor z. D. StAuz. 241. 

Kyrßmann, Bertold, v. Horb, Humanift. Bl. f. wo. K.Gefch. S. 58. 
L engl in, Joh., v. Binsdorf, Theol. Ebd. S. 59. 
Linder, Felix, Ehingen. Schwab. Krön. 34. 
Lotzer, Joh., von Horb, Humanift. Bl. f. wü. K.Gefch. S. 58 f. 
Mauch, Karl, der Afrikareifende. Quartalfchr. f. Erzieh, u. Untorr. 1. 2. 
Mayer, Karl, Dichter. J. Klaiber StAnz. B. B. 7. Vgl. auch 1. Dichter. 
Mayer, Rob., Phyfiker. Erinnerungen v. Hettich Schwab» Krön. 67. 



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Württembergifche Gefchichts-Litteratur 1886. 87 

Miller, Myllius, Mart, v. Ulm, Dichter. Allg. d. Biogr. XXin, 145. 
Mohl, Julius, K. 0' Meara, Un salon ä Paris. Madame Mohl et ses intimes. Paris, Plön. 
Mo hl, Robert. H. Schulze, Rob. v. Mohl. Ein Erinnernngsbl. Heidelb., Winter. 
Mörike, Eduard. J. E. Günthert, Mörike und Notter. Stuttg. u. Berl., Spemann. Ambr. 
Mayr, Ed. Mörike* Eine lit-äfthet. Unterfuchung. Gymn. Progr. v. Bozen. Vgl. auch 
1. Dichter. 3. Hartlaub. 
Müller, Martin, f. Miller. 
Müller, Mich*, (t als Hofmeiiter auf Schloß Schaubeck 1704). Kraufe, Mich. M. und feine 

Lieder Blätter f. Hymnol. 10. 
Münfinger, Mynfinger, Heinrich (Crowel v. Münfingen), Arzt und Überfetzer. Allg» d. 

Biogr. XXIII. 146. 
Münfinger v. Fr un deck, Joachim, v. Stuttgart, Jurift. Ebend. 22. 
Myler ab Ehrenbach, Joh. Nikol., v. Urach, Jurift Ebend. 130. 
Nagel, Chr. H., v. Stuttgart, Mathematiker. Ebend. 214. 
Naft, Joh. Jak. H, v. Stuttgart, Philolog. Ebend. 270. 
Natter, Lorenz, v. Biberach, Edelfteinfchneider. P. Beck ebend. 286. 
Nauclerus, Jobs., Gefchichtfchreiber. Ebend. 296. 
Nefflen, Johs., v. Oberftenfeld, Dialektdichter. H. Fifcher ebend. 380. 
Neher, Bernhard, v. Biberach, Hiftorienmaler. Wintterlin ebend. 881. Schwab. Krön. 48. 
Neß, Rupert, v. Wangen i. A,, Prälat von Ottobeuren. P. Beck ebend. 442. 
Neu ff er, Chr. Ludw., v. Stuttgart, Dichten H. Fifcher ebend. 491. 
Nichthonius, Petrus, v. Weinsberg, Dramatiker. Ebend. 570. 
Nicolai, Ferd. Friedr., v. Cannftatt, General, Militärfchriftfteller. Ebend. 579. 
Nicolai, Melchior, v. Schorndorf, Theolog. Th. Schott ebend. 597. 
Nider, Johs. v. Isny, Predigermönch, Schriftfteller. P. Beck ebend. 641. 
Niethammer, Fr. Imman., v. Beilftein, Schul- und Kirchenmann. Ebend. 689. 
Nittinger, K. G. Gottlob, v. Bietigheim, Impfgegner. P. Beck ebend. 715. 
(Norden, K. v., Hiftoriker, in Tübingen 1873—76. Ebend. 769.) 
Nördlinger, Jul. Simon, v. Pfullingen, Forft- und Bergmann. Ebend. XXIV, 11. 
(Nork, Friedr., Schriftfteller in Stuttgart um 1840. Ebend. 16.) 

N o r m a n n , Karl Friedr. Lebrecht, Graf v., aus Stuttgart, General. Schneider ebend. 18. Ge- 
neral N. und der Überfall bei Kitzen Allg. Z. 87 B. 
Nor mann, Phil. Chr. Fr., Graf v., aus Strefow in Pommern, württ. Staatsminifter. Schneider 

A. d. B. XXIV, 20. 
(Nörrenberg, J. G. Chr., aus Puftenbach bei Gummersbach in der Rheinprovinz, nicht Nörrem- 

berg aus Putzenbach, wie in der A. d. B. f teht, Phyfiker in Tübingen. Ebend. 20.) 
Notter, Friedrich, v. Ludwigsburg, Schriftfteller. H. Fifcher ebend. 44. Vgl. auch Mörike. 
Nußdorf, Hans v., Baumeifter in Bafel um 1475—1500 aus N. OA. Vaihingen? Ebend. 59. 
Ob erkämpf, Chr. Phil., v* Wiefenbach, franz. Fabrikant. Wintterlin ebend. 94. 
Öchsle, Ferd., Fr., v. Eßlingen, Archivar. Schneider ebend. 145. 
Öglin, (Ocellus) Erhard, v. Reutlingen, Buchdrucker* Steiff ebend. 177. 
Öhler, Guft. Friedr., v. Ehingen, Theolog. Th. Schott ebend. 181. 
Ohm acht, Landolin, v. Dunningen, Bildhauer. Schricker ebend. 204. 
Ökolampadius, Johannes, v. Weinsberg, Humanift und Theolog. Wagenmann ebend. 226. 
Ölenhainz, Aug. Friedr., v. Endingen, geb. 28. Juni 1745 (nicht, wie A. d. B. auch angegeben 

ift, 1749) Maler. Ebend. 284. 
Oppel, Albert, v. Hohenheim, Paläontolog. Ebend. 388. 
(Ortlepp, Ernft, Schriftfteller, in Stuttgart 1836—54. Ebend. 447.) 
Ortlieb, Herrn., von Rottenburg, Theolog. Bl. f. wü. K.Gefch. S. 58. 
Ofiander, Andr., v. Blaubeuren, Theolog. Th. Schott A. d. B. XXIV, 484. 

„ Chr. Nathanaol, v. Kohlberg, Philolog. Ebend. 484. 

„ Ernft, v. Maulbronn, Orientalift. Ebenda 484. 

„ Friedr. Benj., v. Zell u. Aich«, Mediziner. Ebend. 486. 

„ Heinr. Friedr., v. Stuttg., Nationalökonom (Gegner Lifts). Ebend. 487. 

„ Joh. Adam, v. Vaihingen a. E., Theolog. Th. Schott ebend. 488. 

„ Johs., v. Tübingen, Theolog, Staatsmann. Th. Schott ebend. 489. 

Joh. Ernft, v. Stuttgart, Theolog. Th. Schott ebend. 492. 
Lukas 1., v. Nürnberg, Theol. in Württ Th. Schott ebend. 493. 

„ Lukas IL, v. Stuttgart, Theolog. Th. Schott, ebend. 495. 



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88 Hartmann, Württembergifche Gefchichts-Litteratur 1886. 

Öfterlen, Friedr., v. Murrhardt, Mediziner. 0. Öfterlen ebend. 510. 

Öfterreicher, Heinr., Abt v. Schuffcnried, f 1505. P. Beck ebend. 517. 

Oftertag, Albert, v. Stuttgart, Miffionsmann. Th. Schott ebend. 520. 

Ötinger, Friedr. Chriftoph, v. Göppingen, Theolog. A. Ritfehl ebend. 538. 

Ott, Michael, aus einer Echterdinger Familie, Feldzeugmeifter K. Maximilians I. Schneider ebend. 558. 

Öttinger, Ludw., v. Edelfingen, Mathematiker. Ebend. 568. 

Otto, Jakob, v. Ulm, Jurift. Ebend. 754. 

Pfizer, Guftav. S. 1. Dichter. 

Pfleiderer, Paul, Staatsrat. Schwab. Krön. 50. Gewerbeblatt S. 81. 

Planck, K. Chr. M. Diez, Die realiftifche Philofophie Pl.s. Zeitfchr. f. Philof. und philof. 

Kritik N. F. 89. Beigabenheft. 
Plieninger, Guft., Theol., Schriftsteller. St.Anz. 246 B. 
Quenftedt, Fr. A., Prof. in Tübingen. Allg. Zeitung 176 B. 
Rapp, Georg, v. Iptingen, Separatift, Koloniengrfroder. Raufcher in Theol. Stud. aus Württ. 

VI, 4. 
Rau, Friedr., Oberftlieutenant a. D. Schwab. Krön. 191. 
Reinhard, K. FZ A. Wohlwill, Brief von Tralles an R. v. 16. Febr. 1801. Anz. f. fchweiz. 

Gefch. XVII, 1. 2. W. Lang, Von und aus Schwaben III. Stuttg., Kohlhammer. 
Rüttel, Andr., v. Rottenburg, Humanift. Bl. f. wü. K.Gefch. S. 59. 
Scheffel, Jofefine, geb. Krcderer aus Oberndorf, des Dichters Mutter, St.Anz. S. 611. 
Scherr, Johs., v. Rechberg-Hinterweiler, Schriftfteller. Mähly Allg. Zeitung 348 f. B. 
Scherzer, Otto, Mufiker. St.Anz. 47. Schwab. Krön. 57. 
Schiller. Palleske, Sch.s. Leben und Werke. 12. Aufl. bearb. v. H. Fifcher, Stuttg., Krabbe. 

E. Keller, Sch's. Befuch in Schwaben 1793—94 und das Gedicht: Die Ideale. Feftfchr. der 

bad. Gymnaf. gewidmet der Univ. Heidelberg. Karlsr., Braun. S. 61 ff. (Nachzutragen 

von dem f. Verf.: Joh. Kafp. Schillers Jugend u. militär. Dienftjahre 1885.) Schloß berger, 

Das Nachlaßvermögen von Sch.s. Eltern und die Erbteilung im J. 1802 Allg. Zeitung 15. 

Th. Diftel, Schillers Witwe und der Buchhändler S. L. Crufius in Leipzig Arch. f. Litt 

Gefch. XIV, 3. K. Rieger, Sch.s. Verh. zur franz. Revolution. Vortr. Wien, Konegen 1885. 
Sehne ckenburger, Max, Dichter. Schwab. Krön. 61. 
Schneider, Eulogiue, H. Karls Hofkaplan. C. W. Faber, Eul. Sehn. Vortrag. Mülhaufen i. E., 

Schick. 
Schubart. Schwab. Krön. 55. 
Schwab, Guftav. S. 1. Dichter. 
Schwindrazheim, Joh. ülr., v. Neuenbürg, 1737—1813. G. Boflert, Ein unbekannter fchwä- 

bifcher Dichter-Pfarrer Birl. Aiem. XIV, 227 ff. 
Seitz, Sytz, Alex., v. Marbacb. Lebensbild v. G. Linder Zeitfchr. f. allg. Gefch. 3. 
Simler, Humaniften, ftammen von Rottenburg. Bl. f. wü. K.Gefch. S. 58. 
Speratus, Paul, Theolog, Dichter, nicht ein Spreter von Rottweil, fondern ein Offer, Hoffer 

von Röthlen bei Ellwangen: Boffert Bl. f. wü. K.Gefch. 4 f. Bachmann, Zur Speratus- 

frage Blätter f. Hymnol. 12. 
Stehelin, Wolfg.. v. Ergenzingen, Jurift. Bl. f. wü. K.Gefch. S. 58. 
Steinhöwel, Heinr., v. Weil, Arzt und Überfetzer. H. Knuft, Steinhöwels Äfop Zeitfchr. f. 

deutfehe Philol. XIX, 2. 
Strauß, D. F. W. Lang, Von und aus Schwaben III. Stuttg., Kohlhammer. 
Streb el, Joh. Val., Pfarrer. Ein mufikalifches Pfarrhaus gezeichnet von feinem alten Haupte 

J. V. St. Bafel, Detloff. 
Sufo, Heinr., Dominikaner in Ulm. Hof. Diöz.Arch. 8 ff. 

Tretfeh, Aberlin, H. Chriftophs Baumeifter. Klemm in Janitfcheks Repertor. f. Kunftwiff. 1. 
ühland. A. Rümelin, Ludwig Uhland. Stuttg., Gundert. W. Holland, Zu L. U.s. Gedächtnis. 

Mitteil, aus f. akad. Lehrthätigkeit. Leipz., Hirzel. Briefe von U. an Auguft Stöber in 

Mülhaufen Jahrb. f. Gefch., Spr. u. Litt. Elf.-Lothrs. I, 20 ff. 
Vif eher, Friedrich. Ludw. Salomon Illuftr. Zeitung 2237. 

Wiederhold, Kuno v., General, Staatsminifter a. D. Schwab. Krön. 21 (vgl. 34). 
Wieland. Ofterdinger Schwab. Krön. 131. R. Keil, Aus W.s Leben. Vom Fels zum Meer 

Apr. J. Minor, Zu Wieland Zeitfchr. f. d. Philol. XIX, 2. 
Zeitbluem, Hans, Hofmaler K. Karls V. Hans Böfch im Anz. d. germ. Nat. Muf. 
Zell er, Karl Aug., v. Hohenentringen, Pädagog. Hift. Zeitfchr. v. Marienwerder XX, 15 £ 



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89 



Die fchwäbiichen Gefchichtsforfcher und Gefchichtfchreiber. 

Eine Überficht von Dr. K* Klüpfel 1 ). 



I. Fünfzehntes und fechzehntes Jahrhundert. 

Aus Wegeies Gefchichte der deutfchen Hiftoriographie (München 1885) er- 
rehen wir, daß Schwaben fleh an der Arbeit der Forfchung und Darfteilung in hervor- 
ragender Weife beteiligt hat. Diefe Thatfache hat dem Verfaßer nachfolgender Aus- 
führung Veranlagung gegeben, im Anfchluß an Wegeies Werk und zur Ergänzung 
desfelben eine Rundfchau über die fchwäbifchen Hiftoriker und ihre Leiftungen zu 
verfuchen. 

Der erfte namhafte Gefchichtfchreiber in Schwaben war ein gebrechlicher 
Mönch in dem Elofter auf der Reichenau im Bodenfee, Hermann mit dem Zunamen 
Contractus, der Lahme. Im Jahr 1013 als der Sohn eines angesehenen Grafen 
Wolfrad von Yeringen geboren, wurde er fchon in feinem fiebenten Jahre als glieder- 
krankes Kind dem Klofter Reichenau zur Erziehung übergeben. Er zeigte fich bald 
als geiftig fehr begabt und machte in den verfchiedenen Gebieten des Wiffens, in 
welchen er unterrichtet wurde, fchnelle Fortfehritte. Mit Vorliebe befchäftigte er fich 
mit alten Chroniken und fing an, felbft eine auszuarbeiten. Er begann mit Chrifti 
Geburt und fetzte feine Erzählung bis zu feinem Tod im Jahr 1054 fort. Für die 
letzten fünfzehn Jahre fchöpfte er aus dem, was er felbft von den Zeitgenoffen gehört 
hatte, und obgleich er nie aus feinem Klofter hinausgekommen war, erzählte er die 
Zeitereigniffe in klarer, ficherer Darftellung, wie einer der mitten in den Gefchäften 
lieht, und mit felbftändigem Urteil, fo daß feine Aufzeichnungen für die Kenntnis der 
fo wichtigen Zeit der Regierung Kaifer Heinrichs III. eine Hauptquelle find« 

In den nachfolgenden Jahrhunderten haben fich manche fchwäbifche Kleriker 
an Abfaffung von Jahrbüchern und Chroniken beteiligt, aber ihre Perfönlichkeiten 
treten nicht hervor, die Jahresberichte find das gemeinfame Werk des Klofters oder 
des Kirchfprengels, dem ihre Verfaffer angehören, auch ift die fubjektive Zuthat der 
Berichterffcatter meift eine fehr geringfügige. Die felbftändige Verarbeitung des Ma- 
terials, die wiffenfchaftliche Gefchichtfchreibung beginnt erft mit dem Auftreten des 
Humanismus in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts, und diefe Zeit ift auch der 
Ausgangspunkt für Wegeies Gefchichte der Hiftoriographie. 

Das erfte in Schwaben entfltandene Gefchichtswerk, das von felbftändiger Auf- 
faffung zeugt, ift die Chronik des Johannes Nauclerus,des Kanzlers der damals 
neu entftandenen Univerfität Tübingen. Er hieß urfprünglich Johannes Verge, oder 
Vergenhans, und hatte nach der bei den Humaniften üblichen Mode feinen Namen 
gräeifiert. Als der Sohn eines gräflich württembergifchen Dienftmannes , in einem 
Dorfe in der Nähe von Tübingen zwifchen den Jahren 1425 und 1430 geboren, hatte 
er fich fchon in früher Jugend für die kirchliche Laufbahn entfehieden. Seine wiffen- 
fchaftliche Ausbildung erhielt er zunächft in einer fchwäbifchen Klofterfchule, fpäter 
wahrfcheinlich auf einer italienifchen Univerfität. Nach vollendeten Studien kam er 
nach Stuttgart und wurde 1450 zum Hofmeifter des damals fünfjährigen Grafen Eber- 
hard von Württemberg beftellt. Er blieb am Hofe auch nachdem der Graf mündig 



') Mit Ergänzungen von J* Hartmann. 



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90 Klüpfel 

geworden und zur Regierung gelangt war. Zum Dank wurde er von dem ehemaligen 
Zögling zum Propft an der Kollegiatkirche zum heiligen Kreuz in Stuttgart ernannt, 
und ward der Berater des Grafen in wichtigen Angelegenheiten, fo namentlich bei 
Gründung und Einrichtung der Univerfität Tübingen. Nach Eberhards Tod zog er fich 
von den Gefchäften zurück, und fchrieb auf Anregung Kaifer Maximilians I. eine Welt- 
chronik, die aber erft fechs Jahre nach feinem 1510 erfolgten Tod zum Druck gelangte. 
Diefelbe wurde von den Zeitgenoffen als eine bedeutende litterarifche Leiftung an- 
gefehen, erhebt fich aber auch in den Zeiten, die der Verfaller felbft erlebt hat, nicht 
über die Stufe einer belferen Kompilation. Ihr Wert beruht mehr darauf, daß fie 
einen wichtigen Beitrag zur Kenntnis mittelalterlicher Hiftoriographie gewährt, als 
auf der Bedeutung einer Gefchichtsquelle 1 )» 

Ein Zeugnis für das Anfehen, das Nauclerus Chronik bei den Zeitgenoffen 
hatte, find die der erften Ausgabe beigedruckten Schreiben von Reuchlin und Eras- 
mus an den Drucker und Verleger Anshelm in Tübingen. 

Während Nauclerus an feiner Chronik fchrieb, verfaßte der Ulmer Prediger- 
mönch und Paläftinafahrer Felix Faber (Fabri) eine Hiftoria Suevorum, deren 
erftes Buch im Anfchluß an die Gefchichte des Reiches und der Habsburger die Zu- 
ftände und Ereigniffe der Landfchaft Schwaben behandelt, worauf im zweiten Buch 
eine Gefchichte der Stadt Ulm und der benachbarten Klöfter folgt. (Wegele S. 62. 
Allg. d. Biogr. VI, 490.) 

Zu den wichtigeren Quellen der Gefchichte Schwabens gehören die Annales 
Hirfaugienfes, welche der Abt des Klofters Sponheim (bei Kreuznach), Johannes 
Trithcmius (geb. 1. Febr. 1462 f 1516), in den Jahren 1511 — 1514 gefchrieben 
hat. Diefer Abt war ein Mann von großer Begabung und umfallender Gelehrfamkeit, 
der auch als Schriftfteller auf verfchiedenen Gebieten fich einen Namen gemacht hat. 
Eine feiner wichtigften Schriften find die fogenannten Annales Hirfaugienfes, welche 
eine Gefchichte der Gründung des Klofters Hirfau und feines wirtfchaftlichen und 
wiffenfchaftlichen Lebens enthalten, woran fich eine Gefchichte Deutfchlands und feiner 
Nachbarländer anfchließt. Diefe zuerft 1559 in Bafel gedruckte Chronik, welche fich 
durch reichen, intereffanten Inhalt und gute Darftellung auszeichnet, ftand früher in 
großem Anfehen und wurde als Gefchichtsquelle viel benützt, ift aber neuerlich durch 
die Nachweifung der Kritik, daß ein großer Teil der darin niedergelegten Mitteilungen 
über die Gründung des Klofters und des darin entwickelten Lebens rein erdichtet fei, 
in ihrem Wert fehr herabgedrückt worden. Die Fälfchungen des Trithemius find be- 
fonders eingehend nachgewiefen von K. Wolff (dem vieljährigen Rektor des Katharinen- 
ftifts in Stuttgart) in einer Abhandlung über Trithemius und die ältefte Gefchichte 
des Klofters Hirfau im Jahrgang 1863 der Wttrtt. Jahrbücher 2 ). 

In den Jahren 1498—1501 fchrieb ein geborener Ravensburger Ladislaus 
Suntheim, welchen Kaifer Maximilian I. auf Empfehlung Cufpinians zum Hof- 
kaplan und Hofhiftoriographen ernannt hatte, eine topographifche Chronik Süddeutfch- 
lands in deutfcher Sprache. Diefelbe ift teilweife von Franz Pfeiffer, der fie wegen 



*) Vergl. Erich Joachim, Joh. Nauclerus u. f. Kronik. Göttingen 1874. — Weiland 
in Sybcls hiftorifcher Zeitfchrift XXXV. — Allgemeine deutfche Biographie XXII. — Wegele 
8. 62 ff. 

2 ) Siehe auch: Aug. Paul, De fontibus a Trithemio adhibitis. 1867. — H. Müller, 
Über die Quellen, welche Trithemius benützt hat» Prenzlau 1871. — Helmsdörferin Forfchungen 
zur deutfchen Gefchichte, Jahrgang 1874» — Für die Glaubwürdigkeit der Gründungsgefchichte 
des Klofters Hirfau und die Nachrichten über das blühende wiffenfehaftliche Leben in Hirfau 
tritt ein: K. Klaiber, Das Klofter Hirfau» Tübingen 1886. 



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Die fchwäbifchen Gefchichtsforfcher und Gefchichtfchreiber. 91 

ihrer volkstümlichen Sprache fehr rühmt, im Jahrbuch für vaterländifche Gefchichte 
1861 und von J. Hartmann in den Württ. Vierteljahrsheften 1884 veröffentlicht 
worden. (Wegele 138.) — Ein Stück aus der Regierungsgefchichte Kaifer Maximilian L 
bearbeitete der fchwäbifche Humanift Michael Coccinius (geb. zu Tübingen 1482, 
geft. 1512) unter dem Titel: „De rebus italicis", das die Zeitgenoffen und Freunde 
des Verfaffers mit Freuden begrüßten, und das auch Ranke in feiner Kritik neuerer 
Gefchichtfchreiber anerkennend erwähnt. (Wegele 141.) 

Den erften Yerfuch einer württembergifchen Gefchichte finden wir in der 
Mitte des fechzehnten Jahrhunderts. Sebaftian Küng, Ratsherr zu Stuttgart (geb. 1514 
t 1561), verfaßte eine kurze Chronik der Freiherren zu Beutelsbach und der Graven 
und Herzoge zu Wirtemberg. Diefelbe wurde von ihm bis zu feinem Todesjahr fort- 
gefetzt, ift für die von ihm durchlebte Zeit von Wert und wurde von anderen mehr- 
fach benützt, aber nicht gedruckt. 

Zwei Jahrzehnte fpäter hat ein württembergifcher Rat Georg Gadner für Erz- 
herzog Ferdinand von Tyrol und deffen Ambraser Sammlung die Lebensbefchreibungen 
der Herzoge Ulrich, Chriftoph und Ludwig verfaßt, diefelben jedoch großenteils aus 
Küng abgefchrieben. 

In den Jahren 1564 — 1567 entftand eine Chronik, welche großenteils von 
jetzt württembergifchen Landfchaften handelt und fowohl ftofflich, als durch ihre Ver- 
faßter Württemberg angehört. Es ift dies die fogenannte Zimmerifche Chronik, 
welche von den Grafen Wilhelm Werner von Zimmern und deffen Neffen Chriftoph 
Froben von Zimmern verfaßt und von ihrem Sekretär, dem fpäteren Zimmernfchen 
Obervogt zu Oberndorf am Neckar mit Zufätzen verfehen wurde. Diefelbe ift in den 
Jahren 1868 und 1869 von dem litterarifchen Verein unter Redaktion des Ober- 
bibliothekars Barack in Straßburg gedruckt und in vier Bänden veröffentlicht worden: 
Die Zimmerifche Kronik, herausgegeben von Karl Aug. Barack. Tübingen auf 
Koften des litterarifchen Vereins, 4 Bände 1868 — 69. Zweite verheuerte Auflage. 
Freiburg im Breisgau 1884. Verlag von J. C. B. Mohr. — Vergl. Otto Franklin, 
Die Freien und Grafen von Zimmern. Beiträge zur Rechtsgefchichte. Freiburg und 
Tübingen. Mohr (Siebeck) 1884. Es geht daraus hervor, daß die Chronik für politifcho 
Gefchichte, namentlich Verfaffungsgefchichte auffallend wenig Ausbeute giebt. Sie ent- 
hält zunächft die Familiengefchichte eines angefehenen, auf dem Schwarzwald be- 
güterten Gefchlechts, die Verfaffer erzählen aber gelegentlich allerlei, in ihren Ge- 
sichtskreis fallende Vorgänge und Beobachtungen, und geben dadurch intereffante 
Beiträge zur Sitteu- und Rechtsgefchichte, zur Kunde der Sagen und des Volksglaubens, 
fowie zur Chronique fcandaleufe jener Zeit. 

Die Vollftändigkeit erheifcht, als im jetzigen Württemberg geboren weiter zu erwähnen : 
Michel Behaim aus Sülzbach bei Weinsberg, 1416— c. 1474 (Wegele S. 44); Heinrich 
Bebel von Ingitetten bei Juftingen 1472—1518 (S. 168); Götz v. Berlichingen aus Jagft- 
haufen c. 1480—1562 (S. 246); Sebaftian Schertlin aus Schorndorf 1496 - 1577 (S. 250) ; Friedr. 
Stumphart von Cannftatt, Vogt in Böblingen (nicht Billingen, wie Wegele S. 295 druckt), 1534; 
Johs. Herolt von Heinsberg (nicht Arnsberg, Wegele 299) 1490—1562; ganz befonders aber: 
FrieB, Lorenz, geb. zu Mergentheim 1491, fürftbifchöflicher Geheimfchreiber, Archivar in Würz- 
burg, f 1550. Seine Gefchichte der Bifchöfe und des Hochftifts Würzburg (herausg. v. Ludewig 
— £ u. — 1713) und noch mehr feine Gefchichte des Bauernkriegs in Oftfranken (herausg. von 
Schaffler und Henner 1883) find die Werke eines tüchtigen Mannes. (Wegele, Allgero. d. Biogr. 
VIII, 83 f. Gefch. d. Hiftoriogr. 245. 298.) Carion, Johann, geb. zu Bietigheim 1499, t als 
Lehrer und Aftrolog am Berliner Hof 1537. Seine Chronica 1532 u. ö. „zeichnet fich aus durch 
ziemlich gute Benutzung der zugänglichen Quellen, nicht zu verachtende Anfätze zur Kritik, 
vaterländifchen Sinn, reines kraftiges Deutfeh. A. Stern, Allg. d. Biogr., III, 78t Wegele 
S. 190 ff. Anshelm, Valerius, gen. Rad, geb. zu Rottweil um 1500 , f als Stadtarzt in Bern. 



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92 Klüpfel 

Seine in deutfcher Sprache gefchriebene Chronik „macht ihn zu einem der hervorragendsten 
Schweizer Hiftoriker der Reformationszeit 1 * A. Stern, Allg. d. Biogr. I, 484. Wegele S. 292. 

II. Im 17., 18. und beginnenden 19. Jahrhundert. 

Einen grundlegenden Beitrag zur Gefchichte des württembergifchen Fürften- 
haufes verdanken wir dem Leibarzt des Herzogs Ludwig, Oswald Gabelkhover, 
geb. 1539 zu Memmingen, geft. zu Stuttgart 1616. (Wegele 395. Stalin, Allg. d. 
Biogr* VIII, 290.) Er fammelte mehrere Jahrzehnte hindurch mit unermüdetem Fleiß 
Materialien zu einer Gefchichte des württembergifchen Fürftenhaufes und Landes, die 
in drei Abteilungen erfcheinen follte. Er kam jedoch nicht zur Ausführung feines 
Planes und hinterließ nur fünf Bücher der erften Abteilung (der Gefchichte des 
Fürftenhaufes), die bis zum Jahre 1534 gehen, druckfertig. Dagegen find feine Col- 
lectaneen erhalten, und werden mit dem ausgearbeiteten Teile auf der öffentlichen 
Bibliothek in Stuttgart aufbewahrt, auch find mehrere Abfchriften der fertigen Arbeit 
verbreitet. Aber gedruckt ift das Werk wenigftens unter Gabelkhovers Namen nicht 
Ohne Nennung des Namens ift es dagegen teils im Auszug, teils in faft wörtlicher 
Abfchrift bis zum Jahr 1525 von Johann Ulrich Steinhofer (Prof. in Tübingen 
1736 — 1747) unter dem Titel : „Neue wirtembergifche Chronik" in vier Bänden, 
Tübingen 1744—45, herausgegeben worden. 

Die Arbeit Gabelkhovers ift um fo wertvoller, als das reiche urkundliche 
Material, das hauptfächlich aus dem herzoglichen Archiv entnommen,* mit umfichtiger 
Kritik und taktvoller Auswahl bearbeitet ift. 

Ein reichhaltiges Sammelwerk für die Gefchichte Schwabens find die Annales 
fuevici 1 ) des fleißigen Profeffors M. Crufius in Tübingen (geb. zu Grebern bei Bam- 
berg 1526, feit 1559 Profeflbr der griechifchen Sprache in Tübingen, f 1607* 
Klüpfel, Allg. d. Biogr. IV, 633. Wegele 394). Er begann erft in vorgerücktem 
Alter diefe Arbeit, aber fammelte, wie es feine Art war, die Materialien dazu mit 
großem Fleiß, exzerpierte fowohl gedruckte Werke, als einfchlägige Handfchriften, 
und benützte feine ausgedehnten perfonlichen Beziehungen, um Nachrichten von alten 
Zeiten und neueren Vorgängen zu erhalten. Archive fcheinen ihm nicht zugänglich 
gewefen zu fein. Der Hauptwert feines Werkes beginnt erft mit dem fechzehnten 
Jahrhundert. Es ift für diefe Zeit eine reiche Fundgrube fchwäbifcher Orts- und 
Kulturgefchichte. Ins Deutfche tiberfetzt und bis 1733 fortgefetzt find die Annalen 
des Crufius von dem bekannten Joh. Jak. Mofer (geb. zu Stuttgart 1701, geft. 
dafelbft 1785. Allg. d. Biog. XXII, 372. Wegele 529), der im übrigen hauptfächlich 
um die deutfche Reichsgefchichte fich verdient gemacht hat. 

In der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts begegnet uns eine ausführliche 
Biographie des Herzogs Ulrich, welche 1754 der Regierungsrat Joh. Friedrich Eifen- 
bach verfaßt hat. Diefelbe ift übrigens nach Inhalt und Form ungenügend, und 
längft der Vergeffenheit anheimgefallen. 

Unter den älteren Gefchichtswerken über einzelne deutfche Gebiete ragt durch 
reiches urkundliches Material und durch Umfang die des vieljährigen Archivars 
Chriftian Friedrich Sattler hervor. Derfelbe war i. J. 1705 am 17. Nov. in Stutt- 
gart geboren. Nachdem er feine juriftifchen Studien auf der Univerfität abfolviert 
und einige Jahre als Advokat Dienfte geleiftet hatte, trat er 1735 in den Archivdienft 
ein, und rückte 1741 zum ordentlichen Archivar vor. Seit feiner Aufteilung warf er 
fich mit großem Eifer auf das Studium der vaterländifchen Gefchichte und Sammlung 



') Martin Crufius Annales Suevici I. II. in Fol. Francof. 1596. 



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Die fchwäbifchen Gefchiohtsfoi fcher und Gefchichtfchreiber. 93 

urkundlicher Materialien, Die erfte Frucht feiner Studien war eine hiftoriSch-topo- 
graphifche Befchreibung Württembergs 1752, es folgte dann 1757 eine Gefchichte der 
älteften Zeit des fchwäbifchen Landes bis 1260, 1767/68 eine Gefchichte der Grafen 
von Württemberg in vier Quartbänden und 1769—83 eine Gefchichte der Herzoge 
bis 1714 in 13 Bänden. Dem ausführlichen Text ifb eine Auswahl der wichtigsten 
Urkunden beigegeben, und fo eine überaus reichhaltige Materialienfammlung zu ftande 
gekommen. Als folche ift das Werk zu bezeichnen, denn eine einheitliche Darfteilung, 
die ein Bild der ftaatlichen Entwicklung Württembergs gäbe, ift es nicht Der Ver- 
faffer berichtet uns von den Streitigkeiten und Fehden der württembergifchen Fürften, 
von den Verträgen und Bündniffen, welche fie mit ihren Nachbarn gefchloffen, von 
den neuen Erwerbungen und der allmählichen Vergrößerung ihres Gebiets, von Erwerbung 
und Befchränkung verfchiedener Gerechtfamen und von den Württemberg betreffenden 
Verhandlungen auf dem Regensburger Reichstag; aber von der Rechtspflege und Ge- 
setzgebung, von der Verwaltung und dem Finanzwefen, von dem gegenfeitigen Ver- 
hältnis der StändiSchen und landesherrlichen Rechte, von den Fortfehritten und Hem- 
mungen des geiftigen Lebens, von Kirche und Schule erfahren wir wenig. Es fehlte 
dem Verfaffer die Gabe, das Wichtige von dem Minderwichtigen zu fcheiden, und die 
Ereigniffe in ihrem urfächlichen Zufammenhang lebendig zu fchildern, auch hatte er 
fach von feinen Urkunden einen gar weitläufigen ungelenken Stil angewöhnt. Dazu 
kam, daß er durch Rückfichten nach oben an freier Auffaflüng und pragmatischer 
Darfteilung gehindert war. Mehrmals mußte er die Ermahnung hören, die Pflicht der 
Objektivität des Gefchichtfchreibers fordere, daß er alles Raifonnement unterlaufe 
und fich auf Erzählung der Thatfachen befchränke. Er war von feinen Vorgefetzten 
in Strenger Eontrolle gehalten. Von jedem neuen Band, den er der Preffe übergeben 
wollte, mußte er das Manufkript dem Geheimen Rat vorlegen und die Erlaubnis zum 
Druck einholen. Mehrmals bekam er fein Manufkript zurück mit einem Bogen Be- 
merkungen über teils fachlich teils fbiliftifch beanftandete Stellen, deren Abänderung 
ihm angeraten, wohl auch zur Bedingung der Druckerlaubnis gemacht wurde. Er 
beantwortete dann die Bemerkungen des Referenten entweder mit Zustimmung zu der 
vorgeschlagenen Änderung oder mit Rechtfertigung des angefochtenen Ausdrucks oder 
der beanstandeten Auffaflüng. Man fieht daraus, wie f icher er feiner Sache ift, wie 
Sorgfältig er Ausdruck und Urteil erwogen hat. Es kommt wohl vor, daß der Referent 
des Geheimen Rats eine falfche Auffaflüng, einen thatfächlichen Irrtum entdeckt zu 
haben glaubt, man fieht aber aus der Rechtfertigung des Verfaffers, daß das, was der 
Referent als unbegründete Vermutung des Historikers rügen zu muffen glaubte, eine 
urkundlich beglaubigte Thatfache ift. Mitunter kommt es zu eingehenden polemifchen 
Erörterungen, aus denen erhellt, daß der kritifierende Geheime Rat in Kenntnis des 
gefchichtlichen Stoffes dem Historiker ebenbürtig ift. 

Bei dem letzten Band des SattleriSchen Werkes, dem dreizehnten über die 
Zeit der Herzoge, macht der Herzog Karl Eugen, dem das Manuskript vorgelegt 
wurde, Selbft Seine kritischen Bemerkungen. Er erteilt durch ein Schreiben vom 
13. März 1783 dem Geheimen Archivar Sattler die Erlaubnis, das vorgelegte 
Manuskript des dreizehnten Bandes Seiner wtirttembergiSchen GeSchichte drucken zu 
laffen, bemerkt aber dabei, es Seien ihm mehrere Stellen aufgefallen, welche teils un- 
deutlich, teils nicht nach dem heutigen Stil und anftößig gefaßt feien. Er giebt ihm 
daher auf, das Manufkript vor dem Druck noch einmal Sorgfältig durchzugehen und 
zu verbeffern, und zu diefer Revifion den Kanzler Lebret und die Profefforen der 
Hohen Karlsfchule Schott und Drück beizuziehen. Hierauf erwiderte nun Kanzler 
Lebret, welchem der Herzog diefen Auftrag unmittelbar zugehen ließ: Sattler fei ein 



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94 Klüpfel 

alter, im Archivdienft grau gewordener Mann, der fich durch Abfaffung der württera- 
bergifchen Gefchichte bei der gelehrten Welt großen Dank verdient habe, und man 
könne es ihm nicht verdenken, wenn er, der fein Leben mit Lefung von Urkunden 
und Archivakten zugebracht habe, einen alten Stil fich angewöhnt habe, der von dem 
anderer Leute fehr verfchieden fei, den zu ändern aber nicht in der Macht eines 
alten, bald achtzigjährigen Mannes ftehe. Was die gewünfchten Änderungen betreffe, 
fo lallen fich wohl einzelne Ausdrücke und Phrafen verheuern und befeitigen, nicht 
aber ganze Perioden, die in der Individualität des Verfaffers begründet feien. Eine 
folche durchgreifende Umgeftaltung würde das ganze Werk zur Arbeit eines anderen 
machen. Auch fei zu bedenken, daß durch ein folches Anfinnen der alte verdiente 
Mann gekränkt und die Vollendung des ganzen Werkes verhindert werden könnte. 
Auf diefes Gutachten hin wurde von der angefonnenen durchgreifenden Revifion des 
Manufkriptes abgeftanden. Aber der von dem Herzog ausgefprochene Tadel mag auch 
dazu beigetragen haben, daß Sattler feine Arbeit nicht weiter fortfetzte. Schon bei 
Vorlegung des Manufkriptes zum dreizehnten Bande hatte er übrigens den Vorfatz 
ausgefprochen, mit diefem Teil feine Arbeit abzufchließen. Er erklärte, außer feinem 
vorgerückten Alter beftimme ihn die leidige Gefchichte der Gräfin von Würben, die 
Gefchichte ihrer Herrfchaft ungefchrieben zu lallen. Einerfeits erfordere die Pflicht 
des Unterthanen, diefe Gefchichten mit Stillfchweigen zu übergehen, andererfeits 
würde es feinem Kredit als Hiftoriker Eintrag thun, wenn er die Gefchichte diefer 
Jahre erzählen wollte, ohne über das Fräulein von Grävenitz und ihren Einfluß die 
Wahrheit zu fagen. So endet denn die Arbeit Sattlers mit dem Jahr 1714. 

Jener Kanzler Lebret, welcher für Sattler eintrat, war felbft ein namhafter 
Hiftoriker, er fchrieb zwei große Werke über die Gefchichte Italiens und die Republik 
Venedig *). 

Auf Grund des reichen urkundlichen Materials, welches Sattler in feinem 
bändereichen Werke angehäuft hatte, fchrieb ein Landsmann von ihm, Ludwig Timo- 
theus Spittler einen geiftreichen Grundriß der Gefchichte Wirtembergs (1783). — 
Spittler, geboren zu Stuttgart am 10. November 1752, hatte feine Studien im Stift zu 
Tübingen gemacht, darauf fich in Norddeutfchland umgefehen, auch einige Wochen in 
Wolfenbüttel verweilt und dort die nähere Bekanntfchaft Leffings gemacht, von dem 
er fich fehr angezogen fühlte. 1777 trat er als Repetent in das Stift ein, und be- 
nützte das Jahr, das er dort zubrachte, zu fleißigen Studien, deren Frucht eine Ge- 
fchichte des kanonifchen Rechts bis auf die Zeiten des falfchen Ifidor war. Diefe 
Schrift begründete feinen Ruf in der gelehrten Welt, er erhielt infolge davon 1778 
einen Ruf als ordentlicher Profeflbr in Göttingen. Dort hatte er entfchiedenen Erfolg 
als Lehrer und noch größeren durch Herausgabe eines epochemachenden Grundriffes 
der Gefchichte der chriftlichen Kirche 1782. Von nun an aber wandte er fich ganz 
zur politifchen Gefchichte, und verfaßte zunächft feine württembergifche Gefchichte, 
der 1786 eine Gefchichte Hannovers folgte. Mit diefen beiden Landesgefchichten hat 
er die Bahn gebrochen für eine richtige Behandlung derartiger Monographien, indem 
er die inneren politifchen Zuftände, namentlich das Verhältnis der ftändifchen Rechte 
zu der landeshoheitlichen Gewalt, ins Licht geftellt hat. Es ift fehr zu bedauern, 
daß feine württembergifche Gefchichte bloß bis zum Jahr 1733, dem Tod Herzog 



') Joh. Fried. Lebret, geb. zu Untertürkheim 1732, Profeflbr an der Hohen Karls- 
fchule, 1776 deren Kanzler und 1786 Kanzler der Univerfität Tübiugen, geft. 1807. Staats- 
gefchichte der Republik Venedig 3 Bände in Quart Leipzig 17G9— 77; und für die deutf che Be- 
arbeitung der englifchen Welthiftorie eine an Muratori lieh anfchließende Gefchichte von Italien, 
9 Bände in Quart. Halle 1778—1787. 



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Die fchwäbifchen Gefcbichtsforfcher und Qefchichtf ehr eiber. 95 

Eberhard Ludwigs, geht, und die fo wichtige Zeit Karl Alexanders und Karl Eugens 
nicht mehr von ihm dargeftellt wurde. Aus feinem Nachlaß hat K. Wächter eine 
Sammlung von einzelnen Abhandlungen zur württembergifchen Gefchichte, darunter 
eine Gefchichte des Geheimen-Rats-Kollegiums, veröffentlicht 1 ). 

Einige Jahre nach Spittlers württembergifcher Gefchichte erfchien eine anonyme 
„Pragmatifche Gefchichte Würtembergs" (London 1787). Diefelbe beruht hauptfäch- 
lich auf Spittlers Arbeit und ift von dem viel fchreibenden Publiziften Joh. Chrift. 
Jonathan Fifcher, Profeffor in Halle (geb. Stuttgart 1750: Allg. d. Biogr. VII, 65), 
verfaßt. 

Spittlers bedeutendftes Werk ift fein „Entwurf der Gefchichte der europäifchen 
Staaten", 2 Bände, Göttingen 1793. Die Hauptfache war ihm die Entwicklung der 
Staaten im Lichte der Gefichtspunkte, die in den letzten Jahrzehnten des achtzehnten 
Jahrhunderts die Völker bewegten. Bewundernswert ift die umfallende Kenntnis der 
Quellen und einfehlägigen Litteratur, die er mit treffenden Bemerkungen beleuchtet. 
Ein Mißgriff war es, daß er die akademifche und wiffenfehaftliche Thätigkeit verließ 
und, von dem Verlangen getrieben, an der politifchen Entwicklung der Gegenwart 
fich aktiv zu beteiligen, in den höheren Staatsdienft feines Heimatlandes fich begab. 
Spittler war nicht der Mann, der fich im Dienft eines Herrfchers wie König Friedrich 
hätte befriedigt fühlen können, er geriet bald in eine fchiefe Lage, die Verftimmung 
darüber untergrub feine Gefundheit und er ftarb fchon 1810. 

Teilweife gleichzeitig mit Spittler lehrten drei andere Württemberger in Göt- 
tingen Gefchichte, Ludwig Auguft Schlözer, Gottlieb Jakob Planck und Johann Gott- 
fried Eichhorn. Der erftgenannte war am 5. Juli 1735 in dem damals hohenlohe- 
kirchbergifchen , jetzt württembergifchen Dorfe Gaggftadt als Sohn des dortigen 
Pfarrers geboren. Er machte feine Univerfitätsftudien nicht in Tübingen, fondern 
in Göttingen, brachte nachher in einer feinen wiffenfehaftlichen Neigungen entsprechen- 
den Stellung 8 Jahre in Rußland zu, und folgte 1769 einem Rufe nach Göttingen 
als Profeffor der Politik und der europäifchen Staatengefchichte. Er wirkte dort 
vierzig Jahre lang als gefeierter Lehrer und einflußreicher politifcher Schriftfteller. 
Nachdem er fich längere Zeit von der akademifchen Thätigkeit zurückgezogen hatte, 
ftarb er am 9. September 1810. (Wegele 789 ff.). — Der andere Württemberger 
in Göttingen, G. J. Planck, geboren zu Nürtingen am 15. November 1751, erhielt 
feine Bildung im Stift zu Tübingen, wurde 1781 als Profeffor an der Hohen Karls- 
fchule in Stuttgart angeftellt, und 1784 als ordentlicher Profeffor der Kirchen- 
gefchichte nach Göttingen berufen, wo er in hohem Alter 1833 ftarb. Sein Haupt- 
werk ift die „Gefchichte des proteftantifchen Lehrbegriffs" in fechs Bänden, Leipzig 
1781—1800, und deren Fortfetzung, die „Gefchichte der Entftehung und Ausbildung 
der chriftlich-kirchlichen Gefellfchaftsverfaffung" in fünf Bänden, Hannover 1803—1809. 
Er gilt als Hauptvertreter der fogenannten pragmatifchen Gefchichtfchreibung, aber 
er verfolgte diefe Richtung nicht fo einfeitig, daß er darüber den über den einzelnen 
Trägern der dogmatifchen Entwicklung herrfchenden Zeitgeift überfehen und das 
gründliche Eindringen in feinen Stoff verfäumt hätte. 

Der dritte auf jetzt württembergifchem Gebiet geborene Gefchichtslehrer 
in Göttingen war Joh. Gottfried Eichhorn, geboren in Dörrenzimmern, einem da- 
mals hohenlohifchen Dorfe, wo fein Vater Pfarrer war. Er hatte feine Studien in 
Göttingen gemacht, wurde 1775 Profeffor der orientalifchen Sprachen in Jena, und 
ging 1788 nach Göttingen, wo er 1827 ftarb. Er machte fich zuerft durch feine 



') Werke Bd. XII. und XIII. Stuttgart und Tübingen 1837. Wegele 872 ff. 



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96 Klüpfel 

Leiftungen auf dem Gebiet der arabifchen Litteratur einen Namen, warf fich dann auf 
die Kritik der altteftamentlichen Schriften, und wandte fich zuletzt der Gefchichte zu. 
Er fchrieb eine Gefchichte der drei letzten Jahrhunderte in 6 Bänden 1802—1804, 
die fich durch geschmackvolle Darfteilung auszeichnete, und eine Weltgefchichte in 
5 Bänden 1800—1814. (Allg. d. Biogr. V, 731 ff.) 

Während die vier Württemberger in Göttingen den Lehrftuhl der Gefchichte 
fo rühmlich vertraten, war der Unterricht in diefem Fache auf der württembergifchen 
Landesuniverfität Tübingen nicht fonderlich gut beftellt. Chriftian Friedrich R Osler 
(geb. Cannftatt 1736), der den Lehrftuhl der Gefchichte von 1777—1821 inne hatte, 
verdankte die Berufung auf denfelben einer wefentlich theologifchen Schrift über den 
„Lehrbegriff der chriftlichen Kirche in den drei erften Jahrhunderten"; während der 
Zeit feines- hiftorifchen Lehramtes fchrieb er nichts, als einige Programme über die 
Kritik der mittelalterlichen Quellenfchriftfteller, und fuchte feine in der Regel fehr 
trockenen Vorträge durch Anekdoten und Kritik hiftorifcher Größen unterhaltend zu 
machen. (Wegele 889.) 

Schließlich muffen wir noch eines dem achtzehnten Jahrhundert angehörigen 
oberfchwäbifchen Hiftorikers gedenken, des Jefuiten Franz Wagner aus Isny, der 
1738 in Wien ftarb. Er hat eine Gefchichte des Kaifers Leopold I. gefchrieben 1 ), 
die auf offiziellen Mitteilungen beruht und ihm einen Namen in der Litteratur ver- 
fchaffte. Seine Darfteilung zeugt von allgemeiner Bildung und Gefchick der Grup- 
pierung und Erzählung. (Wegele 527.) 

Zu den fchwäbifchen Gefchichtfchreibern des achtzehnten Jahrhunderts gehört 
auch der Dichter Friedrich Schiller. Er hat durch zwei größere Arbeiten, den „Abr 
fall der Niederlande" Leipzig 1788, und die „Gefchichte des dreißigjährigen Krieges" 
(1790) und mehrere kleine Auffätze feinen Beruf zur Gefchicht/chreibung unzweifel- 
haft beurkundet, aber es ift eine Zeit lang faft Mode geworden, von feinen hiftorifchen 
Leiftungen in geringfchätzigem Tone zu fprechen Niebuhr findet feine Gefchichte des 
dreißigjährigen Krieges nicht einmal erträglich gut gefchrieben und meint, „die Zeit 
werde Recht üben und das Ding unter die Bank ftecken." Gervinus will die beiden 
größeren gefchichtlichen Werke Schillers nur als Zeugniffe gelten laffen, wie ernft er 
es mit den Vorarbeiten für feine Poefie genommen habe, und beruft fich auf das 
eigene Geftändnis Schillers in einem Brief vom 10. Dezember 1788 an Karoline 
v. Beulwiz, worin er fagt, die Gefchichte fei nur ein Magazin für feine Phantafie und 
die Gegenftände müßten es fich gefallen laffen, was fie unter feinen Händen werden. 
Der ultramontane Hiftoriker Johannes Janffen, dem Schillers Begeifterung für die 
Gewiffensfreiheit ein Ärgernis ift, hat» ein ganzes Buch *) gefchrieben, um zu beweifen, 
daß Schiller gar nicht als Hiftoriker gerechnet werden dürfe. 

Wegele (949 ff.) gefteht zu, daß Schiller nicht dazu angethan gewefen fei, 
als Gefchichtsforfcher im technifchen Sinne des Worts Erhebliches zu leiften, aber 
er kann in den geringfchätzigen Ton nicht einftimmen, der über feine betreffenden 
Leiftungen angeftimmt worden ift, und freut fich, daß es auch an ernfthaften und 
fachkundigen Stimmen nicht gefehlt hat, die ein weit günftigeres Urteil über ihn aus- 
gefprochen haben. Er verweift auf die Schriften Tomafcheks und Tweftens über 
Schillers Verhältnis zur Wiffenfchaft, auf Rocholls Preisfchrift über die Philofophie der 
Gefchichte, Göttingen 1877. Noch entfchiedener haben fich Überweg in feiner Schrift: 



f ) Hiftoria Leopoldi Magni rom. imp. I. IL Aug. Vind, 1719—31 — und Hiftoria Jo- 
fephi L, Wien 1746. 

9 ) Janffen, Schiller als Hiftoriker, Freiburg 1863. 2. Aufl. 1879. 



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Die fchwäbifchen Qefchichtsforfcher und Qefchichtfchreiber. 97 

Schiller als HiAoriker, Leipzig 1884 und W. Scherer in feiner Litteraturgefchichte zu 
Gunften Schillers ausgefprochen. 

Überweg fagt in feiner foeben genannten Schrift über Schiller S. 111, feine 
Tüchtigkeit auf dem Gebiet hiftorifcher Darftellung fei freilich eine einfeitige, fie liege 
nicht in der Empirie und Kritik, fondern in der kühnen und genialen Erfaffung und 
Durchführung allgemeiner Ideen. „Die Vorzüge der Gefchichtswerke Schillers," be- 
merkt er, „liegen nicht nur in der hohen Kuuft der Darfteilung, fondern auch in dem 
Gedankengehalt. Den Blick für das Wefentliche im Gang der Ereigniffe, für die 
Ideen und pfychologifchen Motive, für die Bedeutung der Konflikte, für die Mächte, 
die den Sieg oder die Niederlage bedingten, bekundet Schiller in ausgezeichnetem 
Maße; in zutreffender und mächtig ergreifender Gharakteriftik der Freiheit und des 
Despotismus auf religiöfem und politifchem Gebiet ift er der unübertroffene Meifter, 
und diefe Gharakteriftiken behalten als Signaturen der die Ereigniffe bedingenden 
geiftigen Gewalten auch da noch einen hohen Wert, wo er einzelne Perfonlichkeiten 
zu unbedingt als Repräfentanten derfelben betrachtet hat." 

Wilhelm Scherer fagt in feiner Litteraturgefchichte : Schiller habe feinen Be- 
ruf zur hiftorifchen Kunft glänzend bekundet, und fei in der Kunft der Erzählung 
dem größten gleichzeitigen deutfchen Hiftoriker Johannes v. Müller bei weitem über- 
legen, er habe bei geringer Gelehrfamkeit eine feltene Gabe eindringender und ge- 
rechter Auffaffung, einen ficheren Blick in den inneren Zufammenhang der Begeben- 
heiten bewiefen und eine Darftellungskraft bewährt, wie man fie nur immer von dem 
großen Dramatiker erwarten Konnte. So hat fich denn das Urteil über Schillers 
Stellung zur Gefchichtfchreibung dahin feftgeftellt, daß er nicht nur ein echter Hifto- 
riker, fondern einer der erften Meifter der Gefchichtfchreibung fei. 

. Anhangs weife feien noch von im jetzigen Königreich Württemberg Geborenen oder 
Wirkenden genannt: 

Befold, Chriftoph, geb. 1577 zu Tübingen, 1610 Profeffor dafelbft, Konvertit 1630, 
f als Profeffor in tngolftadt 1638. Gehört hieher durch die Schriften: Prodromus vindiciarum 
ecclesiasticarum Wirtembergicarum, Documenta. rediviva monasteriorum praecipuorum in Ducatn 
Würt. sitorum, Virginum sacraruin monumenta in principum Würt. ergastulo Htterario — fämtlich 
Tubingae 1636, in welchen Schriften B. unter Mitteilung vieler Urkunden aus dem Stuttgarter 
Archiv den Nachweis verflicht, daß die meii'tcn württ. Klöfter von jeher reichsunmittelbar gc- 
wefen feien, fomit den Herzogen von Württ. ihnen gegenüber das jus reformandi gefehlt habe. 
ÄUg. d. Biogr. II, 556 ff. 

Bucelin, Gabriel, geb* zu Dießenhofen im Thurgau, 1599, 1616—45 Konventual in 
Weingarten, f 1681 als Weingartifcher Prior in Feldkirch. Hauptwerk: Germania topochrono — 
ftemmatographica sacra et profan a. 4 Bde. Augsb. 1655—78. AI Ig. d. Biogr. III, 462» 

8 u lg er, Arfenius,. Mönch im Benediktinerklofter Zwiefalten, hinterließ Annales impe- 
rialis Monasterii Zwifaltensis, welche nach feinem Tode 1698 in 2 Quartbänden herauskamen und 
„teils durch den Titel Reichsklofter teils durch ihren Inhalt bei Württemberg großen Lärm ver- 
urfachten tt (Memminger Befchr. d. OA. Münfingen S. 229.) 

Burgemeifter, Job. Stephan, geb. zu Geislingen 1663, f als Rechtskonfulent in Ulm 
1722. Status equestris Cacsaris et Imperii Romano — Germanici 1700 und andere Schriften, die 
bei manchen Mängeln schätzbares Material zur Gefchichte der Reichsritterfchaft enthalten. Allg. 
d. Biogr. III, 600. 

Ludewig, Joh. Peter, geb. zu Honhardt 1668, f als Profeffor und Kanzler in Halle 
.1743. Reliquiae manuscriptorum diplomatum ac monumentorum ineditorum 1720 ff. Gef c nichts- 
fchreiber von dem Bifchoftum Würzburg 1713 f. etc. Allg. d. Biogr. XIX, 379. Wegele 
539. 571. 612. 

Fifchlin, Ludw. Melchior, geb. zu Haufen a. d. Z. 1672, f als Pfarrer in K alten - 
weilten 1729. Memoria Theologorum Wirtembergensium. Ulm 1710. „Ein kuriofes und nützliches 
Buch", wie J. J. Mofer sagt. 

Hanfelmann, Chrifti. Ernft, geb. zu Weikersheim 1699, f als Archivar in Öhringen 
1776. Diplomatifcher Beweis von der Landeshoheit des Haufes Hohenlohe 1751; Beweis, wie 

WQrttemb. Viertel j fth rshefte 1887. 7 



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98 Klüpfel 

weit der Römer Macht in die nunmehrige Oft-Fränkifche , fonderlich Hohenlohifebe Lande ein- 
gedrungen 1768. 73. „Er hat durch diefe Arbeiten der willen fchaftlichen Kenntnis nicht bloß 
der römifchen Epoche des oft-f rank if eben Landes, fondern auch der nächstfolgenden Jahrhunderte 
und des Gauzeitalters einen bleibenden Dienft erwiefen. 44 Wegele Allg. d. Biogr. X, 529» 
Gefch. d. flift. 937. 

Wibel, Job. Chriftian, geb. zu Ernsbach 1711, f *** Hofprediger in Langen bürg 1772, 
Hohenlohifebe Kirchen- und Reformationshiftorie 1752 ff. — ein fiir die Gefchichte Nord-Würt- 
tembergs höchit wertvolles Werk. 

Gerbert, Martin, geb. zu Horb 1720, f als Abt von St. Blafien 1793. Schrieb unter 
anderem: Historia Nigrae Silvae ord. S. Bened. coloniae 3 Bd. 4° 1783 ff. (Allg. d. Biogn VIII, 
725, Wegele 929.) 

Haug, Balthafar, geb. 1731 zu Stammheim b. Calw, f 1792 als Profeffor am Gym- 
nafinm in Stuttgart. Gelehrte Ergötzlichkeiten und Nachrichten 1774, Schwäbifches Magazin von 
gelehrten Sachen 1775—80, Zuftand der Wiffenfchaften und Künfte in Schwaben 1781—82, Ge- 
lehrtes Wiirtemberg 1790 etc. Allg. d. Biogr. XI, 50. 

Heß, Jof. Maximus — mit dem Klofternamen : Gerhard, geb. zu Oberftetten OA. Bi- 
berach 1731 , Prior des Klofters Weingarten , t 1802. Prodromus Monumentorum Guelficorum 
1781; Monumentorum Guelficorum pars hiftorica 1784. 

Schnurrer, Chrifti. Friedr., geb. zu Cannftatt, 1742, f als Tübinger Profeffor u. Kanzler 
a. D. 1822. Erläuterungen der Wirtemb* Kirchen-, Reformations- und Gelehrtengefchichte 1798. 
Der berühmte Orientalift zeigt fich auch als fehr tüchtiger Hiftoriker. 

Prefcher, Heinrich, geb. zu Gaildorf 1749, f a ^ 8 Pfarrer in Gfchwend 1827. Gefchichte 
und Befchreibung der Reichsgravfchaft Limpurg 1789 f. Alt - Germanien 1804 f. Hiftorifche 
Blätter 1818. 

Gradmann, Joh. Jak., geb. zu Ravensburg 1750, f als Stadtpfarrer dafelbft 1817. 
Gutes Nachfchlagbuch: Das gelehrte Schwaben 1802. 

Veefenmeyer, Georg, geb. in Ulm 1760, t als Profeffor dafelbft 1833. Zahlreiche 
kleine Schriften, Programme, Abhandlungen zur Kultur- und Geiftesgefchichte feiner Vaterftadt 
(f. Weyermanns Neue Nachr.). 

Weyermann, Albrecht, geb. in Ulm 1763, f als Pfarrer in Würtingen 1832. Nach- 
richten von Gelehrten, Künftlern und andern merkwürdigen Perfonen aus Ulm 1798. IL 1829. 
Unentbehrliches Hilfsmittel für die Kenntnis der Reichsftadt. 

Keller, Joh. Jak., geb. Eßlingen 1764, f als Stadtpfarrer in Bietigheim 1832. Mehrere 
Schriften zur Gefchichte feiner Vaterftadt. Allg. d. Biogr. XV, 582. 

III. Das neunzehnte Jahrhundert 

Der Verfuch einer kirchlich-politifchen Landes- und Kulturgefchichte Württem- 
bergs bis zur Reformation von David Friedr. Cleß 1 ) (3 Bände, Tübingen 1806—1808) 
wird von Wegele richtig als Ergänzung zu Sattlers Werk bezeichnet, aber wenn er 
hinzufügt: Cleß ftehe Sattler an Selbftändigkeit und Umficht der Forfchung nach, 
ohne ihn durch anziehende Darfteilung um vieles zu überbieten, fo erweckt das eine 
falfche Vorftellung. Cleß benützt zwar nicht fo viele ungedruckte Urkunden wie 
Sattler, aber das lag im Zweck feiner Forfchung, durch den er darauf angewiefen 
war, zunächft in der gedruckten Litteratur fein Material zufammenzufuchen, und er 
thut dies mit nicht minderer Umficht und Selbftändigkeit als Sattler. Seine Dar- 
ftellung ift zwar nicht, was man anziehend nennt, aber klar und fließend und weit 
nicht fo fchwerfallig und weitfehweifig wie die Sattlers. Er zeigt Geift und Kom- 
binationsgabe, und verarbeitet fein Material viel beffer als Sattler. Sein Werk ift 
durch die vielen Nachweifungen von bleibendem Wert, und wenn man fpezielle Nach- 
forfchungen auf dem Gebiet der örtlichen Kirchen- und Kulturgefchichte machen will, 
ift man jetzt noch veranlaßt, in Cleß nachzufchlagen. 

Das nächfte größere Werk, das uns auf unferem Gebiete entgegentritt, ift 



') Cleß war in Calw geboren 1757 und ift geftorben 1810 als Dekan in Reutlingen. 
A. d. B. IV, 328. 



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Die fchwäbifchen Gefchichtsforfcher und Qefchichtfchreiber. 99 

Pftfters 1 ) Gefchichte von Schwaben (Stuttgart] und Heilbronn. 5 Bände, 1802—1827), 
welche teilweife auf dem Material Sattlers beruhend das Mittelalter bis zum Regierungs- 
antritt Maximilians des Erften behandelt. Pfifter war ein Zögling des Tübinger Stifts, 
hatte fich fchon als Student mit gefchichtlichen Studien befchäftigt, war durch Spitt- 
lers Gefchichte von Württemberg und Johannes v. Müllers Schweizergefchichte an- 
geregt, und begann als Repetent eine Gefchichte Schwabens, welche Beifall fand und 
die Auf merk famkeit auf den ftrebfamen jungen Mann lenkte. Er begab fich, durch 
einen vermögenden Gönner, Freiherrn v. Palm, unterftützt, nach Wien, wo der be- 
rühmte Verfaffer der Schweizergefchichte Kuftos an der kaiferlichen Bibliothek war. 
Es gelang ihm, in nähere Beziehungen zu Müller zu treten, und unter feiner Protek- 
tion und Leitung feine Studien fortzufetzen. Müller riet ihm, die akademifche Lauf- 
bahn zu betreten und bot ihm dazu feine Vermittlung, aber Pfifter konnte fich doch 
nicht entfchließen , die theologifche Laufbahn feiner Heimat zu verlaffen, und hoffte 
neben dem Kirchendienft feine hiftorifchen Studien und Arbeiten fortfetzen zu können. 
Eine Gelegenheit, die Pfarrei mit dem durch den Tod ProfefTors Rösler erledigten 
Lehrftuhl der Gefchichte in Tübingen zu vertaufchen, ließ er ungenützt vorübergehen* 
Dagegen hatte er durch den Auftrag der Regierung, die Archive der neu erworbenen 
Reichsftädte und Klöfter zu unterfuchen und die wichtigften Urkunden für das Staats- 
archiv auszufcheiden , weitere Anregung. Seine Gefchichte Schwabens fchfoß er mit 
dem fünften Band an der Schwelle der Reformationszeit ab. Daneben verfaßte er 
zwei Monographien über den Herzog Chriftoph und den Herzog Eberhard im Bart, 
die er 1819 und 1822 veröffentlichte , auch gab er mit Prälat Schmid 1817 Denk- 
würdigkeiten zur württembergifchen Reformationsgefchichte heraus. Das Ziel feiner 
Studien war die Erweiterung feiner fchwäbifchen Gefchichte zu einer deutfehen, und 
es war ihm fehr willkommen, als er von Heeren und Ukert den Auftrag erhielt, für 
ihre Sammlung der europäifchen Staatengefchichte die Bearbeitung der deutfehen 
Gefchichte zu übernehmen. Er unterzog fich dem ehrenvollen Auftrag mit Freudig- 
keit, aber er war demfelben nicht gewachfen, er hatte keine Ahnung von den Vor- 
bedingungen einer wiflenfchaftlich genügenden Darfteilung der deutfehen Gefchichte, 
von der Unvollftändigkeit und Unreife des zur Verfügung flehenden Materials. Mit 
unerfchrockenem Fleiß machte er fich an die Ausarbeitung; und hatte die Befriedigung, 
kurz vor feinem Tod mit Auflöfung des deutfehen Reiches feine Arbeit abfchließen 
zu können. Diefelbe hat das Verdienft, ein Hilfsmittel zu orientierendem Überblick 
und ein brauchbares Nachfchlagebuch geliefert zu haben, aber fie gibt kein Bild der 
politifchen und nationalen Entwicklung Deutfchlands. Die Kritik verhielt fich zurück- 
haltend und ftillfchweigend , es erfchien keine einzige eingehende Befprechung des 
Werkes. Eine Anerkennung wurde demfelben zu teil durch eine Überfctzung ins 
Franzöfifche, welche in den Jahren 1835—38 in 11 Bänden zu Paris erfchien. 

Aus dem Nachlaß Pfifters wurde 1838 eine Überficht der Gefchichte der 
württembergifchen Verfaffung und des Regentenhaufes von K. Jäger herausgegeben. 
Heilbronn 1838. 

') Johann Chriftian Pfifter, geb. 11. März 1772 zu Pleidelsheim , laudierte im Stift zu 
Tübingen, als Promotionsgenoffe des Philosophen Schelling, Theologie und Philofophie, wurde 1800 
Repetent, 1806 Diakonus in Vaihingen, 1813 Pfarrer in Untertürkheim bei Stuttgart, 1832 Prälat 
und Generalf nperintendent in Stuttgart, wo er 30. September 1835 geftorben ift. Schriften: Ge- 
fchichte von Schwaben und Baden (bis zum Regierungsantritt Maximilian I.). Heilbronn und 
Stuttgart 1803—27. Herzog Chriftoph von Württemberg. 2 Bde* Tübingen 1819—29. Herzog 
Eberhard im Bart 1822. Gefchichte der Deutfehen. 5 Bde. Hamburg 1829-35. Gefchichte 
der Verfaffung des württembergifchen Haufes und Landes. Herausgegeben von Karl Jäger, 
neilbronn 1838. 



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100 Klüpfel 

Ein älterer Kollege Pfifters, der Prälat Johann Chriftoph Sehmid, war eben- 
falls ein verdienter Gefchichtsforfcher. Am 24. Juni 1756 in Ehingen auf der Alb 
geboren, machte er feine Univerfitätsftudien in Jena und Göttingen, bekleidete hierauf 
mehrere Lehrer- und Predigerftellen in Ulm und wurde bald, nachdem diefe Stadt an 
Württemberg gekommen war, 1810 als ein dort fehr angefehener Mann zum General- 
fuperintendenten und Prälaten ernannt. Er machte mehrere Jahrzehnte lang aus- 
gedehnte archivalifche Forfchungen zur Gefchichte der füddeutfchen Adels- und Stadte- 
btindniffe, insbefondere des fchwäbifchen Bundes und des Bauernkrieges mit der Ab- 
ficht, eine ausführliche gefchichtliche Darfteilung derfelben zu verfaßten, kam aber 
nicht zur Ausarbeitung des geplanten Werkes. Die zu diefem Zweck angelegte 
Materialienfammlung, Urkundenabfchriften und Auszüge wurden nach feinem Tod von 
dem Staatsarchiv angekauft, wo fie Pfifter für feine fchwäbifche und deutfche Ge- 
fchichte benützte. Ein druckfertiges Wörterbuch des fchwäbifchen Dialekts wurde aus 
feinem Nachlaß 1830 herausgegeben. 

Eine andere Kollektaneenfammlung, die er hinterließ, zur Gefchichte der Stadt 
Ulm, bearbeitete der Pfarrer Karl Jäger und veröffentlichte fie unter dem Titel: 
Ulms Verfaffungs- , bürgerliches und kommerzielles Leben im Mittelalter, Stuttgart 
und Heilbronn 1831. — Der eben genannte Pfarrer Jäger (1794 zu Cannftatt ge- 
boren, geftorben 1742 als Pfarrer in Münchingen) machte auch felbftändige Forfchungen 
über fchwäbifche Gefchichte, und veröffentlichte 1828 eine reichhaltige Gefchichte der 
Stadt Heilbronn und ihres Gebietes. (Vgl. auch unten.) 

Geraume Zeit fehlte es an einer bis auf die Gegenwart reichenden Gefanit- 
gefchichte Württembergs. Die neuefte war die Spittlers, welche fchon mit dem 
Jahr 1733 abbrach. Im Jahr 1818 erfchien eine „Ausführliche chronologifche Dar* 
ftellung alles Merkwürdigen aus der Gefchichte Württembergs von Archivar Scheffer" 
und ein Abriß der württembergifchen Gefchichte von dem Rektor der Lateinfchule 
in Biberach Eff ich. In demfelben Jahr folgte der erfte Band eines Handbuchs 
der Gefchichte von Württemberg von Konrektor Pfaff *) in Eßlingen. Diefes Werk, 
welches bis zum Tod König Friedrichs geht, war die erfte ausführliche, auch die 
neueren Zeiten umfaffende Darfteilung der württembergifchen Gefchichte. Sie ftützte 
fich auf fleißige Benützung des Materials, welches Gabelkhover und Sattler darboten, 
und fchöpfte auch fonft noch aus manchen bisher unbenutzten gedruckten und hand- 
schriftlichen Quellen, worüber der Verfaffer litterarifche Nachweifungen gab. Offizielle 
Materialien, Urkunden und Aktenstücke waren dem Verfaffer für die neuere Zeit von 
Mitte des achtzehnten Jahrhunderts an nicht zugänglich. In den folgenden Jahren 
veröffentlichte der Verfaffer manche Ergebniffe feiner fortgefetzten Forfchungen in den 
Miszellen zur württembergifchen Gefchichte, in dem Württembergifchen Plutarch und 
iu den Jahrbüchern für vaterländische Gefchichte, welche Memminger feit 1822 
Verausgab. Eine neue, teilweife umgearbeitete Auflage des Hauptwerks erfchien 1839 
in vier Bänden unter dem Titel: Gefchichte des Fürftenhaufes und Landes Württein* 
berg. Stuttgart bei Metzler 1839. — Diefe neue Auflage war zwar mit manchen 

*) Karl Pf äff, geb. zn Stuttgart 22» Februar 1795, ftudierte im Stift zu Tübingen, 
wird 1818 Lehrer am Pädagogium zu Eßlingen, 1819 Konrektor an demfelben» 1852 in Ruheftand 
verfetzt, ftirbt 1866. Schriften : Gefchichte Württembergs» 2 Bde. Reutlingen 1818-20» Miszellen 
aus der württembergifchen Gefchichte, zugleich Erläuterungen und weitere Ausführungen zu 
meiner Gefchichte Württembergs» Stuttgart 1824. Württemb» Plutarch» Lebensbefchreibung be- 
rühmter Württemberger» Heft 1 u. 2» 1830-31» Gefchichte des Fürftenhaufes und Landes 
Württemberg. 21 Bde. (I, II, III 1»2.) Stuttgart 1839. Fürftenhaus und Land Württemberg» 1841. 
Gefchichte der Stadt Eßlingen» 1840. Gefchichte der Stadt Stuttgart. 2 Bde* 1845. Württemb. 
Gedenkbuch. 1862. Befte Erinnerungen an K. Pfaff. Eßlingen 1867. 



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Die fchwäbifchen Gefchichtsforfcher und öefchichtfchreiber. 101 

Zufatzen und der Fortfetzung bis auf die Gegenwart bereichert, aber dagegen manche 
fchätzbare litterarifche Nachweifung und Einzelheit weggelaffen. Auch that der Po- 
pularität die trockene Darstellung und der Mangel an lebendigen farbigen Schilderungen 
von Zuftänden und Perfönlichkeiten Eintrag. So kam es, daß das Buch außerhalb 
Württembergs wenig Verbreitung fand. Wegele erwähnt es in feiner Gefchichte der 
Hiftoriographie, in welcher es wegen feines Wertes für die Landesgefchichte wohl eine 
Stelle verdient hätte, gar nicht. 

Viel lesbarer, als Pfaffs württembergifche Gefchichte, ift die in den Jahren 
1827 — 29 erfchienene von J. G. Pahl 1 ). Derfelbe hatte zwar keine befondere 
Quellenstudien gemacht, aber er war ein gewandter geiftreicher Schriftfteller, der 
allen Vorgängen des öffentlichen Lebens mit Aufmerkfamkeit folgte und mit vielen 
wohl unterrichteten Perfonen in Beziehung ftand. Er hatte früher in den Jahren 
1801 — 8 eine politifche Zeitung herausgegeben, manche politische Flugfchrift ge- 
fchrieben und Denkwürdigkeiten verfaßt, die 1840 nach feinem Tod veröffentlicht 
wurden und wertvolle Beiträge zur Zeitgeschichte enthalten. So hat denn auch feine 
Gefchichte von Württemberg in denjenigen Teilen, in welchen er aus eigenen Erinne- 
rungen fchöpft, den Wert der Stimme eines verftändigen Zeitgenoffen. 

Durch gute Darfteilung, aber weniger durch Selbständige Forfchung empfahl 
fich auch die Gefchichte Württembergs nach feinen Sagen und Thaten 1836 f. von 
Wilh. Zimmermann 2 ), während feiner Gefchichte des Bauernkriegs (1841 — 43, 
2. Aufl. 1856) immerhin, trotz mancher Einfeitigkeiten und Mängel, fleißige Benützung 
der ungedruckten Quellen nachzurühmen ift. 

Unter den damaligen einheimischen Schriftftellern, welche fich um die Ge- 
fchichte ihrer Heimat verdient machten, ragt hervor J. G. D. Memminger, der 
Mitbegründer des ftatiftifchen Landesamts. Memminger wurde den 16. April 1773 
m Tübingen geboren, machte feine Univerfitätsftudien im theologifchen Stift, wurde 
1802 Präzeptor an der Lateinfchule zu Cannftatt, veröffentlichte 1812 eine hiftorifche 
Ortsbeschreibung von Cannftatt, 1820 eine Beschreibung des Königreichs Württenv 
berg, begann 1818 ein Jahrbuch für Gefchichte und Statistik, das 1822 unter dem 
Titel: Württembergifche Jahrbücher fortgefetzt und feit 1839 von dem ftatiftifch- 
topographifchen Bureau herausgegeben wurde. Die Beschreibung von Württemberg 
wurde mit einer hiftorifchen Einleitung vermehrt und der Plan des Werkes fo er- 
weitert, daß die einzelnen Oberamtsbezirke ausführlich, jedes in einem besonderen Heft, 
befchrieben wurden. Im Jahr 1824 begann das Unternehmen mit dem Oberamt Reut- 
lingen, und wurde 1886 mit Ellwangen abgefchloffen. Memminger wurde 1820 zum 
Rat an dem neu errichteten topographischen Bureau, 1830 zum Oberfinanzrat ernannt 
und Starb am 21, Februar 1840. (Hartmann, A. d. B. XXI, 309.) 
(Schluß folgt.) 

') Pahl, geboren zu Aalen 1768, f Juni 1839 als Prälat Gefchichte von Württem- 
berg, 6 Bändchen« Stuttgart 1827—30. 

9 ) Wilhelm Zimmermann, geb. zu Stuttgart 1807 d. 2. Januar. Erhielt feine Gymnafial- 
bildung im Seminar zu Blaubeuren als PromotionsgenoAe von Strauß und Pfizer, bezieht Herbft 
1827 die Univerfität Tübingen als Zögling des Stifts, tritt 1828 aus, abfolviert 1829 und lebt von 
da bis 1840 als Schriftfteller in Stuttgart. Wird 1840 Diakonus in Dettingen bei Urach , 1847 
Profeflbr der Gefchichte und Litteratur am Polytechnikum in Stuttgart, wird 1848 zum Ab- 
geordneten für das Frankfurter Parlament gewählt, in welchem er fich zur äußerften Linken 
hielt und fich als ftreitfertiger Redner bemerklich macht. Wird 1850 feines Lehramts enthoben, 
1854 wieder angef teilt als Pfarrer in Leonbronn, 1864 Pfarrer in Schnaitheim, 1872 Stadtpfarrer 
in Owen, t den 22. Sept 1878. Veröffentlichte 1831 eine Sammlung Gedichte; 1832 das Trauerfpiel 
Mafaniello und fortan eine Bei he gef chichtlicher Werke* 



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102 



Württembergifcher Altertumsverein in Stuttgart 



Die Heerftraße der Peutinger-Tafel von Tindoniffa (Windirch) bis Abuflna 
(Eining), mit befonderer Berückfichtigung ihres Zuges durch Württemberg. 

Von Dr. Eduard Paulus. 

Von diefem Straßenzug haben wir bis jetzt als fichere Punkte nur die beiden 
Endpunkte, Windifch und Irnfing-Eining, und dazwifchen das durch Steininfchriften feft- 
geftellte Sumalocennä (Rottenburg a./N.). Schon der Umftand, daß die Straße von 
Windifch nach Eining an der Donau über Rottenburg am Neckar führt, zeigt deutlich, 
daß es fich hier nicht um eine Straße handeln kann, die beide Endpunkte auf dem 
nächften Weg mit einander verbindet. Eine folche Straße hätte die Donau nie über- 
fchritten. Es handelt fich vielmehr um eine Straße, welche ihr Ziel auf großen Um- 
wegen erreicht, um eine Straße, welche fo angelegt ward, daß fie weitausholend auf ihrem 
Zug wichtige Plätze mit einander verbindet und dadurch die Beherrfchung und Siche- 
rung des von den Römern in Befitz genommenen Landes erleichtern konnte. Der 
Zug diefer Straße gemahnt an jene Heerftraßen, welche die Römer in ihrer früheren 
Zeit in das Gebiet der Samniter, der Gallier u. f. w. hineintrieben, Straßen, die von 
römifcher Zwingburg zu Zwingburg zogen, um die gefchlagenen Völker in der Bot- 
mäßigkeit zu haben, oder auch um beim Einbruch eines fie aufwiegelnden äußeren 
Feindes die Schltiffel der Macht in der Hand behalten zu können. Wie fehr fich 
folche Anlagen in dem hannibalifchen und anderen Kriegen, welche die Römer in 
Italien führen mußten, bewährten, und wie fchwer gerade die unterworfenen Völker 
folche mit feilen Plätzen befetzte Straßenftränge empfanden, ift bekannt. 

Wohl durften die Römer die füdweftliche Ecke von Deutfchland im dritten 
Viertel des erften Jahrhunderts ohne wefentliche Kämpfe befetzen, aber die Gefahr 
vor freien, von außen andrängenden Völkern, befonders vor den Katten im Norden, 
war nicht gehoben, deshalb mußte bei etwaigen feindlichen Einbrüchen eine folche, eine 
Anzahl wichtigfter Punkte unter einander verbindende und dabei rtcher und beherr- 
fchend geführte Heerftraße von großem militärifchen Nutzen fein. Eben die in Rede 
ftehende Straße umfpannte, nach meiner Anficht, die ich jezt unumwunden, aber mit 
allem Vorbehalt gebe, in gewaltigem Bogen die deutfche Alb, im weiteren Sinn, 
d. h. den badifchen, fchwäbifchen und fränkifchen Jura, den Randen, die fchwäbifche 
Alb und den fog. Hahnenkamm, diefes vom Rhein her von Südweften nach Nordoften 
als Schutzwall aufgebaute Kalkgebirge, genauer gefagt, diefes etwa 10 Stunden breite 
Hochland mit felfenfteilem Atrand gegen Norden (gegen den Feind), nur einigemal 
von leicht zu fperrenden Querthälern, die nach der Donau hinüberleiten, durchbrochen. 
Vor diefem lang und breit fchirmenden Hochlande zieht die Peutinger-Heerftraße, 
bis an die fo fehr weit nördlich liegende Ecke bei Weißenburg am Sand hinauf- 
greifend, und ftrebt dann in faft fchnurgeradem fiidöftlichem Zug wohlerhalten über 
das Hochland des Hahnenkamms, über das Altmühlthal und weiter durch die Donau- 
ebene nach Eining. 

Vergegenwärtigen wir uns das Bild Südweftdeutfchlands nach dem Abzug der 
keltifchen Helvetier und der deutfchen Markomannen, auf welche hin langfam die 
Römer, die feit 15 vor Chr. das Land bis zur Donau und Alb befetzt hatten, unter 
den Flaviern ernftlicher das vom Neckar durchfloffene Dreieck zwifchen Alb und 
Schwarzwald in Befitz nahmen. Es wird als eine Einöde gefchildert, aber ohne Zweifel 



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Paulas, Die Heerftraße der Peutinger-Tafel von Vindonifla bis Abufina. 103 

waren von den alten Bewohnern, von den Helvetiern, wie von den Markomannen, nicht 
alle ausgewandert; die Ärmeren werden, wie das gewöhnlich ift, fitzen geblieben fein. 
Und was jedenfalls vorhanden war, das waren die Stätten, die fie befiedelt, die 
Wege, die fie gebahnt, die Burgen und andere Werke, die fie aufgeführt hatten, und 
die ja bis heute noch vielfach erhalten find, uns heute noch den Blick über diefe 
fernen Zeiten hin mannigfach erhellen. Die keltifchen Bewohner waren auf nicht zu 
verachtender Bildungsftufe , mit ihren zum Teil im Lande felbft verfertigten Bronze- 
waffen, ihren Goldmünzen, ihrer Töpferkunft, ihren in diefem reichen Land gewiß fchon 
lebhaften Ackerbau, indem fchon in metalllofer Zeit um die Pfahlbauten des Feder- 
fees der Weizen blühte. Solches Wefen ward, nur etwas rauher, fortgefetzt von 
den nachdrängenden Germanen. Und fo muß das Land zur Zeit der allmählichen 
römifchen Befitznahme gedacht werden als wohl verfehen mit feit Jahrhunderten be- 
tretenen Verkehrsftraßen, reich befetzt mit Ringwällen, und wieder mit heiligen Stätten, 
Opferbergen und den hochragenden Malen der Toten; in vielen Strecken längft um- 
gerodet zu Ackerland oder benützt als quellendurchraufchtes üppiges Weideland; an 
vielen Stellen befetzt mit (vielleicht damals faft verödeten) bäuerlichen Anfiedelungen, 
an den beften Flußübergängen und Thalgrtinden mit größeren ftadtähnlichen , von 
handel- und gewerbetreibendem Volke gefchaffenen. Orte, wie Rottweil, Rottenburg, 
Cannftatt, Aalen, Heilbronn, Oettingen im Ries, muffen menfchliche Anfiedelungen 
gewefen fein feit unvordenklicher Zeit, wie auch bei folchen Orten uralte Funde ge- 
macht werden; eben jetzt wieder bei Cannftatt. Dagegen find als Neugründungen 
der Römer der Lage nach anzufehen Klingen (Arae Flaviae), Köngen, Welzheim u. f. w. 

Natürlich ift, daß die Römer, als fie das Land in Befitz nahmen und die in 
Rede ftehende Heerftraße anlegten, manchem diefer alten Wege fich anbequemten, 
wichtige Ringwälle und Flußübergangsplätze berückfichtigten. So denke ich mir die 
Führung der Peutinger-Heerftraße; diefelbe fchließt ganz entfchieden Strecken viel 
älterer Hochfbraßen in fich, berührt unftreitig viel ältere, als römifche Städte und 
Burgen. Ihre Anlage mag in der Hauptfache in die Zeit der Flavier, ihr Anfang 
bis an die obere Donau in die Zeit des Auguftus, ihre Einzeichnung in die fog. Welt- 
karte ebenfo in diefe beiden Zeiten fallen (f. auch unten). Es find wohl die Straße über 
den Randen, die Strecke von Rottenburg nach Cannftatt über Herrenberg, die von 
Cannftatt hinauf zu der Leinhöhe, zwifchen den Thälern der Rems und der Lein, zu 
der Hochftraße und diefe felbft bis Aalen, ja bis zu dem in der Urzeit hochwichtigen 
Ipf bei Bopfingen, als Teile älterer Straßen, als fogenannte „Keltenwege" anzu- 
fprechen. Als alte Städte im Sinne von größeren gewerb- und verkehrsreichen Plätzen, 
Marktorten, ftellen fich dar Rottweil, Rottenburg, Böblingen, Cannftatt, Aalen, Öttingen 
im Ries, als bedeutende Ringwälle der Fürftenberg bei Pfohren an der Donau, Herren- 
berg am Schönbuch, der Ipf bei Bopfingen, Hohentrüdingen im Ries, Spielberg bei 
Gnotzheim, Gelbe Bürg, Wülzburg bei Weißenburg am Sand ; die vier zuletztgenannten 
an dem am weiteften nach Nordweften in das Flachland vorgefchobenen Steilrande des 
Hahnenkamms. 

Gehen wir nun über zur Betrachtung und Feftftellung des Straßenzuges im 
befonderen, über den fchon fo vieles hin und wieder gefchrieben worden. Vor allem 
ift bei Löfung der Frage nötig, daß größere Strecken ins Auge gefaßt werden, dann 
find die Unterfchiede fo bedeutend, daß fie jedem einleuchten. 

Für die Strecke von Windifch nach Rottenburg bringt die Peutinger-Tafel 
61 Maßeinheiten, weiter von Rottenburg nach Eining 176. Darnach wäre der Weg 
von Rottenburg nach Eining faft dreimal fo weit, als der von Windifch nach Rotten- 
burg. Nehmen wir römifche Millien an, fo haben wir von Windifch nach Rottenburg 



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104 Paulus 

rund 92, von Rottenburg nach Eining 264 Kilometer. Mit 264 Kilometer kommt man, 
fogar noch mit einigen Umwegen, von Rottenburg nach Eining, von Rottenburg nach 
Windifch aber braucht man auch auf dem nächften Weg 130 Kilometer, alfo 38 mehr, 
als die Tafel angiebt. Es muß deshalb von Windifch her eine bedeutend größere Mafi- 
einheit angenommen werden, und zwar bis Rottenburg, weil von Windifch herkom- 
mend die Maße gerade hinter Rottenburg fo ftark hinauffchnellen, von 14 auf 22, 
und zwar in einem Landftrich, der jedenfalls eben fo ftark bewohnt und befetzt war, 
wie der zuvor von der Straße durchmeffene. Von Rottenburg bis Eining dagegen 
reichen, wie wir fofort fehen werden, die Millien vollständig aus; laffen wir jetzt auf 
diefer letzteren Strecke die Zahlen fprechen. 

Nimmt man die Entfernung von Rottenburg nach Eining, nach der Tafel 176 
Maßeinheiten oder 264 Kilometer, fo fieht man fofort, daß das hier angewendete Maß die 
römifche Meile fein muß, mit einem größeren Maße käme man weit über Eining hinaus; 
aber auch mit diefem Milüenmaß noch muß ein Umweg angenommen werden. Läßt 
fich nun zwifchen den beiden Endpunkten ein vernünftig geführter Straßenzug 
finden, der die auf der Tafel angegebene Länge befitzt und zugleich nach den auf 
der Tafel bezeichneten Abftänden wichtige Römerplätze aufweift, fo muß der richtige 
Zug gefunden fein. Diefe Straße befteht in Wahrheit, läßt fich fo gut wie überall 
noch verfolgen, ift auf Strecken von mehreren Stunden faft unberührt und zeigt an den 
von ihr durch die Entfernungszahlen beftimmten Punkten hervorragend wichtige 
Römerplätze, und zwar ließen fleh .bei den meiften jetzt fchon, neben ausgedehnten 
anderen römifchen Reiten, Kaf teile feftftellen. 

Der Zug geht von Rottenburg auf der Römerftraße nach Herrenberg, um 
die große VorterraiTe der fchwäbifchen Alb, den Schönbuch herum und erreicht mit 
22 Meilen Böbüngen-Sindelfingen, von da über die Höhe bei Vaihingen auf den Fildern 
nach dem Hafenberg, über die Gaiseiche und den Rücken zwifchen dem Stuttgarter und 
Bothnanger Thal, die fog. Feuerbacher Heide, nach Altenburg bei Cannftatt (Clarenna), 
das mit 12 Meilen erreicht wird; von Rottenburg bis Cannftatt faft immer auf freien 
Hochflächen oder Bergrücken, nur das Ammerthal und das Würmthal, da wo beide 
Thäler weit offen find, überfchreitend. Es lief aber auch eine alte Straße vom Hafen- 
berg durch das Stuttgarter Thal direkt an den Neckar bei Cannftatt. 

Von Rottenburg führt der belle Weg Cannftatt zu um den Schönbuch herum 
an Herrenberg vorbei nach Böbüngen-Sindelfingen — 22 Meilen. Doch möchte ich 
nicht, wie mein Vater in den neueren Auflagen der archäologifchen Karte that, 
die Straße über Hildrizhaufen und Altdorf auf die Höhe des Scliönbuches führen, 
fondern von Herrenberg genau nordöftlich auf Böblingen, wie die erfte archäolo- 
gifche Karte gewiß ganz richtig zeigte (vergl. auch Paulus d. Alt. in W. Jahrbücher 
1835, IL S. 376 ff.). Bei Böbüngen-Sindelfingen wäre Grinario anzufetzen. Das 
Kaftell ift bis jetzt noch nicht gefunden. Rottenburg, Herrenberg, Böblingen und 
Cannftatt (Clarenna), alle vier muffen als vorrömifche Plätze angefprochen werden, als 
Römerplätze find alle vier bedeutend, und fo ift aller Grund anzunehmen, daß diefe 
Straßenftrecke fchon vor den Römern beftand und nur von diefen, wo es not that, in den 
richtigen Stand gefetzt wurde. Bodenfchwierigkeiten find faft keine zu überwinden. 
Die ganze Strecke kann im Trab befahren werden. Entfprechend den feften Schön- 
buchplätzen Herrenberg und Böblingen am Nordweftrande des Schönbuches, legten die 
Römer am Südoftrande der an den Schönbuch ftoßenden Filderhochebene das Kaftell 
Kon gen an, an wichtigem Neckarübergang. Auch fonft finden fich auf diefem von 
den Römern mit zahlreichen Niederlaffungen bedachten Hochland (Schönbuch und Filder) 
römifche Schanzen als auf einer höchft wichtigen Stellung in dem großen Neckarwinkel 



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Die Heerftraße der Peutinger-Tafel von Vindoniffa bis Abufina. 105 

zwifchen Rottenburg und Cannftatt. Die Schloßberge von Böblingen und Herrenberg 
trugen ohne Zweifel einft Ringwälle. 

Cannftatts außerordentliche Bedeutung ift längft erkannt; Von ihm ab zeigt 
die Tafel weiter an: nach ad lunam 22, nach Aquileia 20, nach Opie 18. Die 
Straße geht von Cannftatt an den Leinfluß, von der Lein nach Aalen, von Aalen 
zum Berge Ipf. Die Entfernungen ftimmen: 22 Millien nach der Lein, 20 nach Aalen, 
18 zum Nordoftfuße des Ipf. Bacmeifter nimmt keinen Anftand, auf diefe drei alten 
Namen die jetzigen Lein, Aalen, Ipf aufzubauen. Alle drei Punkte find hochwichtig, 
wie wenige. An der Leinecke beginnt der Rheinlimes feine koloflale gerade Linie, 
ganz in der Nähe das Kaftell Welzheim, bei Leineck und Pfahlbronn gleichfalls 
römifche Schanzwerke, auch fonftige römifche Refte. Die Straße lief in der breiten 
Thalebene des Remsthales bis gegen Schorndorf, erftieg dann mit der Efelfteige den 
Höhenrücken zwifchen der Reros und der Wieslauf und zieht nun genau öftlich, mit 
zwei Stunden die Leinecke erreichend, und immer öftlich und immer auf der Höhe bis 
Aalen, zwifchen Lein und Rems, von der Efelfteige bis Aalen fchnurgerade öftlich 
viele römifche Meilen lang auf prachtvoll beherrfchender Höhe; diefe Straße, welche die 
uralten Städte Aalen und Cannftatt mit einander verband, ift ganz gewiß vorrömifch, 
fie heißt die Hochftraße. Die gewöhnliche Heerftraße der Römer lief von Schorndorf 
im Remsthal weiter bis Aalen. 

Aalen. Bekannter Römerplatz mit Kartellen und Stempeln, von wo aus man 
eben zur Donau durchs Brenzthal über Heidenheim und eben zum Neckar durchs 
Remsthal nach Cannftatt gelangte, zu allen Zeiten im friedlichen Verkehr, wie im 
Kriege nicht zu umgehen. 

Ipf bei Bopfingen. Gewaltiger Ringwall mit Opferftätte, mit Laufgräben 
und Trichtergruben, großes Grabhügelfeld nördlich des Berges, großes römifches Lager 
nordöftlich bei Jagftheim. Bacmeifter fagt: „Das Peutingerfche Opie weift, je nach- 
dem es als Genitiv oder Ablativ gefaßt wird, auf einen Nominativ Opie oder Opis 
zurück; das ergäbe ein althochdeutsches Ophi, Opfi. Wie aber z. B. aus latein. 
modius althochdeutsch mutti der Scheffel, mittelhochdeutfch mütti wurde, fo konnte 
fleh Opfi zu Upfi, Üpfi wandeln, was fchwäbifch Ipfi, Ipf lautet." 

Auf Bopfingen am Ipf laufen von allen Seiten Römerftraßen zu, doch fanden 
fich wenig römifche Refte, es fcheint, daß die Römer fich begnügten, diefem uralten 
Kelten- und tiermanenberg eine kleinere Anfiedlung beizugeben. 

Von Aalen nach Bopfingen gehen zwei alte Wege, einer genau öftlich über 
die Alb, einer in nördlich gefpanntem Bogen um ihren Nordfaum; ich vermag mich 
bis jetzt noch nicht für einen oder den anderen zu entscheiden. 

Vom Ipf an geht wohl erkenntlich die Heerftraße in ftolzem Zug nordöftlich, 
erreicht mit 7 Meilen Maihingen (Septemiaci), mit weiteren 7 Öttingen (Lofodica), 
mit weiteren 11 Gnotzheim (Medianis) an der Nordweftecke des Hahnenkamms am 
Fuße des Spielbergs (Specula), der Stammburg der Grafen von Öttingen. 

Die meiften älteren bayrifchen Forfcher zogen die Linie nicht höher als bis 
Öttingen, und dann über Naflenfels oftwärts nach Köfching, aber diefe Linie ift nicht 
begründet in der Lage der Gebirge, ein unnötiger Umweg; nebenbei ftimmt die 
Entfernung von Burgmarshofen bis Naflenfels nicht, ift zu klein. Eine vernünftige 
Linie wäre genau oftwärts von Bopfingen über Nördlingen immer oftwärts nach dem 
wichtigen Naflenfels und immer öftlich nach Köfching u. f. w. Diefer Straßenzug 
befteht und ift hochwichtig als nächfte Verbindung von Aalen mit Eining. Aber die 
Maße ftimmen nicht; die Maße weifen auf einen Umweg hin. Wir fehen, fowie die 
Straße in das fo überaus fruchtbare, reich bewäflerte Ries tritt, rücken die Punkte 



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106 Paulus 

viel näher zufammen. Das ganze Ries ift voll von römifchen Altertümern ; nach Öttingen 
kommen Römerftraßen aus allen Richtungen. Ein Hauptplatz ift wieder Gnotzheim 
(Kaftell) mit Spielberg (Ringwall) an der Nordweftecke des Hahnenkamms. Weiter 
ift der Straßenzug zu verfolgen oftwärts bis Dittenheim, dahinter der Ringwall der 
Gelben Bürg, und füdoftwärts auf Trommezheim an der Altmühl; bis hieher find die 
8 Meilen abgelaufen, hier fetze ich Iciniaco an; von da zieht die Straße wohl erkenn- 
bar genau öftlich nach Weißenburg am Fuße der Wülzburg (Biricianis) , einer der 
früheften und mächtigften Römerorte, mit Kaftell, mit einftigem Ringwall auf der Wülz- 
burg, die von den Römern befetzt ward. Von der Wülzburg fchießt die Straße 
18 Meilen lang erft oftwärts und dann fchnurgerade füdoftwärts wohlerhalten nach 
Pfünz (pontes) an der Altmühl; das wäre Vetonianis. Pfünz mit Kaftell und maffen- 
haften Römerfunden. Weiter geht die Straße für jedermann deutlich oftfüdöftlich 
fchnurgerade 12 Meilen lang nach Köfching (Germanicum), Kaftell, dann 9 Meilen weit 
öftlich fchnurgerade nach Celeufum (Pföring am Kelsbach) und endlich mit drei weiteren 
Meilen nach der berühmten Abufina, jener auf beiden Seiten des Donauftromes ge- 
legenen gewaltigen Stadt. 

Daß diefer Zug, von Rottenburg am Neckar bis Irnfing-Eining an der Donau, 
der nebenbei die Maße der Tafel genau einhält, durch feine fich immer gleichblei- 
bende, fcharffinnig auf die Gebirgsgliederung gegründete Führung, welche ftets hoch- 
wichtige, meift fchon durch vorröinifche Kultur bedeutfame, von den Römern noch mit 
Kartellen bewehrte Punkte mit einander verbindet, einen entfchieden großartigen Ein- 
druck macht auf alle, die ihn mit Auge und Seele verfolgen, ift unumftößlich. — 
Von den 15 Plätzen find bis jetzt 11 als mit Kartellen befetzte nachgewiefen, es fehlen 
noch Böblingen -Sindelfingen, Maihingen, Öttingen, Trommezheim. Schon Buchner 
(1823) zog von Eining aus die Straße über Pfünz an der Altmühl bis Weißenburg, 
Ohlenfchlager in feiner trefflichen Schrift „Die römifche Grenzmark in Bayern", München 
1887, verfolgt die Straße fogar bis Gnotzheim. Betrachtet man von Eining aus die 
Maße 3—9—12—18, fo überrafcht ihre große Verfchiedenheit, aber zugleich erfreut 
das genaue Zufammentreffen der Kaftellplätze, Pföring, Köfching, Pfünz, Weißenburg 
mit diefen Maßen; je näher dem Donauübergang, defto mehr find die Plätze bei- 
fammen; dann von Pfünz bis Weißenburg die lange Strecke mit 18 Meilen über die 
kahle Höhe des Hahnenkamms; endlich der Name Pfünz felbft, jene wichtige Über- 
brückung des tiefeingefchnittenen Altmühlthales, des einzigen Thaies auf der 42 Meilen 
langen Strecke zwifchen Abusina (Eining) an der Donau und Weißenburg am Sand. 
Der Lefer möge das alles auf einer größeren Terrainkarte vergleichen. 

Betrachten wir nun die Strecke Vindoniffa-Sumalocennae, Windifch-Rottenburg, 
deren Zug ganz diefelben Grundfätze befolgt, auf eine große Strecke den Schwarz- 
wald zum Rückhalt habend. Diefer Straßenzug zeigt 61 Maßeinheiten; wie oben ge- 
zeigt, können es unmöglich römifche Meilen fein. Mit 61 römifchen Meilen gelangen 
wir auch auf den allernächften Wegen von Rottenburg aus noch lange nicht an den 
Rhein, wir brauchen von Rottenburg nach Windifch auf dem allernächften Weg faft 
90 Meilen. Sehen wir uns einmal die Zahlen der Strecken an von Rottenburg aus: 
14 — 14 — 11 — 14—8. In diefen Entfernungen muffen vier wichtige Römer- 
ftätten liegen, und zwar muß die zweite, von Rottenburg aus gerechnet, faft in der 
Mitte des Weges liegen 14 + 14 = 28 und 11 + 14 + 8 =. 33. 

Arae Flaviae kann unmöglich nach Rottweil fallen, denn wenn wir dies an- 
nehmen und auch den kürzeften Weg von Rottweil nach Rottenburg einfchlagen, fo 
müßten wir bei dem Maß 14 zwifchen Rottenburg und Arae Flaviae die Maßeinheiten 
zwifchen Rottenburg und Vindoniffa fo groß nehmen, daß wir nur etwa 40 Maßein- 



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Die Heerftraße der Peutinger-Tafel von Vindonifla bis Abufina. 107 

heiten brauchten; die Tafel giebt aber 61« Rottweil muß von Rottenburg aus die 
zweite Station der Tafel fein. Da nun aber "bis zur zweiten Station fchon 28 Maß- 
einheiten abgelaufen find, fo folgt daraus weiter, daß die Straße von Rottweil nach 
Rottenburg einen bedeutenden Umweg machen muß. 

Dabei muß ich gleich bemerken, daß von Vindonifla nach Sumalocennae das 
gewöhnliche Leugenmaß mit 2,22 km zu klein ift, wir brauchen ein größeres Maß. 
Das find wohl die alten größeren gallifchen Leugen (f. Hultfch, Griechifche und 
Römifche Metrologie. Zweite Bearbeitung, S. 692). Glücklicherweife erfahrt diefes 
Verfahren feine Betätigung darin, daß von Bafel Augft bis Straßburg, wo der Weg nicht 
zweifelhaft fein kann, dasfelbe Maß angewendet ift; die Tafel giebt hier bloß 
49 Maßeinheiten und mit 61 folchen Maßeinheiten kommen wir von Vindonifla über 
Iflingen nach Rottenburg. Das Maß, die alte keltifche Leuge, mag in Obergermanien 
zur Zeit der Errichtung der Straße von Windifch nach Rottenburg, was jedenfalls 
noch ins erfte Jahrhundert fallt, noch in Anwendung gewefen fein. Im Orient ift z. B. 
teilweife nach Tarafangen zu rechnen, eine Parafange zu vier Millien, wie Wilh. Toma- 
fcheck in den Sitzungsberichten der philofophifch-hiftorifchen Klaffe der Kaif. Akademie 
der Wiffenfchaften in Wien, 102. Band, nachgewiefen hat. Derfelbe Gelehrte fieht in 
diefem Teil der Peutinger-Tafel das Fragment eines Itinerars aus der Zeit der 
Seleukiden. — Die verfchiedenen Maße der Tafel zeigeu , daß die verfchiedenen Teile 
derfelben urfprünglich zu verfchiedenen Zeiten angefertigt wurden. So reicht wohl der 
Beginn unferer Peutinger-Straße in die Zeit des Agrippa zurück, in welcher die Römer 
zuerft in unfere Gegenden eindrangen und durch welchen die fog. Weltkarte des Auguftus 
angelegt wurde. Die Vollendung der Straße und ihrer Aufzeichnung muß natürlich 
bedeutend fpäter fallen, wie aus den Arae Flaviae erhellt, kann aber ganz in die 
Gründungszeit diefer Stadt oder kurz nachher fallen. Dem General, welcher die Straße 
gebaut hat, ift die Verzeichnung der Straße in die Tafel am eheften wohl zuzufchreiben. 

Nehmen wir nun den Weg von Vindonifla aus. 

Die Straße geht bei Zurzach, das mit 5 alten Leugen erreicht wird, über den 
Rhein, und dann nordöftlich weiter im bequemen Klingengrabenthal hinauf, hier war 
nach abgelaufenen 8 Maßeinheiten bei Geißlingen, wo ein beftätigter Römerplatz l ) lag, 
die erfte Station. Von da geht die Straße immer auf beftem Terrain dem Randen zu, 
erlteigt diefen und läuft auf deflen Höhe genau nordwärts und hinab nach Sum- 
pfohren an der Donau, am Fuße des Fürftenberges. Dafelbft find 14 Maßeinheiten 
abgelaufen und möchte ich Juliomagus anfetzen. Mein Vater und andere fetzen die 
Station faft eine Stunde weiter nordwestlich bei Hüfingen an. Mir aber fcheint, der 
alte Keltenweg, der von Vindonifla nach Brigobanne (Rottweil) führte, ging bei Pfohren, 
im Angeficht des weithin beherrfchenden Fürftenberges, über die Donau. Der Weg 
ging vom Randen an genau und ohne ümfchweife nordwärts, giebt eine gerade Linie, 
das Terrain ift noch günftiger. Diefem uralten Straßenzug mögen die Römer gefolgt 
fein. Nimmt man dies an, fo reicht man vollftändig mit den Maßen der Tafel. Mein 
Vater brauchte 2 Maßeinheiten weiter. Der Fürftenberg, am Donauübergang, muß 
als einer der größten und höchften, frei vor dem Albrand flehenden Einzelberge, und 
zwar als ein ins Donauthal hinausragender, an Wichtigkeit dem Hohenftaufen und 
Ipf gleichgeftellt werden, ift gewiß anzufprechen als Ringwallberg in der Urzeit, 
wie ja von ihm die große Herrfchaft Fürftenberg ausging. Ihm gegenüber auf 
dem linken Donauufer fteht fein Genoffe, der Wartenberg. Beide Berge beherrfchen 
vollftändig den Eingang von Weften (und vom Neckar her) ins Donauthal Es mit 



*).Mit Stempeln der 11. und 21. Legion und der 3. Cohorte der Hifpanier. 



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108 Paulus 

diefero Weg zu verfuchen, darauf hat mich Bacmeifter gebracht, der zuerft in feinen 
alemannifchen Wanderungen zum Namen Sumpfohren fehrieb: „Dabei fei nicht ver- 
schwiegen, daß fudöftlich von Hüfingen das Dorf Sumpf ohren fteht, verwunderlichen 
Namens. Da indeffen eine Stunde nördlich Pfohren liegt, fo möchte jenes erftere 
altdeutfch Sunt-foren, d. h. Süd-foren geklungen haben (wirklich heißt der Ort a. 883 
Sundphorran; dazu a. 817 Forrun, 821 Phorra, 825 Forren), und konnte das eine 
wie das andere ein römifches Forum gewefen fein, woraus alemannifch Pforen wurde, 
wie aus der Station ad fines das heutige Pfinn. In dem Namen Juliomägus aber 
haben wir die Gewähr für einen alten Keltenfitz in jener Gegend." Von Sumpfohren 
nördlich hinauf nach Pfohren ift ein trefflicher Donauübergang, flache Bücken langen 
von Süd und Nord weit fich entgegen hinein in das große Donaumoos und das kleinere 
öftliche bei Neidingen, die wohl zur Zeit des erften Eindringens der Römer Sumpf- 
feen waren. Lag wohl eine Anfiedlung auf dem Berg und eine zwifchen dem Berg 
und dem Donauäbergang, wie auch am Nordfuße des Ipf, nach den fo zahlreichen 
Grabhügeln dort, eine alte vorrömifche Niederlaffung zu vermuten ift? 

Von Pfohren geht eine Hochftraße genau nördlich auf langem Flachrücken 
zwifchen den zwei uralten Orten Aafen und Heidenhofen durch gegen Schwenningen. 
Das ift höchft wahrfcheinlich die alte Keltenftraße, eine fpätere Römerftraße ging von 
Schwenningen auf Donauefchingen und den Römerplatz Hüfingen. — Genaue Forfch- 
ungen bei den beiden Pfohren, fowie über die nordwärts ftrebende Hochftraße muffen 
hier erft Licht bringen, um welches die badifchen Forfcher dringend gebeten fein 
follen. Bei beiden Pfohren Pfahlbaufunde. 

Mit 11 weiteren Maßeinheiten kommt man nach Rottweil (Brigobanne) , auf 
deutfch Berghorn oder Hornberg (Bacmeifter und Bück). Das würde ftimmen. Bei 
Rottweil bricht nach breitem flachem Thal das Neckarthal plötzlich fchroff und felfig 
ein und bildet das erfte Berghorn, worauf wir uns in Urzeiten einen Ringwall, 
unten am Fluffe die bürgerliche Niederlaffuog der Kelten denken. Diefes Berghorn 
ift das jetzige Rottweil mit der jetzt wieder zu Feld und Garten gewordenen Berg- 
zunge, mit der früheren Vorftadt Au, zwifchen zwei fchroffen in das Neckarthal zie- 
henden Schluchten. Ein beftes Bild giebt Merian 1643. Bei Rottweil großes Kaftell. 

Es bleibt uns noch die letzte Station zu betrachten übrig, die mitten zwifchen 
Rottweil und Rottenburg, der Tafel nach Arae Flaviae. Mein Vater (in W. Jahr- 
bücher, Jahrgang 1846, erftes Heft) war der erfte, der bei Unteriflingen eine Römer- 
ftadt (Altftadt) fand und hieher, durch die Maße der Tafel gewiefen, Arae Flaviae 
fetzte. Neuere Forfcher fetzen die Stadt nach Erlaheim. Aber fowohl die Maße der 
Tafel, der Zug der Heerftraße, und endlich der bei Unter-Iflingen an der Stelle der 
römifchen Schutt äcker vorkommende Flurname Altera, Saltera, weifen auf Unter-Iflingen 
hin. In Arae Flaviae dürfen wir eine römifche Neugründung annehmen, hier war in 
vorrömifcher Zeit gewiß kein wichtiger Ort, wie bei Rottweil, Rottenburg, Cannftatt. 

Nur aus militärifchen Rückfichten konnte hier eine Station angelegt werden, 
um den Römern den fchwierigen Übergang über das tiefe Glattthal zu decken. Es war 
aber auch der einzige Thalübergang von Rottweil bis Rottenburg, auf eine Strecke 
von 70 Kilometer (14 Stunden). Sonft überall die herrlichfte fruchtbare Hochebene 
mit den weiteften Albanfichten des ganzen Landes, mit dem Schwarzwald im Rücken, 
vor fich öftlich das felfenfchroffe, tiefe, enge, viel verfchlängelte, heutzutage zum 
Teil noch weglofe Neckarthal, eine fchützende Schranke, wie fie beffer fich nicht 
wünfchen läßt. Herzog hat (in den Bonner Jahrbüchern LIX) diefem Platz den 
römifchen Urfprung abgefprochen und ihn in das Mittelalter gewiefen. Aber meine 
genauen Grabungen an Ort und Stelle ergaben ganz untrüglich die römifche Kaftell- 



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Die Heerftraße der Peutingor-Tafel von Vindonifla bis Abufina. 109 

mauer, die feft ganz erhalten fein wird. Auch die Bedeutung der Flurnamen 
„Altera" etc. hat Herzog von der Hand gewiefen; aber aus den taufenden und aber- 
taufenden von Flurnamen, die mir fchon im Württemberger Land durch die Hand 
gingen, weiß ich keinen ähnlichen aufzufinden. Es ift zu auffallend. Es wäre daher 
eine der erften Forderungen unferer neueften mit Haue und Schaufel arbeitenden 
Forfchung, in der Altftadt bei Unter-Iflingen einmal ganz gehörig einzufetzen. Über 
der Glatt, 7* Stunde weltlich auf dem Burgberg und ßiefenmannsberg Spuren von Ver- 
fchanzungen, an der weltlich nach Loßburg ziehenden Heergaffe. Anderthalb Stunden 
weltlich von der Altftadt liegen dann bei Loßburg und Roth Schanzen, die als römifch 
angefprochen werden muffen. Arae Flaviae liegt nur zwei Stunden füdöftlich von 
Freudenftadt, einer Neugründung, Feftung gegen die Franzofen, von Herzog Friedrich 
von Württemberg um das Jahr 1600, und hatte vor allem den Zweck, die Straße ins 
Kinzigthal und weiter nach Straßburg zu fperren. Die gewöhnliche nähere römifche 
Heerftraße von Bottweil nach Bottenburg lief jedenfalls über Erlaheim auf der rechten 
Neckarfeite. Zwifchen Bottweil und Iflingen Waldmöffingen mit Kartell. 

Den Zug unferer Straße hat mein Vater (in Erklärung der Peutinger-Tafel, 
Schriften des württembergifchen Altertumsvereins I, 8. 1866) mit den wenigen oben 
berührten Abweichungen, von Windifch bis ins ßies, geftützt auf langjährige Forfchungen 
an Ort und Stelle, ebenfo geführt, und damals die Tafel als eine Straßenprofilkarte 
erklärt, eine Anficht, der jeder beipflichten muß, der fleh einigermaßen mit dem 
Zeichnen von Karten und Plänen, mit „Grund- und Aufriffen" abgegeben hat Ob 
aber die Kopierung der urfprünglichen Tafel in einer Weife gefchehen ift, daß im 
einzelnen aus den verfchiedenen Treppen Schltiffe gezogen werden können, ift eine 
andere Frage. — Jedenfalls aber fchimmert die allgemeine Anlage als Profilkarte auch 
in der Faffung, die wir heute befitzen, noch deutlich durch. Bei einer folchen Dar- 
ftellung (Vertikalprojektion) können die Flüffe nur als Punkte oder als fchmale Ein- 
fchnitte erfcheinen und es kann deshalb den in die Tafel, wie fie uns vorliegt, (in 
Horizontalprojektion), eingezwungenen Flußläufen nur bedingter Glauben gefchenkt 
werden, wie mein Vater a. a. 0. fchon überzeugend nachgewiefen hat. 

Möchten diefe Zeilen die badifchen, bayrifchen und württembergifchen Forfcher 
zu gegenseitiger Handreichung anfpornen! Nur mit vereinten Kräften gelingt eine 
Löfung des Bätfels, das immerhin zu den wichtigften unferer ludweftdeutfehen Ge- 
febichte gehört; weil hier, nach meiner Meinung, eine Schnittlinie ift zwifchen der 
vorrömifchen und der römifchen Zeit und Kultur, und die Feftftellung diefer fog. 
Peutinger-Straße auch auf die Limesfragen und auf die Donauftraße ein ftark auf- 
hellendes Licht werfen würde. 



Ein Stanimbnch Herzog Friedrichs I. von Württemberg* 

Die K. öffentliche Bibliothek bewahrt unter den hiftorifchen Handfchriften 
auch das Stammbuch des Herzogs Friedrich I. von Württemberg (Hift. Q. 84). Es 
ift ein fehr abgenützter Lederband in Quer-Quart mit dem auf beiden Seiten ein- 
gepreßten württembergifchen Wappen und der Zahl 1574 auf der Vorderfeite ver- 
Xehen. Nach der Sitte damaliger Zeit wurde als Stammbuch ein gedrucktes Buch 
benützt und zwar in diefem Fall ein durchfehoffenes Exemplar von Ovids Metamor- 
phofen; herausgegeben von Johann Pofthius von Germersheim, mit Bildern von 
Virgil Solis, gedruckt zu Frankfurt a/M. bei Georg Corvinus 1569. Das Buch hat 
im ganzen 381 Blätter, die handfehriftlichen Einträge geben von 1574 bis 1586, 
demnach fcheint der Herzog das Buch während feiner Studienzeit in Tübingen an- 



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1 10 Bach, Ein Stammbuch Herzog Friedrichs von Württemberg. 

gelegt zu haben; er zählte im Jahr 1574 17 Jahre, heiratete aber fchon 1581 die 
Tochter des Fürften Joachim Ernft von Anhalt. 

Die eingetragenen Perfönlichkeiten gehören faß durchweg dem fchwäbifchen 
Adel an und bei jedem Autograph ift das betreffende Wappen gemalt. Es find folgende : 

Albrecht Graf zu Löwenftein 1575, Burckhard von Anweil, Obervogt zu Herrenberg 
1576, Bernhard von Wallbrunn, Obcrfter 1585, Georg Rupert von Polheim 1574, Friedrich von 
Hertingshaufen, Hauamarfchall zu Kaflel 1586, Balthafar von Karpfen 1576, Kafpar von Wetting 
1581, Samuel von Reifchach, Hoffraeifter 1569, Friedrich Herter von Herteneck, Obervogt zu Sulz 

1574, Achatz von Guttenberg 1574, Hans Kafpar von Sperberseck 1574, Hartmann von Griesheim 
1580, Jerg von Ehingen 1574, Hans Ulrich von Gemmingen 1574, Hans Wolf von Stammheim 

1575, Friedrich von Plieningen 1576, Hans Georg von Hallweil 1575, Karl von Dachsberg 1575, 
Chriftoph von Degenfeld zu hohen Eybacb, derzeit Obervogt zu Göppingen, Konrad von Rietheim 

1576, Senft von Sulburg 1576, Ph. Keckh zu Unterlimburg 1576, Burkh. von Weyler 1578, Philipp 
von Laubenberg 1576, Kafpar Trnchieß von Rheinfelden 1581, Erasmus k Layming in Rotten- 
beckh und Thegernbach 1576, Hans Heinrich von Weingarten 1578, Jerg Rudolph von Geßler 
1585, H. von der Thann 1575, Hans Jakob Guth von Sultz zu Durchhaufen 1576, Friedrich von 
Schauenburg 1575, H. W. von Droyff 1577, Hans Wilhelm von Schwarzenburg, Joh. Jakob von 
Mulinen, Hans Johann Megentzer von Felldorf 1574, Georg Friedrich Wolf von Sponheim 1582, 
Sebaftian von Plieningen 1579, Albrecht von Lieben ftein 1574, Fr. von Dobeneck 1586, Hans 
Chriftoph von Engelshofen 1574, Dietrich von Wefthaufen 1582, dabei eine figürliche Darfteilung: 
ein alter und ein junger Herr 1 äffen eine Dame auf einer blauen Kugel tanzen. Wilhelm von 
Remchingen 1574, Joann* Pleicard Landtfchad von Steinach 1574, Friedrich Sittich von Berlepfch 
1576, Petrus Andreas von Oldendorf 1574, Hans Chr. von Regenitz 1579, Heinrich Goldbeck 1578, 
Hieronymus Schürftab 1574, Diepoldt Spet zu Schiltzburg 1574, Jakob Böcklin von Becklinftein 
1589, Hans Walther von Freyberg-Eyfenberg 1576, Hans Konrad von Aurbach 1576, Adolph Wil- 
helm Schenck zu Schweinsberg 1583, Wolf von Ziilenhardt zu Dttrnau 1576, Ernft von Rottkirch 
1576, Melch. Schenck zu Praßberg 1576, Sebaftian Schaffelitzky von Mugendall 1576, Otto von 
Mfinchhaufen 1581, Gotthard Kettler 1581, Johan de Grandmont Hans Wilhelm von Rodenhaufen 
1578, Eberhardt Immthurn 1576, Babtift von Wendelsdorff 1578, Rudolph Wilhelm Raw von 
Holtzhaufen 1580, Baftian von Rotenhan 1579, Johann Riedefel zu Eyfenbach 1580, Bernhard 
von Herftall 1579, Bernhard von Biber 1581, Hans Wolf von Schwarzenftain zu Englberg 1579, 
Wolf Dietrich von Wildenberg genannt Rinkh 1579, Franciscus du Boys 1576, Melchior von 
Bärenfels 1586, Claus Jacob von Sultz 1589, Hans Truchfeß von Höfingen 1581, Hans von Hoheneck 
zu Filseck, Landhofmeifter 1576, Jacob Chriftoph von Winterftetten 1579, Wilhelm Heinrich von 
Steinau 1586, Eberhardt von Hirfchfeldt 1586, Jörg von SternenfelB zu Ochfenburg 1579, Jacob 
von Giltlingen 1580, Eberhard Wolf von Dachenhanfen zu Mauren 1580, Hans Chriftoph von 
Hermsdorff 1586 zu MQmpelgard, Wolf von Grumpach 1582» 

Ein anderes, früher ebenfalls dem Herzog Friedrich zugefchriebenes Stamm- 
buch bewahrt die Bibliothek unter Hift, Q. 42. Es ift ein fchön gepreßter Leder- 
band und trägt ebenfalls auf der Vorderfeite die Jahrzahl 1574. Hier ift ein Exem- 
plar des von Chriftoph Plantinus in Antwerpen 1571 gedruckten Baches „Humauae 
falutis monumenta B. Ariae montanis Audio conftructa et dccantata" benutzt. 

Daß das Buch einft dem Herzog Friedrich angehört habe, ift möglich, aber 
nicht nachweisbar. Die handfchriftlichen Einträge gehen von 1574—1587, umfaflen 
alfo genau denfelben Zeitraum wie das vorige. Auffallend ift, daß nur fürftliche 
Perfonen in das Buch fich eingetragen haben und es mit Ausnahme eines einzigen, 
und zwar eines bürgerlichen Wappens, fonft keine gemalten Wappen enthält. Das 
Ganze hat 386 Seiten und die Autographen finden fich auf die eingefchoffenen 
Blätter des Buches eingetragen, welches nebenbei bemerkt auch viele fchöne Bibel- 
kupfer niederländifcher Künftler enthält. 

Die Einträge beginnen vor dem Titelblatt mit: „Dominus Providebit Maxi- 
milianus", dann folgen eine Reihe Namen hoher fürftlicher Perfönlichkeiten in un- 
geordneter Folge, je nach Belieben eipgefchrieben. Wir verzeichnen hier nur die 
denkwürdigften : 



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Bach, Albrecht Dürer in Württemberg. 



111 



Albert Herzog zu Sachfen 1574, Ulrich Herzog zu Meklenburg 1578, Wilhelm Prinz von 
Bayern 1574, Ferdinand Herzog von Bayern 1574, Ott Heinrich Herzog zu Braunfeh weig 1587, 
Phillipp Ludwig Cornea palatinus ad Rhenum 1574, Friedrich Pfaltzgraf Churfürft 1576, D. S. 
Herzogin zu Sachfen Witwe 1582, Fräulein Marie Herzogin zu Sachfen 1587, Dorothea Pfalz- 
gräfin bei Rhein, Johann Kafimir Herzog zu Sachfen, Johannes Ernft Herzog zu Sachfen-Koburg, 
Friedrich Wilhelm Herzog zu Sachfen, Johannes Herzog zu Sachfen 1582, Philipp Marggraff zu 
Baden 1575, Johannes der Ältere Herzog zu Schleswig-Holftein 1576, Ghriftina Herzogin zu Hol- 
ftein, Friedrich und Philipp Herzoge zu Holftein, Hans Georg Herzog zu Liegnitz u. Brieg, Joachim 
Friedrich Herzog zu Liegnitz 1575, Sophie Herzogin zu Württemberg 1580, Anna Elifabeth Land- 
gräfin zu Heilen geb. Pfaltzgräfin bei Rhein 1580, Georg Landgraf zu Heflen 1576, Ott Heinrich 
comes Palatinus, Dorothea Maria Pfalzgrävin geb. Herzogin zu Württemberg 1583, Karl Pfalz- 
graf, Johannes Pfalzgraf. Max Bach. 

Albrecht Dürer in Württemberg. 

Unter dem Titel „Un Voyage in6dit d'Albert Dürer" hat der bekannte 
Dürerforfcher Epbruffi in der Gazette des beaux-arts Jahrg. 1880 einen Auffatz 
veröffentlicht, welcher unfer Intereffe in Anfpruch nehmen darf. 

In der Sammlung der Witwe Grabl in Dresden und im Kupferftichkabinett zu 
Berlin finden (ich nämlich ein paar Blätter eines Skizzenbuchs von Albrecbt Dürer 



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in demfelben Format und Papier, wie er ein folches auch auf feiner niederländifchen 
Reife führte. Aus diefen Blättern ift zu erfehen, daß Dürer im Jahr 1515 eine Reife 
durch Württemberg, ins Elfaß und die Schweiz gemacht und hiebei feinen Weg über 
Stuttgart, Kaltenthal, Sulz, Pfalzgrafenweiler, Bafel und Schlettftadt genommen hat. 
Auf dem Blatte im K. Kupferftichkabinett zu Berlin hat Dürer drei Burgen 
gezeichnet, von welchen er die untere bezeichnet hat: „ Kaltenntall by Stuchart 1515 u . 



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112 Bach, Albrecht Dürer in Württemberg. 

Die Barg liegt auf einem fteileh Felfen und ift mit einer Ringmauer umgeben ; links 
zieht fich in Windungen ein Weg hinauf, auf welchem (ich 2 Männer begegnen, 
bis zum Thor der äußern Mauer. An diefer Stelle gewahrt man auch den Thor- 
turm der innern Burg, welche fich als ein Häuferkomplex charakterifiert, der durch 
einen vorgekragten Mauergang eingefaßt ift. Die alten eingefattelten Dächer und 
der außerhalb der Mauer angebrachte hölzerne Wehrgang mit feinen Stützen giebt 
dem Ganzen ein ungemein malerifches Anfeben, nur fchade, daß Dürer nicht auch 
die Brücke, die einft über den tiefen Graben führte, mit aufgenommen hat. Ver- 
gleicht man die Zeichnung mit der in der Oberamtsbefcbreibung von Stuttgart bei- 
gebrachten Abbildung des Schloffes, fo darf man nicht vergeben, daß die letztere 
Zeichnung mindeftens 100 Jahre jünger ift, während welcher Zeit das Schloß ohne 
Zweifel ganz neu erbaut wurde. Die allgemeine Situation ift jedoch diefelbe ge- 
blieben: auch hier ein auf hohem Felfen fliehende Gebäudeanlage um einen Hof 
gruppiert ohne hervorragenden Turm. 

Von den beiden andern von Dürer dargeftellten Burgen kann nur eine näher 
nachgewiefen werden, doch ift nicht unwahrscheinlich, auch die andere in Württem- 
berg zu fuchen. 

Von Stuttgart aus wandte fleh nämlich Dürer dem Scbwarzwald zu und 
hielt fleh in Sulz und Umgebung auf; 4 Zeichnungen auf demfelben Blatte, durch 
Linien befonders abgeteilt, laden feine Tour verfolgen. Die erfte ift das Schloß 
Albeck bei Sulz; eine flüchtig konturierte Federzeichnung. Man erblickt das nam- 
hafte Schloß von der Seite des Thoreingangs, über welchem ein großes Wappen 
(Geroldseck und Urslingen) Achtbar ift ; davor die äußere Mauer mit mehreren niedern 
Türmen. Oben fteht gefchrieben „Sulltz Alweck am Neckar". Die Lage entfpricht 
ganz der von Merian gegebenen Anficht, nur hat derfelbe alle Gebäude und Türme viel 
zu hoch gezeichnet, um dem Ganzen ein mehr ftattliches Anfehen zu geben. 

Die zweite Zeichnung ift ohne beigefchriebene Notiz, kann fomit nicht be- 
ftimmt werden; es ift gleichfalls eine auf Felfen ftehende Burg mit viereckigem 
Turm und weiteren dazu gehörigen Festungswerken. Die dritte Zeichnung ftellt 
eine Landfchaft dar mit einer kleinen Mühle zur Rechten, in der Mitte des Hinter- 
grunds ift eine kleine malerifche Feldkirche, dabei fteht von Dürers Hand: „Unfer 
liebe froun zinsbach". Ephruffi hat die Oberamtsbefchreibungeto von Sulz und Freu- 
denftadt zu Bat gezogen und glaubt, diefe Frauenkirche zu Zinsbach in dem kleinen 
Weiler Zinsbach Mühl oder Zinsmühl bei Pfalzgrafenweiler gefunden zu haben. Die 
vierte Skizze ift wiederum eine Burg mit rundem Turm, von einem Graben umgeben. 

Die Rückfeite des Blattes führt uns in die Umgegend von Bafel, dort zeich- 
nete Dürer die Burg Dorneck oder Dornach, berühmt durch die Schlacht im Jahr 
1499 zwifchen den Kaiferlichen und Schweizern. Diefe Gegend war für Dürer da- 
durch von Intereffe, daß fein Freund Pirkheimer damals, an der Spitze der Nürn- 
berger, diefe Schlacht mitmachte. Ganz in der Nähe liegt die Burg Birseck, welche 
uns Dürer gleichfalls mitteilt. Von dort wendete fich derfelbe ins Elfaß und zeich- 
nete die Burgen Ortenberg, Ramftein und Ulrichsburg in der Umgegend von 
Schlettftadt 

Wir fehen aus den Skizzen, welches Intereffe Dürer den verfchiedenften 
Befeftigungswerken entgegenbrachte. Bekannt ift, daß Dürer auch die Belagerung 
von Asberg durch den fchwäbifchen Bund im Jahr 1519 zeichnete, wie eine höchft 
intereffante Federzeichnung, mit feinem Monogramm, in der Ambroflana zu Mailand 
zu erkennen giebt (vgl. Stalin Wirt. Gefch. IV, 180). Max Bach. 



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ltö 



Verei n 

für 

Kunft und Altertum in Ulm und Oberfchwaben. 



Die Familie der Befferer in Ulm. 

Vortrag, gehalten im Ulmer Altertumsverein von A. Seh altes, Pfarrer a. D. 

(Schluß.) 

15. Marx Philipp B., der ältefte unter den fechs Söhnen des Eitel Eber- 
hard (III.), geb. 1594, geft. 1635 in der großen Peft. Er kam in den Rat 1619. 
Drei Jahre vorher hatte er die Tochter des Großhändlers Samuel Eiecbel (von 
Kiechelsdorf, nobilis aber nicht patricius), der große Reifen gemacht hatte, auch 
nach Paläftina und Ägypten gekommen war (in den Jahren 1585 bis 89, Reife- 
befefareibung in der Bibliothek des litterarifchen Vereins) geheiratet. Die Gattung 
war in dem fchönen Kiechelfchen Haus, dem fog. Neubronnerfchen , im Tauben- 
gäßchen, deffen Eingang kein folches Haus vermuten läßt, jetzt Gewerbemufeum. 
Bei diefer Hochzeit waren viele auswärtige Adelige, Karl vom Stein mit feinen 
Söhnen, der Freiherr von Tiefenbach, fünf Herren von Rehlingen aus Augsburg nfit 
Gattinnen und Töchtern und alle Patrizier der Stadt. Der jüngere Bruder, Marx 
Konrad, fchreibt in feinen Aufzeichnungen über diefen Marx Philipp S. 12: „er war 
bei gemeiner Bürgerfchaft beliebt, kam zeitig in den Rat und wurde zu den wich- 
tigften Gefchäften gebraucht. Bei Ihro Majeftät Guftav Adolf in Schweden ftand 
er in großen Gnaden, wurde auch von ihm anfehnlicb verehrt (befchenkt). a 

16« Marx Konrad B, von Thalfingen und Häußer, der dritte unter den 
feebs Söhnen des Eitel Eberhard (geft 1626) wurde geboren 1598 und ftarb 1684 
im 87. Jahr. Er kam 1635 nach der großen Peft in den Rat. Nach Abfcbluß des 
weftfalifchen Friedens wurde er am 2. Januar 1649 an den Herrn Konrad Wieder- 
hold, Kommandant auf Hohentwiel, mit dem er bekannt war, abgefandt, da man 
gehört habe, heißt es im Ratsprotokoll vom 2. Januar 1649, „daß diefer Herr mit 
ftarker Barfchaft gefaßt fei. Befferer foll fleh gleich morgen früh auf den Weg 
machen und einen Poftreiter (diefes waren damals die Metzger) mitnehmen. Er folle 
dem Herrn Kommandanten andeuten, nachdem E. E. Rat zur Abftattung feiner hohen 
Quota zur fchwedifchen Satisfaktion einer Summe Gelds höchft benötigt fei, fo wolle 
der Rat ihn erfucht haben, ob er und wieviel der Stadt Ulm leihen wolle, und wird 
dem Herrn Befferer Gewalt gegeben, des Zinfes halber auf fünf bis (leben Prozent 
und auf wieviel Jahr das Kapital unabgelöft zu verbleiben, zu verhandeln, oder 
wenn ein oder der andere Punkt ihm dem Herrn B. zu fchwer fallen würde, den 
Poftreiter eilends hieher zu fchicken und fernere Refolution einzuholen." Befferer 
bekam bei Wiederhold kein Geld, wohl aber bei Herrn Johann Ghriftof von der Grün 
auf Bodman, Kommandant auf Tann. Diefer Marx Conrad bat einen fchönen großen 
Totenfchild, der erft in diefem Jahr restauriert wurde. Er hängt an der Südwand 
zwifchen Sakriftei und Brautthüre. Die Infchrift ift: Ano 1684. 24. Aug. ftarb der 
Wohledelgeborene Marx Konrad Befferer von Dalfingen, alter Bürgermeifter, des 
geheimen Rats und Oberrichter. 87 J. alt. ux. 1) Elifabet Schad 2) Chriftine Ehingen 
Sein im hohen Alter gemaltes Bild ift zu fehen im Schloß zu Thalfingen, ein feböner, 

Wflrttemb. VIertelJahrsbefte 1887 8 



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114 Schultes 

viel Intelligenz verratender Greifenkopf. Er bat ausführlichere Aufzeichnungen über 
die Familie B. und über feinen Lebensgang binterlaffen , welche fleh im Befitz des 
Generalmajors Freiherrn Max von B. ; vielleicht auch anderer Glieder der Familie, 
befinden, denen wir folgendes entnehmen: Ich bin der dritte Sohn meiner Eltern, 
bin geboren 6. März 1598. Meine Eltern find : Eitel Eberhard B. Diefer ftarb 1626 
und war verehelicht mit Katharina von Rehlingen. Sie ftarb 1634. Sie hinterließen 
6 Söhne und 2 Töchter, ao. 1661, wo ich diefes fchreibe, waren aus diefer Ehe 
75 lebendige Menfchen vorhanden. Die Schwefter meiner Mutter, Maria von Heb- 
ungen, hatte zum Ehegemahl den Herrn Zacharias Geizigkofler, auf HaunsWm (bei 
Lauingen) Ritter, Kaiferl. Rat und Reichspfennigmeifter. Von diefem meinem L Vetter 
wurde ich, da ich 14 Jahr alt war, 1612 mit nach Frankfurt genommen zu der 
Krönung des Kaifers Matthias und hierauf als Page bei dem Herrn Grafen Friedrich 
von Solms, der vieler Reichs- und Hanfeftädte Oberfter war, untergebracht. Ich war 
bei dem Grafen Solms fechs Jahre in Dienften, habe auch 1615 die Belagerung von 
ßraunfehweig, viele furftliche Hofhaltungen, Kindstaufen, Beilager und Begräbniffe, 
auch die fürnehmften Reichs- und Hanfeftädte befehen. 1618 hat mich mein Herr 
Graf im Beifein des Kurfürft Friedrich von der Pfalz (nachmals König von Böhmen), 
fowie anderer Fürften, Grafen und Herren, auch vielen Frauenzimmers mit einem 
verguldeten Degen wehrhaft gemacht, in feinem Schloß zu Redelheim, eine Stunde 
von Frankfurt, mich auch mit einem fchönen Kleid, Stuck Geld, die Gräfin aber 
mit einer Echarpe oder Feldzeichen verehrt und mich darauf an Prinz Moriz von 
Oranien und Naffau als der Generalftaaten Generalifllmus und Statthalter unter feine 
Leibgarde rekommandirt, unter welcher Compagnie zu Fuß ich 15 Monate (nämlich 
10 als Pikenier, 5 als Gefreiter) gedient habe. 1620 erhielt ich vom Prinzen Moriz 
felbft mein Paffeport (Paß und Zeugnis). 

In diefer Garde waren 2 Grafen, 3 Freiherren und bei 80 vom Adel unter- 
fchiedlicher Nationen, fo alle neben mir die Piken getragen und Schildwach geftan- 
den. (Moriz galt als der größte Heerführer feiner Zeit, der die Spanier in vielen 
Schlachten und Gefechten fchlug, auch ihnen viele Städte abnahm). 1620 bin ich 
in meines Grafen Solms Regiment Fähnrich geworden unter der damaligen Union 
und 25 Monat geblieben. Als diefe Völker abgedankt wurden und der fchwäbifche 
Kreis aufgeteilt hat, bin ich beim Herzog Johann Friedrich zu Württemberg 
(1608—28) in dem Graf Hohenlohifchen Regiment Capitänlieutenant geworden und 
in das 4. Jahr gewefen. Als hierauf befagter Kreis abgedankt, fo habe ich im 
J. 1627 eine Reife in Italien vorgenommen, allwo ich meinen Vetter den Ferdinand 
Geizigkofler getroffen, welcher mich 1628 wieder nach Ulm gebracht hat. 1629 begab 
ich mich in den Eheftand mit Jungfer Elifabeta Schadin, des Bürgermeifter Hans 
Schad Tochter. Sie ftarb 1635 (Peft). Um diefe Zeit hatten die Herren Gefchlechter 
neben andern Cavaliers das wöchentliche Birfch-Rohr-Schießen angefangen. 1630, 
als der hiefige Magiftrat zufolge des Leipziger Befchluffes fechs Gompagnien zu Fuß 
und zwei zu Pferd angeworben, wurde mir eine Compagnie zu Fuß zu 200 Mann 
anvertraut Aber nach drei Monaten wurden die Völker wieder abgetan. 1636 kam 
ich in den Rat als Bau- und Waffergefchworner. 1636 verehelichte ich mich wieder 
mit Jungfer Chriftine Ehingcr zu Balzheim. 1638 wurde ich Zeugherr. 1639 habe 
ich das adeliche Gut Häußer angekauft. 1646 kam ich zum Bau und Holzamt. 1651 
Oberrichter und Pfarrkirchenbaupfleger. 1653 hat mein Sohn Marx Eonrad, nachdem 
er zuvor etliche Jahre zu Wien, Mömpelgard und in Frankreich gewefen, zu Augs- 
burg Hochzeit gehabt mit Jungfer Margareta Fleckheimerin Bald nach feiner Hoch- 
zeit begegnete ihm ein wunderlich Abenteuer. Nun folgt eine Erzählung von einer 



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Die Familie der ßefferer in Ulm. 115 

weißen Kugel, die ein neuer Beweis ift, welch abgefehmackter Aberglaube damals 
an der Tagesordnung war. 1653 kam ich zum Hofpitalanit, 1655 Stadtrechner. 

Mein jüngfter Bruder, der 6. Sohn meiner Eltern, Eitel Hans B. begab fich 
auch nach Frankreich, dann Lieutenant und dann Capitän in venetianifchen Dienften. 
Er kam nach Candia und als ihm eben feines tapfern Wohl Verhaltens willen ein 
Regiment zu Fuß verfprochen worden, blieb er 1646 vor dem Erbfeind in einem 
harten Treffen zwifchen Canea und Suda unter dem Duca di Valetta tot. Was die 
ßmmtlichen Befferer in Ulm betrifft, fo befteht ihre Zahl gegenwärtig in 19 Manns- 
perfonen. Es gibt aber auch B. in Memmingen, Ravensburg, Schnürpflingen. Auch 
zu Bafel, Ueberlingen, Schorndorf follen einige fein. Sein gute ehrliche Leut, gehen 
aber uns an Geblüt, Freundfchaft und Wappen nichts an. (Hier meint er nur die 
von Bafel u. f. w.) 

Nun folgt einiges über die Totenfchilde der B. im Münfter, über ihre 
Kirchenftühle, deren Zahl über 150 feien, über ihre Grabfteine auf dem 
Kirchhof vor der Stadt, wo die fchöne alte Hauptkirche zu Allerheiligen (auch 
Frauenkirche genannt) geftanden, wo die B., weil fie nicht mehr pflegen im Münfter 
begraben zu werden, eine eigene abfonderliche Begräbnis, mit Markfteinen umfan- 
gen,« befitzen, worauf ehedem viele alte Grabfteine zu fehen waren, welche aber 
nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 in der Eile haben muffen in die Erde gelegt 
und verfcharrt werden, damit fich nicht der Feind im Fall einer Belagerung der 
Stadt ihrer zu einem Vorteil bedienen könne, darunter auch der von Otto B., welcher 
1312 geftorben ift. (Von diefem ftammen alle jetzt lebenden ulmifeben B. ab.) 

Wir fügen eine kurze Überficbt über die fechs Söhne des Eitel Eberhard B., 
geft. 1626, bei: 

a) Marx Philipp geb. 1594, geft. 1635. f. o. 14. 

b) Philipp Eberhard geb. 1597, begab fich in kaiferliche, bayerifehe und zuletzt 
fchwedifche Dienfte. Er wohnte der Schlacht am weißen Berg (1620) und 
vielen Schlachten und Gefechten an und blieb in einem folchen bei Torgau im 
Gailerfcben Regiment tot 1637. 

c) Der dritte Sohn ift der obige Marx Konrad nr 16. 

d) Der 4. ift Zacharias, geb. 1600. Er war in feiner Jugend längere. Zeit 
in Frankreich, verehlichte fich dann mit Jungfer Altmannsbeimerin (foll heißen : 
Alter8hammerin , wir haben noch eine Altershammerfche Stiftung), kam 1626 
in den Rat, war auch Pfarrkirchenbaupfleger, befaß das Freyhans mit 
fammt den Uhterthanen in Holzheim (bei Finningen, zur Markgraffchaft 
Burgau gehörig), item das Steinhans zu Geißlingen, auch feine Angebühr an 
den BeffererTchen Lebengütern in Aßelfingen, fodann den Weiler Weißingen 
a. d. Donau, welchen er um ein anfehnlich Stück Geld angekauft. Er war vor 
allen andern Gefchlechtem ein großer Liebhaber des Waidwerks (geft 1665. 
ux. Ehingerin f. Totenfchild). 

e) Der 5. Sohn war Ferdinand B., befuchte Frankreich, war dann im letzten 
Krieg zweimal Fähnrich bei den von der Stadt angeworbenen Völkern, verhei- 
ratete fich mit einer Schleicherin, erhielt 1640 die Herrfchaft Albeck, dann 
wurde er 1650 Obervogt in Leipheim. 

f) Der 6., Eitel Hans, kam in venetianifchen Dienften um. f. o. 

17. Marx Chriftof B., der als Bürgermeifter durch die Hand feines Kol- 
legen feineu Tod fand, wurde geboren 1678 in Riedheim, nahe der Donau, jetzt 
bayerifch, im dortigen Schloß, wo fein Vater als ulmifcher Vogt lebte. Damals hatte 
Riedheim noch feine eigenen Vögte. Später kam er als Obervogt nach dem benach- 



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116 Schultet 

harten Leipheim, eine Stunde oberhalb Gfinzburg. Er ftudierte auf der von den 
Ulmern viel befuchten, nürnbergifchen Univerfität Altdorf. Dann machte er eine 
Reife in Deutfcbland, Holland und Frankreich, 1735 wurde er Bürgermeifter, 1736 
und 37 war er Altbürgermeifter und da er 1738 wieder regierender Bürgermeifter 
war, wurde er am IL Februar von dem Altbürgermeifter Harsdörfer von Bernbach 
auf dem Ratbaus mit einer Piftole erfchoffen. Sein letztes Wort war: Herr Jefus, 
Eure Herrlichkeit — . Harsdörfer, der fich von einer krankhaften Empfindlichkeit 
hatte hinreißen 1 äffen, bereute die That aufs tieffte. Er wurde zum Tode durch das 
Schwert verurteilt, aber infolge feiner und der Familie Bitte lautete das Urteil, „daß 
er mit der ordinari fchweren Todesftraf in Gnaden verfchont, jedoch wegen fo 
fchwerer Mißhandlung durch eine Arquebufade ohnnachläßig vom Leben zum Tod 
zu bringen fei. a Er erlitt diefen Tod willig und würdig im Hof des Neuenbaus 
am frühen Morgen des 30. Aprils, rechts vom Eingang in die Schneckenftiege. 
Man hatte einen Bretterverfchlag an der Mauer angebracht, damit die Kugeln nicht 
zurückprallen. Die fchöne Gedenktafel Befferers, von Metall und vergoldet, ift rechts, 
wenn man zur Brautthüre des Münfters hineingeht, angebracht. Die Infchrift lautet: 
Marco Ghriftophoro Beflerero de Thalfingen, viro confulari de republica meritiffimo, 
diutiusque haud dubie merituro, nifi violenta collegae manus fubito feralis fclopi 
ictu facros intra curiae cancellos immeritam necem intuliffet. 11 Febr. 1738. aet 60. 
Conjux liberique moestissimi. M. A F. C. Sein Bild — ein ftattlicher Mann mit 
Allongeperücke — hängt im Schloß zu Thalfingen. Auf der Rückfeite fteht: 

Marx Chriftof Beflerer, der treffliche Regente, 
Das Bürgermeifteramt und Herrfchaftregimen te 
Hat er mit Ruhm gefuhrt, bis daß Harsdörfer kam 
Und ihm durch einen Schuß vor Amt das Leben nahm. 

(Die Akten des gründlich geführten Pfozeffes find im Stadtarchiv.) 

18. Alb recht Servatius B. von Thalfingen, der 1759 als Oberforft- 
meifter in Altheira ftarb, vermachte eine bedeutende Summe für Studierende, fowie 
für die Ortsarmen von Altheim. Man hat von ihm eine fchöne Federzeichnung des 
Donauftroms und weil er überaus bibelfeft war, nannte man ihn den Bibelbefferer 
(Weyermann II, 31). Ein anderer B. diefer Linie hieß: 

19. der lange Beflerer oder der lange Herr wegen feiner ungewöhnlichen 
Größe: ChriftofHeinrich B. geb. 1721, geft. 1794. Er war ein Freund der 
Künfte und Wiffenfchaften , namentlich der Mufik. Er brachte die wöchentlichen 
Konzerte am Freitag auf dem Schwörhaus wieder in Aufnahme. Auch ließ er in 
Haufen, Fil. von Holzfchwang, ein hübfches Schloß 1774—75 erbauen, das in gutem 
Stand erbalten, von Parkanlagen umgeben, jetzt im Befitz einer Freifrau von Linden 
ift. Er bewohnte das Beflererfche Haus in der Langengaffe A. 261 (Hötfch-Rein- 
auer). In der gleichen Gaffe waren noch zwei Beflererfche Häufer. Das Haus näm- 
lich am Ende der Langengaffe und Anfang der Frauenftraße A. 304 (jetzt Konditor 
Gindele) war über vierhundert Jahre ein Beffererbaus und in demfelben wohnte der 
berühmte Förderer der Reformation in Ulm, Bernhard Beflerer, denn im Regifter 
der Ratsprotokolle heißt es: 1540 Bernhard Befferers Abwafler vom Peterskaften 
(Brunnen) f. Waflerzinfe. Der Peterskaften ftand aber damals und bis zum J. 1815 
ganz in der Nähe des genannten Haufes, das bis auf unfere Zeit im Befitz der 
Beflerer war, auch an der Thür ein in Stein gehauenes Beffererfcbes Wappen hatte, 
welches jetzt in der Sammlung des Altertumsvereins aufbewahrt ift. Der Sohn des 
Bernhard B., Georg B., in der Reformationsgefchichte Ulms oft genannt, f. o., befaß 
das geräumige einftockige Haus hinter der Sammlung A 284 mit großem Garten. 



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Die Familie der Befferer in Ulm. 117 

Hier wohnte bei ihm 1548 Granvella, der Sohn. 1743 wurde das Hans von Württem- 
berg für feine Gefandtfchaft beim Kreistag angekauft und hieß nun der Württem- 
berger Hof. Nach dem Aufhören der Reichsverfaffung wurde es in drei Teilen an 
Private verkauft. Damals (1804 und 1805) bewohnte es der General Wrede. Ein 
viertes Beffererfches Haus in diefer Gegend ift A. 258 in der Langengaffe, jetzt dem 
Buchhändler Frey gehörig, zuletzt bewohnt vom fog. Hennenbefferer, Albrecht Fried- 
rich B. von Thalfingen und Häußer, geb. 1770, kam in den Bat 1796, ftarb in den 
1830er Jahren. Sein Bruder war der nachher zu nennende Oberamtmann in Langenau, 
Marx Philipp. In der Frauenftraße war noch ein fünftes Beffererfches Haus D. 188, 
dem Buchhändler Nübling gehörig, zuletzt bewohnt von Philipp Jakob von B., in 
den Rat gewählt 1772, Urgroßvater mehrerer Mitglieder unfers Vereins, namentlich 
des jetzigen Majoratsherrn von Thalfingen, Eitel Eberhard v. B. Ein fechstes Haus 
der Familie war C. 385 im Hafenbad (Kaufmann Mohr). Sie hatten früher auch 
ein Haus am obern Münfterplatz, das jetzt dem Bierbrauereibefitzer Nuffer gehört. 
Hier herbergte bei Eitel Eberhard B., herzogl. württemb. Bat, Erwerber von Thal- 
fingen, 1552 der Herzog Cbriftof von Württemberg, als er mit 80 Pferden dem 
Kaifer Karl V. entgegenritt, und 1620 beim ünionstag logierte hier der Herzog 
Friedrich von Württemberg mit großem Gefolge. Die B. befaffen in alten Zeiten auch ein 
Haus auf dem „Hof u , d. i. Burghof oder fpäter Weinhof, wie aus zwei Totenfchilden 
im Münfter erhellt. Auch hatten de außerhalb der Stadt mehrere Wohnfltze: 

a) das Schloß in Oberthalfingen, in herrlicher Lage, im bellen Stand, noch jetzt 
im Sommer von der Familie bewohnt. Nach den Kriegen zu Anfang des Jahr- 
hunderts ftand es viele Jahre als halbe Ruine da; 

b) das Schloß in Bernftadt, jetzt der Gemeinde gehörig, Schulhaus; 

c) das Schloß in Ofterftetten, Fil. von Bernftadt, früher mit Mauer und Graben 
umgeben, in den Kriegen ruiniert, dann zu Ende des vorigen Jahrhunderts 
abgebrochen ; 

d) das Schloß in Haufen, Fil. von Holzfchwang, der Freifrau von Linden gehörig; 

e) Häußer, das Schlößchen mit dem Haus des Bauern zufammengebaut, dem es 
jetzt, wie das ganze Gut, gehört. 

20. Ein in Ulm fehr bekannter und geachteter Mann war der fog. Gens- 
darmeriebefferer, Chriftof Heinrich B., Landjägerbezirkskommandant, geb. 1791, 
geft. 1841. Ihm gehörte das Haus im Hafenbad 385. Er hat den ruffifchen und 
die beiden folgenden Feldzüge als württembergifcher Offizier mitgemacht und war 
Ritter der franzöflfchen Ehrenlegion. Er war ein Freund der deutfchen Litteratur 
und hat eine fcböne Sammlung von Büchern aus diefem Gebiet unferer Stadtbibliothek 
teftamentarifch vermacht. Es find über 500 Nummern, darunter auch alte Drucke. 

21. Marx Philipp B. von Häußer, alfo auch der von Otto ausgehenden 
Hauptlinie und der Marx Konradfchen Seitenlinie angehörend, war zu Ende des 
vorigen und zu Anfang des jetzigen Jahrhunderts, in einer fehr bewegten und krie- 
gerifchen Zeit (man denke an die Belagerungen Ulms 1800 und 1805) Oberamtmann 
in Langenau (nur diefer Amtmann hatte diefen Titel). Er ftarb 1807 und hinter- 
ließ drei Söhne: 

a) Albrecht, geb. 8. Oktober 1786, fpäter bayerifcher General, in den Freiherren- 
ftand erhoben 1817. f. u.; 

b) Marx Chriftof, geb. 4. Auguft 1794, lebte viele Jahre als württembergifcher 
Oberförfter und Forftrat auf dem Reichenberg bei Backnang, wo er 1865 
unverheiratet ftarb; 

c) Franz Daniel, württembergifcher Major, geb. 1797, geft. 1879. 



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HS Schul tes, Die Familie der Beffercr in Ulm. 

22. Über den älteften diefer drei Freiherren von Befferer ift eine Druck- 
fehrift vorhanden: „Beiträge zu der Lebensgefchichte des Generals Albrecht Frei- 
herrn von Befferer-Thalfingen", ohne Datum und Druckort, die mir von deffen ein- 
zigem Sohn, Max Freiherrn von Befferer, königlich baycrifcliem Generalmajor, Ritter 
des eifernen Kreuzes I etc., mitgeteilt wurde und der ich das Folgende entnehme: 
Albrecht von B. wurde im väterlichen Haus durch einen Hofmeifter unterrichtet 
Diefer war von 1795 bis 1803 Michael Dieterich, fpäter Pfarrer in Langenau, der 
bekannte Freund und Kenner der ulmifchen Gcfchichte, der auf diefen Zögling 
immer ftolz war. In feinem 17ten Jahr, 1803, als gerade Ulm mit feinem Gebiet 
an Bayern gekommen war, trat er in das kurfürftliche Chevauxlegersregiment 
„König". Als der Krieg von 1805 ausbrach, kam er nicht ins Feld, fondern hatte 
in Wiirzburg bei der Kefervedivifion zu bleiben. Aber von 1806 an machte er alle 
Feldzüge mit, meift in der traurigen Gefolgfchaft Napoleons, die aber den meiften 
damals als nicht fo traurig galt. Zum erftenmal kam er ins Feuer als Lieutenant 
bei der Berennung von Glogau im Oktober 1806. Am 28. Januar 1807 zeichnete 
er fich in der Nähe der fchlefifchen Feftung Kofel durch Unerfchrockcnheit und Um- 
ficht aus, fo daß er im Armeebefehl vom IG. Februar eine öffentliche Belobung er- 
hielt, ebenfo in dem vom 15. April. Befonders aber that er fich hervor in dem 
Gefecht bei Wartha am 16. Mai 1807, wo er durch zwei Kugeln verwundet und 
fein Pferd getötet wurde. Infolge deffen erhielt der jetzt im 21. Jahr ftehende 
Lieutenant den bayerifchen Max Jofepbs- Orden, der gerade damals gelüftet wurde, 
und der Höchftkommandierende in Schießen, Jerome Bonapartc, bald darauf König 
von Weftfalen, befuchte felbft mit feinem Generalftab den Verwundeten in feinem 
Quartier und machte ihm ein Präfent von 200 Napoleons wegen des Verlufts feines 
Pferds. Im April 1809 vor Ausbruch des neuen Kriegs zwifchen Öfterreich und Frank- 
reich wurde er zum Oberlieutenant befördert und der Befehlshaber der 2ten Divifion, 
General Wrede, wählte ihn zu feinem Ordonnanzoffizier. Nach dem Treffen bei Neu- 
markt a. d. Rott, wo Wrede den fchon von Hiller gefchlagenen Beffieres rettete, 
erhielt B. das Ritterkreuz der franzöfifchen Ehrenlegion und Wrede ernannte ihn 
zu feinem Adjutanten. Von nun an war er ftets um die Perfon Wredes, der ihn 
überaus fchätzte. An feiner Seite focht B. in Tyrol, dann bei Linz und bei Wa- 
gram. 1812 begleitete er Wrede nach Rußland, nahm rühmlichen Anteil an der 
blutigen Schlacht bei Polotzk, 17. und 18. Auguft. Die Bayern unter dem Kom- 
mando Wredes, nachdem General Deroy gefallen war, bildeten dann, wenn auch 
arg dezimiert, doch noch in befferem Zuftand als die große Armee, die Nachhut der- 
felben bis an den Niemen. Als Bayern durch den Vertrag von Ried (8. Oktober 
1813) an die Verbündeten fich angefchloffen hatte und Wrede die auf dem Rückzug 
an den Rhein begriffenen Franzofen bei Hanau angriff (30. Oktober) wurden feinem 
Adjutanten B. in der zweitägigen Schlacht vier Pferde getötet, Wrede felbft fchwer 
verwundet. Dann folgten die Kämpfe auf dem Boden Frankreichs. Nach dem 
Frieden erhielt der Major v. B. den öftreichifchen Maria Therefiaorden , wurde in 
den bayerifchen Freiherrenftand erhoben und erhielt den Zivilverdienftorden der 
bayerifchen Krone, weil damals an Proteftanten die höheren bayerifchen Orden noch 
nicht verliehen wurden. 1826 zum Oberften vorgerückt, begleitete er den Fürften 
und Feldmarfchall Wrede nach Petersburg zur Beglückwtinfchung des Kaifers Niko- 
laus, der eben nach dem Tod feines Bruders Alexander den Thron beftiegen hatte, 
liier wurde ihm der St. Annenorden in Brillanten zu teil. Zwei andere ruffifche 
Orden, auch einen preußifchen hatte er fchon vorher erhalten. 1827 ernannte ihn 
König Ludwig zum Hofmarfchall feines Sohnes, des Kronprinzen Maximilian und 



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Boffert, Die Chriftianifierung des füd liehen Oberfchwabens. 119 

als folcher begleitete er (liefen auf der Reife nach Italien, Griechenland und Kon- 
ftantinopel. 1833 erfolgte feine Ernennung zum Oeneral und Flügeladjutanten des 
Königs und 1838 wurde ihm das Kriegsminifterium übertragen. Aber fchon feit 
längerer Zeit litt er an Erftickungsanfällen , die man für die Folge einer Scblund- 
verengerung hielt. Er unterzog fich einer fünfmonatlichen Kur in Heidelberg bei 
Chelius. Die nach feinem am 1. Februar 1839 eingetretenen Tod vorgenommene 
Sektion zeigte eine andere Urfache feiner Leiden, Lungenvereiterung und Lungen- 
verhärtung. Albrecht von B. war ein Mann, auf den feine Familie und feine Vater- 
ftadt ftolz zu fein Urfache hat. Er war feit 1819 verheiratet mit der Freiin Karo- 
line von Verger und hinterließ einen Sohn und eine Tochter. Der Sohn ift der Frei- 
herr Max von Befferer, königlich bayerifcher Generalmajor a. D., Inhaber des eifernen 
Kreuzes I. Klaffe u. f. f. Das Bild des Verftorbenen befindet fich in der Befferer- 
fchen Kapelle. 

Das einfache Wappen der Familie ift durch alle Zeiten das gleiche ge- 
blieben. Es zeigt im fchwarzen Schild einen altertümlichen, filbernen Pokal mit Deckel 
und oben über dem Helm zwei den gleichen Pokal emporhebende Arme. Diefes Wappen 
führte ebenfo jener Städtehauptmann Heinrich, der 1372 bei Altheim, und jener 
Konrad, der 1388 bei Döffingen oder Weil für das Vaterland fich opferte, wie 
jener bayerifche General , der in den großen* Kämpfen zu Anfang des Jahrhunderts 
und dann an der Befreiung des Vaterlands von fchmachvoller Fremdherrfchaft mit- 
wirkte, mit mehreren andern feines Namens und Gefchlechts, nämlich: Georg Sig- 
mund, bayerifcher Major, Ludwig Albrecht, desgleichen, Heinrich Chriftoph, württem- 
bergifeher Hauptmann, fämtlich Ritter der franzöfifchen Ehrenlegion. Jetzt leben 
in Ulm felbft und Neuulm noch fünf männliche Glieder der Familie. Außerhalb 
Ulm find es noch drei, die den altehrwürdigen, ruhmvollen Namen „Befferer" tragen. 



Die Chriftianifierung des füdlichen Oberfchwabens. 

Man darf als die allgemein verbreitete Anfchauung über die Verbreitung 
des Chriftentums im füdlichen Oberfchwaben anfehen, was die Oberamtsbefchreibung 
Tettnang S. 103 wiedergiebt, daß nämlich die aus der Römerzeit etwa vorhandenen 
Keime des Chriftentums durch die aus ihren nördlichen Sitzen von den Franken 
nach Süden gedrängten Alamannen wieder unterdrückt worden feien, daß dann von 
Konltanz aus, das um die Mitte des 6. Jahrhunderts Bifcboffitz geworden, die 
Million unter den heidnifchen Alamannen kräftig betrieben worden fei, fo daß fich 
fchon vor der Ankunft Kolumbans und Galls manche Bekenner des Chriftentums, 
vielleicht auch ganze Gemeinden fanden, wie dies in Arbon 610 ficher der Fall 
war, „Im Großen und Ganzen aber werden Kolumban, Gall mit S. Mang und Theo- 
dor als die Apoftel des Allgäus und überhaupt des füdlichen Oberfchwabens 
betrachtet«. Vgl. OA.Befcbr. Wangen S. 104. 

Die letztere Anfchauung ift es, die bei näherer Betrachtung fich als unhalt- 
bar beweift. 

Halten wir feft, daß im Jahr 536 auch die nach Süden ins Gebiet des Oft- 
gothenkönigs Theoderich gedrängten Alamannen unter fränkifche Herrfchaft gekommen 
waren, und daß nach Friedrichs überzeugender Beweisführung die Errichtung des 
Bistums Konftanz in die Zeit Chlotars I. von 555 — 561 zu fetzen fein wird (Kirchen- 
gefchichte Deutfchlands 2, 440—447), fo werden folgende zwei Sätze als feftftehend 
betrachtet werden dürfen: 



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120 Boffer t, Die Chriftianifierung des füdlichen Oberfchwabens. 

1« Eine völlige Eingliederung der Alamannen in ihr Reich konnten die Franken- 
könige erft mit der Bekehrung der(elben zum Chriftentum erwarten. Der 
nationale Gegenfatz konnte erft durch religiöfe Einigung feine Spitze verlieren. 
Den Frankenkönigen mußte alfo an einer Organifierung der chriftlichen Kirche 
im Gebiet der Alamannen ebenfo viel gelegen fein, wie Karl dem Großen an 
der Bekehrung der Sachfen. 
2. Ift unter Chlotar I. Konftanz, wohl anftatt des zerftörten Windifch, Bifchoffitz 
geworden, fo fetzt das voraus, wie Friedrich ganz richtig fagt, daß „die Chri- 
ftianifierung der Alamannen fchon um 555—561 keine unbedeutenden Fort- 
fchritte gemacht haben mußte" (1. c. S. 447.) Die Bekehrung der Alamannen, 
mußte fchon foweit vorgefchritten fein, daß mit dem Bistum eine Bildung von 
Pfarrbezirken und geordneter geistlicher Verwaltung möglich war. 

Eine genauere Betrachtung der älteften Pfarreien Oberfchwabens zeigt nun 
weiter, daß die Chriftianifierung jener Gegend denfelben offiziell fränkifchen Cha- 
rakter an fleh trägt, wie die des nördlichen Württembergs. 

Läßt fich hier beobachten, wie die älteften Pfarrfyfteme lieh durch den heil. 
Martin zu erkennen geben, den die älteften Pfarrkirchen als Heiligen verehren, in- 
dem fie dem Volksheiligen der Franken geweiht wurden und fo die Gründung der 
Kirche durch offizielle fränkifche Millionare beweifen, fo kehrt diefelbe Erfcheinung 
in Oberfchwaben wieder. Allerdings ift mein Beweismaterial noch etwas mangel- 
haft, aber doch genügend. Ich erinnere an den h. Martin in Obertheuringen, der 
Hauptkirche für den Linzgau, in Langenargen und Wangen im Argengau, Leut- 
kirch, der ecclefia popularis des Nibelgaus, Altdorf- Weingarten und Aulendorf im 
SchulTengau, Einthürnenberg und Effendorf im Heiftergau. 

Bei der Betrachtung der Urpfarreien des nördlichen Württembergs drängt 
fich auf 1 ), wie neben dem heil. Martin der h. Michael und der Täufer Johannes 
auftraten, und zwar erfcheint dort in jedem großen Pfarrbezirk die Johanniskirche 
als Taufkirche. Ja in größeren Bezirken mochten es wohl deren zwei fein. Als 
folebe Taufkirchen find für den Linzgau die von Ailingen und für den Heiftergau 
die in Heifterkirch leicht zu erkennen. Für den Nibelgau wird die Johanniskirche 
in Diepoldsbofen an der Ach als Taufkirche anzufehen fein. Für den SchulTengau 
wird Oberefchach an der Schwarzach und fpäter auch Baindt als Taufkirche ge- 
dient haben 2 ). Im Argengau reichen meine Notizen nicht hin, um eine Taufkirche 
nachzuweifen. Ebenfo muß für die Gegend von Aulendorf-Altsbaufen erft noch die 
Taufkirche gefunden werden. 

Man wird wohl annehmen dürfen, daß infolge von Neuweihen nach Neu- 
bauten die Elöfter und Stifte, welche die Kirchen befaßen, die alten Heiligen ver- 
drängten und ihre eigenen Heiligen an die Stelle fetzten. Das könnte auch erklären, 
daß im Süden des Gebiets die Michaelskirchen faft ganz verfebwunden find, während 
fie bis in die Gegend von Saulgau nicht feltener zu finden find, als im nördlichen 
Württemberg. Aber fie fehlen auch hier nicht ganz, fo in Aicbftetten, OA. Leut- 
kirch, Füramoos im Heiftergau, Altshaufen im SchulTengau, Riedhaufen im Linzgau. 
Ob das Fehlen der Michaelskirchen in der unmittelbaren Nähe des Bodenfees einen 
tieferen Grund hat, ob diefe eigentümliche Erfcheinung im Zufammenhang mit der 



') Vgl. dazu meine Studien über die Urpfarreien in den Blättern für württemb. Kirchen- 
gefchiebte Jahrg. 1886. 

*) Die Lage von Oberefchach hart an der Grenze des Argengaus fcheint mir die An- 
nahme zu beftätigen, daß der SchulTengau erft fpäter vom Argengau getrennt wurde. Vgl* Bau- 
mann, Gaugraffchaften S. 57 ff* 



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Leeb, Zur Gefchichte des Ulmer Weinhandels. 121 

von Fr. Ludw. Baumann ftatuierten Sprachgrenze zwifchen „alamannif ehern" und 
„fchwäbifcbem« Laut (Forfchungen z. d. G. XVI, 264, Landesbefchr. 3, 721) zu- 
faramenfällt, vermag ich nicht zu Tagen, aber die Sache felbft fcheint mir einer 
näheren Erforfchung wert zu fein. Der Einfluß der fränkifchen Million zeigt fleh 
aber auch fonft in einzelnen Spuren. Nach Martin gewannen bei den Franken des 
6. Jahrhunderts Remigius und Vedaftus, die in unmittelbarer Verbindung mit der 
Bekehrung Chlodwigs ftehen, großes Anfehen und bald auch von S. Denis aus der 
h. Dionyfius. Nun ift es gewiß nicht zufallig, daß fleh in Rohrdorf, OA. Leutkircb 
der h. Vedaftus, in Stafflangen der b, Remigius, in Hiltensweiler, OA. Tettnang der 
b. Dionyfius findet, aber fie find nur vereinzelt. Alle diefe Momente weifen darauf 
hin, daß fchon früh eine fpezififch fränkifche Miffion betrieben wurde, die ganz von 
demfelben Geift befeelt war, wie die im nördlichen Württemberg und offenbar die- 
felben Ziele anftrebte, die Alamannen nicht nur zu Chriften, fondern zu treuen Unter- 
tbanen des Frankenkönigs zu machen. Sieber beftanden jene alten Pfarrfyfteme mit 
ihren Martinskirchen und ihren Taufkirchen bereits, als Kolumban und Gall (ich 
jenfeits des Sees niederließen. Mit der Gründung der Pfarreien war freilich nur 
der Sieg des Chriftentums über das Heidentum im Großen entfebieden. Damit aber 
mochte noch ein Mifchzuftand, wie ihn die irifchen Glaubensboten in Tuggen an- 
trafen, wohl vereinbar fein. Die alten Mütterlein haben lieber noch lange an ihrem 
Wodan feftgehalten. Das Verdienft der Iren wifd die Befeftigung des Chriftentums 
und die Durchdringung des Volkslebens mit chriftlichem Geilte fein. Je zahlreicher 
jenfeits des Sees, wie im Often zu Kempten und Füßen, die Klöfter wuebfen, um 
fo mehr wurden in den von ihnen abhängigen Orten Oberfchwabens Kirchen zu 
Ehren ihrer Heiligen S. Gall, Felix und Regula, Verena, Gordianus und Epimachus 
und S. Mang gegründet. G. Boffert. 



Zur Gefchichte des Ulmer Weinhandels. 

Mitgeteilt von Major Leeb in Würzburg. 

Bekanntlich hat der Weinhof in Ulm feinen Namen von dem auf diefem 
Platze in früheren Jahrhunderten fchwunghaft betriebenen Weinhandel. Fragt man, 
wohin der auf diefem Markt verkaufte Wein, foweit er nicht in Ulm felber blieb, 
verführt worden fei, fo könnte man wohl antworten: Kelheim zu! und wäre dies 
nicht allein als Scherz, fondern auch in Wirklichkeit zutreffend, da heute noch das 
freundliche Städtchen an der Donau ein beliebter Ländeplatz der Ulmer Schiffer ift. 

Bis dahin gingen meine Forfchungen nun allerdings nicht, fie reichten auch 
nicht in die wohl ftets gefüllten Keller der Mönche des naheliegenden Klofters 
Weltenburg, aber in Ingolftadt, das ein Speckle 1 ) mit zur Feftung erfchaffen half, 
wo ftets eine dürftige Soldateska und eine fröhliche Studentenfchar häuften, — dort 
fand ich Spuren des alten Ulmifchen Weinhandels. 

Ein Zufall gab mir vor kurzem das Zollbuch von Ingolftadt in die Hand. 

Bekannte Ulmer traten mir entgegen, deren Vorfahren im 16. Jahrhundert 
mit Wein beladene Schiffe und Flöße Donau abwärts führten, — Namen, welche 
heute noch als die von Schiffern, mit ihren fchwarzweißen Ulmer Schachteln, die 
ganze Donau von Ulm abwärts zu finden find. 

Das alte Zollbuch von Ingolftadt mag alfo in nachfolgendem nicht allein 
zur Ehr der alten Ulmer Schiffer- und Weinhändler-Familien fprechen, fondern uns 



l ) Speckle war auch in Ulm als Feftungsbaumeifter thätig. 



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122 Leeb, Zur Gefchichte des Ulmer Weiuhandels. 

auch mitteilen, was an Wein in kurzer Zeit von Ulm nach Ingolftadt allein auf der 
Donau verfrachtet wurde. 

„Der Stat Zollpucch" lautet die Überfchrift diefes Pergamenthucbcs. Die 
erften Blätter enthalten die Verordnungen der Stadt über das Einführen von Getreide, 
Wein und anderen Lebensmitteln, fowie die Steuern, Brücken- und PflafterzolHatze, 
welche für die einzelnen Gattungen zu entrichten waren. 

Diefe vom Jahre 1570 datierten Beftimmungen und Blätter fcheinen ftetig 
gewefen und alljährlich, vielleicht in noch kürzeren Friften, bloß Regifter über die 
eingeführten Waren durch den Zolleinnehmer angeheftet worden zu fein. Das noch 
vorhandene Regifter umfaßt die Zeit vom 16. Februar bis 25. April 1576. 

Die auf unferen Ulmer Weinbandel Bezug habenden Beftimmungen und 
Zollfätze, fowie das Regifter über die eingeführten Weine mögen nun hier im Aus- 
zuge aber Wortlaut folgen : 

„Der Stat Ingolftat Zolpucch" 

Item von ainem vas rainfal *) Malvafier und was derlay fünft wein auff waffer 
oder auff dem Landt herr gefurt, hie verkaufft oder durchgefurt werden Brück- 
zoll xxiv ^ und pflaftcr Zoll xn^ — vom Emer 7 ^|. 

Item was derlay wein entgenlzt (?), die in puntzen *) laglen *) oder in kleine 
vaflen auff waffer oder auff landt bergefurt werden geit (giebt) vom Emer 2 -^. 

Item von gemain wein vom vas das man hie verkaufft pruck- und pflafter 
Zoll 5 -rS, — fürt man es aber hinaus geit man vom vas pruck- und pflafter Zoll 3 **£. 

Item von einem fueder gemain weins in ainem vass hinaas pruck- und 
pflafter Zoll 2 J — verkaufft es aber hie geit man 4 *+£. 

Item ob ein weinmanfem (Weinmann = Händler) wein hie verkaufft und der 
im weiter Zufurn verdingt werden foll, nichts minder der Kauffer und verkauffer 
wieder fein gut funder verzolln und underkauff Zeichen darauff nemen und dem 
Stat-Zollner antwurten — einer von dem vas 4 ^. 

Item die weinläut die ihr wein verkauften hie oder in die weingert ftoffen 
und haben in dem Salzftadl oder auf dem Salzmarkt auflegen geben vom vass 4 ^. 

etc. etc. etc. 

1570. 
Regifter der Wein und gütter, auch das draitt (Getreid) fo an dem Stat Zoll 
auf dem Waffer herauf und herab pflichtig zu zolin dem Herrn Paumeiftern Über- 
antwort, wie folgt. 

1576. 
Den 16. Februar kam Mathä Eluntz (Kuntz?) von Ulm mit 24 vaß golfchen 4 ) — 
daran bat man im eins nachgelaffen (alttes brauchs) gibt ain faß 12 ^ 

mer 1 faß wein thut alles 1 X 2 ß 10^ 

lit. den 21. Februar brach Criftoff fcheuffele von Ulm 10 faß wein . . 40 ^ 

„ den 21. Februar kam Petter Eluntz (Kuntz?) mit 11 faffen ... 44 ^g 

n den 6. Martij kam Michel heylprunner mit 15 faß thut 2 ß 

„ den 6. Martij kam ajiehl fefer von Ulm mit 8 faffen 32^ 

„ den 16. Martij kam der jung Petter Kunz von Ulm mit 14 faffen darunt 
2 faß gefreit (?) wein Iß 18^ 

J ) Wein von Rivoglio. 

s ) Fäffer von 2 Eimer. 

■) Lagen, Lägel = Fäßchen. 

4 ) Golfch ift Leinwand, urfprünglich = kölmfch. 



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Schilling, Über den Namen des Weilers Schwede, OA. Tcttnang. 123 

it. den 22, Martij kam Criftoff fcheuffcle von Ulm mit 11 Faß wein thut 1 [i 14 ^ 
„ den 27. Martij kam Jakob fchultheiß (Schultes?) von Ulm bracht 

19 faß thut 2M6-J 

„ den 3. Appril bracht Michel Hailbruiier von Ulm 25 faß thut . . 3 fi 10 ^J 

„ den 9. Appril bracht hanß keßbohrer 22 Faß wein thut . . . . 2 ß 28 J. 

„ den 10. Appril kam Antoni keßporcr mit 12 Faß Wein thut . . . 1 fJ 18 ^ 
„ den 10. Appril bracht Petter Kunz von Ulm 22 Faß und 2 klaine 

pranntweinfaßlein thut 3p 6^ 

„ den 10. Appril Criftoff fcheufele von Ulm mit 2 Floß wein darauf 

39 faß thut 5 ? 6^ 

„ den 12. Appril bracht hans polz von Ulm 6 faß wein, 9 golfchen faß, 

6 Cntr. (Centner?) papier thut alles 5 (J 3 .4 

„ den 25. Appril Criftoff fcheufele von Ulm 13 faß wein thut . . . 1 ß 22^ 

„ den tag bracht hanß keßporer von Ulm 23 Faß thut 3 ß 2^| 

„ den tag Audre Vefch von Ulm 10 faß thut 1 ß 10 ^f 

Leider ift uns nicht überliefert, wieviele Liter die Fäffer damals faßten, 
aber fie dürften ficher nicht klein gewefen fein, und — 293 Faß Wein in der 
kurzen Zeit vom 16. Februar bis 25. April 1576 allein von Ulm nach Ingolftadt 
verfrachtet, dürften wohl als Beweis für die Größe des Ulmifchen Weinhandels gelten. 



Über den Namen des Weilers Schwedi, OA. Tettnang. 

Zwifchen Langenargen und Eriskirch liegt hart an dem Ufer des Boden- 
fees und der Schuffenmündung Schwede, ein Weiler mit zwei Höfen. 

Namen und Urfprung diefes Weilers wollte man von einem fchwedifchen 
Lager herleiten, von dem man glaubte, daß es zur Zeit des 30jährigen Kriegs in 
der Nähe fich befunden haben werde, obwohl diefe Annahme weder auf eine dies- 
fallfige Sage fich ftützen kann, noch der Umftand, daß auch nicht die geringften 
Kefte einer Lagerbefeftigung, Gräben, Schanzen u. dergl. vorhanden find, für 
fie fpricht. 

Meine Unterfuchungen über diefen Gegcnftand haben mich zu einem andern 
Rcfultat geführt. 

Im Befitz des Bauern Reuß in Moos, einem Weiler, deffen Gemarkung an 
die von Schwede angrenzt, befindet fich eine Urkunde vom 10. Januar 1668, laut 
welcher Jakob Blafer zu Moos eine Mannsmad Wiefen in den Oberdorfer Wiefen, 
die er von „Hannß Scherrern genandt Schwedi zum Reckhenthurn" eingetaufcht hatte, 
zu Lehen erhielt. 

Die Familie Scherer war nach Urkunden fchon 1556 und 1624 in Längen- 
argen anfäßig und ftarb erft vor wenigen Jahrzehnten dort aus, in Schwede da- 
gegen exiftiert fie noch heute. 

Wie nun einer aus diefer Familie, der in obgedachter Urkunde von 1668 
erwähnte Hans Scherer, den Beinamen Schwede erhalten konnte, läßt fich unfehwer 
erklären, wenn wir erwägen, daß die Heere des 1648 beendigten 30jährigen oder 
Schwedenkriegs während desfelben nixjbt nur wiederholt in der Bodcnfeegcgend er- 
fchienen, fondern auch aus Söldlingen von aller Herren Ländern fich rekrutierten. 
Hans Scherer folgte vermutlich den Fahnen der Schweden und wurde davon in feiner 
Heimat dann „Schwede" genannt, ein Name, der fich auf feinen Wohnfitz, den Hof 
oder Weiler „Reckhenthurn", vererbte. 



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124 Ehrle 

Unter Reckhentburn ift kein Turm zu verftehen, fondern der Reckendaren, 
Reckendorn, Wachholderbeerftraucb, der zuweilen noch am Saume der in der Nähe 
von Schwede gelegenen Waldungen fleh findet und dem an der Schuffenmfindung 
erbauten Hofe (fpäter Weiler) den Namen lieh. 

Obwohl diefer Name allmählich durch den dem Hofbefitzer gewordenen Bei- 
namen Schwede verdrängt wurde, fo exiftierte er doch noch lange auf Karten, wie 
denn der Ort Schwede noch auf einer 1811 erfchienenen Karte des fchwäbifchen 
Kreifes unter „Reck hol deren" verzeichnet fteht. A. Schilling. 



Die Privilegien der Stadt Isny. 

Ein Beitrag zur Ortsgefchichte von Dr. med. Carl Ehrle in Isny. 

Privilegium I, erteilt von König Rudolf und Privilegium II, ge- 
geben von König Albert, find wahrfcheinlich in einem der großen Brände Isnys zu 
Grande gegangen 1 ). Von ihrer Exiftenz wiffen wir nur durch das Privilegium III, 
das von König Heinrich den 10. Nov. 1309 zu Colmar erteilt wurde. Das Original 
desfelben befindet fich im Stuttgarter Archiv und erlaube ich mir, hier den Wort- 
laut desfelben folgen zu lauen: 

Privilegium III. 

Henricus Dei gratia Romanorum Rex, femper Auguftus, univerfis facri Ro- 
mani Imperii fidelibus prefentes litteras infpecturis gratiam fuam et omne bonum. 
Regalis benignitas libenter intendit commoditatibus fubditorum, ut ceteri ex eo fus- 
cipiant devotionis et fidei incrementum. Noverint igitur tarn prefentis etatis ho- 
mines, quam future, quod nos devotis fupplicationibus ftrenui viri Joannis Dapiferi 
de Walpurg, fidelis noftri dilecti, benignius inclinati, oppidum dictum Ifenina ad 
inftar et imitationem clare recordacionis Rudolphi et Alberti Romanorum regum 
praedeceflbrum noftrorum de plenitudine poteftatis Regis liberamus, volentes, quod 
predictum oppidum per omnia iisdem libertatibus et juribus sit dotatum, quibus 
civitas noftra Lindowia perfrui noscitur et gaudere. In cujus rei teftimonium prae- 
fens feriptum Majeftatis noftre figillo juflimns communiri. Datum Columbarie III 
Idus Novembris. Anno Domini Millefimo, trecentefimo nono; Regni vero noftri 
anno primo. 

König Heinrich VII. verleiht nach dem Vorbilde König Rudolfs und Al- 
berte der Stadt Isny auf Anfucben ihres Herrn des Truchfeffen Johann von Wald- 
burg Recht und Freiheit, welche die Stadt Lindau genießt, ohne genauere Aufzählung 
derfelben. Es fragt fich nun, welches diefelben waren. Zur Löfung diefer Frage 



') Isny wurde in den Jahren 1284, 1401 und 1631 von größeren Feuersbrünften heiin- 
gefucht. Namentlich durch letztere ging manche wichtige Urkunde in Rauch auf, wie aus fol- 
gender Bemerkung des Ratskonfulenten Joh. Reinhard Wegelin , der im Jahre 1723 ein Isnyer 
Urkundenbuch anlegte, hervorgeht: „Wie dann noch aus dem vorhandenen Ratsprotokoll, 
d. 7. oct. 1628 zu erfehen, daß Hr. Dr. Joh. Friedrich Taffinger damahlen in feiner obern Stuben 
beim Kornhaus, wo das Feuer aufgegangen ift, bei Hch gehabt: 

1. Eine Sidel, worinnen lauter Stadtfachen und Akten, 

2. Ein Trüchlein unter einem Schreibtifch , worauf viel Reichs- und Kraiß-Akta, famt einem 
pergamenten Buch, darinnen der Stadt Privilegia, und dann 

3. ein fchwarz Trüchlein, darinnen alle Brieffchaften und Documenten allhiefiger Rirchen- 
und Pflegfchafts-Sachen und derfelben Einkommen betreffend, gewefen". 



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Die Privilegien der Stadt Isny. 125 

hatte der jetzige Hiftoriker Lindaus, Herr Pfarrer G. Reinwald die Güte, mir fol- 
gende Data aus dem dortigen Archiv mitzuteilen. 

L. ift eine der erften Städte, die (ich ans dem Herrendienfte loslöften und 
gewiffe kgl. Privilegien genoffen. Bereits 1060 machte fich L. frei von der Ober- 
herrlichkeit der Grafen von Bregenz und ftand unmittelbar unter dem Herzog von 
Schwaben mit einem Vogte, der vielleicht zugleich Amtmann der Äbtiflln (feit 1466 
erft Fürftäbtiflin) war. 1268 wird L. civitas genannt mit einem eigenen Amtmann. 

Begründet wurde die Beichsfreiheit mit dem fogenannten Rechtsbrief König 
Rudolfs de dato 3. März 1275. In demfelben werden die Privilegien der Stadt er- 
weitert, die Reichs vogtei über die umliegenden Dörfer (Gebiet höherer Gerichts- 
barkeit) als unveräußerlich der Stadt angehörig erklärt. Trotzdem wurde die 1274 
verliehene Vogtei, ebenfo wie die fpäter der Stadt Überfallene Kaftenvogtei über 
das Stiftseigentum im Stadtgebiete, wiederholt (1338, 1364, 1497) verpfändet und 
mußte dreimal eingelöft werden. Der Rechtebrief beftimmt weiter, daß niemand 
die Stadt vor einem andern Gerichte wegen Gütern belangen foll als vor dem 
Vogte des Stifts, daß Ächtungen auswärtiger Richter die Stadt nichts angehen follen, 
mit andern Worten, daß die Stadt ihr freieigen Gericht bis zu einem gewiflen Grade 
haben möge» (Den Bann über das Blut zu richten bekommt fie erft 1399 und da 
nur für die Vogtei; im weitern Gebiete niederer Gerichtsbarkeit behält der Graf 
von Montfort das Recht über Leben und Tod.) 

Endlich ift jeder Hörige eines andern Herrn , wenn er in Lindau ein Jahr 
Bürger ift, feiner Hörigkeit entlafien und darf keines Bürgers Gut über 1 Jahr in 
geiftlicher Hand bleiben (Nürnberg 3. März 1275). 

Damit war die Stadt eigentlich reichsfrei, ftand aber noch mit einem Am- 
mann unter dem Landvogt in Schwaben in Bezug auf höhere Gerichtsbarkeit, fonft 
ftand fie nur unter dem König. 

In der Konfequenz auf Isny, das innerhalb feiner Mauern ein Elofter barg, 
war befonders die Beftimmung wichtig, daß keines Bürgers Gut über 1 Jahr in 
geiftlicher Hand bleiben dürfe. 

Im Einklang hiermit betont auch der d. d. Proceffi et Martiniani (2. Jul.) 1290 
zwifchen Abt Berthold und der Stadt vor ihren Herrn, den Vögten: Herrn Eber- 
hart dem Truchfeßen von Walburch und Herrn Bertholt und Fridrichen von Robrdorf 
gewechfelte Tädigungsbrief (jüngere Abfcbrift im Staatsarchiv Stuttgart), daß das 
Gottsbaus kein eigen Gut in der Stadt haben, oder wenn ihm per legata oder fonft 
ein folches zukommen würde, dasfelbe innerhalb Jahresfrift unter Wahrung des 
Lofungsrechtes den Bürgern verkaufen müfle. Das Gottshaus foll ferner keinen 
Bürger annehmen, der nicht vorher ein ganzes Jahr eine Meile weit von der Stadt 
gehaufet; die Gottshausleute follen zuerft vor ihrem Ammann verklagt und hingegen 
auch die Bürger vor Niemanden anderft belangt werden, als vor ihrem Stadtammann, 
es wäre denn man verziehe, oder verfage das Recht. 

König Ludwig der Baier beftimmte 1345, daß Lindau in Erbfchaftsfällen 
die Gnad und Rechte haben folle, wie Ravensburg, wo König Rudolph 1276 in 
feinem Privilegium vom 15. Juni den Grundfatz aufftellt: 

„Nullus etiam miles, nee monachus predium aliquod in civitate predictorum 
civium jure hereditario acquirere poterit, nee teuere. Et ß aliquod predium alicui 
Genobio, vel aliis perfonis Religiofls dabitur propter Deum, infra terminum unius 
anni vendere tenentur, neglecto, extunc proprietas ejusdem predii ad heredes tra- 
dentis fuccedet, libere et quiete." 

König Ludwig d. B. hatte fchon durch Privilegium vom J. 1337 ausge- 



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126 Ehrle 

fprochen, daß die Bürger um keinen Fall noch Erb vor ein geiftliches Geriebt ge- 
laden, fondern nur vor dem Stattammann verklagt werden follen. Diefe Ravensburger 
Beftimmungen waren indirekt, durch die Geltung für Lindau, auch für Isny 
maßgebend. 

1293 (feria VI a. purif. S. Marie) d. 28. Januar erneuert König Adolf von 
Na flau die Rechte und Privilegien Lindaus und erweitert befonders das wegen der 
leibeigenen Leute. 

1298 erhält L., wie Buchhorn, die Betätigung eigenen Gerichtes mit Aus- 
nahme des Blutgerichtes und die Verficherung der Zugehörigkeit beider Vogteien. 
König Albrecht (Conftant. XV Cal. April, den 17. März 1299) erneuert diefe Privi- 
legien und giebt 1302 der Stadt, beziehungs weife einem Bürger, das Münzrecht 
(<L d. 21. Mai). 

König Heinrich beftätigt die Rechte der Stadt und die aber die Vogtei 
wieder und beftimmt weiter, daß kein öffentlicher Richter, Graf oder Herzog wegen 
Gütern oder Rechtsverhältniffen die Stadt belangen könne außerhalb ihren Mauern 
und in der Pfalz des Stiftes. 

König Friedrich 132^ K. Ludwig Januar 1331 und November 1340, fowie 
Karl IV. 1348 erweitern die Rechte Lindaus, befonders in Bezug auf Handel, Zoll 
und eigene Gerichtsbarkeit. 

Dies zur Orientierung die Rechte der Stadt Lindau bis 1348. 

In Privilegium IV der Stadt Isny befreit König Ludwig IV. nach dem Bei- 
fpiele feiner Vorgänger Rudolf, Albert und Heinrich diefelbe wieder wie die Stadt 
Lindau, datum Ratisbonae die dominica poft vineula Petri = 4. Aug. 1331 (Staats- 
archiv Stuttgart). 

Privilegium V. 

König Karl IV. begnadigt auf Bitten des Erbtruchfeffen Otto von Waldburg 
die Stadt Isny letztmals mit den Privilegien der Stadt Lindau, datum Ulmae Ind. 
l ma 4. Kalend. Februar. = 29. Januar 1348. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Trotz diefer Gleichftellung durch die angeführten 5 Gnadenbriefe lagen und 
geftalteten fich bei näherer Betrachtung die Dinge in Isny nach manchen wichtigen 
Beziehungen doch ganz anders und eigenartig 1 ), indem hier einflußreiche alte Lehens- 
und Eigentumsrechte zu löfen waren, während Lindau, wie wir oben fahen, fleh 
fchon im 11. Jahrhundert von feinem Grundherrn befreit hatte. 

Landesherren von Isny und feiner Umgebung waren damals die Truchfeffen 
von Waldburg durch wohlverbriefte Rechte. Am 3. September 1306 kaufte nämlich 
Johann Truchfeß von Waldburg von Heinrich Grafen von Veringen und Eberhard 
Grafen von Neuenbürg, welche fich in Geldverlegenheit befanden, das Eigentum 
und das dominium directum über die Stadt Isny, über die Vogtei des Klofters da- 
felbft, über die Vogtei der Stadt außerhalb der Mauern, fowie das Schloß Trauch- 
burg um 190 Mark Silber. Aus dem Kaufbriefe geht ferner hervor, daß die Truch- 
feffen von Waldburg fchon früher Stadt, Vogtei und Burg als Lehen der Veringen 
befaßen. 

Das Original der in Rede flehenden Kaufsurkunde befindet fleh im gräflich 
von Quadtifchen Archiv in Isny. 

Die Hauptftelle desfelben lautet: 

„ . . . . Quod nos praedicti Henrich et Eberhard Comites fimul et unani- 
miter urgente nos onere debitorum a quo non poteramus absque aliquali alienatione 



M Vergl. Gefchichte des Allgäus von Dr. L. Baumann II. Bd. S. 117 and 254. 



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Die Privilegien der Stadt Isny. 127 

rerum et jurium nobis pertinentium relevari f proprietatem et directum Dominium 
oppidi dicti Isnini, fiti in Albgoio, Advocatiae raonafterii in Isinin ord. S. Benedicti 
fiti ibidem, advocatiae extra oppidum Isnin praedictum et caftri dicti Truchburg, 
fiti prope oppidum jam dictum cum omnibus hominibus, filvis, pratis, pafcuis, agris, 
cultis et incultis, molendinis, aquis, aquarum decurfibus, viis et inviis, banno, Juris- 
diction ibus, diftrictu, terris, poffeffionibus , utilitatibus, juribus corporalibus et in- 
corporalibus, qnocunque nomine cenfeantur, et aliis earnndem oppidi advocatiarnm 
et caftri pertinentiis univerfis nobis noftrisque progenitoribus jure proprietatis , feu 
directi dominii pertinentium, et quicquid juris nobis noftrisque progenitoribus in eis- 
dem oppido, advocatiis et caftro cum aliis rebus juribus et pertinentiis memoratis 
usque in haec tempora competiit et pertinuit, et quae a nobis et noftris progeni-, 
toribus ftrenuus vir Johannes Dapifer de Walpurg, nofter confauguineus, et fui pro- 
genitores in feudum habuerunt, et hactenus tenuerunt, deliberatione diligenti et trac- 
tatu folemni praehabitis et praemiffis, qui circa hujusmodi negotia funt et prae- 
mittendi, ac licitatione facta folemni, eidem Joanni Dapifero, et fuis liberis et 
haeredibus utriusque fexus rite et legitime vendimus, et in ipfum fuosque liberos 
et haeredes utriusque fexus fupradictos, jufto venditionis titulo mediante pleno jure 
transferimns , et nos vendidiJTe ac transtuliffe libere profitemur, et recognoscimus 
publice litteras per praefentes, pro ducentis Marcis argenti minus decem, puri et 
legalis ponderis Conftantienfis, quas ab eodem Joanne recepimus totaliter et integra- 
liter, et in utilitates noftras neceflarias et evidentes convertimus, et nos recepiffe 
easdem, et fore converfas, recognoscimus, publice in his fcriptis " 

Durch das fich hieraus ergebende Abhängigkeitsverhältnis zu einer Grund- 
herrfchaft fiel nun der Stadt Isny, um felbftändig zu werden, die fchwierige Auf- 
gabe zu, welche andern Reichsftädten gar nicht, oder viel früher und dadurch un- 
verhältnismäßig leichter geftellt war, fich aus dem Privatbefitz loskaufen zu muffen, 
um überhaupt freie Keichsftadt werden zu können. 

Vermöge der unter der Truchfeffenherrfchaft entwickelten Blüte und Wohl- 
habenheit der Stadt gelang es denn auch, diefe Befitzveränderung unter gefchickter 
Benützung, der fich darbietenden günftigen Zeit und perfönlichen Verhältnifle auf 
rechtlichem Wege allerdings nicht ohne bedeutende pekuniäre Gegenleiftung zum 
Austrag zu bringen. 

Den 9. April 1365 war der Handel fo weit gediehen, daß Otto Truchfeß 
von Waldburg beurkundet, die Stadt Isny habe fich von ihm für neuntaufend Pfund 
Heller ') losgekauft, um fortan ewig bei dem Reiche zu bleiben. Für fich und (eine 
ehelichen Nachkommen macht er folgenden Vorbehalt, den ich, weil er ein inter- 
effantes Licht wirft auf die früheren Rechte, im Wortlaut des im Staatsarchiv in Stutt- 
gart befindlichen Originales folgen laffe: 

„Darnach ift ze wiflent, daz Ich vorgenanter Otto der Truhfäzze von walt- 
purg vs gedingot vnd behalten han fölich nütz vnd recht bunde vnd artikel, alz hie 
nach an difem brief gefchriben ftat. 

Dez erften hab Ich mir vnd allen minen erben vsgedinget vnd behalten alle 
die nütz vnd recht, gült vnd genieß, die mir von dem Gotzhus ze ysni vnd von 
dem Gotzhus lüten vnd guten werden vnd gevallen fönt, mit aller zugehörde, als 
fie von minen vordem an mich brauht fint 



f ) In Oberfchwaben galt das Pfund Heller mittelalterlicher Münze = 43 kr. Der da- 
malige Geldwert wat mindeftens 15 mal größer, wodurch fich die Summe von 9 000 Pfd. Fiel 1 er 
auf 166000 Jk und mehr berechnet. 



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128 Ehrle 

Dar zu hab Ich mir vnd minen elichen libs erben, es figin fvn oder tohtra, 
vnd allweg den rehten libs erben alle die wile, der elichen libs erben ainer oder 
me ift, vsgedinget vnd behalten daz mir vnd den elichen libs erben, als da vor be- 
fchaiden ift, von allen bürgern vnd burgerin ze ysni von ir gut vnd hab järlicher 
ftür werden vnd gevallen fol, von ieglicher varender mark fllbers vier pfenning, 
vnd von der liegenden mark zwen pfenning, vnd nit me, vnd follent och fi vnd 
alle Ir nachkomen mir die felben ftür, waz mir alfo von ieder mark gebärt vnd 
gezähet ze minen taile, in der wife alz vorgelchriben ift, richten vnd gen, als fie 
die ftür In felber nement vnd gende vngeuarlich vnd dez fol och mich begnügen. 

Darzu fol Ich daz amman ampt ze ysni allweg befetzen vnd verlihen nach 
der burger, vnd dez ratz ze ysni willen vnd rat, mit einem erbaren man, der da 
felben ze ysni burger ift, 

Ich fol och aller Jar zwifchen fant Mychels tag vnd fant Gallentag den rat 
ze ysni fetzen, nach der ftat vnd der burger ze ysni alter gewonheit, alfo daz all- 
weg der alt Rat halber dabi fol beliben, vnd fol ich denn den andern teile dez ratz 
befetzen und beftäten von dem alten rat, oder von andern burgern ze ysni, nach 
dez beliben ratz vnd nach der burger ze ysni willen. Weles jars aber ich nit an- 
haimifche war ze den ziten, fo man den rat fetzen fol, wem Ich denn anders min 
fach empfolhen han, der fol den rat fetzen in aller der wife, alz ich felb vnd alz 
da vor ift befchaiden, vnd fol mir och denn der amman vnd der rat ze ysni gelert 
eyde fweren treuw vnd warheit ze laiftende ane gevärde minfi reht ze behaitent, 
vnd och min ftür järlich ze gebende alz da vor gefchriben ftat. 

Vnd alz dik todfchlag befchehent in dem gericht ze ysni, wer dar an fchul- 
dig ift, wirt der oder die in dem gericht begriffen vnd gevangen, fo höret bar gen 
bar nach der ftat vnd dez gerihtz reht ze ysni, weit aber Ich den oder die, die an 
den todfchlegen fchuldig flnt, begnaden vnd bi dem leben lazzen belieben, dez hab 
ich vol gewalt, wirt aber der oder die, die an den todfchlegen fchuldig fint, in dem 
geriht nit begriffen vnd gevangen vnd daz fie vflerhalb der ftat graben koment, 
oder vf den graben oder vber die brugg, fo fol ir lip vnd ir gut ficher fin, von 
mir von dem geriht, vnd fol ich vnd das geriht fi furbas darumb nit vafen noch 
an raichen. 

Wer och den andern In dem geriht ze ysni wundet mit fryd brächen wun- 
den, Ir fi ainir oder mer, wirt der gehaimmot vnd gevangen in dem geriht, fo ift 
dem geriht fin hande gevallen abzefchlahent, es fi denn daz er die hande von mir 
löfe, mit zehen pfunden Pfenningen, daz mag er wohl tun von mir vnd nit von dem 
geriht kunt aber er für die ftat vber die brugg oder ufferhalb dem ftatt graben, 
oder vfi den graben ze ysny, fo fol Ich noch daz geriht In noch fin Gut denn fur- 
bas nit an raychen vmb die felben fach, vnd fol fin lip und fin gut denn ficher 
(in, vnd wer den andern fchleht vnd milThandlot vflerhalb der rinckmur, In dem 
Etter alz daz geriht ze ysni raychet, fie burger oder vsmann, der fol daz beffrvn, 
nach der ftat ze ysni gefetzt gewonhait vnd recht, alz ob es in der rinckmur ge- 
fchehen fi, vnd welher alfo vffer der ftat ze ysni kumpt, von todfchlegen von wun- 
den, oder von miffhandlentz wegen; vnd er alz lang, vffer der ftat belibt alz reht 
ift, wenn er dar nach wider in die ftat komen wil fo fol er fioh rihten mit der ftat 
vnd mit dem geriht ze ysni. 

Dar zu hab Ich vorgenanter ott der Truhfäzze von waltpurg mir vnd minen 
elichen libserben, vnd allweg den rehten libserben, ez fyent fvn oder tohtra, alz vorge- 
fchriben ift, vsgedingot vnd behalten die zwing vnd banne der ftat ze ysni die da 
gevallent von winfchenken von brotbeken, von den metzgern von dem faltzmargt 



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Die Privilegien der Stadt Isny. 129 

von dem faltzgelt von dem margtreht, von zinfen von fron wage vnd von der yche 
wie daz alles von altem herkomen vnd an mich brauht ift, vnd die banne fint ge- 
wonlich ze nemende za dreyn malen in dem Jar, alfo daz der erft ban weret von 
fant Michelstag bitz ze vnfer frowan tag ze der lichtmifle, vnd der ander ban von 
denselben vnfer frowan tag bitz ze fant Gergen tag, vnd der dritt ban von fant 
Gergen tag bitz ze fant Michelstag* In folicher wife welher winfchenk der vff dem 
margtreht fitzt ze ysny, in den bänen fchenkt, der git von ieglichem ban, dar inne 
er bacht och drie fchilliug pfenning, fo git ein ieglich fchüchfter fechs pfenning, 
von iedem ban, dar jnne er ze margt ftät mit nüwem gefchäche, vnd in welen 
bannen ainer nit fchenkt noch brot, oder gefchühe ze margt nit vaile hat ze ysni, 
von denfelben bannen ift er oeh nit fchuldig ze gende. Waz reht och min vorge- 
nanter vetter fälig gehebt hat zu den flaifchbenken zu den brotbenken vnd zu dem 
margtreht ze ysni, da bi fol Ich och beliben, alz es ein alter vnd von reht her- 
komen ift, vnd ob daz war daz der reht du ich obgenanter Ott der Truhfäzze 
haben fol ze ysni in der ftat an diefem brief ich vergelten war, die dar an nit 
gefehriben ftündint, wez fich denn der Rat ze ysni oder der merr taile dez ratz vff 
den ayde erkennet, vmb folicher reht, die hie nach befanden vnd gedavht wardent, 
wie min vater laiig vnd andere min vordem dfifelben herbrauht vnd gehept habint 
von alter vnd von reht alfo fol ich, obgenanter Ott, och da bi beliben. 

Dar za fol Ich die barger vnd die ftat ze ysni gemainlich riche vnd arme 
In minem fryde vnd fchirme haben, vnd fol in beholffen fin gen aller mänglich bi 
guten trfiwen, alz min vorgenanter vatter fälig vnd andere min vordem vorher 
getan hant, vnd war daz Ich obgenanter Ott der truhfäzze mit Jeman deheim ftöff 
krieg oder miffhällnng hett oder gewanni, ez war von min felbs wegen von herren 
oder von fründen wegen, oder wie fich das fftgti, darzu föllent fi vnd du ftat ze 
ysni noch dehain jr nachkomen mit nit beholffen fin denn mit jr aydgenoffen dez 
Richs ftett willen vnd gunft, vnd föllent och Ich vnd min helffer die ftöJT vnd krieg 
weder zu in noch von in, vffer der ftat ze ysni, noch dar in nit tun noch führen. 
Es war denn, daz mich vorgenanten otten den Truhfäzzen Jeman angriffe an minen 
Litten vnd guten widerrehtz oder mir rehtz oder weit fin gegen den ich rehtz be- 
gerti, fo fönt fie mir beholffen fin zu dem rehten. 

Vnd die vorgefchriebenen nütz vnd reht alle, die Ich han vnd haben fol 
in der ftat ze ysni die hab Ich mir vnd minen elichen libserben, ez fyent fon oder 
tohtra za leben enphangen von dez hailigen Römfchen Richs wegen von dem aller 
edelft darchluhtigoften herren vnd fürften kayfer Karlen von Gots gnaden Römfcher 
kayfer ze allen ziten merer dez richs vnd köng ze behem der mich de mit hat be- 
gnadot, wan Ich von befundern trüwun düfelben reht, du min aigen gewefen fint, 
ze lehen gemachet han von dem hailigen Römfchen Rieh In folicher wife, als hir- 
nach ift befchaiden. 

Dem ift alfo, war daz Ich vorgenanter Otto der Truhfäzze von waltpurg 
von todes wegen abgiengi an elich libs erben, daz Ich weder elichen fvn noch 
elich tohter liezz, fo föllent alle die nütz vnd reht, die Ich han in der ftat vnd 
von den bürgern gemainlich ze ysni vnd allen jren nachkomen, vnd föllent och 
denn Ir reht aigen fin, an allermanglichs jrrung, von gnaden des hailigen Röm- 
fchen Richs." 

Letzterer, für die Isnyer natürlich überaus gttnftige Fall trat wirklich ein, 
indem Truchfeß Otto von Wald barg in der Schlacht bei Sempach den 9. Juli 1386 
fiel, ohne Leibeserben za hinterlaffen. Jetzt trat Isny die ihm von Otto ver- 
fchriebenen Rechte an and wurde, obwohl Kaifer Karl IV. es fchon in dem 

Wflrttemb. Vierteljahrs hefte 1887. 



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130 Bhrle 

Beftätigungsbriefe obigen Kaufes, gegeben zu Berona (Bern) in Uchtland am 3. Mai 
1365, in die Gemeinfchaft der Reichsftädte aufgenommen hatte, jetzt erft eigentlich 
freie Reichsftadt. Letztere Urkunde ift zugleich Privilegium VI der Stadt Isny. 
Zur genauem Charakterifierung des Löfungs Vorganges der Stadt von der Herrfchaft 
der Truchfeffen von Waldburg erlaube ich mir hier die Einleitung diefes Privilegiums 
wörtlich mitzuteilen: 

„In Nomine Sanctae et individuae Trinitatis foeliciter Amen. 

Garolus Quartus Divina favente dementia Romanorum Imperator semper 
Auguftus et Boemiae Rex, ad perpetuam rei memoriam. 

Quamvis ex aJTumpto cefareae dignitatig faftigio univerforum quos Sacri Ro- 
mani latitudo complectitur faluti et commodo delectemar intendere, ad illa tarnen 
propenfius affectio follicita noftrae Maiestatis dirigitur, quibus ipßus imperii facri 
vigorofa potentia falubre et continuum fuscipere cernitur incrementum. Sane quia 
Nobilis Otto Dapifer dictus de Waldpurg noftri et imperii fidelis dilectus civitatem 
fuam Yffni, quam ex poffeflione paterna, vero proprietatis jure poffedit et tenuit, pa- 
rentum et propinquorum fuorum accedente confilio rationabili venditionis titulo 
oonfulibus, civibus et communitati civitatis ejusdem rite et rationabiliter dignoscitur 
vendidifle, qui cives et communitas fe ipfos et civitatem fuam praedictam fub fpe me- 
liorationis et profectus falubris a praedicto fuo hereditario Domino pro novem 
roillibns libris Hallenfium emerunt et rationabiliter exfolverunt, volentes fe et prae- 
dictam civitatem facro Romani imperio fubjicere et noftris ac imperij praedicti 
protectoribus alis humiliter fubj agare, ficut hoc Otto praedictus in noftra majeftatis 
praefentia viva voce et corporaliter afferens, ipfos et civitatem in noftras et imperii 
manus libere reßgnavit, cumque tarn Otto quam etiam Cives. praedicti, noftrae cel- 
fitudini humiliter fupplicarint quatenus contractui venditionis et emptionis praedictis 
concenfum adhibendo benignum, — ipfos cives et civitatem Yffni ad nos et imperij 
facrum, ad noftram et imperii gratiam, tuitionem et proteötionem fuscipere, gratiofius 
dignaremur, hinc eft, quod eorum fupplicationibus augmentum foelix imperij facri 
eonqernentibus benignius inclinati, contractui venditionis et emptionis praedicto, con • 
fenfum et affenfnm adhibendo benevolum, ipfum ac etiam literas quas fuper hujus- 
modi contractu mutuo fibi dediffe noscuntur in omnibus fuis punctis, articulis, clau- 
fulis et fententijs, prout confectae funt, approbando ratificando et confirmando, ipfos 
cives omnes et fingulos et eorum haeredes, una cum civitate praedicta, eorum cor- 
poribus, rebus et bonis ad nos et imperium facrum in noftramque et ipßus imperij 
protectionem , defenfionem et gratiam animo deliberato maturoque Principum et 
Procerum noftrorum et imperij accedente confilio fuscepimus et tenore praefentium 
de certa noftra fcientia, de plenitudine cefareae poteftatis gratiofe fuscipimus et — 
aliarum civitatum Imperij confortio gratiofius aggregamus, decernentes expreffe et 
Imperiali ftatuentes edicta, ut ipfi omnibus et ßngulis gratiis, juribus et libertatibus 
perfrui debeant et gaudere, quibus ceterae noftrae et Imperij Civitates gaudent et 
potiuntur. 

Volentes igitur ipfos et civitatem praedictam, eo quod fe fuis propriis pe- 
cunijs ad Imperium facrum comparaverint , aliquibus fpecialibus condonare gratijs 
has ipßs fubfcriptas facimus praerogativas. 

Ut videlicet ipß cives et communitas Civitatis praedictae, nobis et imperio ad 
nullam pecuniae folutionem teneantur, niß ad quinquaginta librarum Hellenßum quas 
anuis ßngulis nobis et Imperio fnper fefto Sancti Martini dare et folvere tenebuntur, 
in cafu autem ß Ottonem Dapiferum praedictum ßne haeredibus legitimis decedere 
contingeret, et jura redditus et emolumenta faa, quae juxta tenorem literarum con- 



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Die Privilegien der Stadt Isny. 131 

tractus praedicti fibi et beredibus fuis excepiffe et refervaffe dignoscitur, ad civi- 
tatem praedictam dcvolverentur, ex tunc cives praefati quinquaginta libras Hal- 
len fi am alijs quinquaginta libris nobis dandis fuperaddere debebunt. Ita quod 
ex tunc in antea nobis et Imperio centum libras HaUenfium annis fingulis exfolvere 
perpetuis temporibus teneantur . . . , a "(Staatsarchiv zu Stuttgart). 

In dem angeführten Privilegium beftätigt Kaifer Karl IV. zunächft die 
frühem Rechte, Freiheiten and guten Gewohnheiten der Stadt Isny. Für die Auf- 
nahme als Reicbsftadt hat fie jährlich anf St. Martinstag 50 Pfund Heller nnd im 
Falle, daß die Stadt durch Abfterben des Truchfeffen Otto von Waldburg ohne legi- 
time Leibeserben ganz frei würde, jährlich weitere 50 Pfund Heller, alfo im ganzen 
100 Pfund Heller ans Reich zu zahlen. Dafür wird der Stadt zugesichert: 

1. daß fie und die jährliche Reichsfteuer vom König und dem Reich nie foll ge- 
ändert oder verpfändet werden *), 

2. daß die Stadt ungeftört mit andern Städten Bündniffe fchließen möge, 

3. daß die Stadt Aigen- und Vogtleute, fowie auch Zinfer zu Bürgern und Ein- 
wohnern annehmen möge, 

4. daß Niemand die Bärger und Einwohner zu Isny ßrafen, belferen, noch irren 
foll, um vngenoffom Ehe, umb Hauptrecht, Väll noch um Erb, 

5. daß die Bürger zu Isny vor keinem fremden Gerichte beklagt, oder vorge- 
nommen werden fallen, fondern nur vor ihrem eigenem, angeerbten Gerichte 
belangt werden können. 

Truchfeß Otto wollte laut Kaufbrief vom nächften Samftag nach St. Jakobs- 
tag 1374 feine vorbehaltenen Rechte und Nutzungen in Isny, offenbar dem Vertrage 
zuwider, an feinen Vetter Johann, welchem er die Fefte Trauchburg mit Bauhof, fein 
Haus zu Isny in der Stadt mit Hofftatt, Hofraiten, aller Zugehörd und Hausrat, ferner 
feine Rechte an der Zufart zu Bregenz, die Vogtei zu Zunberg und Ifenhartz, fowie 
die Adrokatie über das Elofter Isny käuflich überließ, zugleich mit verkaufen. Alle 
diefe Befitzungen zufammen hätten auffallender Weife nur 9000 Pfd. Heller gelten 
follen > allein der Handel wurde wenigftens was Isny betrifft, durch eine kaiferliche 
Kommiffiop für null untf nichtig erklärt. (Vgl. Isnyer Kommiflionsprotokoll-Bnch p. 631). 
Laut Kaufbrief vom nechften Zinßtag vor mitten Mayen 1381 kauften die 
Isnyer von Truchfeß Otto um 300 fl. den Salzmarkt, die freie Wahl von Rurger- 
meifter, Ammann, Rat, Zunftmeifter und Helfer. Es wurde ferner der Neubau einer 
Metzig vereinbart Die Abgaben der Fleifchbänke follten dem' Truchfeffen wie feit- 
her fortbezahlt werden. 

Einen kleinen Überreft truchfeflifchen Anrechts am Kornzoll löfte die Stadt 
auf Kaufbrief d. d. Freytag nach St Gregorientag 1448 von dem Reichslandvogt 
in Schwaben, Truchfeffen Jakob zu Waldburg, aus, fo daß von dort an alle Verbind- 
lichkeiten an die Trauchburgifche Herrfchaft aufborten. Die Erbvogtei über das 
Klofter behielten die Truchfeffen bis 4. Oktober 1781, an welchem Tage die Abtei 
fich von ihnen für 55000 fl. loskaufte und reichsunmittelbar wurde. 

Privilegium VII. 

Nach demfelben möge die Stadt Yßni ihre Mitbürger, die auf ihren felbft 
Gütern fitzen, auch auf dem Land, wo immer fie gelegen feien, in ihren Rechten 
verteidigen, fchtitzen und fchirmen. Der Reichslandvogt im obern Schwaben habe 
von Kaifers und Reichswegen darüber zu wachen, daß niemand fie hieran hindere. 



') Ein Verfprechen, das nur reichsunmittelbaren Städten erteilt wurde. 



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182 Bhrje 

„Tbäte aber jemand frevenlichen dar wider, der foll fo oft das gefchicht fanfeig 
Markh löthigea Geldes, die halb in Vnfer vnd des Reichs Camtner vnd das ander 
Aalb Theil den Bürgern zufallen tollen, fchwerlichen verfallen fein", d. d. 1373 
montag nach Judica = 18. Apr. (Staatsarchiv in Stuttgart.) 

Privilegium VIII. 

Gegeben zu Budiffin (Bautzen) ebenfalls von Eaifer Karl IV. 1373 am 
nächften Montag nach dem Sonntag Judica in der Faften. Nach demfelben erhält 
Bürgermeifter, Rat und Bürger der Statt zu Yßni die Erlaubnis, daß fie fich felber 
und der Statt Bürger und Mafien Steuer, Gabe; Vngelt und Gefetze nach ihrer Statt 
Notturft fetzen vnd nennen mögen« (Staatsarchiv Stuttgart) 

Nach uraltem Herkommen wurde in Isny vom Rate allein in Friedenszeiten 
eine Jahr- und eine Extrafteuer befchloffen und erftere in der Kirche, letztere aber 
in den Zupften verkündet. Wenn aber Eriegszeiten einfielen, fo hat der Rat allein 
neben der gewöhnlichen Jahresfteuer das erforderliche dekretiert und eingezogen. 
Der Steuerzettelband wurde fpäter als arcanum forgfältigft verwahrt. Bei Beftimmung 
des Steuerfatzes für den Einzelnen wurde zunächft das Güterbuch zu Rat gezogen. 
Die Bar- und Aktivkapitalien mußten auf bürgerlichen Eid und Gewiffen angegeben 
werden. Bei der Jahresfteuer zahlte man 40 kr. vom Hundert Gulden, bei der 
Extrafteuer 20 kr. Die liegenden Güter bezahlten, fowohl bei der Jahres-, wie bei 
der Extrafteuer nur halb fo viel, alfo 20 kr. vom Hundert Gulden, beziehungsweise 
10 kr. Für die Gewerbesteuer gab es 5 Klaffen, von denen die erfte 2 fl«, die 
zweite 1 fl. 30 kr., die dritte 1 fl., die vierte 45 kr. und die fünfte 30 kr. bezahlte. 

Ferner mußten Pferde, Rindvieh, Kälber und Vieh aller Gattung zur Hälfte 
des Kaufwertes wie das fahrende Gut bei der Jahres- und Extrafteuer versteuert 
werden. Die Gefindefteuer betrug für den auswärtigen Dienftboten jährlich 3 kr. 

Durch die fteigenden Anfprüche an die Stadtkaffe *) wurden fchon früh auch 
indirekte Steuern veranlaßt, namentlich Zölle und Umgelt auf Wein, Bier und andere 
Genuß- und Nahrungsmittel, die außer dem finanziellen Ergebnis durch die nötige 
Aufficht zugleich die für die Gefundheit der Einwobnerfchaft fo Schätzenswerte Rein- 
heit und natürliche Beschaffenheit forderten. 

Schon das im germanifchen Mufeum in Nürnberg aufbewahrte alte Isnyer 
Stadtbuch, das die Ratsbefchlüffe und Statuten aus dem Zeitraum von 1396 bis 1490 
enthält, befchäftigt fich an zahlreichen Stellen mit dem Nahrungsmittelverkehr und 
den Zolltarifen 2 ), ebenfo das im Staatsarchiv zu Stuttgart befindliche Steuerbuch 
von 1401 bis 1491. 



*) Gegen die Überbürdung durch Armenlaften, welche in der Gegenwart den ftädtifchen 
Etat fo fehr befehweren , fchützten einesteils die durch die Ablöfung noch nicht fefcbuiälerten 
Wohlthätigkeitsftiftungen , andern teil s die damals in aasgedehntem Maßftabe geübten direkten 
Almofenfpenden der Vermöglicheren an bekannte Arme und endlich die ftrenge Handhabung der 
in den Statuten enthaltenen Verehelichungsbedingungen, nach welchen unter anderem eine Fremde 
oder ein Fremder 120 fl*, jedes junge Bürgerspaar aber mindestens 50 fl. bei der Verheiratung 
als Eigentum aufweifen und zudem zwei gute Bürgen ftellen mußte, daß es das Almofen inner- 
halb acht Jahre nicht befehweren werde« 

') Leinwand (Blatt 18, 19, 26b, 37b, 44, 48, 68, 73, 91b), Tuch (23b, 90b), Leder (8> 
27), Vieh (67), Hunde (82 b), Hühner (45 b), Korn (88 b, 100 b, 113, 115), Honig (12, 69), Schmalz 
(91), Salz (66, 121), Fleifch (7b, 8, 57b, 67b, 74b), Brot (8, 19b, 58, 72, 74, 75b, 84b, 85b, 
99b, 100), Mehl (86, 100b), Fifche (88b), Wein und Meth (40, 41, 66b, 68b, 83b, 91, 117.) Für 
die Ermöglichung einer eigenen genauem Durchficht diefes intereuanten Manufcriptes fpreche ich 
hiermit Herrn Direktor Dr. A. Effenwein meinen verbindlichften Dank aus. Bei der Bedeutung 



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Die Privilegien der Stadt Isny. 133 

Freitag den 12. Juli 1644 gab der ehrf. Rath zu Isny eine neue Umgeltord- 
nung heraus. In derfelben wird beftimmt, daß in Zukunft auch halbe Aymer ver- 
nmbgelt werden Tollen. Vf ganze Faß wird uf jedes 6 Maß Füllwein paflTirt. Von 
jedem Aymer Wein, fo auß der Statt verkauft wird, ift man 6 kr. zu geben fchuldig. 
Ein Zapfen wirt, fo keinen Schilt bat, foll nur einen Tifch Burger und einen Tifch 
Bauern Macht haben zu fetzen und nit mehr, außer bei den Jahrmärkten (der erft 
auf Donnerstag nach Georgy, der ander auf Donnerstag vor Pfingften, der dritt auf 
Donnerstag nach Jacoby, der viert auf Donnerstag nach Michaelis). 

Wer Wein fchenken will, foll 20 & Pfenning geben, wenn er aber ablaßt 
und wieder anfangen will, foll er bei Rat anhalten. Wegen Abgang des Umbgelts 
foll man bei Strafe von 4 & Pfenning Niemanden an Baittholz (Kerbholz), d. h. 
wohl über die Gaffe, Wein abgeben, außer für : 1. Ratsverwandte, 2. Eindbetterinen, 
3. alte und kranke leut, 4* vnd wer fonft Umbgelts frei ift als Prediger vnd Schul- 
meifter, bei 4 & Pfenning Straf. 

Kein Wirt oder Weinhändler darf felbft Wein einlegen ohne den geschwo- 
renen- Weinlader, welcher die ein- und außgehenden Faß aufzufchreiben und einen 
Zettel dem Wirth zum Ausweis auszustellen hat. Diefe Zettel find monatlich auf dem 
Newen Haus dem Rechner zu fibergeben bei Straf eines & Pfenninge von jeg- 
lichem Faß. 

Außer vom Weinlader mußte jedes Faß, vor es eingelegt wurde, vom Wein- 
fchreiber aufgefchrieben werden bei 1 & Pfenning für das Faß. Auch die Veltliner, 
Etfcb- und dergleichen Wein mußten dem Weinfchreiber angegeben und das Faß 
oder der Lägel verfiegelt werden. Kein unbefigelt Faß durfte angezapft werden. 
An das Faß wurde ein Zedel geflgelt auf dem der Werth oder KaufTchilling ftand. 
Der Wein durfte nicht hoher ausgefchenkt werden, als er befiegelt worden war bei 
Straf von 2 & Pfenning. Der Umbgelter, oder Weinbeflegler, foll alle Monat in 
die Wirths- und Weinfchenkenkeller fleh verfugen und fchauen, ob die Faß, wie an- 
gegeben, voll, bedegelt, oder nit befiegelt feien. 

Wein im Klofter zu holen war fchon in den erwähnten alten Statuten 
(Bl. 81b) verboten: 

Von fchenken im clofter. 

Item rat vnd gemaind hat gefetzt, daß ain jeder Zunftmaifter den finen fol 
verkündeten, daß nieman kain win im clofter, den man fchenkt, wer in fchenkt, nit 
holen fol, wer das tut, als dik ift er verfallen III & denar. 

Bezüglich des Bieres wurde beftimmt, weil durch die Ausfuhr des guten oft 
Mangel eintrat und die Bürger fchlechtes theuer bezahlen mußten, daß ohne Rats 
Erlaubniß Oberhaupt kein Bier ausgeführt werden dürfe, damit der Bärger immer 
einen guten Trunk mehrers und belfern Biers bekomme. Das Bier foll nach der 
Güte gefchaut werden. Die Bierfchauer follen es nach der Güte fchätzen vnd den 
Werth auf ein Zedelin bemerken, das fie mit dem Zeichen an das Faß zu heften 
hätten. Wie es gefchätzt wurde, foll es hingegeben und verkauft werden. Kein 
Faßbier durfte ungeaicht gefüllt werden. Die Bierbrauer mußten nicht nur das Bier, 
das fie ausfehenkten oder verkauften, verumbgelten, fondern auch das, was fie für 
fleh und ihren Haushalt brauchten. 



des enthaltenen Stoffes für die Gefchichte Isnys veranlaßte ich eine zuverläüige Notiznahme des- 
selben für das hiefige Archiv. Herr Stadtpfarrer Rieber hatte die Güte fleh diefer Mühe zu 
unterziehen und wird im nächften Jahrgang der Schriften des Vereins für Gefchichie des Boden - 
fees und feiner Umgebung das Refultat feiner Arbeit veröffentlichen. 



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134 Ehrle 

Zum neun zehenten follen fie die Burger am Morgen gar nicht, abends aber 
zur Sommerszeit länger nit denn bis umb 9 Vhr vnd Winterszeit bis umb 8 Vhr 
fetzen vnd ihnen auftragen, infondernheit aber denen fo in dem Täffclin, oder Al- 
mofen ftehen nicht einfcbenken; Rauff vnd Scblaghändcl anzeigen, vppige Lieder 
abfcbaflen famt aller Leichtfertigkeit, das Umbgelt monatlich geben vnd nit zwey 
zufammen kommen laffen, bei Straff 2 S Pfenning. (Ratsarchiv Isny.) BK 38 b. 

Privilegium IX. 
Vidimus des Hofgerichte zu Rotweil von 1390 tiher die von König Wenzes- 
laiw der Stadt Isny und 38 andern Reichsftädten erteilte Konfirmation ihrer Frei- 
heiten d. d. Nürnberg 1387 Mittwoch nach Lätare ~ 20. Mrz. (Staatsarchiv Stuttgart) 

Privilegium X. 
K. Ruprecht beftätigt die Privilegien der Stadt Isny. 
d. d. Ulm 1401 Donnerstag nach Lavrentii = 11. Auguft. 

(Staatsarchiv Stuttgart) 

Privilegium XI. 

Gegeben von König Ruprecht zue Vlra, Donnerstag nach Sanct Laurentij 
dag des heyligen Märterers in dem Jar 1401; 

In demfelben erhält die Reichsftadt Isny auf perfonliche Yorftellung und 
demütige Bitte ihres Bürgermeifters und Rats in Anbetracht der kürzlichen Feuers- 
brunft, welche über die Hälfte der Stadt zerftörte, auf zehn Jahre Befreiung von. 
der gewöhnlichen Reichsfteuer. (Ratsarchiv Isny.) 

Durch diefes Brandunglück wurde in Isny früh eine Feuerwehrordnung ver- 
anlaßt. „1412 alte Statt Ordnung": Bewahrung von Licht und Feuer und Verfahren 
bei Brandausbrüchen 21. und 58. Bl. 

Privilegium XII. 
K. Sigismund Konfirmation der Privilegien in Isny d. d. Cure 1413 satns- 
tag nach Bartholomaei = 26. Aug. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Privilegium XIII, 

Gegeben von König Sigmund zue Preßburg d. d. 1429 Freitag vor Sant 
Philips vnd Sant Jacobstag = 29. April. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Nach demfelben erhalten erftens die von Isny das Recht, alle öffentlich, 
oder im Geheimen fchädlichen Leute: Mordbrenner, Räuber, Diebe, oder wie die ge- 
nannt ßnd, wenn fie nach dem Unheil des Mehrentheils des Rathes nuzer und beffer 
tod, als lebend find, nach dem Rechte hinzurichten, oder fie zu ftrafen an ihrem 
Leib mit Augen ausstechen, Obren abfehneiden, oder andern Strafen. Zweitens wird 
dem Ammann der Reichsftadt Isny die Freiheit des Pannes über das Blut zu rich- 
ten erteilt. 

Das gerichtliche Verfahren war nach der alten Stadtordnung (Bibliothek 
des Nationalmufeums in Nürnberg) folgendes: 

„Itein wir haben auch ain folich Ordnung vnd gefetzt getan. Wenn vnd als 
oft es ze fchulden kumpt das ain fchedlicher man hie ze ysni ergriffen wurd von 
gemains flecken wegen oder wo wir den ergriffen, das denn allweg ain ftat amman 
hie ze ysni klager vber den febedlichen man von der ftät wegen fin fol vnd wenn 
man in berechten wil fo fol ain rat un die ailff vorhin zefamen kommen vnd denn 



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Die Privilegien der Stadt Isny. 135 

fol ain fchriber ir aller namen an ain fander brieflin fchriben vnd die brieflin allir 
in ainen hat legen vnd denn fol der amman in den hat ungeaerlich griffen vnd 
ain brieflin nach dem andern heruß nemen vnd allweg welhes nam des erften heruß 
kumbt der fol auch der erft fin der vber den fchedlichen man fweren fol vnd das 
ander brieflin fol der ander fin vnd alfo für fleh vffhin vncz das man der gnng hat 
zu dem rechten es fyen denn dry oder fiben oder als vil man ir bedarff, vnd vff 
wen das los alfo fallet der fol fleh des nit fperren in dehainen weg, wan welher 
der war der fleh des wölt fperren, da fol ain rat vnuerzogenlich vber fitzen vnd 
den darzu halten das er es tu, vnd dennoch ain ftraff vnd paß vff in legen wes 
der merer tail denn ze rat werden, wan auch die egefchriben Ordnung alfo erdacht 
vnd getroffen ift worden als wir den dieb ze Wangen haben verderbt der ze Swine- 
bach vnd auch im clofter die ftöck prochen hett vnd deflelben mals den flechen ir 
kelch anch verftolen ward (Bl. 28). 

Uff der von Isni freihält ift erft frag alfo: Ob es an der zit fi das man 
richten fall vber das plut. 

Die ander frag: ob fo vil fchub oder vergicht da fy ob er denn heuer tod 
fy denn lebendig. Die vierd frag was tods man im an tun füll. Die fünft frag 
wer das räch oder äferte mit Worten oder mit werken, das der in denfelben fchulden 
in fol (das verkundt der amman). Item wenn ain Rant vber ain fchädlichen mann 
die vrtal gefpricht darnach fol man in in den ftock legen vnd fo er in den ftock 
gelait wird fo fol man denn die großen gloggen vber in löten vnd darnach als fleh 
das volk famlet die fchuld vnd mißtat vber in verlefen vnd verkünden. 

Item wenn ain Raut ain fchädlichen mann mit foltren im türm gichtiget 
welicher des Raatz denn zumal daby nit war och anhaimifch ift, wenn man denn 
vber in vrtailen wil vnd (i denn zu mal anhaym vnd im Raut wären, das auch 
die mit fampt den andern die by der vergicht gewefen find auch fprechen vnd vr- 
teilen vnd fleh dawider nit fetzen füllen (Bl. 109). 

Die Truchfeffen von Waldbarg hatten bis 1386 das Begnadigungsrecht bei 
Todesurteilen. 

Mittwochs wurde das Todesurteil verkündet and Freitags fand die Hin- 
richtung ftatt. Während derfelben wurden 3 Thore gefchloffen und das Wafferthor, 
durch das der Zug ging, mit 20 Mann befetzt. Es rückten ferner aus mit ge- 
wehrter Hand: 

aus der Weberzunft 40 Mann, 

„ „ Schuhmacherzunft .... 8 n 

„ „ Herrnzunft 8 „ 

„ „ Schneiderzunft 8 „ 

„ „ Schmidzunft 8 „ 

„ „ Beckenzunft 8 „ 

80 Mann. 
Item die Büchfenfchützen 60 Mann. 

Ähnlich war der Proceß, wenn eine Malefiz-Perfon an den Pranger mit dem 
Haiseifen geftellt und mit Ruthen durch die Stadt bis zur Wäfchbrugg geftrichen 
werden follte. Des Truchfeffen von Trauchburg Verwalter, fowie der Gefandte des 
Prälaten hatten das Recht der Fürbitt, oder Interceffion. Zum Schluffe mußte der 
Übelthäter dort fchwören, daß er wegen des ausgeftandenen Gefängniffes und der 
Straf, weder dem Bürgermeifter noch dem Rathe, den Bürgern, oder Knechten und 
ihren Nachkommen, öffentlich, oder im Geheimen Schaden thue, fondern es bei dem 
Urtheil bewendet fein laffen wolle. 



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1 36 Sitzungsberichte. 

Friedbrach ; Wunden, oder Stich etc. wurden mit 10 ffi Pfenning, oder eine 
Hand des Leibes beftraft. Eine weitere Strafe war Verbannung von der Stadt, wo- 
bei dem Verbrecher bei feiner Entfernung ein Eid abgenommen wurde, daß er inner- 
halb der beftimmten Zeit nicht über die Friedfaule hereinkomme. Bei der Aufnahme 
mußte er wieder fchwören, daß er während der verurteilten Monate nicht in die 
Stadt kam. 

Für leichtere Verbrechen, Diebstähle etc. wurde Gefängnis, 10 Fuder Steine 
von der Argen zu ftadtifchen Bauten, oder Geldftrafen verhängt. 

Nur ein Verbrecher, der außerhalb feiner eigenen, feines Verzinfers oder 
Meifters Wohnung ergriffen wurde, durfte in den Thurm geworfen werden. In feiner 
eigenen Behaufung konnte er nicht ergriffen, noch gefangen angenommen werden, 
weil nach Ausweis des Isnyer Stadtrechts jedem feine Behaufung die erfte Zuflucht 
fein follte. Erft nach Verlauf von 6 Wochen war es geftattet, den Frevler, wenn 
er es inzwifchen nicht vorgezogen hatte, aus der Stadt zu entrinnen, oder die von 
dem Rate und dem Befchädigten verlangte Geldbuß zu entrichten, nach Ratserlaub- 
nis mit Heimfuchung und Beifang im eigenen Haus zur Strafe zu bringen. 

Selbft folchen, die wegen eines Todfchlags heimen, d. h. das Haus böten 
mußten, konnte der Rat nach Prüfung des Sachverhaltes erlauben, durch ihre An- 
gehörigen das Löfegeld fammeln zu lallen. 

Schutz und Schirm gewährte endlich die Freyung, Ihre Gränzen waren: 
„Und fahet die freyung an bey dem Hochofturm vnd gehet vmb und vmb her, mit 
dem Rehgarten vnd hinvmb mit dem Vorzeichen bis an die Statmauer vnd als weit 
das Klofter mit der Mauer umbfangen ift mit fampt vnfer Statmauer bis oben an 
den Viehhofturm vnd welcher die freyung in den ob beftimmten Zahlen überführe, 
den wolt man darumb ftraffen als nach freyung Recht gehört. a Der Schirms wegen 
in die Freyung Geflohene dürft diefelbe ohne Ratserlaubnis nicht verladen bei 10 ff 
Pfenning Strafe, oder eine Hand feines Leibes. 

(Vgl. 1412 alte Stattordnung Blatt 306; ferner das jährlich am Schwörtag 
verlefene Leviticum Statutorum Isnieusium d. d. Sonntag Jubilate nach Oftern 1514, 
und : „der Statt Yßny Reformation vnd Erklärung Ihrer Statuten vnd Stattrechtens" 
vom 1. Mai 1544, revidirt am 8. Febr. 1622.) (Schluß folgt.) 



Sitzungsberichte. 

Sitzung vom 1. April 1887. Als ordentliche Mitglieder werden aufgenommen die 
Herren Pfarrer Walz in Grimmelfingen, Verwaltungsaktuar Fifcher in Munderkingen, Emil Bühler, 
Kaufmann in Ulm, dann die Gemeinden Giengen au d« Brenz und Setzingen OA. Ulm. Gefcbenke 
werden vorgelegt von den Herren Graf Reuttner von Weyl der Gipsabguß eines Teils einer 
Glocke in Achftetten, von Bekh-Widmannftetter in Graz ein Stammbaum und eine Schrift, Be- 
lagerung von Graz, von den Erben des Kommerzienrats Lödel in Ulm 8 Urkunden, 3 Bücher 
und einige Rechnungsakten. Hierauf machen Mitteilungen die Herren Generalmajor v. Arlt über 
den römifchen Grenzwall und Prof. Dr. Veeienmeyer über Fauft im Ulmer Puppenfpiel. 

Sitzung vom 6. Mai 1887. Zum Ehrenmitglied wird ernannt Herr Hofrat 
Dr. v. Lehner in Sigmaringen. Als ordentliche Mitglieder werden aufgenommen die Herren 
Apotheker Müller in Langenau, Kameralamtsbuchhalter Kleiner in Ulm und Albert Eberhard, 
Fabrikant in Ulm. Gefchenke werden vorgelegt von den Herren Reg.Rat Grözinger 5 Gelegen- 
heitsfchriften, von Pfarrer a. D. Baur ein Heiratsrotel von 1580 und Veefenmeyers Schrift über 
den Reichstag zu Augsburg von 1530. Der Vorftand erftattet vorläufigen Bericht über die 
Grabung im LOhle. Herr Dr. Leube macht Mitteilungen über die alte Burg bei Allmendingen. 



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137 



Hiftorifcher Verein für das Württembergifche Franken. 

Zur älteren Topographie Württembergs, besonders im Codex Laureshamenfis. 

Von Guftav Boffert 
(Fortfetzang.) 

7. Auftrenhaufen. 
795 begabten 2 Schwertern Hilta und Trutlind das Klofter Lorfch in Pleidels- 
heim, (Erb) Stetten und Auftrenhaufen (Cod. Laur. 3507). Diefer Ort muß alfo in der 
Umgebung von Erbrtetten gelegen fein. Hier find es nun drei Haufen, um die es fich 
handeln kann: Erdmannhaufen, Rielingshaufen und Zwingelhaufen. Für Erdmannhaufen 
fleht der Name Erkenmarhufen fchon 817 und 978 feft, ebenfo Reginheres- und Ru- 
dingshufen für Rielingshaufen. 978 erfcheint neben den beiden letzten Orten noch das 
einfache Hufa, was vom Urkundenbuch mit Recht auf Zwingelhaufen gedeutet wird, 
deflen Name, 1245 urkundlich feftfbehend, doch einiges Dunkel in lieh birgt. Wenn 
nun Zwingelhaufen 795 Auftrenhufen hieß und doch 978 wieder als einfaches Hufen 
erfcheint, fo möchte das damit zusammenhängen, daß der Perfonname, von dem jenes 
Auftrenhufen abzuleiten ift, Oftren, Ofterniu, einstweilen ganz ungebräuchlich ge- 
worden war. 

8» Gumboldeshufen. 

Im Jahr 892 gab Klofter Lorfch im Taufchweg für Güter bei Elfingen OA. 
Maulbronn folche in Lengenfeld d. h. Leinfelder Hof OA. Vaihingen, Sarabasheim d. h. 
Sersheim und Gumboldeshufen (Cod. Laur. 2365). Alle diefe Orte lagen im Enzgau, 
offenbar nahe bei einander, da es fich nur fo erklärt, daß fie ein Taufchobjekt für 
andere auch nur wenige Stunden entlegene Güter bilden. Die Aufzählung geht 
offenbar von Süd nach Nord. Aber wo ift Gumboldeshufen? Gumbold wird verkürzt 
zu Gubo werden, cf. Cod. Laur. 2 456. Der Volksmund wird alfo Gumboldeshufen in 
Gubenhufen verkürzen. Im Laufe der Zeit wird er aber verfuchen, diefen ihm unver- 
ständlichen Namen umzudeutfehen , Gubenhaufen wird zu Guckenhaufen. Nun liegt 
nordweftlich von Sersheim am Fuß des Efelbergs Guckenhaufen auf Markung Horrheim, 
das recht wohl das alte Gumboldshufen fein kann. 

9. Rengesheim im Jagftgau, Iringesheim im Brettachgau. 
Im Jahr 771 giebt ein Baldo 5 Morgen zu Rengesheim im Jagftgau an das 
Klofter Lorfch Nr. (3476). Diefer Ort ift ficher nicht Rengershaufen, das alte Regin- 
gereshufen im Jagftgau, fondern wohl Rinfchheim, das im Lorfcher Schenkungsbuch 
fonft als Rinzesheim im Wingarteibagau erfcheint, Nr. 2843 und 45; aber der Lorfcher 
Codex fetzt z.B. auch Rochisheim, Ruchfen an der Jagft, das einemal in den Wingarteiba- 
gau Nr. 2900 und dann meift in den Jagftgau, wohin der Ort gehörte. Aber nun er- 
fcheint in dem Fuldaer Schenkungsbuch neben Schenkungen im Kochergau auch ein 
Iringesheim im Brettachgau: Tumbraht tradit S. Bonifacio predia iua in Iringesheim, 
quod eft in Breitahagewe (Trad. Fuld. 4, 52). Im Brettachgau, dem Untergau des Kocher- 
gaus, giebt es keinen Ort, der fich hierher deuten ließe, dagegen giebt es ein Irings- 
hufen, heute Ehringshaufen im Flußgebiet der Brettach, des Zufluffes der Jagft OA. 
Gerabronn. Sollte es auch im Maulachgau einen bis jetzt unbekannten Brettachgau 
als Untergau gegeben haben oder Sollte der Fuldaer Mönch Eberhard den Gau wieder 
irrtümlich genannt haben und mit Iringsheim auch Rinfchheim im Wingarteibagau 



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138 Boffert 

gemeint fein? Der Wechfel von heim und hufen kommt auch fonft vor. An Ehrings- 
haufen OA. Gerabronn ließe fich leichter denken, weil das Klofter Fulda ficher in 
Oberftetten, wahrscheinlich aber auch nach den Kirchen zu fehlleiten, in Michelbach a. 
d. Heide und in Braunsbach Befitz hatte. 

10. Owenbühel. 
Bei einer Schenkung Trutwins von Bellenheim, die in Geifingen vollzogen 
wurde, erfcheint als Zeuge Beirein von Owenbuhel neben lauter Zeugen aus dem Enz- 
und Murrgau (Cod. Hirs. S. 71). Diefer Akt muß etwa um 1140 fallen in die Zeit, da 
Hertwig Dekan in Speier war. Als Dekan treffen wir Hertwig oder Hartwig 1137 
(Reml. 1, 91), alsDompropft 1148 (Remling 1, 95. W. U. II, 45) *). Nicht nur die übrigen, 
auch der Name Beirein, der fonft nur bei den Herrn von Kräheneck und Efelsberg 
vorkommt, weift auf die Enzgegend. Aber wo ift Owenbühel? Die Antwort giebt uns 
die Urkunde der Stiftung des Klofters Rechentshofen durch Beirein von Efelsberg vom Jahr 
1240. Da ftattet Beirein von Efelsberg mit feiner Gattin Agnes das neue Frauenklofter 
mit Gütern ganz in der Nähe von Rechentshofen, 2 Wiefen beim Klofter, dem Wald 
Hart von der Straße, die nach dem Efelsberg führt, bis zum Wald Hermanns von 
Sachfenheim, feinem Hof in Rechentshofen und voraus mit all feinem Eigentum aus, 
das zu Owenbühel gehört Aus dem Ausdruck der Urkunde ergiebt fich, daß Owenbühel 
ein früherer Herrenfitz war und ebenfo, daß derfelbe in der unmittelbaren Nähe von dem 
Klofter lag. Nun lagen auf der Markung Hohenhaslach 2 alte Burgen, die eine nördlich 
vom Ort auf dem Teufelsberg, die andere füdlich vom Klofter nahe an dem Wald Hardt. 
Nach dem Wortlaut der Urkunde darf man annehmen, daß letztere gemeint ift. Wenn nun 
Beirein von Owenbühel ca 1140 auf einer Burg faß, deren Zugehör bis 1240 ganz unzwei- 
felhaft Eigentum Belreins von Efelsberg war, fo darf man in ihm ganz zuverläffig den Ah- 
nen des Stifters von Rechentshofen fehen. Wie es fcheint, ift die Familie urfprünglich 
zu Kräheneck angefeffen gewefen und ift eine freie Familie. Wenigftens erfcheint ein 
Beirein von Kräheneck (Creinegge) 1147 W. U. II, 40, 1148 W. U. II, 45, 1157 W. U. 
II, 104, 1158 W. U. II, 116. Sein Sohn ift wohl Bertold von Kräheneck, feine Neffen 
Werner und Heinrich von Efelsberg, die mit einander bei K. Heinrich VI. in Würz- 
burg 1194 weilen W. U. II, 301. Beirein von Efelsberg erfcheint zuerft 1225 unter 
den Freien Gud. Sylloge S. 144, 1232. W. U. III, 304, 305. Sein Verwandter ift 
Albert von Lomersheim, der ein Freier war W. U. IV, 107. Die Krähenecker Linie 
fcheint Geh fpäter nach dem nahen Weißenftein gezogen zu haben, wo fie fich fortan 
die Vögte von Weißenftein nannten. Vielleicht gehörte zu ihnen Berthold Strubecho 
W.U. IV, 305. (fchon 1186 W. U. 2, 245. 1196. 162, 517). Als nächfte Verwandte 
Belreins von Efelsberg zeugen bei der Gründung von Rechentshofen Berthold, Vogt 
von Weißenftein, und feine Söhne Beirein und Helfrich W. U. 3, 454. Die Weißen- 
fteiner erbten den Befitz Belreins von Efelsberg, fie befaßen die Kirche und den Zehnten 
in Haslach und die Brendelinsmühle in Horrheim. Wir kennen Berthold 1244 advoc. 
von Weißenftein W. U. 4, 69. Berthold und Beirein 1252 W. U. 4, 288, 1246 OR. 
1, 236, 1263 OR. 1, 254. Berthold und fein Bruder Gotbert, erft Pfarrer in Hohen- 
haslach, dann in Brötzingen bei Pforzheim 1255 OR. 4, 343. 1, 358. Berthold allein 
1265 OR. 1, 357. 1288 nennt er feinen Oheim Rudolf von Lomersheim, 1277 giebt 
er Güter in Feldrennach als Seelgeräte für feine Töchter Gertrud und Metza ans 
Klofter Frauenalb. Seine Erben fcheinen die H. von Bromberg gewefen zu fein, die 
1301 verfprechen, keinen Anfpruch an die Güter in Feldrennach zu machen. OR. 25, 371. 



*) 1157 Abt von Birsau. Cod. Hirs. S. 8. 



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Zur älteren Topographie Württembergs. 139 

11» Maminchoven. 
780 fchenken Walahilo und feine Mutter dem Klofter Lorfch all ihren Befitz 
in Maminchoven im Pfinzgau (Cod. Laur. 3513)* Im Jahr 798 giebt ein Rupert mit 
feiner Gattin Gifelint einen manfus in villa Manicoffa an Lorfch (Cod. Laur. 3641). 
Beide Namen dürften auf einen Ort zu beziehen fein. Aber wo ift derfelbe? Im 
Pfinzgau, foweit derfelbe fich mit dem ehmaligen Landkapitel Durlach deckt, findet 
er fich nicht, dagegen bezeugt 1290 Konrad, ein Kleriker von Neibsheim, daß Wein- 
berge in Ginderatbach d h. Gündelbach OA. Maulbronn, darunter einer genannt der 
Mänekover, dem Klofter Herrenalb von feinem Bruder Morhard übergeben worden feien. 
OR. 2, 253. Daß diefer Gewandname mit dem Namen Manicoffa und Maminchoven 
zufammenhängt, liegt auf der Hand. Nun wiffen wir aus der OA. Befchr. Maulbronn, 
daß unweit von Gündelbach ein Ort auf römifchen Grundlagen abgegangen ift, cf. OA. 
Befchr» Maulbronn. S. 229. Vielleicht findet fich dort noch ein dem Mänekover ent- 
fprechender Gewandname. Aber nun fagt der Cod. Laur. Nr. 3513, Maminchoven liege 
im Phunzingowe, was für Gündelbach jedenfalls nicht paßt. Allein die Angaben über 
den Pfinzgau im Cod. Laur. find fehr unficher. Wohl liegt Berghaufen, das er dahin 
rechnet, wirklich im Pfinzgau, aber Sickingen, das er auch dorthin verlegt, gehörte 
ebenfo ficher in den Kraichgau wie Gündelbach in den Enzgau, cf. Cod. Laur. 3515. 
Dasfelbe Sickingen fetzt der Cod. Laur. Nr. 2222 in den Kraichgau. Man darf alfo 
auf die Angaben des Lorfcher Schenkungsbuchs über den Pfinzgau nicht zu viel bauen. 

12. Mühlhaufen. 
Einer der fchwierigften Orte ift für die Topographie des Mittelalters Mühl- 
haufen. Mulenhufen im Enzgau Nr. 2 365 ift kein anderes als das im Kraichgau Nr. 
2 272. 74. 77. 82, denn es fteht dort neben Hadardesheim wie 2 272 und ift das beim 
Elfinger Hof abgegangene Mühlhaufen mit einer Kirche zum hl. Kreuz; alfo nicht 
Mühlhaufen an der Enz OA. Vaihingen. Mülhufen im Cod. Hirs. 50 ift wohl Mühl- 
haufen an der Wurm, cf. Blanda, Friolzheim, Tiefenbronn S. 51. Dorthin dürften auch 
Marquard, Zeifolf, Heinrich, Volknand, Wolfram unfl Sigeboto, der Speirer Dekan, ge- 
hören, denn Volknand von Mühlhaufen macht Anfprüche auf Befitz Adalberts von 
Steineck in Weingarten bei Durlach C. H. 72. Nach Mühlhaufen abg. OA. Herrenberg 
dürften Adalbert, Walter und Rudiger gehören W. IL 3, 422. Cod. Hirs. 85, 86. 

13. Smidhain bei Schorndorf. 
Der über marcarum des Bistums Konftanz nennt unter den Filialen von Schorn- 
dorf ein Smidhain Freib. Diöz.A. 5, 101. An Schmieden OA* Cannftatt ift felbftver- 
ftändlich nicht zu denken, diefes wird auch ausdrucklich noch aufgeführt. Auffallender 
Weife fehlt Winterbach, das nach dem Lib. decim. Freib. Diöz.A. 1, 64 fchon 1273 
einen rector hatte, aber im 14. Jahrhundert als Filial von Schorndorf galt (OA.-Befchr. 
Schorndorf S. 197), indem beim Aufblühen von Schorndorf die dortige Tochterkirche 
zur Mutterkirche wurde. Nun ift allerdings der Liber marcarum reich an Schreib- 
verfehen, cf. Kemps ftatt Remps S. 101, Einfingen ftatt Erpfingen, Nenczingen ftatt 
Noczingep, Bodolczhufen ftatt Bodolczhoven, S. 103. etc. Aber es ift doch kaum an- 
zunehmen, daß ein völlig fremder Name fich eingefchlichen hätte. Ich möchte daher 
annehmen , daß der große Ort Winterbacb aus zwei Teilen zufammengewachfen ift, 
von denen der Teil mit der Kirche einen Namen führte, der fo lautete, daß ihn der 
Herausgeber des Liber marcarum, Dek. Haid, für Smidhain lefen konnte. Wir hätten 
ein klares Analogon an Nehren, wo der Ortsteil mit der Kirche urfprünglich Huchlingen, 
Hauchlingen hieß, fo daß die alten Aufzeichnungen nur eine Pfarrei Huchlingen kennen. 



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140 Boffert 

14. Simchen bei Schorndorf. 

Nach dem Lehenbuch des Grafen Eberhard hatte Ruf der junge 1362 den Wein- 
garten am Simchen zu Lehen (W. Vjh. 8, 126) und Ulrich der alt Sorge von Schorn- 
dorf Wein- und Kornzehnten dafelbft (W. Vjh. 8, 121). Die Form Simchen ift auf- 
fallend und läßt fich auf der topographifchen Karte nicht nachweifen ; ich möchte dar- 
auf hinweifen, daß der Bergzug jenfeits der Rems nördlich von Winterbach bis gegen 
Schorndorf hin der „Sonnenfchein" heißt. Sollte nicht urfprünglich im Lehenbrief am 
Sunfchin gefchrieben gewefen fein, was der Schreiber, der das Lehenbuch zufammen- 
trug, nicht lefen konnte und daher am Simchen fetzte, oder ift der Sonnenfchein eine 
vom Volksmund vorgenommene Umwandlung des dem Volk unverftändlich gewordenen 
Simchen? 

15. Vffenhufen = Zuffenhaufen. 

Das Wirtembergifche Urkundenbuch 3, 481 ff. giebt ein Verzeichnis über Be- 
fitzungen des Klofters Bebenhaufen. Hier erfcheinen Befitzungen des Klofters in 
Vffenhufen und Gifenanc, dann folgen folcbe in Vttingeshufen, in Gerringen, in dem 
bei Schwieberdingen abgegangenen Vebingen, in Plieningen und Böblingen. Auf den 
erften Blick erkennt man, daß hier die Befitzungen des Klofters im Zentrum des 
heutigen Württemberg zufammengeftellt find, während die am obern Neckar voraus- 
gehen. Daß Gifenanc nichts anderes ift, als das abgegangene Geisnang, auf deffen 
Markung das heutige Ludwigsburg fteht, ift handgreiflich. Ein anderes Gifenanc 
ift nicht bekannt. Es paßt auch vollftändig in die Nähe von Gerlingen und Ittings- 
häufer Hof. Der Befitz des Klofters Bebenhaufen in Geisnang fteht urkundlich feft. 
Trotzdem hat Kausler, der Herausgeber des 3. Bandes des Urkundenbuchs , die 
Deutung auf Geisnang verworfen und an Gelängen OA. Münfingen gedacht. Was 
ihn dazu veranlaßte, ift der Name Vffenhufen, den er nicht anders als auf Offenhaufen 
OA. Münfingen beziehen zu dürfen glaubte, wie fchon Stalin 2, 719 gethan hatte. 
Ein Befitz des Klofters Bebenhaufen' in jener Gegend, wo der Einfluß von Zwie- 
falten mächtig war, ift an fich fdion zweifelhaft. Die Erwähnung von Offenhaufen 
mitten zwifchen Befitzungen in den OÄ. Tübingen und Rottenburg einer- und den 
OÄ. Ludwigsburg, Leonberg, Stuttgart andererfeits wäre auffallend. Völlig zutreffend 
wäre die Stellung neben Gifenanc, wenn Vffenhufen nichts anders wäre als die ur- 
fprüngliche Namensform für Zuffenhaufen. Die Identität von Vffenhufen mit Zuffen- 
haufen hat fprachlich keine Schwierigkeiten. Man vergleiche Acendorf und Zazen- 
dorf W. U. 3, 95, 136, was den Scblüflel für die Erklärung des Namens Zazenhaufen 
bildet, Zvirtumberc, was nichts anderes ift als der Name Wirtemberc, das bayrifcbe 
Zirgesheim, das urkundlich Iringsheim heißt, das badifche Zuzenhaufen, das im Cod. 
Hirs. 35. 95. 103 und im Reichenbacher Schenkungsbuch Oienhufen, Vfenbufen, 
O v zenhufen heißt und lieber nicht mit W. U. 3, 395 für Hochhaufen am Neckar zu 
nehmen ift. Die Verfchmelzung der Präpofition ze, zu mit den Namen zu einem 
Ganzen ift eine ebenfo bekannte Sache, wie das unorganifche m (im) z. B. Adel- 
berg — Madelberg, Erkenberg — Merkenberg. Der Bebenhaufer Befitz in Zuffen- 
haufen ift urkundlich ficher. Vgl die Urkunde Gregors IX. von 1229 W. U. 3, 252, 
wo eine grangia in Zuffenhufen genannt ift. 

So dürfte kein Zweifel fein , daß in jener Bebenhaufer Urkunde unter 
Vffenhufen das heutige Zuffenhaufen gemeint ift und die Anmerkung Kauslers 3, 483 
einer Änderung bedarf. Vffenbaufen ift die Parallele zu dem bayerifcben Uffenheim, 
das auch als Offenheim vorkommt, wie Ohmenheim als Ummenheim, W. U. 3, 470, 
489, 490. Es wird auf Grund diefer Analogien auch denkbar fein, daß Zuffen- 



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Zur älteren Topographie Württembergs. 141 

haaren in den Urkunden als Offenhaufen getroffen werden könnte. Nun fehe man 
in der Urkunde von 1204 W. U. 2, 346 die Reihe der Bebenhaufer Grangien an, 
und es wird nicht zweifelhaft fein, daß die grangia in Offenhufen keine andere ift, 
als die 1229 genannte in Zuffenhaufen, und daß alfo S. 348 die Deutung auf Offen- 
haufen OA. Münfingen zu ftreichen ift Weiterhin wird man aber in Eickowo und 
Gotebert von Offenhufen, die das Klofter Hirfau in Feuerbach, Bothnang und Korn- 
weftheim begaben, Herren von Zuffenhaufen fehen dürfen Cod. Hirs. S. 78 und 
79. Ob jener dominus Albertus Nuve W. U. 3, 482 ein Nachkomme diefer Herreu 
ift, oder ob es möglich wäre, an Albert von Neuffen zu denken, lalle ich dahinge- 
ftellt. Jedenfalls fcheint die Ortsgefchichte von Zuffenhaufen um einige Jahrzehnte 
früher beginnen zu dürfen, als dies in der OABefchr. Ludwigsburg der Fall ift. 1 ) 

16. Hephingen. 
Im Jahr 775 gab der Kleriker Irminbert eine der Maria geweihte Bafilika 
in Hephinger marca in pago Alemannorum an das Klofter Lorfch. Die Schenkung lieht 
mitten unter Schenkungen in der Bertoldsbaar und dem Burichingagau Cod. Laur. 
Nr. 3274. Das macht es unmöglich, den Ort auf Höfingen OA* Leonberg, wie die OA,- 
Befchr. Leonberg thut, oder auf Öffingen OA. Gannftatt zu deuten. Nun findet fich 
in Erpfingen ein fteinernes Bundbild mit einem Namen im Heiligenfchein, welchen das 
Volk den Götzen Naborus, Nabolus, ja in neuerer Zeit Napoleon nennt (Aufzeichnung 
v. H. Pf. Eifert). Das ift klar und deutlich einer jener 4 Heiligen Bafilius, Quirinus, 
Nazarius und Nabor, deren Verehrung fich in den Lorfch gehörigen Kirchen findet 
W. Vjh. 8, 287. Man wird alfo unbedenklich Herphingen zu lefen haben, wozu fich 
der Familienname Herpfinger vergleichen läßt Roth Urk. d. Univ. Tüb. S. 506 N. 46. 

17. Sadelerhufen. 

Es ift eine der beklagenswerteften Verwirrungen im Codex Lauresham., 
daß der Kompilator die Orte des obern und unteren Neckargaus willkürlich durch 
einander geworfen hat. 

So fchieben fich zwifchen die Schenkungen in der Gegend von Weilheim 
und Biffingen OA. Eirchheim 2439 — 44 und 2455 ff. 2460 Schenkungen am untern 
Neckar in Haflmersheim, Wollenberg , Schlüchtern etc. ein. In der Mitte zwifchen 
beiden Gruppen flehen nun 2451 — 2454 die von Sadelerhufen im Neckargau, ohne 
daß fich von- felbft ergeben würde, ob diefer Ort im obern oder untern Neckar- 
gau zu fuchen wäre. Auch die Namen der Donatoren Reginher und Gifelwin geben 
keinen Anhaltspunkt Ein abgegangener Ort ähnlichen Namens ift weder im obern 
noch im untern Neckargau zu finden. Der Name felbft, fofern er von Sadeler = 
Sattler herkommen foll, befremdet. Der Sattler ift kein für das alltägliche Leben 
unferer einfachen Vorfahren fo unbedingt notwendiger Handwerker wie der Schmid. 
Während Schmidhaufen, Schmidheim nicht überrafcht, giebt es doch ein Sattlerhaufen 
und Sattlerheim fo wenig als ein Schneider- oder Schufterhaufen. Häfner-Haslach 
und Häfner-Neuhaufen find neueren Datums. Sollte das S nicht den Genitiv des 
Artikels bezeichnen und fich mit dem Nomen proprium verbunden haben, wie 
Madelberg aus „im Adelberg", Naicha aus „in Eichen" entftanden ift, und dem 
vielfach mit dem Namen verfchmolzenen Z (Zuffenhaufen, Zazenhaufen) zu vergleichen 
fein? So kämen wir auf den Namen Adelher, ohne daß wir aber damit weiter 
wären. Ich möchte zu weiterer Erwägung anheimgeben, ob der Name nicht für 
Sadelberhufen verfcbrieben fein könnte. Das Fehlen der Genitivendung findet fich 



') Nachträglich finde ich noch 1290 Vffenhufen für Zuffenhufen 0. K. 14, 96. 



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142 Boffert 

wenigftens bei Namenbildungen mit heim oft im Codex Lauresh. and wäre jedenfalls 
nicht befremdlicher, als wenn der Name von Sadeler herkäme. Sadelberhufen oder 
das gleichwertige Sadelbershufen fände fleh noch heute im Neckargau und zwar im 
obern unweit Weilheim und Biffingen, die im Codex vorangehen und nachfolgen. Es 
wäre unfer heutiges Albershaufen OA. Göppingen, deffen Zugehörigkeit zum Neckar- 
gan fich aus Baumanns Gaugraffchaften ergiebt. 

18. Wanbrechtswiler. 
Nach dem Ellwanger Necrologium erhielt Klofter Ellwangen von einer 
Schwefter Gerburgis einen manfus in Wanbrechtswiler. (W. Vierteljb. 1, 207.) 1207 
erfcheinen als Zeugen neben Herren von Wefthaufen und Zipplingen Emicho und 
Heinrich von Wumprechteswiler (OA.Befchr. Ellwangen 698). Beide Namen dürften 
identifch fein, indem das urfprüngliche a in o umgelautet wurde, was in der Nähe 
der fränkifchen Grenze, wo wir den Ort ficher fuchen muffen, nicht auffallen kann. 
Ein fchwäbifch-bayrifcher Schreiber des 13. Jahrhunderts mochte das o mit u wieder- 
geben, fo daß alfo Wanbrechtswiler erft volkstümlich zu Wonbrechteswiler und diefes 
kanzleimäßig zu Wumprechteswiler wurde. Der Ort wird gleich Zipplingen und 
Wefthaufen in der Umgebung Ellwangens zu fuchen fein. Mit Recht hat die OA.Befchr. 
Ell wangen 1. c. die Deutung auf Hummelsweiler Gem. Rofenberg zweifelhaft gelaflen; 
Humbrecht8wiler OA. Gerabronn ift zu Hummertsweiler geworden. Der W-Laut 
fitzt doch zu feft, um fich zum Hauchlaut zu verflüchtigen. Dagegen ift es keine 
Unmöglichkeit, daß er fich zu B verdichtet. Nun liegt in der Umgebung von Ell- 
wangen ein Bomprechtesweiler, heute Pommertsweiler OA. Aalen. In Pommerts- 
weiler hatte Ellwangen Befitzungen OA.Befchr. Ellw. S. 483. Allerdings kennt die 
OA.Befchr. Aalen keinen Adelsfitz in Pommertsweiler, aber fie kannte auch noch 
keine Herren von Treckebach in dem benachbarten Treppach, weil das dem Ver- 
faffer zu Gebot ftehende Material noch fehr unvollftändig war. Es wird fich lohnen, 
nachzuforfchen , ob nicht ein Flurname in der Nähe von Pommertsweiler einen 
fichern Anhaltspunkt gewährt, daß in P. ritterliche Herren faßen. 

19. Wollenberg. 

Ein Meginward fchenkt dem Klofter Ellwangen ein praedium Wollenberch. 
Ich ftelle diefen Ort hieher, weil er auch im Ellwanger Nekrolog genannt ift, glaube 
ihn aber anderswo als in der Ellwanger Gegend fuchen zu muffen. An Wollenberg 
bad. Amt Neckar-Bifchofsheim ließe fich wohl denken, da der Ellwanger Befitz 
in Wiefenbacb bei Heidelberg nicht fehr entlegen davon ift und urkundlich feftfteht 
Aber die Flurkarten kennen m. W. ein weiteres Wollenberg in einer andern Gegend, 
wo Ellwanger Befitz urkundlich feftfteht. Das ift in der Nähe von Heuchlingen 
und Duttenberg OA. Neckarfulm. Während mir für das bad. Wollenberg eine Spur 
ellwangifchen Befitzes mangelt, fteht er für die Gegend von Heuchlingen feft. So 
wird 1334 H. v. Bieringen vom Abt zu Ellwangen mit den Lehen H. von Heuchel- 
heim belehnt. Die neue OA.Befchr. Ellwangen erhebt diefen Ellwanger Befitz in 
Heuchlingen über allen Zweifel. Cf. OA.Befchr. Ellwangen S. 484 und OA.Befchr. 
Neckarfulm S. 346. 

20. Vvluolingen. 

1139 beftätigt Papft Innocenz n. dem Klofter St. Georgen feine Befitzungen. 
Unter denfelben find genannt Leidringen, Degewingen, Magerbeni, Vvluolingen, 
Baltrameshoven. Von diefen Orten bieten Leidringen und Degewingen = Täbingen 
keine Schwierigkeit. Magerbeni ift ficher Magerbein im bayr. Landgericht Harburg. 



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Boffert, Zur älteren Topographie Württembergs. 143 

Baltrameshofen hat Kausler nicht zu erklären gewagt, fondern nur auf Neugart ver- 
wiefen, der es im obern Elfaß fucht. Aus der Urkunde von 1140 W. U. 4, 350 
willen wir nun ficher, daß damit Balmertshofen OA. Neresheim gemeint ift 1 ). Da 
nun Vvluolingen zwifchen Magerbein und Balmertshofen fteht, ift es fchlechterdings 
unmöglich, diefen Ort anderswo als in der Umgegend von Magerbein und Balmerts- 
hofen zu fachen. Die Deutung auf Wilflingen bei Rottweil ift unhaltbar, cf. W. U. 
2, 200. Dagegen fcheint mir der „Walbinger" Hau, von dem ich annehme, daß er 
eigentlich Walblinger Hau hieß, bei Stetten OA. Neresheim auf das gefucbte Vvluo- 
lingen zu deuten. OA.Befchr. Neresheim S. 167. 

21. Hufen unter Kalchein. 

Nach dem Lehenbuch Eberhards des Greiners erhielt Ulrich der Wirt von 
Rottweil 8 Malter Herrengeld aus dem Hof, den Hegglin baute, zu Huren unter 
Kalchein als württembergifches Lehen 8 ). 

Der verdiente Herausgeber diefes Lehenbuches Dr. Schneider hat im Regifter 
zu diefer Örtlichkeit bemerkt: wohl eines der Haufen im OA. Rottweil. Allein weder 
nach Haufen am Thann noch nach Haufen ob Rottweil will württembergifcher Befitz 
recht paffen. Auch lautet das Kalchein fehr verdächtig. Württembergifcher Befitz 
läßt (ich aber jedenfalls Ende des 14. Jahrhunderts bei einem von Rottweil etwas 
weiter entfernten Haufen nachweifen. Das ift Haufen ob Verena oder Haufen bei 
Karpfen OA. Tuttlingen 8 ). Beachten wir, daß Rottweil 1439 gewiffe Bezugsrechte 
in Haufen ob Verena hatte, welche die OA.Befchr. Tuttlingen nicht nennt, und daß 
der Streit Stephans von Emershofen, des Inhabers von Karpfen, mit Rottweil 1440 
zu Mfinfingen vor den Grafen von Württemberg verhandelt wird, fo darf wohl anzu- 
nehmen fein, daß Württemberg ein Interefle an der Sache hatte. Ulrich der Wirt 
dürfte feine Rechte an feine Vaterftadt übertragen haben. Statt Kalchein möchte 
Kalvheim (= Kalphen 1275) zu lefen fein. Wir hätten dann das Recht anzunehmen, 
daß fchon Eberhard der Greiner ein Recht an Karpfen oder wenigftens an einen 
Teil der Herrfchaft erworben hatte. 

22. Huchelingen = Hauchlingen, Ortsteil von Nehren. 

Einer der Ortsnamen, welche den Hiftorikern immer viel Kopfzerbrechens 
verurfachte, wenn fie in Urkunden ein Huchilingen, Hucblingen mitten unter Orten 
der oberen Neckiargegend nachweifen follten! Man fehe, was Mone 9, 202 in den 
Anmerkungen zur Notitia fundationis von St. Georgen bemerkt, wo fich der Ort 
zuerft erwähnt findet. Darnach fcbenkt 1086 ein gewiffer freier Herr, wohl Her- 
mann von Meringen, dem Klofter St. Georgen ein halbes praedium in Huchilingen, 
deffen andere Hälfte er feiner Gattin Gerhilt von Hufen gefchenkt hatte. Mone fagt: 
Welches von den vieren im Wirtembergifchen gelegenen, weiß ich nicht zu beftimmen. 
P. Leuz fetzt „Buchungen". Bald darauf fchenkte Gerhilt die andere Hälfte des 
praedium auch an St. Georgen, 1. c. S. 207. St. Georgen aber trat 1092 feinen 
Befitz in den drei Dörfern Huchelingen, Nero und Ginningen an Heflb von Virft ab, 
1. c. S. 211. Die Erwähnung von Nehren, Gönningen, Mähringen, Fürft hätte Mone 
zeigen können, daß hier alle Heuerlingen in Württemberg (OA. Aalen, Gerabronn, 
Heidenheim und Neckarfulm) unmöglich find. Nicht geringer ift die Verlegenheit, 

l ) Vgl. den Befitz des Kl. St. Georgen OA.Befchr. Neresheim S. 212. 
") W. Vierteljh. 1885, 127. 
•) OA.Befchr. Tut«. S. 332 ff. 



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144 Boffert 

in der (ich der verdiente Heraasgeber des Liber decimationis, Dekan Haid, befand, 
als er mitten im Dekanat Ofterdingen 1275 eine Pfarrei Hnhelingen erwähnt fand. 
Er vermutete fogar Heuchlingen OA. Heidenheim , das doch im Bistum Augsburg 
lag und gewiß nicht im Bistum Konftanz befteuert werden konnte. Hier hat nun 
fchon die neue Lande sbefchreibung Wandel gefohafft, indem fie die Angaben der 
Notitia fundationis und des Liber decimationis ganz richtig auf das mit Nehren 
OA. Tübingen vereinigte (nicht abgegangene) Huchlingen deutete S. 414. Dagegen 
kennt fie weder den Befitz des Klofters Alpirsbach in unlerem Ort, noch erwähnt 
fie den des Klofters Stein am Rhein, den doch die OA.Befchr. Tübingen feftgeftellt 
hat S. 442. Ich vermute, daß der Herausgeber letzteren Befitz anzweifelte, weil 
er fich nach dem bisherigen Material nicht erklären ließ. Nun geht aus der Urkunde 
von 1269 (OB. 3 ; 211 und bei Glatz, Alpirsbach S. 269) hervor, daß das Klofter 
Alpirsbach fchon 1269 Befitz in Hucbelingen hatte, das auch Glatz nicht zu deuten 
wußte. 1403 am 17. März trat Alpirsbach das Patronatrecht in Huchelingen gegen 
das in Oberifflingen an Abt Konrad von Stein ab (Glatz 1. c. S. 210), und fo konnte 
Herzog Ulrich 1543 das Pfarrlehen, das aber nicht „in fehr früher Zeit" an 
Klofter Stein gekommen war (OAJBefcbr. Tüb. S. 442), von der Stadt Zürich ein- 
taufchen. Wie die in ihren hiftor. Angaben nicht ftarke zweite Ausgabe der „evangel. 
Kirchenftellen in Württemberg a dazu kommt zu fagen, Nehren fei vor der Refor- 
mation Filial von Ofterdingen gewefen, weiß ich nicht zu fagen. (Fortf, folgt.) 



Klofter Bruderhartmannszell. 

Überfiohtliche Gefchichte des Klofters. 
Von Guftav Boffert. 

Die Gefchichte des Prämonftratenferklöfterleins Bruderhartmannszell auf dem 
jetzigen „Klofterhof a 0,7 km weltlich von Haufen am Bach OA. Gerabronn gehört zu 
den dunkelften Partien der Gefchichte des württembergifchen Franken. UlTermann 
in feinem Werk über das Bistum Würzburg nennt das Klofter unter dem Namen Haufen 
nur bei Aufzählung der unter der Aufficht des Abts von Oberzell ftehenden Frauen- 
klöfter S. 386, ohne desfelben fonft auch nur mit einem Wort zu gedenken. In den 
reichhaltigen Sammlungen, welche Hermann Bauer hinterlaffen, findet fich auch nicht 
die kleinfte Notiz über die Gefchichte des Klofters. Ebenfo wenig giebt Wibel. Das 
Lagerbuch württembergifcher Gefchichte, das ausgezeichnete Werk von Stalin, kennt 
das Klofter nicht. 

Seit Jahren habe ich mit vieler Mühe gefucht, das Material für die Gefchichte 
von Bruderhartmannszell zufammen zu bringen. Einige kurze Notizen habe ich aus der 
Chronik des Rothenburger Archivars Albrecht in W. F. 10, S. 174 veröffentlicht. Das 
Kreisarchiv Nürnberg befitzt nur eine Urkunde aus dem Jahr 1406, das Staatsarchiv 
in Stuttgart nur die in der OA.Befchreibung Gerabronn verwendeten Urkunden über 
den Befitz des Klofters in Hegenau. Aus den Quellen für die Gefchichte des Haufes 
Hohenlohe war auch nur fehr wenig zu gewinnen. Rothenburg, das den Schirm und 
Schutz über Bruderhartmannszell hatte, mußte ficher noch Material bieten, aber wie 
dazu gelangen? Da kam mir der um die Gefchichte feiner Vaterftadt Rothenburg wohl 
verdiente Hr. Weißbecker zu Hilfe. Diefer Mann mit feinem Eifer und feiner Hin- 
gabe an die Urkundenforfchung im Archiv feiner Vaterftadt verdient alle Anerkennung, 
ift er doch ein wahrer Pfadfinder für die bis jetzt noch vielfach unbekannten Schätze 



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Klofter Bf uderbartmannszell. 145 

des reichhaltigen Archivs in Rothenburg Hat er doch allein für die Gefchichte Ludwig 
des Bayern 13 bis jetzt unbekannte Urkunden aufgefunden und für die Supplemente 
der Monumenta Zollerana bei 100 der Redaktion zur Verfügung geftellt. Seine Publi- 
kation von Siegeln nach Urkunden des Rothenburgei: Archivs in der Zeitfchrift Herold 
Jahrg. 1884 und 1885 fördert unfere Kenntnis fränkifcher Gefchlechter in dankens- 
wertefter Weife. 

• Für die Gefchichte von Bruderhartmannszell hat mir Hr. Weißbecker mit 
großer Zuvorkommenheit erft feine Abfchriften von Urkunden und Urkundenausztigen 
mitgeteilt, welche f. Z. der Rothenburger Archivar Adam Ehrhard (geb. 1661, -f- 1718, 
cf. Winterbach, Gefchichte Rothenburgs 2, 152) aus einem alten Büchlein in Duodez 
mit 1 2 Blättern gemacht hatte. Dasfelbe gehörte dem Spital Rothenburg und lag in 
der Lade „Bruderhartmann". Dann hatte Hr. Weißbecker das Glück, ein Heft „Acta 
des Klofters" mit Papierurkunden des Klofters größtenteils aus dem 16. Jahrhundert 
und endlich einen wertvollen Sammelband mit Pergamenturkunden des Klofters, deren 
ältefte aus dem Jahr 1290 flammt, und mit alten Abfchriften der Weihe- und Beftä- 
tigungsurkunde von 1214 und 1217 zu entdecken. 

Nicht genug, daß er mir wertvolle Mitteilungen daraus machte, hat er mir 
vom hohen Stadtmagiftrat zu Rothenburg, unter deflen neuem Bürgermeifter für die # 
•Gefchichtsforfchung eine neue Aera anbricht, die Erlaubnis erwirkt, die ebengenannten 
Quellen auf dem Amtsgericht Langenburg benützen zu dürfen. Das Ergebnis meiner 
Arbeit bildet die nachfolgende zufammenfaffende Darfteilung der Gefchichte des Klofters, 
der die Urkunden als zweiter Teil fpäter folgen werden. 

Hat das Klofter, deflen Gefchichte im Nachstehenden verzeichnet ift, nie große 
Bedeutung erlangt, fo wirft feine Gefchichte doch in den älteften Urkunden ein wert- 
volles Licht auf die wenig bekannte Gefchichte der Gegend von Haufen und Brettheira 
und auf die Familie der Herrn von Lobdeburg und Nortenberg und fpäter auf die 
Gefchichte des Bauernkriegs um Rothenburg. Die letzten 40 Jahre des Klofters 
dürften auch kulturgefchichtlich nicht ganz unintereflant fein. Das Ganze aber zeigt, 
wie vieles noch eine glückliche Hand aus den Schätzen mancher alten Reichsftadt 
und nicht am wenigften Rothenburgs zu erheben hat. 

1. Die Gründung der Cella S. Kunegundis. • 

Die Oberamtsbefchreibung Gerabronn S. 147 fagt, das Klofter Bruderhartmannszell 
fei nach einigen von den Herrn von Bebenburg, nach andern von Bifchof Sigeboto von 
Havelberg 1214 geftiftet worden. Sauter in feiner praktifchen, wenn auch nur popu- 
lären und für Franken unvollständigen Überficht über die Klofter Württembergs nimmt 
das Jahr 1214 als Jahr der Gründang des Klofters an. Zur Erklärung des Namens 
Bruderhartmannszell fehlte es bisher an jeder Grundlage. Aus den nunmehr vor- 
liegenden Quellen ergiebt fleh nun klar, daß das Klofter weder von den Herrn von 
Bebenburg noch von Bifchof Sigeboto von Havelberg, deflen Auftreten völlig unver- 
ftändlich blieb, gegründet wurde, und daß das Jahr 1214 nicht das Jahr einer Klofter- 
gründung, fondern der Weihe einer Kapelle durch den Bifchof von Havelberg bedeutet» 
Der Ort, auf dem das fpätere Klofter ftand, hieß Durzbrunn. Noch iut 
16. Jahrhundert finden fich Durßwiefen beim Klofter. Der Hirfchberg, welchen $e 
topographifche Kante fiidlich vom heutigen Klofterhof verzeichnet, ift wohl nur ein 
Mißverftändnis für Dürfchberg. Der Name des Orts dürfte auf diefelbe Wurzel zurück- 
zuführen fein wie Torcebach, heute Dörzbach, und Tirfchenreut, alt Turfenreut. Zu 
Grunde liegen wird der Perfonname Tiurizo, nach dem fich der Ort Tiurizis = Theuerzen 
OA. Gaildorf nannte. Durzbrunn gehörte zu Anfang des 13. Jahrhunderts zur Pfarrei 

WQrttemb. Vierteljnhrshefto 1887. * 10 



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146 Boffert 

Infingen (Ingefingen, Ingeflnde bayr. öftl. von Haufen). Nach alter Tradition des 
Klofters, die in einem Gültbüchlein des Klofters aus dem 14. Jahrhundert aufgezeichnet 
ift, gründete hier 1202 zu den Zeiten K. Philipps und Papft Innocenz III. unter dem 
Epifkopat B. Konrads von Würzburg (1198— 1202) ein Bruder Hartmann eine geiftliche 
Nieder laffung, die er Cella fanctae Eunegundis nannte. Den Ort, auf den Hartmann 
jedenfalls kein unanfechtbares Recht befaß, ließ er fich nach der eben genannten 
Quelle vom Papft Innocenz felbft zufprechen (a cuius manu locum fuscepit). Diefe 
Nachricht des alten Gültbüchleins kann kaum eine fpätere Erfindung aus der Zeit 
der Anlage des Büchleins fein, fondern verdient nach Vergleichung aller Daten und 
der Urkunden von 1214, 1217 und 1290 Glauben. Eine fpäte Sage hätte keine 
folche Klarheit über das Zufammenftimmen der Regierungszeit K. Philipps, des Papftes 
Innocenz und des Bifchofs Konrad aufzuweifen, wie unfere Quelle. Sie hätte kaum 
den fpäter völlig verfchollenen Namen Cella f. Kunegundis noch bewahrt und den 
Anfang des Klofters nicht fo befcheiden als NiederlaJTung eines Einfiedlers hingeftellt 
Statt des Jahres 1202 hätte fich die Sage eher an das Jahr der Weihe der Kapelle 
durch den Bifchof von Havelberg gehalten. 

Aus der Urkunde Bifchof Ottos von 1217 ergiebt fich, daß Konrad von Stol- 
berg, ein kaiferlicher Dienftmann aus der Familie der in der Umgegend begüterten 
'Herrn von Nortenberg, wenn er auch nicht wirklich der urfprüngliche Grundherr war, 
jedenfalls Anfprüche auf den Befitz des Orts Durzbrunn machte, wo Hartmann die 
Zelle gründete. Hartmann mochte befürchten, vor deutfchen Gerichten feine Gründung 
gegenüber den Rechtsanfprüchen Konrads von Stolberg nicht fichern zu können, und 
wandte fich darum an den Papft, der ihm den Ort zufprach. Konrad von Stolberg 
war nun in einer fchwierigen Lage. Gegen den Ausfpruch Roms konnte er bei der 
bald eintretenden Verwirrung nach Philipps Tod und der Ermordung Bifchof Konrads 
nicht aufkommen. Direkt ihn anzuerkennen, mochte ihm fein Stolz nicht erlauben, 
und fo fchenkte er den Ort an Bifchof Otto von Würzburg, deffen Dienftmann er 
1215 wurde (Mon. boic 37, 195). Otto aber fchenkte das Eigentumsrecht an Durzbrunn 
dem Abt von Oberzell, dem er fomit die neue Anlage unterordnete. Hartmann mochte 
fich mit dem Abt von Oberzell leicht verftändigen. Jedenfalls gelang es ihm, das 
Interefle der Gläubigen für feine Gründung rege zu machen, an frommen Spenden 
fehlte es nicht. So erftand denn bald ein Bau, den Bifchof Otto nur mit dem viel- 
deutigen Namen „fabrica quaedam" bezeichnen kann. Es war jedenfalls keine größere, 
in einen Ordensverband eingegliederte geiftliche Niederlaflung, fondern nur eine Ein- 
fiedelei, auf welche vielleicht noch der Flurname Einfiedel nordweftlich vom Klofter- 
hof hinweift, eine cella mit einer Kapelle, die ficher von Anfang einen Altar hatte. 

Auffallend ift bei der Weihe der Kapelle, daß Bifchof Sigeboto von Havelberg 
1214 nur 2 Altäre weihte, während für die heiligen Gegenftände der Kirche nach alter 
Regel die ungerade Zahl maßgebend ift, fo daß alfo die beiden neugeweihten Altäre 
fchon einen beftehenden Altar als 3. vorausfetzen. 

In den kurzen 12 Jahren muß der Wolilftand der Kapelle bedeutend gewachfen 
fein, denn die große Anzahl von Reliquien, welche die beiden 1214 geweihten Altäre 
bekamen, fetzt reiche Mittel zur Erwerbung folcher nicht billigen Heiltümer voraus. 
Ebenfo muß die Kapelle eine anfehnliche Größe erhalten haben, wenn fie 1214 fchon 
die für eine Pfarrkirche gewöhnliche Anzahl Altäre befaß. 

Die bifchöfliche Weihe hatte die Kapelle bis jetzt nicht. Am 16. und 17. 
Mai 1214 gelang es Hartmann, diefelbe zu bewerkstelligen. Eigentümlicher Weife 
aber erteilte nicht der Diözefanbifchof die Weihe, fondern Bifchof Sigeboto von 
Havelberg. 



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Elofter Bruderhartmannszell. 147 

Wenn bisher, z. B. in der OA.B. Gerabronn von einer Gründung des Klofters 
Bruderhartmannszell durch Sigeboto 1214 die Rede war, fo ift das eine offenbare 
Verwechfelung mit der Weihe der Kapelle. Wie Sigeboto von Havelberg dazu berufen 
ward, für den Bifchof von Würzburg thätig zu fein, ift noch unklar. Überhaupt 
fcheint die Gefchichte der Bifchöfe von Havelberg noch im Argen zu liegen. Die Daten 
in Potthafts Bifchofsverzeichnis ftimmen mit den fonftigen Nachrichten nicht überein. 
Nach Uffermaun ep. Wirceb. S. 488 ift Bifchof Lambert, richtiger Hellembertus, Sigebots 
Vorgänger, 1210 am 8. Mai im Klofter VeJßra thätig, während doch Sigeboto fchon 
am 19, und 31. Mai 1209 als Bifchof auftritt 1 ). Wiederum nennt Böhmer am 26. April 
1220 einen Bifchof H. v. Havelberg, nach Potthaft aber heißt Sigebotos Nachfolger 
Wilhelm, der fchon 1219 fein Amt angetreten haben foll. Und doch weihte Sigeboto 
noch 1221 die Kirche zu Oberafpach (OA. Hall W. IL 3, 120). Wilhelm aber erfcheint 
ab Vertreter des Bifchofs von Würzburg am 4. Mai 1244 im Klofter Veßra thätig. 
(Uffermann ep. Wirc S. 488). Sollten Sigeboto und Wilhelm zugleich Weihbifchöfe 
von Würzburg gewefen fein? Uffermann nennt S. 187 als folchen einen Bifchof Jo- 
hann von Havelberg vor 1263, der aber nie exiftierte. Daß Bifchof Otto fich gerne bei 
Handlungen vertreten ließ, die ihn nötigten, Reifen zu machen, erklärt fich aus der 
Furcht vor Meuchelmördern , denen fein Vorgänger zum Opfer gefallen war. Cf. die 
Urkunde des Papfts Honorius III. vom 4. Auguft 1215 bei Böhmer. 

Aber daß er fich nicht einmal dazu hergab, einer Gründung, die von keinem 
andern als feinem eigenen Bruder ausgieng, feine bifchöfliche Weihe zu geben, ift 
fchwer erklärlich. Es muffen hier noch Verhältniffe obgewaltet haben, die wir nicht 
kennen. Möglicherweife mochte ihn der noch nicht beigelegte, fogleich zu befprechende 
Streit mit dem Pfarrer von Infingen bewegen, nicht perfönlich für die Kapelle einzu- 
treten, fondern eher feinen Stellvertreter zu fenden. Daß er die Weihe gerade durch 
den Bifchof von Havelberg vollziehen ließ, mag darin feinen Grund haben, daß diefer 
dem Prämonftratenfer-Orden angehörte, dem die neue Gründung durch Zuweifung an 
das Klofter Oberzell unterftellt worden war. 

Die Kapelle war nun geweiht und zwar der wenige Jahre zuvor (1200) zur 
Heiligen erhobenen Königin Kunigunde, welche etliche Stunden nördlich von unferem 
Ort zwifchen Waldmannshofen und Biberehren ein fchönes Heiligtum in der Kunigunden- 
kapelle erhalten follte. Nach ihr nannte fich Hartmanns Niederlaffung Cella f. Kuni- 
gundis. Aber große Schwierigkeiten bereitete das noch nicht geregelte Verhältnis der 
Kapelle zu der Pfarrkirche von Infingen, in deren Sprengel fie lag. Der bedeutende 
Zulauf zur Kapelle, ihre Ausftattung mit Reliquien und ihre fteigenden Einnahmen 
machten den dortigen Pfarrer Sigeloh beforgt für feine Kirche und deren Einkünfte, 
wie für fein Parochialrecht Er erhob Klage gegen Hartmann und fuchte offenbar 
deffen Gründung als eine kirchlich nicht berechtigte anzufechten. So mußte fich der 
Einfiedler entfchließen, ihn durch Abtretung von 4 Morgen Weinberg bei Frickenhaufen 
am Main zu begütigen, und jedes Jahr eine Kerze von 1 U Wachs auf Michaelis in 



*) Nach gütiger Mitteilung ans Brandenburg, die ich Hrn. Geh. Archivar Dr. v. Mülverftedt 
in Magdeburg verdanke, fagt das Chronicon Moutis Sereni ed. Eckftein p. 78: Hellembertus Havel- 
bergen fis epifcopus obiit, cui fucceffit Sibotp de Steindale decanus, was Leutz Ötiftshiftoric von 
Havelberg auf Stendal deutet. Siboto war der Freund K. Ottos IV. und feierte mit. ihm 1209 
das Pfingftfeft in Braunfchweigj Arnold Lubec. MG. H. XXI, 246. Magdeb. Reg. II, p. 837, und 
befand fich bei ihm in Würzburg am 31. Mai und 2. Juni 1209, wie er auch bei Friedrich II. 
am 11. Mai 1216 in Würzbnrg war. Nach dem Fragment der Havelberger Bistumschronik 
wurde Sibotos Nachfolger Wilhelm fchon 1219 ordiniert (Riedel II, 290) und Wilhelm nennt das 
Jahr 1240 das 21. feiner Amtsführung Leuckfeld antiq. Pöld. S. 41 A. a. 



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148 Boffert 

die Kirche von Infingen zu liefern. Am 18. Jan. 1217 bestätigte Bifchof Otto den Vertrag 
zwischen Pfarrer Sigeloh und Hartmann. Leider fagt die Urkunde nicht, ob Hartmann 
die Entschädigung aus dem Befiiz der Kapelle oder, was wahrscheinlicher ift, aus feinem 
ISgmtatt gab. Ift letzteres der Fall, fo haben wir einen Anhaltspunkt für die Frage: 
-wer ift der Grunder von Bruderhartmannszell? 

Uifchof Otto nennt den Gründer feinen geliebten Bruder Hartmann. Ift das 
wörtlich oder tropifch zu nehmen, ift Hartmann ein leiblicher oder geiftlicher Bruder 
Bifchof Ottos, etwa ein Canonikus eines Stiftes oder ein fpäter in den geistlichen 
Stand getretener Herr von Adel? Bifchof Otto ftammt aus dem Gefchlecht der Herrn von 
Lobdeburg-Leuchtenberg, die, weit von der Gegend von Durßbrunn, in Thüringen bei 
Jena, aber auch in der Oberpfalz angefeffen waren. Es Scheint erft nicht wahrscheinlich, 
daß einer dieSes Gefchlechts mitten in dem Gebiet ftaufifcher Dienftmannen Sich Sollte 
niedergelaffen haben , da er doch auf den eigenen Befitzungen jedenfalls Orte genug 
finden mochte, die zu einer Einfiedelei mehr einluden als das reizlofe Durßbrunn in 
jener flachen, einförmigen Hochebene, die man heutzutage unter dem Namen „Landwehr" 
kennt. Es läge nahe, Hartmann als einen Angehörigen des Haufes Schillingsfürft zu 
betrachten, bei dem der Name Hartmann nicht Selten ift. Wir kennen einen Solchen 
v. Jahr 1156 W. U. 2, 103. 1177 mit Seiner Gattin Kunigunde Uffermann 1c. 447. 
1180 R. boic. 1, 311, wo Sicher Hartmann Statt Hermann zu leSen iSt. 1187 Jung 
MiScell. 1 , 4. Man könnte für die Beziehung auf diefen Schillingsfürfter noch die 
Bedeutung, welche die heil. Kunigunde mit ihren Reliquien bei der Weihung der Altäre 
1214 und als Patronin der cella einnahm, geltend machen. Denn das könnte als 
ein Akt der CourtoiSie gegen die verstorbene Gattin betrachtet werden , wenn der 
Gründer der cella der 1177 — 80 erscheinende nun betagte Hartmann wäre, oder als 
Ausdruck kindlicher Liebe, wenn wir in Bruder Hartmann einen Sohn der 1177 
genannten Kunigunde Sehen dürften. Allein es fcheint doch ganz unzweifelhaft, daß 
frdter nofter im eigentlichen Sinn als leiblicher Bruder zu verstehen iSt. Zunächft 
iSt es der natürlichste Sinn des Wortlautes. Sodann hat BiSchof Otto von Lobdeburg 
wirklich einen Bruder Hartmann 1186 cf. Reg. b. 1, 335. Endlich hatten gerade in 
Frickenhaufen und Umgegend die Lobdeburger Befitz. Denn Bifchof Otto Stiftete 
1223 in das KloSter AhauSen, einer Gründung Seines Ahnen Hartmanns von Lobdeburg, 
1 Fuder Wein von FrickenhauSen und vermachte demselben einen Seiner Arme. 
CaSp. BruSchius ] 68. Jahresb. für Mittelfr. 27, 35. In demfelben FrickenhauSen giebt 
Hartmann, der Stifter der Cella Kunegundis, dem Pfarrer von Infingen eine Ent- 
fchädigung. Es fcheint demnach keinem Zweifel mehr zu unterliegen, daß der Stifter, 
nach dem Sich Bruderhartmannszell nannte, ein Bruder BiSchofe Otto v, Würzburg, ein 
Herr von Lobdeburg war. 

Um So auffallender ift, daß nach einer kurzen Zeit des jugendlichen Erblühens 
die Stiftung Hartmanns in ihrer Entwicklung ftille ftand, während man annnehmen 
Sollte , die BiSchofe von Würzburg aus dem Lobdeburger Haufe, erft Otto bis 1223 
und Hermann in der langen Regierungszeit von 1225—1254, hätten das Werk des 
Bruders und Oheims gepflegt und gehoben. Zwar fehlt uns von 1217—1290 jeder 
urkundliche Anhaltspunkt über die Gefchichte von Bruderhartmannszell, aber die Ur- 
kunde Abt Konrads von Oberzell v. 1290 zeigt, daß damals Durßbrunn verwaift und 
herrenlos war. 

2. Das PrämonStratenSerkloSter Frauenhaufen. 

Im Jahr 1290 übergab Abt Konrad von Oberzell auf Grund des von Bifchof 
Otto gcfchenkten Eigentumsrechtes die Kirche zu Haufen, genannt Durßbrunn, an die 



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Klofter Bruderhartmannszell. 149 

3 Töchter Walters von Sulz bei Kirchberg. Walter von Sulz war in Hilgartshaufen 
bei Brettheim, alfo ganz in der Nähe, begütert gewefen. 

Eine weitere Anlage bei der Kirche wird nicht erwähnt, ift aber anzunehmen, 
da die Schweftern dort ohne weiteres ein klöfterliches Leben beginnen können und 
eine Aufnahme von weiteren Frauen als möglich vorausgefetzt wird. Wer bisher bei 
der Kirche Gott gedient, von wem Hartmanns Bau bewohnt gewefen war, wird nicht 
erwähnt. Das Haus muß verödet gewefen fein, da es nicht nötig war, die früheren 
Bewohner abzufinden und zu verforgen. 

Die Schenkung Abt Konrads fetzt voraus, daß die 3 Schweftern in den Prämon- 
ftratenferorden eintreten und ihr klöfterliches Leben nach dem Vorbild von Schäfters- 
heim, das auch unter der Aufficht von Oberzeil ftand, einrichten. 

Fortan hieß das Klofter Frauenhaufen. Denn die Urkunde Lupolds von 
Bebenburg von 1338 kennt nur diefen Namen, und Lupoid von Bebenburg, der Offizial 
von Würzburg, der tüchtig gefchulte Jurift, war mit dem offiziellen Namen des Klofters 
bekannt. Ebenfo hat das ältefte Siegel des Klofters die ümfchrift S. CONVEN- 
TVS S. MON. IN VRAVENHAVSEN. In der offiziellen Statiftik des Bistums Würzburg, 
in dem wertvollen Codex Michaels de Leone, führt unfer Klofter den Namen „zu den 
Hufen, alias zu Bruder Hartmann". Neben dem offiziellen Namen Frauenhaufen bürgerte 
fich alfo allmählich der im Volksmunde gebräuchliche Bruder Hartmann ein, welcher 
mit dem J. 1342 als amtlicher erfcheint. Dagegen war der topographifche Name 
Durßbrunn und der erfte offizielle Name Cella f. Kunegundis gänzlich verfchwunden. 

Jetzt waren es die Gnaden des Prämonftratenferordens, die vom Klofter aus 
dem gläubigen Volk dargeboten wurden und das Volk zur Gutthätigkeit gegen dasfelbe 
bewogen. Wir befitzen unter den Dokumenten des Klofters noch eine Zufammenftellung 
der Herrlichkeit und der Gnaden des Ordens, die offenbar dazu dienten, in den Gottes- 
dieuften dem Volk den Orden zu preifen. Hier wurde dem Volk vorgehalten, wie die 
Stiftung des Ordens durch Norbert, Erzbifchof von Magdeburg, von der Gottesmutter 
felbft veranlaßt fei. 1 300 Mannsklöfter und 1 040 Frauenklöfter gehören zu dem- 
felben. 7 erzbifchöfliche Stühle und 9 bifchöfliche befitze der Orden. Diefe Bifchöfe 
haben dem Orden für feine Wohlthäter, die ihre Sünden bereuen und gebeichtet, 
Ablaß von 100 Karen (40 tägige Büß- und Faftenzeit, quadragefima) und von 5 Jahr 
für Todfünden gegeben. Überdies werden fie aller Verdienfte des ganzen Ordens teil- 
haftig. Der Orden halte in allen Klöftern täglich 3 Meffen, die erfte für die Sünden, 
die zweite zu Ehren Marias, die dritte zum Beften der verftorbenen Gläubigen, die 
des Ordens gute Freunde find. Für Teilnahme an den fefttäglichen und fonntäglichen 
Prozefllonen in den Klöftern erlange man 300 Tage Ablaß für tägliche und 100 Tage 
für Todfünden. 

Trotz diefer Gnaden kränkelte das Klofter doch. Wir kennen allerdings 
feine Gefchichte für die nächften 40 Jahre nicht. Es fcheint, daß der umliegende 
Adel, befonders die Herren von Bebenburg, das Klofter begabten. Dankbar gedenkt 
ihrer das Necrologium des Klofters, das nicht weniger als 11 Glieder diefes Haufes 
im Gedächtnis bewahrte. Auch bezeugt Lupoid von Bebenburg in feiner Urkunde 
noch ausdrücklich die Wohlthätigkeit feiner Ahnen gegen das Klofter. Allein trotzdem 
zerfiel das Klofter innerlich und äußerlich. Es bedurfte einer gründlichen Reformation 
und eines Neubaues feiner Behaufung. An Mitteln zu diefem Bau gebrach es, die 
Herren von Bebenburg wurden auch von andern Klöftern der Gegend in Anfpruch 
genommen, fo von Schäftersheim , und hart neben ihrer Burg in Gammesfeld ftand 
eine Klaufe, deren Bewohnerinnen von der offenen Hand der Bebenburg lebten. 

In diefer Not ward Lupoid von Bebenburg, der ausgezeichnete Jurift und 



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150 Boffert 

Schriftfteller, der Rat Ludwigs des Bayern , der kühne Verfechter der Selbftändigkeit 
des deutfchen Kaiferthrons , der Wohlthäter des zerfallenden Klöfterleins. Gerade in 
jenem Jahr, da Lupoid auf dem Reichstag zu Frankfurt 1338 feinen größten Einfluß 
ausübte und den Kurverein von Renfe entftehen fah, fandte er einen Priefter Konrad 
von Hopferftatt mit einem Empfehlungsbrief aus, um für den Neubau des Klofters 
Gaben zu fammeln. Der Name Lupolds, der fo hoch angefehen und weit in deutfchen 
Landen bekannt war, mußte dazu helfen, daß das Klofter die Mittel bekam, um feine 
Behaufung neu aufzubauen. 

Aber die Mauern mochten feft ftehen, das innere Leben war damit noch 
nicht aus feinem Zerfall gehoben. Wirklich fcheint aber Lupoid von Bebenburg auch 
eine neue Belebung des Geiftes im Klofter gelungen zu fein. Daß ein frifcheres 
Leben in dasfelbe eingezogen war, davon zeugen indirekt, aber ganz klar die Erwer- 
bungen, die dem Klofter jetzt möglich wurden. Denn im Leben der Klofter läßt fich 
die Beobachtung machen, daß Erfchlaffen des religiöfen Sinnes und des chriftlichen 
Eifers alsbald Hand in Hand geht mit Verarmung, Schulden, Veräußerung der Klofter- 
güter, während religiöfe Erhebung wieder Zutrauen und Liebe in der Umgebung 
weckt Stiftungen von Seelgeräten und Schenkungen kommen dann von felbft, und 
des Klofters Befitz erweitert fich. Es ift vielfach die Anfchauung verbreitet, daß bei 
den Erwerbungen der Klofter durchaus nur die ungeiftliche llabfucht wirkfam gewefen 
und unlautere Mittel den Klöftern ihre Reichtümer verfchaift haben. Diefe Anfchau- 
ung hat einige Berechtigung für die Zeit des zu Ende gehenden Mittelalters, da der 
Geift in den Klöftern tief gefunken war, aber jenes Geldmachen mit ungeiftlichen 
Mitteln rief auf der einen Seite bald die Wut der Bauern im Bauernkrieg hervor, 
die fich befonders gegen die Klofter wendete, und auf der andern Seite war fie die 
Veranlagung, daß die Klofter in der Reformation in Verruf kamen und verödeten. 
Allein die Anfchauung von der Habfucht der Klofter im allgemeinen ift einfeitig und 
ungerecht. Denn fie vergißt, daß die Habfucht und Unlauterkeit allenthalben fich 
felbft die Herzen verfchließt. Da wird nichts gefchenkt und geftiftet, da helfen keine 
freiwilligen Gaben mehr, auch durch Kauf Erwerbungen zu machen. Jetzt kommt es, 
wie gefagt, bei unferem Klofter zu neuen Erwerbungen als Folge neuen inneren Auf- 
fchwungs. Für die neue Periode des Klofters tritt nun bezeichnender Weife mit einem 
mal auch ein neuer Name auf. Es ift der Name Bruder Hartmann. 

3. Bruderhartmann bis zum Ende des Mittelalters. 

Wie das benachbarte Frauenklofter Sulz, das dem gleichen Orden angehörte, 
fo hatte auch Bruderhartmann das Vertrauen des benachbarten Adels zu genießen. 
In beide Klofter traten gerne Töchter aus den ritterbtirtigen Gefchlechtern , die Mei- 
fterinnen der beiden Klofter find meift adelige Damen. Bei Sulz fcheint es ausnahmslofe 
Regel gewefen zu lein, dagegen trat in Bruderhartmann gegen Ende des 15. Jahr- 
hunderts das bürgerliche Element ftärker auf. Mehrere der letzten Meifterinnen gehörten 
dem Bürgerftand an. 

Unter den Wohlthätern des Klofters überwog um die Mitte des 14. Jahrhunderts 
der Adel. Die Urkunden wie das Necrologium nennen unter denfelben die Herrn von 
Bebenburg, Crailsheim, Hornburg, Kirchberg, Sulz, Seideneck, Veinau, Wiefenbach, 
Wittftadt. Bald aber find es die wohlhabenden Städter von Rothenburg (Bonacker, 
Geyer, Bermetter, Spelter, Trüb, Wolfhart, Leyß) und Dinkelsbühl (Luft, Fleifchmann), 
aber auch von Nürnberg (Volkmayer, Metesholz, Schwarz), denen das Klofter Konven- 
tualen und Gaben verdankte. 



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Klofter ßruderhartmaiinszell. 151 

Der Adel begabte das Elofter mit liegenden Gütern und Einkünften an Gülten, 
der Städter gab lieber bares Geld. 

Der Befitz des Klofters war zwar nie anfehnlich, muß aber um die Mitte 
des 14. Jahrhunderts größer gewefen fein als fpäter, denn manche feiner damaligen 
Güter und Rechte find hernach in andern Händen, (o der Weinzehnte zu Eibelftadt, 
deflen Wert 100 % Heller betrug, in den Händen des Stifts S. Jakob zu Bamberg, 
der Zehnte zu Bellershaufen (Beldrichshaufen) groß und klein 1357 im Befitz der 
Familie Streckfuß von Lauda. Weinberge in der Markung Haltenbergftetten waren 
an Bürger dafelbft gekommen. 

Wir kennen Befitz des Klofters im OA. Gerabronn zu Brettheim, Brettach, 
(Kleinbrettheim), Gaminesfeld, Haufen, Hegenau, Herrenthierbach, Kienhart, Limbach, 
Niederftetten, Raboldshaufen, Reubach, im OA. Crailsheim zu Wolfartsweiler, abg. bei 
Groningen. Klofterhöfe, welche das Klofter felbft durch einen Hofmann betreiben 
ließ, waren in Hegenau und beim Klofter felbft. Doch zog es die Meifterin 1380 
vor, in Hegenau den Bau durch einen Hofmann aufzugeben. Man fchied aus dem 
Hofgut eine Anzahl Äcker und Wiefen aus, die wahrfcheinlich verkauft wurden, und 
gab dann das übrige Gut einem Bauern als Lehen gegen 5 % H., 1 Malter Haber, 
50 Eier, 5 Käfe, 2 Herbft- und ein Faftnachtshuhn. Selbftverftändlich haftete auf 
dem Lehensgut Dienft, Handlohn und Hauptrecht. Von dem Klofterhof beim Klofter 
gab der Hofmann den halben Ertrag an das Klofter. 

Der Grundbefitz des Klofters bei der Säkularifation war unbedeutend und recht- 
fertigt die Klagen von Meifterin und Konvent über die Armut des Klöfterleins. Rothen- 
burg bekam vom Klofter 66 Morgen Äcker, 22 Tagwerk Wiefen, J2 Schilling Gült, 
OA.B. Gerabronn 148. Entfprechend dem Befitzftand war auch die Anzahl der Klofter- 
frauen eine befchränkte. Mag diefelbe auch im 14. Jahrhundert größer gewefen 
fein, in den letzten Zeiten vor der Reformation zählte der Konvent meift 3 — 4 Mit- 
glieder, die nach der Ordnung der Prämonftratenferklöfter unter einer Meifterin und 
einer Priorin ftanden. Zur Aufnahme einer Konventualin bedurfte es der Genehmigung 
des Abts von Oberzeil, dem man alljährlich einmal auch Rechenfchaft über das Klofter- 
vermögen und Schulden, wie über den ganzen Zuftand des Klofters abzulegen hatte, 
und zwar mußte das die Meifterin perfönlich thun. (Urk. v. 1401.) 

Das Schirmrecht über das Klofter hatte jedenfalls fchon 1401 die Stadt Rothen- 
burg. Wahrfcheinlich hatte fie dasfelbe von den Herrn von Sulz oder Bebenburg er- 
worben, aber wann? 

Die Aufnahme einer Nonne wurde als kaufmännifches Gefchäft behandelt. Die 
Eltern oder Verwandten kauften der künftigen Klofterfrau eine lebenslängliche Pfründe, 
deren Kaufpreis fich nach dem Vermögen der Eltern richtete und etwa dem künftigen 
Vater- und Muttererbe entfprach. Von Barbara Jakobin bekam das Klofter 1489 die 
für jene Zeit anfehnliche Summe von 100 fl. und fpäter noch einmal 40 fl. Bei der 
Einkleidung einer Nonne feierte man auf Koften der Eltern oder Verwandten eine 
Nonnenhochzeit, die einen ziemlichen Aufwand verurfachte. Eine folche koftete 1489 
die Eltern 40 fl. Bedenkt man die damaligen Preife für Wein, Brot und Fleifch, fo 
ergiebt fich, daß jene Hochzeit im Klofter eine flotte gewefen fein muß. 

Die Erfcheinung, daß Klöfterlinge aus dem einen Klofter bald wegen Unzu- 
friedenheit mit der Leitung und dem Geift im Klofter bald infolge perfönlicher 
Reibungen austraten, um in einem andern Unterkunft zu fuchen, konnte zu Ende des 
Mittelalters nicht auffallen. Bruderhartmannszell fcheint ein ultimum refugium für 
folche Frauen gewefen zu fein, welche mit ihrem erften Klofter zerfallen waren. Um 
1401 hatte die Meifterin eine Nonne aufgenommen , welche ohne Erlaubnis des Abts 



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152 Boffert 

von Oberzeil aus ihrem Klofter gefahren war. Es galt das als fchwerer Frevel, denn 
wo die entflohene Nonne fich aufhielt, follte kein Priefter die Meffe fingen noch aus- 
und eingehen. Die Meifterin kümmerte fich um diefe Strafe nichts. Vielleicht ift die 
betreffende Nonne jene Elifabeth Zobel, welche endlich im Jahr 1404 auf ihre Frauen- 
pfründe in Schäftersheim verzichtete. Wibel 2, 343. 

Im nahen Klofter Sulz hatte die Meifterin Barbara von Crailsheim 1498 ihre 
Würde niedergelegt. An ihre Stelle kam Brigitta von Auffeß, die aber ihre Konvents- 
frauen etwas kurz gehalten zu haben fcheint. Es gab deswegen täglich Zank und 
Streit im Klofter. Die Führerin der Oppofition war die Priorin Magdalena von Mul- 
fingen. Die unzufriedenen Nonnen wandten fich an den Abt von Oberzeil, der ihnen 
die alten Rechte der Konventfrauen beftätigte. Darnach follte jede Konventfrau 1 fl. 
Kleidergeld bekommen, je 4 jährlich ein Maftfchwein miteinander, jede einzelne 4 Herbft- 
hühner, 3 Faftnachtshühner, in den Faften alle zufammen lVa Ztr. Fifche, Fleifch, 
Wein, v Brot, Milch in anfehnlichen Portionen. Die Rechte der Meifterin waren ftark 
eingefchränkt. Endlich aber wußte Brigitta von Auffeß die Oppofition zu befiegen. 
Magdalena von Mulfingen mußte das Feld räumen und trat 1502 ins Klofter Bruder- 
hartmann, als deffen letzte Konventualin fie 1534 ftarb. Jahresbericht für Mittel- 
franken 15, 67. 

In einen heftigen Streit mit der benachbarten Weltgeiftlichkeit läßt uns eine 
Korrefpondenz der Meifterin blicken. Es find drei flüchtige Entwürfe von Schreiben 
ohne Unterfchrift und Datum, die wohl dem Ausgang des 15. Jahrhunderts angehören. 
Die Veranlaffung bildete ein Klofterknecht Peter Ziefel von Schmalfelden, der von der 
Meifterin Lidlohn verlangte, während diefe erklärte, ihm nichts mehr fchuldig zu fein. 
Der Frühmeffer nahm fich des Mannes an und erwirkte vom geiftlichen Gericht einen Bann- 
brief, nachdem Junker Herdegen von Hornberg und der Schmid von Wiefenbach ver- 
geblich einen fchiedsgerichtlichen Austrag verfucht hatte. Der Frühmeffer und Ziefel 
drohten jedem Priefter, der dem Klofter Melle lefe, Schaden zu thun. Die benach- 
barten Geiftlichen, unter anderen der Pfarrer von Reubach, hetzten gegen das Klofter. 
So wagte es keiner der Priefter der Nachbarfchaft mehr, dem Klofter Meffe zu lefen; 
einen Kaplan zu halten, hatte des Klofter nicht die Mittel. Die Meifterin wandte fich 
daher an den Bifchof mit der Bitte, ihr eine fchriftliche Verficherung zu geben, daß 
ein Priefter, der fich willig finden laffe, dem Klofter Meffe zu lefen, keinerlei Schaden 
deswegen zu befürchten habe. 

Kaum hundert Jahre, nachdem Lupoid von Bebenburg dem Klofter durch 
eine Kollekte die Mittel veifcbafft hatte, die Gebäude wieder in Stand zu fetzen, war 
das Klofter wieder bauiällig. Die Dächer und Mauern waren fchadhaft, auch an der 
innern Ausstattung gebrach's, an Kelchen und andern Gotteszierden, wie an Büchern. 
Deswegen gab 1455 Bifchof Johann dem Klofter einen Ablaßbrief mit 20 Tagen Ab- 
laß für alle Wohlthäter des Klofters. Der Güterbefitz brachte dem Klofter manchen 
Streit und Verdruß. 1390 mußte es wegen eines Gutes in Hegenau, 1468 mit dem 
Hofmann auf dem Klofterhof wegen des Hirtenlohns und der Fuhren, die dem Klofter 
zu leiften waren, ftreiten. 1473 hatte das Klofter einen großen neuen See gegen Brett- 
heim hintangelegt, aber dabei die Wiefe eines Anftößers überfchwellt, weshalb der 
Benachteiligte klagte. Ritter Burkhart von Wolmershaufen brachte einen Vergleich zu 
ftand, das Klofter trat zum Erfatz des Schadens lVa Morgen Wiefen ab. Im gleichen 
Jahr mußte die Meifterin Margareta Bonacker vom Rat zu Rothenburg den Vorwurf 
hören, daß fie fich einen Eingriff in die Obrigkeitsrechte der Stadt erlaube, da fie einem 
Leibeigenen der Stadt Anlaß zu Klagen gab. Ganz befonders heftig war der Streit, 
den diefelbe Meifterin mit der Gemeirde Haufen 1467—69 wegen des Weiderechts 



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Klofter Bruderhartmannszell. 153 

auf der Markung Haufen und wegen des Holzrechts im Gemeindewald hatte. Das 
Klofter beanfpruchte wie jeder Gemeindebürger Laubholz. Wer in der Gemeinde 
Laubholz bekam, durfte aus dem Gemeindewald fo viel Holz holen, als er zur Ver- 
zäunung feiner Güter brauchte. Darauf geftützt, hatte die Meifterin das Holz aus dem 
Gemeindeholz hauen laffen, was fie zur Verhegung und Verzäunung des Klofters brauchte. 
Die Gemeinde fah darin &nen Mißbrauch und klagte beim Rat zu Rothenburg. Abt 
Georg von Oberzell konnte die Meifterin nicht rechtfertigen., bat aber mit Rückficht 
auf die Armut des Klofters um fchonende Behandlung desfelben. Dem Rat gelang es, 
die Haufemer zu begütigen, daß fie davon abftanden, die Sache rechtlich zu verfolgen, 
aber fie erklärten klar und deutlich, fie wollten mit Rückficht auf diefen Präzedenz- 
fall der Meifterin kein weiteres Holzrecht zugeftehen. 

War die Lage des Klofters nach dem kurzen Auffchwung in der Mitte des 
14. Jahrhunderts bald wieder eine kümmerliche geworden, fo zeigten fich auch bald 
Spuren ftarken 7ierfalls des geiftlichen Lebens. Wenige Sturmjahre genügen, um das 
Ende des Klofters in wenig geräufchvoller Weife herbeizuführen. 



4. Das Klofter in der Sturmzeit des 16. Jahrhunderts und fein Ende. 

Es fehlte im Klofter an einer geordneten Pflege des geiftlichen Lebens und 
an einer tüchtigen Leitung. Wohl diente meift der Pfarrer von Haufen als Kaplan 
des Klofters, fo Adam Hoffmann, der aber 1509 nach Oberfteinach zog (St. A.)* Später 
fcheint Lienhart Karg, Mönch im Paulinerklofter zu Anhäufen, dem Klofter als Kaplan 
gedient zu haben, worauf die ihn betreffenden Urkunden, die fich mitten unter folchen 
des Klofters Bruderhartmann finden, z. B. eine Quittung über die Bezahlung feiner 
Pfründe durch feine Eltern und über Abfolvierung wegen eines Todfchlags, hinweifen. 
1524 benützten die Klofterfrauen , da Karg wegen des Todfchlags von feinem Prior 
nach Bonndorf auf dem Schwarzwald entfernt werden mußte, den Beichtvater des Klofters 
Sulz, den fie durch ihren Hofmann je im Bedürfnisfall zu Wagen holen ließen. 

Das Leben der Klofterfrauen war keineswegs ohne Anftoß. Es ift nicht zu- 
fällig, daß von Kardinal Raymund, Bifchof von Gurk, der 1501 und 1502 Süddeutfchland 
mit reichen Gnaden bereifte, auch 2 Nonnen von Bruderhartmann Ablaßbriefe erwarben. 

Die eine unter ihnen ift Barbara Jakobin von Rothenburg, über die um; ein 
Prozeß von 1528 nähere Nachrichten giebt. Diefelbe war 1498 von ihrem Vater ins 
Klofter gethan worden. Aber bald war's ihr in demfelben zu eng geworden. 1498 war 
fie aus dem Klofter gegangen, um zu den Mönchen im Paulinereremitenklofter An- 
häufen zu ziehen. 15—20 Jahre hatte fie fich dort aufgehalten. Das war nicht nur 
gegen die Ordensregel, fondern auch gegen die kanonifchen Gefetze. Der im Jahr 
1502 erworbene Ablaß bewies, daß fie fich der Unrechtmäßigkeit ihres Aufenthalts 
bei den Mönchen bewußt war, aber zur Umkehr und Befferung führte er nicht. Der 
Prior zu Anhäufen, Johann Reinhart, den feine Ordensgenoflen bald zum Provinzial 
erhoben, fah durch die Finger, denn er hatte felbft feine Schwächen gegenüber dem 
andern Gefchlecht. Das Schlimmfte aber war, daß die Meifterin zu Bruderhartmann 
ftatt eines Verfuchs, das verirrte Schäflein zurückzuführen und die Sache beim geiftlichen 
Gericht anhängig zu machen, es nicht nur ftillfchweigend gefchehen ließ, fondern noch 
förderte und mit Reinhart fortwährend in freundlichem Verkehr blieb. 

Nach gegenfeitiger Vereinbarung erhielt Barbara in der Vorausficht, daß fie 
nie mehr ins Klofter zurückkehre, ihr Silbergefchirr, Kleinode und Gewänder. Dagegen 
follte dem Klofter ihr Vater- und Muttererbe verbleiben, aber auch das fuchte fie 
fpäter noch dem Klofter zu entfremden. Die Briefe über ihres Vaters Stiftung ins Klofter 



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154 Boffert, Klofter Bruderhartmannszell. 

hatte fie zu zerfchneiden gefacht. Doch fand fie es vor ihrem Tod geraten, ihren 
Frieden mit dem Klofter zu machen, das ihr noch ein Leibgeding verkaufte, welches 
fie aber nicht im Klofter genoffen zu haben fcheint. 

Auch den im Klofter verbleibenden Frauen fchien die alte Zucht und Ordnung 
befchwerlich zu werden. Sie wollten in ihrer Kloftertracht auch ein wenig die Mode 
mitmachen und hätten gerne Kleider, die vorne offen waren, getragen, aber die Mei- 
fterin Margareta Geißler verbot es. Da wußten die Schweftern 1511 einen gefälligen 
Bruder zu finden, der ihnen beim Abt von Oberzell die Erlaubnis gegen der Meifterin 
Willen erwirkte. Doch verlangte der Abt, daß die Kleidung nach „ziemlicher, lieblicher" 
Gewohnheit getragen werde. 

Dunkel ift der Zufammenhang, in welchem das Klofter mit dem Tod Lien- 
hard Schufters in Brettheim ftand, der dem Klofter fchwere Klagen und Drohungen 
zuzog. Klar ift, daß man das Klofter in irgend einer Weife für Schufters Tod mit 
verantwortlich machte. Es ift nicht unwahrfcheinlich, daß Schufter von Lienhard Karg, 
dem Mönch zu Anhäufen, tötlich verwundet wurde, und daß Karg damals als Kaplan 
fich in Bruderhartmannszell befand, wo er dann auch feinen 1518 in Rothenburg erwor- 
benen Ablaßbrief für ein homicidium aufbewahren ließ. Vgl. dazu W. Vierteljahrs- 
hefte 1881, 148. 

Der ernfte Geift des Ordensftifters war aus dem Klöfterlein entflohen. Kein 
Wunder, daß die Klofterfrauen bald über Mißgönner zu klagen hatten, die fie übel 
berüchtigten, und den Rat zu Rothenburg bitten mußten, den unehrbaren Nachreden 
keinen Glauben zu fchenken. 

Auch die äußern Bedrängniffe des Klofters mehrten fich. Die Bauern der 
Umgegend werden dem Klofter auffäßig. Zwar war es auch früher nicht ungewöhn- 
lich, daß das Klofter mit den benachbarten Gemeinden oder einzelnen Bauern über 
Hut und Trieb und anderes Streit bekam — folches find Erfcheinungen, die das ländliche 
Leben und Verkehr immer wieder erzeugt, aber jetzt regt fich gegenüber den Klofter- 
frauen der Bauerntrotz, der fich felbft Recht fchaffen will. Hatte früher die Gemeinde 
Haufen bei der Obrigkeit über die Klofterfrauen Klage geführt, jetzt ftrafen fie des 
Klofters Bauern felbft mit Pfänden und Vertrinken und fchmähen das Klofter. Die 
Witwe des verftorbenen Hofmanns weigert fich, auf einen gütlichen Vergleich einzugehen. 

Es ift nicht zufallig, daß unter denen, welche dem Klofter die Bezahlung fiir 
erkauftes Holz 1518 weigern, weil fie kein Geld haben, fich ein Bäcker Klingler von 
Bettenfeld findet, der wohl 'kein anderer ift, als der Bauernhauptmann Hans Klingler 
von Bettenfeld 1525 (Publ. des lit. Ver. 129, 60 f.) Simon Hellifch von Wiefenbach 
giebt 1224/25 dem Klofter nicht nur keinen Handlohn, als er das Gut feines Schwieger- 
vaters übernimmt, fondern verweigert auch mit verächtlichen Worten 4 Monate lang 
die verfallene Gült. Es find das nur kleine Vorfpiele für das, was der Bauernkrieg 
bringen follte. (Schluß folgt.) 



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155 



Sülchgauer Altertumsverein. 



Kleine Beiträge zur Gefchichte der Herrfchaft Hohenberg im 

16. Jahrhundert. 

Von Guftav Boffert. 

1. Hans Cafpar von Bubenhofen, Bürger von Rottenburg. 

Über den ehemaligen Landhofmeifter Herzog Ulrichs Hans Cafpar von 
Bubenhofen berichtet die Chronik der Grafen von Zimmern, daß er, ehe Herzog 
Ulrich 1534 wieder in fein Land gekommen, in großer Armut zu Rottenburg am 
Neckar gewohnt habe und dafelbft faft täglich mit einem Körbchen, das er unter 
dem Rock verborgen hielt, auf den Markt gegangen und feinen Bedarf eingekauft. 
Zimmr. Chron. 2, 493 f. Bubenhofen war fchon 1521 Bürger von Rottenburg. Im 
Sommer diefes Jahres hatte ihn die Regierung in Stuttgart gefangen nehmen und 
nach Urach führen laffen, ohne daß man wußte, ob fie aus eigenem Antrieb oder 
auf Befehl Eaifer Karls V. fo gehandelt habe. Die Rottenburger fahen darin eine 
fchwere Verletzung ihrer Privilegien, wonach kein Bürger anderswohin gefangen 
geführt werden durfte, fondern in Rottenburg fein Recht erhalten mußte. Man 
beeilte fich von Innsbruck aus die Verficherung zu geben, daß den Privilegien 
von Rottenburg und der Selbftändigkeit der Hohenbergifchen Obrigkeit nichts ent- 
zogen werden folle. Miflive an Kaifer Karl (in Innsbruck) Bl. 175. 

2. Die Horber und ihr Vogt. 

Seit der Horber Vogt, Wilhelm von Reichenbacb, in Tübingen die Aufficbt 
über Herzog Ulrichs Kinder übernommen hatte, war er nicht mehr nach Horb zu- 
rückgekehrt. Man ließ die Vogteigefcbäfte durch den Schultheißen Leonhard 
Meichsner oder Meißner verfehen. Die Horber empfanden den Mangel eines Vogtes 
fchwer, fie befchwerten fich immer wieder, fo auch 1 524, als Erzherzog Ferdinand am 
10. und 11. Mai in Horb war, über diefe Verkürzung. Sie glaubten fich nicht ge- 
nügend befcbützt. Denn der Vogt hätte 4 gerüftete Pferde und Knechte halten follen, 
auch hielten lie den Schultheißen nicht für befähigt genug, das Vogtamt zu ver- 
fehen. Der öfterreichifchen Regierung waren die Klagen der Horber nicht fehr be- 
quem. Die Finanzen des Staats forderten Erfparnifle. Das Schloß in Horb bot für 
einen Vogt keinen würdigen Sitz, es war ebenfo baufällig, wie das Rottenburger. 
Das Einkommen der Vogtei mußte dazu dienen, den Gehalt Wilhelms von Reichen- 
bach zu verheuern. Derfelbe bekam für alle feine Obliegenheiten nur 100 fl. von 
der Kammer in Innsbruck. Das Horber Amt, das 2 fl. Burgbut und ca. 20 fl. 
„Beinutzungen" ertrug, wurde ihm als Zubuße gelaffen. Man fuchte die Horber auf 
jede Weife zu begütigen. Den Erzherzog Ferdinand aber beruhigte die Regierung, 
indem fie ihm erklärte, der Schultheiß fei ein ehrbarer, frommer Mann. Es fei 
wohl möglich, daß die Horber früher Vögte gehabt, die weniger Verftand befeffen, 
als er. (Von und an Fürftl. Durchl. 1524 S. 197. Acta Hohenberg. Stuttg. Arch. 1, 30.) 
Das Jahr darauf im Bauernkrieg fuchte die Regierung die Klage der Horber abzu- 
Aellen. Man gab die Vogtei an Dr. Beatus Widmann, der aber nur kurze Zeit fein 
Amt perfonlich verfah und bald zur Regierung in Innsbruck berufen wurde, wo er 



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156 Boffert 

nach wenigen Jahren als Kanzler von Tirol die Seele der Regierung ward. So 
blieb Horb noch lange ohne einen perfönlich anwefenden Vogt. 

3. Die Hohen berger und dasöfterreichifcheFürftentumWürttemberg. 
Die alten Unterthanen des Haufes Habsburg in der Herrfchaft Hohenberg 
w'aren nicht gerade fehr über den Zuwachs erfreut, den das öfterreichifche Gebiet 
mit der Erwerbung Württembergs gewonnen hatte. Der neue Befitz war recht un- 
ficher, und feine Behauptung mußte für die näcWtgelegenen Unterthanen Öfterreichs 
neue Laften bringen. Das Regiment in Stuttgart fchien auch nicht den rechten Takt 
zu befitzen, um den Verkehr mit den Hohenbergern richtig zu pflegen. Schon die 
Gefangennahme H. C. von Bubenhofen hatte böfes Blut gemacht, aber die Miß- 
ftimmung wuchs, die „Muß-Öfterreicher" im Württemberger Land bekamen manchen 
Ausdruck derfelben zu hören und zu fühlen. Es kam fo weit, daß auf dem Bundes- 
tag des Schwäbifcheu Bundes 1524 Chriftoph Fuchs und Dr. Frankfurter förmliche 
Klage erhoben, die Zugehörigen der Herrfchaft Hohenberg halten fich unnachbarlich 
gegen die von Württemberg, erzeigen ihnen wenig Treu und Glauben und Freund- 
fchaft und treiben auch ungebührliche Worte gegen fie. Ob es Schuld der Amt- 
leute oder der Unterthanen fei, wußten die Kläger nicht anzugeben. Am 9. Nov. 1524 
wurde nun der Herrfchaft Hohenberg eingefchärft, fich freundlich gegen Württem- 
berg zu ftellen, befonders follten Horb und Rottenburg bei diefen forglichen Läufen 
ein getreues Auffeben haben und der Regierung in Stuttgart Hilfe leiften, auch 
follte man ungebührliche Reden und Worte gegen die Württemberger meiden. Acta 
Hohenberg. 1, 35 a. 

4. Verhandlungen wegen der Türkenhilfe 1529. 
Auf Sonntag den 11. April hatte die öfterreichifche Regierung einen großen 
Tag nach Rottenburg ausgefchrieben. Dort follten Schweicker von Gundelfingen 
und Dietrich Spät mit Grafen und Herrn vom Adel wegen der Türkenhilfe ver- 
handeln. Da aber Schweicker von Gundelfingen inzwifchen an den kaiferlichen Hof 
berufen worden, fo wurde an feiner Stelle der Vogt von Feldkirch, Graf Hang von 
Montfort, zum Regierungsbevollmäcbtigten ernannt. Auf Sonntag Jubilate follten 
M. von Nippenburg an des Gundelfingers Stelle und Dietrich Spät zu Vaihingen an 
der Enz mit den Grafen und Herren von Adel jener Gegend wegen der Türken- 
hilfe verhandeln. Ambrafer Akten v. 1529. 

5. Die erfte Apotheke in Rottenbnrg. . 
Im Jahr 1523 hatte Jofeph Waygold, ohne Zweifel der Sohn des 
Tübinger Pedellen Dominikus Wigolt, der 1513 in Tübingen infkribiert wurde (Roth, 
Urk. der Un. Tüb. S. 593 n. 118), eine Apotheke in Rottenburg errichtet und für 
acht Jahre Steuerfreiheit erhalten. Als 1531 die acht Jahre um waren, bat er um 
Verlängerung für weitere acht Jahre. Die Amtleute fchlugen aber das Gefuch ab, 
ohne Zweifel mit Recht, da die Apotheke ficher einen guten Gewinn abwarf. Die 
Regierung aber empfahl am 8. März den Amtleuten, man folle dem Apotheker 
wenigstens die perfönlichen Leitungen, als Hut, Wacht, Fronen und perfönliches 
Reifen (Kriegsdienft) erlaffen, da derartige Leiftungen zu feinem Beruf nicht paffen. 
Acta Hohcnb. 1, 138. 

6. Die Einfchränkung des Interdikts in Täbingen. 
Zu Zimmern im Löchlein, d. h. Zimmern unter der Burg OA. Rottweil, war 
im Oktober oder Anfang November 1533 ein Totfchlag vorgekommen. Der Ober- 



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Kleine Beiträge zur Gefchichte der Herrfchaft Hohenberg. 157 

vogt der oberen Herrfcbaft Hohenberg, Konrad Mor, ließ nach dem flüchtigen 
Thäter fahnden und ihn zum Urteil entbieten. Dazu hatte er Boten ausgefandt, die 
auch in das nahe Täbingen kamen , welches halb Georg von Ehingen gehörte, der 
dafelbft eine adeliche Behaufung hatte. Ohne Zweifel fah Georg von Ehingen in dem 
Vorgehen Mors ein Überfchreiten von deffen Befugnis und einen Eingriff in feine 
Rechte, da ihm feit 1524 auch Zimmern gehörte. Die peinliche Gerichtsbarkeit 
bildete ja damals allenthalben einen Zankapfel zwifchen großen und kleinen Herren. 
Georg von Ehingen hatte den erften Boten Mors und ebenfo einen zweiten gefangen 
genommen. Jetzt zog Mor felbft nach Täbingen und nahm zwei Ebingifche Unter- 
thanen famt dem Vogt von Täbingen, der bei Mors Überfall in die Kirche geeilt 
war und Sturm geläutet hatte, auf frifcher That in der Kirche gefangen. Seine 
beiden gefangenen Boten hatte er befreit und dann den Vogt und die zwei Ehingi- 
fchen Unterthanen nach Schömberg geführt. Zur Rache dafür hatte der württem- 
bergifche Vogt von Rofenfeld, Ulrich von Lichtenftein, vier Hohenberger Unterthanen 
gefangen genommen und fie eidlich verpflichtet, daß fie (ich nach Stuttgart ins 
Wirtshaus zum roten Kreuz ftellen. In Täbingen lag auf der Pfarrkirche infolge 
der Vorgänge, bei denen es wohl auch bis zum Blutvergießen gekommen war, das 
Interdikt. Die Hohenberger Regierung klagte bei dem erwählten Bifchof von Kon- 
ftanz, Johann v. Lupfen, am 10. Januar 1534, daß „die armen Unterthanen dafelbft 
des Gottesdienftes, der Meile, der Predigt und anderer christlichen Werke in der Kirche 
beraubt feien.* 4 Sie fah in diefer Verhängung des Interdikts über eine ganze Ge- 
meinde eine fchwere Gefahr» „Denn bei den jetzigen Läufen der böfen neuen ver- 
botenen Sekten follte man den armen, einfältigen, andächtigen Perfonen eher Ur- 
(ache geben, bei dem wahren chriftlichen Glauben und dem ordentlichen Weg zu 
bleiben, denn davon zu fallen und den Gottesdienft zu verachten." Zugleich aber 
erklärte die Regierung das Interdikt für unftatthaft, denn dasfelbe fei gegen die 
„Regensburger Reformation". Auf dem Reichstag zu Regensburg fei feftgefetzt 
worden, daß man das Interdikt nur gegen Perfonen, befonders die Großen, aber 
picht gegen Gemeinden anwenden folle, und fo verlangte die Regierung Aufhebung 
des Interdikts in Täbingen. Die Beilegung des ganzen Handels ließ fich aus 
meinen Quellen nicht verfolgen. Acta Hohenberg. 1, 193. 

7. Hohenberger Lehensleute. 

Klaus von Graveneck hatte als Hohenberger Leben das Haus Schloßberg 
bei Dettingen OA. Kirchheim inne. Am 3. Mai 1525 hatten die Bauern das Schloß 
verbrannt. 1536 wünfehte er nun dasfelbe mit feinen Zugehörigen zu verkaufen 
und wollte dafür den entfprechenden Teil feines Befitzes an dem neuerkauften 
Schloß Stauffenberg zu Lehen geben. Die Regierung war aber damit nicht zu- 
frieden, fondern verlangte, daß Schloß Stauffenberg ganz zum Lehen gemacht 
werde. Acta Hohb. 2, 1, 24. Als Hohenberger Lehensmann hat Klaus vou 
Graveneek 1527 dem Blutgericht über Michael Sattler beigewohnt und eine Be- 
fchreibung von jenem Auffchen erregenden Prozeß veröffentlicht. Eifrig evangelifch, 
wie er war, mußte er als Beifitzer des Hohenberger Gerichts in Rottenburg unbequem 
werden und die Veranlagung bieten, daß die öfterreichifche Regierung befahl, das 
Rottenburger Gericht ftatt der Evangelifchen von Adel mit Katholiken zu befetzen. 

Hammetweil (Haimatweiler) OA. Nürtingen war (zur Hälfte?) hohenbergifches 

Lehen. 1535 hatte Hans Truchfeß von Ringingeu feinen dortigen Befitz an Hans 

" Ulrich von Warthaufen verkauft. Als derfelbe ohne Leibeserben ftarb (ca. 1540), 

betrachtete Ofterreich das Lehen als heimgefallen. Allein Hans Ulrichs Bruder, Hans 



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158 B offert 

Jakob von Wartbuafen, machte Anfprüche auf Hammetweil und wollte es nicht zu- 
rückgeben, weshalb er April 1540 vor das Hohenberger Lehensgericht geladen wurde. 

Die Burg Poltringen befaß als Hohenberger Lehen bis 1539 Sebaftian von 
Gültlingen der Jüngere zu Pfäffingen. Er verkaufte aber die Burg an Graf Wilhelm 
von Eberftein. (Der OA.-B. Herrenberg unbekannt.) 

Die Mutter des Dr. Joh. Ludwig Braflicanus, der im Dienfte König Ferdinands 
ftand, hatte im Hohenberger Land Zinfen und Gülten zu erheben. Die Unterthanen 
aber weigerten fich vielfach, diefelben zu entrichten, weshalb die öfterreichifche Re- 
gierung auf Bitten des Dr. Braflicanus die Amtleute anwies, die Unterthanen zu als- 
baldiger Bezahlung ihrer Schuldigkeiten anzuhalten. 

8. Umtriebe und Werbungen im Hohenberger Land. 

Im Jahr 1533 erging ein Befehl des Konig Ferdinand an die Hohenberger 
Beamten, fich nach Lienhard von Plofelden (ob Leonhard Denner?) zu erkundigen. 
Derfelbe war in Ferdinands Dienften geftanden, aber entlaffen worden. Er zog nun 
hin und her, indem er fich noch immer als Diener des Königs geberdete, und kam 
dabei in den Verdacht, allerlei böfe Zettelungen zu machen. Innsbrucker Statt- 
halterei-Archiv V.K.M. 4, 172. 

Viele Sorgen machten der Öfterreichifchen Regierung die fortwährenden 
Werbungen für fremde Kriegsdienfte. Alle Verbote fruchteten nichts, ftets hatte 
man Angft, daß die Kriegsleute gegen das Haus Habsburg dienen follten. Im Juni 
1536 hatte man auf öfterreichifchem Boden 34 Knechte niedergeworfen. Dazu 
kamen elf, welche Konrad Mor, der Obervogt der obern Herrfchaft, im Hohenberger 
Geleit gefangen genommen hatte. Herzog Ulrich hatte das Gerücht verbreiten lauen, 
er habe einen Aufftand feiner Unterthanen zu befürchten und muffe deshalb Haupt- 
leute und Knechte werben. Die Regierung in Innsbruck glaubte diefes Gerücht 
nicht, wie man von Innsbruck aus an den Vogtei Verwalter zu Horb, Ulrich von 
Lichtenftein fchrieb, fondern vermutete, daß die Mannfchaft für den König von 
Frankreich beftimmt fei. Sie hatte auch allen Grund dazu, denn jene elf Knechte 
geftanden, daß fie der Obervogt von Marbach, der Schultheiß von Waidenbuch und 
der Hauptmann von Stuttgart, Konrad Weiß, für die Franzofen geworben habe. 
Deshalb verlangte die öfterreichifche Regierung von Herzog Ulrich die Verhaftung 
und Beftrafung der drei Männer. Jene 34 Gefangene hatte man vor das Rotten- 
burger Stadtgericht geftellt. Der Regierung wäre es lieb gewefen, wenn man mit 
denfelben ebenfo verfahren wäre, wie der Schwäbifche Bund 1525 mit den Knechten, 
welche zu den Bauern übergetreten waren« Der Bund hatte fie ftracks umbringen 
lauen. Das Rottenburger Stadtgericht aber hatte, ohne den Wunfeh der Regierung 
zu beachten, die 34 Knechte für ledig erkannt und fie auf Urfehde losgelaffen. Die 
Regierung konnte auch für die elf von Mor gefangenen Knechte kein ihr an- 
genehmeres Urteil erwarten und befahl nun, diefelben freizulaffen und ihnen auch 
ihre abgenommene Wehr und Kleidung wieder zu geben, falls fie wie die 34 fchwören, 
daß Rq von dem kaiferlichen Mandat wider die Werbungen nichts gewußt hatten. 
Im September wußte man weiter in Rottenburg, daß Weigele von Stein und einer 
von Horneck, wahrfcheinlich Eberhard, die Werbungen für den franzöfifchen Kriegs- 
dienft auf württembergifchem Boden betreiben. Acta Hohenberg. 2, 16, 2, 17, 20, 23, 24. 
Unter den Geworbenen waren öfters auch Hohenberger Landeskinder. So kehrten 
im Februar Hans, Jakob und Leonhard Weißhard von Hirfchau aus Frankreich zu-^ 
rück. Sie baten um ftraflofe Rückkehr. Diefelbe wurde ihnen, falls fie keine 
Hauptleute, Befehlshaber und Fähnriche, fondern nur gemeine Knechte gewefen, 



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Kleine Beiträge zur Gefchichte der Herrfchaft Hohenberg. 159 

anter der Bedingung zugefagt, daß fie Karl V. oder König Ferdinand etliche Monate 
ohne Sold dienen oder Geld dafür geben und nie mehr gegen das Haus Öfterreich 
Dienft nehmen. Im Dezember 1538 hörte man von Werbungen des Schmalkaldifchen 
Bundes, welcher Kriegsvolk und Provifioner fuchte. Acta Hohenb. 2, 45. 64. Im März 
1548 war Martin von Rottenburg, der im Schmalkaldifchen Krieg dem Landgrafen 
von Helfen gedient, heimgekehrt Er hatte fein Leben verwirkt, aber König Fer- 
dinand begnadigte ihn zu fechsmonatlichem Gefängnis und zweijähriger Internierung 
in Rottenburg, wobei er fchwören mußte, nicht mehr gegen Öfterreich zu dienen. 
Ambrafer Akten, Statthaltereiarchiv in Innsbruck. 

9. Württembergifche Beamte fuchen Unterkommen. 

Die Herrfchaft Hohenberg wurde nach der Rückkehr Herzog Ulrichs eine 
Zufluchtsftätte für die altgläubigen Priefter, die fich mit der Reformation in Württem- 
berg nicht ausföhnen konnten. Nicht nur die Stiftsherren von Tübingen, voran der 
Propft und Kanzler der Univerfität, Ambrofius Widmann, der Propft von Urach, 
Johann Rorbach, mehrere Herren berger Kanoniker, kamen ins Hohenbergifche, fon- 
dern auch eine ganze Anzahl gewöhnlicher Priefter. Sie alle konnten mit der Zeit 
leicht verforgt werden, da der Prieftermangel drückend war. Aber auch weltliche 
Beamte fachten im Hohenberger Land eine Verforgung. Im Jahr 1538 bat Hans 
Krauß, der alte Vogt von Leonberg, um das durch den Tod Konrad Mors erledigte 
Amt eines Vogts und Kellers der obern Herrfchaft Hohenberg. Er machte geltend, 
daß er Ferdinand als Landesfürften treu gedient und dabei zu Schaden gekommen 
fei. König Ferdinand habe ihm das nächfte erledigte Amt zugefagt. Da ihm aber 
die ßefoldung, die Mor genoffen, zu klein feinen, fo bat er um etliche Addition, 
daß er fleh mit Weib und Kind mit Ehren „enthalten" könne. Ambr. Akten. Ein 
zweiter Beamter diefer Art war Heinrich Held von Tieffenau *), ein alter Mann, der 
Kaifer Friedrich und Maximilian treu gedient und von Maximilian zum Lohn das 
Schultheißenamt Horb bekommen hatte. Als nun die öfterreichifche Regierung in 
Stuttgart zuverläffige Beamte aus den altöfterreichifchen Landen in Württemberg 
brauchte, war er nach Leonberg berufen worden. Dort wurde er nach 1534 von 
Herzog Ulrich verdrängt und war jetzt ohne Amt. Im Dezember 1540 bat er wieder 
um das Schntheißenamt Horb, das ein Bäcker bekommen habe, welcher das Amt 
nicht zum Beften verfehe. Der kurze Befcheid auf diefe Bitte lautete: Soll auf- 
gehoben werden auf ferneres Sollicitieren. 

10. Hans von Stotzingen beftraft wegen Teilnahme am Schmalkal- 
difchen Krieg. 

Die Strenge, mit welcher König Ferdinand die öfterreichifchen Lehensleute, 
die, freiwillig oder gezwungen durch die Verhältniffe, fich dem Schmalkaldifchen Heer 
angefchloffen hatten, nach dem Sieg ftrafte, ift bekannt Es fei nur auf das Bei- 
fpiel des Grafen Joft Niclas von Zollern verwiefen, der mit fchweren Summen dafür 
büßen mußte. Vergl. die Zimmerifche Chronik. Auch Hans von Stotzingen, der zu- 
gleich württembergifcher und öfterreichifcher Lehensmann war, fah fich durch diefes 
Doppelverhältnis vor dem Schmalkaldifchen Krieg in fchwere Kollifion der Pflichten 
verfetzt. Auf das Drängen Herzog Ulrichs, der ihm den Urlaub rundweg abfehlug, 
hatte er feinen Sohn mit vier Pferden zum württembergifchen Heer gefchickt. Der- 
felbe hatte bis ans Ende des Krieges gedient. Jetzt ließ man feftftellen, was Hans 



V) i486 in Tübingen. Roth, Urk. der Univ. Tüb. S 499 Nr. 27* 



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160 Boffert, Kleine Beiträge zur Gefchichte der Herrfchaft Hohenberg. 

von Stotzingen für Lehen vom Haufe Öfterreich habe, und was er fonft befitze. Er 
hatte Oberfulmetingen und Kreppach unweit Biberach und in der Graffcbaft Hohen- 
berg das Dorf Wellendingen als öfterreichifches Lehen, außerdem hatte er vier 
Dörfer, Geislingen, Dotternhaufen, Roßwangen, Dürrwangen OA. Balingen. Der 
Landfchreiber Hans Baptift Hämmerle und der Hoffchreiber Georg Brecht nahmen 
lieh um Stotzingen an. Sie lobten feine Gefinnung, er fei ein guter Öfterreicher, 
der lutherifchen Sekte ganz widerwärtig, befonders hoben fie feine Verdienfte bei 
der im Auftrag der öfterreichifchen Regierung vorgenommenen Vifitation in dem 
verrufenen Dominikanerinnenklofter Kirchberg hervor. Zu feiner Entfchuldigung 
machten fie noch befonders geltend, daß er Herzog Ulrich oftmals um Urlaub ge- 
beten, aber ihn nie habe erlangen können. Ferdinand war unerbittlich, das Ver- 
zeihen ging ihm nach dem Sieg fehr fchwer vom Herzen. Er befahl, Hans von 
Stotzingen wenigftens das Dorf Wellendingen zu entziehen. Wirklich findet fich 
dasfelbe im Okt. 1548 in den Händen der Huntpis von Waltrams. OA.-B. Rottweil 
S. 544. 

11. Der Landtag zu Ehingen a. d. Donau. 

Wie man von kaiferlicher Seite nach dem Schmalkaldifchen Krieg beftrebt 
war, durch Verfaffungsänderungen fich in den Städten einen nachhaltigen Einfluß 
zu fichern, fo fühlte man auch an dem Hof Ferdinands das Bedürfnis, die öfter- 
reichifchen Befitzungen in Schwaben, die nahezu ohne allen inneren Zufammenhang 
waren, in engere Verbindungen unter einander zu fetzen und fo ein ftrafferes, einheit- 
licheres Regiment zu ermöglichen. So griff man denn auf den von Maximilian I 
1516 eingeführten Landtag zu Ehingen an der Donau zurück. Wie es fcheint, 
hatte man unter Karl V. und Ferdinand bisher kein Bedürfnis empfunden, diefe 
Landtage in Ehingen weiter zu berufen. Wenigftens fand ich in allen Hohenberger 
Akten von 1520 an meines Erinnerns keine Spur von einem wirklich dort gehaltenen 
Landtag, an dem die Herrfchaft Hohenberg beteiligt gewefen wäre. 1549 wurde 
jedoch ein folcher gehalten. Man berief dazu auch Propft und Kapitel zu Horb und 
Rottenburg, den Prior in Rorhalden und die Priorin in Kirchberg. Diefe aber 
waren für die ihnen zugedachte Ehre nicht fehr dankbar, fie erfchienen auf dem 
Landtag trotz der Vorladung nicht. Denn fie ahnten, daß man fie gleich den 
Prälaten zur Landfteuer heranziehen werde, und glaubten dazu nicht verbunden zu 
fein. Am 3. Januar 1550 befahl König Ferdinand von Wien aus, die oben genannten 
Ausgebliebenen und ebenfo die Meifterin von Urfpring einzeln fchriftlich zum Land- 
tag zu berufen. Doch dauerten die Bitten um Enthebung von der Landftandfcbaft 
von feiten der Klöfter fort, wenn auch die Kollegiatftifter in Rottenburg und Horb 
fich derfelben nicht entziehen konnten« A.K.M. 10, 258, V.K.M. 10, 11. 



(Schluß des II. Heftes). 



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161 



Württembergifcher Altertumsverein in Stuttgart 



Die Skulpturen des Stuttgarter Lufthaufes auf dem Schloß Lichtenftein. 

Von Karl Walcher. 

Am Schluffe meiner erften Abhandlung über die Skalptaren des Stuttgarter 
Lufthaufes aaf dem Schloß Lichtenftein im 3. Vierteljahrehefte vom J. 1886 war 
der Hoffnung Ausdruck gegeben worden, daß immer reichlicheres Material zufammen- 
getragen werden möchte, um die noch beftehenden Lücken auszufüllen. Diefe Hoff- 
nung ift infoferne bis jetzt nicht in Erfüllung gegangen, als fleh nirgends neue 
Kräfte in Bewegung fetzten, um mich in meinen Forschungen zu unterftützen oder 
mir Materialien für diefelben an die Hand zu geben. Indem ich gleichwohl nicht 
unterlaffen möchte, den Ausdruck diefer Hoffnung in Geftalt einer formlichen Bitte 
zu wiederholen, teile ich die Ergebniffe meiner eigenen weiteren Forfchungen in 
nachftehenden Aphorismen mit. 



Von ganz befonderem kunftgefchichtlichem Intereffe ift die Frage, wann die 
Skulpturen des Stuttgarter Lufthaufes, fpeziell die Porträtbüften, Are Entftehung ge- 
funden haben, und da diefe Frage in der Hauptfache ihre Begrenzung erbalten 
dürfte durch die Beantwortung der anderen, wan-n das Lnfthaus erbaut worden ift, 
fo wäre zunächft hierüber Grund zu machen. 

In einem Funkte ftimmen alle Angaben überein, nämlich darin, daß die 
Beendigung des Baus in das Jahr 1593 fällt. Scheffer giebt fogar in feiner 
hiftorifchen Befchreibung der Stadt Stuttgart S. 77 (E. Staatsarchiv) den 1. Auguft 
als Tag der Vollendung an, fo dal} Herzog Ludwig, der bekanntlich am 8. Auguft 
1593 das Zeitliche gefegnet hat, diefe Vollendung felbft noch erlebt haben würde. 

Im Gegenfatz hiezu find die Anflehten bezüglich des Beginnes der Bau- 
zeit fehr geteilt. Die landläufige Anfleht geht dabin, daß Herzog Ludwig in den 
Jahren 1580 — 1593 das Lufthaus — auch das neu* 
zu dem fchon von feinem Vater Herzog Chriftoph 
ftellen laffen. Vergl. z. B. die „Befchreibung des 
vom Jahr 1856, herausgegeben von dem K. ftatiftif 
es S. 121 heißt, daß das weltberühmte neue Lufth 
wig durch feinen Baumeifter Georg Beer erbaut w 

In feiner „Gefchichte der Renaiffance in ] 

S. 374 ff. referiert Lübke diefe Angabe gleichfalls i 

fofort eine Eorrektur derfelben an, indem er wörtl 

„Allein da Meifter Behr 1 ) in einer Ein, 

fei bereits in das elfte Jahr bei diefem Bau, 



') In den von mir eingefehenen Originalurkunde! 
„Becr u und nicht „Behr". 

Wflrttemb. Vierteljahrshefte 1887. 



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462 Walcher 

1575 begonnen worden fein. Damit ftimmt ein Erlaß des Herzogs vom Jahr 
1574 an Aberlin Trelfch (lies: Tretfeh) betreffs der Herbcifehaffung des Holzes 
zum Pfahlroft für die Fundamente des Baues/ 
was alles in Akten enthalten fein toll, welche im Archiv in Stuttgart bewahrt werden. 
Ohne allen Zweifel find gerade diefe Angaben Lfibkes die Grundlage ge- 
worden für die bezüglichen Mitteilungen Dohmes in feiner Gefchichte der deutfehen 
Baukunft Berlin 1887, allwo S. 342 zu lefen ift: 

„Was hier im Schloßbau (zu Stuttgart etc.) fleh in den erften Entwicklungs- 
ftadien zeigt, das ift zu klaffifcher Reife durchgedrungen im Bau des wahr- 
"' fcheinlich 1575 begonnenen und fchon ein Jahr vorher vorbereiteten Lufthaufes." 
Gegenüber der als landläufig bezeichneten Annahme wird hiedurch der Be- 
ginn des Baues um 5—6 Jahre früher angefetzt, während er nach einer anderen, 
fofort zu referierenden erft im Jahr 1584 begonnen hätte, fo daß im ganzen eine 
Differenz von ca. 10 Jahren in Frage käme. 
Diefe letzte Angabe findet fleh: 
. bei Gabelkofer in feiner auf dem K. Staatsarchiv aufbewahrten Stuttgar- 
tifchen Chronica,, welcher ebendafelbft S. 934 fagt, daß anno 1584 Herzog Ludwig 
felbfteigener Perfön an dem Lufthaus den erften Pfahl helfen einfchlagen, 
fodann in der Chronik der Stadt Stuttgart von J. Hartmann S. 76, 
bei Stalin Wirt. Gefchichte IV. Teil S. 827 in den Worten: 

„ein Prachtgebäude fonder Gleichen, wozu er am 23. Mai 1584 den 
Gruudftein legte, ließ H. Ludwig in dem Lufthaus errichten," 

und in dem Vortrag des Prof. W. Bäumer über das ehemalige Lufthaus 
vom Jahre 1869, wo S. 8 und 9 zwei den Beginn des Baus betreffende, fpäter des 
näheren zu befprecheode höchft intereffante Urkunden bezüglich des Pfahlfchlagens 
-uqd Grundfteiolegens ziemlich genau mitgeteilt find. 

Angefichts derfelben und der vielen ihren Inhalt auf das bündigffce unter» 
ftützenden Umftände kann gar kein Zweifel darüber fein, daß weder im Jahr 1580, 
noch im Jahr 1575, noch viel weniger im Jahr 1574 mit dem Bau begonnen wurde, 
fondern daß der Beginn desfelben ganz unbedingt in das Jahr 1584 gefetzt werden 
muß, und daß insbesondere das ungenaue Referat Lübkes auf eine ganz falfche Spur 
geführt zu haben febeint. 

Kehren wir zu demfelben zurück, und zwar zunächft zu dem an den 
Herzog Ludwig gerichteten Bericht ßeers vom 7. Okt. 1586, weleher auf dem 
K. Staatsarchiv aufbewahrt ift, 7 Seiten Kanzleiformat umfaßt und als „Georg Beers 
Entfchuldigüng und angehängte Bedenken" regiftriert ift, fo lauten die entfehei- 
denden Worte nicht: 

„er fei bereits in das elfte Jahr bei diefem Bau", 
fondern er fagt wörtlich (erfte Seite ganz im Eingang) 

„Gnädiger Fürft und Herr. Nachdem ich jetzo in das ailft (11.) Jahr 
zu derfelben , GePayen' als ein Baumeifter* beftellter Maaßen gebraucht 
worden." 
.was einen ganz und gar andern Sinn, nämlich den hat, daß er — der Baumeifter 
Beer jetzt— das ift im Jahr 1586 — - bereits elf Dicnftjahre hinter fich habe, aber 
nicht bloß bei einem einzelnen Bau (das Lufthaus wird hier gar nicht genannt), 
fondern überhaupt als Baumeifter des Herzogs bei desfelben Bauwefen. Unter Be- 
rufung auf diefe lange vorwurfsfreie Dienftzeit und feine große Gefchäftsaufgabe, 
die fich nicht bloß auf alle möglichen Bauten in Stuttgart felbft befchränke, fondern 
fich auch noch auf zahlreiche Bauten außerhalb der Stadt erftrecke, während feine 



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Die Skulpturen des Stuttgarter Luftbaufes auf dem Schloß Licbtenftein. 163 

früheren Kollegen, ein Salzmann, Bnrkh etc. inzwifchcn geftorben feien und „ihm die 
grauen Haare nahen", bittet er um Nachficht wegen der ihm fowohl wegen fchein- 
barer Verzögerung beim Lufthausbau, als wegen verfchiedener beim Mübldohlenbau 
vorgekommener Unzuträglichkeiten und um Beftellung eines zweiten Baumeifters 
oder fonftige Unterftützung durch einen Werkmeifter oder Bauverwalter, fowie fich 
auch die Aufteilung eines Auffehers über die Arbeiter empfehlen durfte. 

Hiernach enthält das angeführte, in der That höchft intereffante und für 
einen wörtlichen Abdruck beftens zu empfehlende Schreiben G. Beers vom 7. Ok- 
tober 1586 lediglich keine Anhaltspunkte für die Zeit, da mit dem Lufthausbau in 
Wirklichkeit begonnen worden ift, und wäre damit auch eine Sichtung der andern 
hieran geknüpften Aufteilungen Lübkes geboten, namentlich bezüglich der bei dem 
Bau außer Beer befchäftigt gewefenen Meiflter, was mich aber, wenn ich hier weiter 
darauf eingehen wollte, von dem nächftliegenden Zweck gegenwärtiger Unterfuchung 
unnötig ablenken würde *). 

In Kürze habe ich nur noch zu bemerken, daß nach Befeitigung des einzigen 
Argumentes, welches für den Beginn des eigentlichen Baues im Jahr 1575 zur Ver- 
wendung kam, der weitere Satz Lübkes: 

„damit ftimmt ein Erlaß des Herzogs vom Jahr 1574 an Aberlin Trelfch 
betr. Herbeifchaffung des Holzes zum Pfahlroft für die Fundamente des Baues" 
keine weitere Bedeutung mehr haben hann. Ich felbft war nicht fo glücklich, diefen 
Erlaß unter den Akten des K. Staatsarchivs aufzufinden. Da er fich aber bloß auf 
die Beifuhr von Pfählen bezieht, fo könnte in diefen entfernten Vorbereitungshand- 
lungen, felbft wenn ihre Beziehung auf den künftigen Lufthausbau außer Frage 
ftünde, noch lange nicht der Beginn des Baues felbft gefunden werden, wie denn 
in Wahrheit auch nach den fonft vorliegenden Zeugüiffen der Zeitgenoffen diefer 
Beginn in eine ganz andere Zeit verlegt werden muß. 

Ehe ich auf diefen wichtigften Teil meiner Nacbforfchungen übergehe, der 
nach der vorausgegangenen kritifchen Sichtung die pofitiven Ergebniffe derfelben 
aufweifen wird, muß ich indeflen noch eines feltfamen Berichts Erwähnung thun, 
der fich bei Scheffer, Hiftorifche Befchreibung der Stadt Stuttgart S. 77 (K. Staats- 
archiv) findet, indem diefer wörtlich fchreibt: 

„Eine der größten Zierden diefer Stadt nach dem damaligen Gefchroack 

war das fürftliche Lufthaus in dem ehemaligen Tiergarten, welches Herzog 

Ludwig 1580 durch den Baumeifter Schickhardt hatte erbauen 1 äffen und noch 

auf den heutigen Tag als ein wahres Baukunftftück bewundert wird. Herzog 

Ludwig half 1584 felbft den erften Pfahl bei diefem Bau einfchlagen." 

Den hier in den Zahlen vorliegenden Widerfpruch zu löfen, bin ich außer ftand; 

denn es ift geradezu widerfinnig zu Tagen, daß ein Gebäude, zu dem erft im Jahr 

1584 der Gruud gelegt wurde, im Jahr 1580 erbaut worden fei. Das Jahr 1580 

erfcbeint hier meines Willens überhaupt zum erftenmal für die Frage der Bauzeit. 

Sollte fich vielleicht gerade hieran die allgemeinhin gültige Annahme gereiht 

haben, daß der Bau in die Jahre 1580—1593 gefallen fei? 

Ich lafle die Frage dahingeftellt, indem ich mich damit begnüge, fie angeregt 
nz haben und gehe nunmehr zu dem wichtigften Teil über, zu demjenigen nämlich, 
der den pofitiven Auffchluß über die Zeit des Beginns des Baus geben folL 



! ) Wie kann nur z. B. Salzmann als Baumeifter am Lufthaus thätig gewefen fein, wenn 
derfelbe nach Beers Mitteilungen vom Jahr 1586 damals fchon 6 Jahre tot war, während der Bau, 
des Luftbaufes felbft erft im Jahr 1584 begonnen hat! 



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164 Walcher 

Als erftes wichtiges Moment kommt hier in Betracht der Bauüberfchlag von 
Georg Beer, der, anf dem K. Staatsarchiv in Stuttgart aufbewahrt, auch fchon Lübke 
bekannt war, a, a. 0. S. 375, aber bezüglich der Zeit feiner Abfaffung merkwürdiger- 
weife gar nicht genügend von demfelben beachtet worden ift 

Den Koftenüberfchlag eines Baues haben wir doch ftets als die feiner Aus- 
führung nächft vorangehende Arbeit des Baumeifters zu betrachten und in diefem 
Sinn auch die genannte Urkunde zu würdigen. 

Sie trägt auf dem Einband die Überfchrift: 

„Ungefährlicher Überfchlag des neuen Lufthaufes im neuen Thiergarten," 
darunter die Jahreszahl 1583. 

und führt im Eontext von dem „Grundgraben, Rofch und Pfählfchlagen" an alle 
einzelnen Arbeiten auf mit den entfprechenden Koftenvoranfchlägen , welche fleh 
„fnmma fummarum auf fünfzig viertaufend fechshundert fiebenzig Gulden tt beziffern. 

Die Urkunde felbft trägt das Datum vom 3. Dez. anno 83 und ift unter- 
zeichnet: Georg Beer. 

Dies ift fonach die erfte fichere Grundlage für Beftimmung der Zeit, wann 
mit dem Bau felbft begonnen wurde; denn vor dem letztgenannten Datum kann 
dies nicht der Fall gewefen fein. 

Sobald es fodann die Witterung geftattet haben mochte, nämlich im Monat 
März 1584 wurde mit dem Pfahlfchlagen begonnen und im Monat Mai 1584 der 
Grundftein gelegt, was nunmehr an der Hand nachftehender auf dem K. Staats- 
archiv aufbewahrter Urkunden, die aus 5 Blatt Eanzleiformat beftehend zu Einem 
Heft zufammengeklebt find, nachgewiefen werden foll. 

Nach einer Marginalbemerkung 

„Neu Lufthaus betreffend" 

fteht in römifcher Majuskelfchrift auf dem erften Blatt: 

„Auff Montag nach dem Sontag Laetare, wöleher war der XXX« Tag 
des Monats Martii zwifchen I und II Uhr nach Mittemtag im Jar als man nach 
Jefu Chrifti unferes einigen Seligmachers Geburt gezelt taufent fünfhundert 
achtzig und viere hat der Durchleuchtig, Hochgeboren Fürft und Herr Herr 
Ludwig, Hörtzog zu Wirtemberg und Teck, Grave zu Mümpelgart der raynen 
unverfälfehten evangelifchen Religion ein befonderer Liebhaber und Befürderer 
an diefem Gcbeu den erften Pfahl, welcher von Holtz XXV Werk Schach 
lang felbs eigner Perfon mit fampt feiner Ritterfchaft zu künftiger Gedächtnuß 
helffen einfchlagen. Der Allmechtig ewig Gott wolle folch Werkh nach feinem 
Willen vor Unglückh gnädiglichen befchützen und beftändig erhalten. Amen« 

Darauf folgten über einem ganz fummarifch umriffenen Wappenfchild mit Andeutungen 

des württembergifchen Wappens in einem in Form eines Ereisabfchnitts in die 

Höhe gefchwungenen Bandftreifcn die Worte: „Nach Gottes Wille/ 4 

Auf dem zweiten Blatt lieft man diefelbe Urkunde in deutf eher Schrift; die 

Korrekturen lauen erkennen, daß fie als das Konzept der auf dem erften Blatt 

enthaltenen zu betrachten ift. 

Auf dem dritten Blatt folgt in Frakturfchrift die gereimte, auf die Grund- 

fteinlegung bezügliche Urkunde des Inhalts: 

„Der durchleuchtig Fürft, fo hochgeborn 
Herr Ludwig Hörtzog auflerkorn 
Zu Württemberg, Fürftlicher Art 
Und Teckh, ein Graf zu Mümpelgart 



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Die Skulpturen des Stuttgarter Lufthaufes auf dem Schloß Lichten (lein. 165 

Legt hie den Erften Stain Fürwahr 
Als man zalt Fünfzehen hundert Jar 
Und vier und achtzig, wie ich mein 
Nach Chrifti Geburt, Im Grund herein 
Am drey und zwanzigften Tag 
Im Monat Maio, wie Ich fag, 
Zu diefem Bau fein Gnad Gott fennd 
Daß er zu einem glücklichen end 
Nach Gottes Willen werd vollbracht 
Dann Alles fteht in Gottes Macht" 

Auf der 9. Zeile ift an der Zahl „ein und zwanzigften" das „ein" in „drey" kor- 
rigier^ fo daß anzunehmen ift, die Grundfteinlegung fei urfprünglich auf den 21. Mai 
angefetzt gewefen, und nachmals auf den 23. verfchoben worden, und bei und nach 
der letzten Strophe findet fleh die Variante: 

„Und ftandhaft blieb dir Gottes Macht/ 
Das vierte Blatt enthält in deutfeher Schrift das Verzeichnis der in das Fundament 
eingelegten Münzen in den Worten: 

„ Verzeich nuß 
etlicher Münzforten, welche unfer gnädiger Fürft und Herr Ludwig Herzog 
zu Württemberg in Zeit ihrer furftlichen Regierung bis uf dato gemünzt und 
jüngft den 29. May des 84. Jahrs in das Fundament des Neuen Lufthaufes 
im Thiergarten neben anderem an folgenden Stück einlegen laffen 

nemlich : 

Gold Guldin 
Reichs Guldiner 
halb Reichs Guldiner 
Zehner. 
Schillinger. 
Ein halben Batzen, 

dreyerlin 
Zweyerlin 
Pfennig, 
heller 

thut in Summa drei Gulden neun Kreuzer und zween Heller. Sollen die 
Landfchreiber bezahlen, wurde ihnen hierauf paffirt. 
actum den 25. Juni ao. 84." 
Nach den Worten „an folgenden Stücken" 

ift auf dem Rand eingefugt 

„durch mich Arminius Rittler Landfchreiber 1 )" 
(einige noch folgende Worte unleferlich). 
Auf der Rückfeite des fünften Blattes fteht von dem bekannten Gabelkofer ge- 
fchrieben, übrigens fehr fchwer leferlich, fo daß die Schrift nur durch die gütige 
Mithilfe von Beamten des Staatsarchivs zu entziffern war: 

„Schrift, fo in das Fundament des Lufthaufes gelegt worden Ao. 1584. 
Not. Auf beiden Ecken unden? dem Schloß zu hat es einen Stein, worauf ein . , 
das heißt das Wappenfchildlein mit drei Hirfchorn, darunter die Jahr- \zzl 
zahl 1584." V/ 



') Ein Name, dem man in jener Zeit vielfach begegnet, meift in der Form Büttel. 



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166 Walcher 

Und endlich fteht von der gleichen Hand gefebrieben in der unteren rechten 
Ecke des erften Blattes: 

„Dies ift in ein küpfern Täfelchen geätzt und von mir den 18. Juni 
(ift der Fronleichnamstag gemäß unferem Kalender) 1 ) bei frifcheni doch nicht 
Wetter beforgenden Himmel zwifchen 1 und 2 Uhr eingelegt worden, ao. 84 

Hiernach wurde, um die in vorgehenden Urkunden enthaltenen Daten kurz 
zu rekapitulieren; von Herzog Ludwig am 30. März 1584 mittags zwifchen 1 und 2 Uhr 
der erfte Pfahl zu dem Lufthaus eingefchlagen und am 23. Mai 1584 der erfte 
Stein zum Fundament gelegt, für welche Feierlichkeit zuerft der 21. Mai 1584 in 
Ausficht genommen gewefen zu fein fcheint. Sodann find am 29. Mai 1584 durch 
den Landfchreiber Arminius Rittler die Münzen nebft anderem in das Fundament 
gelegt und den 18. Juni 1584 mittags zwifchen 1 und 2 Uhr durch Gabelkofer das 
in eine „küpferne" Platte geätzte Dokument bezüglich des Einfchlagens des erften 
Pfahles eingelegt worden. 

Faffe ich die Schlußbemerkung Gabelkofers richtig auf, fo befanden fich 
die Stellen , wo die Urkunden eingelegt worden , unten auf den beiden Ecken der 
dem Schloß*) gegenüber liegenden Seite des Lufthaufes, allwo die bezüglichen Steine 
mit Wappenfchildchen markiert waren, auf denen fich drei Hirfchhörner befanden. 

Die Frage nach der Zeit, wann das Lufthaus erbaut worden ift und binnen 
welcher fonach auch die Porträtbüften äußerften Falls ihre Entftehung gefunden 
haben, wird hienach als eine endgültig gelöfte zu betrachten und inskfinftige un- 
bedingt feftzuhalten fein an den Jahren 

1584—1593. 

B. 

Unter III. der Abhandlung von 1886 war bemerkt, daß von den 8 im 
Bibliothekfaal des Auguftenturmes aufbewahrten Wappenfchilden wfirttembergifcher 
Ortfchaften nur 7 auf Grund der Zeichnungen und Notizen Beisbarths haben re- 
kognosziert werden können, daß aber bezüglich des achten eine Entzifferung bis 
jetzt nicht möglich gewefen fei. 

Nachträglich ift nun auch diefe gelungen. 

Das Wappen zeigt ein über den ganzen Grund fich erftreckendes recht- 
winkliges gleicharmiges Kreuz mit ausgefchweiften Ecken — in letzterer Beziehung 
ähnlich dem Deutfch-Ordenskreuz — , das, wie Beisbarth weiter verzeichnet, ur- 
fprünglich fchwarz bemalt war und auf dunkelgrauem Grund ruhte. In den beiden 
Ecken über der Kreuzung ftehen die Buchftaben N und H und auf der zweiten 
Hälfte des über dem Wappen gefchlungenen Bandftreifens die Buchftaben HO und 
EN, getrennt von einander durch eine Umbiegung des Bandes, während auf 
der vorderen Seite desfelben keine Buchftaben mehr erkennbar find. 

Nach einem auf der K. öffentlichen Bibliothek in Stuttgart aufbewahrten 
bemalten Wappenbuche der Klöfter, Städte und Hauptorte des Herzogtums Würt- 
temberg ift dies das Wappen des Pfarrdorfes Niederhofen OA. Brackenheim, 
womit zunächft die jetzt noch auf demfelben vorhandenen Buchftaben vollftändig 
übereinftimmen. 

Die Buchftaben HO und EN ergänzen fich durch das auf der Bandbiegung 
zu fupponierende F zu HÖFEN und diefem Worte auf der erften Hälfte des Band- 



') In Wirklichkeit fiel nach dem Kalendarium auf den 18. Juni 1584 das Fronleichnamsfeft. 
2 ) Natürlich dem alten Schloß gegenüber, alfo an der Frontfeite des jetzigen Theaters, 



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Die Skulpturen des Stuttgarter Lufthaufes auf dem Schloß Lichtenftein. 167 

ftreifens NIEDER vorzufetzen, find wir durch den erften % Buchftaben über der 
Wappenkreuzung N legitimiert. .,""-' 

Dem K. Oberamte Brackenheim ift ein Bericht in der Sache zu verdanken, 
wornach auch heute noch die Gemeinde Niederhofen das vorbefchriebene Kreuz ijr 
ihrem Wappen führt, ältere Urkunden hierüber aber nicht mehr vorhanden feien. 



Zu Ziffer V. Nicht weit entfernt von dem in die füdliche Umfaflangsmauex 
des Scbloßhofes eingelaufenen, mit einer Löwenhaut bedeckten männlichen Bruftbild 
findet fich in derfelben Mauer ein aus Stein gehauenes württembergifches Wappen, 
das urfprünglich fehr reich angelegt, nunmehr leider durch vielfache Verftümme*; 
lungen verunftaltet ift. 

In der Abhandlung vom vorigen Jahr ift das Skulptur werk nicht erwähnt,, 
weil es nicht vom Luftbaus ftammt. 

Weitere Nachforfchungen haben dies bestätigend ergeben, daß es aus dem 
herzoglichen Schloß in Pfullingen, der jetzigen Heil- und Pfleganftalt für Geiftes* 
kranke, auf den Lichtenftein verbracht worden ift, was zur Vermeidung von Irr- 
tümern hier ausdrücklich konftatiert werden wollte. 

D. 

Zu VII. Als die Porträtbüften des Herzogs Ludwig und feiner beiden 
Frauen zum Zweck der Reftauration von ihren gegenwärtigen Aufftellungsorten 
herabgenommen waren, ergab es fich, daß die Grundflächen der beiden letzten Büßen 
ganz horizontal, die der erfteren dagegen in der Art abgefchrägt gehauen waren, 
daß fie von hinten nach vornen anftiegen, und daher gegen die Wand in einen 
fpitzen Winkel verliefen. Auf die Koufolen verfetzt ftunden dem entfprechend die 
Porträtbüften der beiden Frauen lotrecht auf denfelben, während die des Herzogs 
Ludwig vornen etwas überneigte. 

Damit ift die Probe für de Richtigkeit der unter VII. gemachten Aufteilung 
geliefert, daß nämlich nur die Büße des Herzogs Ludwig unter einer fich gegen 
Oben vorneigenden Gewölbegurte faß, während feine beiden Frauen ihm zur Seite 
einfach an die fenkreohte Rückwand anlehnten. 

E. 

Zu VIIL An der mit einem Wappen und Steinmetzzeichen verfehenen 
Eonfole, bezüglich welcher der wohl nicht anzufechtende Nachweis erbracht worden 
ift, daß fie nicht vom Lufthaus ftamme, ift nachträglich die Beobachtung gemacht 
worden, daß fie auf einer febr fchlanken Säule geruht haben muß, was an einer 
Bruchftelle ihres unteren Abfchlufles deutlich zu erkennen ift, und fie dementfprechend 
aus einer bloßen Eonfole zu einem Säulenkapitäl ftempelt. - 

F. 

Zu XII. Nr. 1. Nachdem die Büfte des Herzogs Ludwig behufs ihrer 
Reftauration von der Konfole, auf der fie in ziemlicher Höhe geruht hatte, abge- 
nommen war, erkannte man fofort, daß das Helmftück, welches nach V. der erften 
Abhandlung im Eugenienturm gefunden und in der Marienkapelle aufbewahrt worden 
war, zu dem Helme des Herzogs gehörte. Durch einfache Wiederankittung des nach 



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168 Walcher 

allen vorhandenen Spuren fchon von. Anfang an künftlich angefügten Stücks war 
diefer Helm ohne irgend welche fonftige Beifügung zu ergänzen, fo daß zumal bei 
dem Zufammenftimmen der Ornamente über die Zufammengehörigkeit beider Stücke 
gar kein Zweifel beftehen konnte. — Von ganz befonderem Werte aber war die 
gleichzeitig gemachte Entdeckung , daß das angefügte Stück die Jahreszahl 1587 
trug. — Unftreitig bekundet diefe Zahl das Jahr der Entftehung der Büße und da 
die Vermutung nicht ferne liegt, daß bei der Herstellung der Porträtbüften mit der 
des Erbauers des Lufthaufes der Anfang gemacht worden ift, fo liegt genügender 
Grund vor, die unter A, im allgemeinen gegebene Darfteilung bezüglich der Zeit 
der Entftehung der Porträtbüften dahin zu ergänzen, daß fie wohl nicht fchlechtweg 
zusammenfalle mit der Erbauung des Lufthaufes, fondern daß fie in den engeren 
Zeitraum von 1587—1593 zu verlegen fei. 1 ) 

Da mit dem weiteren Fortfehreiten der begonnenen Reftauration auch die 
andern Büften nach und nach von ihren bisherigen Standorten berabgenommen und 
alsdann einer ganz genauen Unterfuchung unterworfen werden, fo ift abzuwarten, ob 
(ich noch weitere Jahreszahlen an den Porträtbüften finden, oder ob es bei der einmal 
gefundenen des Herzogs Ludwig fein Bewenden habe, in welch* letzterem Falle die 
Wahrfcheinlichkeit dafür wachfen würde, daß mit der Herftellung der Porträtbüften 
des Lufthaufes überhaupt erft im Jahr 1587 begonnen worden fei, und daher durch 
Eingrabung diefer Jahreszahl in die Hauptbüfte des Lufthaufes der Beginn diefes 
Teils des großen Werkes für fernere Zeiten habe feftgeftellt werden wollen. 

Wenn endlich nach gutachtlichen Äußerungen Sachverftändiger ein Meifter 
mehr nicht als drei Büften von der in Frage ftehenden zumeift ganz trefflichen 
Qualität nebft Eonfole und Infchriftentafel mit Umrahmung per Jahr fertig zu ftellen 
im ftande war, fo hätte ein einzelner in den 6 — 7 Jahren von 1587 — 1593 mehr 
nicht als höchstens 21 zu liefern vermocht, weshalb, wenn die im Jahr 1587 her- 
geftellte Büfte des Herzogs Ludwig die erfte gewefen wäre, entweder drei Meifter 
mit der Fertigftellung fämtlicher Büften betraut gewefen fein müßten, oder fich ein 
Meifter der Unterftützung wenigftens zweier Gefellen bei Ausfuhrung des Werkes 
bedient hätte. Bekanntlich fehlte es bis jetzt bezüglich der Urheberfchaft des Werks 
an allen und jeden zuverläifigen Anhaltspunkten. 

G. 

Zu XII. Nr. 3. Bei Herabnahme der zu der Porträtbüfte der zweiten Ge- 
mahlin des Herzogs Ludwig gehörigen Eonfole, welche bis dahin als Unterlage der 
erften in der oberen Reihe des Fremdenbaus aufgestellt gewefenen männlichen, noch 
nicht rekognoszierten Porträtbüfte gedient hatte, ergab es fich, daß der unterfte Teil 
abgebrochen und in die rückwärts liegende Wand vermauert worden war. Außerdem 
ergab es fich, daß der im Eugenienturm gefundene, in der Marienkapelle auf- 
bewahrte und unter V. als Bruchftück einer Konfole bezeichnete Arm zu eben der 
in Frage ftehenden in jeder Beziehung, auch in den Bruchrändern vollkommen paßte, 
weshalb er mit dem erfterwähnten Stück bei der Reftauration treffliche Verwendung 
fand. — Das Motiv eines, wie in ein Traggeftell eingezwängten, mit den Armen 
kräftig lieh anftemmenden Mannes als Laftträger, wie es fich in befonders fchoner 
und origineller Darftellung bei einem gleichfalls aus dem Lufthaus ftammenden, auf 



1 ) Die Büften waren bekanntlich auch bemalt, und wird dies unter allen Umftänden 
noch ein Moment fein bezüglich der Frage ihrer Fertigftellang, 



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' Die Skulpturen des Stuttgarter Lufthaufes auf dem Schloß Lichtenftein. 169 

der Oftfeite der E. Villa bei Berg unter der Wafferfchale eines Springbrunnens 
aasgebildet findet; hat bei den Eonfolen der Porträtbüften des Lufthaufes die viel- 
faltigfte Verwendung gefunden. 

H. 

Zu XII. Z. 11 ift zunächft verfäumt worden, bezüglich der Konfole zu be- 
merken, daß fich diefelbe unter der fiebenten Porträtbüfte im Schoßhofe befindet; 
fodann ift in der erften Abhandlung die Bemerkung gemacht; daß Infchriftentafel 
und Umrahmung bis jetzt wenigftens fehlen. Nachträglich fand fich die erftere; 
zwar nicht auf dem Lichtenftein; fondern in der Sammlung vaterländifcher Altertümer 
und lautet diefelbe: 

„Alb recht Pfalzgraf bei Rein Herzog zu Obern und Niedern Bayern." 

Das Plättchen ift aus 6 Stücken zufammengefetzt und in der Initiale ergänzt 
und foll von einem Hafner in Ludwigsburg erworben worden fein; der fie dafelblt 
unter einem Ofen als Bodenbelag gefunden haben will. 

Bildhauer A. Schwenzer hat einen Zementabguß des Plättchens hergeftellt ; 
und ift derfelbe nunmehr in der Marienkapelle niedergelegt. 

Die Infchriften-Tafelumrahmung fand fich nirgends, wohl aber eine Zeichnung 
derfelben bei Beisbarth II. Abtheilung Blatt 68 Nr. 123; die übrigens ergiebt; daß 
ße damals fchon ; als die Aufnahme ftattfand, erheblich befchädigt war. 

Hiernach könnte die ganze Porträtgruppe wieder hergeftellt werden. 

I. 

Die Konfole, auf welcher bis daher die IL Gemahlin des Herzogs Ludwig 
als III. Figur der oberen Reihe auf der Südfeite des Fremdenbaues faß; zeigt das 
portugiefifche Wappen. — Da nun der am Eingangsthor aufgehellte König Eduard 
von Portugal (f. I. Abhandlung XV.) bereits auf portugiefifcher Wappenkonfole 
ruht; und außer ihm nach dem Schema genealogicum nur feine Tochter Eleonore 
unter den Ahnen des Herzogs Ludwig dem portugiefifchen Königshaufe entflammte* 
fo ift als unzweifelhaft zu betrachten; daß zu diefer letztgenannten; leider bis jetzt 
noch nicht rekognoszierten Fürftin, Gemahlin Friedrichs IV. ; römifchen Kaifers, Groß- 
mutter der Gemahlin des Herzogs Ulrich, die erwähnte Konfole gehört 

K. 

Noch fei erwähnt, daß ich bei Herrn Regierungsbaumeifter 0* Beisbarth in 
Stuttgart, dem Sohne des berühmten Lufthauszeichners, ein ganz unzweifelhaft aus 
dem Lufthaus flammendes ovales Infchriftentäfelchen fand; auf dem eingeätzt ift: 

Heinrich; Hertzog in Bayern, zu Landshut; genannt der Reich. 
Herr Beisbarth geftattete hievon einen Zementabguß zu nehmen , der wie der erft 
aufgeführte von Herrn Schwenzer hergeftellt worden ift. Das Täfelchen paßt ganz 
genau in die mit L bezeichnete in der Marienkapelle aufbewahrte; bis jetzt leer 
gewefene Umrahmung. 

Der leider noch nicht rekognoszierte Träger des angeführten Namens ift 
der Urgroßvater des Herzog Ulrich. 

L, 

Neben König Eduard von Portugal als vierter Figur der unteren Reihe des 
Eingangsthores fitzt als dritte ebendafelbft eine weibliche Figur mit dem Wappen- 



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170 Wal che r , Die Skulpturen des Stuttgarter Lufthaufes auf dem Schloß Lichten fte in. 

fchild von Arragonien an der Konfole; da nun die letztere vom Schilde abgefehen 
in merkwürdigfter Übereinftimmung fteht mit der Konfole König Eduards und die 
weibliche Figur gleichfalls wie diefer mit der Krone auf dem Haupte gefchmfickt 
ift, fo dürfte das Nebeneinander beider Figuren um fo weniger ein bloß zufalliges 
fein, als die Gemahlin Eduards Eleonora eine Prinzeffin von Arragonien war, das 
Wappen der Konfole alfo i h r Wappen ift und daher bis auf die -äußere Gefamt- 
erfcheinung alles zufammenftimmt, um die genannte Fürftin in der bezeichneten Figur 
zu erkennen. Bei Beisbarth I. 72 findet sich die Infchriftentafel-Umrahmung der 
Königin Eleonore von Portugal mit der Infchrift: _ 

Eleonora, Königen Portugal, geborne Königi zu Arragonia. 
fo daß die ganze Gruppe wieder hergeftellt werden könnte. Es hätte (ich damit 
das zwölfte, und wenn man Herzog Ludwig wegen feiner zweimaligen Verheiratung 
doppelt in Rechnung bringt, das dreizehnte Paar aus dem wirren Durcheinander 
nach jahrelanger Trennung wieder zufammengefunden, und fo vereinigt werden die 
Paare nunmehr auf dem Lichtenftein auch wieder aufgeftellt, nachdem fie zuvor einer 
ebenfo gründlichen als gewiffenhaften Reftauration unterzogen fein werden. 



Zum Schluß wären noch einige Druckfehler der erften Abhandlung zu berich- 
tigen und zwar: 

Auf S. 166 (Separatabdruck S. 8) Zeile 22 von unten fteht „(ftatt 32—31)" 
dafür ift zu lefen (ftatt 31—32). 

Auf S. 172 (S.A. S. 14) Zeile 10 von unten ftatt „Nordfeite" zu lefeu 
Süd feite. 

Auf S. 174 (S.A. S. 16) Ziffer 11 wäre beizufügen: Konfole unter der 
7. Porträtböfte im Vorhof des Schloffes. 

Vor die hiernach folgende Überfchrift 

„Weibliche Linie" 
wäre ergänzend beizufügen 

„Vierter Grad der Aszendenten des Herzogs Ludwig." 

Auf & 177 (S.A. S. 19) ift unter Z. 24 bei Georg, Herzog von Podiebrad, 
König in Böheim, Urgroßvater der Hedwig, ftatt: von Württemberg zu lefen von 
Münfterberg; und endlich ift auf S. 179 (S.A. S. 21) Zeile 18 von oben ftatt Weibs- 
ftamm Mannsftamm und ftatt Mannsftamm Weibsftämm zu lefen. 



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171 



Die fchwäbifchen Gefchichtsforfcher und Gefchichtf ehr eiber. 

Eine Überficht von Dr. K, Klüpfel. 



(Schluß.) 

Eine fruchtbare Anregung zu Forfchungen auf dem Gebiet der württem- 
bergifchen Gefchichte gab A. L. Key f eher 1 ) durch die SammluDg württembergifcher 
Gefetze, die er in Gemeinfchaft mit mehreren Anderen unternahm und in neunzehn 
Bänden in mehreren Abteilungen 1828—1851 veröffentlichte. In den Einleitungen ift 
reiches gefchichtliches Material niedergelegt, Befonders wertvoll ift die Verfaffungs- 
gefchichte in der Einleitung zu den Staatsgrundgefetzen in Band I und III von dem 
Herausgeber, die Einleitung zu den Kirchengefetzen in Band VIII und IX von Theodor 
Eifenlohr, die Einleitung zu den Gefetzen über die Mittelfchulen in Band XI, 2 von 
Hirzel, und die zu den Univerfitätsgefetzen in Band XI, 3 von Eifenlohr. Eine 1850 
von Reyfcher veröffentlichte Schrift: „Drei verfaffungsberatende Landtage und mein 
Austritt aus dem Staatsdienft", und die von Staatsrat K. Biecke nach Reyfchers Tod 
herausgegebene Selbftbiographie: „Erinnerungen aus alter und neuer Zeit 1802—1880**, 
Freiburg 1884, gewähren wertvolle Beiträge zur württembergifchen Zeit gefchichte. 
Für die Zeitgefchichte beachtungswert ift auch die in 4 Auflagen erfchienene Flug- 
fchrift: „Die Urfachen des deutfehen Krieges". Stuttgart 1867. 

Der damalige Profeflbr der Gefchichte auf der Univerfität, Karl Friedrieh 
Hang 2 ), widmete — nicht nach eigener Wahl, fondern durch feinen Lehrauftrag 
genötigt — feine akademifche Tbätigkeit der allgemeinen Weltgefchichte, über 
welche er zwei Jahrzehnte lang bei gefülltem Hörfaal vielgerühmte Vorträge hielt. 
Er war 1820 als Kepetentim theologifchen Stift mit Vorlefungen über alte Gefchichte 
beauftragt worden, fand vielen Beifall und wurde 1821 nach dem Tod des alten 
Röslers außerordentlicher Profeflbr. Er übte durch forgfältig ausgearbeitete, auch 
ftiliftifch gefeilte Darfteilung große Anziehung auf feine Zuhörer, dagegen war fein 
Vortrag, bei dem er fich fireng an fein Manufkript hielt, etwas einförmig. Neben 
der Weltgefchichte las er auch zuweilen über größere Abfchnitte der deutfehen Ge- 
fchichte, zweimal über württembergifche. Letztere wurde in den Jahren 1825—27 
auch von einem Juriften, Oberjuftizaffeffor K. Wächter, dem fpäteren Kultminifter, 
gelefen. Haug fchrieb auch zwei Programme, deren Inhalt der württembergifchen 
Gefchichte angehört, 1830 über die ältefte Graffchaft Württemberg als Gaugraffchaft, 
und 1836 veröffentlichte er Brucfaftücke aus der Chronik eines Sindelfinger Mönches 
über die Jahre 1276—1294. Seit dem Jahre 1851 trat eine wefentliche Veränderung 
in der Vortragsweife Haugs ein, er gab das Ablefen des Manufkripts auf und ge- 



*) Ludwig Reyfcher, geb. zu Unterriexingen 1802, Profeflbr des deutfehen Rechts 1831, 
trat aus dem Staatsdienst 1851, ftarb am 1. April 1880. 

8 ) Karl Friedrich Hang, geb. zu Stuttgart d« 27. Juni 1795, machte feine Univerfitäts- 
ftudien im Stift zu Tübingen, wurde 1820 Repetent und erhielt einen Lehrauftrag für Gefchichte, 
1821 außerordentlicher Profeflbr, 1829 ordentlicher, 1860 in Ruheftand verfetzt, ftarb d. 13. März 1869. 
Schriften: Die ältefte Graffchaft Würtemberg als Gaugraffchaft, 1830. Chronici Sindelfingeniis, 
quae fuperfnnt, e mscr. Crufianis et Gabelkov. collecta, priraum ed. G. F. Haug. Tübingae 
1836. Vergl. die von K. Riecke herausgegebenen Mitteilungen aus Haugs Leben und feinem Nach- 
laß, Stuttgart 1869, und Riecke, Altwürttembergifches aus Familienpapieren, Stuttgart 1886. 
(A. d. B. XI, 52.) 



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172 Klüpfel 

wohnte ficb einen freien Vortrag an. Auch gab er die Behandlung der Univerfal- 
gefchichte als Ganzes auf, und an ihre Stelle traten univerfalbiftorifche Überfichten 
über einzelne für die Entwicklung des Kulturlebens wichtige Zeitabfchnitte. 

Noch ehe er die Vorlefungen über die Weltgefchichte aufgegeben hatte, 
wurde ihm von vielen Seiten, befonders von einftigen Zuhörern zugefprochen, feine 
Weltgefchichte für den Druck zu bearbeiten und dadurch einem größeren Publikum 
zugänglich zu machen. Obgleich er immer große Scheue davor gehabt hatte, für 
den Druck zu arbeiten, fo entfchloß er fich doch zur Veröffentlichung feines Manu- 
fkripte über Weltgefchichte. Er berechnete das Werk auf fechs Bände, dasfelbe 
wurde angekündigt und Ende Oktober 1840 erfchien das erfte Heft, das in einer 
ausführlichen Einleitung die Entwicklungsgeschichte der Menfchheit als Aufgabe der 
Univerfalgefchichte feft Hellte. Erft nach längerer Zögerung erfchien ein zweites 
Heft, aber im Mai 1842 wurde das auf rafchere Folge mit Spannung wartende 
Publikum mit der Erklärung des Verlegers überrafcbt, der Verfafler habe auf Heraus- 
gabe feines Werkes verzichtet. Dem gewiflenhaften Gelehrten wollte die Geftalt, 
in welcher feine Arbeit vorlag, nicht genügen, er glaubte fein Manufkript umarbeiten 
zu muffen. Namentlich wollte er die Ergebniffe der neueren Forfchung über die 
Gefchichte der alten Kulturvölker feiner Darftellung einverleiben und fich mit der 
Gefchichtsauffaflung der damals in Tübingen herrfchenden Hegelfchen Philofophie 
auseinanderfetzen. Darüber verwickelte er fich in Schwierigkeiten, die ihm immer 
größer erfchienen und eine ftetige Fortsetzung feiner Arbeit unmöglich machten. 
So kam er zu dem Entfchluß, das beabsichtigte Unternehmen aufzugeben. Diefer 
Entfchluß wurde von den Verehrern Haugs fehr bedauert; die Vorträge Haugs 
würden fich iür die Lektüre befonders geeignet haben« Die Bedenken, die man 
gegen das Druckenlaflen der mit Beifall gehörten Vorlefungen geltend machte, waren 
gegenüber von den Haugifchen nicht anwendbar, fie waren nicht das Produkt freier 
Bedegabe, fondern forgfaltiger Arbeit am Schreibtifcb, fie waren ja fchon urfprüng- 
lich fo geschrieben, wie man für den Druck fchreibt. Sie würden gewiß Beifall 
gefunden und unter den damals verbreiteten Bearbeitungen der Weltgefchichte eine 
hervorragende Stelle eingenommen haben. 

In diefem Zufammenhang wollen wir nicht unerwähnt laßen, daß um diefe 
Zeit eine Weltgefchichte veröffentlicht wurde, welche ihre Entftehung den im Hör- 
faale Haugs empfangenen Anregungen verdankt. Es ift die Allgemeine Welt- 
gefchichte von Ludwig Bauer 1 ), welche 1835—39 in fechs Bänden bei Belfer 
in Stuttgart erfchienen ift. Bauer, ein geiftreieber, auch poetifch begabter Mann, 
hatte in Gemeinfchaft mit zwei Freunden das genannte Werk verfaßt Dasfelbe 
ift gut gefchrieben, und hätte eine größere Verbreitung verdient, als es gefunden 
hat. Der Verfaffer hatte am Stuttgarter Gymnafium den Unterricht in der Gefchichte 
zu geben, der wegen des freien, lebendigen Vortrags fehr beliebt war. 

Der damalige Rektor des Gymnafiums, G. G. Übelen (geboren 1781, ge- 



*) Ludwig Amandus Bauer, geb. d. 15. Oktober 1803 zu Orendelfall OA. Öhringen als 
Sohn des dortigen Pfarrers, 1817—1821 im Seminar zu Blaubeuren, 1821—1825 im Stift zu 
Tübingen, 1826—31 Pfarrer in Ernsbach OA. Öhringen, 1831—35 Lehrer an der Erziehungs- 
anftalt in Stetten im Remsthal, 1836 Profeffor am Katharinenftift in Stuttgart, 1838 Profeffor am 
oberen Gymnafium in Stuttgart, geft. d. 22. Mai 1846. Schrieb mit zwei Freunden eine All- 
gemeine Weltgefchichte, 6. Bde., Stuttgart 1836—1839, und veröffentlichte unter dem Titel: 
„Schwaben wie es war und ift* eine Sammlung von Auffötzen verfchiedener Verfaffer. Karls- 
ruhe 1842. Nach feinem Tode erfchien eine Auswahl feiner Schriften, Stuttgart 1847, enthaltend 
Briefe, zwei Dramen und einige Auffätze. (A. d* B. II, 146.) 



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Die fchwäbifchen Gefchichtsforfoher und Gefchichtfchreiber. 173 

florben 1854), war auch ein Hiftoriker und hatte einen Teil der gefchichtlicben 
Lektionen. Er fchrieb mehrere kleinere Schriften: „Über den Geift der neueren und 
neneften Gefchichte a 1815, einen Lebensabriß König Friedrichs von Wfirtemberg 1816, 
eine Gefchichte der Entftehung der Landftände im Herzogtum Würtemberg 1818, 
eine Monographie über Graf Eberhard den Erlauchten 1839. 

Das bedeutendfte Werk, welches die Gefchichtfchreibung Schwabens aufzu- 
weisen hat, iit die Wirtembergifche Gefchichte von Chriftopb Friedrich 
Stalin. 4 Bände. Stuttgart und Tübingen 1841 — 1873. Von der Urzeit bis 1593. 
Stalin war am 4. Auguft 1805 zu Calw im Schwarzwald, als der Sohn eines wohl- 
habenden Holzhändlers, geboren. Sehr begabt und frühreif bezog er fchon im Sech- 
zehnten Jahr die Uuiverfität und infkribierte im Herbft 1821 zu Tübingen, wo er 
bis Frühjahr 1824 Philologie und Theologie ftudierte. Von hier aus begab er fleh 
nach Heidelberg, wo ihn befonders Grenzer anzog. Im Lauf des Sommers 1825 
wurde er als freiwilliger Affiftent auf der öffentlichen Bibliothek in Stuttgart auf- 
genommen, nahm aber bald darauf Urlaub, und brachte mehrere Jahre auf Reifen 
zu mit längerem Aufenthalt in München, London, Paris, Berlin, Göttingen und Born. 
1828 erfolgte feine definitive Aufteilung als Bibliothekar und 1846 wurde er zum 
Oberbibliothekar ernannt. 1841 erfchien als Frucht vieljähriger gründlicher Forfchung 
der erfte Band feiner wirtembergifchen Gefchichte unter dem Titel: Schwaben und 
Südfranken bis 1080. Das Buch machte unter den Fachgen offen Auffehen, und die 
folgenden Bände erfüllten die Erwartungen, welche der erfte erregt hatte. Das Werk 
vereinigt alle Vorzüge einer forgfältigen Forfchung mit klarer Feftftellung der be- 
richteten Thatfachen. Ranke fagt in feiner Gedächtnisrede auf Stalin: „Ich glaube 
nicht, daß ich zu viel fage, wenn ich behaupte, daß unter allen Provinzialgefchichten 
die wir befitzen, die württembergifche von Stalin den Preis verdient" Als befon- 
deren Vorzug von Stalins Behandlung feines Stoffes hebt er hervor, daß auch feine 
lokalen Forfchungen immer die allgemeinen nationalen Beziehungen fefthielten. Der 
Glanzpunkt feines Werkes ift der zweite Band. Die allgemeine Reichsgefchichte und 
die ftaufifchen Herzoge von Schwaben bilden die Grundlage und beftimmen die An- 
ordnung, an de fchließt fich dann die der verfchiedenen Adelsgefcblechter, Klöfter 
und Städte an. In derfelben Weife ift im dritten Bande die Zeit von 1269 — 1496 
bebandelt. Als Anhang folgt eine Überficht der inneren Zuftände des Staates, der 
Kirche, der Künfte und Wiffenfchaften , der Gewerbe, des Handels und der Sitten. 
Im vierten Band, welcher die Zeit der würtembergifchen Herzoge, Eberhards IL, 
Ulrichs, Ghriftophs und Ludwigs 1498 — 1593 zum Inhalt hat, tritt die ftaatliche Ent- 
wicklung des Herzogtums in den Vordergrund, die Kämpfe Herzog Ulrichs, feine 
Vertreibung und Wiedereinfetzung, die Einführung der Reformation unter ihm und 
feinem Sohne und Nachfolger Chriftoph find die Hauptpartien der Darfteilung. Ehe 
der Druck des vierten Bandes ganz vollendet war, ftarb Stalin am 12. Auguft 1873 
infolge eines Unterleibsleidens, das fein letztes Jahr getrübt und feine Kräfte ver- 
zehrt hatte. Er hatte fein Lebenswerk, die Gefchichte feines engeren Vaterlandes, 
foweit fortgeführt, als er urfprünglich beabfichtigt, denn es war nicht fein Plan, die 
Darfteilung auf die zwei letzten Jahrhunderte auszudehnen. Wir fchließen unferen 
Bericht mit der Schilderung, welche Ranke von ihm entwirft. „Stalin , a fagt er, 
„war eine echt fchwäbifche Natur, kräftig und klug, ein Gelehrter, der doch ein 
gutes Urteil über die Dinge der Welt befaß, öffentlich zurückhaltend und fchweig- 
fam, im perfönlichen Verkehr mitteilend und belehrend« Als Forfcher ift er durch 
die Genauigkeit und Zuverläffigkeit feiner Angaben unübertroffen, und fein Willen 
war ihm immer gegenwärtig," (Vergl. auch Wegele 1020 f.) 



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474 Klüpfel 

Eine Ergänzung zn Stalins, auf urkundlicher Grundlage verfaßter Gefehichte 
Würtembergs ift das Urkundenbuch , welches Eduard Kausler in den Jahren 
1849 — 1871 in drei Bänden herausgegeben hat. Es find in dasfelbe alle Schrift- 
ftücke von den älteften Zeiten an aufgenomramen, in welchen der Name des Stamm- 
haufes Württemberg genannt ift, oder in welchen fleh eine auf irgend einen Beftand- 
teil des jetzigen Königreiches fleh beziehende rechtliche Beftimmung findet. Die 
Aufnahme wurde nicht auf folche Stücke befchränkt, welche in Originalansfertigung 
oder Abfchrift auf dem königlichen Staatsarchiv aufbewahrt find, fondern auch auf 
folche ausgedehnt, welche bereits gedruckt, oder in einer handfehriftlichen Samm- 
luug niedergelegt find. Als zeitliche Grenze für den vollftändigen Abdruck der Ur- 
kunden wurde das Todesjahr Eaifer Heinrichs VII. 1313 angenommen. Kausler 
beforgte die Redaktion mit großer Sorgfalt und Sachkenntnis bis zum Jahr 1240, 
mit dem der dritte Band fehließt. Nach Kauslers 1873 erfolgtem Tod *) übernahm 
.Archivrat Stalin die Redaktion und 1883 erfchien ein vierter Band, der die Fort- 
fetzung bis 1250 famt den Nachträgen ans neu erfchloffenen Quellen enthält. 

Gleichzeitig mit Stalins erfteni Band erfchien, von diefem als „ein ausge- 
zeichnetes Werk" bezeichnet, L. F. Heyd, Ulrich, Herzog von Würtemberg, drei 
Bände 1841—44. 

Ludwig Friederich Heyd, Stadtpfarrer in Markgröningen *) hatte fchon meh- 
rere kleinere Schriften über Ulrichs Kanzler Volland (1828), die Schlacht bei Lauffen 
vom Jahr 1534, und über Melanchthon in Tübingen (1839) gefchrieben, und hierauf fleh 
an die Bearbeitung einer Gefehichte Herzog Ulrichs gemacht. Nachdem er feit einem 
Jahrzehnt die Archive in Stuttgart, München, Wien, Kaffel, Zürich und Mömpelgard 
durchforfcht und die Materialien gefammelt hatte, machte er fleh an die Ausarbei- 
tung und 1841 erfchienen zwei Bände einer gediegenen Lebens- nnd Regierungs- 
gefchichte Herzog Ulrichs, welche allgemeine Anerkennung fand. Leider war es dem 
Verfaffer nicht vergönnt, fein Werk abzufchließen, er ftarb, ehe mit dem Druck des 
dritten Bandes begonnen werden konnte. Ein Fachgenoffe, der obenerwähnte wür- 
tembergifche Hiftoriker Karl Pfaff, übernahm die Yervollftändigung und Herausgabe 
des hinterlaffenen Manufkripts und 1844 kam mit dem dritten Band die Gefehichte 
Ulrichs zum Abfcbluß. Einige Jahre vorher erfchien ein anderes für die Gefehichte 
der würtembergifchen Reformationszeit wichtiges Werk, das Leben des Reformators 



*) Eduard Kausler, geb. d. 20 Auguft 1801 zu Winnenden, wo fein Vater Advokat 
war. Seine Uni verfitätsftu dien, welche er neben der Rechtswiffenfchaft auf Gefehichte und Philo- 
logie ausdehnte, machte er in den Jahren 1820 — 26 in Tübingen, Göttingen und Berlin. Nach 
Beendigung derfclben trat er 1826 in den Archivdienft, in welchem er allmählich bis zum Vize- 
direktor vorrückte. Er ftarb 1873, den 27. Auguft, nach längerer Krankheit. Außer dem 
Württemberg! fchen Urkundenbuch, Bd. I— III, Stuttgart 1849—71, haben wir ihm die Herausgabe 
des Tagebuches von Bernhard Stick el 1566—1598, Stuttgart 1866, und des Briefwechfels des 
Herzogs Chriftoph mit dem Bifchof Vergerius zu danken, der auf Koften des litterarifchen Ver- 
eins 1875 veröffentlicht wurde. Über den vielfeitig gebildeten, in Gefchichts- und Sprachwiflen- 
fchaft wohlbewanderten, im Umgang liebenswürdigen Mann, der auch die Forfchungen anderer 
vermöge feiner Bereitwilligkeit zu Rat und Mitteilung vielfach gefördert hat, vgl. P. Stalin, 
A. d. B. XV, 508. A. Keller in Bartfehs Germania 1874. 

*) Ludwig Fried. Heyd, geb. zu Bifllngen a. d. Enz 1792 den 19. Februar, machte feine 
Studien im Stift zu Tübingen, wurde 1817 Repetent an demfelben, 1829 Diakonus in Mark- 
gröningen, 1824 Stadtpfarrer dafelbft und ftarb den 26. März 1842. Schriften: Ambrofius Volland, 
Kanzler des Herzog Ulrichs von Württemberg, 1828. Gefehichte der Grafen von Groningen, 1829. 
Gefehichte der ehemaligen Oberamtsftadt Markgröningen, 1829. Die Schlacht bei Laufen a» N., 
1834. Melanchthon in Tübingen 1512—18, 1839. Ulrich, Herzog von Württemberg, 3 Bde., Tü- 
bingen 1841—44. (W. Heyd Allg. d. Biogr. XII, 345.) 



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Die fchwäbifchen Gefchichtsforfcher und Gefchichtfchreiber. 175 

Johannes Brenz. Zwei mit gefchichtlichen Studien vertraute württcmbergifchc Geift- 
licfae, der fchon oben erwähnte Pfarrer Karl Jäger und Diakonus Julius Hart- 
mann in Neuftadt an der Linde (geb. Backnang 1806, geft. 1879 als Dekan in 
Tuttlingen) hatten fich zu der gemeinfamen Arbeit verbunden 1 ). Sie haben Brenz 
hauptfächlicb als Gründer des würtembergifchen Kirchenwefcns gefchildert und da- 
für in wurttembergifchen und auswärtigen Archiven viele noch ungedrucktc Mate- 
rialien, Briefe und Gutachten von Brenz gefammelt. Zwanzig Jahre fpäter hat Ju- 
lius Hartmann das Leben von Brenz in kürzerer populärer Darfteilung neu be- 
arbeitet für das Sammelwerk: „Leben und Schriften der Väter der lutherifchen 
Kirche", deffen fechfter Band (Elberfeld 1860) Brenz gewidmet ift. Derfelbe hatte 
fchon früher eine überficbtliche Gefchichte der Reformation 1835 veröffentlicht, fowie 
auch 1856 einen Abriß der politifchen Gefchichte Württembergs. 

Zur Gefchichte des Reformators Brenz hat Theodor P reffe 1 (geb. Tübingen 
1819, geft. 1877 als Dekan in Schorndorf) einen reichhaltigen Beitrag geliefert unter 
dem Titel „Anecdota Breutiana" Tübingen 1868. Es ift eine Sammlung bisher 
ungedruckter Briefe, Bedenken und Predigten mit gefchichtlichen Erläuterungen. 

Theodor Keim 3 ) hat eine „Schwäbifche Reformationsgefchichte bis zum 
Augsburger Reichstag 1531 u Tübingen 1855 veröffentlicht. Diefelbe ift dadurch von 
befonderem Wert, daß fie auf die zeitgenöffifehen Quellen zurückgeht, manche hand- 
fchriftliche Materialien zum erftenmal benützt und die Bedeutung der Reichsftädte 
für das geiftige Leben jener Zeit in das Licht ftellt. Diefes Yerdienft hat auch 
desfelben Verfaffers „Reformationsgefchichte der Stadt Ulm 1851", und die Schrift 
„Reformationsblätter der Stadt Eßlingeu* 4 1860. Für die württembergifche Reformations- 
gefchichte ift auch Keims Leben Ambrofius Blarers 1860 und Theodor Preffels Mo- 
nographie über denfelben in Band IX des Sammelwerks: „Leben und Schriften der 
Väter der reformierten Kirche" Elberfeld 1861 ein wertvoller Beitrag. 

In diefem Zufammenhang verdient auch Ottmar Schönhuths 8 ) „Kirchliche 



') Jol. Hartmann und Karl Jäger, Johann Brenz nach gedrückten nnd ungedruckten 
Quellen, 2 Bde., Hamburg, Perthes 1840—42. Karl Jäger, geb. zu Cannftatt 1794 den 22. Auguft 
als Sohn des dortigen Helfers. Studiert im Stift zu Tübingen, wird 1820 Pfarrer in Bürg bei Heil- 
bronn, 1841 in Münchingen, wo er den 18. Nov. 1842 ftirbt. Vergl. Nekrolog von Pfaff im fchwäbifchen 
Merkur vom 6 Dez. 1843, und württembcrgifches Kirchenblatt 18, Bd. IV. Schriften: Handbuch für 
Reifende in den Neckargegenden, 1824 (enthält viele Beiträge zur Gefchichte des unteren Neckar- 
thaies von Heilbronn abwärts). Gefchichte der Stadt Heilbronn und ihres Gebietes, 2 Bde., 
Heilbronn 1828. Mitteilungen zur fchwäbifchen und fränkifchen Reformationsgefchichte, 1817. 
Ulms Verfaflung, bürgerliches und kommerzielles Leben im Mittelalter, Stuttgart 1831. Johannes 
Brenz, 2 Bde., Gotha 1840-42. (W. Ilcyd, A. d. B. XIII, 053.) 

») Karl Theod. Keim, geb. Stuttgart 17. Dez. 1825. Prof. d. Theol. in Zürich 1860, in 
Gießen 1873, geft. 1878. Außer den oben genannten Schriften : Die raenfchliche Entwicklung Jefu 
Chrifti, 1861. Die gefchichtliche Würde Jefu Chrifti, 1864. Der gefchichtliche Chriftus, 1866. Ge- 
fchichte Jefu von Nazara, 3 Bde., Zürich 1867—72. Gefchichte Jefu nach den Ergebniffen heutiger 
Wiflenfchaft, 1873. Aus dem Urchriftentum. Gefchichtliche Unterfuchung, 1878. (A. d. B. XV, 534.) 

8 ) Ottmar Schönhuth, geb. Sindelfingen 6. April 1806, ftudierte im Seminar zu Schönthal 
und im Stift zu Tübingen von 1822 — 29, wurde ein Jahr nachdem er die Uni verfität verladen 
hatte Pfarramts verwefer auf der Bergfefte Hohentwiel, wo er lieben Jahre zubrachte. 1837 wurde 
er Pfarrer in Dörzbach, 1842 in Wachbach, 1854 in Edelfingen, wo er 1864 d. 6. Februar ftarb. 
Schon auf der Univerfität befchäftigte er fich viel mit ortsgefchichtlichen Studien, deren Ergeb- 
nifle er 1829 in zwei kleinen Druck fchriften : „Merkwürdigkeiten in Tübingen 4 und „Wanderungen 
in der Umgegend von Tübingen niederlegte. Sein Aufenthalt auf dem Hohentwiel gab ihm Ver- 
anlagung zu einer Gefchichte und Befchreibung der Burgruine Hohentwiel, welche 1833 in erfter 
Auflage und noch öfter erfchien. Es folgte eine Leben sbefchreibung Konrad Widerholds 1833 
und eine Befchreibung der Burgen des Höhgaus 1833. Der Verkehr mit dem Freiherrn von Laß- 



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176 Elüpfel 

Gefchichte Wfirtembergs und des Hohenloher Landes", Befigheini 1842, Erwähnung. 
Es ift darin befonders der fränkifche Teil Württembergs beruckficbtigt. — Vor einigen 
Jahren hat Janffens Darftellung der kirchlichen Reformation in Württemberg dem 
Pfarrer 6. B offer t in Bächlingen zu einer Bevifion der württembergifchen Refor- 
mationsgefchichte Veranlagung gegeben, und er hat das Ergebnis feiner Unter- 
fucbungen in den Schriften des Vereins für Reformationsgefchichte Heft 6 und 7, 
Halle 1884 veröffentlicht. Die neuefte, ftreng aus den Akten gefchöpfte „Württem- 
bergifche Reformations-6efchichte a (Stuttg. 1887) verdanken wir Eugen Schneider. 
Zum Schluß unferer Überficht über die Litteratur der württembergifchen 
Reformationsgefchichte muß in diefem Zufammenhang auch noch einer Kirchen- 
ge fch ich te Württembergs gedacht werden, welche Diakonus KarlRSmer 1848 ver- 
öffentlicht hat unter dem Titel: „Kirchliche Gefchichte Württembergs", Stuttgart im 
Verlage der evangelifchen Bücherftiftung. Eine zweite Auflage hat mit Nachträgen 
des 1859 verdorbenen Verfaffers 1865 Fr. Roos herausgegeben. Diefe Schrift ift 
zwar nur eine Kompilation, welche auf wiffenfchaftliches Verdienft keinen Anfpruch 
macht, aber eine fleißige, tüchtige Arbeit, welche über das kirchliche und religiöfe 
Leben in Württemberg einen Überblick gewährt und über die benützte Litteratur 
gewiffenhafte Auskunft giebt. Mit Vorliebe berückfichtigt ift auch das biograpbifche 
Element, indem über die als Träger des kirchlichen und religiöfen Lebens hervor- 
ragenden Männer genauere Nachricht gegeben ift. 

Von Erforfchern einzelner Gebiete und ihren Beiträgen zur Landesgefchichte, die oben 
noch nicht erwähnt find, nennen wir, mit Übergehung der Lebenden, nach der Altersfolge: 

Magen an, Rnd., geb. zn Markgröningen 1767, f als Pfarrer in Hermaringen 1846. 
Der Güflenberg nnd die Güffen 1823. Hift-topogr. Befchr. von Giengen 1830. <AHg. d. Biogr. XX, 66.) 

Köhler, Friedr. Aug., geb. 1768 in Hornberg (j. bad.), t aIs Pfarrer in Marfchalken- 
zimmern 1844» Befchr. n. Gefch. von Stadt und Bezirk Sulz a. N. 1835, Oberndorf a. N. 1836. 
Tuttlingen 1839. (Viel Handfchriftliches im Befitz des E. ftatift. Landesamts.) 

Dizinger, Karl Friedr., geb, zu Stuttgart 1774, f als Oberjuftizrat a. D. um 1840. 
Denkwürdigkeiten aus meinem Leben 1833 (nicht ohne Wert für die Gefchichte von 1796—1816). 
Beiträge zur Gefchichte Würtembergs und feines Regentenhaufes zur Zeit der Regierung Herzog 
Karl Alexanders und während der Minderjährigkeit feines Erftgeborenen 1834. (Viel Archivalifches.) 

Gok, Earl Ghriftoph, geb. zu Nürtingen 1776, f als Hofdomänenrat in Stuttgart 1849. 
Die röm. Altertümer und Heerftraßen der fchwäb. Alb nnd am Bodenfee 1846. Der röm. Grenz- 
wall 1847. 

Binder, Chriftian, geb. in Eberftadt 1775, f als Kaufmann tit. Hofrat in Stuttgart 1840. 
Stalin gab nach Binders Tod ergänzt heraus feine fehr tüchtige Württembergifche Münz- und 
Medaillenkunde 1846. 

Vanotti, Joh. Nepomuk, geb. zu Freiburg i. B. 1776, f als Domkap itular in Rotten- 
burg 1847. Gefchichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg 1845. Vieles in Zeit- 
fchriften, Oberamtsbefchreibungen etc. 



berg und die Benützung feiner reichen Bibliothek gab ihm Anregung und Befchäftignng mit "alt- 
deutfchcr Litteratur. Er gab die Laßbergifche Handfchrift des Nibelungenliedes heraus 1834, 
veröffentlichte auch eine hiftorifch • kritifche Unterfuchung darüber, in welcher er zu beweifen 
fucht, daß die Laßbergifche Handfchrift die ältefte fei. Später gab er Herolds Chronik der 
Stadt Hall (1855), des Klofters Reichenau 1836, des Klofters Schönthal 1850, der Stadt Mer- 
gentheim 1857, die Selbftbiographie des Götz von Berlichingen 1859 und Schertüns von Bur- 
tenbach 1858 heraus, 1842 veröffentlichte er eine kirchliche Gefchichte Württembergs und des 
Hohenloher Landes. Einen Beitrag zur Reformationsgefchichte gab er 1835 durch die Bio- 
graphie Joh. Gaylings. Aus den Monographien über Burgen und Rlöfter erwuchs ein Sammel- 
werk unter dem Titel : Die Burgen, Klöfter, Kirchen und Kapellen Württembergs, Stuttgart 1860. 
2. Aufl. 1863. Seh. gründete 1847 mit Dekan Hermann Bauer (f. n.) den hiftorifchon Verein für 
das württembergifche Franken und beteiligte (Ich fleißig bei der von diefem Verein heraus- 
gegebenen Zeitfchrift. 



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Die fchwäbifchen Gefchichtßforfcher und Gefchichtfchreiber. 177 

Jaumann, Ignaz, geb. 1778 zu Wallerftein in Bayern, f 1862 als Domdekan in Rotten- 
burg, 1862. Colonia Sumlocenne 1840 mit Nachträgen — nicht ohne Wert, trotz der Kritiklosigkeit, 
womit der Verf. auch von Spaßvögeln ihm zugetragene Fälfchungen als Beweisgegenftände be- 
nützte. (Wintterlin, AI lg. d. Biogr. XIII, 781 ff.) Wie jetzt auch Mommfen Rottenburg ganz 
anders als in feiner Kritik der Jaumannfchen Arbeiten 1852 an/leht, zeigt Rom. Gefch. V und 
Weftd. Zeitfchr. 1886 Korr.-Bl. 197.) 

Gay 1 er, Chriftoph Friedr., geb. zu Reutlingen 1780, f als ProfeiTor und Stadtpfarrer 
dafelbft 1849. Gefchichte von Reutlingen 1840. 

Gratianus, K. Chriftian, geb. zu Neuftadt a. d. L. 1780, f als Pfarrer a. D. von Sindel- 
fingen 1860. Gefchichte von Reutlingen 1831; Urach 1817 f. 

Wagner, Heinrich, geb. 1783, f als Kanzleirat a. D. in Stuttgart 1863. Gefchichte 
der Hohen Karlsfohule 1856 ff, — ein ungeordnetes, aber unentbehrliches Buch. 

v. Härtens, Karl, geb. zu Venedig 1790, f als württ. Generalmajor a. D. in Stutt- 
gart 1861. Verfairer der guten Gefchichte der kriegerifchen Ereignifle in Württemberg 1847. 
Gefchichte des Hohentwiei 1857. 

Schwab, Guftav, geb. zu Stuttgart 1792, f als OberkonAftorial- und Studienrat da- 
felbft 1850. Der Dichter lieferte in feiner „Neckarfeite der fchwäbifchen Alb u 1823, feinem 
„Bodenfee" und kleineren Arbeiten (f. die von KlQpfel herausgegebenen Kleinen profaifchen 
Schriften 1882) manche fchätzbare Beiträge zur Landesgefchichte. 

Stadlinger, Ign., geb. zu Gmünd 1792, f als Generalmajor a. D» in Comburg 1872. 
Gefch. des württ. Kriegswefens 1856. 

Pauly, Aug., geb. zu Benningen 1796, f als Gymn.-Prof. in Stuttgart 1845. Progr. 
über infcriptiones aliquot Romanae in folo Wtirt. retectae 1831. Gute Oberamtsbefchreibungen : 
Wangen 1841, Leutkirch 1843, Heidenheim 1844, EÄlingen, Nürtingen 1845. (Allg. d. B. XXV, 297.) 

Titot, Heinrich, geb. zu Heilbronn 1796, f als Oberamtspfleger dafelbft 1871. Mehrere 
Schriften zur Gefchichte feiner Vaterftadt. (Zeitfchr. d. hift. V. f. d. württembergifche Franken 
IX, 339 ff.) 

Volz, Karl Wilh., geb. zu Großbottwar 1796, f als ProfeiTor an der Realfchule in 
Stuttgart 1857. Kulturgefchichte Württembergs in Abhandlungen in den württ. Jahrbüchern, 
Staatsanzeiger etc. und in der Schrift: Beiträge zur Kulturgefchichte 1852. 

Dornfeld, Immanuel, geb. 1796, f als Finanzrat in Weinsberg 1869. Gefch. des 
Weinbaues und Wein Verkehrs in Schwaben 1868. 

Wächter, Karl Georg, geb. zu Marbach 1797, f &1» ProfeiTor in Leipzig 1880. Vor- 
zügliche Gefchichte des württ. Privatrechts. 

Öchsle, Joh. Ferd. Fr., geb. zu Eßlingen 1797, f als Archivrat in Stuttgart 1845. 
Beiträge zur Gefchichte des Bauernkrieges in den fchwäbifch-fränkifchen Grenzlanden 1880. 

Hebold, K. A., f. u. 

Klunzinger, Karl, geb. zu Ehingen 1799, f als Stadtpfarrer a. D. von Gü gl in gen 1861. 
Gefchichte des Zabergäus 1841 ff., von Lauffen a. N. 1845, Kl. Maulbronn 1854, Kl. Beben- 
haufen 1852; Berichte über den Altertumsverein im Zabergäu 1841—60. 

Mohl, Robert, geb. zu Stuttgart 1799, f als bad. Geheimerat in Berlin 1875. Beiträge 
zur Gefch. Württembergs. Bd. I Teilnahme Friedrichs d. Gr. an den Streitigkeiten zwifchen Herzog 
Karl v. Württemberg und den Ständen des Landes 1831. (Leider ohne Fortfetzung.) Sitten und 
Betragen der Tübinger Studierenden während des 16 Jahrhundorts, 1840. 1871. (Allg. d. Biogr. 
XXII, 745 ff.) 

Hauch, Eduard, geb. zu Geislingen 1800, f als ProfeiTor a. D. in Ulm 1874. Vieles 
Knuftgefchichtliche in den Verhandlungen des Vereins für Kunft und Altertum in Ulm und Ober- 
fchwaben, dem Kunftblatt etc. Die Baugefchichte der Stadt Ulm und ihres Münfters 1864. Mit 
Grflneifen (f. u.): Ulms Kunftleben im Mittelalter 1840. (Wintterlin, Allg. d. Biogr. XX, 686.) 

Grüneifen, Karl, geb. zu Stuttgart 1802, f als Prälat und Oberhofprediger a. D. da- 
felbft 1878. Denkblatt der Reformation der Stadt Stuttgart 1835. Abriß einer Gefch. der religiösen 
Gemeinfchaften in Württ Zeitfchr. f. hift. Theo!, v. Illgen XI, 1811. Die evang. Gottesdienft- 
ordnung in den oberdeutfchen Landen, vornehmlich des jetzigen Württemberg, 1856. Mit Ed. 
Mauch: Ulms Kunftleben im Mittelalter 1840 — ein feines Büchlein. (Allg. d. Biogr. X, 36.) 

Albrecht, Jof. Konr., geb. zu Schrozberg 1803, f als Domänendirektor in Öhringen 
1871. Die Stiftskirche zu Öhringen 1837. Münzgefchichte des Haufes Hohenlohe 1846. Conrads 
von Weinsberg Einnahmen- und Ausgabenregifter 1850. Archiv für Hohenlohifche Gefchichte 
1857—60, 1870. Wertvolle Regeftenfammlung zur Gefchichte der Herren von Weinsberg. K. öff. 
Bibl. (Zeitfchr. d. hift. Ver. f. d. w. Franken IX, 332 ff.) 

Württemb. Vierteljahrshefte 1887. 12 



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178 Klfipfel 

Haßler, Konr. Dietr., geb. zu Altheim bei Ulm 1803, f als Oberftudienrat u. Landes- 
konfervator in Ulm 1873. Buchdruckergefchichte Ulms 1840. Fei. Fabris Evagatorium 1843 ff. 
Ott Rolands Handlungsbuch 1843. Die Beziehungen Gnftav Adolfs zu Ulm 1860. Das aleman- 
nifche Totenfeld bei Ulm 1860. Reifen and Gefangonfchaft H. W. Kraffts von Ulm 1861. 
Schwäbifche Fliefe 1862. Ulms Kunftgefchichte im Mittelalter 1864. Jfldifche Altertümer aus 
dem Mittelalter in Ulm 1865. Reifen Sara. Kiechels im Orient 1867. Stadien aus der Staats- 
fammlung vaterl. Altertümer 1868 etc. (Vergl. Veefenmeyer Allg. d. Biogr. XF, 15 ff.) 

Mofer, Rudolf, geb. zu Stuttgart 1803, f als Finanzrat a. D. und Geh. Sekretär der 
Königin 1862. Einleitung in die Steuergefetze Reyfcher Bd. XVII, 2. 1840. Tüchtige Befchreibung 
und Gefchichte der Oberämter Kirchheim, Göppingen, Welzheim, Waiblingen, Schorndorf, Gail- 
dorf, Stadt Stuttgart 1842—56. Lexikon von Württemberg 1843. 

Paulus, Eduard, geb. zu Berghaufen bei Speier 1803, f als Oherfinanzrat a. D. in 
Stuttgart 1878. Vieles zur Kunde der Altertümer des Landes in den Oberamtsbefchreibungen, 
Württ. Jahrbüchern, Schriften des württ Altertumsvereins etc. (Wintterlin, A. d. B. XXV, 295.) 

Kerl er, Heinr. Friedn, geb. zu Weiler ob Helfenftein 1804, f als Pfarrer in Ohmden 
1849. Gefchichte der Grafen von Helfenftein 1840. 

Longner, Ignaz, geb. zu Friedrichshafen 1805, f als Domkapitular in Rottenbarg 1868. 
Beiträge zur Gefch. der oberrhein. Kirchenprovinz 1863. 

Ruckgaber, Heinrich, geb. zu Stuttgart 1806, t *te Rektor in Rottweil 1859. Ge- 
fchichte von Rdttweil 1835 ff. Gefch. der Grafen von Zimmern 1840. 

Schott, Albert, geb. zu Stuttgart 1809, f «1« Profeüor dafelbflt 1847. Gute Be- 
fchreibungen von Oberämtern, z. B. Maulbronn, Stattgart etc. im Schwab. Merkur, Über den 
Urfprnng der deutfchen Ortsnamen zunächft um Stuttgart 1848. 

Strauß, D, F., f. u. 

Fi f eher, Adolf, geb. zu Winzerhaufen 1811, f als Dekan in Öhringen 1877« Hohen- 
lohifche Gefchichte 1866-71: eine der beften Adelsgefchichten , die wir kennen. Auffätze zur 
Gefchichte Hohenlohes, Weinsbergs etc. in den Theol. Jahrbüchern, Jahrbüchern für deutfehe 
Theologie, Württ. Jahrbüchern, der Zeitfchr. des hift. Ver. f. d. württ Franken, der litterar. Bei- 
lage des Staatsanzeigers, Zeitfchr, f. Kirchenrecht (f. den Nekrolog von Boger in der Zeitfchr. 
d. hift. Ver. f. württ Franken X, 210 ff.). 

Kurz, Hermann, geb. zu Reutlingen 1813, f als Univ.-Bibliothekar in Tübingen 1873. 
Aus den Tagen der Schmach. Gefohichtsbilder aus der Melacszeit 1871. Aach die Charakteriftik 
Herzog Karls in dem Roman Schillers Heimatjahre 1843, wozu der Verfaffer noch lebendige Über- 
lieferungen eines Zeitgenoflen benützt hat, ift von Wert. (Allg. d. Biogr. XVII, 425.) 

Köftlin, Chrift Reinhold, geb. zu Tübingen 1813, f als Profeflbr der Rechte dafelbffc 
1856. König Wilhelm und die Entwicklang der württ Verfaffung 1839. (Allg. d. Biogr. XVI, 759.) 

Bauer, Hermann, geb. zu Mergentheim 1814, f als Dekan in Weinsberg 1872. Zahl- 
reiche, zum Teil grundlegende und bahnbrechende Arbeiten zur Landesgefchichte , insbefondere 
zur Gefchichte Nord-Württembergs in den Württ Jahrbüchern, der Zeitfchr. des hift Vereins für 
das württ Franken, den Oberamtsbefchreibungen Aalen, Gmünd, Neresheim, auch auswärtigen 
Zeitfchriften. (VergU Zeitfchr. d. hift. Ver* f. d. württ Franken IX, 823 ff..) 

Fürft von Hohenlohe-Waldenburg, Friedrich Karl, geb. zu Stuttgart 1814, f in 
Kupferzell 1884. Viel Sphragiftifches von dauerndem Wert, f. befonders feine Sphragiftifche 
Aphorismen 1882 f., Hohenlohifches Archiv, Zeitfchr. für württ Franken, Württ Vierteljahrs- 
hefte etc. (Vergl. Baumann, Schriften d. Ver. f. Gefch. d. Baar V, 1885.) 

Haakh, Adolf, geb. zu Heilbronn 1815, f als Vorftand des Mufeums vaterl. Alter- 
tümer in Stuttgart 1881» Beiträge aus Württemberg zur neueren deutfchen Kunftgefchichte 1863. 

Stark, Paul, geb. zu Göppingen 1816, f als Pfarrer a. D. in Stuttgart 1881. Johannes 
Keplers Verhältnis zur fchwäb. Heimat Zeitfchr. f. d. hift Theol. 1868. Fürftliche Perfonen 
des Haufes Württemberg und ihrer bewährten Diener im Zeitalter Friedrichs des Großen. Württ 
Jahrb. 1875. 

Schwarz, Franz Jofeph, geb. zu Böhmenkirch 1821, f als päpftlicher Hausprälat und 
Stadtpfarrer in Ellwangen 1885. Formenlehre des roman. und gotifchen Bauftils (mit Laib) 1858, 
1867. Studien über die Gefchichte des ohriftl. Altars (mit Laib) 1857. Vieles im Kirchenfchmuck 
1857 ff. und Archiv für chriftl. Kunflt 1888 ff. Die ehem. Benediktinerabteikirche zum h. Vitus 
in Ellwangen 1882. 

Golther, Ludwig, geb. in Ulm 1823, f als Staatsminifter a. D. in Stuttgart 1876. 
Der Staat und die kathol. Kirche in Württemberg. Darfteilung der gefchichtl. Entwicklung des 
Verhältniffes zwifchen beiden 1874. (Allg. d. Biogr. IX, 347.) 



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Die fohwäbifohen Gefchichtsforfcher und Gefchichtfohreiber. 179 

G etil er, Theodor, geb. zu Ellwangen 1824, f als Staatsminifter a. D. in Urach 1886. 
Mit K. V.Fricker, der die ältere Zeit bearbeitete: Gefchichte der Verfaflung Württembergs 1869« 
Zwei Reden über die Verfaffung der Univerfität Tübingen, W. Jahrb. 1873 II. 

Bacmeifter, Adolf, geb. zu Eßlingen 1827, f als Schriftfteller in Stuttgart 1878. 
Alemannifche Wanderungen. L Ortsnamen der keltifch-römifchen Zeit, II, Slavifche Siedlungen 1867 : 
eine ungemein anregende Schrift. (VergU R. Schmid vor Bacmeifters Abhandlungen u. Gedichten. 
Herausg. von Hartmann, Klaiber und Schmid 1886.) 

Gl atz, Karl Jordan, geb. zu Rottweil 1827, f als Pfarrer in Wiblingen 1880. Gefch. 
des Klofters Alpirsbach 1877, Viel Quellenmäßiges über Rottweil, Rottenmünfter, Hohenkarpfen, 
Lupfen etc. in den Schriften der Altertumsvereine zu Rottweil, Donauefchingen, dem Freiburger 
Diözefanarchiv etc. 

Der Vollständigkeit wegen reihen wir zum Schluß die oben noch nicht erwähnten, in 
Württemberg geborenen, nicht mehr lebenden Gelehrten verfchiedener Fakultäten an, welche fich 
durch gefchichtliche Forfchung und Darfteilung einen Namen gemacht haben. 

Uhland, Ludwig, geb. zu Tübingen 1787, f dafelbft 1862. Sein Walther von der Vogel- 
weide und feine nachgeladenen Schriften zur Gefchichte der Dichtung und Sage und Kleinode 
der Gefchichtslitteratur. (Vergl. H. Fifcher, Ludwig ühland. Stuttg. Cotta 1887,) 

Baur, Chrift. Ferd., der Kirchenhiftoriker, geb. zu Schmiden 1792, geft. als ProfeiTor in 
Tübingen 1860. Meifter und Vorgänger nicht bloß für feine unmittelbare Schule, (A. d. B. II, 172 ff.) 

Kau sie r, Franz Ge. Friedr., geb. zu Stuttgart 1794, f als württ. Oberft a. D. in 
Karlsruhe 1848. Viele militärgefchichtliche Schriften. (Wintterlin Allg. d. Biogr. XV, 509.) 

Köhler, Joh. Adam, geb. zu Igersheim bei Mergentheim 1796, geft. als Profeflbr der 
Theologie in Hünchen 1888. Der berühmte katholifche Theologe eröffnete als Kirchenhiftoriker 
feine Laufbahn: Athanalius der Große 1827. (Allg. d. Biogr. XXII, 57 ff.) 

Mebold, Karl Aug., geb. zu Spielberg 1798, f 1854 in Stuttgart als Redakteur der 

Allg. Zeitung. Der 30jährige Krieg und feine Helden 1836 ff. Württemberg in den J. 1815—34 

im Konverfationslexikon f. d. neuefte Zeit IV, 1834. (Vom Standpunkt der liberalen Oppofition 

gefchrieben und viel angefochten in Gegenfchriften von £. Münch u. a.) Vergl. Allg. d. Biogr. 

. XXI, 151. 

Gfrörer, Auguft, geb. zu Calw 1803, f in Karlsbad 1861 als ProfeiTor der Gefchichte 
zu Freiburg i. B. Werke über die jüdifch-alexandrinifche Religionsphilofophie, die Gefchichte 
des Urchristentums, Kirchengefchichte bis K. Heinrich IV., Gefch. der Karolinger, Papft 
Gregor VII. etc. (M. Gmelin, Allg. d, Biogr. IX, 139. Wegele 1039 ff,) 

Wurm, Chrift. Friedr., geb. zu Blaubeuren 1803, f 1859 zu Reinbeck in Holftein als 
ProfeiTor am akademifchen Gymnafium in Hamburg. Zahlreiche gediegene Gelegenheitslchriften, 
Denkfchriften, Zeitfeh riftartikel zur Zeitgefchichte, Handelsgefchichte etc. (Vergl. Schieiden, Dem 
Andenken C. F. Wurms 1859. Allg, Zeitung 1859, Nr. 44.) 

Strauß, Dav. Friedr., geb. zu Ludwigsburg 1808, f dafelbft 1874. „Er hat," fagt fein 
Biograph E. Zeller, „die deutfehe und außerdeutfehe Litteratnrgefchichte mit einer anfehnlichen 
Zahl von geift vollen, gründlich und fein gearbeiteten Biographien bereichert." Württemberg 
betreffen unmittelbar feine Bücher über Frifchlin und Schubart, fowie die kleineren Arbeiten 
über Spittler, König Wilhelm, Möhler, Frh. von üxkull, Juft. Kerner, Eb. Wächter, Gottl. Schick, 
Ifopi, Chr. Härklin, L. Bauer, Ktinzel, Fr. Sicherer etc. 

Reuchlin, Hermann, geb. zu Markgröningen 1810, f als Pfarrer a. D. in Stuttgart 1878. 
Gefchichte des janfeniftifchen Klofters Port Royal 1839 ff. Pascals Leben 1840. Franz Ludw. 
v. Erthal 1852. Gefchichte Italiens von den Wiener Verträgen bis zur Gegenwart 1859—70, 
neben welchem Hauptwerk der Verf. auch durch zahlreiche Monographien und AuffiUze in 
deutfehen Zeitfchriften „zur Richtigftellnng des deutfehen Urteils über die Wiedergeburt Italiens 
beigetragen hat" 

Hardegg, Julius, geb. zu Ludwigsburg 1810, f als Generallieutenant a* D. in Stutt- 
gart 1875. Vergl. über den bedeutenden Kriegshiftoriker und feine Werke Wintterlin, Allg. d. 
Biogr. X, 557. 

Scherr, Johannes, geb. zu Rechberg-flinterweiler 1817, f als ProfeiTor der Litteratur 
und Gefchichte in Zürich 1886. Von feinen zahlreichen Schriften zur Zeitgefchichte, Kultur- und 
Litteraturgefchichte finden einige auch bei feinen Tadlern Anerkennung. 

Schwegler, Albert, geb. zu Michelbach an der Bilz 1819, f 1856 als ProfeiTor der 
Philofophie und Philologie in Tübingen» Seine Jugendarbeiten über Kirchengefchichte und Ge- 
fchichte der Philofophie, noch mehr feine leider unvollendete römifche Gefchichte (3 Bde. 1853 
bis 58) fiebern dem Hochbegabten ein ehrenvolles Gedächtnis. 



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180 Unbekannter Befitz des Klofters St. Gallen in Württemberg. 

Abel, Otto, geb. zu Klofter Reichenbach 1824, f in Leonberg 1854 als Privatdozent 
der Gefchichte zu Bonn. Sein König Philipp von Macedonien 1847, König Philipp der Hohen- 
ftaufe 1852, fein Anteil an den Monumenta Germaniae nnd am Pertzfchen Archiv erweckten die 
beften, leider früh zu Grabe getragenen Hoffnungen. (Allg. d. Biogr. I, 15.) 

Dasfelbe gilt von feinem Vetter Sigurd Abel, geb. zu Leonberg 1837, f dafelbft 
1873 als Profeflbr der Gefchichte in Gießen. Gefchichte Karls des Großen. I. 768—788. Leipzig 
1866. (Ailg. d. Biogr. I, 16.) 

Holzwarth, Fr. Jofeph, geb. zu Gmünd 1826, f als Priefter der Erzdiözefe Köln zu 
Freiburg 1. B. 1878. Gefchichte des Abfalls der Niederlande 1865 ff. Gefchichte Julians des 
Abtrünnigen 1874. Allgem. Weltgefchichte für das Volk 1876 ff. (AUg. d. Biogr. XIII, 34.) 

Gmelin, Moriz, geb. zu Ludwigsburg 1839, f als Archivrat in Karlsruhe 1879. 
Tüchtige Arbeiten, hauptfachlich in der Zeitfchr. f. d. Gefch. des Oberrheins, laffen den Wackern 
fchm erzlich vermiflen. 



Unbekannter Befitz des Klofters St. Gallen in Württemberg. 

In den Mitteilungen zur vaterländifchen Gefchichte, herausgegeben vom hift Verein in 
St. Gallen N, F. III (XIII) hat Meyer von Knonau in einem vortrefflichen Exkurs den urkund- 
lichen Befitz des Klofters St. Gallen bis 920 behandelt. Er giebt hiebei auch ein altes Cenfualen- 
Verzeichnis, das er in jene Zeit fetzt. S. 207. Darnach hatte St Gallen am Neckar 76, am 
Augsburg, Ulm und Memmingen 127, im AUgäu 95, bei Rottweil 59 Cenfualen. 

Ais letzter Poften jenes Vcrzeichnifles erfcheint: Juxta Nellenberc, Nordelingen et Ge- 
münden 261, alfo eine fehr ftarke Anzahl. Zur Erklärung diefer Rubrik hat der Verfafler nichts 
dargeboten. Bei Nellenberc darf man nicht an Neuenbürg denken , denn die Gegend der Graf- 
fchaft Neuenbürg ift zuvor als Madach aufgeführt, auch muß Nellenberc in einer Linie gefucht 
werden, welche von Schwäbifch-Gmünd über Nördlingen nach Oflten geht. Das führt auf die 
urkundlichen Befitzungen St. Gallens in Pappenheim, Dietfurt und Schambach, Ob fich dort 
ein entfprechender Name auffinden läßt, muß ich anderen nachzuweifen überlaflen. Aber wer 
kennt Befitz des Klofters St. Gallen bei Gmünd und Nördlingen? An Brenz mit feiner Gallus- 
kirche und Faurndau, die urkundlich dem Klofter gehörten, darf man doch wohl nicht allein 
denken. Nun fei daran erinnert, wie Gallus- und Otmarskirchen meift eine fich er e Spur einftigen 
St. Galler Befitzes find. Der h. Gallus findet fich als Heiliger der Kirchen in Überkingen (neben 
Maria), in Welzheim, in Itzlingen OA. Neresheim, in Groß-Sorheim bei Nördlingen, der h. Otmar 
aber in Reichenbach OA. Aalen, in Elchingen OA. Neresheim. Alle diefe Kirchen find urfprünglich 
auf dem Boden anderer Pfarreien gegründet; Itzlingen gehörte zu Zipplingen OA. Ellwangen, 
Elchingen zu Ohmenheim, Reichenbach zu Dewangen, Welzheim mit feinem urfprünglich fehr 
kleinen Pfarrgebiet zwifchen Lein und Wieslauf ift ficher ein Stück der Pfarrei Lorch, wie Über- 
kingen ein' Stück der Urpfarrei Altenftadt. Alle diefe Kirchen dürften ihren Befitz St Gallifchem 
Befitz verdanken, von dem fonft jede urkundliche Spur verwifcht ift. G. Boffert. 



Zu Stachen S. 140. 

Herr Poftfekretär Schötlle in Heilbronn teilt mir mit, daß ein Teil der Weinberge 
nördlich von Schorndorf zwifchen Schornbach und Wieslauf heute noch „im Stachen" oder in 
Schorndorfer Sprache „im Seuche" heißt. Schon Grufius (Chron. II, 415) kennt diefen Flurnamen. 
Er kommt aber, wenn ich recht fehe, bereits 1276 vor in der von Sattler (Grafen II. Beil, 5) 
mitgeteilten Urkunde Graf Ulrichs, wornach derfelbe das Patronatsrecht in Ebersbach, Weinberge 
in Heilbronn, Weinberge und andere Güter auf dem Berg, qui vulgariter dicitur Symiche, an 
Egeno von Staufen gibt. G. Boffert 



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181 



Verei n 

für 

Kunft und Altertum in Ulm und Oberfchwaben. 



Zu den Ortsnamen der Peutingerfchen Tafel. 

Die in ihren Ergebniflen mit meinen eigenen Unterfuchungen über den 
Straßenzug Vindoniffa — Celeufum in allen Hauptpunkten übereinftimmende Ar- 
beit unferes Mitarbeiters Dr. Paulus S. 102 — 109 giebt mir Anlaß, mieb auch vom 
Standpunkt des Philologen aus über die an diefem Zuge liegenden Ortsnamen et- 
was näher auszufprechen. 

Vor allem ftimme ich mit Paulus darin überein, daß zwei Schichten von 
Namen zu unterfcheiden find, eine ältere keltifcbe oder, wie ich für die Rhein- 
Donaugegend lieber Tage, eine gallifehe und eine jüngere römifche (lateinifche). 
Erftere umfaßt Namen, die ohne allen Zweifel von den Römern vorgefunden und 
übernommen worden find, ähnlich wie fie uralte Dietwege ebenfalls übernommen 
und zum Teil in „Straßen a verwandelt haben. 

Was die Peutingerfche Tafel anbelangt, fo ift vor allem zu erwägen, daß 
de in der Oeftalt, wie fie auf uns gekommen ift, die fchlechte Kopie einer jedenfalls 
belferen Vorlage darftellt. Insbefondere find viele Namen falfch gefchrieben und in 
der Endung willkürlich verändert Die meiften Ortsnamen ftehen im lateinifcben 
Lokativ (Genitiv oder Ablativ); die der erften lat. Deklination bieten für die echte, 
alte Kafusendung ae das mittelalterliche e; manche urfprünglich anders endende 
Namen find der dritten Deklination zugewiefen und zeigen eine Lokativendung 
— one (ione), die fie in vielen Fällen nicht verdienen. Ich kann hier nicht weit- 
läufig erörtern, warum heutzutage die meiften Namenforfcber der Anficht ßnd, daß 
nicht blos die gallifchen Perfonennamen, fondern auch die gallifchen geographifchen 
Namen urfprünglich zweiftämmige waren und muß bitten, wenn da oder dort 
auf diefe Annahme hingewiefen wird, fie nicht bloß für einen unbegründeten Ein- 
fall zu halten. 

Aus fo alten Namen fiebere Schlöffe ziehen zu wollen, fällt mir nicht ein, 
aber ich bin der Meinung, es fei trotz aller Unficherheit der Ergebniffe nachgerade 
doch geftattet, auf Grund der bis jetzt erforfchten Thatfachen in der alten Namen- 
kunde einige Vermutungen über die Bedeutung von Namen aufzuftellen , welche 
lange Zeit nur leerer Schall gewefen find. 

Gehen wir gleich mitten in die Arbeit 

1. Vindoniffa (Windifch) klingt wie ein gallifcher Bacbname, wenn man 
die Namen der gallifchen Flüffe: Amatiffa (L'Amaffe) Valefius Not. Gall. p. 570; 
Dumniffus (bei Aufonius genannt); Loviffa (Vales. 1. c. p. 557), auch den alten 
Namen der Biberfch beiSolothurn nämlich Biber uffa Förftemann, ahd. ONB+S. 216) 
daneben hält« Unfer Name befteht aus dem Stamme Vind-, altgallifch vi n dos, 
kymr. gwen, irifcb finn (= vind) candidus, albus und den Ableitungsfilben — on — 
iss — (a), welche einen verkleinernden Sinn enthalten. Vindoniffa will ungefähr 
befagen: „ Weißbächlein a . Doch vergleiche auch den aus vindos kommenden gal- 
lifchen Perfonennamen Vindonius. Glück (Nam.B. Cäf.) S. 73. 



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182 Back 

2. Tenedo (bei Geißlingen), im Lokativ Tenedone, ohne Zweifel ein Namen- 
torfo, ein Beftimmungswort, dem das Grundwort abhanden gekommen ift. Vielleicht 
darf man an das altirifche tene (Genitiv tened), Feuer, anknüpfen. Man hat volle Frei- 
heit, an einen Signalpunkt, der Feuerzeichen gab, zu denken, wie bei unferen deutfchen 
Lokalnamen, auf dem Fenerfchrofen am Eienberg bei Pfronten; auf dem Feuernockl 
bei Kufftein; das Lärm f euer auf dem Michelsberg bei Bruchfal u. f. w. Gallifche Ur- 
form etwa: # Tenedo— kenna (Lärmfeuerberg). Zur Form fei bemerkt, daß das Ver- 
bindungs-o der gallifchen Beftimmungswörter nach dem Abfall des Grundwortes 
von den Römern wie eine maskuline Endung auf-o der 3. lateinifchen Deklination 
behandelt ward, die Lokati vendang alfo — one gelautet hat Das ift vielleicht 
felbß bei den Flußnamen der Fall, die urfprünglich auch zweiftämmig gewefen fein 
werden, z. B. beim Namen des Fluffes Avinio (von dem die Stadt Avignon ihren 
Namen herhat), der alfo uralt *Aviniogalos, Aviniodubros gelautet haben mag. Ähn- 
lich bei Säle tione (Selz), Tinnetione (Tinzen), Belitione (Bellinzona) aus den 
Flußnamenftämmen Sal-, Tinn-, Bei-. 

3. Juliomago (Sundpfohren) , zufammengefetzt aus dem lateinifchen [und 
gallifchen] Perfönennamen Julius und dem gallifchen Appellativ magus, beffier 
mägos (magas), altirifch mag, neuirifch m a g h (Feld). Vgl. Caefaromagus,Dru- 
fomagus, gleichfalls mit beftimmenden Perfönennamen, während Borbetomfigus 
wahrfcheinlich nach einem Flüßchen Borbetus (im Mittelalter die Worms), Novio- 
magus, nach dem Bache Novios, und endlich Rigomagus nach einem Könige, 
gallifch rix (Genitiv rigis), zubenannt find. 

4. Brigobanne (Rottweil), Lokativ ftatt Brigobannae, wie diefelbe Peut. 
Tafel Argentorate, Opie, Boutobrice, Artobrige ftatt Argentoratae, Opiae, Bouto- 
bricae, Artobrigae bietet. Der Nominativ lautet Brigobanna, wie im ähnlich zu- 
fammengefetzten Gantobenna (bei Gregor. Turon,); das e am Schluß ift nur mittel- 
alterliche Schreibang für ae. Der Name bedeutet „Berg-horn", aus gallifch brig- 
f. v. a. irifch brigh (mons, collie) und gall. banna, benna f. v. a. altkymrifch 
benn, bann (cornu), wozu noch irifch bennach (= gallifch benn&cos), gehörnt, 
zu vergleichen ift. Verfchieden davon ift kymrifch benn, bann (caput, cacumen 
montis), das für gall. pennos (caput, cacumen montis) fteht und welchem das alt- 
irifche oenn entfpricht, da hier der Anlaut p durch k vertreten ift wie im irifchen 
crann (arbor) = kymrifch prenn (arbor) oder im irifchen cland (proles) kym- 
rifch plant 

5. Sumelocenna, Sumalocenna (Rottenburg); in der Regel irrig Sume- 
locenne, Somelocennis gefchrieben; denn Sumelocenne ift der Genitiv, alfo heutzutage 
Sumelocennae zu fchreiben. Der plurale Lokativ Sumelocennis kommt offenbar aus 
der falfchaufgefaßten Lokativform Sumelocennae. Die richtige Form des Grund- 
wortes findet (ich in dem bei Gäfar genannten gall. Ortsnamen Nemetocenna. Cenna 
ift das oben angeführte kenn(a), cacumen montis. Nemeto-kenna (fo ift zu (prechen) 
ift zufammengefetzt aus gall. nemeto-, was dem altirifchen nemed (caeleftis, divinus) 
entfpricht, aus altirifch nem (caelum) modernirifch neamh, altkymrifch nem, neu- 
kymrifch nef; altarmorifch nem, neuarmorifch (bretonifch) nev. Es findet fich 
auch in den ON. Auguftonemeton, Vernemeton, Tafinemetum, Nemetobriga u. f. w., 
ebenfo in den Perfönennamen Nemeto, Steiner 3235 und Schrift, des hift. Ver. f. 
Steierm. 1853 III* 99; Nemetomarus, Arch. f. Öfterr. Gefch. Quellen 13, 99 und in 
dem mittelalterlich keltifcben Perfönennamen Guarnemet(= gall. Vernemet(os); Glück, 
die gall. N.B. Cäfar S. 17. Sumalo-, Sumelo — das beftimmende Wort in Sumelo- 
cenna ift der keltifche Perfönennamen Sumelis, den ein gall. Gott zu Vaison führte; 



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Zu den Ortsnamen der Peutingerfehen Tafel. 183 

Deo Someli Voreto Kuhn, Beitr. z. vgl. Sprachforfcb. III. 167. Sumclis ift nach 
meiner Aufladung zufammengefetzt aas der gallifchen Partikel su (bene), welche 
wörtlich dem gr. iu entfpricht unb gall. melis, neuirifch meall (amoenus, fnavis, bonus). 
Diefelbe Zufammenfetzung hat der Perfonenname Sumelonins (Grater 851 ; 7); 
Samelonas (Steiner 2875). Melonias kommt auch ohne die Partikel vor z. B. 
Melonia, Brambach 1438; Mellonius ; Steiner 3593. Der Dativ Sunieli zeigt, daß 
der Nominativ (nach der 1-Deklination) nur Sumelre lauten kann, wie Dumiatis, 
Namaufatis u. dergl. Snmelokenna kann bedeuten „Berggipfel des Sumalis" oder 
auch „Schönenberg". Die fpätere Form Solicinium für Sumelocenna, welche 
heute noch in Sti lohen fortlebt, fcheint mir eher eine Verballhornung aus Sumelo- 
cenna, denn ein befonderer Name zu fein, wenn ich die möglichen Zufammenzieh- 
ungen Sumlocen, Sullocen, (und durch Herabfinken des unbetonten o zu i) Sullicen 
mit einer lateinifchen Endung — ium in Betracht ziehe. Letztere kommt im Rheinland 
häufig vor, fo Sentium, Lentium, Gonftantium aus älterem Sentiacum, Lentiacum, 
Gonftantiacum , wie Mogontium ftatt Mogontiacum. Alle aus Perfonennamen. Vgl. 
Dr. Euer in Pitz Monatsfchrift, Band VI and rheinifche Ortsnamen von Dr. Marjan. 
ift der Name aber urfprfinglich ein anderer, dann ift er gleichwohl in der Haupt- 
fache als ein gallifcher aufzufallen. Dann ift er Kürzung aus älterem Soliciniacum, 
vom PN. »Solicinius, Sproßform aus gall. Solios Steiner 227, daraus Solicus, Soli- 
cinus, gebildet wie Bellus Brambach 1302; Bellicus Bramb. 901; Bellicinus 
Steiner 3 303. 

6. Grinarione (Sindelfingen), Lokativ von Grinario, wiederum ein Torfo, 
d. h. ein Beftimmungswort ohne Grundwort Ich fetze daher eine Urform Grinario 
+ Grundwort an, indem ich die Lokativendung — o n e für fpätlateinifche Zuthat halte 
und zwar im Hinblick auf die fpätlateinifche Gewohnheit die Endung — io, auch wenn 
ße urfprünglich nicht der 3. lat. Deklination angehört, als eine folche zu behandeln. 
Man findet das namentlich an Perfonennamen häufig, z. B. Maarelio(onis), Auguftio 
(onis), Drufio(onis) , Marcio(onis) , aus älterem Maureliu(&), Auguftiu(s) etc. Daß 
Grinario ein Perfonenname fei, kann ich nicht beweifen, aber möglich ift es ; einmal 
weil fehr viele Beftimmungswörter der gallifchen Ortsnamen Perfonennamen find, 
zumal wenn die Grundwörter dunum, durum, magus dabei ftehen, wie es die durch- 
fichtigften Formen als Auguftodunum, Lupodunum, Juliomagus, Marcomagus, Epo- 
manduodarum, Auguftodurum, Autiffiodorum (vom PN. Autiffus oder Autiffius vgl. 
Zeuß Gramm, celt. 2 p. 854) klar machen; fodann weil gall. Namen auf — -ärius 
und ein Perfonennamenftamm Grin — nachzuweifen find. Vgl. Lutärius (b. Livius 
38, 16); Duc&rius (Liv. 22, 6); Velärius (Steiner 1106); Catärius (Cartular. 
Redon.) u. f. w., ferner die mittelalterlich keltifchen Perfonennamen Grin e tu s (faec 
XII im Cartular. St. Petri Carnotens. p. 265); Wal-grinus (ib. p. 435); Col- 
grinus (bei KemblelV Nr. 795); Jarn-grin (Cartular. Red. Nr. 143); Id-grinus 
(Charmaffe, Cartul. d'Autun I. Nr. 31); In -er in us (Pardeffus, dipl. II. Nr. 322); 
Lalcrine (Gutoard, Polypt Irmin. 506) etc. Möglich daß diefer Stamm identifch 
ift mit dem altirifchen grian (Genitiv grene) fol, lucifer, aus der indogerm. Wurzel 
ghar (leuchten); aber für die jungkeltifchen PN. ift ein Stamm er in wahrschein- 
licher. Vgl. Stark, Kofen. S. 107. 

7. Clarenna (Cannftatt). Das Gefdge diefes Namens erinnert beim erften 
Anblick an die gallifchen Fluß- und Quellennamen auf — e n n a. Nebenform diefes 
Waffer bedeutenden Suffixes ift die Endung — onna. Als Beifpiele nenne ich aus Ober- 
italien die Flußnamen: Ajenna, Auxenna, Clavenna (die Chiavenna), Ravenna, Raven- 
nula, Tabenna (neben Taba, zu welchem Stamme auch unfere Zaber gehört); dann aus 



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184 Bück 

Frankreich den Auxennus, die Avenna, Braenna, Licenna, Tarvenna, Varenna, 
Vienna (mit den Nebenformen Vigenna, Vingenna). Zur Nebenform — onna: fontes 
Bebronna, die Flüffe Bionna, Lifonna, Letonna (diefe alle in Frankreich)* Man- 
gels eines eigentlichen Baches bei Cannftatt, kann fich diefer fpezififche Wafferna- 
me wohl nur auf eine Quelle oder eine Quellengruppe beziehen, ähnlich wie fon- 
tes Brebonna Bollandift Juli 1, 61; (aus igm. bbabhru braun, dunkel, woher auch 
der „Biber" feinen Namen hat); fons Calonna, Bolland. Juli 1, 50. 

Der Waffernamenftamm clar findet fich wieder in dem Namen des franzö- 
fifchen Baches Le Ciaray (alt Clareia, flehe Pardeffus, dipl. I. p. 55); im Clar ins 
(j. Ciaire), in der Clarence (= Clarentia) und im oberitalienifcben Clarinus 
(flehe Ughellus, Itah facr. II, p. 1266). Wenn das altkymrifche ciaer (hell) nicht 
Entlehnung aus dem Lateinifchen clarus ift, würde das am beften ftimmen. Dem 
Sinne nach ftimmte noch beffer das altkymrifche clajer (lauwarm), armorifch ciaer 
(tepidus), allein hier fcheint j für ein älteres v zu funktionieren, was auf eine Form 
ciawar, alfo gallifcbes *clavarenna zurückginge, das dann etwa „fons tepidulus" 
bedeutete. Kymr. ciaer aus kymr. clauaru (tepescere) von der europ« Wz, kal 
(wärmen). Das griechifche yJXiapo? ftimmt zwar nach Bedeutung und Klang zu diefem 
keltifcben Worte, aber nicht im Anlaut, da gallifcbes k nicht einem indogermanifchen 
gh antwortet, wie es das griechifche >r thut, weshalb diefes letztere zu der fchon 
genannten igm. Wurzel ghar zu ftellen ift. 

8. Ad Lunam (an der Lein). Seitenftück ift die gallifche L u n a , jetzt La 
Lomme bei Orleans. Du Cange, gloffar. f. v. „accolligere". Diefer Name kommt 
entweder aus der igm. Wz. ruk (leuchten, hell fein), wie lateinifch luna (Mond) 
= luc-na oder aus der igm. Wz« ru (tönen). Im letzteren Falle ift Luna abzu- 
teilen in Lu-na, ähnlich wie Re-nus, Moe-nus, Ar-nus. Vgl. Glück, Bonos, Moinos 
etc. p. 5 f. Zu der Wz. ruk, europ. luk gehören auch kymrifch lou (j. Heu) lumen, 
fplendor; kymr. Uuched (fulgur) von lucha (lucere) = gall. Luke tos (Mars). 

9. Aquileia (Aalen) fcheint mir ein lateinifches Wort zu fein und zwar 
weiter gebildet aus Aquila, dem mutmaßlichen römifchen Namen der Aal, an 
welcher Aalen liegt. Die Aiglette bei Laon heißt alt ebenfalls Aquila. Mabillou 
dipl. p. 576; ebenfo die Eichel (zur Saar) Förftem. ONB. 88. Wahrfcheinlich ift 
auch das friaulifche Aquileia (mhd. Aglai, modern friaulifch Aol6e) ein Bachname. 
Aal wäre demnach = aqua aquila, Schwarzacb, vom lateinifchen äquilus, a, um 
(dunkel, fchwarz). Die jetzige Länge des Anlauts, fchwäbifcb k, beruht wohl nur 
auf der falfchen Analogie mit ahd. äl (anguilla), da das mhd. lange a im Schwä- 
bifchen regelmäßig k (o>) gefprochen wird. Die Ableitung mit i (j) ift den Römern 
und Galliern gemeinfam. Wie jene Pompeius aus Pompus, Anneius aus Annius 
u. dgl. hatten, fo diefe Nammeius (aus Nammos), Meleius, Trouceteius, Emaceius, 
Cariseius, Careius u. f. w. aus den zutreffenden Thematen. So hatten fle auch Orts- 
namen diefer Endung, wie Celeia (zugleich Oöttinname z. B. sancta Celeja 
Steiner 3 061); Matreia (wahrfcheinlich aus dem Flußnamen Matra) u. f. w. 

10. Ein fchwieriger Name ift Opia, in der T. P. Opie (Lokativ), der 
Ipf bei Bop fingen. Der Stamm des letzteren klingt vielleicht nicht zufallig an, 
wenn das anlautende B unorganifch ift, wie z. B. in unferem Bopperment (auripig- 
mentum). In diefem Falle bedeutete B-opfingen, die am Opf wohnenden Männer, 
ähnlich wie z. B. Groningen an der Gronach (OA. Crailsheim) offenbar die an der Grona 
wohnenden Leute bedeutet Allerdings eine feltene Ausnahme unter den Namen auf 
— in gen, die fonft in den allermeiften Fällen aus Perfonennamen, aus Namen von 
Gefchlecbtspatriarchen gebildet find. Opia ift eher ein gallifches, als ein lateinifches 



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Zu den Ortsnamen der Peutingerfchen Tafel. 185 

Wort, da mit lat. *opia (vgl. in-opia, copia = con-opia, ans der igm. Wz. 
apa Saft, Überfluß) nicht viel anzufangen ift, felbft wenn man das derfelben Wur- 
zel entflammende fanskar. apya flüffig, w äffer ig, vergleicht. Auch aus dem Gallifchen, 
deflen Wortvorrat wir freilich nur ganz mangelhaft kennen, ift es kaum zu erklären, 
es fei denn, daß man ein gallifches Wort *upja vorausfetzt, das auf die igm. Wz. 
upa (oben) zurückginge und, wie deren Superlativ upama (fummus) ergiebt, den 
Begriff „hoch" in fleh fchlöße. Das bekannte gallifche Wort für „oben" lautet aber 
nx, das für „hoch" uxellos, und das für „fummus" uxamos, aus der Wz. ugs 
(wachfen) vgl. gr. au^co. Eine Urform *upja angenommen, würde Ipf „Hochberg" 
bedeuten. 

11. Septemiacum (Maihingen), ein gallifcher Ortsname, ohne Zweifel 
= praedium Septemiacum, Landgut des Septemius. Vgl. den Namen des Kaifers 
Septemins Severus. 

Iciniacum (Trommezheim) ift genau wie das vorige gebildet aus lein ius 
(einem Namen wie Carminius, Caupinius, Licinius) aus dem Stamme Ic, Icc. Vgl. 
IcusSeptumi filius. Muratori 1470, 8; Iccius(bei Cäfär); Iccianus Kuhn, Beitr. 
III. 411; Iconnius Steiner 1128 u. f. w. Noch im 6. Jahrhundert kommt ein 
kymrifcher Name Icel vor. Stark, Kofenamen S. 147, wohl vergleichbar mit altir. 
ic (falus, fanitas); kymr. iach (fanus). 

12. Lofodica (Öttingen), abermals ein Ortsname aus einem gall. Perfonen- 
namen. Vergleiche das folgende Qermanico, und Bonconica T. P. , was ich 
aber Boutonica lefe, denn Bonc- ift kein Namenftamm. Der Perfonenname muß 
*Lofodus oder Lofodius gelautet, alfo diefelbe Endung gehabt haben, wie Sa- 
diodus Steiner 1484, Megitodus (Mon. Germ. IX. 30) oder Magodius (Förde- 
rn ann, ahd. PN. S. 886); Avodius im ON, Avodiacum T. P. (jetzt Epfach), zu wel- 
chem auch die Form Abu dos (Duchalais, rer. numism. 229, 599) gehört. Der Stamm 
Los-, Lus- erfcheint in Lufius Steiner 2698; Lofunius (Haug Nr. 62a); Lo- 
fius (Cartul. Redon.). In Boutonica liegt der Stamm Bout, Boud- vor, wel- 
cher z. B. in Boutobricaauch im Namen Boutius Steiner 1966 vorkommt. „Bout- 
onius ift gebildet, wie Aliafonius, Tornionius, Santonius, Vindonius etc. Die Endung 
— icus ift dem Lateinifcben und Gallifchen gemeinfam, daher einerfeits Oermanico 
(feilieet vico oder caftello), andererfeits die gallifchen Städtenamen Autricum (an 
der Autara), Avaricum (an der Avara) Valefius Not. Gall. p. 85, — fowie die 
fpäte Form für Avodiacum (Epfach) nämlich Eptatica (= Ab(u)d(i)atica) feilieet 
„civitas" Bollandift. So auch Medoc (bei Bordeaux) = Medullica (civitas). Desjar- 
dins, G6ogr. d. 1. Gaule rom., aus dem Volks- oder Perfonennamen Medullus, Medullius. 

13. Medianis (verfchrieben Mediatus); 14. Biricianis; 15. Vetonia- 
nis, alle regiert von einem im Lokativ Pluralis gedachten unbekannten Grundwort. 
Medianis kommt wohl vom lateinifchen medianus = medius, welches noch fpät 
im Rätoromanifchen für Ortsnamen benützt ift z. B. a. 1354 eine Flur Via metzana 
(= mediana) bei Schams. Mohr, Cod. dipl. Raet. III. p. 83, wie diefe bei uns auch 
als „am mittleren Weg" mehrfach vorkommt. Dagegen gehen die andern beiden 
Namen Biricianis und Vetonianis zweifellos auf gallifche Perfonennamen zu- 
rück, auf *Biricianus und Veto nianus. Erfteren kann ich zwar nicht in diefer 
Form belegen, wohl aber feinem Stamme nach mit anderen Suffixen. Biraco Steiner 
2905; Biragos Rev. celt. I. 292; Birrago Gruter 763, 6; Biracius Becker, 
Mainz. Muf. Nr. 93; Biricatus, Biracillus Rev. celt. III. p. 160; Biroinus Murat. 
775, 5; Birrus Steiner 2 179; B irr ius Brambach 1 914. Ob das mit kymr. byrr (bre- 
vis) etwas zu fchaffen habe, lau ich dahingeftellt fein, ebenfo, ob nicht etwa Biri- 



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186 Ehrle 

cianis ftatt Viricianis flehe ; was wegen des häufigen Weebfels von b und v recht 
wohl fein könnte und ßch dann einem fogar fehr bekannten gall. Perfonenamen- 
ftamme vir (validus) oder vir (juftas) anfchlöße. Biricianns ift ans Biricins ge- 
bildet, wie Salpicianus ans Sulpicius; Biricius feinerfeite ans Biricns, diefes ans Bi- 
rus, wie Bellicius aus Bellicns und diefes ans Bellns. Vetonianis zunächft aus 
dem PN. Vetonianus Steiner 3341 oder Vetonius, einer Bildung wie Maconius, 
Opponius, Sulponius, Veponius etc. Der einfache Stamm findet (ich in Vetia Stei- 
ner 326; Yettius ibid. 3369. Hieher gehört auch der Stadtname Vetonina T. P. 
aus Vetonius wie Antoninus aus Antonius. ObVet = Vect — und diefes der 
Vater des kymrifchen g weiht (opus, pugna) in Namen wieMatgueitb, Gueith- 
gual fei, will ich nicht entfcheiden. Ins Altgallifche reduziert lauteten aber diefe 
Matovectus, Vectovalus, Vettovalus. 

16. Celeufo (Pföhring an der Kels), offenbar ein alter Flußname, deffen 
Endung mit dem gallifchen — aufus in Nemaufum, Melaufus, Pennauf us, Carau- 
fus u. dergl. identifch ift. Der Stamm Kel— dürfte, wie Eel — im gr. xeXaivoc 
(= xeXavio;) fchwarz, aus igm. fkar (bedecken, befchatten) kommen und Kels 
Schwarzach bedeuten. 

Ehingen. Bück. 



Die Privilegien der Stadt Isiiy. 

Ein Beitrag zur Ortsgefchichte von Dr. med. Carl Ehrle in Isny. 

(Schluß.) 

Privilegium XIV. 
Sigismund beftätigt als Kaifer die Privilegien der Stadt Isny. 
d. d. Rom 1433 an St. Laurenzentag. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Privilegium XV. 
K. Albrecht Confirmation der Privilegien der Stadt Isny d. d. Prag 1438 
dienstag nach Peter und Paul. (Staatsarchiv Stuttgart). 

Privilegium XVI. 
E. Friedrich beftätigt im Allgemeinen die Freiheiten und als 

Privilegium XVII. 
im befondern die der Stadt Isny, 

erfteres d. d. Prag bei der Mar 1442 montag nach ft. Blafi, 
' letzteres d. d. Frankfurt 1442 an ft. Laurenzentag. 
(Diefe Urkunde ift nicht in originali, fondern blos in einem vidimus des 
Landrichters auf d. Leutkircher Heide d. a. 1453 im Staatsarchiv zu Stuttgart vor- 
banden.) 

Privilegium XVDI. 

Friedrich beftätigt als Kaifer die Freiheiten der Stadt Isny. 
d. d. Neuenftadt 1454 mittwoch vor Lichtmeß. (Staatsarchiv Stuttgart Ein 
vidimus des Landgerichtes auf d. Leutkircher Haid d. a. 1454 ift im Ratsarchiv Isny.) 

Privilegium XIX. 
Wir Friedrich etc. bekennen öffentlich mit diefem Briefe vnd tbun kundt 
aller männigücb, wiewohl wir aufl angeborner gttete vnd Keyflerlicher Miltigkeit 



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Die Privilegien der Stadt Isny. 187 

allen vnd jeglichen Vnfern vnd des heyl. Reichs vnderthanen vnd getreuen Ehre, 
Nutz vnd Beftes zu fördern vnd zu betrachten geneigt, jedoch feyn wir mehr Be- 
gierlicher zu denen, die fich gegen UnJß vnd dem heyligen Reich in getreuer Dienft- 
barkeit alle zeit für andern redlich erzeigen fie mit Vnfern Eaiferlichen Gnaden 
zue begaben. 

Wann wir nun güetlich angefehen vnd wahrgenommen haben, die ange- 
nemmen, getrewen vnd nützlichen dienft, fo unfer vnd des Reichs lieben getreuen 
Börgermeifter vnd Rat, Vnfer vnd des heyligen Reichs Statt Yflni, weyland vnfern 
Vorfahren Vnß vnd dem Reich mit Darftrekung Ihrer Leib vnd Güeter, auch bey 
unü als Romifchen Kaytier Ihrem rechten Herrn in herzügen und Infonderheit fo 
kurzlich durch Ihre haubt leuth vnd die Ihren, die fie Vnti herab ins Veld gen Flan- 
dern zu Straffung des Übels, fo die von Prugg, Gent vnd ihr anhenger dafelbft in 
Flandern an dem durchleuchtigften Förften Maximilian, Romifchen König zu allen 
Zeiten Mebrern des Reichs, Erz -Herzogen zu Öftreich vnd Herzogen zue Bur- 
gund etc. Vnferm lieben Sohn erzeigt vnd bewifen haben vnd hintüro in künftig 
Zeit wol thuen mögen vnd follen vnd darumb zue ergötzlichkeit folcher ihrer ge- 
treuen Dienft vnd damit andrer hinfürgegen Vnti vnd dem heyligen Reich auch zu 
guten Thaten geraichet werden, So haben wir mit wohlbedachtem Muet guetem Rath 
vnd rechten wütien denfelben von Ytini vnd Ihren nachkommen diefe fondere Gnad 
getban vnd Ihnen ihre Wappen vnd Kleinet, fo mit nammen ift ein weißer oder 
filberfarber Schild t, darinnen ein fcbwarzes Huefeifen, die Stollen vnder (ich von 
einander kehrende, fo ihre Voreltern vnd Sie von gemeiner Statt wegen bitiher ge- 
führt vnd gebraucht haben in nachgefohribener Maßen nemblich: Einen fchwarzen 
Schilt darinn aufrecht ein gelber oder Goldfarber Adler mit feinen 
ausgebreiten Flügeln, auff gethonem Maull vnd ausgefchlagner 
Zungen, habende auf feinem haubt ein gelbe oder goldfarbe Cron 
vnd in Mitte feiner Bruft, den gemelten Ihren Schildt mit dem Huef- 
Eyßen, Gnedigelich gezieret, gebelfert vnd alfo hinfür zuführen vnd zue gebrauchen, 
gegonnet vndt erlaubet, in maßen die in mite des gegenwärtigen Vnfers Keytierlichen 
Briefs gemabiet vnd mit Farben eigentlicher ausgewichen find. . . . 

Geben in vnferm Feldlager bey Achkel (oder Ahfel) in Flandern am erften 
Tag des Monats Auguft 1488. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Privilegium XX. 
K. Maximilian beftätigt die Freiheiten der Stadt Isny d. d. Kempten 
18. April 1494. (Staatsarchiv Stuttgart.) Derfelbe verpfändet in diefem Jahr von 
der Reichsfteuer Isnys, die, wie wie oben fahen, jährlich 100 ff Heller ausmachte, 
40 ff an die Stadt Isny felbft auf 10 Jahr um 400 fl. und 1507 um 1 100 fl. auf 
unbeftimmte Zeit. 

Privilegium XXI. 

Gegeben von König Maximilian zu Augspurg am 20. Juni 1496. (Staats- 
archiv Stuttgart.) 

Zur Verhütung „von Widerwärtigkeit vnd Unratb", die dadurch entftanden, 
daß oft zu fpät, oder mathwilliger Weife wegen geringen und kleinen (unter 200 fl. 
wertbigen) Sachen an das Kammergericht appellirt wurde, wird beftimmt 

1. welcher appelliren will, foll es innerhalb gebührender Zeit und Rechtens fürnemmen, 

2. vorher einen im Privilegium vorgefchriebenen Eid präftiren, daß er nicht ge- 
fahrlich, oder wider Gerechtigkeit zur Verhinderung, oder Verlängerung appellire, 
fondern nur notbdürftig, da er nicht anders wiffe fein Recht zu fchirmen und 



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188 Ehrle 

daß er (ich für die Koften und Schäden, die ihm mit Recht zuerkannt werden, 
mit feinen Gütern, Leuten and eventuell mit Verhaftung feines Leibes aufzu- 
kommen verpflichte. 

3. Wird innerhalb der Zeit, die Rechtsgebrauch ift, nicht appellirt und der vor- 
gefchriebene Eid gefchworen, fo bleibt es mit Gant und Exfekution bei dem 
Urteil des Bürgermeifters und Rats, oder des Reichsftattgerichts zu Isny. 

4. Sollen die von Yßni ihre Gerichtsübungen Satzungen und Gewonheiten, wie 
die Herkommen halten und diefelben nach der Statt Notdurft ändern, mindern 
oder auch neue Satzungen machen. 

5. Das Bürgerrecht foll in Perfon aufgegeben und dabei dreimal fo viel als einer 
fonft zur Steuer gibt bezahlt werden. 

6. Gleichergeftalt foll es mit den Fremden, denen in der Statt liegende Güter 
zufallen, wegen der Nach ft euer gehalten werden und fie noch dazu fchuldig 
fein felbige in Jabresfrift einem Bürger käuflich zu überladen. 

7. Welcher Fremde dergleichen angefallene Güter einem Fremden verkauft, foll 
folcbe damit verwirkt haben. 

8. Welcher ungehorfam fein Bürgerrecht anders als oben fleht aufkündet, foll 
von Bürgermeifter und Rat, wo fie ihn betreten, wegen der Nachfteuer belangt 
werden können. 

(Ein vid, de eod. ao. der Stadt Memmingen befindet fich im Ratsarchiv Isny.) 

Privilegium XXII. 

Gegeben d. d. Nürnberg, 3. April 1501. 

Wir Maximilian von Gottesgnaden tbun den von Yßni vnd ihren 

Nachkommen die befonder gnad vnd freyheit Kraft diß briefs, daß fie jetzt oder 
binfüro, wann ihnen das fügen will, an waffer, da bede geftad Ihrer vnd gemeiner 
Statt Yiini, oder Ihrer Spital oder Gottshäufer feyen auf ihr, oder derfelben Spital, 
oder Gottshäufer aigen Grundt vnd Boden Mühlen bawen, aufrichten vnd nach Ihren 
Notdurften gebrauchen mögen. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Unter dem Waffer dürfte der Stadtbach gemeint fein. An ihm wurde die 
Stadt- und die Brehmenmühle angelegt. Die beffere Gefällsverhältniffe und Waffer- 
kräfte darbietende Ach gehörte dem Klofter, welches diefelbe unter Abt Marquard 
(1171) von Wolfrad Grafen von Veringen durch Taufch von Grundftücken und 20 
Talenten Silber in Baar erworben hatte. Vgl. die von mir S. 126 mitgeteilte Kaufs- 
urkunde d. d. 3. Sept. 1306; ferner den in Jägers Jurift. Magaz. für die Reichft. 
III, S. 214 abgedruckten Thädigungsbrief zwifchen Klofter und Stadt d. d. 2. Juli 
1290; desgleichen vom St. Lucientag vor Weihnachten 1411; 1525 Freitag vor St 
Lorenztag Erlaubnisurkunde von Seiten des Klolters, daß die Stadt an das Gottshaus 
Waffer eine Schleif, oder Baliermühle (die untere Walk, jetzige Hammerfchmiede) 
bauen dürfe; Vergleichsurkunde über die Stadtmühle (jetzige Springerifche Fabrik) 
v, J. 1528; endlich Vertrag zwifchen Gotteshaus und Stadt Isny vom 17. Oktober 
1589 wegen Erbauung des Pulver- und Gerberftampfes durch die Stadt an das 
Gotteshaus-Waffer Ach gegen jährlichen Zins von 2 ff Pf. 

Privilegium XXIII. 

Gegeben ebenfalls von Maximilian zu Nürnberg am 3. April 1501, beftimmt 

1. daß Bürgermeifter und Rath der Stadt Yßni vor Niemandem andern, denn 

dem Eeichsftattgericht dafelbft, oder vor Bürgermeifter und Käthen der Reich- 

ftädfe Memmingen, Lindau, Ravensburg oder Kempten in erfter Inftanz beklagt 

werden follen, 



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Die Privilegien der Stadt Isny. 189 

2. Bürger zu Yßni follen nirgends denn vor einem Reichftattgericht dafelbft, oder 
einem erf. Rath Recht fucben, 

3. Wenn Bürgermeifter oder Rat zu Yßni ihre Bürger und Einwohner mit frem- 
dem Gericht vornehmen muffen, fo Tollen fic es vor dem Reicbshofgericht zu 
Rottweil oder einem Landgericht, wo weftphälifch gerichtet wird, thun. (Staats- 
archiv Stuttgart.) 

Privilegium XXIV. 

Nachdem die Weg und Brücken, welche die von Isny zu bauen und zu 
beffern haben, durch die fchweren Wägen mit Kaufmannsgütern merklich verwüftet 
und zerrüttet wurden, ertbeilt Maximilian auf demüthige ziemliche Bitte die befondere 
Gnad, das Weggeld zu erhöhen und von einem jeden Pferd, das über die Weg und 
Brücken zu Isny trägt, oder führt, auf der Brücke, oder dem Stattthor einen Pfennig 
Weggeld zu fordern und damit die Wege und Brücken zu bauen und am Wefen zu 
erbalten. 

Gegeben zu Conftanz am 3. Mai 1507. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Privilegium XXV. 

„Wir Maximilian, von Gottes Gnaden Römifcher König etc. etc. bekennen 
öffentlich mit difem Brieff vnd thun Kundt aller männiglich, das wir angefehen vnd 
wargeuommen Vnfer vnd das Reichs lieben, getrewen Bürgermeifter vnd Rath der 
Statt Yßni vor deren Redlichkeit auch getrew und wollig Dienft, fo Sie Vnfl vnd 
dem heyligen Reich offt willigelich gethan haben vnd hiufür in künftig Zeit wöl 
thun mögen vnd follen, und haben darumb demfelben Bürgermeifter und Rath zue 
Yßni vnd Ihren Nachkommen dafelbft gegönnt vnd erlaubt, Gönnen vnd Erlauben ihnen 
auch von Römifcher Königlicher Machtvollkommenheit willentlich in Kraft dißßrifs: 

Alfo daß Sie in der berührten Statt Yßni Münz aufrichten vnd diefelbe 
Silbrin Müntz, haller, pfenning, grofchen bis in den Gulden vnder der berührten 
Statt Yßni Titul vnd auf der einen Seiten Unfer vnd des Reichswappen der Adler, 
vnd der andern Seiten derfelben Statt Yßni Wappen vnd Zeichen fich an ihrem 
Werthe vnd Gütte Unfer vnd des Reichs Churfürften Müntz redlich wel vergleichen 
vnd nit minder noch geringer tt 

d. d. Conftanz 16. Mai 1507. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Die Stadt hat vom Münzrecht in den Jahren 1508 bis 1555 häufig Gebrauch 
gemacht. Man hat von Isny hauptfächlich Kreuzer, einfeitig geprägt nach Art der 
viel älteren Lindauer Brakteaten, jedoch von geringerem Silber, dann eine Menge 
Batzen und halbe Batzen von den Jahren 1508 bis 1532, auf der Vorderfeite mit 
dem Adler und dem Hufeifen, auf der Kehrfeite mit fechseckigem Stern und einem 
Adler über demfelben, ferner ähnliche Dreikreuzerftücke von 1554 und 1555, end- 
lich Thaler von den Jahren 1538 und 1554 und Doppelthaler von 1540. Einfeitige 
Kupfermünzen von Isny kommen ohne Jahreszahl vor, die vermutlich in der gefetz- 
lofen Zeit von 1622 bis 1623 gefchlagen wurden. Ein Kupferheller trägt die Jahres- 
zahl 1698. 

Bezüglich der Infchriften und nähern Befchreibung der Isnyer Münzen vergj. 
Oberamtsbefchreibung Wangen 1841 S. 202. Dr. F. L. Baumann gibt in feiner 
Gefch. des Allgäus IL B. S. 354 und 355 Abbildungen eines Drittelthalers der Stadt 
Isny v. J. 1513 und eines breiten Grofchens v. J. 1508 nach im f. Münzkabinet 
in.ponauefchingen befindlichen Originalen. 

Eine Maffe Stempel oben erwähnter Münzprägungen finden fleh jetzt noch 
auf dem Isnyer Rathaus, nur fehlen die Gulden-, Thaler- und Halbthalerftempel. 



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190 Ehrl« 

Privilegium XXV. 
Kaiter Maximilian L beftätigt die Freiheiten der Stadt Isny gegen die mit 
Kaiserlichen Schutz- und Schirmbriefen Begnadigten; in fpecie gegen Jörg Locher, 
d. d. Augfpurg 2. Juni 1510. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Privilegium XXVL 

Wir Carl der fünfte von Gottesgnaden Erwählter Eömifcher Eayfer etc. etc. 
Geben vnd thun diefe fondere gnad vnd freyheit alfo, daß nun für baßhin zu ewigen 
Zeiten die gemelte Bürgermeister und Rath der Statt Yßni von allen Erbfällen, 
Haaben vnd Güetern, die in ihrer Steur fein auf außwendig vnd frembd, Geiftlich 
oder weltlich Perfohnen Mannen oder Frauen, überkommen, fallen den abzug, wie 
fleh die Statt, Fleckhen, oder Dörfer darinnen alfo diefelben Erben wohnen fleh des 
Abzugs gegen Ihren der von Yßni Burgern oder andern aufwendigen und fremden 
Perfonen in der gleichen Erbfällen gebrauchen und halten, nemmen und haben. 

Vnd wo in folchen Stätten, Fleckhen oder Dörfern kein abzug von Erb- 
fallen war, oder genommen würde, das alßdann unangefeben deßfelben die genannten 
von Yßni von den Erbfallen, fo alfo in der Statt Yßni, wie obfteth, auf außwendig 
vnd frembde Perfohnen fallen vnd kommen, den Zehenden pfenning nemmen 
vnd aufheben follen vnd mögen, vnd denfelben Zebenden pfenningen ein jeder ihnen 
zu geben fchuldig fein vnd fleh deß zu bezahlen und reichen nicht widern, noch 
weigern foll in keiner Weiß noch weg, doch deß Bauß Öftreichs Ynderthanen bierin 
außgenommen, wo die in Stätten, Fleckhen vnd Dörfern wohnen, da kein abzug iß, 
wo aber ein abzug an demfelben Orthen were, folle der abzug von denfelben des 
Hauß Öfterreichs Underthanen in allermaßen, wie es dafelbft des abzugs halben 

gehalten würdet, bezahlet werden Geben in unfer und des Beichsftatt 

Wurmbs, 

d. d. 6. Febr. 1521. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Privilegium XXVII. 
Eaifer Ferdinands Begnadigungs- und Ausfohnungsbrief der verloffenen 
Schmalkaldifchen Eriegsfachen halber. 

d. d. Augfpurg 1547. (Staatearchiv Stuttgart.) 

Privilegium XXVIII. 
Eaifer Earls des fünften Wahl- und Regimentsordnung mangelt. Sie foll 
nach einer vorliegenden Notiz bei der großen Feuersbrunft den 5. September 1631 
in der am Kornmarkt gelegenen Behaufung des damaligen Stadtfchreibers Joh. Fried- 
rich Daffinger zu Grunde gegangen fein. 

Privilegium XXIX. 
Eaifer Ferdinand L beftätigt im allgemeinen die Freiheiten der Stadt Isny. 
d. d. Augsburg 16. Februar 1559. (Staatsarchiv Stuttgart) 

Privilegium XXX. 
Eaifer Ferdinand fah lieh bald durch erhebliche ftattliche Urfachen zum 
Beften, auch zur erhaltung freund lichs willens, guten Vertrauens, Friedens, Buhe 
und Einigkeit zwifchen gemeiner Burgerfchaft der Statt Eyßni veranlaßt, die von 
feinem Bruder gegebene Ordnung in etlichen Artikeln zu ändern und zu verheuern, 
alfo daß hinfüro: 

1. zu den 14 Bathsperfonen und Stattamann, fo vermelts Keyfern Carlsordnung 
beftimmt, noch 3 oder 4 Perfohnen adjungirt werden und alfo der ganze Bath 
von achtzehen biß die neunzehen Perfohnen fein. 



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Die Privilegien der Stadt Isny. 191 

2. desgleichen ein Bürgermeister ein ganz Jahr im Ambt bleiben and nit, wie die 
jfingft durch Keyfer Karlen angericht Ordnung vermag; allein 4 Monath lang 

das Ambt tragen; 

d. d. Insbruek 28. März 1563. (Das Original fehlt. Abfchriften befinden 
fich im Ratearchiv Isny und im Staatsarchiv Stuttgart.) 

Nach der „ Erneuerten und verbefferten Wahl- und Regimentsordnung der 
hl. Reichsftadt Yßni tf , die auf Befehl Kaifer Karls des VI. im Jahre 1729 von dem 
herzoglich Wirtembergifchen Rath und Steuerherrn zu Memmingen Tobias Hermann 
und dem Vertreter des Rathes von Kempten, Rathsconfulenten Job. Chriftian Simon, 
vereinbart wurde, wird die Zahl der Rathsmitglieder von 19 wieder auf 15 herab- 
gefetzt, die 12 im Gericht und 20 von der Gemeinde foilen, wie feither, bleiben. 
Von den 6 bürgerlichen Zünften foilen im Rath fitzen : 

von der Herrn und Kaufleutzunft 5 

aus der Weberzunft 3 

aus der Schmidezunft 1 

aus der Beckenzunft 2 

aus der Kramer und Schneiderzunft .... 3 
aus der Schuhmacher und Gerberzunft ... 1 

15. 

Zu einem bündigen Ratsbefchluß mußten wenigftens 9 Mitglieder an- 
wefend fein. 

Freitag vor Mathei Apoftoli gefchah feit uralter Zeit die Rathswahl folgen- 
dermaßen: 1 ) 

Durch eine freie unverpüntlich Wahl ohne Freundfchaft, oder Feindfchaft, 
foilen zuerft der erft Burgermeifter und ein Stattamman erwählt werden. 

Die Wahl gefchieht durch den alten Rath, das Gericht und die 20 von der 
Gemeinde. Bei folcher Wahl fitzt erftlich zu Erwählung des Bürgermeifters: einer 
vom Rath, der durch den Rath heimlich am Täfelein darzu erwählt wird (gewöhn- 
lich thut man des Rath's Redner darzu erwählen) und einer vom Gericht und einer 
von der Gemeind fampt dem Stattfchreiber. 

So der Burgermeifter erwählt, fol derfelbe fampt den Verordneten des Rath's 
vnd Gerichts mit dem Stadtfchreiber bei der Wahl eines Stattammans fitzen bleiben, 
aber der Verordnete auß den 20 davon treten. 

Vnd fo alfo der Burgermeifter und Stattamman erwählt fein, gefchihet da- 
raufs durch den Gemeindt Redner die Abdankung. Darauf gehen die 20 von der 
Gemeind widerumb heim und wird folgens durch Rath und Gericht ein Rath 
erwählt. 

Bei folcher Wahl fitzet ein neuerwählter Burgermeifter, Stattamman und der 
Stattfchreiber. 

Darauf wird im Ganzen ein Ratbsherr nach dem andern erwählt und thut 
der alte Burgermeifter folche auf einen Zettel aufzeichnen und werden diefen Tag 
keine andern Sachen verricht. 

Hernach am Donnerftag darauf läßt der Burgermeifter auf den Freitag um 
7 Uhr allen Rathsherrn einem ganzen Gericht und den 20 von der Gemeinde bei 
Ehre und. Eid auf das Rathhaus fagen und gibt der Stattfchreiber Befehl die Ord- 
nung zu verlefen, wie folche bei der Wahl der Obrigkeit gehalten wird. 



') Vergl. 1412 Alte Stattordnung, Rathswahl Bl. 1. 3b und IIb; ferner: Joh. Georg 
Baldenhofers Aufzeichnungen von den Jahren 1614—1660. Ratsarchiv Isny. 



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192 Ehrle 

Hernach am St. Mathäustag befiehlt der alte Bfirgermeifter, daß des Statt- 
ammansknecht in der Kirche verlefe, alle Bürger und Einwohner haben um 12 Uhr 
auf dem Tuchhanß zu erfcheinen, die große Glocke foll geläutet und alle Thore 
gefchloffen werden. Als dann geht der Rath und die ganze Bürgerfchaft auch alle 
Bürgerföhne, Diener und Knechte, fie feien fremd, oder einbeimifch, auf das Rath- 
hauß allda fetzt lieh ein Rath nach dem andern in Ordnung nieder, aber die neu- 
erwählten Rathsfreunde fitzen nicht dabei bis man fie zuletzt mit Namen liest. Der 
alte Bfirgermeifter und Stattamman übergeben dem neu erwählten Bfirgermeifter und 
Stattamman die Secreta und Infigel. So nun Jedermann beifamen verliest man die 
Statuten nach einander her. Darauf verliest der H. Stattfeh reiber dem neuen Bfirger- 
meifter feinen Eid. Folgends wird des Stattamanns Eid abgenommen. Nach diefem 
verliest man den Rathsherm ihren Eid. Letztlich wird der Gemeind ihr Eid ver- 
lefen, nach demfclben fteht der neue Bfirgermeifter neben den Stadtfchreiber auf 
den Bank und heißen die Stattknecht die Gemeind aufheben, doch, was unter 
14 Jahren ift, foll nit aufheben, darauf gibt ihnen der neue Bfirgermeifter den Eid. 
Zum Schluß fragt der Bfirgermeifter den Rath, ob man nach vorbrachtem Schwören 
mit einander auf die Herrnftuben gehen, dafelbft einen Trunk thun und nach altem 
Gebrauch die Herrn Prediger und Schulmeifter, Doktores und andere Herrn mehr 
zu Trunk laden und diefelben koftfrei halten wollen. Das wird gemeinlich alfo 
bewilligt. 

Nächften Rathstag darnach leuth man die Rathsglöckchen umb 7 Uhr, vnd 
umb 7 Uhr f ollen die Rath Herrn auf dem Ratbshauß erfcheinen, da fagt der neu 
Bfirgermeifter jedem wohin er fitzen foll. Darnach wählt der neue Rath einen Unter- 
bfirgermeifter und Unterftattamman am Täffelein heimlich. Folgend das Stadt- 
gericht. Nachdem felben durch den Bfirgermeifter angezeigt worden, daß fie an 
das Stattgericbt gewählt, fagt er weiter der H. Stattfchreiber werde ihnen furlefen 
worauf fie loben vnd fchwören mußten, fie follen ihr Aufmerkern haben; hernach 
fteht der neue Stattamann auf gibt jedem die Hand, geht wieder an feinen Ort vnd 
gibt ihnen den Eid. 

Hernach wird das kayferliche Landtgericht erwehlt vnd wann ihnen der 
Stattfchreiber vorgelefen, fo gibt ihnen der Burgcrmeifter den Eid, fpricht ihnen her- 
nach zu, fie follen ohne Anfehen der Perfon ohne Lieb oder Leid nach Recht richten, 
fleißig erfcheinen und ohne Erlaubniß deß Herrn Bfirgermeifters und Stabhalters 
nicht ausbleiben. 

Nach folchem werden die von der Gemeind und alle andern Ämbter durch- 
aus alle vor den Rath gefchickt und den Ämtern, fo einen Eid auf fich tragen der- 
felbig Eid geben, den andern aber fo keinen Eid haben wird allen angezeigt wozu 
fie erwählt find. 

Es wurden folgende Eide abgenommen : Stattfchreiber, oder Canzleyverwalter 
Ayd, desgleichen Regiftratoris und Cancelliften, Pfleger, der Haubtleuthe, Soldaten, 
Baumeifter, Zoller, Holzwarthen, Kornmeifter vnd der Meffer, Eicher, Wagmeifter, Wein- 
fchreiber, Umbgelter, Pfenning Mönzmeifter, Wyßwäfferer, Seelenmaifter, Hirten, der 
Stattpfittel, Ablader, Blaferthurmwächter, Thorwarten, Thorbefchließer, Einlaffer, 
Efchfchauer (Feldfchötzen) , Nothamman Aydt zu Peftzeiten, Hebammen Aydt vnd 
etlich Artikel darauff die fchwören follen, Müller Aydt, Bleicher vnd feiner Knechte 
Ayd, Rohe Leinwath Schauer, Weißleinwath Schauer, Leinwathmefler, Underfetzer, 
Brodfchauer, Fleifchfchauer, Schweinefchauer, Lederfchauer Ayd. 

Alle diefe Eide enthalten in eingehender und fachverftändiger Aufzählung 
fämtliche Obliegenheiten der ftädtifeben Bedienfteten, welche, fei es nun zum Zwecke 



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Die Privilegien der Stadt Isny. 193 

richtiger Erhebung der Zölle, Steuern und des Urageldes, fei es zur Aufrechthaltung 
des guten Rufes der Haupthandelsartikel Isnys, fei es um den Einwohnern felbft 
preiswürdige Ware und gute Nahrungsmittel zu bieten, die ganze Herftellungsweife, 
fowie den Handel ftreng zu überwachen hatten. In gleichem Sinne als Vertreter 
des öffentlichen Gewiflens wirkten in der guten Zeit auch die Zünfte mit ihren tüch- 
tigen Ordnungen und Prüfungen. 

Privilegium XXXI. 
R. Maximilian II. beftätigt im allgemeinen die Freiheiten der Reichsftadt 
Isny und in fpecie die wegen des Abzuges. 

d. d. Augfpurg 21. März 1566. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Privilegium XXXII. 
E. Rudolph II. beftätigt die Freiheit der Reichsftadt Isuy im allgemeinen 
und in fpecie das von Karl d. V. wegen des Abzugs erlangte Privilegium, 
d. d. Prag 11. Aug. 1578. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Privilegium XXXIII. 

K. Rudolph d. IL wegen Erhebung eines Weggeldes von der Reichs- 
ftadt Isny. Deffen Inhalt: daß von jedem Roß an einem Wagen, fo ein oder durch 
die Stadt fährt, durchgefäumbt, oder geführt wird ein Kreutzer gegeben werden foll. 

d. d. Prag 11. April 1597. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Privilegium XXXIV. 
K. Matthias Confirmation der Privilegien der Stadt Isny namentlich das 
wegen des Abzugs. 

d. d. Regensburg 15. Oktbr. 1613. (Staatsarchiv Stuttgart). 

Privilegium XXXV. 
K. Ferdinand IL beftätigt im allgemeinen die Privilegien der Stadt Isny 
und in fpecie das wegen des Abzuges. 

d. d. Wien 4. Aug. 1620. (Staatsarchiv Stuttgart.) 

Privilegium XXXVI. 
K. Ferdinand III. beftätigt im allgemeinen die Privilegien und in fpecie 
das wegen des Abzuges. 

d. d. Wien 10. Sept. 1637. (Staatsarchiv Stuttgart.) 
Mit Nro. XXXVI enden die direkten kaiferlichen Privilegien, für deren Beftä- 
tigung beim Regierungsantritt jedes Kaifers die Stadt Isny zahlte: 

für die Confirmation 24 Goldgulden, 

für die kaiferliche Canzlei . . 5 „ 

für die Regiftratur 1 „ 

Anno 1620 wurde außerdem den zweien Sekretarii zu Hof: Herrn Bucher 
und H. Huober verehrt, jedem: 6 Goldgulden; Herrn Dr. Daffinger, unfern Ratbs- 
advocaten deßbalb verehrt: 6 Goldgulden; Herrn Jeremia Piftorio Agenten und 
Procurator am kaiferlichen Hof verehrt 16 Goldgulden; Geldverluft an 118 fl. 
24 kr. s= 3 kr.; nach Wien hinabzufchicken 3 fl. 33 kr.; Herrn Dr. Furikh und 
H. Dr. Heyden in Lindau deßhalb verehrt 3 Goldgulden, Poftgeld und Briefgeld 
1 fl. 20 kr. 

Den Goldgulden zu 24 Batzen gerechnet koftete die Beftätigung der Stadt: 
145 fl. 47 kr. (Ratsarchiv Isny.) 

Wnrttomb. Vfcrteljalirsliefte 18*7. 13 



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194 Back 

Am 14. September 1686 kam der Stadt Isny die letzte, allerdings nicht 
mehr direkt erteilte kaiferliche Gnade zu, indem durch kaiferliches Kommiffions- 
Approbationsdekret die Militärmatrikel zum fchwäbifchen Kreis für Isny von 80 fl. 
an Geld auf 60 fl. nachgeladen wurde, außerdem gab Isny 2 Mann zu Roß und 
14 zu Fuß an die Reiehsarmee. Zur Zeit feiner Blüte, als Isnys Krieger oben mit- 
geteiltes Kaiferliches Lob für ihre Tapferkeit im Krieg gegen Flandern erhielten, 
(teilte die Stadt 6 Pferde und 60 Fußknechte ins Feld. Diefeu Zahlen etwa ent- 
fprechend ging auch die Bedeutung Isnys im 17. Jahrhundert nieder. 



Die Gattungen im Pfarrhofe zu Ehingen a/D. 

Aus einem über ein Jahrhundert dauernden Streit zwifchen der Univerfität 
Freiburg als Inhaberin der Stadtpfarrftelle Ehingen und dem Rate der gedachten 
Stadt als Vertreter der niederen Kirchendiener ift uns eine ziemliche Anzahl von 
Aktenftücken überliefert, die auf die Natur diefer „Gattungen" ein kulturgefchichtlich 
nicht unintereflantes Licht werfen. Bei dem großen Einkommen der Pfarrftelle und 
der Gewohnheit jener alten Zeiten, mancherlei Leitungen mit Speis und Trank ab- 
zulehnen, auch die Gläubigen wenigftens noch fymbolifch am Tifcbe der Kirche 
teilnehmen zu lauen, darf uns weder die große Zahl der Gattungen und Gäfte, noch 
der gewaltige Aufwand an Mehl, Eiern, Fleifch und Wein befremden, welcher an 
kirchlichen Fett- und Feiertagen gemacht worden ift. 

Das ältefte der Verzeichniffe diefer Gattungen erklärt ihre Natur am deut- 
lichtten, weshalb ich es hier wörtlich wiedergebe. Es rührt von einem ungenannten 
Pfarr-Vicarius her und gehört den Schriftzügen nach in die Mitte des 16. Jahrhunderts. 
Neben diefem finden fich noch drei weitere Verzeichniffe der Gattungen vor. Zwei 
find deutfeh, eines lateinifch abgefaßt. Das ältere von diefen dreien ftammt aus 
dem Jahr 1589, das mittlere aus der Zeit von c. 1600, das jüngtte, lateinifche, aus 
der Mitte des 17. Jahrhunderts. 

I. „Verzaichnung der Gaftungen und anderen gewonlichen Koften, 
fo die Pfarr zu Ehingen an der Thouauw jarlichen haben muß." 

[Das Kirchenjahr beginnt mit Weihnachten.] 

„Item uff weyhenachten rauos man ungeverlich haben dreyhundert ayer 
zum muoß und bachens. 

Item man thut auch uff weyhenachten ungeverlich anderthalb mitle *) mal 
in des becken haus. Daraus bachet man fechs bläx 2 ), fechs judenmetzen 8 ) und 
zehen und hundert geygen 4 ) von ayern und öpfeln. 

Item uff den heyligen weyhenachttag hatt man im pfarrbof zuo gaft 
den frumeffer, fcbulmeifter, proviforen, organiften, meßnern, die fünf ttattknecht, 
den bläfer, den vifcher, mfiller, den fchneider, fcherer und becken. 

Item an fant fteffanstag hatt man zu gaft alle priefter und den caplan 
zu Hewfelden, gibt in ein gutt mal von fleifch und vifch, darnach käß und zu einem 
jeden käß zwo geygen. Aber in die zech nach effens gibt der pfarrer käß, juden- 
metzen, bläx und geigen, aber wein und brot bezalen die priefter. 



■) MUttlein von Mntt (modins), ein ftarkes Simri. Sechs Mottle lind ein wUrttembergifcher 
Scheffel (8 Simri). 2 \ Platz (Kuchen). 8 * Judenm atzen. 4 ) Mürbe Brote in Geigen form. 



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Die Gattungen im Pfarrhofo zu Ehingen a/D. 195 

Item uff fant Johanns evangeliften tag laut ein pfarrer fant jolians 
fägen in der kircben fägnen nach der frumeß and dann fahet man an and gibt zu 
trinken, wer in der kirehe ift and etwan für ein hauagefind heymzutragen. Das 
wäret bitz das fronambt *) aas ift and brauchet man uff denfelben tag ungeverlich 
achtzig maß weins. 

Item uff difen tag hat man gewonlich fünf oder fechs tifch ; dann man ladet 
den ganzen rat der ftatt Ehingen zu gaft, den amman, den ftattfchreyber, die bläfer, 
den pfleger im Müncbhof, den frumeffer, den organiften, auch alle edelleut, fo in 
der ftatt feßbaft find ; desgleichen die nach bau reu vom adel, wo die uff denfelbigeh 
tag ungeverlich zu Ehingen wären. Doch ift es nit von nötten, das man denfelben 
fonderlich botten fchicke zu jren henßern und wonangen. Und gibt man uff dißen 
tag ein voreffen von kalbskreß *), wan man das haben mag oder fonft von zungen, 
kragen and magen von den hünern, darnach verfotten hennen und gewenlich uff den 
ohern tifch zwo hennen. Darnach ein eilen vifch ; darnach kraut und fleifcb, darnach 
brattens 8 ), darnach fulz, darein man gewenlich drey hennen braucht; darnach ein 
weinmuoß und gebachens und zulezt käß. Legt man zu einem jeden käß zwo oder 
drey geygen. Aber uff dißen tag gibt der pfarrer allein wein zu der erften tracht 
und fobald man diefelbig uffhebt, fo foll ein rat durch das ganze mal auß wein geben, 
auch uff die naebtifch. 

Uff dißen tag gibt man auch in die zech uff ein jeden tifch käß, vier geygen, 
ein halbe judenmetze und ein halben bläx. Aber wein und brot bezalen die zechleut. 

Item gegen dem neuwenjarstag fchenket man dem abt von Zwyfalten 
und dem probft von Mockhenthal yedlichem ein lägelin malvaAer za eynem gaeten 
jar, thut eynem ungeverlich anderthalb maß oder uff das höchft zwo maß. Und 
doch fo ift es kein fonderer brauch, aber allein etwan darumb gehalten worden, 
das der abt und auch der probft gewonlich uf weyhenacbt dem pfarrherren wild- 
brett gefchenkt hatt Darum fo ftat es zu befcheidenheit 4 ) eins pfarrers. 

Item uff den newen jarstag gibt der pfarrer das gut jar 9 ) wie her- 
nach volgt. 

Item dem hausgefindt im pfarrhof zwelf kreuzer. Item dem fcherer und 
feynem hausgefindt zwelf krenzer. Item dem metzger und feynem hausgefindt 
XII kreuzer. Item dem meßner und feynem hausgefindt XII krenzer. Item den 
bläfern VI kreuzer. 

Item uff den neuwen jarstag kompt zu dem mal der frumeffer, fchul- 
meifter, provifor nnd der organift. 

Item uff der beyligen drey knnig tag, fo man morgens uß der 
dreyen beyligen künig ampt 6 ) kompt, gibt man den fchulern ein fuppen und zwo 
oder drey maß wein uff das höchft Sollen ir nit über acht fein. 

Aber zu dem rechten mal uff dißen tag kompt der frumeffer, meßner, fchul- 
meifter, organifta und provifor. 

Item uff li echtmeß, dergleichen uff fant bläfy tag kompt der frumeffer, 
meßner, fchulmeifter. * 

Item gegen der herren fas nacht 7 ) braucht man gewonlich ein mütli 
mal zu den küchlin und uff dißen tag hat man zu gaft alle priefter und den kaplon 
von Hewfelden, fchulmeifter, provifor; gibt inen ein gutt mal von fleifcb, fultz, 



*) Hochamt. ') Kalbsgekröfe aus der Thymusdrüfe des Kalbes. *) Braten, jetzt noch 
brates. 4 ) Gutdünken. A ) Noch fo, d. i. ein Gefchenk auf das Neujahr. c ) Hauptmeffe, Hochamt. 
*) Sonntag Eftomihi. 



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196 Bück 

gebrattens und küchle und wann ein priefter krank ift, fo fcliickt man im ein 
brattens and ein maß wein unge verlieh. Aber in die zecb gibt man uff ein yeden 
tifch käfi und küchle, das übrig, wein und brot, bezalendt die priefter. 

Item uff dißen tag nach der vefper komen die fchuler, denen gibt man ein 
Hippen und fleifch, kraut, fultz und kücblin und zimlich wein darzu. 

Item an der rechten fas nacht 1 ), nach dem nachteffen rieht man die 
tifch in der undern und obern ftuben. Und was ehrbar leut feindt, heißt man 
hinauff gan, aber das gemein volk laßt man in der undern ftuben. Denen gibt man 
zu trinken und küchle, aber oben gibt der pfarrer nach feiner befcheidenbeit. 

Item an fant mattbeus tag kompt der raeßner, frumeffer und der organift. 

Item annuntiationis Maria kommt der frumeffer, meiner, fchulmeifter 
und provifor. Aber wann man uff dißen tag das jung volk mit dem hoehwirdigen 
fakrament beriebt 8 ), fo kommen auch die fünf ftattknecht s ). Wirt gewenlich zwen 
tifch. Desgleichen würdet es auch gehalten am palmtag. 

Item an grünen donftag und am karfreytag kommen der frumeffer, 
meßner, fchulmeifter und provifor und uff ein yeden tag drey ftattknecht, nit mehr. 

Item gegen dem karfreytag braucht man ungeverlich fünf mitle mal und 
zweytaußend ayer zu den fladen 4 ). Die bacht man uff den karfreytag ungeverlich 
zehen und hundert. Und die erfte hitz 5 ) bacht man für die herren ; die macht man 
gutt, thut weinber darauf. Aber die übrigen, fo man verfebneidet, dörffen nit fo 
köftlich fein. 

Item am ofterabend hatt man gar kein gaft, dann der frumeffer, meßner, 
fchulmeifter, provifor haben für dißen tag das mal uff fant katharinen tag. 

Item uff dißen tag braucht man ungeverlich fünftaußent ayer zu dem 
gefegneten 6 ). 

Item weyter ungeverlich achtzig oder neuntzig pfund digen 7 ) fleifch. Das 
foll man allweg nach weyhenachten kauffen und falzen, das es in der erften faft- 
wochen aufgehenkt werde. 

Item uff den ofterabend nemen die ftattknecht von den metzgern unge- 
verlich zehen oder eilff lemmer, darnach die fchwär feyen. Und von dißen lemmern 
gehert den ftattknechten ein lamb in gemein und follen die ftattknecht dem pfarrer 
anzaigen, das fy die lemmer genommen haben. 

Item am ofterabend nachmittag bratet man das ofterlamb und ander 
brattens in des becken haus. Da gibt man inch zwo maß weins und ein brot. 
Darnach zu nacht kompt der beck und iffet mit denen, fo die fladen febneiden. 
Zu nacht gibt man inen fuppen und ein trank. % 

Item am öfter tag nach der metten foll der metzger kommen und das 
brattens zerhauen. Daraus machet er ungeverlich fünfzig zimlicher ffcück. Aber das 
übrig zerhautert 8 ) man ganz klein zu den wannen und legt man zu denfelbigen 



*) Faßnachtdienstag. In oberfchwäbiiehen Akten kommt noch vor: die große oder 
alte vafenaht = Sonntag Invocavit; aller mannen vafenaht was herren- oder pfaffen* 
vafenaht; der fronwen vafenaht nnd eine junge vafenaht, welche ich nicht näher 
beftiromen kann. Anno 1617 wird zu Hoßkirch abgefchafft, das der pfarrer den kinden fasnaefat- 
küohlin tu fpendieren habe. Auldf. Akten. *) fpeifet. ") wohl in der Eigen fchaft als ordnung- 
machende Kirchenvögte. 4 ) Ofterfladen, welche geweiht und an die Pfarrgenoffen ausgeteilt 
wurden. 6 ) nämlich des Backofens und das was nach diefer in den Ofen kommt. ") Vgl. was 
weiter unten am Oftertag gefagt wird. 7 ) geräuchertes. 8 ) zerhaudorn, zerhadern in kleine Fetzen 
oder Hadern zerhauen. In Richentals Ghron. des Konft. Konzils (S. 143 meiner Ausgabe) heißt 
diefes zerhauderte Fleuch: das käckt (gehackte). 



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Die Gattungen im Pfarrhofe zu Ehingen a/D. 197 

ßucken gehackt fleifch und ayer. Item fo das gefegnet alfo bereit ift, fo fcbickt 
man einem ganzen rat zu Ehingen und dem ftattfchreyber, allen prieftern, auch 
allem adel, fo in der ftatt feßhaft ift, dem pfleger im Munchhof, den ftattknechten, 
den thorwarten, den zweyen widemmayern l ) und beden meflnern, dem müller, dem 
vifcher und den näcbften nachbauren einem yedlichen nach feynem ftandt. Dem 
einen 2 ) burgermeifter fcbickt man ein viertheil von einem lamb und einen zimlichen 
fladen. Aber fonft, dem gemeinen mann taylt man das gefegnet alfo auf}. Dann 
welcher in der ftatt fitzt, denen bringend es die ftattknecht in den wannen und 
braucht man gewenlich vier oder fünf wannen. Aber aufl den Dörffern holen die und er- 
tönen das gefegnet. Deren wartet 3 ) einer mit eyner wannen vor der thür im pfarrbof. 

Item am öfter tag, fo das gefegnet auügetailt ift, gibt man denen, fo darzu 
geholfen haben, fuppen und fleifch und zu trinken. 

Item nach dem ampt 4 ) uff dißen tag bat man zu gaft den frumeffer, fcbul- 
meifter, provifor, organiften, meßner, die fünf ftattknecht auch die wannentrager, 
den bläfer, fcherer, müller, becken, vifcher und den fchneider, wann er das gefegnet 
in die dörffer ausfchaidt. Trifft (leb uff drey tifch und gibt man das ofterlamb uff 
alle tifch zu verfuchen. Darnach fchickt man das dem fpittalmeifter in fein ftuben, 
dann er foll das lamb und ein käß am ofterabend in pfarrhof fchicken 5 ). 

Item am oftermontag kommen zwen metzger, die holen das gelt um die 
lemmer. Den gibt man ein fladen und zwo maß wein. Die tragen fy mit hinweg. 

Item philippi und jakobi kompt der frumeffer, meßner und organift. 

Item am uffarttag 6 ) kompt der frumeffer, meßner, fchulmeifter, provifor, 
organifta und die fünf ftattknecht 

Item am pfingfttag komen die geft wie am uffarttag und zu denfelben 
der müller, vifcher, metzger und beck. 

Item uff corporis Chrifti ^ hat man zu gaft alle priefter und den caplon 
zu Hewfeldcn. Item die, fo den himmel tragen und den pfarrer füren 8 ), den 
amman 9 ), den ftattlchreiber, die ftattknecht und den blafer. Item die, fo den 
ettner 10 ) tragen. Machet ungeverlich YI tifch. Denen gibt man ein gutt fleifcbmal 
nach altem brauch. 

Item uff dißen tag gibt man in die zech käß } judenmetzen, geygen und 
bläx. Man mag auch zu dißer zech laden wer vom adel ift zu Ehingen, alle nach 
befebeidenheit 11 ) eines pfarrers. Aber wein und brod bezalend die zechleüt. Und 
uff dißen tag braucht man gewenlich zwey hundert ayer zu den judenmetzen, bläx 
und geygen. 

Item johannis baptifte, petri und pauli, marie magdalene, jacobi 
apoftoli, laurentii komen frumeffer, meßner und der organift. 

Item affumptionis Marie kompt frumeffer, fchulmeifter, organift und 



') Die Maier, welche die Pfarrwiddunihöfe bauen; von rahd. widdum Mitgift, Ausftattung, 
hier der Kirche. *) Kann heißen, einig nur, nur allein dem Burgermeifter, aber auch dem erften, 
„regierenden Bürgermcifter a . 8 ) wartet auf, diefe bedient. 4 ) Hauptmefle. *) Die Spitalftiftung 
hatte demnach das Ofterlamm ( wahr fch ein lieh für Weidenutzungen) zu liefern, erhielt es aber, 
nachdem es verfucht worden, wieder zurück. Vgl. Birlinger und Bück, Volkstümliches aus 
Schwaben Bd. I. 105—110. Ferner II. 197. Die von Königsegg erhielten vom Abt von Salem 
usz fyner swaige ze Bachhopten (bei Saulgau) ziger, keß und fechs lemmer uf oftran dafür, 
daß der Abt feine Schwaige von Bachhaupten in dem Eönigseggifchen Teil des Wagenhards 
weiden ließ (Urk. v. 1417 u. 1481 im Aulendorfer Archiv). Diefelbe Leiftung hatte der Abt auch 
der Stadt Saulgau gegenüber für den Saulgauer Anteil am Wagenhard. 6 ) Himmelfahrt. ') Fron- 
leichnamstag. 8 ) nämlich rechts und links des Pfarrers Rauchmantel halten. °) Der kaiferliche 
Oberbeamte der Stadt. 10 ) Lefepult ") Ermeflen, Gutdünken. 



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198 Back 

der meßner, die fünf ftattknecht, der müller, fchneider, fcherer, vif eher, beck. 
Seynd zwen tifch. 

Item fimonis und Jude: frumeffer, meßner, organifta, fehulmeifter und 
provifor. 

Item an aller feelen tag hatt man zu gaft alle priefter und den caplon 
von Hewfelden. Denen gibt man ein gutt mal von fleifcb, brattens und bacbens. 
Uff dißen tag gibt man auch in die zech uff jeden tifch ein käß und ein laiblin 
und fonft nichts mehr. Aber das übrig, wein und brot bezalend die priefter. 

Item ufffant katharinentag kommen der frumeffer, meßner, fehulmeifter 
und provifor. Doch hatt fich der fehulmeifter begeben uff dißen tag motten zu fingen. 

Item uff andree und thome apoftolorum kompt der frumeffer, meßner 
und organift. 

Item fo oft der fehulmeifter metten fingt, bat er das mal im pfarrhof. 

Item als oft die helfer metten fingen kompt der frumeffer und meßner zu 
dem mal, aufgenommen in der faften und im advent." 

II. Aus dem zweiten Verzeichnis „Von gaftungen, fo durch das jar im Ehin- 
gifchen pfarrhof gehalten werden, renoviert a. 1589 a , welches mit dem erften ziem- 
lich übereinftimmt, follen hier nur ein paar Abweichungen folgen. 

„Item in feftoBachanaliorum: Alle priefter, der caplon zue Höwfelden, 
ordinanden *), fehulmeifter, provifor, organifta, mesner. Eadem die nach der vefper 
kommen alle fchuoller, gibt man fuppen und fleifch, fultz und küechlin und zimlich 
wein dazu. — 

In fefto corporis Ghrifti: vier des raths, fo den himmel tragen, zwey 
die den pfarrherren füeren, der ftattfehreiber, fünf ftattknecht, blafer; item der den 
lethner tregt, item alle priefter, ordinanden. Wiert ungeverlich 5 oder 6 tifch. — 

In fefto Johann is Evangelifte, fo ein ganzer rath im pfarrhof zu gaft 
iffet, ftehet es alfo : auf difen tag gibt der pfarrberr allein wein zu der erften tracht 
und fo bald man diefelbig aufhept, fo foll ein rath durch das ganz mahl aus den 
wein geben, auch auf die nachtifcb. Den tifchwein gibt ein rath, den erwein durch 
die ganze mablzeit ein vicarius. — " 

Der Vicarius fügt dann noch klagend an: „das (bei diefem Mahl) des tifch- 
weins (den der Bat anzufchaffen hatte) gar wenig, fondern nur des erweins *) (den 
der Pfarrvikar anzufchaffen hatte) getrunken werde." 

III. In dem Verzeichnis von c. 1600 werden die bekannten Gäfte (Früh- 
meffer, Schulmeifter, Provifor, Organift und Mesner) fchlechthin die „fünf kirchen- 
geft a oder „die fünf kürchendiener" genannt. Die Zahl der Gäfte ift inzwifchen 
erheblich gewachfen, es find am Schluß des Jahres „(ummaruni 425 geft tf . Am 
Fronleichnamstag find es allein ihrer 54. 

IV. Da 8 jüngfte Verzeichnis nennt fich: Nomenciator convivarura, 
qui in parrochia Ehingana per annum excipiuntur. Zur Probe laß ich nur ein paar 
Aushübe folgen. 

„In nativitate Domini (excipiuntur): ludimoderator *), hypodidascalus *), 
primiffarius ö ), organifta, edituus 6 ), quinque lictores 7 ), tubicen 8 ). 



f ) Wohl iblche, die n&chftens zu Prieftern geweiht werden. *) welcher natürlich der 
beffere war. s ) Schulmeifter. 4 ) Provifor. 6 ) Frühmeffer. 6 ) Mesner (mlat, mantfonarius). 7 ) Stadt- 
knechte. •) Bläfer. 



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Die Gattungen im Pfarrbaufe zu Ehingen a/D. 199 

In fefto Sti. Joannis evangelifta: fenatores omnes, qnorum XXIV, 
archigrammaticus *), miniftri civitatis fex, primiffarius, organifta, edituus, fumma 33. — 

In dominica quinquagefimae: facerdotes omnes et quinque miniftri 
ecclefie ordinarii, fcholareg omnes et finguli. 

In fefto corporis Chrifti: qninqae miniftri ecclefie ordinarii, totus cleru*, 
tres confules, Primarius fenator, archigrammaticus x ), editni duo, procuratores ecclefie 
duo, pretor, miniftri civitatis fex, pictor (fic!) *), pedellus. — Die tres ecclefie miniftri 
laufen unter dem Sammelnamen: tres confueti. 

» Nach diefem Verzeichnis wird an 48 Tagen Gaftung gehalten (gegenüber 
den 30 des erften Verzeich niffes), aber gegenüber dem Verzeichnis von c. 1600 ift 
jetzt die Zahl der Gälte doch auf (jährlich) 324 berabgegangen. Mit der Gäftezabl 
nahm auch die Reichlichkeit der Mahlzeiten , namentlich auch die Weinfpende ab. 

Im Jahre 1690 beklagen fich Bfirgermeifter und Rat bei der Univerfität über 
das Verhalten des Pfarrvicarius. Er fetze nachgerade den Tifchwein der Kirchendiener 
anf das geringfte Maß, nämlich auf nur einen Becher Weines für den Mann, herab. Aach 
wäffere er den Johannisfegen von Jahr zu Jahr ftärker, alfo zwar: „das am lezten 
Johanni Evangelifta Tag im Johannisfegen mehr Waffer als Wein, folcher nit einmal 
vinum aquatum gewefen, fondern nur noch aqua vinata, alfo das Waffer den Fürfchlag 
oder das Prodominium gehabt." Des weitern befchweren ßch diefelben: „das der Vicarius 
die bethädingte Morgenfuppe für 10 Schüler und den Sehulmeifter in fefto trium regum 
negfthin mit einem Muß und Waflerfuppen und zweyen fauren Maß Weins verrioht, 
unangefehen das der Pfarrverwefer allhie ihnen Fleifch zu geben fchuldig fei. a 

Die Univerfität antwortet, bei gegenwärtiger Weinteurung könne man nicht 
jedem einfehenken, bis er genug habe. Es fei überhaupt nicht vorgefebrieben, wie 
viel Wein gereicht werden muffe. Diefe Ehingifcben Mähler feien bloß ein Luxus. 

Hierauf erwidert ein Rat, daß die Leiftungen des Vicarius auf Verträgen 
beruhten und diefe Mähler nicht einfeitig verkümmert oder aufgehoben werden 
könnten. Sie feien Befoldungsteile der ftädtifeben Diener und ein Rat muffe daher 
auf Einhaltung der Verträge beftehen. Von einem Luxus könne keine Rede fein, 
denn diefe Mähler feien allein da „zu des bloßigen Durfte und Hungers Btießung" s ). 
Über fein eigenes allzutapferes Wegtrinken des Ebrweiues, den der Vicarius zu 
reichen hatte, fchwieg fich ein furfichtiger Rat vollftändig aus. Wann und wie der 
Streit ausgegangen, konnte ich den mir vorliegenden Akten nicht entnehmen. 

Ehingen a/D. Bück. 

Sitzungsberichte. 

Ausflug vom 22. Mai 1887 nach Ofterftetten. Berichtigung der Ausgrabung im 
Löhle, im Rückweg Verfammlung in Langenau, wobei Prof. Dürr in Ulm als ordentl. Mitglied 
aufgenommen wird. 

Sitzung vom 8. Juni 1887. Gefchenke werden vorgelegt von dem Herrn Privatier 
J. E. Lindenmeyer Opera Alberti Dureri, Arnbeim 1604 und anderes, von Herrn Pfarrer Senffer 
2 Pergamentblätter, Stücke aus den Pfalmen enthaltend, von Herrn Archiv lekr. Dr. Schneider 
feine Abhandlung zur Lehre von der fchwäb. Privaturkunde, und von den Lödelfchen Erben 
weitere Bücher und Akten der Kaafleutezunft. Herr Oberförfter Bürger von Langenau erstattet 
ausführlichen Bericht über die Ausgrabung bei Ofterftetten. Herr Dekan Klemm macht Mit- 
teilungen über die älteften Mitglieder der Familie Klemm. 



l ) Stadtfchreiber. *) Soll vielleicht piftor (Beck) heißen. ") Befriedigung. Wir fageu 
noch; en glufcht büesse = ein Gelüfte befriedigen. 



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200 



Hiftorifcher Vereiii für das Württembergifche Franken. 



Die JagftMufer Ausgrabungen im Herbft 1886 *). 

Von Pfarrer K. Guß mann in Gutenberg (früher in Sindringen). 

Die Jagfthäufer Ausgrabungen im Herbft 1886 fcheiden fich in drei örtliche 
Grnppen, die wir, der Kürze halber und, falls wir eines belferen fiberfuhrt werden, 
jederzeit korrigibel, bezeichnen als: 

1. die Kaftellecke, 

2. das Garnifonsbad, 

3. die Zivilniederlaffung. 

1. Die Kaftellecke. 

In den Gärten auf der Südfeite des Dorfs zeigte ficb im Grasland eine im 
rechten Winkel verlaufende IV2 m hohe, regelmäßig abgeböfchte Erhöhung, in der 
Verlängerung einerfeits. auf die alte Brücke zuweifend, andererfeits auf Pfarrhaus und 
neuen Scbloßgarten. Die Ausgrabung zeigte: von außen her zuerft eine Menge 
Mauerfteine, ohne Mörtelfpuren ; fodann eine rechtwinklige Mauerecke, die (ich nach 
Süden und Werten erftreckte, teilweife fehr fchwach (55 cm dick), im Innern etliche 
Spuren davon zeigend, daß die Mauern zugleich die Wandungen verfchiedener Ge- 
laffe bildeten. Um (ich ein (icheres Urteil zu bilden, welchem Zweck diefe mit Hei- 
zungsröhren, Kanalifierungsfpuren und hohen Backfteinlagen verfebenen Räumlich- 
keiten dienten, müßte die Ecke auch innen völlig ausgegraben werden. Funde: 
Pfeilfpitzen, eine Mauerkelle, Gefaßfragmente, eine Tetricusmünze. 

Gegen Süden verliert (ich fürs Auge die Erhöbung in Bälde. Dagegen fetzt 
(ich die weftliche Böfchung, auch fürs Auge fichtbar und nur wenig unterbrochen, 
in den Gärten und nachher zwifehen den Häufern fort, fo daß die Höhe teil weife 



') Aus verschiedenen Gründen, z. B. fchon wegen der notwendigen Erklärung, auf 
welche Weife ich in den rechtmäßigen perfönlichen Befitz einzelner der Funde gelangt bin, fehe 
ich mich veranlaßt, die Genefis der Ausgrabungen kurz zu fkizzieren. — Im Zufammenhang mit 
einem unter meiner Führung unternommenen Ausflug an die Limesftrecke Sindringen— Pfahl- 
bach lenkte lieh das Interefle der Jagfthäufer Gutsherrfchaft auf die wohlbekannte „Kaftellecke", 
die denn auch unter Leitung des freiherrlichen Hofmeifters Dr. Groß und nach meinen Angaben 
angegraben wurde. Während diefer Arbeit traf zufällig Prof. Dr. Miller von Stuttgart ein, mit 
dem wir nun gemeinfehaftfich die mutmaßliche Kaftellmauer auffuchten. Hiebei ließ Miller ver- 
fchiedene Probefchlitze machen, wobei man, wie ja das in Jagfthaufen die Regel ift, faft überall 
auf Mauern oder fonftige Römerfpuren ftieß, u. a. auch an einer Stelle, die mir befonders flgnifi- 
kant erfchien, ohne daß mir irgendwie beftimmtere Anhaltspunkte gegeben gewefen wären. Dort 
ließ ich auf mein Rifiko graben und zwar mit fof ortigem Erfolg. Dem Wunfche der Gutsherr- 
fchaft, welche die mit großer Wahrfcheinlichkeit und durch weniger fchwierige Arbeit zu erwarten- 
den Funde für das freiherrliche Archiv erhalten wollte, nachgebend, trat ich den bereits ange- 
grabenen Platz famt Arbeitern in der Weife an diefelbe ab, daß etwaige Doubletten mir zufallen 
füllten und ich an der ferneren Leitung teilzunehmen hätte. So wurde nun unter der unmittel- 
baren Auffleht von Dr. Groß weiter gegraben und das Bad bloßgelegt. Inzwischen hatte ich 
in Gemeinfchaft mit Herrn Schultheiß Raufenberger an einem dritten Platz, weltlich vom neuen 
Schloß und Pfarrhaus, aufgraben laflen und hiezu die mir vom K. K ultra inifterinm und dem frän- 
kifchen hiftorifchen Verein gütigft verwilligten Mittel benützt; hier fanden fleh der Keller und 
die verfchiedenen anderen Gebäudegrundmauern. Dies zugleich zur Ergänzung (foweit es mich 
betrifft) des Millerfchen Berichts in Heft 1 Jahrgang 6 der Weftdeutfchen Zeitfeh rift. Der Verf. 



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Gußmann, Die Jagfthäufer Ausgrabungen im Herbft 1886. 201 

noch Mannshöhe beträgt. Millers Probefcbnitte in diefer Richtung ergaben eine 
ftarke Mauer. Die Böfchung biegt ein wenig aus, zeigt fleh befonders fcharf un- 
mittelbar hinter dem Pfarrbaus und verliert (leb endlich im Schloßgarten. In letz* 
terem war aber, wie Augenzeugen beftimmt verfichern, genau in der entfprechenden 
Richtung vor der jetzigen Anlage des Gartens eine bedeutende rechtwinklige Erhöhung 
vorhanden, die nach Norden auf die Gegend zwifchen Pachthof und Götzenfchloß 
zulief und zum Teil jetzt noch fichtbar ift. 

Somit erfcheint als erwiefen : eine füdweftliche Mauerecke, deren zuerft ge- 
radlinige, dann nach Werten ausbiegende, fodann wieder gerad verlaufende Fort- 
fetzung nach Nordweften zu : der jetzt verfchwundenen, aber gut bezeugten nordweft- 
lichen Ecke führt, die wiederum nftch Nordoften leitet. Die offene Seite des fo zu kon- 
gruierenden unregelmäßigen Vierecks, welches faft das ganze heutige Jagfthaufen in 
(ich befaßt, bildet die Jagft mit ihrem dortigen Steilabfall, und auf letzterem, der 
mit einer ziemlich geradlinigen Häuferreihe befetzt ift, wären wohl die beiden an- 
dern Ecken des Vierecks, die nördliche und die füdöftüche, zu fuchen. 

Daß mit diefem Viereck der Umriß des Jagfthäufer Kartells gegeben ift, 
dürfte keinem begründeten Widerfpruch mehr begegnen. Miller berechnet feine 
Länge auf 280 m und die Breite, in der nördlichen Hälfte wegen feiner Ausbiegung 
um 40 m größer als in der (ud liehen, dort 180 in und hier 140 m. 

Daß die aufgegrabene füdweftliche Ecke nicht modellgerecht abgerundet ift, 
fondern einen fcharf en Winkel zeigt, ift wohl fo zu erklären, daß hier die innere 
noch erhaltene Ummauerung vor uns fteht, an die fich fofort Wohnungen, Arbeits- 
räume etc. anfchloffen, während die maffenhaft vor ihr liegenden Steine die Trümmer 
der zerftörten äußeren Umfaffung darfteilen, die dann der Regel entfprechend als 
abgerundetes Eck anzunehmen ift. 

Dafür daß das beutige Dorf Jagfthaufen auf dem alten Römerplatz erbaut 
ift, bilden Beweife die verfchiedenen Funde innerhalb des Orts (z. B. das von H. 
Pf. Zimmermann, Schultheiß Raufenberger und mir vor etlichen Jahren bei der 
Kirche ausgegrabene Hypokauftum, das jetzt im Pfarrbof fteht). 

Über die vortrefflich gewählte ftrategifebe Lage, die eine völlige Beherrfchung 
des Thals nach oben und unten ermöglicht, belehrt am beften ein Blick von den 
Bergen herab, zumal von den Pfitzhöfen aus. 

2. Das Bad. 

Hier haben wir das wohl erhaltene Mufter eines römifchen Garnifonsbad* 
haufes vor uns, wie es Heb auch ein am äußerften Ende des Reichs liegendes Grenz- 
kaftell leiften konnte. Es ift eine ganz abgefchloffene Anlage, die in allen ihren 
Einzelheiten wohl erkennbar und erklärbar ift. 

Das Bad liegt von der f.w. Eaftellecke gegen Süden, etwa 300 Schritte 
von demfelben entfernt, alfo außerhalb des Kaftells und rückwärts von ihm, auf den 
„Steinäckern a , die fich gegen die nahe Jagft hin verflachen. Das Bad wurde jeden- 
falls von der Wafferleitung aus gefpeift, mit welcher den früher aufgefundenen 
Spuren nach das — höher als das Bad gelegene — Kaftell verfeben war, und 
hatte, wie fich bei der jetzigen Ausgrabung herausftellte , feinen natürlichen Abzug 
gegen die Jagft. Ich verweife zur näheren Anfchauung auf den beigefügten, vou 
Herrn Schultheiß Raufenberger gezeichneten Plan des Bades (Fig. 5) und erlaube 
mir zur Orientierung nur folgende Erklärung der einzelnen Räumlichkeiten beizu- 
fetzen, wie fie nach Vitruv und nach Maßgabe von anderswo aufgegrabenen ähn- 
lichen Badhäufern ftalthaft ift. 



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202 Gußmann 

Die Räumlichkeit A Mit als Eingangs- oder Vorzimmer zu betrachten, aditus. 

B, Zimmer zum Auskleiden, apodyterium (und wohl zugleich elaeothefium, 
Salbenzimmer)« 

C, Kaltwafferbaflin, frigidarium. 

D, erwärmtes Zimmer, tepidarium. 

E, Heiflwaflerbaffin. 

F, Kämmereben zum Schwitzluftbad, laconicum. 

G, Heizungslokal, praefurnium. 

Die Wafferzuleitung gefchah auf näher nicht mehr naebzuweifendem Weg 
in das Hauptbaflm C, aus welchem es durch eine teilweife noch erhaltene bleierne 
Röhre und eine geräumige Dohle unter B und F hindurch abfloß. Wie das kleine 
Baffin E fein Waffer erhielt, ift nicht erfichtlich; es war übrigens bei feiner Bad- 
wannengröüe durch Zutragen leicht zu füllen und bedurfte keiner besonderen Zu- 
leitung. Die Heizung fand lieh im Räume G, von wo aus vermittelet eines ftarken 
Roftes aus fchiefgelegten Backfteinen die erwärmte Luft in den mit Hypokauften 
verfehenen Raum D geführt wurde. Der Boden in A ift zementiert, der in B mit 
Sandfteinen geplattet, D hat, wie gefagt, Hypokauften auf Zementboden, fodann 
fenkrechte Wandheizröhren, während G nur Lehm- und Kiesboden zeigt. 

Das größte Baffin G hat zementierten, gegen die Abzugsfeite und das Ab- 
flußrohr etwas geneigten Boden; die Wände beftehen aus Ziegellage mit ftarkem 
Verpntz. Das kleine Baffin (Badwanne) ift mit Backfteinboden verfeben. 

Das Gemach B, in dem wir feiner Lage nach das apodyterium vermuten, 
war der Mittelpunkt der ganzen Anlage und enthielt den jetzt zu befchreibenden 
Funden nach wahrfcheinlich auch das fanotuarium des Gebäudes. 

Denn hier ift die Fundftätte des Altars, der das wichtigfte und fohönfte 
Ergebnis der Ausgrabung darfteilt; auch die übrigen Bruchftücke von Infchriftfteinen 
fowie die Bildwerke, die mehr oder weniger entfernt von diefer Zentralräumlicbkeit 
gefunden wurden, gehörten unzweifelhaft urfprünglich in diefes Gemach, 

Der Fortuna -Altar (f. Abb. 1) ift faft ganz unverfehrt, 0,95 m hoch und 
0,44 in breit. Er gehört, wie fich aus der Infchrift ergiebt, ins Jahr 248 n. Chr. 
und ift fomit bis jetzt die fpätefte Infchrift des Limesbereichs. Über die Fortuna 
faneta balinearis redux ift zu bemerken, daß diefe Zufammenftellung von baL und 
red. als Beiname der Glücksgöttin fehr feiten ift. Wie die Fortuna in die Bäder 
geriet, kann Ovid Faft. 4, 145 erklären, wonach die Frauen am 1. April der fortuna 
virilis „in balineis" Opfer darbrachten; als redux, die glücklich Heimfuhrende, war 
fie ftets vom Eaiferhaus besonders verehrt. 

Die üblichen Attribute der Fortuna finden fich auf den weiter aufgefundenen 
beiden Relieffiguren, welche nicht übel in Sandftein gearbeitet find, von denen 
die eine im Jagfth. Archiv aufbewahrt wird, während die andere in meinem Befitz 
ift: im linken Arm das Füllhorn mit drei Früchten (die gute Gaben Spendende), 
ebenfalls links unten das Rad (die Wandelbare) und in der rechten Hand auf den 
Boden geftellt das Steuerruder (die Lenkerin der Gefchicke); die Geftalt ift völlig 
bekleidet und die Gewandung zeigt den üblichen Faltenwurf; das Haupt ift unbe- 
deckt, das Haupthaar gelockt zurückgeftrichen. 

Die beiden Bildwerke find fich völlig gleich und waren wohl an der Wand 
zu beiden Seiten des Altars angebracht, während die Mitte der Altarwand vielleicht 
von der dritten Figur eingenommen ward, einer Statuette, ebenfalls aus Sand- 
ftein, von der drei Stücke aufgefunden wurden, der (ziemlich indifferente) Kopf, die 
zufammengelegten Hände uud das Körperftück von der Hüfte bis zum Knie. Hier 



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Die Jagfthäufer Ausgrabungen im Herbft 1886. 



203 



Fig. 2. 



Fig. 3. 



Fig. 1. 



Fig. 4. 











Fig. 5* 



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204 Gußmann 

find keinerlei Attribute fichtbar; ans der auch bier vorhandenen Gewandung ift 

nichts abzuleiten. ^ 

An fonftigen Infcbriftreften fand man ein kleines Stü(& 0,10 m hoch und 

0,15 breit, mit ziemlich kleiner Schrift (f. Fig. 2); ficher zu lefende Bucbftaben: 

IH 

DIEFORTV 

TRIB 

ANV 

Ferner als unterer Teil einer Infchrifttafel (f. Fig. 3) mit den lesbaren 

Bucbftaben : .* 

OBVM AVX 

Endlich wiederum der Fuß eines Votivfteins (f, Fig. 4), 0,58 m breit mit 

den Bucbftaben: 

OR BFCOS 

V S 

Kleinere Funde im Bad: etliche teilweife guterhaltene geftempelte Le- 
gionsziegel („leg XXII pr p f u mit dem Capricom), viele Refte von roher farbiger 
Wandmalerei, Nadeln, ein bronzenes (Salben-?) Bfichschen, eiferne Bänder, Nägel 
etc. — In der Nähe des Bads, nördlich davon, wurde bei diefer Gelegenheit ein 
Wohnhaus zum Teil ausgegraben, im befonderen ein 4 qm haltendes Gemach mit 
gegen fünfzig backfteinernen Hypokauftenfäulen und mit Feuerungsraum, in welch 
letzterem eine große Schüffei von grobem Tbon fteckte. 

3. Die Zivilniederlaffung. 

Die Zivilniederlaffung, die fich im Rücken auch diefes Kartells vielleicht 
aus den Buden (canabae) der Handelsleute, welche diefe hinter die caftra ftativa zu 
ftellen pflegen, gebildet hatte, hat ihre Spuren in einer Menge von Mauerwerk und 
in den verfchiedenften Reften von Luxus- und Bedürfnisgegenftänden hinterlaffen, 
wie fie hinter dem heutigen Dorf Jagftbaufen, alfo auch hinter unferer angenom- 
menen Kaftellmauer, fchon häufig zu Tage gefordert wurden. In jener Gegend (ge- 
nauer in den Äckern — „Mühläcker" — und Gärten, an denen man, wenn man die 
Jagßftraße herauf kommt, vor dem Eingang des Dorfs zur Linken vorübergeht — 
rechts liegt das Bad — ) kam beifpielsweife die bekannte prächtige Herkules- 
ftatuette heraus, ein Kunftwerk von hervorragender Bedeutung« Man trifft dort that- 
fächlich fo ziemlich überall, wo man den Stahlftock oder den Spaten hineinftößt, 
auf Mauerrefte. Meiftens find es feb wache Mäuerchen; aber fobald fie noch einen 
Raum einfchließen, finden fich darin die Hypokauftenfaulen , häufig auch der wohl- 
erhaltene rot angeftrichene Eftrich, vielerlei Scherben von feinem Küchengefchirr, 
lauter Beweife, daß es fich bier um Wohnhäufer und Familienräume handelt und 
nicht um Kafernen. 

Neben verfchiedenen kleineren Angrabungen in den dortigen Gärten und 
Feldern, die aus Mangel an Mitteln nicht weiter ausgedehnt wurden, aber fiberall 
Gebäuderefte wiefen, war es eine Stelle, die einer genaueren Durchforfchung wert 
febien, foferu dafelbft eine 85 cm ftarke Mauer in einer ununterbrochenen Länge 
von 20 Meter aufgedeckt wurde. Es ergaben fich: ein langgeftrecktes Gebäude mit 
Heizraum und 3—4 Gemächern, ohne nennenswerte Eigentümlichkeiten, und als 
völlig erhalten in einer Tiefe von 3 Meter der geräumige Hauskeller, mit fauberer 
aus Tuffftein gewölbter Wandnifche (0,56 m hoch, 0,45 m breit und 0,34 m tief) 
und mit unverfehrtem Luftloch — fo gut erhalten und von fo ftarkem Mauerwerk, 



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Schmid, Militärifches in Künzelsau 1674—1785. 205 

daß er heute noch ohne viel weiteres brauchbar wäre. Funde: Beil, Schloß und 
Scblüflel, Thürgriff, etliche Münzen von Erz und Silber (darunter entzifferbar: An- 
tonius Pius), ein mafliv filbernes, fchön ornamentiertes Befchlägftück, hübfohe Re- 
liefzeicbnungen auf terra figillata-Gefchirr, letzteres teilweife mit Stempeln (. . ulli- 
•nus, Prinritius, Pupus), bedeutende Refte von Amphoren , einiges zufammen fetzbar. 
In der Nähe diefes Haufes kam bei einer Schürfung ein fchönes Bronzeftück zum 
Vorfchein, dem ich anfangs große Bedeutung beilegte, da ich Grund zu haben 
glaubte, es für das Cohortenzeiohen oder für einen Teil desfelben zu halten: ein 
Delfin aus Bronze, 20 cm lang, mit 2 Rückenfloffen und 3 Windungen ; der Schweif 
dekorativ behandelt; unten mit drei Zapfen zum Einfetzen verfehen (ganz die gleiche 
Figur fand fleh auch mehrfach auf einem aufgefundenen Gefchirr). Wegen der 
Kleinheit des Gegenstands wurde von zuftändiger Seite die Erklärung als Cohorten- 
zeieben bezweifelt und der Delfin als Befchlägftück oder Handgriff beftimmt. 

Die hier gemachten Funde befinden IJch teils in der Stuttgarter, teils in der 
Haller Sammlung. 

Die Ausgrabungen wurden, nachdem die Mittel erfeböpft waren, abgebrochen 
und der Verfaffer, nachdem er inzwifchen vom fränkifchen Limes an den Fuß der 
fchwäbifchen Alb verzogen war (weshalb auch der vorliegende Bericht fleh verfpä- 
tete), durfte es nicht mehr mit anfehen, wie alle die aufgedeckte Römerherrlichkeit 
wieder zugefchüttet wurde. 



Militärifches in Künzelsau 1674-1786. 

Nach ftädtifchen Urkunden. 
Von H. Schmid in Künzelsau« 

Eine große. Anzahl ftädtifcher Urkunden, welche erbalten geblieben find, 
giebt uns Kunde von Truppendurchzügen, Einquartierungen und Werbungen, die in 
den Jahren 1674 -1785 zu Künzelsau stattgefunden haben, und enthält Einzelnheiten, 
welche wohl auch heute noch nnferes Intereffes wert find. 

Im Jahr 1673 hatten die frechften Verletzungen des Reichsgebiets durch 
die Franzofen den Kaifer Leopold I. nach langem Zögern bewogen, mit der nieder- 
ländifchen Republik, deren Eroberung fchon lange das Ziel Ludwig XIV. war, ein 
Bündnis abzuschließen. Die nächfte Folge davon war, daß eine franzöfifchc Armee 
unter Turenne verbeerend und fengend in Süddeutfchland einfiel, den Main über- 
schritt und bis Atergentheim vordrang. Ein kaiferliches Heer unter Montecuouli, 
welches fleh bei Nürnberg gefammelt hatte, rückte den Franzofen entgegen, bei 
Ochfenfurt in Franken kam es zum Zufammenftoß, und es gelang dem kaiferlicben 
Feldherrn, Turenne zum Rückzug über Tauber, Neckar und Rhein zu nötigen, der 
Kriegsfchauplatz wurde nun an den Rhein und in die Niederlande verlegt. 

Am 28. Mai 1674 erfolgte endlich nach langen Beratungen die Kriegs- 
erklärung des Reichs an Ludwig 4 XIV., und der Kurfürft Friedrich Wilhelm von 
Brandenburg führte 16 000 Mann frifcher Truppen zu Eröffnung des Feldzugs gegen 
Frankreich herbei. 

Diefe brandenburgifchen Truppen bezogen im Spätjahr 1674 in Franken 
Winterquartiere, und fo waren auch Teile derfelben unter Herzog Moriz von Sachfen 
am 27. November diefes Jahrs in Künzelsau einquartiert. Die Koften diefer Ein- 
quartierung betrugen nach Ausweis eines fpezifizierten Umlageregifters die Summe 
von 227 fl. 13 kr. 



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206 Schmid 

Von (liefen Winterquartieren aus traten die Brandenburger im Jahr 1675 
den bekannten Marfch gegen die Schweden an, welche (ich mit Frankreich verbündet 
hatten, und fchlugen fie am 28 Juni bei Fehrbellin. 

In Jahr 1675 find am Johannismarkt Reiter, die der Ritterfcbaftsrat der 
odenwäldifchen Ritterfchaft, Adam Philipp v. Muggenthal, zu Laibach gefeffen, an- 
geworben, hieher auf den Markt geritten, die hohenloh. Diener find mit ihnen in 
Streit gekommen und es fordert der mainzifche Amtskeller in Grautheim, Sigmund 
Liebenftein, Erfatz der Unkoften für 2 verhaftete Reiter und droht mit Wiederver- 
baftung derfelben im Betretungsfall. Der v. Muggenthal antwortet, ihn gienge das 
Nichte an, er habe die Reiter, die nicht fein, fondern des Kaifers feien, lfingft 
übergeben und blos in Abwefenheit der Officiere funetioniert. Die Inhaftierten 
feien vom Ritterrat reclamiert worden und werden dem Kriegsrecht vorgeftellt und 
nach Recht abgeurtheilt werden ; gebe man fie aber nicht los, fo werde man jeden- 
falls die allein dem Kaifer zuftändige Montierung abholen lallen. 

Aus Veranlaffung des 1688 eröffneten 3. Eroberungskriegs Ludwigs XIV. 
ftand im Oktober diefes Jahres der Kurfiirft Johann Georg III. von Sachfen mit 
14000 Mann in Franken und am 12. November befehlen die hohenlohifchen Räte 
dem gemeinen Schultheißen, den hohenloh. Lehnsleuten anzukünden, daß fie von 
jedem Gulden nach der Schätzungsanlage 4 kr. in Reichsgeld an den Gerichts- 
febreiber Georg Thomas Mayer zu bezahlen haben bei Androhung militärifcher Exe- 
kution. Es hatte damals die im Reich ftehende franzöfifche Armee unter Bedrohung 
des Brennens etc. der Graffchaft Hohenlobe die Lieferung von 5000 Reichsthaler 
und 35000 Rationen Fourage an Haber, Heu und Stroh anbefohlen. Die Herr- 
fchaft fchofi das Geld und die Hälfte der Fourage vor und legte nun die betreffende 
Geldfumme um. 

1689 verwüfteten die Franzofen unter Montclar und Melac die Pfalz aufs 
fchauderhaftefte. Der Herzog Carl von Lothringen entriß zwar, den Franzofen nach 
zweimonatlicher Belagerung Mainz, den Schlüffel Frankens, wieder, aber es mußte 
auch die Bevölkerung Künzelsaus die drückende Laft des Krieges von 1689 — 1692 
fchwer fühlen. Die noch vorhandenen Urkunden aus diefen Jahren fagen aus, daß 
am 7. Januar 1689 auf 399 Kontribuenten in Künzelsau 1008 fl 15 kr«, und auf 
51 Kontribuenten in Kemmeten, Gaisbach, Garnberg, Künzelsbach, Untergaishof 
und Morsbach 22 fl. 54 kr. an Kriegs- und Quartierkoften umgelegt wurden. 

Am 2. Dezember 1689 zahlten ferner 399 Kontribuenten hier 1 159 fl. 25 kr. 
Am 8« und 9. September 1691 zahlten 382 Kontribuenten hier 1050 fl. 45 kr. 
30 verarmten Perfonen konnte nichts angefetzt werden. 

Am 23. und 26. Auguft 1692, zu welcher Zeit ein öfterreichifcher Hufaren- 
Rittmeifter Gyrurgi mit feiner Kompagnie hier lag, zahlten 391 Kontribuenten 
1075 fl. 

Am. 26. Mai 1692 marfchierte das fäcbfifch-gothaifche Dragonerregiment 
Wangenheim von Heffenthal nach Widdern. Die von Comburg und Hall dazu ge- 
leiftete Vorfpann (70 Ochfen und Pferde) wurde nun, wie fich diefe beiden gegen 
den gemeinen Schultheiß hier und den Würzburger Amtmann Andr. Göz in Jaxtberg 
befchwerend äußern, in Künzelsau nicht abgelöft, fondern vom Schultheiß im Namen 
der Ganerben gezwungen, bis nach Widdern weiter zu fahren. Dabei foll man hier 
weder Effen noch Trinken und Wagenfeh miere verabreicht haben. In feiner Ant- 
wort an den Magiftrat iu Hall behauptet nun der ganerbl. Schultheiß Georg Fried- 
rich, daß der ganz ungegründete und falfche Bericht von dem dafigen Rofenwirt 
oder den hällifchen Bauern herrühren muffe und weift nach, daß die Vorfpannbauern 



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Militarifches in Küuzeisau 1674—1785. 207 

ftatt der Naturallieferung für fleh, es waren ihrer 39, das Geld dafür und zwar 
6 kr. per Mann gewählt nnd erhalten; für ihre 4 Pferde und 70 Ochfen aber Heu, 
foviel lie haben wollten, bekommen hätten. Auch habe man die zu leiftende Vor- 
fpann nicht mit Geld und Wein für die Offiziere abgekauft, wie es die Stadt Hall 
fchon öfters gethan und dadurch fchweres Quartier hielier gewiefen, fondern man 
habe aus totalem Mangel an Vieh (ich genötigt gefehen, den Haller Vorfpann bis 
Widdern gehen zu laffen. Der weitere Verlauf der Sache wird nicht gemeldet, es 
wird wohl gegangen fein, wie meift, die Herren vertrugen (Ich und die Bauern 
hatten den Schaden. 

Der Oberft des Regiments lag damals mit 9 Pferden und 2 Knechten im 
Löwen, der Obriftlieutenant Gintroth mit 20 Pferden nnd 6 Knechten in der Glocke, 
der Obriftwachtmeifter mit 13 Pferden und 4 Knechten in der Krone, der Adjutant 
mit 4 Pferden und 2 Knechten im wilden Mann, der Auditeitr mit 2 Pferden und 
1 Jungen im Lamm, der Feldprcdiger mit 3 Pferden in der Rofe, 1 Korporal mit 
1 Pferd im Rößle, am andern Morgen zogen fie wieder ab. 

In das Jahr 1692 fallt die Verwüftung Schwabens durch die Franzofen; 
Markgraf Ludwig von Baden, der Befieger der Türken, erhielt das Kommando am 
Rhein, fchlug ein verfchanztes Lager bei Heilbronn auf und zog von hier aus eine 
Verteidigungslinie bis an den Schwarzwald« 

1692 ftand eine Salva gardia in Künzelsau, Roffacb, Kupferzeit, Ncuenftein, 
Pfedelbach und Gaildorf. In einem Schreiben vom 27. Auguft erteilt ein Offizier 
Bartholf auf Befehl des Oberften von Bienau dem Salv. Gardia Johann Lukas 
Schneider zu Künzelsau vom Feldlager zu Bietigheim aus die Weifung, daß die 
Salva Gardiften fich den Tag nachher zu Heilbronn bei der Eskadron einzufinden 
haben. Dabei ift befohlen, daß diefes Schreiben je durch einen Reiter an die obigen 
Stationen gefchickt werden muffe, und noch bemerkt, daß die noch nichts geliefert, 
fleh richtiges Geld zahlen laffen fallen. 

Vom Jahr 1693 und zwar vom 10. und 12. Auguft liegen zwei Salva Gar- 
dia-Briefe vor. Der erfte ift ausgeftellt vom kommandierenden General über gefamte 
am Oberrhein flehende Truppen H. Ludwig Wilhelm Markgraf zu Baden . ., 
Kaiferlicher Generallieutenant, Feldmarfchall , Ritter des goldenen V eil es . . und 
datiert von Lauften am Neckar. Der zweite ift von Carl, Landgraf von Heffen, in 
Heilbronn für den gemein fchaftlich ganerbifchen Marktflecken Cüntzelsaw ausgeftellt. 

Diefe Protektionsbriefe fieberten Menfchen, Behaufungen, Mobilien, klein und 
groß Vieh, Grundftficke, Wein und Obftgärten, Früchte vor Raub, Brandfehatzung, 
Plünderungen und allen andern Gewalttätigkeiten und Infolentien, verboten auch 
alle eigentbätige Einquartierung, Durchzüge, Nacht* und Still-Lager, Geldpreffuren etc. 
bei Leib- und Lebensftrafe. 

Zur Aufrechthaltung diefer Befreiungen dienten die in den betreffenden Orten 
aufgehellten reitenden Salva Gardiften. Was ein folcher anzufprechen hatte, lagt 
uns die Antwort eines Otto Caßmir Scheuermann ans Ingelfingen auf eine bezügliche 
Anfrage des gemeinfehaftlichen Schultbeiffenamts hier vom Jahr 1693. Er erhielt 
nach obiger Mitteilung für feine Officier täglich 3 fl. vom Dato des Salva Gardia- 
Briefs an, fodann 1 Thaler für den Brief felbft, dem Salva Gardia-Reiter für Dis- 
cretion und Kofi täglich 1 Reicbsthaler, das Pferd wurde freigehalten. Übrigens bat 
ihn ein und anderer Hof des Amts wegen öfterer Bemüh- und Dahinreitung mit 
einiger, doch freiwilliger Discretion k parte bedacht, fo er mit Dank angenommen, 
und dann content und vergnügt abgefchieden. Das Amt ftellte ihm ein Atteftat 
feines Verhaltens aus, er ließ eine Empfnngsbefcheinigung zurück« 



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208 Schmid 

Während des fpanifchen Erbfolgekriegs war Sfiddeutfchland wiederholt der 
Tummelplatz franzöfircher Heere unter Marfchall Villars 1701—1714. 

So eröffnete im Mai 1707 Villars den Feldzug gegen die Deutschen unter 
dem kränkliehen, unentfchloffenen Markgrafen Chriftian Ernft von Baireuth von 
Strasburg aus und verheerte in zwei Monaten Franken und Schwaben und erpreßte 
neun Millionen Gulden. Aus diefer Zeit ftammt der aus dem Lager von Schorndorf 
21. Juni datierte für Land und Einwohner der Grafen Carl Ludwig und Johann 
Friedrich von Hohenlohe ausgeftellte Cüutzelsau betreffende Schutzbrief des Marächal 
Duc de Villars. 

Im Jahr 1711 war Kaifer Jofef I. 33 Jahr alt an den Einderblattern ge- 
ftorben. Sein Bruder und Nachfolger, Karl VI , welcher trotz aller Gegenbemühungen 
Ludwigs XIV. am 12. Oktober desfelben Jahrs zum römifchen König und künftigen 
Kaifer gewählt wurde, war nach einem Schreiben zweier Crailsbeimer Beamten, 
Jobann Scbumm und Johann Michael Krauß, an den gemeinen Schultheiß Johann 
Heinrich Fauft hier im Anfang Dezember unterwegs von Augsburg nach Frankfurt 
und reifte über Donauwörth, Dinkelsbühl, Crailsheim, Blaufelden, Mergentheim etc. 
nach Afchaffenburg. 

Da der Kaifer mit feinem Gefolge 95 feebsfpännige Wagen und 60 Reit- 
pferde mit fich führte, und im Crailsheimer Bezirk zwei Ausladungen nötig waren, 
welche 1400 Pferde und mehr erforderten, fo reichten die auf 6— 8 Meilen in der 
Umgegend vorhandenen Pferde weitaus nicht zu, und es ergeht deshalb an den 
gemeinen Schultheiß hier am 3. Dezember die Requifition, lieh am 4. in Crailsheim 
einzufinden, um in diefem preffanten Werk ein Ganzes zu machen. Es wird dabei 
gehofft, daß der ganerbliche Ort das Seinige nach Möglichkeit beitragen werde, 
widrigenfalls man Sr. Majeftät denjenigen Stand, an dem es gefehlt, wenn Se. Maje- 
ftät liegen bleiben würde, namhaft machen müßte. 

Ob Kfinzelsau der Requifition nachgekommen, wird nicht gemeldet; liegen 
geblieben ift der Kaifer jedoch nicht, denn am 19. Dezember zog er mit großer 
Pracht in Frankfurt ein und wurde am 22. von dem Kurfurften von Mainz feierlich 
dafelbft gekrönt. 

Im Jahr 1733 erklärte Frankreich, nachdem Kurfürft Auguft III. von Saohfen 
mit Hilfe der Ruffen in Warfchau zum König von Polen ausgerufen worden war, 
den Krieg an den deutfehen Kaifer, ein franzöfifches Heer unter dem Befehl des 
Herzogs von Berwick ging bei Straßburg über den Rhein und infolge deffen fendete 
die Stadt Künzelsau einen Expreffen als Kundfehafter aus, um zunächft in Heilbronn 
bei einem Herrn Gottfried Wagner und auf deffen Anweifung bei andern Bekannten 
und guten Freunden weiter hinabwärts Nachricht einzuholen, ob wirklich die feind- 
liche Armee bereits aber den Rhein gegangen, wo diefelbe dermalen ftebe und oh 
fie, wie zu Ludwig XIV. Zeit, plündernd, brennend und brandfohatzend vorgehe. 

Die im Original vorliegende Antwort der churpfalzifchen Stadt Bretten be- 
nachrichtigt am 18. Oktober die hiefigen Behörden auf den Bericht eines Boten, 
den fie zur franzöfifchen Armee abgefchickt, daß allerdings die letztere am 
15. Oktober auf einer Schiffbrücke bei Auernheim über den Rhein gegangen fei 
und dermalen zuSoudheim ftehe, wofelbft der Duc de Berwick im Schwanen logiere; 
wohin fich die Armee wenden wolle, darüber wifle man nichts Zuverläfliges , denn 
folche halte gute Ordre. Außer Fouragieruugen durch die Reiterei auf Heu und 
Stroh, übrigens ohne einige Desordre , fei bis jetzt nichts vorgekommen, ßie Reichs- 
feftung Kehl, deren Thore gefchloffen feien, werde bis jetzt weder berennt noch 
blokiert, doch fei die franzöfifche Armee ziemlich nahe daran und ihre Artillerie 



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Militärifchos in Künzelsau 1674- 1785. 209 

erft nachgeführt worden« Kehl wurde auch bald darauf von den Franzofen einge- 
nommen. 

Am 10. November 1733 hatten fich Schultheiß nnd Gericht an die Gaberben- 
herrfchaft mit der Bitte gewendet, die Zufage aufrecht zu erhalten, welche der Stadt 
1711 gemacht und 1723 durch einen Ganerbenreceß bestätigt worden war, daß fie 
gleich andern vcrfchloffenen Städtlein gehalten und fowohl zu Kriegs- als Friedens- 
zeiten mit allen Einquartierungen verfchont bleiben folle. Veranlagung zu diefer 
Bitte gab das faft gewaltfame Verlangen eines Hauptmanns Krauß, Kommandieren- 
den des Nürnberger Kreiskontingents, es folle ihm Vorfpann geftellt werden. Da 
diefem Verlangen nicht ftattgegeben wurde, fo ließ er feine eigene Bagage zwar für 
fich fortbringen, drohte aber, die der Garnifon Philippsburg gehörige Ammunition auf 
hiefige Gefahr und Verantwortung ftehen zu lallen; auch diefe Drohung blieb ohne 
Erfolg und fchließlich mußte der Hauptmann die 9 Pferde, welche nötig waren, 
felbft bezahlen. 

In Beantwortung obiger Bitte warnten die Beamten in Künzelsau, Nagels- 
berg und Jaxtberg die bürgerlichen Behörden, von felbft irgendwie Vorfpann zu 
geben; für jeden Exceß müßten die Offiziere bezahlen, verwiefen im übrigen auf 
einen Keceß vom Jahr 1724. Es war damals dem Kronen wirt Bräuninger, welcher 
dem Obriftwachtmeifter Herold vom Nürnberger Kontingent mit 2 Pferden nach 
Kircbenfall hatte vorfpannen laflen, 1 fl. dafür bezahlt worden. Bei Bevifion der 
Rechnung wurde nun bemerkt: „Das Gericht habe durch verwilligten Vorfpann an 
durchpaflierende Officier felbft wieder einen Eingang zu dergleichen Laflen und 
gegenteiliger Schmäleruug der erlangten Quartierfreiheit gemacht, es werde felbiges 
dießfalls gewarnt und vor dergleichen künftig Nichts mehr pafllret" 

Der churmainzifche Beamte mit dem Sitz in Nagelsberg war damals Andreas 
Lorenz Kirchner, welcher das Amt 45 Jahre verwaltete und 1772 ftarb, er liegt 
in der Nagelsberger Kirche begraben, wo fein Grabftein heute noch fteht. 

Der würzburg. Amtmann, zu diefer Zeit in Jaxtberg feßhaft, war F. G. Alter, 
ein energifcher, humoriftifcber Mann. Der hohenlobifche Beamte, J. G. Müller, wohnte 
in Künzelsau, ebenfo der comburgifche, Fauft. 

Am 14. Mai 1734 meldet der Gerichtsfchreiber Job. Chrift. Bauer auf eine 
Mitteilung des Job. Kafpar Glock, Löwen wirts, daß für das Regiment des Prinzen 
Ferdinand v. Bayern, ein kaiferl. Rgt., hier ein Lager abgedeckt werden foll, der 
Graf von Stimm wolle das Stabsquartier hier halten, das Regiment werde den Augen- 
blick anrücken, alles mit Gewalt, und bittet den Amtskeller Kirchner in Nagelsberg 
um Verhaltungsbefeble. Die Antwort desfelben ift wenig tröftlich: „man muß das 
Äußerfte vorkehren, auch die Thore fperren; follte es nun mit Gewalt gefchehen, 
kann man es nicht ändern, es wäre am beften, einige Deputierte entgegen zu fchickeu, 
und die möglichften Vorftellungen zu thun." Wie die Affaire geendet, wird nicht 
berichtet. 

Am 15. Juli 1734 benachrichtigt die hohenl. Kämmer zu Weikersheim das 
hohenl. Amt hier, daß der Erbprinz von Baireuth mit einer Suite von 47 Perfonen 
und 59 Pferden über Roltenburg, Schrozberg, Günzelsau, Öhringen, Heilbronn zur 
Armee (ich begebe; es werde blos Obdach verlangt, was von Kreifes wegen ver- 
willigt worden fei. 

Am 7. Auguft kam dann des Prinzen Bagage „43 Mund a und 63 Pferde nach 
Herrenthierbach, wo die Leute, wie der Beamte Zaun in Bartenftein an den Schult- 
heiß Reyß dort fchreibt, einquartiert und wohl verpflegt werden follen» Gegen einen 
Verlach des hohenl. Kellers Müller, bei diefer Gelegenheit die würzburgifchen Am» 

Wfltttemb. Vierteljahrshefte 1887. 14 



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310 Schmid 

ricbshäufer zu einem Beitrag an der Verpflegung beizuziehen, verwahrt (ich der 
Beamte Alter. Am 28. Juli 1734 erhält der comburg. Anteil an Cünzelsau, als 
dem Ritterkanton Odenwald zugehörig, einen Salva Guardia-Brief vom Prinzen 
Eugenio von Savoy, datiert vom Hauptquartier Bruchfa). 

Vom 1. bis 2. September 1734 war der General Graf von Wallis mit feiner 
Saite bei Glockenwirth Wolfgang Sallmami einquartiert, fein Aufenthalt verurfachte 
eine Ausgabe von 79 fl. 37. Es ift fogar noch der Speifezettel der Mittagstafel des 
Grafen vorhanden. Er beftand ans: 

1. Suppen mit 1 Koppen — fl. 40 kr. 

2. Rindfleifch mit Meerrettig 1 „ 

3. 1 Baßette (Pallete) . . . 1 „ 12 „ 

4. Eingemachte Hühner — „ 40 „ 

5. Wirfing mit Carminat — „ 50 „ 

6. Gebackene Flöckle — „40,. 

7. Nierenbraten ♦.. 1 v — „ 

8. 1 gebrat. Ente und 4 dto. junge Huhner 

mit Salat 1 „ — „ 

7 fl. 2 kr. 
Nachteffen und Frühftück 2 „ 15 „ 

Die geringeren Offiziers zahlten für Effen zufammen 2 fl. 30 kr. Außerdem 
tranken der H. andere General und Offiziers 28 Mß. Wein k 8 kr. und aßen dazu für 
10 kr. Brot. Die geringeren Offiziers brauchten 20 Mß. Wein und für 8 kr. Brot. 
Für Schlafgeld, Lichter, „Logiament" und viele Befcbwerlichkeit flehen 3 fl., für 
Haber und Heu für 24 Pferde 8 fl. in der Rechnung. Der General und fein 
Gefolge brachte 59 Pferde und 5 Maultiere mit und zu der Beförderung feiner 
Bagage mußten 25 Pferde geftellt werden. Ein Teil des Gefolges war im Löwen 
und in der Krone einquartiert. 

Am 1. September 1734 requiriert der Eaiferl. Feldkriegskommiflar in Heil- 
bronn, Fr. Balth. Leitz, zum 3. Transport des von Offenau nach Hall zu trans- 
ferierenden Feldfpitals auf den 5. September abends 4 Uhr zu Eupferzell 207 
Wagen, je mit 4 Stucken befpannt. Der Flecken Künzelsau hatte 4 befpannte 
Wagen zu ftellen. Am 4. September berichtet hierüber Schultheiß Chriftof Bauer 
an den würzb. Amtmann Alter in Jagftberg, feine Burgerfchaft fei darüber ungemein 
brutalifirt, fchände und fchmähc, welches zumal bei lezthinigem Durcbmarfch des 
Generalfeldzeugmeifters Grafen v. Wallis gar zu exceffiv gefchen fei, daß er Bauer 
endlich feines Lebens nicht ficber zu fein glaube. Er bittet deßbalb um Befehl, ob 
er die 4 Wagen abfolgen laffen folle, und um fofortiges persönliches Erfcheinen des Amt- 
manns zu Vermeidung eines Aufwands der Burgerfchaft und großen Unglücks. Der Amt- 
mann befiehlt darauf die unverweigerlicbe Stellung der Wägen und verfpricht am andern 
Morgen um 8 Uhr da zu fein. Hohenlohc hatte für feine fämtl. Lande die Stellung 
der requirierten Fuhren nicht nur, fondern auch Verfehen derfelben mit Stroh und 
Fourage auf 3 Tage anbefohlen. Diefe 4 Wagen mit je 4 Pferden k 5 fl. täglich 
wurden am 6. 7. 8. und 9. September gebraucht und kofteten an Fuhrlohn 100 fl. 

Am 16. September 1734 teilt der Schultheiß Bauer den mainz., würzb. und 
comburgifchen Beamten mit, daß ihm der hohenloh. Rath Müller kommuniziert habe, 
es folle das bei Heilbronn geftandene fränkifcbe Feldhofpital nach Künzelsau ver- 
legt werden und fchlägt vor, bei dem hocblöbl. Kreiskonvent durch die Kreisgefandt- 
fchaft Proteft dagegen zu erheben; hiemit waren die Beamten ganz einverftanden, 
der würzburgifche war außerdem dafür, jemand namens der Burgerfchaft nach Heil- 



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Militärifches in Künzelsaa 1674—1785. 21 1 

bronn zum frank. Kreiskonvent zu fenden. Die Sache felbft wurde auch, wenn fie 
Oberhaupt ernftlich geplant war, nicht ausgeführt. 

Am 17. Oktober 1734 kam wieder ein kaiferl. Generalfeldzeugmeifter Baron 
von Hattingen über Nacht hieher, er reiste nach Herrenthierbach weiter; Koft und 
Logis in der Glocke war diesmal billiger, die Zeche betrug bloß 23 fl. 7 kr., auch 
hatte der General mit feinen Offizieren nur 28 Maß Wein kon furniert und 15 Pferde 
zur Beförderung feiner Bagage bedurft, wofür 16 fl. zu bezahlen waren. 

Am 4. Novbr. 1734 war der Schultheiß Bauer abermals in großer Bedräng- 
nis. Es erfcbienen nämlich ein Hauptmann v. Eifenberg und der Regimentsquartier- 
meifter des Kbevenhüllerfchen Regiments, deffen Stab abfolut hier einquartiert fein 
wollte; die beiden Herrn vifitierten felbft die Häufer und fanden unter andern das 
mainzifche Amthaus, jetzt Kaufmann Werthheimer gehörig, und den Würzburger 
Bau am bequemften. Alle Berufungen, daß dies herrfcbaftliche Gebäude wären und 
nicht bequartiert werden könnten, nützten nichts, die Herrn erklärten, der Stab werde 
fich einquartieren, wo es ihm beliebe, die Häufer mögen gehören, wem fie wollen, 
und vermeldeten dem Verwalter Fault vor ihrem Abgang, daß der Oberft Voit von 
Rhinek übermorgen den Würzburger Bau und andre Offiziere das churmainz. Haus 
beziehen werden. Da diefe Einquartierung Hobenlohe allein auf feinen Lehen zu 
präftieren gehabt hätte und Bauer der Gewalt nicht refiftieren konnte ohne Gefahr 
für feine Perfon und fonftigen Mord und Totfchlag, zumal da Fauft nach Heidelberg 
abgereift und er fomit ganz verlaflen war, fo bittet jener um fofortigen Zusam- 
mentritt des gemeinfamen Amtskonvents in einem Schreiben an den mainzifcben 
Beamten, meldet zugleich auch die Sache an den Amtsverwefer in Jaxtberg, welcher 
fich per Expreflen nach Würzburg wendet und vorläufig den Würzburger Bau ver- 
weigert. Inzwifchen hatte fich der Graf Philipp Ernft von Hohenlohe-Schillingsfürft 
direkt an Bifchof Friedrich Karl in Würzburg gewendet, und bittet in feiner Not, 
unter Anerkennung, daß Hohenlohe allen Service und Praeftanda zu übernehmen 
hätte, ihm zu geftatten, den Würzburger Bau zu benützen, und unterfchreibt: „bis 
in die Gruben verharre Ew. hochfürftl. Gnaden unterthänigft gehorfamer Knecht" 
Die erbetene Erlaubnis wurde am 10. November erteilt unter der Bedingung, daß 
alles etwa im Haus Verdorbene wiederhergestellt und den bifchöflichen Unterthanen 
durchaus keine weitere Laft auferlegt werde. Wie es fcheint, hatte der Graf den 
Würzburger Bau inzwifchen, ehe er Befcheid bekam, ausräumen laßen und auf einen 
Bericht darüber von Amtmann Alter in Jagftberg zog der Bifchof die Erlaubnis 
zurück. — Es ift nun zwar nicht erfichtlich, aber mehr als wahrfcbeinlich, daß fich 
der Oberft Rhinek, um die ganze Affaire unbekümmert, den Würzburger Hof zum Quar- 
tier nahm, und daß er mit feinem Stab hier lag, beweift eine Confignatio des Kaiferl. 
Kbevenhüllerfchen Regimentsftabs von der Hand des Schultheißen, wonach der Oberft 
2 aggregierte Capitains und 2 dto. Lieutenants, 1 Lieutenant, 1 Regimentsquartier- 
meifter, Auditeur und Sekretär, 1 Kaplan, 1 Adjutant, Proviantmeifter, Regiments- 
feldfcheer, Wagenmeifter, Profoß und Proviantwagen mit ihren Leuten, zufammen 
37V2 „Mund" und 71 Pferd einquartiert waren. 

Am 21. November 1734 kam eine neue Anfechtung für den vielgeplagten 
Gerichtsfchreiber Bauer. Ein Wachtmeifter Hefle von „Prinz Eugen Dragoner a ver- 
langte unter Vorlegung der im Hauptquartier Ehingen von feinem Regimentskom- 
mandanten Graf v. Lynden und dem kaiferl. OberkriegskommilBtr in Schwetzingen 
v. Wibner ausgefeilten Vollmachten zu feinen 4 Bagagewagen 9 — 10 Pferde. Er 
hatte den Auftrag, kranke Mannfchaften, Gewehre und Montierungen von Frankfurt 
über Klingenberg, Miltenberg, Waldthürn, Rofenberg, Marlach, Hall, Gmünd, Geiß- 



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212 Schmid . 

lingen, Ulm nach Ehingen zu bringen. Die fogleich fchriftlich zu Bat gezogenen 
Beamten in Jagftberg und Nagelsberg rieten, die Sache in der Stille zu befördern. 
Da die Pferde hier nicht in der nötigen Zahl vorhanden waren, fo erfuchte Bauer 
den Amtskeller Kirchner in Nagelsberg, den Müller dort zu vermögen, die fehlen- 
den 3 Pferde gegen fofortige Bezahlung zu ftellen. Kirchner antwortet : „der hiefige 
Müller ift ein Generalflegel, mit Gewalt kann ich ihn nicht dazu anhalten und mit 
Gutem will er fich nicht dazu verftehen, follte aber ein Wachtmeifter oder wer das 
Kommando hat, hieher reiten, feine Pferde abholen, redete ich nichts dazu, darnach 
foll man ihm keinen Kreuzer zahlen." 

Am 14, Dezbr. 1734 kommt aus dem Hauptquartier Heilbronn von dem 
böchftkommandierenden KaiferJ. Generalfeldmarfcball Herzog Karl Alexander von 
Württemberg der Befehl, bei Androhung der Exekution 15 Klafter Brennholz für 
das Hauptquartier dorthin zu liefern. Darüber wurde natürlich von Bauer wieder 
an die verfchiedenen Beamten gefchrieben, der ftets refolute Amtsverwefer Alter in 
Jagftberg refkribiert: „Das find pur von der Nachbarfchaft angefremdte böfe Dinge. 
Bafta! Dermals ift Anderes Nichts, als die Folg zu thun tf . Er räth übrigens, ein 
Entfchuldigungsfchreiben mit eingemifchter Befohwerung in Antwort zu erteilen und 
1 — 2 Deputierte nach Heilbronn zu fcbicken, dasfelbe rieten auch die andern Be- 
amten. Das Schreiben an den Herzog wurde wirklich abgefchickt und man wählte 
2 Deputierte, Kaftenmeifter Fr. Haag und Nagelfchmied Joh. Schule. Ihre In- 
ftruktion in § 6 lautete dahin: Die Lieferung durch eine convenable Verehrung oder 
auf andre billige Art abzukaufen oder wenigftens zu moderieren. Gehe das nicht, 
fo follen fie das Holz in Heilbronn oder deffen Nähe zu bekommen fachen, wozu 
man ihnen das Geld mitgab. Jedenfalls hätten fie eine richtige Quittung über 
15 Klafter Holz von der Kriegskanzlei mitzubringen. Als Berater wurde ihnen der 
ritterfchaftliche Syndikus Kornacher bezeichnet. 

Im November 1734 erfchien eine würzb. Verordnung, die Winterquartiere 
betreffend, nach welcher auf Künzelsau 3 Portiones, je zu 2 Thaler, kamen, welche 
während der 6 Wintermonate, abzüglich etwaiger Naturallieferungen, am Ende jeden 
Monats bei Vermeidung militär. Exekution an die Obereinnebmerei einzuliefern waren. 

Im Dezember 1735 lag eine ruUifcbe Grenadierkompagnie unter Hauptmann 
y. Burkertsdorf im Quartier hier und in In gelängen. Am 16. hatten fich 3 Grena- 
diere im Hirfch mit Branntwein betrunken, Bänke, Tifche und Gläfer zufammenge- 
worfen, durch die Fenfter fchießen wollen, und als der Wirt ihnen wehrte, diefen 
gepackt und gefchlagen. Letzterem war der Kupferfchmied Anguftin Krämer, der 
Strumpfwirker Joh. Nieß, Seiler Joh. Jof. Falk, Küfer Joh. Ph. Schmetzer und Küfer 
Andr. Stunder beigefprungen. Sie muffen gründliche Arbeit gemacht haben; einer 
der Grenadiere, dem man fein Gewehr entriffen hatte, wurde da behalten, den 
2 andern die Munition abgenommen. Den Tag darauf klagten die Soldaten bei 
ihrem Hauptmann, der dem Schultheißen fcbreibt, fie fehen nicht mehr wie Menfchen 
aus, fo zerfchlagen feien fie, und verlangt die Auslieferung der Bauern, die der Wirt 
wohl- kennen werde, fonften werde er fie felbft herführen lauen. Zu gleicher Zeit 
war auch ein Klagfehreiben des Schultheißen an den Hauptmann abgegangen wegen 
der von den Grenadieren verübten Exzeffe. Die eingeleitete Unterfuchung, deren Pro- 
tokoll dem Hauptmann zugefchickt wurde, ergab als Refultat, daß die Bürger fich bloß 
ihrer Haut gewehrt hatten gegen die der Sprache unkundigen, tobenden, betrunkenen 
Soldaten, und da die Zeugen ihre Ausfagen befchworeu hatten, gab fich der Haupt* 
mann zufrieden. Am 21. marfchierten die Leute ab und mußten bis 21. inklusive mit 
8 kr. Verpflegungsgeld verfehen und 1 Vorfpann nach Ingelfingen geliefert werden. 



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Militärifches in Künzelsau 1672—1785. 213 

Nach einem wobl in den 1730er Jahren von Job. Chriftof Bauer gefertigten 
Verzeichnis hatte der Ort Künzelsau für 6 gemeinfchaftlich mit dem Amt Jagftberg 
anzuwerbende Mann, welchen Kugelzieh er, Pal verhorn , Flintenriemen, 3 Schuß 
Pulver und Blei anzufehaffen und die Gewehre zu reparieren waren, und wofür die 
Gefamtkoften 153 fl. 51 kr. betrugen, 11 fl. 24 kr. zu bezahlen. 

Im Jahr 1745 klagt Schultheiß und Gericht über die unaufhörlichen Liefe- 
rungen und fogar Einquartierungen, da am 18. Oktober wfirzb. Soldaten eingerückt 
waren, und bittet die Beamten, die Bürgerfchaft in ihren alten Freiheiten zu be- 
laflen und vor gänzlichem Ruin zu retten. Es war das zur Zeit des 2. fchlefifchen 
Krieges. Die Beamten kamen dann auch am 22. Oktober mit Ausnahme von Alter 
in Jagftberg, der durch kaiferl. Kreiseinquartierung in Anfpruch genommen war, 
deshalb zufammen, was fie aber befchloffen, ift nicht mehr zu erbeben. 

Als Beifpiel, in welcher Weife die Quartierlaft in jener Zeit berechnet und 
verteilt wurde, möge das Folgende dienen: 

Für den erften Offizier, etwa 1 Oberft, werden gerechnet 15 Mann 

oder 30 Portiones, 

item für 8 Knechte 8 „ 

„ „ 8 Pferde ; 8 

gleich 31 Mann oder 46 Portiones. 

NB. Wenn derfelbe mehr Diener oder Pferde hätte, wären diefe in andern 
Häufern zu logieren und zu verpflegen. Für die Verpflegung jeder Portion 

30 kr. gerechnet, machen 46 Port 23 fl. 

Wenn nun 4 fl. Anlage 1 Portion halten, werfen folche aus 92 fl. 
deren Verpflegung folgende Perfonen tragen follen: 

der Wirth liegt in Anlag um 12 fl. 

Hans Georg Schäfer, Müller um 27 fl. 

Gg. Hch. Fauft .... „ 16 fl. 

Hans Cafpar Biermann . . „ 12 fl. 

Chrift. Leichtin Wittwe Erben „ 16 fl. 

Hans Paul Biermann ... n 7 fl. 

Friedrich Haag .... „ 2 fl. 30 kr. 

92 fl. 30 kr. 
Diefen 7 Perfonen wäre alfo Bequartierung und Verpflegung eines Oberften 
mit 8 Knechten und 8 Pferden zugefallen. Für den 2. Offizier wurden 36 Port., 
für den 3. und 4. je 30 Portionen berechnet und die zur Kontribuierung beftimmten 
Bürger namentlich aufgeführt, wie überhaupt für jeden Bürger feine Anlage feft- 
gefetzt war. Dielelbe geht von 27 fl. bis auf 15 kr. herab, dabei find noch 21 Per- 
fonen genannt, die von der Auflage frei zum ßotengehen ihrer Armut wegen ver- 
wendet werden. 

„Eine Confignation derer Kriegskoften, fo wegen des gemeinfeh. Orts Cünzelsau 
von dafiger Bürgerfcbaft haben beftritten werden muffen," und welche die Jahre 
1760/65 umfaßt, dürfte fchließlich auch noch der Erwähnung wert fein. 
Von Petri Cathedra 1760 — dahin 1761. 

Lieferung nach Öhringen für die württemb. Völker 355 fl. 18 kr. 

1761. Monturen der hohenl. Infanterie nach Langenburg zu 

führen 6 fl. — kr. 

„ 1 öhringer Munitionswagen nach Ingelfingen und Langen- 
burg , t . . . 6 fl, — kr. 



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214 Boffert 

1761. 56 Pferdsrationen k 26 kr. and 42 Mundportionen i 3 1 s kr, 
für den am 18. Jan. 1760 hier über Nacbt gewefenen 

pfälzifchen Stab, fo zu Neuenftein gelegen 26 fl. 43 kr. 

„ das Wägelein des jungen Herren von Rothfchüz nach 

Kemmeten zu führen an Löwenwirth Nied 1 fl. — kr. 

1762. 25. Novbr. 1 Major, 1 Hauptmann, 3 Lieutenants nebft 
120 Mann churfächf. Völker vom Regiment Prinz Carl 

über Nacht 138 fl. 31 kr. 

„ hohenl. Kriegsrequifition nach Langenburg 6 fl. — kr. 

„ 4 Pferd, 1 Wagen Vorfpann für die Durlacher Rekruten 

nach Schrozberg 8 fl. — kr. 

„ Lieut. Zöllers Bagage nach Hollenbach zu führen und 

4 weitere Pferd nach Amrichshaufen 6 fl. 30 kr. 

1763. Den 8. und 9. März ift Major v. Sandberg und 3 Lieute- 
nants nebft 209 Mann vom bochf. durlachfchen Contingent 

hier im Quartier gelegen, Koften 101 fl. 8 kr. 

1764. Zehrung für 3 kaif. Ingenieurs, fo hier durch nach 
Philippsburg gegangen — fl. 45 kr. 

„ 1 Wagen und 4 Pferd für Hauptmann v. Lindenfels nach 

Öhringen zu führen 7 fl. 30 kr. 

„ Fuhrlohn für Soldaten und Bagage nach Öhringen . . 9 fl. — kr. 

1765. 4 Pferd für den Hauptmann v. Lindenfels von hier nach 

Schrozberg 10 fl. — kr. 

„ Zehrung für 2 Kaif. Artillerie-Unteroffiziere — fl. 30 kr. 

„ dto. für 1 Kaif. Conftabler — fl. 45 kr. 

Damit fchließen unfere Nachrichten über die Requifitionen und Einquar- 
tierungen in unferer Stadt, die allem nach den ganerbenfchaftlichen Verhältniffen es 
zu danken hatte, daß fie in den Kriegen jener Zeit nicht fo viel zu leiden hatte, 
wie hundert andere Gemeinden* Süddeutfchlands. 



Klofter BrnderhartmannszelL 

Überfichtliche Gefchicbte des Klofters. 
% Von Guftav Boffert 
(Schluß.) 

Angft vor bewaffneten Scharen follten die armen Frauen fchon vorher zu koften 
bekommen. Zweimal kommen Scharen von befchäftigungslofen Landsknechten vor das 
Klofter 1517 und 1523, das zweitemal in Abwefenheit der Meifterin. Man reicht 
ihnen Brot und Wein, aber die ungaftlichen Gefellen find damit nicht zufrieden. Sie 
fchlagen des Klofters Hühner tot und drohen mit Plündern und Brennen. 1523 fcheint 
die Schar noch eine größere gewefen zu fein als das erftemal. Da die Landsknechte 
drohten, das Klofter auszuräumen, fo daß kein Stein auf dem andern bleibe, fchickte 
der Rat auf dringendes Bitten der Meifterin den handfeften Stadtfoldner Hans Scheffer 
hinaus, von dem man fleh fpäter erzählte, daß er 1525 um ein Haar Dr. Karlftadt 
erftochen hätte. Publ. des litt. Vereins 129, 365, 366. Zugleich riet man der Meifterin 
zu flüchten, was fich flüchten laffe, allein die Vorräte des Klofters waren fchwer auf die 
Seite zu fchaffen in Gegenwart der Landsknechte, deshalb bat die Meifterin noch um 
einige weitere Bewaffnete, mit deren Hilfe Scheffer die Landsknechte abtreiben konnte. 



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Klofter Bruderhartmannszell. 215 

Einft hatte eine heilige Scheu vor den gottgeweihten Stätten, eine ftille Hoch- 
achtung vor dem Leben der weltabgeschiedenen Seelen, welche auch rohere Gemüter 
nicht leicht verließ, die Furcht vor dem Bann der Kirche, welcher die Klofter fchützte, 
eine fchirmende Mauer um den Klofterfrieden gebildet, ftärker als fteinerne Mauern. 
Jetzt hatte der Bann feine wirkungsvolle Kraft feit Jahren verloren, zu fehr hatte 
man im Klofter mit der Welt und ihrem Wefen fleh befreundet, man Körte auch im 
Volk von Streit, Unordnung und ungeiftlichem Leben hinter den Mauern in den 
Klöftern ringsum. 

Und jetzt breiteten fich die reformatorifchen Ideen in der Gegend aus. 
Stürmifche, feurige Prediger traten in Rothenburg auf, ihr Wort zündete, und hoch 
fchlugen die Flammen der Erregung über der Stadt zufammen, als Karlftadt längere Zeit, 
unterftützt von Freunden, in Rothenburg gewhkt. Die ftille klöfterliche Befchaulichkeit 
verlor in den Augen des Volks ihren Wert, die bürgerliche Arbeit und der Eheftand 
mitten im Verkehr mit der umgebenden Welt kam zu Ehren. Eine der Klofterfrauen, 
des Schulmeifters Tochter, war aus dem Klofter gegangen und hatte anfangs 1525 
einen aus der Familie Kumpf in Rothenburg, welche unter Karlftadts Freunden oben 
anftand, geheiratet* der Vater der Nonne aber, in der Vorausfetzung, daß die Sache 
noch anders gerathen könne als jetzt vor Augen, d. h. daß die Bewegung einen unglück- 
lichen Ausgang nehmen könne, wollte feiner Tochter die Rückkehr ins Klofter offen 
halten. Manches fcharfe Wort über das Klofterleben ging durch die Gegend und 
kam den Klofterfrauen zu Ohren. Aber als die Meifterin Magdalena Wolfhart am 
9. Januar 1525 dem Rat zu Rothenburg ihren Glückwunfeh zum neuen Jahr famt einem 
„Leckkuchen" überfandte, waren es nicht mehr nur üble Nachreden, welche fie und 
ihre Schweftern bedrückten, fondern auch die Furcht vor Gewaltthat. Bei diefen 
gefchwinden Läufen gefchehe es liederlich, daß man ungewarnt vergewaltigt werde. 
Deshalb bat fie den Rat, den umliegenden Dörfern zu befehlen, daß fie das Klofter 
vor Gewalt fchirmen. Am 23. März fcharten fleh die Bauern der Rothenburger 
Landwehr ganz nahe beim Klofter in Brettheim. Doch bekamen die Nonnen vorerft 
nur zu hören, daß die Bauernfchaft ihnen allen Befitz nehmen wollte, fie vernahmen, 
daß man ringsum predigt, das Klofterleben fei dem Evangelium zuwider, man habe 
Fug und Recht die Klofter aufzuheben, ja man thue Gott einen Dienft daran. Um 
nun ein gewaltthätiges Einfehreiten der Bauern zu verhüten, boten die Klofterfrauen, 
obwohl fie aus dem Evangelium fich nicht berichten konnten, daß ihr Stand ungöttlich 
fei, am 18. April ihr Klofier der Stadt Rothenburg an. Sie wollten es der Stadt 
in ihren gemeinen Nutzen und Weltlichkeit gänzlich und gar abtreten unter der Be- 
dingung, daß man fie in die Stadt aufnehme, ihnen im Schwefternhaus dafelbft oder 
fonftwo ihren Unterhalt und, falls fleh eine verehelichen wolle, ein ziemliches Heirat- 
gut gebe. Das Schreiben der Meifterin bildet den Vorgang für die Urkunde vom 
25. April, in welcher die Tertiarinnen im Schwefternhaus ihr Klofter gegen Aufnahme 
ins Stadtbürgerrecht an die Stadt abtraten. 

Aber ehe die Stadt die Verhandlung mit den Klofterfrauen zum Abfchluß 
bringen konnte, hatten die Bauern von Brettheim und Haufen das Klofter befetzt. 
Sie zerriffen den ganzen Einbau des Klofters, fo daß es unbewohnbar wurde. Daß 
das Klofter niedergebrannt worden fei, wie die OA.Befchr. Gerabronn S. 148 
fagt, ift nicht richtig. Auch perfönliche Unbill mußten die armen Frauen erleiden, 
ja fie ftanden manche Todesgefahr aus. Erbarmungslos jagten die Bauern die „armen 
kranken Weibsbilder", wie die Meifterin fich und ihre. Schweftern nennnt, von dannen 
in Elend und Armut. Es fchien ihnen nichts übrig zu bleiben, als zu betteln und 
im Elend zu vergehen. 



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216 Boffert 

Da nahm fie der Bat zu Rothenburg in die Stadt In keiner unferer Quellen 
ift für den Überfall der Bauern in Bruderhartmann ein Datum genannt Jedenfalls 
muß derfelbe nach dem 18. April gefchehen fein, da die Frauen fich zur Abtretung 
des Klofters erboten. Es ift ziemlich wabrfcheinlich, daß der Überfall in Bruderhart- 
mann die Bauern der Crailsheimer Gegend ermutigte, das nahe, Bruderhartmann 
befreundete Klofter Anhäufen zu befetzen und auszuplündern. Das gefchah am 30. 
April bis 2. Mai. Somit dürfen wir die Ereigniffe in Bruderhartmann ins Ende 
April vernetzen. 

Zwar hatten die Frauen nun in Rothenburg ein Obdach gefunden, aber der 
Rat hatte bei den fich drängenden Ereigniffen in Rothenburg und dem zu befüchtenden 
Strafgericht keine Zeit, fich um die Frauen zu kümmern. 

Auch mochte wenig Wohlwollen für diefelben fich finden, da die Stadt noch 
am 15. Mai zu den Bauern fchwor. So mußten die Nonnen fehen, wie fie kümmer- 
lich genug fich durchbrachten, und von ihrer mitgebrachten Barfchaft zehren. Als 
nun in Rothenburg die Ruhe wieder einkehrte, wandten fich die Frauen aufs neue an 
den Rat und Hellten vor, daß ihre Mittel zu längerem Leben in der Stadt nicht reichen 
würden, auch feien fie durch ihre Regel verpflichtet, in ihrem Klofter Gott ihre Ge- 
lübde zu bezahlen. Dazu wäre ein Neubau notwendig, den fie aus eigenen Mitteln 
nicht vornehmen können. Sie bitten deswegen um Rat und Beiftand. Es ift den 
Frauen kaum der Mut zuzutrauen, daß fie hofften, mit Hilfe des Rates Schadenerfatz 
von den Bauern in Brettbeim und Haufen zu erlangen, um ihr Klofter wieder aufzu- 
bauen, wenigftens hätten fie folche Gedanken klarer andeuten muffen. Der Rat fprach 
fie, indem er gerne den Vorfchlag'der Nonnen vom 18. April ergriff, in das Schweftern- 
haus, eine feit 1295 beftehende Niederlaffung der grauen Schweftern der dritten Regel 
S. Francisci (im Spießgäßchen No. 768. S, Benfen, Rothenburg S. 539 und H. Weiß- 
becker, Rothenburg a. d. T. S. 52). Allein was die Nonnen in der Not als Auskunfts- 
mittel felbft vorgefchlagen, wollten fie jetzt nicht mehr annehmen. Sie fürchten, von 
den Schweftern nur widerwillig aufgenommen zu werden. Die Tertiarinnen hatten 
fich verlauten lallen, daß die Meifterin Magd. Wolfhart ein Leibesgebrechen an fich 
habe, das ihnen fehr befchwerlich fallen würde. Die Nonnen baten deswegen, da fie 
im Schwefternhaus keine angenehme Gäfte fein würden, um endgiltige Verfugung. 
Der Rat nahm auf die Tertiarinnen und ihr wenig chrifUiches Bedenken gegen die Auf- 
nahme der Meifterin keine Rückficht und verfügte ihre Aufnahme in dem Schwefternhaus. 

Wohl und heimifch konnten fich die kranken, meift betagten Frauen in diefer 
Umgebung nicht fühlen, wenn es ihnen auch an Obdach und Unterhalt nun nicht 
fehlte* Sie mußten am 16. Auguft dem Abt von Oberzeil klagen, wohin fie als arme 
Leute gekommen, feien fie Übel angefehen. Sie baten Abt Gafpar um Fürbitte beim 
Rat, daß er ihnen ihre Kompetenz und Nutzung erhalte, damit fie nicht pfleglos 
umgehen. Der Abt ermahnte fie, fich einftweilen zu gedulden, da vorderhand noch 
nichts zu erreichen fei, und fich durchzubringen, fo gut es gehe, vertröftete fie aber 
mit dem guten Willen des Bifchofe, den zerstörten Klöftern zu helfen. 

Unterdeflen hatte Markgraf Eafimir, der auf dem Zug von Rothenburg nach 
Blaufelden am 2. Juli von dem verladenen Klofter hören mochte, ein Auge auf deffen 
Einkünfte geworfen. Noch von Crailsheim aus beauftragte er den Kaftner von 
Feuchtwangen mit den Frauen zu Unterhandlung wegen der Zehnten, die das Klofter 
in feinem Gebiet bezog, und forderte am 10. Juli die Klofterfrauen auf, fich dabei 
entgegenkommend zu beweifen. Da er wohl keine Antwort bekam, fo follte Schult- 
heiß Lienhart Brenner von Wiefenbach das Klofter befetzen und angeblich im Namen 
Karls Y feine Güter einziehen, wogegen den Frauen eine Geldentfchädigung oder ein 



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Klofter Bruderhartmannszell. 217 

Leibgeding werden Tollte. Es ift nicht wahrfcheinlich, daß Markgraf Kafimir eine 
Erlaubnis K. Karls V. zu diefem Schritt hatte, aber er mochte hoffen, nachträglich 
deflen Genehmigung zu erlangen. Allein die Frauen antworteten am 2. Okt. in einem 
Schreiben, deflen Konzept offenbar aus der Rothenburger Ratskanzlei flammt, fie haben 
des Klofters Hab und Gut mit allen Zugehörungen bereits gegen Leibesunterhaltung 
und Notdurft an ihre Obern und Schirmherrn, den Bürgermeifter und Rat zu Rothen- 
burg, abgetreten. Daß diefe Abtretung wirklich rechtlich und urkundlich vollzogen 
gewefen wäre, ift nicht wahrfcheinlich. Sonft hätten 1528 die beiden Rothenburger 
Jakob und Michel Jakob ihre Anfprüche auf die Hinterlaffenfchaft der Klofterfrau 
Barbara Jakob nicht an die Meifterin und den Konvent, fondern an die Stadt gerichtet, 
die unten zu befprechende Verhandlung des Rats mit Dr. Gugel 1532 wäre dann 
völlig tiberflüffig gewefen. 

Der Bifchof von Würzburg fcheint über die Lage des Klofters nicht genau 
unterrichtet gewefen zu fein, er lud 1526 und 1528 die Meifterin zu einer Synode 
ein, forderte 1529 13. Dez. den 5. Teil des Kloftereinkommens wie von allen Klöftern 
und ordnete 1532 eine Meffe in der Türkengefahr und das Geläute der Türkenglocke 
an. Alle diefe Edikte kamen in gedruckten Rundfebreiben aus der bischöflichen Kanzlei. 
Jedenfalls das letzte traf Magdalena Wolfhart nimmer am Leben, denn an Martini 
1531 hatte die einzig noch lebende Klofterfrau Margarete von Mulfingen Haber von 
des Klofters Einkommen an Prior Reinhart verkauft. 

Von den 3 Schweftern, welche 1525 in die Stadt gekommen waren, find 
zwei in der ihnen angewiefenen Wohnung geftorben, nämlich die Meifterin Magdalena 
Wolfhart und eine nicht genannte Nonne. Margareta von Mulfingen war kränklich 
und altersfehwach, fo daß He die Verwaltung der Kloftereinkünfte nicht beforgen konnte. 
Vor ihrem Tod mußte der Rat die Zukunft des Klofters rechtlich in Ordnung bringen. 
Der Rat wußte, daß die "benachbarten Herrfchaf ten , befonders Brandenburg, darnach 
trachten, fich des Klofters zu bemächtigen. Auch von einer einzelnen Perfon, die es 
an fich bringen wollte, hörte man. Das alles konnte für die Stadt als Schirmherrn 
des Klofters nicht gleichgültig fein. Deswegen wollte nun die Stadt das thun, was 
ihr die Klofterfrauen fchon 1525 am 18. April angeboten, nämlich Margareta von 
Mulfingen gegen Abtretung des Klofters ein Leibgeding in barem Geld reichen, fich 
zugleich aber erbieten, wenn fpäter wieder Klofterfrauen aufzunehmen, das zu thun. 
Nur über die rechtliche Form und die Frage, ob dazu die Einwilligung des Obern 
einzuholen fei, war man fich nicht klar. Deshalb wandte fich der Rat 1532 am 
Freitag nach Pfingften 24. Mai an Dr. Gugel, einen Rechtsgelehrten in Nürnberg, 
der bereits 2 Tage darauf, 26. Mai, der Stadt fein Gutachten überfand te, denn er 
mochte Gefahr im Verzug fürchten. Gugels Ratfchlag zeugt von fcharfem Verftand 
und klarer Erkenntnis der Sachlage. 

Auffallend ift, daß fich der damals katholifche Rat zu Rothenburg an einen 
fo offenkundigen Vertreter des Proteftantismus wandte wie Dr. Gugel , aber der Rat 
mochte für die Säkularifation des Klofters einem Anhänger der alten Kirche nicht 
zutrauen, daß er ihm riete, wie es der Stadt angenehm und nützlich fein konnte. 
Dr. Gugel drängte zu rafcher Ordnung der Sache, da fonft leicht jemand das Klöfterlein 
zur Einziehung vom Kaifer fich erbitten könnte, wie das vieler Orten auch von Ftirften 
gefchehe, die fich gar nicht lutherifch fchelten laffen. Der gewöhnliche Gerichtsfchreiber 
oder Notar foll die jetzige Lage und letzte Gefchichte des Klöfterleins darfteilen, 
fodann die Übergabe desfelben an die Stadt durch die letzte Klofterfrau auffetzen 
und die Bedingung anfügen, daß, wenn andere Klofterfrauen fich ihr wieder zugefellen, 
diefe von dem Kloftereinkommen unterhalten werden. Das fei notwendig, weil fonft 



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218 Boffert, Klofter Bruderhartmannszell. 

der Bifchof von Würzburg zugreifen möchte, der erft neulich den (tattlichen Iphofer 
Zehnten des S. Ägidienklofters zu Nürnberg der Stadt entzogen habe. Weil aber 
nach Geftalt der jetzigen Läufe niemand des Elofterlebens begehre, foll das Klofter- 
einkommen für arme dürftige Leute oder fonft zu milden Zwecken oder der gemeinen 
Stadt zu obliegender Not nach dem Tod der letzten Nonne verwendet werden. Auf 
Grund diefer Urkunde foll die Übergabe von der Klofterfrau vor dem offenen Gericht 
vollzogen werden. 

Eine Betätigung durch den Ordinarius, den Bifchof von Würzburg, wäre 
allerdings notwendig, wenn man die Sache nach dem alten Recht der Päpftler behandeln 
wolle, aber fei wo möglich zu vermeiden, um den Bifchof nicht in die Sache herein- 
zuziehen. Es fei beffer, durch einen gefchickten Unterhändler mit geringem Aufwand 
eine Bestätigung der vollzogenen Übergabe von dem päpftlichen Legaten, der fleh 
jetzt in Regensburg befinde, zu erwirken und fo andern, die auch nach dem Klöfterlein 
fifchen, die Hand zu fperren. 

Obwohl über die Übergabe in unferen Quellen keine Urkunde fleh findet, fo 
dürfte doch die Stadt diefem einfichtsvollen Rat gefolgt fein. Das Klofter mit feinem 
Einkommen wurde dem Spital einverleibt. Im Jahr 1534 ftarb Margarets von Mul- 
fingen, zugleich einer der letzten Sproflen eines alten fränkifchen Gefchlechts, von 
welchem nur noch eine Bafe Barbara im Klofter Schäftersheim fie überleben follte. 

Nach bisheriger Übung gab auch der Spital den Klofterhof in Beftand, aber 
nur auf je 3 Jahre. Es ift nicht ohne Intereffe, die Pachtbedingungen von 1601 
näher zu befehen. Der Pächter hatte jährlich 16 Malter Korn, je 22 Malter Dinkel 
und Haber zwifchen Martini und Weihnachten kaufmannsgut an den Spital zu liefern, 
ebenfo 500 Eier, 25 junge Hühner, 4 alte Hühner, 200 Krauthäupter, von Obft und 
Nullen die Hälfte. Alles, was der Pächter zum Verkauf bringen will an Vieh, Schmalz, 
Hühner, Eier etc., muß er zuerft dem Spital zum Kauf anbieten und zwar Saugkälber 
von 4 bis 5 Wochen zu 2 fl., 1 Maß Schmalz zu 1 Batzen, 1 Ei zu 1 Pfennig. Im 
Winter hatte er den See fleißig zu eifen und dem Spital zu helfen, die Seen abzu- 
fifchen. Schaden durch Kriegsläufte, Einquartierung, Hagel und Ungewitter follte auf 
Grund eines Augenfcheins vom Bat, Pfleger oder Spitalmeifter billig verglichen werden. 

Nachdem das Gut im 30jährigen Krieg fchwer gelitten, mußten die Pacht- 
bedingungen wefentlich ermäßigt werden. Die Beftandgült war neben 100 Krauthäuptern 
jährlich fürs erfte Jahr 40, fürs zweite 42, fürs dritte Jahr 45 Malter hälftig Dinkel 
und Haber. Daneben mußte der Pächter dem Spital 2 Kühe, 2 Raupen, 2 Kälber 
unterhalten. Zur Übernahme des Pachte erhielt er aber vom Spital 1 Paar Schubochfen, 
1 Kuh, einen gerüfteten Wagen mit 5 Sprießketten, 1 Furch- und 1 Streichpflug, 
1 Egge, 1 Ober- und ein Unterbett, 1 Pfülben. Als Namen des Klofterhofß gebrauchte 
der Rothenburger Kanzleiftil die Abkürzung Bruderhart, während der Amtmann von 
Lobenhaufen Hans Chriftoph von Absberg es Bruder Handhab nannte. In den 1820 er 
Jahren wurde der Klofterhof vom Spital an Private veräußert. 

Von den alten Kloftergebäuden ift nichts mehr vorhanden, die Kapelle mit 
dem Konventsgebäude ift vollftändig verfchwunden , nur die Bauart des heutigen 
Klofterhofs erinnert noch an die frühere Zeit* 

Verzeichnis der bis jetzt bekannten Meifterinnen: Anna von Rotsbühel 1361. 
Anna von Wittftadt 1390. Margareta Spet von Wiefenbach 1406. Chriftina Schütz 
1437. Margareta Bohnacker 1464. 1473. f 1479. Margareta Leyfin 1475 f 1477. 
Margareta Horner 1483. Margareta Wolfhart 1489. 1508. Margareta Geifller 1509. 
11. Magdalena Wolfhart 1516. 



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219 
Zur älteren Topographie Württembergs, befonders im Codex Laureshamenfls. 

Von Guftav Boffert 
(Fortfetzung.) 
23. Uzili8hufen. 
Der Zwiefalter Bertold berichtet: Willibirc, filia Heffonis de Firfte, uxor 
Lantfridi de Ginningin, apud Uzilishufin dedit quator manfos. M. 6. SS. X, 116. 
In der Abhandlaug aber B. Siegfried von Speier und die Herren von Solchen mit 
ihren Verwandten (Württ. Vierteljh. 1883 S, 259) war es mir nicht gelungen, den 
Ort nachzuweisen. Neueftens bat auch L. Schmid im 2. Band der älteften Gefehichte 
der Hohenzollern S. 36 f. die Herren von Sülchen und ihre Sippe behandelt und 
deutet dort S. 37. Uzilishufen ohne weiteres auf Zillhaufen OA. Balingen, ohne 
nähere Gründe anzugeben. Nun aber ftebt für Zillhaufen der Name Zillinhufir fchon 
793 urkundlich feft (OA.Befcbr. Balingen S. 533). Das weift auf eine andere 
Wurzel als Uzilishufen, d. h. Haus Uzilos, des kleinen Utz. Ein Befitz von Zwiefalten 
in Zillhaufen ift auch nicht nachzuweifen, wie es auch in hohem Grad unwahrschein- 
lich ift, daß Willibirc in einem Ort, wo St. Gallen bedeutenden Befitz hatte, Zwie- 
falten begabt haben follte. Zur Auffindung von Uzilishufen wird ein Blick auf das 
über Zuffenhaufen ausgeführte verhelfen. Man wird künftig mehr beachten müßen, 
wie leicht fich der mit einem Vokal anlautende Ortsname mit der Lokalpräpo- 
fition ze zu einem Ganzen verfchmolzen bat. Nun findet fich auf der Alb ein ab- 
gegangener Ort Zuzelhaufen, Zützelhaufen , deffen Markung zwifchen Gächingen 
OA. Urach und Gomadingen OA. Mtinfingen geteilt ift. Diefer Ort paßt trefflich 
für eine Schenkung an Zwiefalten, das in der ganzen Gegend reich begütert ift. 
Allerdings läßt fich in Zfizelhaufen kein Zwiefalter Befitz mehr nachweifen, aber es 
läßt fich doch annehmen, daß die Späte von Zwiefalten, die bis 1347 den Weiler 
befaßen, ihn vom Klofter Zwiefalten erworben hatten. Für eine Schenkung einer 
Gonninger Frau wird diefer Ort ebenfo gut paffen, als Zillhaufen. Der Ort muß 
1575 noch beftanden haben. Denn in einem Vifitationsprotokoll des Kapitels Troch- 
telfingen ift bemerkt: Willmandingen, Zeydelhaufen und Undingen gehören gen Urach. 
Oder follte diefes Zeydelhaufen ein anderer Ort fein als Zützelhaufen? 

24. Monsberg und Münzdorf OA. Münfingen. 

Die Landesbefchreibung hat für die abgegangene Borg Monsberg oder 
Munsberg bei Erbftetten einen Ulrich de Mundisberc 1258 nachgewiefen. Bei Münz- 
dorf, alt Munt8dorf, läßt fie zweifelhaft, ob der Name von einem Perfonnamen oder 
vom lateinifchen Mons herkomme. Nehmen wir noch Mundingen OA. Ehingen 
dazu, fo haben wir ein Kleeblatt, das ficher aus einer Wurzel ftammt, und zwar 
von der alten Familie Munt. Im Jahr 1208 findet fich ein Albert Munt von Hai- 
gingen Württ. Urkb. II. 366. Bück hat gewiß recht, wenn er den Namen Os im 
Weingarter Schenkungsbuch Württ. Urkb. IV. Anh. XXXI. mit Munt wiedergiebt. 
Württ. Vierteljh. 6, 282. Vergleiche dort auch den Propft Eberhard Munt von 
Scbufienried. 

Mir fcheint diefer Name Munt auf ein uraltes Gefchlecht zu weifen, denn 
die Sippe der Muntinge faß fchon 854 in Mundingen OA. Ehingen. Die Ableitung 
von Monsberg und Münzdorf von diefem Gefchlecht wird keinen Schwierigkeiten 
unterliegen. 



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220 Hartmann 

Einige Bemerkungen zu: Boger, Die Stiftskirche zu Öhringen 1 ). 

1. Zu S. 60. Durch eine neuere Mitteilung von Herrn Profeffor Wagner in Darmftadt 
über das Siegel des Bernhard Sporer an der Quittung von 1518 in Wimpfen am Berg darf 
es jetzt als konftatiert gelten, daß das öhringer Meifterzeichen (Fig. No. 7) über der Orgel diofem 
Meifter angehört, der Meifter Bernhard in der Urkunde von 1491 alfo diefer Bernhard Sporer ift. 
Für die Identität diefes Meifters, der unter anderem die Kirche in Schwaigern umbaute, fpricht 
noch das , daß in Öhringen, wie in Schwaigern, auf der Südfeite die Strebepfeiler in die Kirche 
hereingezogen find, um eine Kapellenreihe im füdlichen Seitenfchiff zu erhalten. 

Diefe Bauart ift nach meinen früheren Nach weifen bei den 2 württembergifchen Haupt- 
meiftern Albrecht Georg von Stuttgart und Peter von Koblenz in Urach beliebt gewefen; fie 
liegt z. B. an der Stadtkirche zu Urach vor. Das könnte einigermaßen, doch nicht entfcheidend, 
dafür fprechen, den Mitge feilen Bernharts 1491, den Meifter Hänfen von Aurach, aus Urach 
ftammend anzunehmen. Faifen wir bei ihm ins Auge, daß er unter den 2 Mitgefellen, die den 
Bau in Accord hatten, als der erfte, alfo als Hauptperfon genannt ift, fo will mir über ihn und 
den 1480 — 1520 genannten Meifter Hans von Oringen die Vermutung fich aufdringen: Meifter 
Hans von Aurach baute fchon länger vor 1491 in Öhringen und hatte um jene Zeit, älter gewor- 
den, einen jungen Mitarbeiter in Bernhard Sporer, vielleicht feinen Schwiegerfohn, angenommen. 
Sein eigener gleichnamiger Sohn Hans aber, der als in Öhringen geboren oder verbürgert Hans 
von Oringen hieß, hatte eine Stellung in Nürnberg. 

2. Zu S. 81—85. Die Schriftformen der Infchriften oben auf der Tumba Bifchof 
Gebhards find, wie insbefondere die Form des E und des N unwiderfprechlich darthut, die der 
von mir als Renaiflancefchrift bezeichneten Art der Steinfchrift. Diefe herrfchte um 1470 — 1530. 
Die Anficht Bogers, daß man zur Zeit des Neubaus verfcbiedene wichtige Refte der älteren Zeit 
in verfchiedenen Abteilungen diefer Tumba geborgen habe und den Inhalt der 8 Abteilungen durch 
die 3fache Infchrift außen kurz kenntlich gemacht habe, dürfte damit als die zutreffende erwiefen 
fein, zumal wenn man die Infchrift auf der Innenfeite des Deckels dazu nimmt. 

3. Zu S. 94. Das Monument Graf Ludwig Cafimirs von Hohenlohe-Neuen- 
ftein ift nach dem Vertrage von 1568 aus „Andernacher Stein" gefertigt. Nach gütiger Mit- 
teilung von Herrn Prof. Wagner aus Darmftadt ift darunter zu verstehen der feinerdige, fchneid- 
bare, vulkanifche Tuff aus dem Laacher Becken. 

Der Künftler, Johann von Trarbach, follte diefes Denkmal machen aus dem gleichen Stein, 
den er zu f „ Eberhard ts Graven zu Erbach Monument 44 gebraucht. Wo diefes zu finden ift, hat 
gleichfalls erft der eben genannte rührige Forfcher zu Tage gebracht. Es fteht in der Kirche 
zu Michelftadt das 1564 gefertigte Grabmal des 1564 verftorbenen Grafen Eberhard von Erbach; 
daneben vom gleichen Meifter auch das Grabmal der 1564 verftorbenen verheirateten Tochter 
diefes Grafen und die Grabtumba des Grafen Georg von Erbach, f 1564. Im Archiv zu Erbach 
findet lieh noch der 1564 abgefchloffene Accord über diefe Denkmäler nebft vorausgegangenen 
Verhandlungen. 

4. Zu S. 77. Daß die erfte Figur links von der Maria auf dem Hochaltar den 
hl. Petrus darf teilt, kann keinem Zweifel unterliegen, wenn man die fo ganz ähnliche Figur des 
Petrus auf dem Bild aus dem Abteibuch (Fig. No. 3) vergleicht, wo Petrus auch die 3 fache 
Krone und das Stabkreuz neben dem Schltiflel hat 

Dek. Klemm. 



Bezeichnungen der chriftlichen Zeitrechnung. 

Von Pfarrer G. Hartmann in Naflau OA. Mergentheim. 

Im dritten Heft des vorigen Jahrgangs der - Viertel jahrshefte pag. 240 
wird eine zweifelhafte Infchrift dahin gelöft, da£ diefelbe eine Bezeichnung für die 
chriftliche Zeitrechnung gebe, nämlich: anno s(alutis) oder s(alvatoris) domini n(ostri) 
1509. Herr Dekan Klemm bemerkt dazu: „obwohl mir diefe Formulierang noch 
nie begegnet ift, kann ich die Möglichkeit der Lefung nicht beflreiten. a Ich möchte 
nun, um die Möglichkeit folcher Formulierung, ja fogar die Wirklichkeit ihres Vor- 



*) S. Württ. Franken, Neue Folge II, 



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Bezeichnung der ohriftlichen Zeitrechnung. 



221 



kommens zu erhärten, eine Reihe von Bezeichnungen für die chriftliche Zeitrechnung 
aufzählen/ die ich aus verfchiedenen Büchern (Kirchen- und Kommunbüchern, J?farr- 
chroniken) an verfchiedenen Orten und aus verfchiedenen Zeiten zufammengelefen 
habe. Es ift bemerkenswert, in welcher Mannigfaltigkeit von Ausdrücken fich die 
alten Schreiber, die dem 16. und 17. Saecnlum angehören, bewegen und wie fie in 
die Wahl ihrer Ausdrücke zum Teil fogar ein Stück Bekenntnis hineinzulegen fcheinen. 
Natürlich kommt überall am häufigften vor das einfacbftc und althergebrachte 
anno Domini X. Daneben figuriert auch noch ziemlich häufig der abftraktere und lang- 
weiligere Ausdruck: annus oder anno epoches cbriftianae. Aber auch die weiterhin 
zu nennenden Bezeichnungen, die mit fichtlicher Vorliebe gewählt find, kehren in 
mehr oder weniger häufigen Wiederholungen wieder. Ich laffe nun die verfchie- 
denen Formulierungen, die bald einfacher, bald komplizierter find, in bunter Reihe 
folgen. Es und folgende: 



Annus Chrifti Jefu, cui vivimus et mori- 

mur. 
Annus Chrifti Jefu, cui vivimus et mori- 

mur unico. 
Annus Jefu Chrifti falvatoris noftri. 
Annus (o) Chrifti falvatoris. 
Annus domini falvatoris noftri. 
Annus a nato Chrifto falvatore noftro. 
Annus nato Chro fervatore noftro unico. 
Anno Immanuelis noftri Jefu Chrifti nati. 
Annus a nato pacis principe. 
Annus infantis Jefu. 
Annus Jefu Chrifti Ixixou xal (asoItou r^cW 

[xovoa 
Annus Jefu Uni(geniti). 
Annos a falotifero partu Jefu Chrifti &sav- 

-8ptö7TOU. 

Annus falutis per Chriftum allatae. 



Annus reparatae falutis. 

Annus reftauratae falutis. 

Anno reftauratae falutis in fanguine Chrifti 

circumcifi. 
Annus a partu virgineo. 
Annus jrpwrroYovia^ 
Annus 7rap^€voyovta?. 
Annus örpeqxxp&oo optimi maximi. 
Anno ^avOpwTroyovta; Chrifti. 
Annas incarnatae falutis. 
Annus reftitutae pacis. 
Anno redemptioni8. 
Anno falutiferi partus. 
Anno ab orbe redempto. 
Anno orbis redempti. 
Annus a redempto mundo. 
Annus ultimi temporis. 
Annus, cui afpiret Jefus. 



Wir fehen, wie fleh die alten Schreiber bemühen, in immer neuen Wen- 
dungen die chriftliche Zeitrechnung zu umfehreiben. Dabei pafliert es wohl auch 
einmal einem ungeschickten Kopf, daß er fchreibt: anno poft Chriftum demortuum, 
womit er durchaus keine andere Zählung als die übliche einführen, fondern lediglich 
andeuten will, daß das durch Chriftum gebrachte Heil, das die Zählung der Jahre 
beftimmt, wefentlich auf feinem Tode beruht. 

In Beziehung auf die Auflöfung der oben genannten Infchrift als Bezeich- 
nung der chriftlichen Zeitrechnung aber mag die gegebene Aufzählung, die jeden- 
falls noch fehr vermehrt werden könnte, zeigen, daß in Beziehung auf die Formu- 
lierung der Bezeichnungen für die chriftliche Zeitrechnung einfach alles möglich ift. 



-vaj%aaAA/v^~ > -- 



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222 



Sülchgauer Altertumsverein. 



Der Herren Stuben Ordnung und Freiheiten zu Rottenburg a. N. 1535, April 15. 

Mitgeteilt von Dr. Giefel. 

Wir Ferdinand von Gottes Gnaden römifcher König, zu allen Zeiten Meh- 
rer des Reichs in Germanien, zu Hangern, Böheimb, Dalmatien, Croatien König, 
Infant in Hifpanien, Erzherzog zu Öfterreich, Herzog zu Bnrgund, Graf zu Tirol be- 
kennen, daß Uns die ebrfamen, edlen und unfere lieben getreuen N. gemeiner Ge- 
fellfchaft Verfammlang der Herrenftube in Unferer Stadt Rottenburg a. N. eine Stuben- 
ordnung, die He zu Erhaltung guter Manneszucht, Gefellfchaft und Einigkeit dafelbfl 
zu Rottenburg von neuen Dingen aufgerichtet haben, färbringen laffen, die von Wort 
alfo lautet: 

Erftlich fo foll keiner, wer der ift, einigen freventlichen Schwur thun oder 
Gott unfer Herr zu Läfterung genannt werden. Wer aber dieß thäte und ein Stuben- 
gefell es hörte, der foll fcbuldig fein, dasfelbe einem Stubenmeifter oder dem Knecht 
anzuzeigen und der gefchworen hat, foll zu Pön geben 3 Pfennig oder auf die Stube 
nicht mehr gehen, er habe dann bezahlt. Schwäre er aber weiter freventlich dann 
einen Schwur, das foll den Amtleuten und den 4 verordneten Stubenmeiftern ange- 
zeigt und vorgebracht werden. Erkennen diefe, daß folch ein Schwer dem Malefiz 
nicht anhängig, fo möge danach eine Gefellfchaft mit ihrer Strafe wie von Alter her 
und fleh gebührt fürfahren. 

Item am Feierabend, alle Sonntage, Zwölfbotentage, unferer 1. Frauen und 
fonft anderer gebotener Feiertage, fo man in der Pfarrkirche am Markte Vefper zu- 
fammen geläutet bat, foll der Stubenknecht Würfel, Karten, Brett- und alle andere 
Spiele, fo er dargelegt, aufheben und die Nacht allweg bis morgens nach befchehenen 
göttlichen Ämtern, fo man aus der Meffe geläutet, und darvor kein Spiel thun noch 
zugehen laßen, fondern die Stube von vorgemelter Vefper bis morgens nach dem 
Amt befebloßen halten ungefährlich; fofern aber einer oder mehr alfo über des Stuben- 
knechts Erfordern weiter fpielen wollte, der foll einer Gefellfchaft 3 Schilling Heller 
zur Strafe zu bezahlen verfallen fein und nicht mehr auf die Stube kommen, er habe 
dann zuvor folche Strafe bezahlt. 

Item wann der Knecht aus Befehl der Stubenmeifter um Anliegen der ge- 
meinen Herren und Gefellen zufammen gebietet, foll ein jeder zu kommen gehorfam 
fein oder fo es ihm nicht gelegen, vom Stubenmeifter einen Urlaub nehmen. Welcher 
aber folches überführt und ohne Erlaubniss ausbleibt, der foll zu Pön einen Schilling 
Heller in die Bücbfe auf des Knechts Erfordern geben oder nicht mehr auf die 
Stube kommen, bis er's bezahlt. 

Item der Knecht foll alle Tag ein Wirt haben von Herrn und Gefellen 
nach Ordnung der Tafel, den foll er Abends verkünden, morgens wird folches von 
einem andern Stubengefellen befebeben. Welcher fleh aber deflen widert und durch 
fleh oder einen andern nicht verlieht, der foll einen Schilling Heller zu Pön in die 
Büchfe geben oder nicht mehr auf die Stube kommen, bis er's bezahlt. Und ob et- 
was an der Zech oder den Mählern „bevor" wird fein, das foll zu Unterhaltung 
von Holz und anderen Unkoftens von Zechmeiftern und Knecht in die Buchs getban 
werden bei ihren Pflichten. 



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Giefel , Der Herren Stuben Ordnung und Freiheiten zu Rottenburg a.N. 223 

Item der Knecht foll alle Nacht, wann Herrn und Gefeilen auf der Stube 
bei einander find, bis auf 9 oder 10 Uhr warten, darnach alle Spiele aufheben, wei- 
ter nicht mehr fpielen lallen, ihm habe es dann ein Stubenmeifter erlaubt. Er foll 
zum „Dreinfchlagen" auf keinen andern Tifch dann auf die Scheibe Karten und Würfel 
geben oder legen, es wären dann der Herrn vom Adel oder andere ehrbare Perfonen, 
die fpielen wollten, fo viele vorhanden, daß fie an' der Scheibe nicht fitzen möchten, 
alßdann er auf Erlaubniss eines Stubenmeifters und fonft nicht auf ander mehr Tifch 
auch Spiele legen. 

Item wer unrecht oder falfch fpielt, es wäre auf Würfel oder Karten, fo 
man das gewahr wird, das foll den Amtleuten und 4 Stubenmeiftern angezeigt und 
fürgebracht werden und diefelben nach genugfamer Erkundigung des Handels ab- 
nehmen und erkennen mögen > daß folches das Malefiz nicht berühre, alsdann möge 
eine Gefellfcbaft mit ihrer Strafe, wie von Alters her, fürfahren. Und welcher Stuben- 
gefell bei folchem falfch und unrecht wäre, fehe oder merkte, der foll dasfelbe bei 
feiner Pflicht den Stubenmeiftern anzeigen. Wann dann der Falfch fo groß wäre, 
foll man nach Geftalt der Sachen die Herrfchaft weiter dagegen handeln lauen. 

Item es foll auf der Herrenftube niemand auf Pfand, Lehen, auch nicht 
Dings oder auf Borg fpielen, dazu keiner wider des anderen Willen Geld auffchlagen. 
Wer aber das thäte, den foll der Stubenmeifter oder Knecht heißen bezahlen oder 
auf die Stube nicht mehr kommen, bis er's bezahlt. 

Item ob fich jemand mit dem andern zertrüge und uneins würden, wer der 
wäre, des follen die andern, fo dabei fiud, nach ihrem Vermögen zu Fürkommung 
größerer Übel und Schaden fämmtlich oder einer allein befördern, darnach die Hand- 
lung wie oben angezeigt und wie fich gebührt dargegen handeln. 

Item es foll auch eine Gefellfchaft hinfüro keine Malefiz-, ehrürige noch der- 
gleichen Handlang nicht ftrafen noch zu ftrafen unterstehen, fondern dasfelbige die 
Amtleute von Obrigkeit wegen als fich gebührt unverhindert thun laffen. 

Item fo einer oder mehr diefe hierin gefchriebene Artikel übertretten, auch 
fonft klein Freveln und Strafen , fo ungefähr bis in 2 fl. Strafe ertragen möchten, 
verfallen werden, dasfelbig alles ift der gemeinen Gefellfchaft aus fonderen Gnaden 
zu Erhaltung der Stuben und ehrlich Gefellfchaft zugelaffen und einzunehmen bewilligt. 
Wann fich aber ein blutiger Frevel auf der Stuben zutrüg und begebe, die follen 
die Amtleute und 4 Stubenmeifter mit einander und fonft niemand zu verthädigen 
und ftrafen Macht haben. Und was alsdann von folchcn blutigen Freveln für Strafen ge- 
fallen und eingebracht werden, davon foll der dritte Teil in das Landfehreibereiamt 
und die zwei Theilc zu der Gefellfchaft Händen und Nutz zu gebrauchen empfangen 
werden. 

Item der Stubenknecht foll ob allen Artikeln bei (einer Pflicht, foviel ihm 
möglich, alfo halten, daß demfelben gelebt und nachgekommen werde. Wann er's 
aber nicht thäte, fo mögen ihn die Amtleute und eine Gefellfchaft darum ftrafen, 
es wäre mit Urlaub oder fonft. Wann er aber etwas für fich felbft nicht fürbringen 
möchte, foll er's doch den Stubenmeiftern anzeigen und damit fich entfchuldigen. 

Item es follen alle und jede Herren und Gefellen, und fonderlich deren 
Namen in der Tafel eingefchrieben , diefer Ordnung geleben und keiner freventlich 
dawider thun noch dem Knecht weiter zumuthen. Der ganzen Gefellfchaft, jetzt 
wann man vor ganzer Gefellfcbaft die alten Stubenmeifter wieder erneuert und an- 
dere fetzt, follen die alten den neuen von Stund an vor oder dem mehrer Theil der 
Gefellfchaft um alle ihre Einnahmen und Ausgaben, anch der Gefellfchaft Gefcbirr 
und Hausratb Rechnung thun und überantworten. Und ob Sache wäre, daß die alten 



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224 Schneider, Die Kirche zu Bubenhofen. 

etwas an Stuben Zinfen, Freveln und Strafen ausftändig nicbt eingebracht hätten, 
fo find die neuen nicht, fondern die alten dasfelbe einzubringen fchuldig. 

Item daß fdrohin ein jeder Stubenmeifter geiftlich und weltlich; fobald er 
verordnet wird, einem Amtmann oder andern von der Obrigkeit, fodann als dabei 
ift, bei Händen follen förderlich geloben, alle und jede obgefchriebenen Artikel auch 
fonft der Gefellfchaft Nutzen und Frommen, foviel ihm möglich, hand zu haben, ge- 
treulich und ohne Betrug und ungefährlich. Darauf als Herrn und Landesfarben 
unferes Haufes Öftreich unterthäniglich angerufen und gebeten, folcbe ihre Stuben- 
ordnung gnädiglich zuzulaflen und bewilligen, das haben wir angefehen folche ihre 
unterthänige ziemliche Bitte und ihnen darauf in Anfehung desfelben und von fon- 
deren Gnaden wegen angezeigt, ihre Stubenordnung in allen Punkten und Artikeln 
gnädiglich zugelaßen und darin bewilligt, thun auch das hiemit willentlich in Kraft 
diefes Briefes, alfo daß fie (ich derfelbeu neuen hinfuro halten und gebrauchen und 
die Übertretter folcher Ordnung laut und inhalt derfelben ftrafen und büßen mögen 
von manniglich unverhindert. Doch follen fie unferen Mandaten und Gebotsbriefen, 
fo jeder Zeit von Uns ausgehen werden, gehorfam geloben und nachkommen und 
fleh derfelben Ordnung darwider nicht bebelfen, wie dann getreuen Unterthanen zu- 
fteht und gebührt, Unß, auch unferen Nachkommen am Haus Öfterreich vorbehalten, 
angezeigte ihre Stubenordnung künftiglich zu mindern, zu mehren, zu verändern oder 
gar abzuthun, alles ohne Gefährde. 

Mit Urkund diefes Briefes geben zu Innsbruck am 15. Tag des Monats 
Aprilis nach Chrifti unfers Herrn Geburt im 35., unferes Reiches des römifchen im 
5. und der anderen im 9. Jahr. 



Die Kirche zu Bubenhofen. 

Von Dr. E. Schneider. 

Bei Binsdorf OA. Salz ftand in dem Bubenhof er Thale die Stammburg der Herren von 
Bubenhofen. Ebendort befand ßch noch im 16. Jahrhundert eine anfehnliche Kirche, deren Da- 
fein bis jetzt unbekannt geblieben ift. Das Patronat ftand den Herren von Bubenhofen zu und 
fo ift auch Werner, der ältefte bekannte Kirchherr dafelbft, der 1332 eine Urkunde Werners 
von Bubenhofen befiegelt, ohne Zweifel ein Angehöriger diefes Gefchlechts. Mindeftens feit dem 
14. Jahrhundert kann übrigens der Bubenhofer Pfarrbezirk nur klein gewefen fein, da die zu- 
nächftKegenden Orte teils eigene Pfarreien hatten, teils fonftwohin eingepfarrt waren. 1521 waren 
Bürger von Geislingen OA. Balingen, wohin die Herren von Bubenhofen gezogen waren, Heiligen- 
pfleger jener Kirche. In diefem Jahre verliehen Pfarrer Johannes zu Bubenhofen und die Pfleger 
der S. Agathakirche dafelbft mit Erlaubnis des Junkers Wolf von Bubenhofen, Kaltvogts diefer 
Kirche, ein Erblehen an einen Binsdorfer Bürger. Als Wolf von Bubenhofen Schulden halber 
feine Befitzungen verkaufen mußte, kam die Kaftvogtei der Kirche zu Bubenhofen mit dem Dorfe 
Geislingen und anderem an Hans von Stotzingen. Bis 1569 bezahlten die Binsdorfer der infiginis 
ecclefia parochialis in valle Bubenhofen regelmäßig penfiones, deeimas, redditus und andere Ab- 
gaben, und erft 1570 entfehied das Konftanzer Gericht, daß fie nicht mehr dazn verpflichtet 
feien, weil ein Laie, Hans von Stotzingen d. Ä., fie einzog, alfo wohl die Pfarrei nicht mehr 
befetzt war. Dies weift darauf hin, daß die Kirche im Bubenhofer Thale die Mutterkirche der 
Binsdorfer war. Später fcheint He, wie aus der Verwaltung ihres Heiligen zu Geislingen her- 
vorgeht, mit der Geislinger Kirche vereinigt worden zu fein. 



(Schluß des III. Hefta.) 



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Regifter. 



Aalen 37. 101. 103. 105. 178. 184. 
Abel, J. F. 4. 82. 

0. 180. 

S. 180. 

Audit 36. 

v. 64. 
Absberg v. 218. 
Abtsgmiind 37. 
Abufina 106. 
Acendorf 140. 
Achalm 20. 50. 51. 

Gr. v. 59. 60. 
Achern 50. 
Ackerlin 5. 
Achftetten 136. 
Adelbcrg 140. 
Adelmann, Gr. v. 
Adelmannsfelden 37. 
Adelold 60. 
Adelsheim 58. 60. 
Adelung 67. 

Adolf v. Naffau, K. 126. 
Agrippa 107. 
Ahaufen 148. 
Aichftetten 120. 
Ailingen 83. 
Albeck b. Sulz 112. 
Albeck b. Ulm 115. 
Albershaufen 142. 
Albrecht 144. 177. 
Albrecht, K. 124. 126. 186. 
Albrecht Georg 220. 
Alemannen 81. 119. 
Allgau 44 119. 
Allmendingen 136- 
Alpirsbach 144. 179. 
Altdorf OA. Böblingen 104. 

OA. Weingarten 120. 

Univ. 116. 
Altenburg b. Reutlingen 83. 

-Cannftatt 104. 
Altenftadt 180. 

Wflrttemb. Viertoljahmhofte 1837, 



Alter, F. G. 209 ff. 

Altershammer 115. 

Altertumsfaramlungcn in Stutt- 
gart 81. 

Altheim b. Ulm 27. 28. 116. 178. 

Altl autern 58. 

Altshaufen 120. 

Altwirtcmbergifches 81. 

Amatifla 181. 

Amrichshaufen 209. 214. 

Andernach 220. 

Anderfen 26. 

Andrea, J. V. 86. 

Anhalt, PrinzeflTin v. 110. 

Anhäufen, OA. Crailsheim 153 f. 
216. 

Anna, hl. 82. 

Ansbach, Markgr. 216 f. 

Anfchütz 86. 

Anshelm 90. 91. 

Anto 60. 

Anweil, v. 110. 

Apotheker 156. 

Aquileia 105. 184. 

Arae Flaviae 75. 103. 106. 107. 
108. 

Aragonien 170. 

Argen 83. 

Argengau 120. 

Argen hart 82. 

Argentovaria 51. 83. 

Arlt, v. 35. 136. 

Asbach 61. 62. 

Asberg 112. 

Afchaffenburg 208. 

Aflelfingen 115. 

Attenhofen 23. 

Attunlteten 61. 

Au, v. 34. 

Auffeß, v. 152. 

Augsburg 19. 22. 24. 25. 26. 28. 
30. 31. 187. 190. 193. 208. 



Augft 107. 
Auguftiner 82. 
Auguftus 103. 107. 
Aulendorf 44. 120. 
Aura, v. 59. 
Aurelius, hl. 82. 
Auftrenhufen 137. 
Auswanderung, fchwäb. 81. 
Antenrieth 11. 13. 
Avinio 182. 

Bach 24. 50. 83. 
Bachhaupten 197. 
Bächlingen 60. 176. 
Bachmann 88. 
Backnang 52. 55. 83. 175. 
Bacmeifter 86. 105. 108. 179. 
Baden, Markgr. v. 111. 

Bernhard 48 f. 

Ludwig 207. 
Baiern 25. 29. 

H. v. 111. 169. 

K. Max. II. 118. 
Bailer 83. 
Baindt 120. 
Bairenth, Markgr. 209. 
Bai fingen 45. 
Baldenhofer 191. 
Balingen 5. 
Balmertshofen 143. 
Baltramshofen 143. 
Balzheim 114. 
Bamberg 151. 
Banigen 58. 59. 
Barack 91. 
Bärenfels, v. 110. 
Bartenbach 2. 
Bartenftein 209. 
Bartholf 207. 
Bafel 107. 111. 112. 115. 
Bauer, C. 210. 211. 

H. 59. 176. 178. 
15 



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226 



Regifter. 



Bauer, J. C. 209 ff. 

L. 172. 179. 
Bauernkrieg 81. 177. 215 f. 
Baugefchichte 220. 
Baumann 19. 22. 23. 24. 60. 82. 

120 f. 126. 142. 178. 189. 
Bäumer 101. 
Baumerlenbach 60. 
Baur, A. S2. 

C. F. 86. 179. 

Dor. 5. 

Fr. 11. 

J. B. 82. 

Pfr. 136. 
Bautzen 132. 
Baz, v. 9. 
Bebel 91. 

Bebenburg, v. 60 145. 149. 150. 
Bebenhaufen 83. 140. 177. 
Bech 46. 
Beck, P. 82. 84. 87. 88. 

Prälat 86. 
Beckh, R. 86. 
Bcckh-Widmannftetter 136. 
Beer 161 ff. 
Beersbach 37. 
Behaim, M. 91. 
Beihingen 60. 
Beilftein 87. 
Beisbarth 165. 169. 
Belitione 182. 
Bellershaufen 151. 
Bellinzona 182. 
Bemberlesftein 69. 
Bender 2. 
Benediktiner 82. 
Beningen 23. 

Benningen 57. 58 f. 60. 81. 177. 
Berg (Stuttgart) 169. 

OA. Tettnang 83. 

v. 34. 
Berghaufen 139. 178. 
Bergner 81. 
Berlepfch, v. 110. 
Berlichingen, G. v. 40. 91. 176. 
Berlin 111. 177. 
Bermetter 150. 
Bern 91. 130. 
Bernbäch 116. 
Bernftadt 117. 
Bertoldsbaar 141. 
Berwick, H. v. 208. 
Betigheim 
Befold 97. 

Beflerer 26 ff. 113 ff, 
Bettenfeld 154. 
Betz 8i. 

Beutelsbach, v. 91. 
Bezzerarius 26. 



Beyerle 86. 

Biber, v. 110. 

Biberach 24. 82. 87. 

Biberehren 147. 

Biberuffa 181. 

Bier 133. 

Bieringen, v. 142. 

Biermann 213. 

Bietigheim 87. 91. 98. 207. 

Bigenburg 83. 

Bilfinger 36. 

Binder 176. 

Binsdorf 73. 86. 221. 

Biricianis 106. 185. 

Birlinger 83. 84. 85. 

Birseck 112. 

Bifcbofsbeim 59. 

Biflingen a. d. E. 174. 

Blarer 31. 175. 

Blafer 123. 

Blafien, St. 98. 

Blaubeuren 33. 87. 172. 179, 

Blaufelden 158. 208 216. 

Blumhardt 2. 4. 

Böblingen 82. 91. 103 ff. 140. 

Böcklin 110 

Bodenfee 81. 83. 

Bodman 113. 

Boger 178. 220. 
j Böhmen, K. v. 170. 
I Böhmenkirch 178. 
I Böhmer 147. 

Böblingen, OA. Urach 50 f. 

Boll 2. 

Bollingen 27. 

Botnprechtsweiler 142. 

Bonacker 150. 152. 218. 

Bonconica 185. 

Bonndorf 153. 

Bönnigheim 82. 

Bopfingen 184. 

Borbetomagus 182. 

Börne 85. 

Böfch 88. 

Boffert 48. 58 ff. 81. 82. 84..8S. 
86. 88. 121. 137 ff. 144 ff. 
156 ff. 176. 214 ff. 219. 

Bothnang 141. 

Böttingen OA. Mün fingen 60. 

Bottwar 68. 

Boutobrica 185. 

Boutonica 185. 

Boys du 110. 

Brackenheim 83. 

Hracteaten 84. 
I Brambach 36. 

Brandecker 

Brandenburg, Markgr. Joh. 34. 

Braülcanus 46. 158. 



Brftuninger 209. 
Braunfchweig 114. 

H. v. 111. 
Brecht 160. 
Bregenz 131. 

Graf v. 125. 
Brendelinsrndhle 138. 
Brenner 216. 
Brenz 175. 180. 
Brenzthal 105. 
Brettach 151. 
Brettachgau 137. 
Bretten 50. 208. 
Brettheim 151. 154. 215. 
Brigobanne 107. 108. 182. 
Brinzinger 82. 84. 
Bromberg 75 ff. 
Bromberg v. 138. 
Brötzingen 138. 
Bruchfal 49. 210. 
Brück 30. 
i Bruderhartmannszelll44ff.214ff. 

, Brunner 18 ff. 

Bubenhofen, v. 74. 155 f. 224. 

Bubenhufen 25. 
| Bucelin 97. 
1 Buch 19 ff. 24. 25. 
j Buchdruck 81. 85. 

Bucher 193. 

Buchhorn 126. 
i Buchner 106. 

I Buck 36. 41. 44. 45. 108. 181 ff. 
I 194 ff. 219. 

j Buhil, de 60. 
j Buhl, OA. Rottenburg 60. 
> Bühler 136. 

Bünau, v. 207. 

Bunningen 58 ff. 

Büren, v. 82. 

Bürg, OA. Neckarfulm 175. 
! Burgau 29. 
| Burgemeifter 97. 

Bürger 199. 

Burichingagau 141. 

Burkertsdorf, v. 212. 

Burkh 163. 

Busl 37 ff. 

Bttsnauer Hof 76. 
! Büttelhaufen 60» 
l Butzer 31. 



Caefar 181 ff. 
Caefaromagus i8& 
Calw 5. 98. 1?3. 
Gr* 59. 60. 61. 
Candia 115. 

Cannftatt 57. 75 ff. 81. 83. 8?. 91. 
96. 98. 100. 101. 103 ff. 175. 188. 



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A 



Regifter. 



227 



L 



Caracalla 56. 

Carion 91. 

Celeufum 106. 186. 

Chlotar I. 119 f. 

Chrift 83. 

Chur 82. 

Glarence 184. 

Clarenna 76 f. 104. 183. 

Cleß, D. Fr. 98. 

Coburg, H. v. 111. 

Coccinius 91. 

Cohanfen, v. 68. 81. 

Colinar 124. 

Columban 119. 121. 

Comburg 177. 206. 2ü9. 210. 

Connen weiler 42. 

Cotta 2. 

v. 13. 
Crailsheim 43. 81. 82. 208. 216. 

v. 150. 152. 
Creglingen 84. 
Creuzer 173. 
Crowel 87. 
Crufius, M. 64. 92. 180. 

S. L. 88. 

Dachenhaufen, v. 110. 
Dachsberg, v. 110. 
Daffinger 190. 193 
Dahm 68. 
Dalkingen 37. 
Daniel 52« 
Dankoltsweiler 42. 
Dannecker 86. 
Danuvius-Altar 36. 
Datt 28. 

Degenfeld, v. 84. 119. 
Deißlingcn 84. 
Denner 158. 
Dettingen, u. T. 157. 

OA. Urach 101. 
Detzel 83. 
Deutfehorden 82. 
Dewangen 37. 180. 
Diedenhofen 83. 
Diepoldshofen 120. 
Dicßenhofen 97. 

v. 84. 
Dieterich 84. 118. 
Dietfurt 180. 
Diez 88. 
Dillingen 34. 

Gr. v. 21. 22. 26. 
Dinkelsbühl 150. 208. 
Dionyfius, hl. 121. 
Diftel 88. 
Dittenheim 106. 
Ditzingen, v. 49. 50. 
Dizinger 176. 



Dobeneck, v. 110. 
Döderlein 64. 
Döffingen 27. 
Dohme 161. 
Domitian 75. 
Danauefchingen 108. 
Douaufchiffahrt 121 f. 
Donauwörth 208. 
Donndorf 86. 
Dornach, Dorneck 112. 
Dornfeld 177. 
Dörrenzimmem 95. 
Dörzbach 145. 175. 
Dotternhaufen 160. 
Droyff 110. 
Drük 52 ff. 81. 93. 
Drufomagas 182. 
Drufus 71. 
Dumniffus 181. 
Dunningen 87. 
Dnrchhaufen 110. 
Dürer, Albrecht 111 f. 
Duriagau 20. 21. 22. 23. 24. 
Düring 81. 
Durlach 139. 
Dürnau J10. 
Dürr 199. 
Dürrmenz, v. 49. 
Dürrwangen 160. 
Durß-Durzbrunn 145 ff. 
Duttenberg 142. 

Eberhard 186. 

Ebersbach 180. 

Eberftadt 176. 

Eberftein, Gr. v. 158. 

Ehingen 87. 100. 177. 

Ebuifee 66. 
i Echterdingen 88. 

Eck, Eckhof b. Tüb. 60. 

Eckarts weiler 67. 

Eckenwiler 49. 

Ecole des demoifelles 81. 

Edelfingen 88. 175. 

Egelhaaf 81. 

Egle 84. 

Egiosheim 60. 
! Ehingen 84. 86. 160. 194 ff. 
211. 212. 
v. 110. 157. 

Ehinger 26. 29. 113. 114. 

Ehrenftein 26. 

Ehrhard 145. 

Ehringshaufen 137 f. 

Ehrismann 82. 

Ehrle 124 ff. 186 ff. 

Eibelftadt 151« 
| Eichach 59. 

Eichhorn, J. G. 95. 



Eigenzell 42. 
Eining 102 ff. 
Einfiedeln 84. 
Einthünenberg 120. 
Eifenbach 16. 92. 
Eifenberg, v. 211. 
Eifenburg, v. 23. 
Eifenharz 131. 
Elch 37. 

Elchingen, OA. Ner. 180. 
Elßngen 137. 
Elifabetha Bona 86. 
Ellenberg 37. 

Ellrichshaufen, Frhr. v. 49. 
Ellwangen 37—40—45. 84. 

142. 178. 179. 
Elfaßer 2. 
Eltville 50. 
Elwert 86. 
Emershofen, v. 143. 
Emminger 86. 
Endingen 87. 
Engelshofen, v. 110. 
Eningen 50. 
Ensfelder 83. 
Enßlin 2. 
Enzberg 48 f. 

Enzgau 60 f. 137. 138. 139. 
Epfendorf 72. 
Ephrufli 111. 
Epimachns, h. 121. 
Eptatioa 185. 
Erasmus 90. 
Erbach, Gr. v. 220. 
Erbftetten 61. 137. 
Erdmannhaufen 137. 
Ergenzingen 88. 
Erkenberg 140. 
Erlaheim 73. 108 f. 
Ermenrich 37. 
Ernsbach 98. 172. 
Erpfingen 141. 
Erthal, v. 179. 
Ertingen 44. 
Efelsberg 138. 
Effendorf 120. 
Eflenwein 132. 
Effich 100. 
Eßlingen 11. 28. 51. 84 87. 98 

100. 175. 177. 179. 
Eugen v. Savoyen 210. 
Eybach 110. 

Faber 2. 3. 88. 

Faber, Fabri, F. 27. 90. 178. 

Falk 212. 

Faulhaber 81. 

Faurndau 180. 

Fauft 136. 208. 209. 211. 213. 



t 



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228 



Regifter. 



Feldkirch 97. 
Feldrennach 138. 
Felix, h. 121. 
Ferdinand L, K. 156. 158 
160 190. 222 

IL, K. 193, 
Fefer 122. 
Fenchtwangen 216. 
Feuerbach 4. 5. 8. 141. 
Feuerlein 11. 16. 
Filder 104. 
Filseck 110. 
Firft, v. 143. 219. 
Fifcher, Ad. 178. 

n. 45. 87. 88. 179. 

J. C. J. 95 

K. 86. 

L. H. 86. 

Verw.Akt. 136. 
Fifchlin 97. 
Flamm 83. 
Flandern 187. 
Flavicr 103. 107. 
Fleckheimcr 114. 
Fleifchmantt 6. 7. 150. 
Förfter 16. 
Fraas 80. 81. 
Frank, Fr. 86. 

Seb. 31. 
Franken 80. 83. 119 ff. 
Frankenhofen 24. 
.Frankfurt 13 114. 186 208. 
Frankfurter 156. 
Franklin, 0. 91. 
Franziskaner 82. 
Franziskanerinnen 216. 
Franzofen 158. 
Franzolenkrieg 1693 ff. 83. 

1796 83. 
Franenalb 138. 
Frauenberg, v. 49. 
Fraucnhaulen 148. 
Frecht 31. 
Freiburg i. B. 176. 179. 

194 ff. 
Freidank 85. 
Freyberg, v. 25. 110. 
Frick 29. 86. 

Frickenhaufen a. M. 147 f. 
Fricker 179. 
Friedrich v. Oft., K. 126. 

IV., K. 169. 186. 

d. Gr. 177. 

Prof. 119 f. 
Friedrichshafen 178. 
Fries, Lor. 91. 
Frifchlin 45. 179. 
Fri fingen, v. 49. 
Frontinus 72. 



Fuchs 156 
Fuggcr, Gr. 20. 
Fuggerci 29. 
159. Fulda 58 ff. 137 f. 
Funkh 193. 
Fiiramoos 120. 
FUrft, v. 143. 219. 
Fürftenbcrg 103. 107. 
Füßen 121. 



Gabclkhovcr 25. 02. 161. 165 f. 

Gadner 91. 

Gaggftadt 95 

Gaildorf 98. 178 207. 
. Gailsbach 69. 
| Gaisbach 206. 

Gall, h. 119. 121. 180. 

Gnmmcsfcld 149. 151. 
, Garnberg 206. 

Gärtringen 00. 
v. 50. 

Gaue 81. 

Gansmannsweiler 66. 

Gayler 177. 

Gayling 176. 

Gcbelc 83. 

Gebräuche, alte, kirchliche u. 
weltliche 37 ff. 

Geifel, württ. in Frankreich 83. 

Geifingen, OA. Ludw. 60. 138. 
211. ■ OA. Münfingen 140. 

I Geislingen 84. 97. 115. 177. 211. 

| ÜA. Balingen 72. 160. 224. 

! Gcisnang 140. 

i Geißler 154. 218. 

' Geißlingen i. Baden 107. 182. 

Geizkoflcr 114. 

Gelbe Burg 103. 106. 

Gcmroingcn, v. 110. 
| Georg, h. 50. 

Gerber 50. 

Gerbert 98. 
180. Gerungen 140. 

! Gerroanicum 106. 185. 
, Gcroldseck, v. 112. 

Gerftetten 84. 
I G ervin us 96. 

Gefchichtsforfcher u. Gcfchicht- 
Ich reib er, fchwäbilchc 89 ff. 
171 ff. 

Geßler 86. 110. 179. 

Geyer 150. 

G frörer 179. 

Gicfel 85. 86. 222 ff. 
| Giengen 82. 136. 176 

Gingen a. d. F. 84. 

Glatz 179. 
. Gleroseck 81. 



Glock 209. 

Glocken 82. 

Glogau 118. 

Glökler 86. 

Graelin 7. 8. 11. 13. 15, 86. 179. 
180. 

Gmünd 84. 177. 178. 180. 211. 

Gnotzheim 105 f. 

Gok 176. 

Goldbeck 110. 

Golther 178. 

Gomaringen 15. 
, Gönninpen 143. 219. 

Göppingen 5. 88. 110. 178. 
I GordiarniP, h. 121. 

Goten 51. 

Göttingen 94. 95. 100. 

Götzinger 85. 

Göz 16. 82. 206. 

Graab 62 ff. 

Grad mann 98. 

Grahl 111. 

Graisbach, Gr. v. 17. 24. 25. 

Granvella 32. H7. 

Gratianus 177. 
, Gravencck, v. 157. 

Grävcnitz, v. 94. 

Grebern 92. 

Griesheim, v. 110. 

Griefingcr 85. 
! Grinario 76 f. 104. 183. 
1 Groningen 58. (Markgr.) 

OA. Crailsheim 184. 
i Groß 200. 

Groß- Afpach 84. 

Groß-Bottwar 5. 117. 

Groß-Ingershelm 58. 

Groß-Sorheim 180. 

Grözingcr 136. 

Grunbach, v. 110. 

Grün, v. d. 113. 

Grüneifen 177. 

Grüningen, Graf v. 174 
! Grünthal, v. 2. 

Gfchwend 98. 

Guckenhaufen 137. 

Gugel 217. 

GUglingcn 177. 

Gültlingen, v. 110. 158. 

Gumboldeshufen 137. 

Gündelbach 139. 

Gundclfingen 156. 
v. 25. 
, Günderode 207. 

Günthert 82. 87. 

Günzburg 29. 
I Günzburger 26. 
! Gnrk, Bifchof v. 153. 
, Frundeck, v. 87. 



! 

J 



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1 



Regifter. 



229 



Gnffen, Güffenbcrg 176. 
Guftav Adolf, K. 113. 178. 
Gußmann 65. 70. 85. 86. 200 ff. 
Gutbrod 86. 
Guten berg 50. 51. 
Guth v. Sulz 110. 
Guttenberg, v. 110. 
Gyrurgi 206. 



Haag 212. 213. 

Haagcn, B. 86. 

Haakh 178. 

Haghof 67. 

Hagbofmülile 65. 67. 

Hahnenkamm 103. 105 f. 

Haid 35. 144 

Haidien 52. 81. 

Hailb runner 123. 

Hall 32. 62. 64. 176 206. 210. 211. 

Halle 95. 97. 

Hallweil, v. 110. 

Halten bergftetten 151. 

Hamburg 179. 

Hämmerle 52. 81. 160. 

Hammetweil 157 f. 

Hanhartahoven 25. 

Hankcrtsmühle 64. 

Hans, Meiftcr 82. 

Hanfelmann 38. 66. 97. 

H an fei mann 83. 

Hardegg 179. 

Hariolf 87. 

Harsdörfer 116. 

Hartlaub 86. 

Hartmann, G. 220. 

J. 29 82. 83. 85. 86. 89 ff. 161. 
175. 179. 
Hartprechtshofen 25. 
Haßler 178. 
Haßlingen, v. 211. 
Hattenhofen 2. 3. 5. 
Hauchlingen 143. 
Hang, Balth. 98. 

Ferd. 36. 56. 57 81. 

Fr. 12. 

K. F. 86. 171. 
Haun8heim 114. 
Haufen am Bach 144. 

in bayr. Schw. 24. 34. 37. 

OA. Gerabronn 151 ff. 215. 

ob R. 143. 

a. Thann 143. 

b. Ulm 116. 117. 
a d. Z. 97. 

Häuffer, Gut 34. 114. 117. 
Uavelbcrg, Bifch. v. 145 fi. 
Hayingen 219. 
Hechinger Latein 45 ff. 



i Heeren 99. 

• Ilegenau 144. 151 152. 

Hehl 11. 13. 
! Hehle 46. 

Heidelberg 49. 82. 173. 211. 

Heidenhain 81. 
1 Heidenheim 105. 177. 
> Hcigelin 15. 

; Heilbronn 5. 26. 100. 103. 175. 
I 177. 178. 180. 207. 208. 209. 

210. 212. 

Heiligenmühle 74. 

Heiligkreuzthal 27. 84. 

Heimerdinger 36. 

Heimertingen 23. 
| Heinrich VI., K. 138. 
| V1L, K. 124. 126. 

Heiftergau 120. 

Heifterkirch 120. 

Held 159. 
: Helfenftein 28. 33. 178. 
; Helmsdörfer 90. 

Helmftadt, v. 50. 

Henner 91. 

Hephingen 141. 

Herchsheim 59. 

Hermann 191. 
; Hermann der Lahme 89. 

Hermsdorf, v. 110. 
: Herold, J. 176. 
1 Obriftwachtmeifter 209. 

Herolt 91. 

Herrenalb 139. 

Herrenberg 103 ff. 159. 

Herren fchneider 83. 

Herrenthierbach 151. 209. 211, 

Ilerftall, v. HO. 

Herter v. Herteneck HO. 

Hertingnhaufen, v. 110. 

Herzog 52. 63 ff. 76. 108 f. 

Heffe 211. 

Hoffen 30. 81. 82. 111. 207. 

Heffenthal 206. 

Ileffigheim 58. 60. 

Heß, J. M. (G.) 98. 

Hettich 86. 
, Heuberg, kleiner 71 ff. 
| Heuchelheim, v. 142. 
1 Heuchlingen, O.A. Neckf. 142. 
, O.A. Tüb. 143. 

Hexenprozeffe 51. 
! Heyd L. F. 174. 

W., 48. 51. 174. 175. 

Heyden 193. 

Heylbrunner 122 f. 

Hildrizhaufen 104. 
j Hilgartshaufen 149. 
I Hiltensweiler 84. 121. 

Hiltisnot 60. 



Hirfau 82. 84. 90. 141. 
Hirfchau O.A. Rottenb. 158. 
Uirfchfeld, v. 110. 
Hochdorf 58. 
Hochhaufen a. N. 140. 
Hochmöffingen 72. 
Hochftctter 85. 
Höfen, O.A. Aalen 37. 

O.A. Befigheim 60. 

a. N. 84. 

v. 51. 
Hoffer 88. 
floffmann, Chr. 86. 
Höfingen 141. 
Höfingen, v. HO. 
Höfken, v. 83. 

Hohenberg 37. 82. 84. 86. 155 ff. 
Hoheneck 49. 

v. HO. 
Hohenentringen 76. 88. 
Hohenhaslach 138. 
Hohenkarpfen 179. 
Hohenlohe 85. 97. 176. 177. 178. 

206 ff. 220. 
Hohenlohe- Waidenburg, Fürft 

v. 18. 178. 
Hohcnneuffen 84. 
Hohenftaufen 65. 66. 69. 82. 107. 
Hohentrüdingen 103. 
Hohcntwiel 84. 113. 175. 177. 
Hohenzollern, Berg 72. 

die 83. 
Hölderlin 86. 
Holland 88. 
Hollenbach 214. 
Holftein, H. v. 111. 
Holzheim, G raffen. 19. f. 23. 115. 
Holzwarth 180. 
Hönes 86. 
Honhardt 97. 
Hopfer de FOi-me 15. 
Hopferftatt 150. 
Horb 86. 98. 155 ff. 
Horburg 51. 83. 
Horkheiin 81. 
Hörn 52. 

Hornberg, v. 150. 152. 
Hornberg i. Bad. 176. 
Hörn eck, v. 158. 
Homer 218. 
Horrheim 137. 138. 
Hofer 5. 14. 
Hoßkirch 196. 
Huchelingen 139. 143. 
Htifingen 107. 108. 
Hüfner 80. 
Humberg, v. 38. 
Hurnmelsweiler 142. 
Humertsweiler 142. 



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230 



Regifter. 



Humpis 160. 


Kappenherren 82. 


Klunzinger 177. 


Huober 193. 


Kapuziner 82. 


Klfipfel 89 ff. 92. 171 ff. 177. 


Hufen unter Kalchein 143. 


Karl IV., K. 126. 129. 130. 132. 


Knapp, A. 4. 86. 


Hüttlingen 37. 


V., Kaifer 30. 32. 117. 155. 190. 


Knoder 86. 




VI., K. 191. 208. 


Knuft 88. 


Jäger, G. 16. 


der Kühne, H. 28. 


Koblenz 220. 


K. 26. 99. 100. 175 


Karlsakademie 4» 177. 


Kocheren 58. 


Jagftberg 206. 209 ff. 


Karlsruhe 7. 8. 18. 179. 180. 


Kochergau 58. 


Jagftgau 137. 


Karlftadt 214 f. 


Kohlberg 87. 


Jagfthaufen 55. 62. 70. 81. 200 ff. 


Karpfen 143. 


Köhler 176. 


Jagftheim 105. 


v. 110. 


Kommerell 84. 


Jagftzell 37. 


Katzenftein, v. 60. 


Köngen 76. 81. 103. 


Jakob 207. 


Kausler 140. 174. 179. 


Königsbach, v. 49. 


Janffen 96. 


Kaut 33. 


Königsegg 23. 197. 


Jaumann 177. 


Keckh 110. 


Konradin, K. 26. 


Iciniacum 106. 185. 


Kehlen 83. 


Konftanz 28. 30. 31. 82. 83. 84. 


Jena 95. 100. 


Keil 88. 


119 f. 126. 157. 189. 224. 


Jeningen 39. 


Keim 26. 175. 


Konzenberg 84. 


Jerome, K. v. Weftfalen 81. 118. 


Kelheim 121. 


Kornbeck 17. 


Jefuiten 86. 


Keller, A. 174. 


Kornmann 20. 


Jettenhaufen 83. 


E. 88. 


Kornweftheim 141. 


Igersheim 179. 


J. J. 98. 


Kofel 118. 


lllergau 23. 


O. 62. 70. 


Köftlin 16. 178. 


Immendörfer 85. 


Kellmünz 23. 


Krafft 178. 


Imthurn 110. 


Kels 186. 


Krftheneck 138. 


Ingelfingen 207. 212. 


Kelsbach 106. 


Kraichgau 60. 139. 


Ingelheim 58. 60. 


Kelten 102 f. 


Krämer 212. 


Ingolftadt 97. 121 f. 


Keltifches 181 ff. 


Krauß 159. 208. 209. 


Ingftetten 91. 


Kemmeten 206. 214. 


Krautheim 206. 


Innocenz ID., P. 146. 


Kempten 22. 23. 121. 187. 191. 


Krederer 88. 


VIII., P. 28. 


Kepler 86. 178. 


Kreppach 160. 


Innsbruck 155. 158. 191. 224. 


Kerler 178. 


Krenfer 16. 


Infingen 146. 147 f. 


Kern 12. 


Krieg von 1870 83. 


Interdikt 156. 


Kerner, G. 86. 


Kriegsgefchichte 82 f. 


Interim 32. 


Juft. 7. 15. 81. 85. 86. 179. 


Kriegswefen 203 ff. 


Joachim 90. 


Keßbohrer 123. 


Krim 51. 


Ipf 103. 105. 107. 184. 


Kettler 110. 


Kühner 36. 


Iptingen 88. 


Khevenhüller, v. 211. 


Kulten 2. 


Iringesheim 137. 140. 


Kiechel 113. 178. 


Kulturgeschichtliches 194 ff. 


Iringshufen 137. 


Kienhart 151. 


Kumpf 215. 


Ifingen, v. 49. 


Kiefelbronn 50. 


Küng, Seb. 91. 


Isny 82. 87. 96. 124 ff. 186 ff. 


Kirchberg a. d. Hier 23. 25. 


Kunibert 58 ff. 


Ifopi 179. 


O.A. Sulz 160. 


Kunigundenkapclle 147. 


Italien 179. 


v. 150. 


Kuntz, Kunz 122 f. 


Ittingshäufer Hof 140. 


Kirchengefang 82. 


Künzel 179. 


Itzingen 60. 


Kirchengefchichte , württ. 82. 


Künzelsbach 206. 


Itzlingcn 180. 


109 ff. 177. 178. 


Kupferzeil 178. 207. 210. 


Julia Domna 56. 


Kirchheim a. N. 58. 


Küps 59. 


Juliomagus 107 f. 182. 


u. T. 51. 178. 


Kurtz, K. M. 81. 


Juftinger 86. 


Kirchner 209 ff. 


W. 86. 




Kitzen 87. 


Kurz 178. 


Kaifer 51. 


Klaiber, J. 86. 179. 


KyrÄmann 86. 


Kallee 71 ff. 81. 


K. 84. 90. 




Kallenberg 84. 


Kleinafpach 62. 




Ralphen 143. 


Kleiner 136. 


Laach 220. 


Kaltenthai 111 f. 


Kleingartach 2. 3. 5. 


Lachen, v. 23. 


Kaltenweften 97. 


Klemm 81. 84. 86. 88. 199. 220. 


1 Ladewig 82. 


Kamerdingen 59. 


Klingenberg 211. 


, Laib 178. 


Kapff 84. 


Klotz 4. 


1 Laibach 206. 



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\ 



Regifter. 



231 



Landel 81. 

Landfchad v. Stein ach 110. 

Landshut 19. 

Landsknechte 214. 

Landwehr 215. 

Lang 82. 86. 88. 

v. 24. 
Langbein 2. 
Langenargen 120. 
Langenau 117. 
Langenbeutingen 59. 
Langenburg 98. 213. 214. 
Langenmantel 28. 
Langnau 82. 
Laßberg 175. 
Lanbenberg, v. 110. 
Lauchheira 84. 
Lauda 151. 

Lauffen a. N. 174. 177. 
Lanpp 11. 

Lautern, OA. Blaub. 86. 
Laymingen, v. 110. 
Lebret 98. 94. 
Leeb 121 ff. 
Legau 23. 
Lehner 136. 
Lehr 33. 
Leicht 213. 
Leidringen 72. 142. 
Lein 105. 184. 
Leineck 105. 
Leinfelder Hof 137. 
Leipheim 115 f. 
Leipzig 177. 
Leitz 210. 
Lenglfn 86. 
Lenz 82. 

Leonberg 159. 180. 
Leonbronn 101. 
Leopold I., K. 96. 
Lefling 6. 94. 

Leube 5. 9. 13. 14. 36. 136. 
Leugenmaß 107. 
Leutkirch 23. 82. 84. 120. 177. 
Lexer 45. 
Leys 218. 
Leyß 150. 
Lichteneck, y. 51. 
Lichtenow, v. 25. 
Lichtenftein, Schloß 161 ff. 

v. 157. 158. 
Lichtenftern 61. 
Liebenau, v. 83. 
Liebenftein 206. 

v. 110. 
Liebenzell 84. 
Liegnitz, H. v. 111. 
Liga 34. 
Limbach 151. 



Limes 52. 62 ff. 81. 105. 136. 176. 

Lindau 28. 30. 31. 124 ff. 193. 

Linden, v. 83. 

Lindenfels v., 214. 

Lindenmeyer 199. 

Linder 86. 88. 

Linderft 70. 

Lindner 82. 

Linzgau 83. 120. 

Lippach, OA. Ellw. 40. 

Lobdeburg, v. 145. 148. 

Lobenhaufen 218. 

Lochner v. Hflttenbach 81. 

Lüdel 136. 199. 

Löhle 136. 199. 

Lomersheim, v. 50. 138. 

Longner 178. 

Lorch 69. 180. 

Lorettokapelle 74. 

Lorfch 58 ff. 137 ff. 

Lofodica 105. 185. 

Loßburg 109. 

Lotzer 86. 

Loviffa 181. 

Löwenftein, Gr. v., 59. 110. 

Löwenthal, Kl. 82. 

Ltibke 86. 161. ff. 

Ludewig 97. 

Ludwig der Baier, K. 125. 126. 

Ludwigsburg 5. 87. 140. 179. 

180. 
Lunam, ad 105. 184. 
Lupfen, v. 157. 179. 
Luft 150. 

Lufthaus, Stuttgarter 161 ff. 
Luther 30. 
LutzenlUgmühle 65. 
Lynden, Gr. v. 211. 

Madach 180. 

Madelberg 140. 

Magenan 176. 

Magerbein 142. 

Mähly 88. 

Mähringen OA. Tüb. 143. 

Maihingen 105. 185. 

Mainhardt 62 f. 67. 69. 70. 

Mainz, Erzb. 48. 49. 50. 210. 

211. 
Maminchoven 139. 
Mang, h. 119. 121. 
Maorlach 60. 

Marbach 5. 82. 88. 158. 177. 
Marchtaler 85. 
Marchthal 82. 

Markgröningen 58. 174. 176. 179. 
Markomannen 102. 
Marktluftenau 84. 
Marlach 211. 



Marfchalkenzimmern 176. 
Marftetten 22. 23. 24. 
Marftetten, Gr. v. 17 ff. 
Martens, v. 177. 
Martin, h. 120. 
Martinsmoos 84. 
Matthias, K. 114. 193. 
Mauch, Ed., 177. 

K. 86. 
Maulachgau 137. 
Maulbronn 48. 49. 50. 87. 177. 

178. 
Mauren 110. 
Maurftetten 24. 25. 
Maximilian L, K. 28. 90. 187 ff. 

IL, K. 193. 
Mayer, G. Th. 206. 

K. 14. 15. 81. 86. 

R. 86. 
Mayr 81. 87. 
Mebold 179. 

Mecklenburg, H. v. 111. 
Medianis 105. 185. 
Megenzer v. Felldorf 110. 
Meimsheim 57. 81. 
Meißner 155. 
Melac 178. 

Melanchthon 85. 174. 
Memmingen 23. 24. 27. 29. 30. 
31. 92. 115. 180. 188. 191. 
Merominger 97. 101. 
Mengen 36. 81. 
Mergentheim 91. 176. 178. 205. 

208. 
Merkenberg 140. 
Metesholz 150. 
Mettelberg 66. 
Metz 33. 83. 
Metzingen 5. 
Meyer 5. 

Meyer v. Knonau 180. 
Michael, h. 120. 
Michelbach a. d. B. 179. 
Michelftadt 220. 
Militärgefchichtc 82 f. 
Miller, K. 67. 200. 

M. 87. 

R. 36. 
Miltenberg 211. 
Minor 88. 
Möglingen 60. 
Mogontiacnm 183. 
Mohl, J. 87. 

R. 87. 177. 
Möhler 179. 
Moll 84. 

Mommfen 55. 56. 177. 
Mömpelgard 51. 83. 110. 
Mone 143. 



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232 



Regifcer. 



Monsberg 219. 
Mönaheim, y. 49. 
Montecuculi 205. 
Montfort, Gr. v. 84. 156. 176. 
Moos, OA. TettD. 123. 
Mor 157. 158. 159. 
Mörike 81. 86. 87. 179. 
Morsbach 206. 
Mofer, J. J. 92. 

R. 178. 
Möttlingen 84. 
Muggenthal, v. 206. 
Mühlhaufen, abg. 139. 

a. d. W. 139. 
Mulfingen, v. 152. 217 f. 
Mülinen, v. 110. 
Müller, Apoth. 136. 

H. 90. 

J. G. 209. 

Job. v. 99. 

J. W. 5. 

Mich. 87. 
Mülverftadt, v. 147. 
Münch 179. 
München 13. 179. 
Münchhaafen, v. 110. 
Münchingen 100. 175. 
Münchingen, v. 49. 
Mundartliches 40. 84. 194 ff. 
Mundingen 219. 
Munsberg 219. 
Mtinfingen 8. 87. 
Münfinger 87. 
Münfterberg, v. 170. 
Munt, Muntsdorf 219. 
Münzdorf 219. 
Münzwefen 83. 84. 127. 176. 

177. 189. 
Murrgau 60. 61. 138. 
Murrhardt 52 ff. 62 f. 81. 88. 
Myler ab Ehrenbach 87. 
Myllius 87. 
Mynfinger 87. 



Ifabor 141. 
Nagel 87. 
Nagelsberg 209 ff. 

v. 49. 
Napoleon I., 81. 118. 
Naffau-Oranien, Mor. v. 114. 
Naft 87. 
Natter 87. 
Nauclerus 87. 89. 
Nefflen 87. 
Neher, B. 87. 
Nehren 139. 143. 
Neibsheim 189. 
Neifen, v., 17 ff. 84. 14t 



Neipperg, Gr. v. 85. 
Nellenberc 180. 
Neuenbürg 180. 

Gr. 85. 126. 
Nemetocenna 182. 
Neresheim 82. 178. 
Neckargau 141. 
Neckarthailfingcn 
Neftle 36. 82. 
Neß 87. 

Neubronner 26. 

Neuenftadta.d.L. 175. 177.186. 
Neuenftein 207. 214. 
Neuffen 51. 
Neuffen, v. f. Neifen. 
Neuffer 87. 
Neufra 26. 
Neubans in bayr. Schw. 19. 

bei Wachendorf 78. 
Neuhäufel 82. 
Neuler 37. 

Neumarkt a. d. R. 118. 
Neuß 28. 
Nibelgau 120. 
Nichthonius 87. 

Nicolai, F. F. 87. 

M. 87. 
Nider 87. 

Niebuhr 96. 

Nied 214. 

Niederhofen 165. 

Niedernau 8. 

Nieder-Reichenbach 25« 

Niederftetten 151. 

Niederweiler 51. 

Niefern, v. 49. 

Nieß, J. 212. 
St.Pfr. 2. 

Niethammer 83. 87. 

Nifenhorn 20. 

Nippenburg, v. 156. 

Nittinger, 87. 

Norden, v. 87. 

Nördlingen 105. 115. 180. 

Nördlinger 87. 

Nork 87. 

Normann, Grafen v. 87. 

Nörrenberg 87. 

Nortenberg, v. 145 f. 

Notter 2. 7. 87. 

Notzingen 60. 

Noviomagus 182. 

Nürnberg 30. 31. 82. 125. 132. 
134. 150. 188. 217. 220. 
Burggr. v. 25. 

Nürtingen 85. 95. 176. 177. 

Nufplingen 85. 

Nußdorf, Hans v* 87. 



Oberasbach 147. 
Oberdeufftetten 42. 
Oberefchach 120. 
Obergriesheim 81. 
Oberiflingen 144. 
Oberkampf 87. 
Oberkirchberg 23. 
Oberkochen 37. 
Obermarchthal 
Oierndorf 88. 91. 176. 
Oberfchwaben 44. 82. 83. 119 ff. 
Oberfontheim 85. 
Oberfteinach 153. 
Oberftenfeld 87. 
Oberftetten, OA. Bib. 98. 
Oberfulmetingen 160. 
Oberthalfingen 33. 117. 
Obertheuringen 120. 
Ober- und Unter-Roth 120. 
Oberzell 144 ff. 151 ff. 2L6. 
Ocellus 87. 
Ochfenburg 110. 
Ochfenfurt 205. 
Ochfenhaufen 81. 82. 85. 
Öchsle 87. 177. 
Ofen 82. 
Offenau 210. 
Offenhaufen 140 f. 
Offer 88. 
Öffingen 141. 
Ofterdingen 144. 
Ofterdinger 88. 
Öglin 87. 
Öhlen 60. 
Ohlenfchlager 106. 
Öhler 87. 
Ohmacht 87. 
Ohmden 178. 
Ohmenheim 140. 180. 
Öhringen 59. 62 f. 85. 97. 140. 

177. 177. 178. 2G9. 213. 214. 

220. 
Ökolampadius 31. 87. 
Oldendorf, v. 110. 
Ölenhainz 87. 
Olleimo 60. 
O'Meara 87. 
Opia — e 105. 184. 
Oppel 87. 
Orendelfall 172. 
Ortenberg 112. 
Ortlepp 87. 
Ortlieb 87. 

Ortsnamen 83. 178. 181 ff. 
Ofenhufen 140. 
Ofiander (10) 87. 
Oftdorf 72. 
Öfterlen 88. 
Öfterreich 155 ff. 



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J 



Regifter, 



233 



Öfterreicher 88. 
Ofterftetten 117. 199. 
Ötinger 88. 
Otmar, h. 180. 
Ott 88. 
Otte 18. 
Otter weil er 50. 
Öttingen 103. 105 f. 185. 
Öttinger 88. 
Otto, h., Bifch. 38. 

J. 88. 
Ottobeuren 24. 
Ow, v. 51. 77 f. 
Owen 101. 
Owenbtthel 138. 

Pahl 101. 

Palleske 88. 

Palm, v. 99. 

Pappenheim 180. 

Paris 8. 

Paul 90. 

Paulus 14. 68. 70. 76. 77. 81. 

83. 84. 102 ff. 178 181. 
Pauly 177. 
Pelzmühle 73. 
Peter v. Koblenz 220. 
Petersberg 24. 
Peutingerfche Tafel 74. 76. 102 ff. 

181 ff. 
Pfaff 100. 174. 175. 
Pfaffenhofen 19. 
Pfäffingen 158. 
Pfahlbach 60. 62. 63. 70. 
Pfahlbronn 62. 69. 105. 
Pfahldorf 62. 
Pfahlgraben 62. 
Pfahlheim 37. 62. 81. 
Pfalz, Pfalzgrafen 48-50. 121. 

114. 169. 214. 
Pfalzgrafenweiler 111. 
Pfarrersföhne, württ. 83. 
Pfedelbach 207. 
Pfeiffer, Fr. 90. 
Pfinzgau 139. 
Piifter, J. C. 99. 
Pfitzhof 201. 
Pfizer 81. 
Pfleiderer, Fr. 7. 

P. 88. 
Pflugk-Harttung, v. 83. 
Pfohren 107 f. 
Pföhring 106. 186. 
Pforzheim 49. 50. 
Pfullingen 5. 13. 60. 83. 87. 165. 
Pfünz 106. 

Philipp v. Heffen 30. 
Philipp y. Hohenftaufen 20. 180. 
Pirkheimer 112. 



Piftorius 16. 193. 
Planck, G. J. 95. 

K. 88. 

Pfr. 5. 8. 
Pleidelsheim 60. 99. 137. 
Plieningen 85. 140. 

v. 110. 
Plieninger 88. 
Podiebrad 170. 
Pohl 62. 
Pohlgüns 62. 
Polheim, v. 110. 
Poltringen 158. 
Polz 123. 

Pommertsweiler 142. 
Portugal, K. v. 169. 170. 
Potthaft 147. 
Poftwefen 83. 
Prag 38. 186. 193. 
Prämonftratenfer 82. 
Prämonftratenferinnen 144 ff. 

149. 214 ff. 
Praßberg, v. 110, 
Prel, du 86. 
Prefcher 62. 98. 
Preffel, Th. 175. 
Preßburg 134. 
Prevorft, Seherin v. 86. ! 

Quenftedt 88. 

Baboldshaufen 151. 
| Raifer 19. 24. 26. 
1 Rammagau 23. 
! Ramienftruth 42. 
| Ramftein 112. 
: Randen 107. 
j Ranke 91. 173. 
i Rapp 88. 

! Rätien 72. | 

! Rau 88. ! 

v. Holzhaufen 110. 
: Raufcher 88. 
| Raufenberger 200. 201. \ 

Ravensburg 27. 43. 83. 85. 98. [ 
115. 125. 

Rechberg, v. 38 39. 88. 179. \ 

Rechentshofen 138. 

Reckhentburn 123 f. 

Reckholderen 124. 

Redelheim 111. 

Reformation 82. 215. 

Reformationsgefchichte 84. 

Regenitz, v. 110. 

Regensbnrg 29. 126. 193. 

Reginhershuren 60. 

Regula, h. 121. 

Rohlingen, v. 113. 114. | 

Reichenau, KL 26, 27. 89. 176, 



Reichenbacb, OA. Aalen 180. 

Kl. 180. 

in bayr. Schw. 25. 

v. 155. 
Reichenberg b. Brack. 117. 
Reichen weier 83. 
Reihengräber 81. 
Reinhard, A. 86. 

K. F. 88. 
Reinwald 125. 
Reifchach, v. 110. 
Releaux 62. 

Remchingen, v. 50. 110. 
Remigius, h. 121. 
Remsthal 105. 
Rengershaufen 137. 
Rengesheim 137. 
Reubach 151. 
Reuchlin, II. 179. 

J. 90. 
Renß 123. 

Reute, OA. Waldfee 8G. 
Reutlingen 31. 50. 82. 87. 98. 

177. 178. 
Rcuttner v. Wyl, Gr. 136. 
Revolution v. 1789 53. 
Reyfcher 171. 
Reyß 209. 
Rheinfelden, v. 110. 
Rieber 133. 
Riecke 81. 171. 
Rieden 20. 
Riedefel, v. 110. 
Riedhaufon 120. 
Riedheim 115. 
Rieger 88. 

Rielingshaufen 60. 81. 137. 
Ries 40. 105 f. 
Rietheim, z. 28. 110. 
Riezler 59. 
Rigomagus 182. 
Ringingen, v. 157. 
Rinfchheim 137. 
Ritfehl 88. 
Rittgarsried 25. 
Rittler 165 f. 
Rocholl 96. 
Rodenhaufen, v. 110. 
Rodt 109. 
Rohlingen 37. 
Rohr 29. 

Rohrdorf, OA. Wangen 121. 
Rohrdorf, v. 125. 
Rohrhalden 1G0. 
Rom 186. 
Römer, K. 176. 

Romifches 52 ff. 71 ff. 81. 102 ff. 
176. 177. 178. 181 ff. 200 ff. 
Ronsberg 24. 



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234 



Regifter. 



Roos 176. 
Rorbach 159. 
Rofeok 75 f. 
Rofenberg 211. 
Rofenfeld 74. 157. 
Rofer 16, 
Rösler, C. F. 96. 
Roflach 207. 
Roßwangen 160. 
Rotach 80. 

Rotenbach, OA. Ellw. 42. 
Rotenhan, v. 110. 
Roth 84. 
v. Schreckenftein 33. 
KL 82. 
Rothenburg a. T. 144 ff. 209. 

214. 
Rothenhäusler 82. 
Rothkirch v. 110. 
Rotölen 88. 
Rothrieden 20. 
Rothfchüz, v. 214. 
Rotsbühel, v. 218. 
Rottenburg 4. 14. 73. 75 ff. 81. 

82. 83. 87. 88. 102 ff. 155 ff. 

176. 177. 182. 222. ff. 
Rottenmünfter 179. 
Rottweil 29. 74. 81. 83. 88. 91. 

103. 106 f. 108. 134. 143. 

178. 179. 180. 182. 
Rowilenheim 59. 
Ruchfen 137. 
Ruckgaber 178. 
Rüd 91. 
Rudolf I., K. 22. 85. 124. 125. 

II., K. 193. 
Rudolph 16. 
Rüge 83. 
Buland 178 
Rttmelin, A. 88. 
Ruprecht, K. 134. 
Rüttel 88. 165. 

Sachfen 30. 
H. v. 111. 
Sachfenheim, v. 138. 
Sadelerhufen 141. 
Salem, KI. 26. 197. 
Saletione 182. 
Sallmann 210. 
Salomon 88. 

Salzmann 51. 81. 84. 163. 
Sam 31. 32. 
Sambeth 82. 83. 
Sandberg, v. 214. 
Sankt Blafien 98. 
Sankt Gallen 180. 219. 
Sankt Georgen 142. 143. 
Sattler 92 ff. 157. 180. 



Saulenheim 58. 

Saulgau 120. 197. 

Sauter 145. 

Schad, v. 114. 

Schäfer 213. 

Schaffelitzky v. Mugendall 110. 

Schäffler 91. 

Schaffner 29. 

Schäftersheim 149. 152. 218. 

Schambach 180. 

Schanzenbach 51. 85. 

Schattenwirtshaus 76. 

Schaubeck 87. 

Schauenburg, v. 110. 

Scheer 85. 

Scheffel 88. 

Scheffer 100. 161. 163. 214. 

Scheler, Gr. v. 

Schelklingen 

Schenck, v. 13. 

zu Schweinsberg 110. 
Scherer 97. 
Scherer-Schwendi 123. 
Scherr 88. 179. 

Schertlin y.Burtenbach 91. 176. 
Scherzer 88. 
Scheuermann 207. 
Scheuffele 122 f. 
Schick 179. 
Schickhardt 83. 
Schiller 88. 95. 
Schillingsfürft, v. 148. 
Schiltzburg 110. 
Schlaitdorf 11. 
Schlattftall 51. 
Schlayer 12. 
Schleglerbund 48. 
Schleicher 30. 115. 
Schieiden 179. 
Schleifhäusle 42. 
Schleswig-Holftein, H. v. 111. 
Schlettftadt 111. 
Schloßberg, OA. Kirchh. 157. 
Schloßberger 88. 
Schlözer 95. 
Schmalenftein, v. 49. 
Schmalfelden 152. 
Schmalkalden 30. 31. 
Schmalkald. Krieg 82. 159. 
Schmetzer 212. 
Schmick 62. 
Schmid, H. 205 ff. 

J. C. 100. 

L. 83. 219. 

Pfr. 4. 5. 

R. 86. 179. 
Schmiden 179. 
Schmidt 46. 
Schnaitheim 101. 



Schneckenburger, M. 88. 
Schneider, Dek. 82. 

Eug. 50 f. 81. 82. 83. 85. 87. 
88. 176. 207. 224. 

Eulog. 88. 
Schnierlin 2. 
Schnttrpflingen 29. 115. 
Schnurrer 98. 

Schömberg, OA. Rottw. 157. 
Schönbuch 75 f. 103 f. 
Schönhuth 175. 
Schönthal 82. 176. 
Schorndorf 87. 105. 115. 140. 

175. 178. 180. 208. 
Schott, A. 16. 178. 

Ch. K. 7. 

Prof. a. d. Karlsfch. 93. 

Th. 83. 87. 88. 
Schöttle 180. 
Schricker 83. 
Schröter 81. 

Schrozberg 177. 209. 214. 
Schubart 88. 179. 
Schule 212. 
Schulte 84. 

Schultes 26. 85. 113 ff. 123. 
Schulwefen um 1500 83. 
Schulze 87. 
Schumm 208. 
Schürftab 110. 
Schuffengau 120. 
Schuffenried 82. 88. 219. 
Schütz 218. 
Schwab, G. 7. 81. 171. 

J. C. 15. 16. 
Schwabach 30. 
Schwabe 85. 
Schwaben, Herzoge v. 

Otto I. — III. 83. 

Mundart etc. 45 ff. 
Schwabenneckereien 83 
Schwabenftreiche 83. 
Schwäbifcher Bund 28. 
Schwaigern 220. 
Schwaighofen 26. 
Schwanhauff 2. 
Schwarz 150. 178. 
Schwarzach, v. 49. 
Schwarzenberg, v. 49. 110. 
Schwarzen ftein, v. 110. 
Schwarzkopf 86. 
Schwede, Schwedi 123. 
Schwegler 179. 
Schweinebach 135. 
Schweinfurt 31. 
Schweinsgraben 62 f. 
Schweiz 30. 
Schwenningen 108. 
Schwenzer 169. 



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Regiftor. 



235 



Schwetzingen 211. 
Schwindrazheim 88. 
Seiboldsweiler 67. 
Seitz, Sytz, A. 88. 

M. B. 3. 
Seibach, v. 49. 
Seideneck, v. 150. 
Selz 182. 
Sempach 129. 
Senft v. Sulbnrg 110. 
Septemiacum 105. 185. 
Sersheim 137. 
Setzingen 136. 
Senffer 199. 
Severus Alexander 56. 
Sicher 85. 
Sicherer 179. 
Sickingen 139. 
Siegelsberg 65. 
Sievers 51. 

Sigismund, Kaifer 28. 134. 186. 
Sigmaringen 
Simchen 140. 180. 
Simler 88. 
Simon 191. 
Sindelfingen 8. 104. 171. 175» 

183. 
Sindlingen 2. 
Sindringen 63 ff. 70 85. 
Smidhain 139. 
Söflingen 26. 28. 
Solicinitim 183. 
Solmg, Gr. v. 114. 
Sontheim, v. 28. 
Spät, Spet, Speth 50. 110. 156. 

218. 
Spatzenhof 66. 
Speckle 121. 
Specnla 105. 
Speier 30. 219. 
Spelter 150. 
Speratas 88. 
Sperberseck 50 f. 

v. 110. 
Spielberg 103. 105. 179. 
Spieß 85. 
Spindler 2. 
Spittler 94. 179. 
Sponheim, v. 110. 
Sporer 220. 
Spreter 88. 
Stadlinger 177. 
Städtekrieg 27. 82. 
Stafflangen 121. 
Stahl a. d. Nims 79. 
Stalin, C. F. 20. 22. 48. 59. 112. 
161. 173. 176. 

P. 45. 51. 84. 92 174. 
Stammheim, OA. Calw 98. 



Stammheim, v. 110. 
Stangenbach 58. 
Stark 178. 
Stäudlin 5. 
Staufen, v. 180. 
Stauffenberg 157. 
Stehelin 88. 
Steiff 85. 
Stein a. Rh. 144. 
Stein, vom 113. 158. 
Steinau, v. 110. 
Steinberg 62. 65. 
Steinegg, v. 139. 
Steinheim a. d. M. 57. 60. 
Steinhofer 92. 
Steinhöwel 88. 
Stendal 147. 
Stengele 82» 
Stern 91. 92. 
Sternenfels, v. 110. 

Frhr. v. 
Statten, OA. Neresh. 143. 

i. R. 172. 
Steudel, Dr. 

Prof. 11. 
Stickel 174. 
Stieler 83. 
Stillfried, v. 18. 
Stimpfach 37. 
Stimm, Gr. v. 209. 
StOber 88. 

Stocken OA. Ellw. 42. 
Stödtlen 37. 
Stolberg, v. 146. 
Stotzingen, v. 25. 159. 224. 
Straßburg 30. 31. 82. 83. 107. 
Straubenhard, v. 49. 
Strauss 88. 179. 
Strebet 88. 
Streckfuß 151. 
Strohweiler 51. 
Stumphart 91. 
Stunder 212. 
Sturm 30. 

Stuttgart 2. 5. 7. 9 f. 16. 29. 33. 
37. 81. 85. 87. 89. 90. 91. 
92. 94. 95. 98. 99. 101. 104. 
111. 156. 158. 161 ff. 172. 
176. 177. 178. 179. 220. 
Sülchen 183. 219. 
Sulger 97. 
Sulmetingen 23. 

Gr. v. 21 f. 24. 
Sulz 5. 111. 176. 

OA. Gerabronn 149. 150. 152. 
153. 

v. 110. 
Sulzbach a. d. M. 81. 
Sülzbach 91. 



Sumalo-, Sumelocenna, Sumlo- 
cenne 73. 74. 75. 77. 102 ff. 
182. 

Sumpfohren 107 f. 

Sundpfohren 182. 

Sandheim, Lad. 90. 

Suonhar 43. 

Sufo 88. 

Swantovit 38. 

Täbingen 142. 156 f. 

Taffinger 124. 

Tafinger 4. 

Tann, v. d. 110. 

Teinach 5. 

Tenedo 182. 

Tertiarinnen 216. 

Tettnang 83. 

Tenfelsmauer 62 ff. 

Thalfingon 32. 33. 34. 113. 116. 

Thalhofen 24. 

Theoderich 119. 

Theuerzen 145. 

Theuringen 83. 

Thnndorf, v. 60. 

Tiberius 71. 

Tieck 86. 

Tiefenbach, v. 113. 

Tieffenau 159. 

Tinetione 182. 

Tingen 182. 

Tirfchenreut 145. 

Titot 177. 

Tomafchek 96. 107. 

Torgau 115. 

Trarbach 220. 

Trauchburg 131. 

v. 135. 
Treckebach, v. 142. 
Treppach 142. 
Tretfeh 88. 161. 
Trithemius 90. 

Trochtelfingen i. Hohenz. 219. 
Trommezheim 106. 185. 
Troyff 110. 
Trüb 150. 

Truchfeß v. Höfingen 110. 
v. Rheinfelden 110. 
y. Ringingen 154. 
v. Waldburg 124 ff. 
Tfcherning 76. 
Tübingen 1—13. 14—16. 85. 87. 

90. 91. 92. 97. 98. 99. 101. 

155. 156. 171. 172. 173. 174. 

175. 177. 178. 179. 
Tuggen 121. 
Turenne 205. 
Tuttlingen 175. 176. 
Tweften 96. 



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236 



Regifter. 



Übelen 172. 
Überkingen 31. 180. 
Überlingen 26. 115. 
Überweg 96. 97. 
Uffenheim 140. 
Uffenhufen 140. 141. 
Unland 1-16. 81. 88. 179. 
ükert 99. 

Ulm 5. 24. 26 ff. 35. 36. 43. 46. 
82. 85 87. 88. 90. 97, 98. 
100. 113 ff. 121 ff. 134. 136. 
175. 177. 178. 180. 199. 212. 
Ulrich, heil. 21. 
Ulrichsburg 112. 
Ummenheim 140. 
Undingen 219. 
Union 34. 82. 114. 117. 
Unkhair 88. 
Unter-Gaishof 206. 

Iflingen 75. 103. 108 f. 

Kochen 37. 

Limburg 110. 

Riexingen 49. 171. 

Türkheim 94. 99. 
Urach 50. 51. 87. 177. 179. 219 
220. 

Chriftoph v. 86. 

Gr. v. 21. 59. 
Urbach, v. 110. 
Urkundenwefen 83. 
Ursberg 20. 
Urfin, v. 24. 
Urslingen, v. 112. 
Urfpring, Kl. 160. 

OA. Ulm 81. 
Ufenhnfen 140. 
Uffermann 144. 147. 
Uttingshufcn 140. 
Utzingen 60. 
Uxkull, v. 179. 
Uzilishufen 219. 

Vaihingen a. d. E. 58. 82. 87. 
99. 156. 

Gr. v. 59. 60. 61. 

a. F. 104. 
Valkcnbiirgh, v. 35. 
Vanotti 82. 176. 
Vedaftus, H. 121. 
Veefenmeyer 36. 98. 136. 178. 
Vehingen, abg. 140. 
Veinau, v. 150. 
Veit, h. 37 f. 
Venedig 5. 6. 115. 177. 
Veranus, — ius 36. 
Vereinödung 83. 
Verena, h. 121. 
Vergenhans 89. 
Verger, v. 119. 



j Vergerius 174. 

| Veringen, Gr. v. 89. 126. 188. 

■ Vefch 123. 

| Vefpafian 72. 75. 
i Votonianis 106. 185. 

Vetter 32. 

Villars 208. 

Vindoniffa 107. 181. 

Vindonius 181. 

Vifcher, Emilie 5. 12. 
Fr. 88. 

Vogel 81. 

Vogelmann 40 ff. 84. 

Voit v. Rhincck 211. i 

Völklinshofen 62. 
j Volkmayer 150. 
j Volland 174. j 

I Vollmer • 

I Völter | 

Volz, C. W. 177. I 

' Voluolingen 142. | 

I Wachbach 175. 

j Wachendorf 77. | 

i Wächlingen 58. 60. 

. Wächter, C. G. 15. 177. ! 

! Eb. 179. | 

I K. 95. 171. 

Wagner, Fr. J. 96. | 

I Fr. L. 8. 

G. 208. 
j H. 177. 
! Prof. 220. 

Waiblingen 49. 57. 

Walbinger Hau 143. 
1 Waloher 161 ff. 

Walchner 44. 

Waldburg, v. 23. 85. 124 ff. 185. 
1 Walddorf, OA. Tüb. 
I Waldenbuch 158. 

Waldmannshofen 147. 
I Waldmatt 50. 

Waldmöflingen 72. 109. 
1 Waldfee 85. ' 

, Walker 11. 

Wallbrunn, v. 110. 
! Walldürn 62. 211. 
I Wallerftein 177. 
j Wallis, Gr. v. 210. 

Walsrode 5. 

■ Walz, Apoth. 16. 

Pfr. 136. 
| Wanbrechtswiler 142. ( 

. Wangen i. A. 82. 87. 120. 185. 
177. : 

, Wangen heim, v. 206. 
I Wartenberg 82. 107. 

Wartha 118. 
i Warthaufen, v. 157 f. I 



Wattenweiler 29. 32. 33. 

Waygold 156. 

Wegele 89 ff. 

Wegelin 21. 124. 

Wehl 85. 

Weibertreu 85. 

Weidenhof 62. 65. 66. 

Weidenftetten 27. 

Weikersheim 97. 209. 

Weil der Stadt 85. 88. 

Weiland 90. 

Weiler, v. 110. 

Weiler ob Helf. 85. 178. 

Weilerburg 73. 75. 

Weinbau u. -Handel 121. 133. 

177. 
Weingarten 82 85. 97. 98. 120. 

v. 110. 
Weinsberg 15. 85. 87. 177. 178, 
Weiffenau 82 85. 
Weifler 1. 5. 7. 8. 9 ff. 13. 15. 16. 
Weiß 5. 

Weißbecker 144 f. 
Weißenburg a. S. 106. 
Weißenhorn, v. 19 ff. 25. 
Weißenftein, Bad 138. 
Weißingen 115. 
Woizlacker 36. 
Wellendingen 160 
Weltenburg 121. 
W T elzheim 62 f. 67. 70. 103. 105. 

178. 180. 
Wcndelsdorf, v. 110. 
Wenzel, K. 48. 49. 134. 
Werdenberg, Gr. v. 28. 176. 
Wevtheiin 59. 60. 
Wcfternbach .70. 
Wefterftetten, v. 38. 
Wefthaufen 37. 110. 142. 
Wetting, v. 110. 
Weyermann 26. 28. 29. 98. 
Wibel 98. 
Wiblipgen 179. 
Wibncr, v. 211. 
Widdern 206. 
Widenmeyer 83. 
Widmann 159. 
Wiedcrhold 113. 175. 
Wiederhold, Frhr. v. 88. 
Wiedertäufer 85. 
Wieland 6. 88. 
Wien 96. 99. 193. 
Wiefenbach 49. 87. 150. 152. 

154. 216. 218. 
Wieslauf 66. 
Wigolt 156. 
Wild 5. 
Wildbad 86. 
Wildberg 86. 



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Regifter. 



237 



Wildenberg, v. 110. 
Wilflingen 143. 
Willmandingcn 219. 
Wimpfling 45 f. 
Wimpfen 220. 
Windifch 102 ff. 102. 181. 
Wingarteibagan 137. 
Winnenden 25. 174. 
Winsbeim 85. 
Winterbach 139. 
Winter ftetten, v. 110. 
Wintterlin 87. 177. 178. 178. 
Winzerhaufen 178. 
Wippingen 86. 

Wirtemberg f. Württemberg. 
Wirth 8G. 

Wittftadr, v. 150. 218. 
Wohlwill 86. 88. 
Wolf 2. 

Wolfartsweiler 151. 
Wolff, K. 90. 
Wolff, v. 36. 
Wölfhart 150. 215 ff. 
Wolffüidcn 61. 
Wolken ftein, v. 28. 
Wollenberg 142. 
Wolmcr8baufcn, v. 152. 
Wolperfiettcn 61. 
Worms 28. 30 190. 
Wörth, OA. Ellw. 37. 
Wrcde 117. 118. 
Wulfingen 58. 
Wullenftetten 19. 
Wülzburg 103. 106. 
Wunprechteswiler 142. 
Würben, v. 94. 
Wurm, C. F. 179. 



i Wurm, P. 86. 
I Würtingen 98. 

Württemberg, Fürftenhaus: 
, Graf Eberhard d. Erl. 26. 81. i 
I 85. 

| der Greiner 27. 

u. Herzog Eberhard im Bart 
28. 45. 89. 99. 
Ulrich 180. 
Herzog Chriftoph 81. 91. 99. 
i 117. 174. 

Friedrich I. 34. 109 f. 117. 
Johann Friedrich 114. 
Karl Alexander 176. 178. 

212. 
Karl Eugen G. 14. 81. 93. 

177. 
Ludwig 91 161 ff. 
Ulrich 81. 82. 91. 92. 155. 
158. 159. 160. 174. 
üerzogin Dorothea Maria 111. 

Sophie 111. 
König Friedrich 10. 81. 95. 

Wilhelm 12. 178. 179. 
Königin Katharina 
Prinzeffin Charlotte 81. 
Katharina 81. 
Württemberg, Grafen u. Her- 
zoge 91. 
Land u. Staat 83. 
Name 140. 
Staramfchloß 86. 
Wurzach 23. 86. 
Würzburg 91. 138. 146 ff. 206. 
209 ff. 217 f. 220. 

Tolin 85. 



Zaber 183. 
Zabergäu 177. 
Zargenheim 58. 
Zaun 209. 
Z.izendorf 140. 
Zazenhaufen 140. 
Zeile 86. 
Zcifelberg 44. 
Zeitbluem 88. 
Zeitrechnung 220 f. 
Zell u. Aichelb. 87. 
Zellcr, E. 179. 

K. A. 88. 

St.Pfr. 82. 
Zeydelhaufen 219. 
Zillenhardr, v. 110. 
Zillhaufen 219. 
Zimmermann, H. 201. 

W. 101. 
Zimmern, Gr. v. 91. 118. 

u. B. 156. 
Zimmrifche Chronik 91. 155. 159. 
Zinsbach 112. 
Zipplingen 142. 180. 
Zirgesheira 140. 
Zobel 152. 
Zoller 85. 

Zollern, Gr. v. 28. 159. 
Zuffenhaufen 140 f. 
Zürich 144. 179. 
Zurzach 107* 
Zützelhaufen 219. 
Zuzenhaufen 140. 
Zvirturaberg 140» 
Zwiefalten 21. 22. 60. 82. 97. 219. 
Zwingelhaufen 137. 
Zwingli 29. 31. 32. 



Verbcfferungen. 



Vierteljahren. 1886 Seite 203 Z. 6 ift ftatt weftlich zu lefen: öftlich. 
Vierteljahren. 1887 Seite 123 Z. 16 v. u. ift ftatt Reuß zu lefen: Rueß. 



S 



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^ 



Ankündigung 



betreffend 



die Württembergifchen Gefchichtsquellen. 



In Vollziehung des Befchluffcs des Redaktions- Ausfchuffes der Vierteljahrshefte 
vom 24. Juni 1886 (f. Jahrgang 188G S. 200) erfcheint in diefem Heft als Nr. I 
der Württembergifchen Gefchichtsquellen der bekannte, aber bis jetzt als Teil der 
Bibliothek des Litterarifchen Vereins (ohne Regifter) wenig verbreitete Hirfauer 
Codex in einer von Herrn Archivfekretär Dr. Schneider beftens beforgten und 
mit vorzüglichem Regifter verfehenen Ausgabe. Es ift Einleitung getroffen, daß 
alljährlich eine oder mehrere Quellenfchriften des Mittelalters, unter thunlichfter Be- 
rfickfichtigung der verfchiedenen Landesgegenden, zur Ausgabe gelangen können. 
Etwaige Wünfche und Anträge wollen an die Redaktion der Württembergifchen 
Vierteljahrshefte gerichtet werden. 

Stuttgart im Januar 1888. 



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™ 



WÜRTTEMBERGISCHE 



GESCHICHTSQUELLEN 



IN VERBINDUNG HIT 



MI VKIBIJ KÖR KDIST USD UTKftTUI II DU DID MRItSCIWlBKI, »II WOUTMB. ALTEKTDI8VIAEII II 
STITTCIIT. DKI IISmiSCHEl VEBKII tili 118 WtlTTBII. »IHKEI Dil III 8ÜLCIMIJBB, ILTEUUlKfEMII 



HERAUSGEGEBEN 



K. STATISTISCHE* LAKDE8AMT. 



I. 



STUTTGART. 

W. KOHLHAMMER. 

1887. 



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CODEX HIRSAÜGIENSIS. 



HERAUSGEGEBEN 



TON 



De. E. SCHNEIDER. 



1887. 



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Der Codex Hirsaugiensis, welcher im kgl. Staatsarchive zu Stuttgart aufbewahrt 
wird, befteht aus 70 Pergamentblättern von etwa 29 X 20 cm. Das erfte Blatt ift unbeschrieben, 
ebenfo je eine oder mehrere Seiten nach den einzelnen Hauptteilen. Die Schrift, obgleich dem Anfange 
des 16. Jahrhunderts angehörig, macht den Eindruck viel größeren Alters, was damit zusammen- 
hängt, daß man damals in den oberdeutfehen Klöftern der Bursfelder Kongregation, ohne 
Zweifel mit Anlehnung an alte Vorbilder, eifrig kalligraphifche Studien trieb 1 ). Jede Seite ift 
gleichmäßig liniert und enthält 27 Zeilen. Auf Blatt 12—15 befinden fich Nachträge in der 
gewöhnlichen Kurfive des 16. Jahrhunderts. 

Das Alter der Handfchrift wird beftimmt durch die Angabe, daß ein Altar im Jahre 
1500 geweiht worden fei (Bl. 23 b.). Ihre Entftehung hängt jedenfalls zufammen mit der Arbeit 
Tritheims, der um 1495 begann, die Gefchichte des Klofters Hirfau darzuftcllcn. 

Die verfch windend geringe Zahl der fpäteren Nachrichten der Handfchrift — Bl. 19 und 
23—24, die in unferer Ausgabe durch Zeichen vor und nach den betreffenden Abfätzen unter« 
fchieden find — beweift ohne weiteres, daß der Verfertiger ältere, in fich abgefchloflene, Auf- 
zeichnungen abfehrieb, welche er nur für die neuefte Zeit etwas ergänzen konnte. Über diefe 
Vorlagen haben wir bei den einzelnen Abfchnitten des Codex zu handeln. 

Der urfprüngliche Inhalt desfelben zerfällt in 4 Hauptabteilungen: I. Gefchichte der 
Gründung und Chronik der Äbte (Bl. 2—15), II. Verzeichnis der aus Hirfau nach auswärts über- 
ladenen Bifchöfe und Äbte (Bl. 17—19), III. Verzeichnis der Altäre des Klofters und der in 
ihnen enthaltenen Reliquien (Bl. 21—24), IV. Verzeichnis der Schenkungen und Erwerbungen 
(BL 25—70). 

I. Die Gefchichte der Gründung und Chronik der Äbte geht bis zum Jahre 
1205. Sie zerfallt wieder in 2 Abfchnitte*): 1. bis zum Abt Bruno (1105—1120), 2. bis Abt 
Marquard (1196—1205). Der erfte Abfchnitt zeichnet fich durch größere Ausführlichkeit aus, 
er beruft fich auf Nachrichten älterer Zeitgenoffen (Bl. 4 b), kennt die Vita Wilhelm! (Bl. 5b) 
und fcheint die Urkunde Köuig Heinrichs IV. von 1075 Oktober 9 für das Kloftcr benutzt zu 
haben. Diefer Abfchnitt ift fehr wahrfcheinlich fchon dem Annalifta Saxo (Mitte des 12. Jahr- 
hunderts) vorgelegen. Der zweite Abfchnitt enthält kürzere Notizen, welche, ganz gleichartig 
angelegt, namentlich regelmäßig den Ort des BegräbniiTes angeben. Seine Angaben find unver- 
kennbar zuverläulg; er ift jedenfalls noch am Anfang des 13. Jahrhunderts entftanden. 

Die Chronik wurde nicht fortgefetzt, wahrfcheinlich infolge des Verfalls des Klofters.. 
Erft am Endo des 16. Jahrhunderts wurde in unferem Codex ein Nachtrag eingereiht, der, weil 
nicht als Quelle anzufehen und eigentlich nicht hieher gehörig, in diefer Ausgabe durch kurfiven . 
Druck bemerklich gemacht worden ift. In den Jahren 1516 und 1517 hatte der Abt Johannes 
(1503—1524) im Soramerrefektorium Bildniffe berühmter Hirfauer, vor allem der Äbte, anbringen 
lalTcn mit biographifchen Notizen (hoc picturae opus, Bl. 13 b). Die letzteren ftammten aus den 
freilich fehr unzuverläülgcn Werken Tritheims. Diefe Infchriften ftellte der evangelifche Abt 
Parfimonius (1569—1588) famt fpäteren Aufzeichnungen über Äbte zufammen; weitere Zufätze 
kamen hinzu, und das Ganze wurde am Ende des alten Abtskatalogs angefügt Selbft die 
Zählung des 12. Abts Lutfrid als 10. nach Abt Gcbhard (1091—1107), der eine neue Bilderreihe, 
begonnen hatte, wurde beibehalten *). 



l ) Helmsdörfer , Forfchungen zur Gefch. des Abtes Wilhelm von Hirfchau 1874 , 8, 4> 
*) Helmsdörfer a. a. O. S. 5 ff. Monum. Germ. Script 14, 254. % " " 

*) Helmsdörfer a. a. O. S. 62. 



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6 Codex 

IL Das Verzeichnis der ans Hirfau nach auswärts überlaffenen Bi- 
fchöfe und Ä^te 1 ), welche alle dem Ende des 11. und dem 12. Jahrhundert angehören, ift 
um das Ende des letzteren entftanden und beruht wohl auf einzelnen Aufzeichnungen und Er- 
innerungen, welche ohne ftrenge Einhaltung der chronologifchen Reihenfolge zufamraengeltellt 
werden. Als Nachtrag aus der Zeit des Abfchreibers folgt nur noch der nach Schuttern flber- 
laffene Johann Widel. 

HL Ebenfo alt ift das urfprüngliche Verzeichnis der Altäre de« Klofters und 
der in ihnen enthaltenen Reliquien mit feiner durchaus felbftändigen , von der Grün- 
dungsgefchichte der Chronik unabhängigen Einleitung. Hier ftanden dem Schreiber noch weitere 
Nachrichten aus neuerer Zeit zu Gebote, die er vom 2. Abfatz des Bl. 23 a an beifügte. 

IV. Weitaus der umfaffendfte Teil ift das Verzeichnis der Schenkungen und 
Erwerbungen, welche ebenfalls ausfchließlich dem 11. und 12. Jahrhundert angehören. Die 
ziemlich planlofe, Art der Anordnung diefer Traditionen macht es ficher, daß He ursprünglich, 
wie dies auch nach der ganzen Entwicklung des Urkundenwefens anzunehmen ift, aus Einzel- 
aufzeichnungen beftanden, welche zur Unterftützung des Gedächtniffes gemacht worden waren, 
während der Befitztitel felbft durch die öffentlich vorgenommene Handlung begründet wurde. 
Die Frage ift nur, ob fie dem Abfchreiber noch einzeln oder fchon in einem Traditionscodex 
gefammelt vorlagen ; doch ift dies leicht zu entfeheiden. Wir haben zu untrüglicher Vergleichung 
das Original des Schenkungsbuchs des Klofters Reichenbach 2 ). Diefes Elofter weift als ein 
unter Abt Wilhelm gegründetes Priorat von Hirfau eine Menge von Befitzungen auf, welche 
auch in unferem Codex vorkommen; fein Schenkungsbuch ift in der Hauptfache um die Mitte 
des 12. Jahrhunderts angelegt mit wenigen nicht weit herabgehenden Nachträgen. Die Namens- 
formen des Reichenbacher Codex find nun vielfach urfprünglichere als die des Hirfauer: Argo- 
zingun fkatt Argoffingen, Dizzingun ftatt Ditzingen, Endingin ftatt Endingen, Viskinun ftatt Fi- 
fchingen, Herricheswilare ftatt Herfchwiler, Yfolteshufen ftatt Ifeldshufen, Stophilin ftatt Stoffeln u. a. 
Diefe Abänderungen find nicht erft durch den fpäteren Abfchreiber erfolgt; dies beweift derUmftand, 
daß die den einzelnen Traditionen beim Abfchreiben vorgefetzten Überfchriften häufig viel jüngere 
Formen zeigen als die Traditionen felbft: AlTelbingen ftatt Aslubingen, Berckbaufen ftatt Ber- 
chufen, Heinriet ftatt Hohenriet, Mensheim ftatt Mebosheim, Rötberg ftatt Rodeberg u. a. Eine 
Modernisierung ift hiernach fchon bei früherer Gelegenheit erfolgt, wodurch natürlich nicht aus- 
gefchloffen ift, daß unfer Abfchreiber auch einzelne in feinem Texte vorliegende Namensformen 
nicht unberührt gelaffen hat Als die Zeit, da jene erfte Zufammenftellung , welche manche 
Namen fich mundgerecht machte, erfolgte, ift das Ende des 12. Jahrhunderts anzunehmen. Wäh- 
rend der Reichenbacher Codex eine planmäßigere Anlage zeigt (vergl. „que postea plenius 
enarrare disposuimus" auf Bl. 3 a.), hat der Vertafler des Hirfauer Traditioncnverzeichniffes Heb 
zwar offenbar beftrebt, eine gewiffe chronologifche Reihenfolge einzuhalten, die er dadurch unter- 
bricht, daß er topographifch Zufam mengehöriges gerne verbindet. Dies ift ihm aber nur wenig 
gelungen, namentlich holt er öfters. Vergebenes herein und bringt gar von Bl. 65 an einen Nach- 
trag von älteren Einzelaufzeichnungen, die er vorher nicht unterbringen konnte. Jedenfalls lag 
ihm die Reichenbacher Aufzeichnung fchon vor (Bl. 66 b.), feine Einträge gehen, foweit wir be- 
urteilen können, nicht unter Abt Conrad (1176 — 1188) herunter; er übergeht von den aus Hir- 
fauer Urkunden bekannten Orten nicht nur die älteren, wie Mettilingan, Grezingan, Grekkenbach 
der Urkunde von 1075 Oktober 9 (W. U.B. 1, 276), Alwisbach der Urkunde von 1130 Feb- 
ruar 17 (W. U.B. 1, 881), Wifentfeld, Spurca, Eigelmanneswert von 1139 Febr. 26 (W. U.B. 2, 5), 
fondern auch das Ebersheim der Urkunde von 1167 (W. U.B. 2, 154), offenbar weil fie in der 
Zwifchenzeit bereits veräußert waren. Es ift nicht unwahrfcheinlich , daß der dotnnus abbas 
(Bl. 64) Abt Conrad ift, welcher kurz vorher in zwei in Urkundenform abgefaßten Aufzeich- 
nungen noch genannt wird, und daß er in der bloßen Notiz nicht mehr mit Namen aufgeführt 
wird, weil er noch lebt, fo daß die Abfaffung des Originals unferes Traditionencodex in feine Zeit 
fallen würde. Gleichzeitig oder einige Jahre fpäter, entfp rechend der Entftehung der übrigen 
Teile des heutigen Codex, ift dann der nachholende Eintrag BL 65 ff. anzunehmen. 

Gedruckt wurde der Codex durch Gfrörer in der Bibliothek des litterarifchen Vereins (Stutt- 
gart 1843), nachdem er kurz vorher aus Weingarten, wohin ein großer Teil des Hirfauer Archivs im 
dreißigjährigen Kriege von den Benediktinern verbracht worden war, in das kgl. Haus- und Staats- 
archiv gekommen. Leider fehlt dabei jede Ortserklärung. In die Monumenta Germaniae (Script 



') Vergl. Gifeke, Die Hirfchauer während des lnveftiturftreites 1884, aus welcher Schrift 
viele Daten entnommen wurden. 

*) Abgedruckt Wirt. Urk.Buch 2, 891 ff. 



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Hirsaugienßiß. 7 

14, 254 ff.) find außer der als Hiftoria üirsaugiensis monaftcrii betitelten Abtschronik und dem 
alten Verzeichnis der Altäre dasjenige der Bifchöfe und Äbte und der Anfang der Traditionen, 
Fundatio, aufgenommen. Die vorliegende. Ausgabe giebt den Text vollftftndig wieder mit Aus- 
nahme der im Traditionenverzeichnis willkürlich als Überfchriften ausgewählten Ortsnamen und 
der durch fpätere Benutzer des Codex gemachten Randgloffen, namentlich im Nachtrag der 
Abtsreihe. Große Anfangsbuchftaben wurden auf Namen und Satzanfange befchränkt; u wurde 
nur vokalilch, v konfonantifch gefetzt. Beigefetzte Jahreszahlen verfuchen die Datierung ein- 
zelner Abfchnitte. Das Re gifter enthält famtliche Ortfchaften und Perfonen nebft Erklärung, 
wobei fleh der Herausgeber fehr fehützens werter Beiträge des Herrn Pfarrer Boffert in Bäch- 
Kngen zu erfreuen hatte. 



[Fol. 2 a.] 

Quo tempore corpus saneti Aurelii de Italia sit translatum, 
vel quando Hirsaugia sit fundata. 

Anno dominice incarnationis octingentesimo tricesimo, anno autera Ludovici 
Pii, imperatoris Karoli Magni filii, deeimo septimo corpus saneti Aurelii episcopi et 
confessoris de Italia translatum est et Hirsaugia primum fundata. Nothingus namque, 
Erlafridi comitis filius, Vercellensi cathedra sublimatus, tribuente Mediolanensi archi- 
episcopo venerandi confessoris ossa, que in ecclesia saneti Dionisii eiusdem civitatis 
episcopi recondita erant, cuius sepulchrum usque nunc ibidem honorifice recolitur, civi- 
bus ignorantibus aeeepit ac paterno fundo, ubi postmodum Hirsaugia. fundata est, in- 
vexit, ubi tunc eiusdem comitis domus saltus fuit. Sacre vero reliquie primum deposite 
sunt in ecclcsiola, que in honore saneti Nazarii martiris consecrata erat, sita in vertice 
prominentis collis, quousque ad ipsius collis radicem condigno decore ecclesia con- 
strueretur, unde et collis idem nunc usque de nomine saneti Nazarii nominatur. Ecclesia 
construeta ac variis ornamentis decore adomata in honorem saneti Petri apostolorum 
prineipis consecratur, ac sacrata ossa in eadem sunt colloeata, ad quam omnem circum- 
iacentis silve latitudinem a fluvio, qui dicitur Deinaha, usque in fluvium inferiorem 
[Fol. 2 b.] ßichinbach et alia non pauca predia dedit ac cenobialis vite religionem 
ibidem esse instituit; que et per multa tempora sub constitutis patribus in eodem loco 
effloruit, sed peccatis hominum exigentibus, que regnum in regnum transferrL faciunt 
et urbes opulentas inhabitabiles reddunt, ad tantam diminutionem spiritalis vite devenit, 
ut deficientibus monachis in eorum locum clerici substituerentur, quia, ut scriptum est, 
non propter locum homines, sed propter homines deus eligit locum, seu, quod magis 
estimari potest, quod per divinam providenciam ex bac diminutione ad maioris spiri- 
tualis diseipline ubertatem idem locus sublimari disponeretur. Quod et postea patuit. 
Sub hac ergo immutatione aliquantis annis devolutis possessiones ecclesie ab iniquis 
invasoribus distraeta sunt, manuscripta quoque, que ab antiquis prineipibus pro loci 
stabilitate facta fuerant, disrupta, nee non castellum Kalwa nuneupatum in ipso ecclesie 
fundo est construetum. Hec iniusta hereditas ad iniquos heredes per successiones devol- 
vitur, quousque ad Adalbertum comitem seniorem quasi hereditario iure ipsius loci 
pervenit providencia, qui avaricie frenis laxatis, que ceteri parcendo intaeta reliquerant, 
hie absque timoris dei respectu quam plura contraxit. Sed cum diu hac mala parta 
hereditate potiretur, contigit, beatum Leonem nonum eiusdem nominis papam, avun- 
culum videlicet predicti Adalberti, ad invisendum regnum [Fol. 3a.] Theutonicorum de 



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8 Codex 

Italia progressum ad eundem ob consanguinitatis causam divertisse. Qui de fama 
sancti Aureüi audiens pro certo scire cupiebat, si ipsius sancti viri reliquie, ut fama 
tulit, in eodem loco reservarentur. Ex ipsius comitisque precepto accersitis artificibus 
non raodica difficultate quesitum est ac desperatis rebus cassato labore cessatum. Sed 
diligencia cuiusdam peritissimi artificis adhibita, qui ex Yenecie partibus cum filiis 
advenerat, qui etiam postmodum multa beneficia eidem loco arte sua administraverat, 
subtercavatum locum ex malleorum repercussione advertit, nee sine magno labore 
tandem subterlatentem parvam cameram invenit, in qua adornatum sareofagum cum 
ossibus venerandi confessoris Christi, Apostolico omnibusque una gaudentibus, reperit* 
Recognitis igitur ab Apostolico causis, de quibus ad tantam defectionem spiritualis 
vite hie sacer locus pervenerit, sub comminatione tremendi iudicii dei prefatum comitem 
admonuit, ut iniuste possessa relinqueret et sacre regule observatores in eodem loco 
restituere satageret. Qua commonitione perterritus, vetere ecclesia destrueta, que 
quidem spaciosa sed in modum veterum ecclesiarum sine columnarum sustentaculo con- 
strueta fiierat, novum monasterium, quod ad nostra usque tempora perroansit, construi 
1059. preeepit. Anno ab incarnatione domini millesimo quinquagesimo nono ineepta est edi- 
1071. ficari ecclesia sancti Aurelii, anno vero [Fol. 3b.] millesimo septuagesimo primo con- 
8ummata est et pridie nonas Septembres a Heinrico Spirensi episcopo dedicata. Missis 
etiam legatis ad monasterium Solitariorum, quod vulgariter Einsidelen dicitur, abbatem 
cum quibusdam fratribus impetravit. 

| De domno Friderico primo abbate. 

1065. Anno millesimo sexagesimo quinto pridie nonas Decembres Fridericus abbas 

cum quibusdam fratribus advenit, qui venerandus vir seeundum seculi dignitatem ex 
ingenuis parentibus de Suevorum gente originem duxit. Mediocri statura erat, que 
nee multum brevis nee satis longa videretur, in facie plenus, corpore erat robustus, 
i nee tarnen nimium crassus, capillis subnigris, canis aliquantis intermixtis, capite in 

cireuitu capillato. Hie lectioni et orationi operam dabat, vigiliis et ieiuniis frequenter 
inserviebat, vagationes et secularia negocia, que quidam flagranti animo amplectuntur, 
postponebat, et contemplative vite dulcedine delectabatur. In tantum autem humilitate 
et spirituali oecupatione pollebat, ut scriptorium inter alios scriptores habere perhi- 
beatur, Pauperum vero curam tarn devote exhibebat, ut ex his, que in proprios usus 
cesserant, nee non ex communi fratrum victu seu vestitu quantum suppetebat subtra- 
heret et indigentium inopie subveniret. Habebat autem duodeeim fratres tantum sub 
sui cura regiminis per constitutas annonas. Hü quidem subtus [Fol. 4a.] cucullis, 
desuper cappis utebantur. Sed electorum vita sicut aliis est odor vite in vitam, ita 
plerumque fit aliis odor mortis in mortem, quia, unde piis exemplum boni operis tii- 
buunt, inde sepe malivoli occasionem obtreetandi aeeipiunt. Unde et huic beato viro 
quietem, quam in Christo habere cupiebat, non spiritali exercicio, sed ignavie et de- 
sidie ascribebant quidam de fratribus, quippe qui nihil eorum exterioribus utilitatibus 
provideret, sed inerti tantum ocio vacasset. Qua de causa animum comitis in tantum 
Uli offensum reddebant, ut, si aliqua causa excusabili prevaleret, illum iam de mona- 
sterii regimine depulisset. Igitur deliberato consilio maculam adulterii illi impingunt, 
ut ob hanc infamiam iusta ex causa depositus a plebe iudicaretur. Revera autem 
nulla in facto, ut postea patuit, veritas fuit; sed quia vir humilis et quietus fuit, 
minus actuali vite intendens minusque se in pastorali austeritate formidabilem prebens, 
ideo exosum illum habuerant et ad magisterii gradura idoneum non esse pronunciabant. 
Viro autem dei per potenciam comitis deposito, illatas contumelias pro dei amore 



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Hirsaugiensis. 9 

pacienter sufferens, nee locum deseruit, sed pacienter inter reliquos fratres quietus 
mansit, quousque Laurissensis abbas nomine Udalricus veniens secum deduceret et in 
monte saneti Michaelis, qui Ebernsberc dicitur, manere faceret eo quod pridem illum 
pro vite raerito familiärem haberet; in quo loco usque ad vite terminum mansit. 

Quo [Fol 4 b.] defuneto inventa est corpori eius cathena astrieta; cuius ardoris 
in deum vivens in corpore fuerit, in carne mortui investigari potuit. In eodem ergo 
loco sepulture traditur, et sunt quidam, qui affirment, ad ipsius sepulchrum postmodum 
celitus signa non defuisse. Talis exitus domni Friderici primi abbatis, sicut ab eius 
professis aeeepimus, extitit. Prefuit annis tribus. 

De abbate Wilhelme 

Secundus in regimine monasterii succedit domnus Willehelmus, gente Bavario- 
rum ortus. Statura procerus, in anteriori parte capitis calvus erat, in oeeipicio capillos 
raros habebat, faciem produetam et cerulei coloris, vocem grandem, digitos manuum 
longos et totum corpus extenuatum. Hunc quidam de fratribus antea cognitum habe- 
bant et, deposito domno Friderico, cum legatione comitis ad monasterium saneti Em- 
merammi martiris Ratispone, in quo conversabatur, devenerunt; quem ab abbate et a 
fratribus obtinuerunt secumque deducentes monasterii regimini preficiunt. Qui iniqua 
predecessoris sui deiectione cognita satis displieuit factum. Sed cum mentem comitis 
de eius sentencia irrevocabilem cognosceret, nee ordinari, nee in choro in sede abbatis 
stare voluit, quamdiu illum in hac vita superstitem cognoyit, sicut hü, qui huic negocio 
interfuerunt, testati sunt. Quo de hac vita postmodum cicius migrante quarto nonas 1071 « 
Junii, quo die anno illo ascensio domini evenerat, consecrari consensit. [Fol. 5 a.] De 
quo plura quidem possent enarrari; sed libellus de vita eius descriptus satis de his 
instruit lectorem. Hie namque plurimorum aniroas ad deum exhortando perducere 
studebat et fama sue bone conversationis non nullos ad sanete institutionis propositum 
attrahebat. De hac etiam causa quam plures tunc maxime seculum relinquere coacti 
sunt, quia maledictio anathematis, que super Heinricum quartum regem facta est, in 
tantum regnum Theutonicum infecit, ut nullus pene tute posset in seculo conversari, 
quin aut regis fautoribus consentiret aut illorum vindietas experiretur. Unde ad eum 
quam plurimi potentes viri ex ordine clericorum seu laicorum velut ad quoddam asilum 
confluebant in tantum, ut plus quam centum quinquaginta monaehos congregatos haberet 
absque multitudine fratrum barbatorum, quorum conversationis auetor ipse primus 
extitit. Tunc enim ex toto in hac provincia monachilis conversationis pene fervor 
tepuerat. Preterea a secularibus seu spiritalibus satis amabatur. Erat enim vir colum- 
bine simplicitatis et magis dei provisioni in eunetis suis dispositionibus intendebat, 
quam proprie seu aliorum prudencie. Sub eo quoque maius monasterium construetum 
est Coniunx denique Hermanni marchionis, qui suos clam fugiens ob summi pastoris 
amorem pastor pecorum Cluniacensium monachorum factus fuerat, ex proprio sumptu 
magna ex parte construxit. Que pro quibusdam [Fol. 5 b.] causis offensa imperfectum 
reliquit ; sed ex sumptu, quem ad ipsum opus preparaverat, reliquum pene, quod reman- 
serat, edificatum est; anno vero ab incarnatione domini millesimo nonagesimo primo 1091. 
dedicatum est. Congregatio tarnen eo vivente de saneto Aurelio non recessit. In 
ipso autem anno, quo monasterium consecratum est, tercio nonas Julii de hac vita ad 
dominum migravit et in ipso maiori monasterio in medio ecclesie tumulatur. Prefuit 
autem annis viginti duobus. 



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10 Codex 

De Gebehardo abbate. 

Tercius constituitur abbas domnus Gebehardus natione Suevus. Literis bene 
instructus, eloquencia clarus, in disponendis secularibus rebus satis idoneus, equali 
statura erat, que nee longa nee brevis adverteretur , crine nigro, capite in cireuitu 
capillato, corpore crassus. Hie in Argentinensi civitate sub clericali habitu constitutus, 
vinum, quod in eadem provincia fratribus exereverat, per poteneiam abstulerat. Sed 
pro commisso admonitus de hac re compositurus iaetanter et inffato animo cellam in- 
greditur, utpote quem genus et divicie efferebant, nil minus, ut specie demonstrabat, 
quam monachicum habitum desiderio gerens. Sagaci igitur intuitu fratrum conver- 
sationem perspiciens, nee non venerandi patris alloquiis illectus, subito mutata mente 
seculo renunciat et monaebili scemate vestiri desiderat In quo cum aliquamdiu sanus 
et incolorais [Fol. 6 a.] perduraret, qui omnium secretorum investigator est, deus, qui 
mortificat, ut vivificet, et qui ante gloriam spiritum humiliat, subito tanta mole infir- 
mitatis illum depressit, ut membris omnibus resolutis toto corpore per terram reperet, 
scamnellis in modum clodorum sustentatus. Cum hac infirmitate aliquandiu attereretur, 
tandem dei respectu et ipsius predecessoris sui preeibus adiutus, cepit paulatim con- 
valescere, quousque sospitati redderetur toto corpore. Tarnen ex eadem infirmitate 
semper in uno claudicabat pede. Fostmodum prioris suseepit ordinem. In quo con- 
. stitutus pro acquirendis saneti Petri apostoli reliquiis ad Romanum dirigitur ponti- 
ficem; qui ab eo benigne quidem suseeptus hoc tarnen, quod petivit, non obtinuit. 
A Cluniacensium autem abbate tres crines de eiusdem apostoli capillis cum argenteo 
scriniolo aeeepit, et priusquam ceptum iter in remeando perageret, antecessorem suum 
de boc seculo decessisse cognovit. Reliquias siquidem extra monasterium in apto loco 
reserväri fecit, et in ipsis kalendis Augusti propter festum saneti Petri suseipiuntur. Quo 
die et ipse in abbatem eligitur eodem anno, quo maius monasterium consecratum est. 

1092. Mansit autem usque ad XII. kal. Aprilis, quo consecrari renuit. Cum de hac re non 
minimum fratres mirarentur, hac eis ratione satisfecit: quod tarn diu, inqait, fratres, 
inordinatus mansi, non ob aliud quid feci, quam ut mores meos vobis innotescerem 
et vestrum erga me affectum cognoscerem; [Fol. 6 b.] nunc autem in vestro adhuc 
statuitur arbitrio, utrura abiieere an retinere me malitis. Tunc demum ad Constan- 
ciense oppidum perrexit et a Gebehardo, eiusdem loci episcopo, in natali saneti Bene- 
dicti consecratur, Claustrum et omnes pene claustri officine sub eo construete sunt« 
Vir denique honorabilis, Wignandus nomine, Moguntine civitatis civis, eas ex proprio 
sumptu edifieavit. Sub eo congregatio de saneto Aurelio ad maius monasterium trans- 
migravit anno MXCII. Hie erat vir astutus ingenio sepe simulans, ea nolle, que animo 
proponebat facere. Erat et capacissimi auditus, ita ut que in semoto loco leniter dieta 
fuissent, auditu capere posset. Satis autem nominatus erat tarn inter spiritales quam 
seculares pro prudencia et eloquencia eius. Sub eo res monasterii satis ampliate sunt 
in prediis et edifieiis. Ipse primum aqueduetum subterraneum in cellam duci fecit et 
inuro cellam circumeinxit pene totam. Post hec aeeidit, ut Heinricus quintus rex, qui 
regnum adversus patrem suseepit, colloquium cum prineipibus in Ratisponensi civitate 
haberet, ad quod et ipse vocatus venit. In quo episcopatum Spirensem cum abbacia 

1105. Laurissensi in die omnium sanetorum aeeepit anno MCV. Qui maioris dignitatis gra- 
dum adeptus minoris venerationis habitus est a eunetis eo, quod tante estimationis vir 
tarn honorabilem locum pro episcopatu relinquere non renueret. In canticum etiam 
vulgi versus est in tantum, [Fol. 7a.] ut quodam in loco cum moraretur, cives eiusdem 
loci in ipsius audiencia choros de eo cantantes ducerent, quamvis illis in prosperum 
non cessisset; nam amici eius cum militibus aecurrentes fustigatos illos disperserunt. 



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Hirsaugiensis. 11 

Cum vero terminus vite illius immineret, cepit iam diuturnis languoribus fatigari, et 
persuasus a quibusdam farailiaribus amicis decrevit, secularia negocia cum episcopatu 
relinquere et ad p ristin um monasterium remeare, ut quos vivens deserere non recu- 
savit saltem vel mortuus iungeretur* Disposito igitur itinere de monte sancti Michaelis, 
qui Ebernsberc dicitur, ubi tunc forte manebat, in vehiculo deducitur et antequam 
medium iter perficiat, a multitudine Spirensium deprehenditur, quibus omnino hoc 
celari iusserat negocium. Quos omnimodis exorabat precibus, ne propositum iter irape- 
diant, neque se ipsos cum eius diutina infirmitate gravent. Et cum multum diuque in 
hac re consentire trepidarent, unus ex Ulis assurgens ceteros hac voce alloquitur : non, 
inquit, iustum nee honestum videtur, ut episcopum nostrum, quem legitime suseepimus, 
hac ratione a nobis separari viventem paciamur et alienis pondus infirmitatis eius 
sufferendum imponamus, quia, quam diu in hac infirmitate subsistat, incertum habemus; 
eligendus pocius est secretus ipsius congruus infirmitati locus et per paueos idoneos 
ministros, que illius necessaria sunt, ministerio exhibeantur, quousque quid dei presciencia 
[Fol. 7 b.] de eo ordinari velit, agnoscamus. Quod consilium cum placuisset ceteris, 
eligitur ei locus inter paludes Rheni, Bruhsel, nuneupatus, quem antecessor eius meniis 
satis munitum reddiderat, sed tunc magna ex parte collapsa fuerant, hoc ei primitus 
fide confirmantes, ut, si de hoc seculo migrasset, absque ulla eunetatione ad monaste- 
rium corpus eius perduceretur. Tribus dehinc evolutis mensibus in eodem loco diem 
clausit extremum, et ad monasterium, ut desideraverat, redneitur. Magno ergo cum 
honore suseipitur a Hirsaugiensibus et in maiori tumulatür ecclesia. Prefuit in mona- 
sterio annis quatuordeeim , mensibus tribus, in episcopatu vero anno uno, mensibus 
quatuor. Obiit kal. Martii. 1107. 

Cum primum in monasterio fratribus intimatum fuisset, quod illorum spiritualis 
pater in episcopalis gradus dignitatero promotus esset, visa est inter eos aliquanta 
contencio versari. Nam alii niolestias, quas ab anterioribus Spirensium presulibus per- 
tulerant, rememorantes aiebant, hoc eis omnino profuturum esse, si eundem abbatem 
quem et episcopum haberent, cuius auetoritate et defensione non parum comodi se 
habituros confiderent. Econtra alii, non hanc esse defensionem, sed magis inicium 
destruetionis et eversionis possessionum monasterii, presertim cum episcopus cum multi- 
tudine militum multociens eos visitandi causa adiret et per queque monasterii predia 
mansiones habiturus, et que ipsi [Fol 8 a.] cum diutina sollicitudine congregassent, 
ille in brevi tempore dissipaturus fuisset Sed et hoc nihilominus eis quam maxime 
pertimescendum, nc predia monasterii per amicos et milites per potenciam distribueret, 
et unde alia quam plura monasteria destrueta iam cernerent, sibi nihilominus immi- 
nere non dubitarent. Unde consultius eis videri, ut talem sibi abbatem eligant, qui 
inter illos modeste et regulariter vivat, quam illum super se stabiliant, cuius auetoritas 
magis terrori sit quam defensioni. Episcopus vero oeculte per nuncios advocatum et 
fratres, quos ad hoc idoneos estimaverat, subnixius precabatur, beneficiorum veterum 
nie mores ut essent, ne se abiiei vel alium in loco eius abbatem substitui consentirent. 
Quod consilium fratres quoque non latuit, unde et ipsi abbatein eligere omnimodo 
accelerant, ut eius obtectos annisus intereipere valeant. 

De Brunone ablate. 

Anno igitur millesimo centesimo quinto eligitur domnus Bruno senior, qui quon- 1105. 
dam erat canonicus et matricularius sanete Marie Spire, licet aliquantis in eius electione 
non concordantibus. Sed multitudini pars minor consensum prebere non tardat. Electus 
est autem pridie kal. Decembris, ipso mense, quo antecessor eius episcopatum suseepit, 



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12 Codex 

et in ipso monasterio a Bichardo, Ostiensi episcopo, septimo kal. Januarii ordinatus 
est. Hie mitis et timidus homo erat et ex ipsa natura mansuetus. Corpore quidem 
[Fol. 8 b.] imbecillis fuit; sed propter fratris amicorumque subsidium eum quam niaxirae 
eligere studuerunt, ut si quid adversi ab episcopo obortum fuisset, ab his destrui 
potuisset. Nam frater eius vir potens erat inter Suevigenaß, de quorum stirpe de- 
scenderat. Virilis stature erat, recalvester et canicie respersus caput. Que disponenda 
in monasterio erant, maxime per subditorum industriam gerebantun Nam pondera 
secularium negociorum homo quietus animo ferre non poterat. Et quamvis natura 
nobilis esset, nil tarnen in habitu vel vestitu arrogancie ostentabat. Prefuit annis 
quatuordeeim, mensibus tribus, diebus viginti duobus. Migravit de hoc seculo X. 
kal. Aprilis. 

De Volmaro abbate. 

1120. Anno millesimo centesimo vicesimo constjtuitur domnus Folmarus consensu tocius 

congregationis. Electus est autem tercio die post discessum antecessoris sui, et conse- 
cratur pridie nonas Aprilis ab Adalbertho Moguntino archiepiscopo in ecelesia saneti 
Albani Moguncie. Hie de Suevorum genere ortus fuit, procere stature, vir magne pru- 
dencie et clare eloquencie. Hie tarn secularibus quam spiritalibus timendus videbatur. 
Sub hoc res monasterii satis sunt ampliate tarn in prediis quam edifieiis. Pro utili- 
tatibus monasterii multos labores sepe pertulerat. Prefuit annis triginta sex, exceptis 

1156. octo septimanis. Quinto kal Februarii prima vigilia noctis de hac vita migravit. 
Tumulatur in maiori ecelesia ante altare saneti Michaelis. 

De Hertwigo abbate. [Fol. 9 a.] 

Domnus Hertwigus in abbatem eligitur tali consensu congregationis, ut ne 
unus esset qui contradiceret. Hie primum fuit decanus, postea prepositus, dehinc 
camerarius in maiori domo Spirensis ecclesie. Electus est autem ipso die, quo predc- 
cessor eius decessit, prima hora diei. Hie de genere Francorum fuit, sciencia literarum 
clarus satis, seculari quoque prudencia non minus pollebat. Erat autem pius homo, 
placidus moribus. Hie multa bona, priusquamad conversionem venisset, nobis con- 
tulit. Cum vero secularem vitam reliaqueret, in varia supellectili , hoc est in auro 
et argento, in purpura et vasis argenteis, plura et varia donaria obtulit. Consecratus 
1156. est autem Treviris ab Illino archiepiscopo quarto nonas Martii, quo die dominica 
seeunda 1 ) evenerat quadragesime. Hie supplevit ebdomadas, que predecessori eius 
defuerunt de triginta sex annis. Nam octo tantum septimanis prefuit; oetavo kal. 
Aprilis prima vigilia noctis, sicut predecessor eius, discessit. Tumulatur in maiori 
ecelesia ante altare omnium sanetorum. 

De Manegoldo abbate. 

Anno domini millesimo centesimo quinquagesimo sexto constituitur domnus 
Manegoldus abbas circa horam terciam ipso die, quo precessor eius decessit Hie erat 
statura brevis, ex cognatione predecessoris sui, annos etatis habens fere LX. Primum 
erat adiutor cantoris, et in ipso officio constitutus plus quam sexaginta libros feeit 
conscribi, amicis eius secularibus dei et amore eius ad hoc sumptus administrantibus. 
Postea prior in ma- [Fol. 9 b.] iori monasterio factus. Eodem anno consecrandus 



l ) Vielmehr: prima. 



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Hirsaugienßiß. 13 

multo et celebri comitatu Spiram proficiscitur, ubi fere viginti quinque monachi in 
sabbatho XII lectionum auiumnalis ieiunii a Gunthero, Spirensi episcopo, ordinantur. 
Postera die, hoc est decimo 1 ) kalendarura Octobrium die, consecratus est ipse astan- 
tibus sibi sex abbatibus, festivis indutus vestibus, in domo sancte Marie Spire, die 
dominico. Hie gente Francorum ortus, placidus erat moribus, suavis, affabilis eque 
omnibus, humilis, castus et homo fidelissimus. Prefuit annis decem, mensibus quatuor 2 ), 
diebus Septem. Obiit kal. Augusti post meridiem. Tumulatur ante altare saneti 1165. 
Michaelis. 

De Ruperto abbate. 

Anno dominice incarnationis millesimo centesimo sexagesimo quinto domno 
Manegoldo abbate de medio facto, succedit ei in claustri regimine domnus Rupertus, 
vir procere stature, personatus facie et pulchra venerandus canicie. Hie gente Fran- 
corum ortus, placidus erat in moribus, consiüo bonus et in rebus agendis circumspectus. 
Primum abbas fuit Gottesaugie, ubi dum importunitatem quorundam sua, non que 
Jesu Christi, querentium ferre non posset, relictis illis, quos incurabiles vidit, abbacia 
se abdieavit, et ad locum proprium rediit. Postea prior ad Sconrein destinatur; sed 
interiectis aliquot annis domno Manegoldo abbate hominem exeunte, domnus et abbas 
huic loco preponitur, ubi per undeeim annos sedens, [Fol. 10 a.] quum dies mali erant 
et redimere tempus necesse habuit, fratres non ut voluit, sed ut potuit, rexit. Capel- 
lam saneti Nicolai, que est in maiori monasterio, fecit construi et caritatem, que fra- 
tribus ad cenam per annum ministratur, quam nos vulgariter cenam dieimus, ipse dari 
instituit. Ad ultimum fessus senio, cum labori tanto non sufficeret, absolvi peeiit et 
impetravit preposituramque Rothe a fratribus, unde sustentaretur quoad viveret, aeeepit. 
Per annos igitur aliquot ibi laboriose vivens, iam ad purum exeoeta si qua animam 
ejus maculaverat peccati scoria, nature debitum solvit et, ut ita dixerim, vitam vita 
commutavit. Rogatu suo in ipso limine ecclesie est sepultus, eo quod preeibus cal- 
cantium cineres suos domino se comraendandum credidit attencius. 

De Conrado abbate. 

Postquam pie memorie domnus Rupertus abbas suseepti regiminis onere de- 1176. 
posito nomen et locum pastoris mutavit, domnus Conradus communi fratrum censura 
et acclamatione canonice et iuste sibi subrogatur, brevique tempore transacto a domno 
N. 8 ) Babenbergensi episcopo solenniter et officiosissime ordinatur. Itaque ad altiöra 
provectus, ut scriptura refert, quanto magnus es, humilia te in omnibus, ad omnia se 
omnibus proniorem exhibuit et, ut dicitur, nobilis quasi non vilis, dignitatem generis 
vite et morum nobilitate decoravit. Nam Suevorum nobili propagine ortus comitis 
Hermanni 4 ) de Kilhberg [Fol. 10b.] frater fuit. Hie sui curam non laute, sed caste 
et caute gerens seeundum verba domini congruo tempore tritici mensuram conservis 
suis ubertim et plenarie erogavit, dum in disponendis ecclesie rebus, admodum alacris 
et officiosus, fratrum usui necessaria solerti diligencia et studiosa sagacitate admini- 
stravit. In mensa inter epularum convivia adeo largus et dapsilis habebatur, ut aut 
nullus aut vix ullus in hoc sibi parificari posset. Niger erat facie, statura medioeris, 
gestu et habitu corporis despicabilis, animi vero virtute utrumque graciosus et speeta- 



*) Vielmehr: nono. 

*) Vielmehr: annis novem, mensibus quinque. 

8 ) Verschrieben für H. (Hermann IL). 

*) Hartmann? (v. Stalin, Wirt. Gesch. II, 405). 



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14 Codex 

bilis. Duodecim annis prefuit et circa ultimum vite sue terminum apud cellam sancti 
Gregorii, que Richenbach dicitur, arduum negocium pro commodo eiusdem eccle8ie 
exacturus, eotenus proficiscendi iter arripuit, illucque perveniens, crebis febrium ictibus 
pulsari cepit et ut bonus athleta felici agone cursum vite sue consuoanune m brevi 
diem clausit extremum. Cuius corpus filii et fratres htiius ecclesie cum timore dei et 
paterna reverentia reducentes ac lugubres exequias pro eo celebrantes ad introitum 
maioris ecclesie ante altare omnram sanctorum cum summo devotionis et honoris studio 
terre commendavenmt. 

De Heinrico abbate. 

1188. Anno millesimo centesimo octogesimo octavo, post decessum dorani Conradi 

abbatis, domnus Heinricus unanimi voto, communi omnium sentencia abbas eligitur. 
Hie primum cantoris gerens [Fol. IIa.] officium, velutoliva fruetifera in domo domini, 
pluribus bonis hunc locum adornavit. Singula altaria oleo cum lampadibus decenter 
illustravit, vineas plantavit, predia ampliavit. Igitur operum eius fama crescente, fratres 
de Benwilre eum sibi in abbatem expetunt. Apud quos cum aliquandiu commoratus 
esset, victus eorum importunitate et loci paupertate, sed et pluriraa sui corporis in- 
firmitate abbaciam resignavit, et ad nos denuo rediens pristinum gradum et officium 
cantoris reeepit. Postmodum nobis abbas ordinatus, per aliquot annos satis modeste 
et regulariter suam et subditorum vitam instituit. Dumque in processu temporis eure 
et negocia seculi contra eum nimis exerescerent , cum cervice corporis flexit rigorem 
mentis et factus est in observatione sanete regule paulo remissior, quam tempora 
et mores expeterent. Ob hoc penitens et timens anime sue, licet renitentibus amicis 
suis et cognatis, abbacia se abdieavit et ad sustentationem vite sue preposituram Rothe 
a fratribus aeeepit. Ibi ad dimidium fere annum in merore vivens et lacrimis quarto 

1196. nonas Junii de hac domo lutea transivit ad eternam, que est in celestibus. Prefuit 
annis octo, vir tenuis corpore, statura medioeri, raros pilos habebat in capite. Corpus 
eius iuxta ossa domni Ruperti abbatis humatum est in ipso introitu ecclesie. 

De Marquardo abbate. 

Domnus Marquardus abbas, magnis Datalibus ortus, unanimi sentencia capituli 
electus, [Fol Hb.] anno millesimo ducentesimo quinto dominice incarnationis obiens, fratri- 
bus orbatis et bono aliquo pastore reficiendis, seminarium infestissime dissensionis reliquit. 
Nam in primis pro libertate familie monasterii Romam pergens et post per alios identidem 
mittens, in Camino ferventissime contradictionis pressurarura tempestatibus exeoctus est. 
Preterea A. comes, advocatus monasterii, plenus minarum spirans, camerarium ecclesfe 
ante fores monasterii captivaturus, prius in abbatem pro camerario stantem impetum fecit 
et camerarium tenens manibus a tergo legatis durius afflixit. Quo tandem soluto solutus 
est etiam sathanas a carcere, qui consilio suo turbatis rebus et directo dolo in manu 
impii plurimam partem fratrum probris et contumeliis affectos, a claustro proeul fieri 
fecit. In qua dispersione pane arto et aqua brevi, nee non aliis penuriis aliquamdiu 
contriti, nisi divina gratia refecisset eos, ad nihilum redacti fuissent. Tandem triun- 
phatis omnibus emulis suis et auetoritate apostolici mandati renovata libertate monasterii 
sui, simul etiam duobus lateribus in ambitu claustri, que collapsa fuerant, ad integrum 
renovatis, cum muro, quem ante fores monasterii nobili opere satis eleganter inchoavit, 
sed immatura morte preventus ad plenum non perduxit; gravi namque molestia cor- 
poris arreptus et diutina animadversione quartanarum febrium cum effluente dissen- 
teria quasi [Fol. 12 a.] persecutionis gladio nimis attritus tredeeimo kal. Februarii 
carne solutus est. Homo, cui vix nostris temporibus aliquis tante largitatis, tante beni- 



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Hirsaugiensig. 15 

volencie, tante fidei similis inveniri poterit, excepto quod raaculis quibusdam tepitudinis 
et negligencie in claustralibus disciplinis cecutire videbatur. Prefuit autem annis octo, 
mensibus sex et septimanis tribus. Tumulatur ante altare sancti Nicolai. 1205. 

Lutfridus 

hie fuit 10. Hirsch, ablas, eligitur anno 1205. Vir ingenio clarus, maribus integer, 
conversatione maturus, vita religiosus, quippe qui tarn in se ipso, quam in sibi subiectis 
Schema rigoris monasticae inviölatum custodire curavit; praefuit annis 11, diebus 15 satis 
utiliter. 

Eberhardus 

undeeimus Hirs. abbas eligitur anno 1216. Vir scieniia moribusque clarus } ac regularis 
disciplinae solicitus conservator; praefuit annis 15, mensibus P, diebus 20, iura libertatesque 
motiasterii strenue defensans. 

Erne8tus 

duodeeimus abbas Hirs. eligitur anno 1231. Vir matisuetus, pius, religiosus et regularis 
institutionis aretissimus observator; praefuit annis 13, mensibus 2, diebus 7. 

Volpolchus 

abbas 13. Hirs. eligitur anno 1245. Vir quidem in se bonus, sed parum eruditus, sub 
quo feruor monasticae religionis claudicare coepit; praefuit annis 20 , mensibus 4, die- 
bus 23. 

[Fol. 12 b.] Johannes 

14. abbas Hirs. eligitur anno 1265. Vir honestae conversationis, qui claudlcantem regularis 
dbser vantiae diseiplinam paratus solidare parum praevaluit; praefuit annis 11, mensibus 3, 
diebus 15. 

Volandus 

15. abbas Hirs. eligitur anno 1276. Vir läborum impatiens, moribus vivens iuventutis, 
praefuit non satis provide annis 3, mensibus 4, diebus 9, cur am regiminis, cui minus 
utiliter praeerat, cum administratione abbatiälis dignitatis in manus fratrum resignans. 

Crafto 

16. abbas Hirs. eligitur anno 1280, patria Suevus, gener e ndbilis, sed virtutum daritate 
nobilior, vita probus et integer moribus placidusque conversatione , qui lapsam religionis 
monasticae observantiam crigere conatus, parum praevaluit; praefuit annis 13, diebus 20. 

Gottfridus 

17. abbas Hirs. eligitur anno 1293 ex gener e nobilium de Minchingen ortus, substantiac 
ac bonorum monasterii, quae distraeta, dispersa et impignorata fuerant, reparator et conser- 
vator diligentissimus, medioeriter literis eruditus, moribus cantentus avitis; praefuit annis 7, 
mense uno, diebus 24. 

Heinricus 

huius nominis seeundus, 18. abbas Hirs. eligitur anno 1300. Vitam suam iuxta quam 
reperü vivendi normam rexit et parum in utroque statu utilis fuit. Tandem iubente 
Ludovico Bavaro imperatore depositus; praefuit annis 17. 



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16 Codex 

Sigismundus 

19. äbbas Hirs. eligitur anno 1317. Patria Suevus ingenuis parentibus ex nobili gener e 
de Mtnchingen ortus, moribus placidus, patrio sermone promtus atque disertus, temporalia 
utüüer dispensans et itnpignorata bona redimens; praefuit annis 24. 

[Fol. 13a] Wickardus 

rigesimus abbas huius monasterii eligitur anno 1341. Vir in gerendis rebus arduis cautis- 
simus, qui alienata monasterii bona ad ins proprium revocavit, fuit homo laboriosus et 
singulari prudentia in rerum temporalium administratione circumspectus ; praefuit utüiter 
annis 12. 

Wtckhardus secundus 

21. abbas Hirs. eligitur anno 1354. Vir prudens, bonus et circumspectus, pro viribus 
alienata bona monasterii recuperare studuit; verum plura fecisset, si eum invida mors 
diutius vivere sustinuisset. Vestigiis avunculi sui inhaerendo praefuit annis 5, mensibus 8, 
diebus 21. 

Wignandus 

22. äbbas huius monasterii eligitur anno 1359, natione Germanus , patria Suevus ac 
müitari genere ortus, secunduntque sui temporis conditionem rita et moribus apprime insti- 
tutus. Hie propter maliciam temporis et hominum labescentem regularis observantiae 
diseiplinam, quia sustinere non potuit, aridam dereliquit; praefuit annis 20, mensibus 10, 
diebus 20, monasterium relinquens acre satis gravatum alieno. 

Gottfridus 

huius nominis secundus, 23. abbas Hirs. eligitur anno 1380. Vir mansuetus, pitts, paci- 
ficus et quietus. Hie monasterium in utroque statu miserabiliter suffocatum reperiens, 
Itbenter quantum in ipso fuerat, erexisset; verum quoniam vires deerant, non quod voluit, 
sed quod potuit, fecit; praefuit magna solicitudine et malicia temporis annis 9, mensibus 2, 
diebus 15. 

Wighardus 

tertius huius nominis, 24. abbas, eligitur anno 1389. Vir in agendis rebus temporalibus 
aecomodatus et providus, atque seeundum seculi dignitatem magnifkus. Monasterium, ut 
reperit, in utroque statu distr actum reliquit; praefuit annis IL 

Fridericus 

huius nominis secundus, 25. abbas Hirs. eligitur anno 1400. Patria Suevus, vita et mo- 
ribus maturus, temporalia et spiritualia utüiter dispensans, ac subditorum vüam ad regu- 
laris normam diseiplinae corrigens. Quippe qui in concilio Constantiensi personaliter con- 
stitutus multum pro libertate monasterii conservanda, maxime contumaciam et inobedientiam 
fratrum in Roth et Bichenbach compessendam laboravit. Praefuit annis 28. 

[Fol. 13b.] Wolframus 

dictus Meyser, 26. abbas Hirs. eligitur anno 1428. Patria Suevus, genere nobilis, ex 
parentela Meyser ortum ducens, vir seeundum seculi aestimationem a pluribus observatus. 
Hie post Basiliense concilium, cui personaliter interfuit, Melicensem primo, deinds Burst- 
feldensem reformationem introducens, regularis observantiae vüam instaurare contendebat] 
fuü autem vita et conversatione liberalis, monasterium aere gravatum alieno relinquens. 
Praefuit annis 31, mensibus 9, diebus 8. 



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Hirsaugiqnsig. 17 

Bernhardus 

27. ablas Hirs. eligitur anno 1460. Vir moribus et conversatione notabilis, ac monasterti 
pene in utroque statu collapsi secundus reparator, in actione providus, in vita exemplaris 
atqtii in conservanda Bursfeldensi iam pridem plantata reformatione sollicitus. Caetera 
desiderantur. 

Georgius 

28. abbas Hirs. eligitur anno 1482. Vir placidus et pius , in conversatione plurimum 
acdificatorius, praefuit annis 2 minus 20 diebus tarn utiliter quam religiöse, curam abba- 
ialis dignitatis resignans, cum per annos ferme 13 praeposüurae in Roth prius pr aefuisset. 
In utroque statu laudabiliter et cum fructu praesedit. 

Blasius 

29. abbas Hirs. eligitur anno 1484. Vir prudens, sagax et sapientia tarn seculari quam 
spirituali praeditus, in agendis rebus providus, in vita et conversatione waturus; praefuit 
annis 15, mensibus 9, diebus 14. Bona libertaiesque moHasterii cum plurimis sumptuosis 
aedificiis amplians. ; 

Johannes 

30. abbas Hirs., patria Suevus, plebeis sed honestis parentibus ex oppido Calw, unanimi 
fratrum consensu eligitur anno 1503, quarto nonas Augusti. Hie anno regiminis sui 14. 
ad honestam fratrum suorum peUtionem hoc picturae opus posteritati benemerenti fieri fecit. 
Quam d xtris poliere successibus in religionis et reipublicae incrementum superi condonent 
atque incolumem diu conservare dignntur. Vivat, valeat f elidier atque fiat, fiat. 

[FoL U.a.] Johannes 

3L abbas Hirs., natione Suevus, nitus ex oppido Bietighhaim , cum ageret priorem in 
'Mßicheribach, defuneto abbate antecessore suo huc est vocatus et in abbatem electus anno 1524. 
Quo praesidc Udalricus dux Wirtembergensis a ducatu per 16 annos abfuit f anno 1534 
4d ducatum est reversus, evangelii doctrinam doceri, papisticam tollt curavit. Monasterium 
igitur magna multitudo monachorum cum inhabitaret, cum Ulis id cgit, ut aut ecclesiae 
iiocendo evangelion inservirent, aut alio sese conferrent, aut privati agerent vitam, ubi pla- 
ceret, ex monasterii redditibus in victum et amictum aliquam summam peeuniae aeeepturi. 
Ad has propositas conditiones cum pars ad ecclesiae ministerium, aliqui ad alia monasteria 
abirent, pars vero hinc ülinc privatim vitam ageret et in singülos annos 40 florenos singuli 
aeeiperent, abbas ipse solus in monasterio mansit, privatus egit 7 500 aureos singulis annis 
aeeepit. Anno gratiae 1548, quo anno Sphinx Augustana Interim dieta papisticam doc- 
irinam et religionem prius explosam reducere conata, abbati quoque omnem potestatem 
restituit. Quo facto monachos privatim agentes, ut et maritos, non solum revocat, sed et 
adolescentes hocitios in monasterium reeepit, iuxta regulam Benedicti ut agerent et monachi 
fierent. Ita vita monastica Herum locum habere coepit, quod duravit usque ad mortem 
Udalrici. Anno 1550 die 6. Novembris Christophorus, Udalrici filius, patri successit; hie 
evangelicam doctrinam restituit, postquam confessionem suam concilio Tridentino prius 
anno 1552 24. die Ianuarii obtulisset. Cum abbatibus deinde egit, ut iuxta illam omnia 
sua instituerent , praesertim autem scholas olim in monasteriis usitatas restituerent et in 
iis coelestem doctrinam docerent [Fol. Üb]. Proposita ergo aliqua certa forma, quod 
factum est anno 1556 } ad scholam Hirschaugiensem vocatus est M. Heinricus Weicher- 
schreiter , ecclesiae Calvensis pastor, ut per aliquot tempus sattem scholae huic operam 
Fontes I. 2 



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18 Codex 

suatn locaret, quod etiam fecit. OoUegam habuit M. Sebastianum Blossen. Eodem anno 
13. diß Dezembr. Joannes ablas moritur. 

Ludowicus Felderer 

32. abbas eligitur Stuttgardianus, tibi aliquatndiu privatum vixit, ut supra dictum, monasterio 
relicto anno 34.; f actus est principi supplex, in abbatem ut eligat, praesertim cum prius 
prior em egisset; f actus est voti compos, praefuit officio usque ad annum 60, 18. Aug. vita 
functu$, natus annos 84. 

Heinricus Weickerschreiter 

33. abbas, eligitur anno 1560 mense Augusto, moritur anno Christi 1569 die 8. Aprilis. 
Fuit naüone Francus ex oppido Schwabach, sacrosanetae theologiae doctor, vir placidus et 
humanus. Verbum dei magno zelo docuit et constantia et primus, qui puram evangelii 
doctrinam in hoc coenobio plantavit, principe existente Christophoro. 

Johannes Parsimonius 

patria Augustanus, abbas evangelicus secundus, ordine 34. Vir theologus, eruditione, pietate, 
constantia, experientia, fide clarus, de ecclesia et schola optime meritus, minister verbi in 
distinctis locis (utpote Augustae Vind., Thubingae, diaconus Blabyrac, Canstadii, uU et 
decanus fuit, Stuttgardiae in aula principi 's); fuit per annos 42 consiliarius ducis Wirtem- 
bergensis, praesul domus huius fidus, ctä muncri praefuit annis 20. Moritur anno 1588 
in vigilia nativitatis Christi pie et placide, anno aetatis 63., cuius corpus hie etiam quiescit, 
anima autem vivit in deo expeetans optatam resurrectionem. 

Antonius Varnbilerus 

sacrosanetae theologiae docior, nascebatur Lindauiae [Fol. 15 a.] anno salutis 1555 die 
17. Ianuarii. Exinde in eius urbis, posteaque Tubingensis et ArgenUnensis gymnasii dis- 
ciplina educatus , evasit vir pietate , ingenio, eruditione atque iudicio praestans. Qui etiam 
anno aetatis 21. ad ecclesiae Tubingensis ministerium vocatus eoque annis octo tanta 
commendatiene funetus est, ut ab ülustrissimo principe domino, domino Ludovico, Wirtem- 
bergiae duce inelyto, in eius consistorium ecclesiasticum aulicumque concionatorem cooptatus, 
quinquennio post abbas monasterii huius ordinatus fuerit 35. in ordine, reformati tertius; 
quo munere vixdum annis duobus pie ac sanete gesto gravi morbo affectus ac victus pla- 
cide in Christo Iesu obdormivit communique piorum luctu hie sepultus est 8. die Maxi 
anno 1591, aetatis 36. Utebatur vivens hoc Nazianzeni dicto: 'ApjjYiv a7caTt*v xal t£Xoc 
irotei deov. 

Johannes Brentius 

naüone Suevus, patria Halensis, doctor theologus, darissimi illius theologi Ioannis Brentii 
praepositi Stutgardiani füius, annos circiter triginta scholam et ecclesiam Tubingensem 
sincera doctrina quam fidelissime instruxit ibidemqtie mores stipendii ducalis vigilantissime 
rexit. Inde praesul huius monasterii renunciatus, quo munere postquam summa cum laude 
quadriennium cum semestri defunefus esset ac per omnem xitam professionem vilae inno- 
centia antiqua et fide ornasset, placide in Christo obdormivit 29. Ianuarii anno 1596, cum 
vixisset annos 56, menses 5, dies 22, triste desiderium suis ut et aliis piis relinquens. 

[Fol. 15b.] Johannes Hutzelius. 



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Hirsaugienßis. 19 



[Fol. 17 a.] 

Sequuntur nomina Episcoporum seu Abbatum, qui de nostro 
conventu et monasterio ad alia loca dati sunt. 

Domnus Diemo martir et archiepiscopus propter periculum excommunicationis, 
que sub Heinrico rege quarto facta est, primum abbaciam suam in Saltzburg dereliquit 1085. 
et pro desiderio vite perfectioris monasteriura nostrum adiit. Postea ad eundem locum 
archiepiscopus eligitur. Circa finem vero vite sue cum aliis quam plurimis principibus 1090, 
Hierosolimam proficiscitur et in itinere a paganis captus claro martyrio coronatur. 

Gebehardus, frater Bertholdi ducis, ad Constantiam episcopus datur, vir magne 
sanctitatis et innocencie, cuius vita eximia luculenti sermone descripta habetur. Ipse 
auctoritate et precepto domini pape Urbani secundi monasterium nostrum maius 
Hirsaugiense dedicavit cellamque sancti Gregorii, que Richenbach appellatur, similiter 
consecravit. Tandem virtutibus plenus in pace quievit, eiusque transitus in profesto 
sancti Augustini festive recolitur. 

Gebehardus, nostri monasterii abbas, Spire episcopus constituitur, vir magne 
sciencie et prudencie. 

Dietgerus primum abbas ad sanctum Georgium in Nigra Silva datur, postea 
ad Metense episcopatum eligitur 1 ). 

[Fol. 17 b.] Nomina Abbatum ad alia loca transmissorum. 

Sigefridus abbas ad Schafhusen mittitur. 

Diepoldus postea ad eundem locum datur abbas. 

Heinricus abbas ad sanctum Georgium datur. 

Diethericus abbas ad Petrisshusen destinatur. 

Gisilbertus abbas ad Hasunga mittitur et cum toto grege suo pene quin- 1081. 
quaginta fratribus ad nos propter excommunicationem revertitur, quia in eodem loco 
eos non passi sunt permanere, nisi consentirent excommunicato regt Quibus deo dl- 
lectus pater Wilhelmus abbas cellam Richenbach ad habitandum assignavit, quousque 
pravorum conquiesceret livor. Postea idem Gisilbertus cenobio Rinhartssbrunnensi 
preficitur, cum quo etiam monasterium ad Ertpfurth procurandum suscepit. 

Nothgerus abbas ad Zwivalta mittitur. 1091. 

Gotefridus postea ad eundem locum. 

Guntherus abbas ad Camberg. 

Adalbero abbas ad cellam sancti Petri. 

Welicho abbas ad Altdorff. 

Azelinus abbas ad Burren. 1091. 

Otto abbas ad eundem locum datur, cum quo postea cenobium ad Rinowa 
suscepit. 



f ) Zusatz von späterer Hand: 

1. His additur Sigismundus, S. Aurelii monachus, fit episcopus Halber statensis. 

2. Bernwardus, monachus S. Aurelii, fit episcopus Herbipolensis, 

3. Reginboldus, S. Aurelii monachus, fit episcopus Spirensis. 

4. S. Theogerus fit abbas ad S. Georgium in Nigra süva, fit deinde episcopus medio- 
matricis Metz, 



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20 Codex 

1098. Hilteboldus abbas ad Maideburg. 

Hugo abbas postea ad eundem locum datur. 

Erckinboldus abbas ad Hugsshoven x ). 

Brunno abbas ad eundem locum datur. 
1085. P^°k 18 a J Wecilo abbas ad Lauen in provincia Carentinorum. 

Sigewinus abbas ad Rosatz iuxta Aquileiam. Hie Sigewinus cum alio, nomine 
Gaudentio, cum domno Wetzilone supradicto missi fuerant, et juterque abbacias absque 
permissu abbatis aeeeperunt. Sigewinus autem pro facto compunetus ad monasterium 
revertitur ; quem abbas Gebehardus ad comprobandam penitudinem eius in ultimo loco 
congregationis sedere fecit. Quod cum humiliter eum sufferre videret, proprio illum 
loco restituere non distulit. Gaudentius vero nee penituit nee gratiam fratrum suo- 
rum obtinuit, ideoque inter abbates, qui de nostro monasterio dati sunt, illum non 
annumeramus; sicut nee domnum Manegoldum, qui interventu amicorum suorum 
Campidonensem abbatiam sine consensu fratrum suorum a Heinrico quinto rege obtinuit. 

Esso abbas ad Beinwiler transmittitur. 

Eberhardus abbas ad Odenheim. 
ii Ä Gerungus abbas ad cellam domne Pauline. 

Udalricus abbas ad eandem cellam. 

Wolpoto abbas ad Gotzow. 

Burckardus abbas ad locum eundem. 

Rupertus abbas ad predictum locum. 

Rudolffus ad eundem locum abbas. 

Wolfframmus abbas ad Babenberg. 
1114. Ermenoldus abbas ad Bruveningen datur, vir sanetitate conspieuus, cuius gesta 

habentur. 

[Fol. 18 b.] Drutwinus abbas ad Breittenowa mittitur. 

Eckebertus abbas ad Bosowa. 

Volpoldus abbas, qui et Hugo nominabatur, ad eundem locum. 

Reginboldus abbas ad Naw. 

Adelbertus abbas ad eundem Jocum. 

Adalbertus abbas ad Elchingen. 

Adelheimus abbas ad Ammerburg, postea apud Mediolacum preficitur. 

Wernherus abbas ad Ertpfurt. 

Heinricus abbas ad Breitenowa. 

Diethericus abbas ad Schwartzah iuxta Herbipolim. 

Conradus abbas ad Schwartzah iuxta Rhenum. 

Hiltibertus abbas ad eundem locum. 

Burckardus abbas ad Wingarten. 

Diethmarus ad eundem locum. 
1188. Megingoss abbas ad eundem locum. 

Rudigerus abbas ad Tarissen. 

Luipoldus abbas ad Wessbrunn. 

Gotefridus abbas ad Brigantium. 
1167. Sigehardus ad Laurense cenobium abbas. 

Heinricus ad Blidenstatt abbas. 

Conradus abbas ad Hornbach. 

Conradus abbas ad Hugsshofen. 



*) Nach Mon. Germ. Scr. 17, 619, Amn. 50 ist Usenhoven zu lefen. 



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Hirsaugienßis. 21 

Marquardus ad Deckingen abbas. 

Conradus abbas ad Alperspacb. 1117. 

Bertoldus ad eundera locum in abbatem postea transmittitur. *» 

llDU. 

****** 

[Fol. 19 a.] Circa annum domini millesirauni quadringentesimum nonagesimum, 
reformato per fratres nostros monasterio in Schuttren, preficitur eidem loco domnus 
Iohannes Widel, variis officiis et dignitatibus nostri nionasterii longa per tempora 
exercitatus et fidelis inventus ; vir utique probitate, integritate, humilitate et sagacitate 
nostris temporibus nulli secundus. 



[Fol. 21a.] 

De consecratione maioris monasterii nostri Hirssow. 

Anno dominicc incarnationis millesiino nonagesimo primo, indictione quarta 1091. 
decima, sexto nonas Maii, ex auctoritate et precepto domini pape Urbani secundi de- 
dicata est basilica sanctorum apostolomm Petri et Pauli a venerabili domno Gebehardo, 
Constantiensi episcopo, adjuvante honorabili presule Wormatiensi Adalberto in nomine 
sancte et individue trinitatis et in honore sancte et victoriosissime crucis sancteque 
dei genitricis Marie et precipue sanctorum apostolorum Petri et Pauli sanctique 
Aurelii episcopi et confessoris et omnium sanctorum. 

Altare summum. 

Continentur autem in dominico altari venerande reliquie de sanguine domini, 
de sindone, de pallio sancte dei genitricis Marie; reliquie sancti Petri apostoli et 
sancti Mathie apostoli, Blasii, Leudegarii, Saturnini, Genesii, Faustini, Fortunati, Iusti, 
Probi, Albani, Kastuli, Kiliani, Allexandri et sociorum eius, Materni, Valerii, Aurelii, 
Eustachii, Erhardi, Udalrici confessorum ; Anastasie, Margarete, Basille et Radegundis, 
regine Francie. 

Altare sancte crucis in medio ecclesie. 

Altare sancte crucis consecratum est sexto nonas Maii in honore sancte crucis 
et sancti Ioannis Baptiste. Continentur in eodem altari reliquie eiusdem sancte crucis 
et sancti Ioannis Baptiste, Mathie apostoli, Cornelii pape, Eventii, Theodoli, sancto- 
rum innocentum, Dionisii, Genesii, Donati, Exuperii, Sigismundi, Yalentini, [Fol. 21b.] 
Pancracii, Christofori, Pelagii, Wencesslai, Appolinaris martirum; Iustini, Amandi, 
Germani, Marcialis confessorum; sancte Felicitatis filiorumque eius et Radegun- 
dis regine. 

Altare sancti Benedicti in choro. 

Altare medium ad orientalem plagam quinto kal. Octobris dedicatum est in 
honore sanctissimi confessoris et monachoruin patris Benedicti et sanctorum patrum 
Anthoüii, Arsenii, Mauri, Macharii, Hilarionis, Columbe, Pauli, Iohannis, Columbani, 
Galli, Magni, Othmari, Symeonis, Udilonis et omnium sanctorum monachoruin et here- 
mitarum. Continentur in eodem altari reliquie sancte dei genitricis Marie, Mathie 



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22 Codex 

apostoli, Laurentii martiris, Benedicti, Galli, Othmari, Columbani, Symeonis, Udilonis 
abbatum, et sancte Scolastice virginis. 

Romanorum pontißcum. 

Altare, quod est proximum medio in dextera parte, sexto nonas Maii conse- 
cratum est in honore omniura sanctorum romanorum pontificum. In quo continentur 
reliquie sancti Iacobi apostoli, Clementis pape et martiris, AUexandri, Kalixti, Ste- 
phani pape, Urbani, Cornelii, Fabiani, Marcelli, Gelasii, Gregorii, Leonis, Vigilii. 

Altare sancti Andree. 

Altare tercium a medio in dextra parte quinto nonas Maii consecratum est 
in honore omnium sanctorum apostolorum et evangelistarum, et precipue sancti Andree 
apostoli. Continentur autem in eodem altari reliquie eiusdem apostoli Andree, scilicet 
dens eius, et sanctorum apostolorum Bartholomei, Philippi et Iacobi, Symonis et Jude, 
Thome, Iacobi fratris domini Mathie, Barnabe, [Fol. 22a.] Ioannis et Marci evan- 
gelistarum, Agathonis, qui fuit unus ex LXXII discipulis, et sanctorum martirum Abun- 
dii, Valentini, Tiburtii et Valeriana 

Altare sancti Martini. 

Altare quartum a medio dextrorsum quinto nonas Maii consecratum est in 
honore omnium sanctorum confessorum, et precipue sanctorum Martini, Silvestri, Gre- 
gorii pape et doctoris, Nicolai, Remigii, Udalrici. Continentur autem in eo reliquie 
eorundem confessorum, sanctique Iacobi, Zebedei, Blasii martiris, Augustini, Ambrosii, 
Valerii, Willibaldi, Severi Mediolanensis, Severini Coloniensis, Prosperi episcopi et doc- 
toris, Hermachori, Hieronimi presbyteri et Maioli abbatis. 

Altare omnium sanctorum. 

Altare quintum a medio dextrorsum kal. Augusti consecratum est in honore 
omnium sanctorum et sancte Mechtildis virginis. In quo continentur reliquie sancto- 
rum apostolorum Andree, Iacobi, Mathie, Iohannis Baptiste, Stephani protomartiris, 
Clementis pape, Sixti, Donati, Hypoliti, Crisogoni, Pancratii, Valentini, Prothi, lacincti, 
Cipriani, Blasii, Quintini, Sebastiani, Tiburtii, Senonis, Lamperti, Eustachü martiris, 
Gregorii pape, Udalrici, Guillibrordi, Guillibaldi, Iustini, Aurei, Celsi, Valerii, Maximi 
confessorum, Cecilie, Barbare, Walpurge, Iuliane, Scolastice, Severe, Felicitatis mar- 
tirum ; item reliquie de vestimento beate Marie dei genitricis, de sepulcro domini Adal- 
berti et Valentini martirum, de terra sancti Udalrici episcopi. 

Altare sancti Emmerammi martiris. 

Altare, quod est proximum a medio in sinistra parte, [Fol. 22 b.] sexto nonas 
Maii consecratum est in honore preclari martiris atque pontificis Emmerammi et 
omnium sanctorum prophetarum. Continentur in eo reliquie sancti Mathei evangeliste, 
Blasii, Christofori, Valeriani, Marci et Marcelliani, Pancratii, Valentini, Dionysii, Pe- 
lagii, Magni, Nicomedis martyrum, Wolffgangi, Erhardi, Burckardi confessorum, sancte 
Felicitatis martiris, Walpurge virginis. 

Altare sancti Laurentii. 

Altare tercium a medio sinistrorsum quinto nonas Maii dedicatum est in honore 
sancti Laurentii martiris et sancti Stephani protomartiris, Innocentii , Blasii, Mauritii 



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Hirsaugiensis. 23 

sociorumque eius, Georgii, Sebastiani et omnium sanctorum martirum. Continentur 
in ipso altari reliquie sancti Laurentii, sancti Iacobi fratris domini Mauritii, Blasii, 
Georgii, Sebastiani, Victoris, Thebei martiris, Lamperti, Bonifacii episcopi et martiris, 
Kiliani, Marcellini et Petri, Romani, Naboris, Felicissimi et Agapiti, Exuperii, Genesii, 
Viti, Quirini, Theodori, Floriani, Senonis, Gangolfi martirum. 

Altare omnium sanctarum virginum. 

Altare quartana a medio sinistrorsum quinto nonas Maii consecratum est in 
honore omnium sanctarum yirginum et precipue Agathe, Agne, Lucie, Cecilie. Con- 
tinentur in eo reliquie earundem, nee non Margarete, Walpurge, Scolastice, Otilie, 
Regine, Tecle, Eulalie, Basille, Concordie, Prisce, Juliane, Helene, Felicitatis, Chriftine, 
Wiberade, Regule, Sabine, Kategundis, Guthildis, Zoe, Affre, Ursule, Binnose, Vi- 
ventie, Cordule. 

Altare sancti Mihahelis archangelu 

[Fol. 23 a.] Altare quintum a medio sinistrorsum quinto nonas Maii consecratum est 
in honore sancti Michaelis archangeli et omnium celestium spirituum, et in eo con- 
tinentur reliquie sancti Thome apostoli, Agapiti, Sergii et Bachi, Nicomedis, Valentini, 
Tiburtii, Anthonini, Gangolffi, Ursi, Materni. 

******* 

Anno incarnationis dominice millesimo quadringentesimo quadragesimo oetavo 
dedicata sunt quatuor altaria sequencia a venerabili domno Petro, Mitrensi episcopo, 
reverendi in Christo patris et domni domni Reinhardi, episcopi Spirensis, vicario gene- 
rali in pontificalibus. 

Altare sancti Sebastiani. 

Altare primum a medio crucis dextrorsum consecratum est quintodeeimo die 
Maii in honore sanctorum Pauli apostoli, Fabiani et Sebastiani atque Christofori mar- 
tirum. Continentur in eo reliquie eorundem, nee non et aliorum plurimorura sanc- 
torum et sanctarum. 

Altäre sancti Nicolai. 

Altare primum a medio sinistrorsum quinto deeimo die Maii consecratum es- 
in honore sanctorum Petri apostoli, Nicolai, Udalrici, Aurelii episcoporum et Galli cont 
fessoris, quorum reliquie in eo continentur cum aliis reliquiis plurimorum sanctorum 
et sanctarum. 

Altare sanete Katherine virginis. 

Altare seeundum a medio crucis dextrorsum sedeeimo die Maii consecratum 
est in honore sanctorum Ioannis Baptiste, Katherine, Barbare, Margarete, Ursule et 
sodalium eius virginum, quorum reliquie contiqentur in eo cum aliis plurimis. 

Altare sanctorum trium magorum. 

Altare tercium a medio crucis sinistrorsum sedeeimo die Maii consecratum est 
in honore sanctorum trium magorum, [Fol. 23 b;] Andree apostoli, Georgii martiris, 
Osswaldi regis et martiris, Viti martiris, quorum reliquie in eo continentur cum 
aliis plurimis. 

Anno domini millesimo quadringentesimo septuagesimo primo consecrata sunt 
altaria duo sequencia: 



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24 Codex 

Altare sancti Berte dicti 

extra altare tercium a medio crucis dextrorsum consecratum est ydibus Octobris in 
honore sanctorum Benedicti abbatis, Hieronimi presbyteri et Agathe virginis et mar- 
tiris. Continentur in eo reliquie de ligno dominico, Ioannis Baptiste, Pauli, Andree, 
Thome apostolorum , Stephani prothomartiris , Laurentii, Georgii martirum, Silvestri, 
Nicolai, Benedicti, Iuventii, Decentii, Egidii confessorum, Marie Magdalene, Scolastice, 
Margarete. 

Altare sancti Stephani prothomartiris. 

Altare quartum a medio crucis sinistrorsum ibidus Octobris consecratum est 
in honore sancti Stephani prothomartiris, Herasmi martiris, Nicolai episcopi, Dorothee 
virginis. Continentur autem in eo reliquie sanctorum Andree apostoli, Marci evan- 
geliste, Stephani prothomartiris, Mauritii martiris, Cirilli episcopi et martiris, Ana- 
stasie, Iuliane, Margarete, Marie Magdalene, sanctorum innocentum martirum, de 
presepio domini. 

Altare sancte Marie Magdalene. 

Altare secundum a medio crucis sinistrorsum idibus Maii anno domini mille- 
simo quingentesimo concecratum ent a venerando domno Heinrico, Termopolensi epis- 
copo, reverendi in Christo patris et domni domni Ludovici, Spirensis episcopi, suffraganeo, 
in honore sancte et individue trinitatis et domini nostri Iesu Christi glorioseque vir- 
ginis Marie, sanctorum Ioachim et Anne [Fol. 24 a.] parentum eius, Marie Cleophe et 
Marie Salome, Ioseph nutricii ac tocius progeniei ßalvatoris, nee non et in honore 
sanctorum Andree apostoli, Marie Magdalene, Marthe et Lasari, Ioannis, Mathei, Marci 
et Luce evangelistarum , Gregorii, Ambrosii, Augustini et Hieronimi doctorum, Ana- 
stasii pontificis, Wolffgangi episcopi, Onufrii, Eustasii, Fridolini confessorum, Vincentii* 
Georii, Blasii, Erasmi, Panthaleonis, Viti, Christofen, Dionisii, Ciriaci, Achatii, Eu- 
stachi^ Egidii, Barbare, Margarete, Katherine, Cecilie, Helene regine, Pelagie, Marie 
Egyptiace, Helysabeth vidue, Affre sodaliumque eius. Et in eodem altari continentur 
reliquie S. Marie Magdalene, Andree apostoli, Georii, Panthaleonis, Vincentii et Christo- 
fori martyrum, Ambrosii et Anastasii confessorum, Cecilie, Notpurge et uudeeim milium 
virginum, Helysabeth vidue et aliorum multorum sanctorum et sanetarum. 

Dedicatio oratorii omnium sanctorum. 

'Anno domini millesimo quadringentesimo octogesimo septimo dedicatum est 
Oratorium omnium sanctorum a Heinrico, Termipolensi episcopo, in honore sancte et 
individue trinitatis et omnium sanctorum. Continentur autem in altari reliquie de 
digito sancti Petri apostoli, decem milium martirum, Georii, Hypoliti et Christofori 
martirum, Aurelii, Nicolai et Anthonii confessorum, Agathe, Katherine, undeeim milium 
virginum et Marie Magdalene, de ligno vivifice crucis et de mensa domini. Dedicatio 
eius peragetur doroinica proxima ante ascensionis dominice solennitatem. 



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Hirsaugieü&is. 25 



[Fol. 25 a.] Tempore Ludovici Pii et pie memorie imperatoris Karoli Magni 
filii erat in partibus Alemannie provincie quidara religiosus comes nomine Erlefridus. 
Cjui divina tactus inspiratione ob amorem celestis patrie decrevit deo cenobiale 
monasterium construere in predio suo, in loco scilicet ameno, qui Hirsaugia nuncupatur, 
idque Christo annuente feliciter et efficaciter patravit. Nam et monasterium edificavit, 
quod in honore sancti Aurelii confessoris atque pontificis, cuius etiam corpus sacra- 
tissimum ibidem reconditum est, consecrari fecit et fratres secundum regulam sancti 
Benedicti summo regi militaturos collegit, quibus et de prediis suis, quantum ad 
corporalem sustentationem sufficeret, contradidit. Dedit enim prefatum locum cum 
viculis circumiacentibus et Silva non modica. Dedit in Stamheim ecclesiam et magnam 
eiusdem ville partem cum viculis ad eam pertinentibus. Dedit in Teckenpfran eccle- 
siam et quicquid ibi habuit, in Gilstein.XII hubas, in M6uchingen XII hubas et eccle- 
siam, in Toffingen ecclesiam, in Munchelingen predium bonum. Hec sunt autem 
nomina villularum: Lutzelenhart, Altbura, item Lutzelenhart , Ebersbuhel, Cobelbach, 
Nagalthart, Ottenbrunnen , Hussteten, Gumprechtesswiler, Sumenhart, Waltingswant, 
Wirtzbach, Calenbach, Altbura villa ditnidia. 

[Fol. 25 b.] Postquam ergo uni versa cum dei adiutorio secundum propriam 
voluntatem consummavit et fratres, qui illic convenerant, regularis vite traiöitem ali- 
quandiu fideliter observarent, post illius obitum peccatis exigentibus sancta illa conver- 
satio paulatim imminuta est, deinde etiam, quod dictu miserabile est, penitus deperiit. 
Substituti sunt in locum illorum clerici, qui non canonice, sed seculariter viventes, ea, 
que solius dei servido mancipata fuerant, coniugibus suis et filiis diviserunt. Perdu- 
ravit hoc usque ad tempus comitis Adalberti de Kalwa et uxoris eius Wieldrude* 
quorum corda deus succendit, ut pristinam conversationem in predicto loco reparare 
cogitarent et, ut id efficacius fieret, omnipotentis dei auxilium et virorum religiosorum 
consilium obnixe quererent. Supervenit per idem tempus Leo papa, avunculus eiusdem 
Adalberti , qui sibi Privilegium monasterii presentari fecit lectisque literis et cognita 
veritate eidem nepoti suo sub interminatione divine ultionis preccpit, ut absque dila- 
tione monasticam religionem reformare studeret. Quod ille ac si de celo sonuisset 
suscipiens cum omni diligencia sibi imperata perficere curavit. 

Adalbertus comes senior de Kalwa, consenciente uxore sua Wielicha filiisque um 
suis Brunone, Adalberto, Gotefrido ac filiabus Uta et Irmingarde, dedit ad monasterium 1075, 
sanctorum apostolorum Petri et Pauli sanctique Aurelii confessoris, quod est construc- 
tum in Hirsaugia, in Wile quindecim hubas, in Dambach novem iugera vinearum, 
[FoL 26 a.] in Waleheim vinetum, in Biberbach ecclesiam dimidiam et unam hflbara, 
et villam Botenanc, et duas hubas in Malmsca, et dimidiam partem Gumprechtswiler. 
Hec autem omnia in concambium dedit pro curte ad Louffe. Mem comes postea ad 
Scaltebrunnen decem hubas dedit, quinque pro coniuge Wielicha et quinque pro filio 
Adalberto. 

Rudolfus rex dedit ad Burchhalden XI hubas. ™ r 

Bertholdus dux in Gilesten novem hubas et dimidiam ecclesiam et dimidium , n1a * 
mercatum in concambio pro predio in Wilheim dedit; quod predium dederat nobis 1095. 
Gebehardus, Constantiensis episcopus, frater predicti ducis Bertholdi. Postea in eodem 
loco addidit predictus dux V hubas. 

Bertholdus comes de Chirchberg VI hutoas dedit fo Gilesten. 

Waltherus de Tettingen IV hubas in Gilesten dono dedit, quintam in con- 
cambium pro alia in Messesteten Sita. 

Burckardus comes de Stouffenberg tres hubas et partem ecclesie ad Nieueren dedit. 



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26 Codex 

Bertholdus frater eiusdem Burckardi comitis ad Forcheim in Brisgowa duas 
hubas; in Endingen quicquid vinearum habuit; ad Noppenow in Martnowa quinque 
hubas, et in eodem pago ad villam Acchara partem ecclesie et Uli hubas; ad Vulten- 
bach unam hubam, et insuper quicquid de suo iure ad easdem villas pertinet; ad 
Mulenbach dimidiam hubam ; ad Steinbach partem ecclesie et quicquid ibi terre, vineti 
et silve habuit. [Fol. 26 b.] Sed ea, que ad Mulenbach dedit, et partem eorum, que 
ad Steinbach, postea data sunt in concambium pro duabus hubis in Almentingen et 
duabus in Dudelingen; ad Eberstein quartana partem ecclesie et insuper quicquid 
in eodem loco habuit; quicquid etiam habuit ad Cuppenheim et ad Rasteten et ad 
Forcheim; ad Niueren partem ecclesie et Uli hubas; ad Wile XV hubas et molen- 
dinum ;' ad Rumfeit quicquid ibi habuit, quod venditum est et precio eius id, quod in 
Pforzheim emimus, ex parte comparatum; ad Ramesberg duas hubas. Quod ad En- 
dingen et Forcheim et ad Niueron datum est, fratribus ad sanetum Gregorium con- 
cessum est 

Idem Bertholdus in Pforzheim oetavam partem ville excepto mercato dedit 
Insuper habemus ibidem quartam partem ville, que hereditario iure cessit in partem 
fratrum eius Anselmi et Adalberti, quam nos coemimus a Hermanno eiusdem Anselmi 
filio LXX marcis. Huius rei testes fuerunt Adalbertus de Sallestat et frater eius 
Bertholdus', Eberhardus de Sedorff, Bubo de Veningen, Waltherus de Wiler, item 
Waltherus de Geroldsecca, Luitfridus de Owenswiler. 
im ^ sso et ^ lius eius Sigehardus de Wolfessleden in Tegerloch XII hubas; in 

Wurmlingen V hubas et unum vinetum, et in Durinkeim tres silvaticas hubas et 
vinetum. Idem Sigehardus dedit duas hubas ad Sc&dewiler. [Vol. 27 a.] 

Heinricus serviens eorum in eodem loco dedit tres hubas. Idem postea emit 
dimidiam hubam ab Erckinberto de Ambera pro quinque talentis in eodem loco. 
1190. Sigefridus Spirensis episcopus, filius predicti Sigehardi, pro fratre suo Gotfrido 

dedit molendinum ad Sulichin; postea pro remedio anime sue quod residuum ei erat 
saneto Petro tradidit. 

Benso de Gerringen unam hubam in eodem loco, que data est pro alia huba 
in Toffingen. 

Sigehardus de Kalphen XIIII hubas et dimidiam ecclesiam et oetavam eius 
partem ab Grubbingen, que in concambium data sunt pro dimidia ecclesia in Un- 
dingen et quarta parte eiusdem ville, quod ipsum postea in concambium ad Burbach 
datum est. 

Marquardus de Werstein et uxor eius Gepa, filiusque eorum Wernherus ad 
Mulen unam salicam terram et unam hubam et duo molendina; ad Altheim unam 
hubam; ad Raggesingen Uli hubas; ad Vischingen unam hubam. 
1OT7 Agnes imperatrix dedit quinqe hubas ad Sultzuelt, pro quibus sex date sunt 

in Ruthmarsheim. 
1150 Gemma comitissa de Tuwingen cum filiis suis Heinrico et Hugone pro marito 

suo Hugone ad Eckenwiler dedit unam salicam terram et tres hubas. 
1080 Diemarus de Triuels XII hubas et unum vinetum et unum molendinum ad 

Vberncheim, et decem hubas [Fol. 27 b.] et dimidium molendinum ad Osenhusen, et 
tres hubas ad Katzenbach cum omni iure et proprietate absque ulla contradictione, 
quod fratribus ad sanetum Gregorium concessum est 

Cuno de Tahenstein ad Mortenstal et Bienenheim XII hubas et vinetum dedit, 
quod fratribus ad sanetum Gregorium concessum est. 

Goswin de Tullinshusen, quicquid ad Waleheim habuit, dedit. 

Rapoto de Breitenowa ad Ältheim V hubas et ad Nieueren duas hubas dedit 



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Hirsaugiensis. 27 

HermanDUS de Sultz dedit ad Nieueren VI hubas; ad Gotelubingen tres hubas, 
et ad Harthusen tres hubas, que tres date sunt pro alio predio in Oswile. Quod ad 
Gotelubingen et ad Niueren fratribus ad sanctum Gregorium datum est. 

Wintherus de Oswile in eodem loco unam salicam terram, et in Almendingen 
Uli hubas et ecclesiam dedit. Hesso de Westheini dedit in eodem loco unam salicam 
terram et unam hubam et partem ecclesie. 

Gebehardus de Bebelingen et uxor eius Adelheit duas hubas ad Westheim. 
In eadem villa habemus alias Septem hubas emptas viginti Septem marcis ab Adalberto, 
eiusdem loci indigena, quarum quinque culte, due sunt silvatice. 

Trasemunt de Bebelingen ad Fugingen tres hubas dedit, quarum due date 
sunt in concambium pro [Fol. 28a.] quodam predio in Westheim. 

Adalbertus de Cnuttlingen dedit ad Westheim partem, quam in ecclesia habuit. 
— Luitfridus in eadem villa dimidiam hubam dedit Gumpertus quoque dimi- 
diam hubam. 

Geba conversa et comitissa de Osterfrancken dedit sancto Petro Hirsaugie "™ 
octo hubas in Westheim, quas emit XXXII marcis. Strute dedit domnus Diemarus 
militi suo Rudolfo in proprietatem, quod postea emimus. In hac emptione dedit eadem 
domna Geba novem marcas et domnus Bruno abbas sex marcas; octo enim sunt hübe. 
Stutpferrichen decem marcis emit eadem Geba circa VI hubas a Reginboto comite de 
Malsga. In Frubrechtshusen dedit XII hubas, que hereditas eiusdem domne Gebe 
fuerunt Insuper frater Egeno cum pecunia eiusdem Gebe videlicet viginti marcis 
emit in Owenswiler VII hubas et quartana partem ecclesie. Huius rei testes sunt 
Udalricus de „Weibstat et filius eius Sigeboto, Ceisolfus et frater eius Riccowo, Marc- 
wardus de Nussboum et frater Hertwigus. Huius donationis traditionem fecerunt Luf 
et frater eius Gosmarus ad Gartaha, et ibi emptio facta est. Preterea de eiusdem 
domne Gebe pecunia cesserunt in usum fratrum XXX marce. Dedit etiam nobis cali- 
cem unum et stolam aurifrigio et tinnulis decentissime contextam, et aliam rubeam 
minoris quidem precii, sed honestam, lapidem altaris argenteis brateolis ornatum, 
crucem, que super maius altare ponitur [Fol 28 b.] in sanctorum festivitatibus , casu- 
lam unam et duo vineta, unum in Owenswiler, aliud in Frubrechtshusen. Quod in 
Frubrechtshusen dedit, rogavit nos, ut idem predium daremus fratri suo Goswino pro 
XXX marcis; quod et factum est. De eisdem marcis due date sunt Friderico preposito 
ad coemptionem predii in Stamheim; fratri Bertholdo pro predio in Burbach et in 
Suttren tres marce et dimidia; fratri Walcunoni pro predio in Tüntzlingen quatuor 
marce; fratri Adalberto de Zimbren pro predio in eodem loco sito dimidia marca; 
fratri Heinrico de Wurmlingen pro predio in eodem loco dimidia; fratri Hugoni de 
Rutingen tres marce; quindecim marce in emptione predii in Ruderchingen ; quarum 
summa simul collecta fiunt XXVIIII marce et dimidia. 

Heinricus de Räggsingen dedit V hubas et vinetum, et ad Bietikeim duas 
hubas. Quod ad Rugsingen dedit, pro alio in Mura datum est. 

Rflgerus de Bietikeim et uxor eius Himeldrut dimidiam hubam in eodem loco 
dederunt. 

Räggerus cognatus eius et uxor eius Gerdrut dedit unam hubam in Helmolds- 
heim, que vendita est« 

Rflggerus, prefati Ruggeri filius, dedit unam hubam ad Wingarten. 

Diemo de Tuscelingen dedit quicquid ibi habuit et in Ginningen predium, 
quod datum est pro una huba in Gilesten. Ad Wildungen quoque dedit [Fol. 29a.] 
unam hubam, que data est cum predio, quod ad Egge habuimus et silva in alio loco 
sita Adalberto de Obernsteten pro predio in Stutpferrich, q